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Bischof Erwin Kräutler: «Was ich für die Indios in Brasilien tun kann, werde ich tun»
Episode 6627th March 2026 • Laut + Leis • kath.ch
00:00:00 00:33:09

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Shownotes

Seit über sechzig Jahren lebt Bischof Erwin Kräutler in Brasilien und kämpft für die Rechte der indigenen Bevölkerung, den Schutz des Regenwaldes und eine geschlechtergerechte Kirche. 2010 wurde der Amazonas-Bischof mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet und jetzt mit dem Herbert-Haag-Preis.

Die Themen dieser Folge:

  • Herbert-Haag-Preis: Was macht Bischof Erwin Kräutler mit dem Preisgeld von CHF 10'000?
  • Im Jahr 1965 wurde der Vorarlberger zum Priester geweiht: Weshalb wollte er seinen Dienst in Brasilien antreten?
  • Ein grosses Anliegen sind ihm die Rechte der indigenen Bevölkerung: Wie ist es ihm gelungen, ihr Vertrauen zu gewinnen?
  • Seit 1988 sind die Rechte der Indios in der brasilianischen Verfassung festgeschrieben. Weshalb setzt die Justiz sie nicht konsequent um?
  • Von 1981 bis 2015 war er Bischof von Xingu, einer Diözese so gross wie Deutschland: Wie hat er diese Aufgabe angepackt?
  • Als Umweltaktivist und Menschenrechtskämpfer wurde er an Leib und Leben bedroht: Was waren die schlimmsten Erlebnisse?
  • 16 Jahre lang stand er unter Polizeischutz: Weshalb verzichtet er heute darauf?
  • Amazonas-Synode 2019 in Rom: Weshalb hat Papst Franziskus nicht umgesetzt, was mehr als zwei Drittel der Bischöfe befürwortet haben?
  • Die Vision des 86-Jährigen ist eine nicht-klerikalistische, geschlechtergerechte Kirche: Was ist sein Kernanliegen?
  • Das neue Buch von Erwin Kräutler: «Prophetische Kirche in Amazonien. Indigene Völker und Ökologie». Aus dem Portugiesischen von Monika Ottermann. 152 Seiten, Edition Exodus, Luzern 2026.

Transcripts

Speaker:

Erwin Kräutler [00:00:02]

Früher hat man immer gesagt,

2

:

ich bin für die Indios da, aber 

heute sagen wir, ich bin mit ihnen,

3

:

und das Mit-Sein ist viel mehr als für sie sein. 

Für sie sein, da bin ich immer noch derjenige,

4

:

der über ihnen steht und sagt, macht es so 

oder so, und ich werde euch dazu helfen,

5

:

aber wenn ich mit ihnen bin, dann spüre 

ich auch langsam ihre Nöte und Sorgen, ihre

6

:

Freuden und ihren Reichtum. Persönlicher Reichtum, 

kulturelle Reichtümer, auch religiöse Reichtümer.

7

:

Sandra Leis [00:00:41]

Das sagt Erwin Kräutler,

8

:

bekannt als Amazonas-Bischof. Er lebt seit über 

60 Jahren in Brasilien und kämpft unermüdlich

9

:

für die Rechte der indigenen Bevölkerung und für 

den Schutz des Regenwaldes.:

10

:

Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet und jetzt 

mit dem Herbert-Haag-Preis. Ich bin Sandra Leis

11

:

und treffe Bischof Erwin Kräutler am Morgen nach 

der Preisverleihung in einem Hotel in Luzern.

12

:

Bischof Erwin Kräutler, herzlich willkommen zu 

unserem Gespräch im Podcast «Laut und Leis».

13

:

Erwin Kräutler [00:01:18]

Danke für die Einladung.

14

:

Sandra Leis [00:01:19]

Sie sind gestern mit

15

:

dem Herbert-Haag-Preis ausgezeichnet 

worden. Was bedeutet Ihnen dieser Preis?

16

:

Erwin Kräutler [00:01:28]

Dieser Preis ist für mich

17

:

eine Anerkennung dessen, was wir, ich sage bewusst 

wir, ich war ja nicht allein, durch Jahrzehnte an

18

:

Projekten ausgeführt haben. Ich nenne vor allem 

meinen Mitbruder, der bereits verstorben ist,

19

:

Tiroler aus St. Anton am Adelberg, Pater Fritz 

Tschol, mit dem ich 50 Jahre zusammengearbeitet

20

:

habe und die meisten Projekte, die wir miteinander 

ausgeführt haben, da verdient er eine Dankbarkeit,

21

:

die ich nie meiden werde. Wenn man mich fragt, was 

hast du gemacht, werde ich ihn nennen, auch andere

22

:

Personen, aber das geht jetzt nicht, dass ich eine 

Person nach der anderen aufliste. Ich war Bischof,

23

:

aber das heißt nicht, dass ich gesagt habe, das 

wird gemacht. Und ich habe mich zurückgezogen,

24

:

wir haben zusammengearbeitet. Und ich hab immer 

auch den guten Rat und die Vorschläge meiner

25

:

Gemeinden gesucht. Und manchmal bin ich auch von 

dem abgekommen, was ich mir vorher gedacht habe,

26

:

weil ich einfach angewiesen bin auf das, was 

das Volk gut ist, also unsere Leute und auch

27

:

meine Mitbrüder, Mitschwestern gemeint 

haben, was wir tun können und was nicht.

28

:

Sandra Leis [00:02:46]

Das Preisgeld beträgt

29

:

10'000 Schweizer Franken. 

Was werden Sie damit tun?

30

:

Erwin Kräutler [00:02:52]

Dieses Geld werde ich voraussichtlich,

31

:

wie ich das schon öfter getan habe, für 

Lebensmittelkörbe für Familien verwenden.

32

:

Ein Teil geht in das Haus für Mutter und Kind, 

das wir seit Jahren oder Jahrzehnten führen,

33

:

wo Frauen, schwangere Frauen, kurz vor der 

Entbindung nach Altamira kommen, sagen wir aus

34

:

dem Busch und dann bis zur Geburt oder nach der 

Geburt dort bleiben. Daneben ist eine Institution,

35

:

die wir Refugio nennen. Dort sind Menschen, 

kranke Leute aus dem Hinterland, die sich

36

:

ambulant behandeln lassen müssen in Altamira, 

aber keine Verwandten dort haben. Tausende sind

37

:

durchgegangen, und die Leute bringen dann ja 

praktisch nichts mit. Man muss die Medikamente

38

:

dann kaufen und so. Also dieses Geld ist ganz 

sicher, dass wir es in dieser Hinsicht verwenden.

39

:

Sandra Leis [00:03:58]

Das Geld ist also gut

40

:

angelegt. Sie sind heute 86 Jahre alt und 

leben seit über 60 Jahren in Brasilien.

41

:

Wie ist es damals dazu gekommen, 

dass ein frischgeweihter Priester

42

:

aus Vorarlberg in Österreich seinen 

Dienst in Brasilien antreten will?

43

:

Erwin Kräutler [00:04:16]

Das ist eine gute Frage,

44

:

aber ich wusste da schon, bevor da war, das 

ist eine längere Geschichte. Vielleicht die

45

:

Kurzfassung? Die Kurzfassung. Es begann 

schon in meiner Kinderzeit. Mein Onkel,

46

:

das sind zwei Onkel mütterlicherseits, die 

Brasilien ausgereist im Jahre:

47

:

Einer war Priester, der andere war so etwas 

wie ein Laienhelfer, der dann in Brasilien

48

:

geheiratet hat und... Und mein Onkel war 

am Xingu, dort wo ich hingereist bin.

49

:

Sandra Leis [00:04:50]

Das ist der Fluss der große.

50

:

Erwin Kräutler [00:04:54]

Ich darf nicht sagen, dass er

51

:

mich verpflichtet hat, dort hinzukommen, weil die 

Entscheidung war meine. Und ich habe mir einfach

52

:

gedacht, damals gab es noch in Österreich, ich bin 

in Salzburg geweiht worden, in Österreich gab es

53

:

damals noch Priester genug. Jeder ist dem anderen 

auf die Zehen getreten. Und ich hab mir gedacht,

54

:

ich werde mein Priestertum dort verbringen, 

wo es wenige Priester gibt. Und der Provinzial

55

:

hat damals gesagt, ich bin dafür, dass wir unsere 

jungen Leute dorthin lassen, wo Feuer im Dach ist.

56

:

Sandra Leis [00:05:26]

dann sind Sie dahin. Das war:

57

:

als Sie nach Brasilien gekommen 

sind. Wenn Sie sich zurückerinnern,

58

:

was hat Sie damals am meisten überrascht?

59

:

Erwin Kräutler [00:05:39]

Überrascht wurde ich

60

:

eigentlich nicht von der Umgebung, mit 

der habe ich mich schon längst vertraut,

61

:

wenn ich auch sie nicht persönlich erlebt 

habe, aber ich war von mir selber überrascht,

62

:

weil ich gesagt habe, ich bleibe. Für mich war 

es klar, ich werde hierbleiben. Das ist meine

63

:

Berufung und ich werde mein Leben hier erleben, 

werde es für die Schwestern und Brüder einsetzen,

64

:

speziell auch für indigenen Völker. Und da 

gibt es auch noch ein Erlebnis, das mich damals

65

:

ganz besonders beeindruckt hat. Zwei 

Männer, zwei Herren haben mir gesagt,

66

:

ich soll mich nicht für die Indios einsetzen. 

Die Indios gibt es in 20 Jahren sowieso nicht

67

:

mehr. Und das war für mich ein Schock. Und dann 

habe ich mir gedacht, es hängt nicht von mir ab,

68

:

aber was ich tun kann, werde ich für die Indios 

tun, damit sie leben und überleben können.

69

:

Sandra Leis [00:06:36]

Neben den Indios setzen

70

:

Sie sich auch sehr für den Regenwald ein. Das 

ist eines Ihrer ganz grossen Ziele gewesen,

71

:

diesen Regenwald zu erhalten. 

Aber wenn Sie heute hinschauen,

72

:

wie viel ist noch übrig von diesem 

Regenwald, den Sie damals angetroffen haben?

73

:

Erwin Kräutler [00:06:53]

Ja, wie ich ihn damals

74

:

angetroffen habe, das war 

noch tropischer Regenwald.

75

:

Sandra Leis [00:06:56]

Das war richtig viel.

76

:

Erwin Kräutler [00:06:58]

Das beeindruckt mich

77

:

unendlich und hat mich schon an den Rand einer 

Verzweiflung gebracht. Weil ich gesagt habe,

78

:

wir setzen uns so dafür ein, weil 

diese Völker, die in Amazonien leben,

79

:

überleben nur mit dieser Umwelt. Und ich nenne 

sie deswegen nicht Umwelt, sondern Mitwelt.

80

:

Sandra Leis [00:07:19]

Und wie viel vom Regenwald ist denn noch da?

81

:

Erwin Kräutler [00:07:22]

Es gibt schon, also ich meine, ich glaube, die

82

:

Hälfte ist so noch mehr oder weniger intakt. Ich 

sage mehr oder weniger, weil es ist irgendwie eine

83

:

Versuchung, die nie aufhört bei den Holzfällern. 

Alle Edelhölzer, die irgendwo sind, die werden

84

:

gefällt, auch gegen alle Gesetzgebungen von der 

Regierung her. Und die werden meistens nicht

85

:

verfolgt oder mit saftigen Strafen belegt, sondern 

machen tüchtig weiter. Und zur nachtschlafenen

86

:

Stunde fahren Sie die Hölzer, die Edelhölzer aus 

dem Busch irgendwo hin und lassen sie in einer

87

:

Sägerei dann zuschneiden und da kann man nicht 

mehr versuchen, wo sind die Hölzer hergekommen.

88

:

Sandra Leis [00:08:10]

Das zu rekonstruieren, quasi.

89

:

Erwin Kräutler [00:08:12]

Rekonstruieren, das geht nicht mehr.

90

:

Sandra Leis [00:08:14]

Die Rechte der indigenen

91

:

Bevölkerung sind Ihnen sehr wichtig. Wie 

ist es Ihnen denn gelungen, den Zugang

92

:

und das Vertrauen der Menschen zu gewinnen? 

Ich weiss von Ihnen, dass Sie die Sprachen,

93

:

also bewusst Plural, Sprachen, gelernt 

haben. Was brauchte es sonst noch?

94

:

Erwin Kräutler [00:08:34]

Das einzige Wort, das mir jetzt einfällt,

95

:

man muss die Leute lieben, man muß sie gernhaben. 

Und meine Erfahrung war ja genau das, ich habe

96

:

die Sprache gelernt, damit sie verstehen, dass ich 

sie gernhabe. Und ich habe das nie mehr vergessen,

97

:

als ich das erste Mal in einem Kayabo-Dorf 

war. Dort konnte ich die Sprache nicht.

98

:

Und hatte einen Dolmetscher und der hat 

dann übersetzt, aber ich war eine Null

99

:

dort. Und da habe ich gedacht, ich gehe 

nie mehr in diese Gemeinde, es sei denn,

100

:

ich kann die Sprache wenigstens so 

weit, dass ich mich verständigen kann.

101

:

Sandra Leis [00:09:10]

In Ihrem Buch, das jetzt soeben

102

:

herausgekommen ist mit dem Titel «Prophetische 

Kirche in Amazonien», das haben Sie auf

103

:

Portugiesisch geschrieben, ist jetzt übersetzt 

auf Deutsch. Ich konnte es vorab schon lesen,

104

:

ich habe die Fahnen bekommen. Und da schreiben 

Sie an mehreren Stellen von «Inkulturation»,

105

:

diesen Begriff bringen Sie mehrfach. Was verstehen 

Sie sonst noch darunter, neben der Sprache?

106

:

Erwin Kräutler [00:09:37]

Die Sprache ist ein Teil der Inkulturation.

107

:

Sandra Leis [00:09:38]

Genau, sie ist ein ganz wichtiger Teil.

108

:

Erwin Kräutler [00:09:39]

Ja, von Inkulturation spricht man dann

109

:

immer im Zusammenhang mit dem Evangelium. Das 

heißt, ich gehe nicht hin und sage, liebe Indios,

110

:

das, was ihr bis jetzt geglaubt habt, das 

hat keine Zukunft. Inkulturation verlangt,

111

:

dass ich von ihren Erfahrungen und ihrer Kultur 

ausgehe. Und ihnen meine Vision vorstelle,

112

:

aber nicht eine Vision gegen ihre Kultur, und es 

ist da absolut kein Zwang dahinter, dass ich sage,

113

:

ich muss die jetzt bekehren, ich verwende das Wort 

überhaupt nicht, sondern ich will ihnen sagen,

114

:

was Jesus im Evangelium uns gebracht hat. Und da 

können sie sich identifizieren. Das heißt jetzt

115

:

nicht, dass ich morgen diese Indios bereits taufe 

oder so. Das ist ein Prozess. Aber wie gesagt,

116

:

da ist die Freiheit, die persönliche Freiheit. 

Aber ich will absolut nicht, dass die Indios

117

:

ihre Kultur aufgeben müssen, wenn sie sagen, ich 

werde Christ. Also ein ganz wichtiger Punkt. Es

118

:

geht also nicht um ein Überstülpen ihrer Kultur, 

sondern es geht darum, unsere Glaubensauffassung

119

:

vorzustellen als etwas, das bereichert. Und 

nicht ersetzt. Das nenne ich Inkulturation.

120

:

Sandra Leis [00:11:07]

Der Begriff «missionieren»

121

:

oder «bekehren» ist für viele Menschen 

sehr negativ konnotiert, weil man den

122

:

Menschen versucht, etwas überzustülpen, 

aber Sie machen etwas ganz anderes.

123

:

Erwin Kräutler [00:11:22]

Wenn man vom Missionieren,

124

:

ich verwende auch dieses Wort 

nicht, weil das ist sehr belastend.

125

:

Sandra Leis [00:11:27]

Ja, eben. Das meine ich

126

:

ja. Das ist sehr belastend.

127

:

Erwin Kräutler [00:11:28]

Von der ganzen Vergangenheit oder

128

:

man hat missionieren mit Bekehrung und man hat ja 

gesagt, dass die Indios, alles was sie glauben,

129

:

das ist Teufelskult und Aberglauben und wenn man 

näher hinschaut, ist das ein katastrophaler Unsinn

130

:

so etwas zu sagen und eine Verachtung, und das 

müssen wir vermeiden. Wir müssen ihnen zeigen, wir

131

:

sind an eurer Seite. Früher hat man immer gesagt, 

ich bin für die Indios da. Aber heute sagen wir,

132

:

ich mit ihnen. Und das Mitsein ist viel mehr als 

für sie sein. Für sie sein, da bin ich immer noch

133

:

derjenige, der über ihnen steht und sagt, macht es 

so oder so, und ich werde euch dazu helfen. Aber

134

:

wenn ich mit ihnen bin, dann spüre ich auch 

langsam ihre Nöte und Sorgen. Ihre Freuden

135

:

und ihren Reichtum, persönliche Reichtümer, 

kultureller Reichtum, auch religiöser Reichtum.

136

:

Sandra Leis [00:12:33]

:

137

:

indigenen Bevölkerung in der brasilianischen 

Verfassung niedergeschrieben. Könnte man

138

:

da eigentlich sagen, das ist einer Ihrer 

grössten Erfolge, dass die festgehalten sind?

139

:

Erwin Kräutler [00:12:48]

Das war ein Prozess:

140

:

Sandra Leis [00:12:53]

Genau,:

141

:

Erwin Kräutler [00:12:56]

Und ich war damals der Vorsitzende

142

:

des Indigenen Rates der Bischofskonferenz. Und 

mit meinen Mitstreitern und Streiterinnen haben

143

:

wir uns natürlich dafür eingesetzt, dass die 

Indianerrechte in die Verfassung kommen. Und

144

:

das war gar nicht einfach, weil bis zuletzt waren 

bestimmte Abgeordnete vollkommen dagegen. Aber wir

145

:

haben dann alles und jedes unternommen, und ich 

bin selbst dahin: Ich habe im Kongress gesprochen

146

:

und habe dann einige Politiker kennengelernt, 

auf die ich irgendwie vertraut habe,

147

:

dass sie die indigenen Rechte auch ihren anderen 

Kollegen gegenüber verteidigen, und das ist uns

148

:

gelungen. Also es wirkt heute für mich noch 

wie ein Wunder, dass uns das geschehen ist.

149

:

Sandra Leis [00:13:54]

Sie haben es vorhin gesagt,

150

:

die gesetzlichen Grundlagen, das ist 

das eine. Das andere ist dann die

151

:

Umsetzung. Sie haben die Holzfäller vorhin 

erwähnt. Wie steht es heute um die Justiz?

152

:

Erwin Kräutler [00:14:05]

Die Gesetze sind nach wie vor in Kraft,

153

:

aber es gibt eine furchtbare Kampagne unter 

den verschiedenen Abgeordneten, diese Gesetze

154

:

zu lockern, an ihr Gebiet heranzukommen. 

Da sind wir natürlich strikt dagegen, weil

155

:

das ist der Untergang. Aber es geht ums Geld, es 

geht um Bodenschätze, es geht um Naturreichtümer

156

:

und so weiter. Und die steigen da einfach über 

alles hinweg. Und das ist nicht nur irgendein

157

:

Großgrundbesitzer, der das macht, sondern die 

Leute, die im Kongress sitzen. Das ist die Gefahr.

158

:

Der jetzige Kongress ist eine Katastrophe. Wir 

hoffen, dass er heuer ein anderes Gesicht bekommt.

159

:

Sandra Leis [00:14:53]

:

160

:

15 Jahre lang in Brasilien, da sind Sie 

dann zum Bischof ernannt worden. Und das

161

:

ist also Bischof von Xingu, und das 

ist die grösste Diözese in Brasilien,

162

:

ungefähr so gross wie Deutschland. Und in einem 

Interview haben Sie einmal gesagt, die Ernennung

163

:

habe bei Ihnen weder Freude noch Angst ausgelöst. 

Welches Gefühl war damals vorherrschend bei Ihnen?

164

:

Erwin Kräutler [00:15:21]

Ich war natürlich noch jung.

165

:

Sandra Leis [00:15:22]

Ja, ja, 42, oder?

166

:

Erwin Kräutler [00:15:25]

41. Da wurde ich auf die Botschaft bestellt, also

167

:

auf die Nuntiatur, und der Nuntius hat mir einfach 

einen Brief überreicht, das sollte ich lesen,

168

:

und da war die Ernennung drin und da habe ich mich 

natürlich gesträubt und dann hat er gesagt, nein,

169

:

der Heilige Vater vertraut Ihnen. Ja gut, habe ich 

mir gedacht, da möchte ich erst wissen, was meine

170

:

Leute dort sagen. Dann hat er mir gesagt, das hat 

er bereits getan. Er hat gesagt: Sie müssen sich

171

:

nicht sorgen, die Leute stehen auf Ihrer Seite. 

Dann hat er gesagt, gehen Sie in die Kapelle

172

:

und beten Sie jetzt eine Stunde und dann 

kommen Sie zurück und unterschreiben bitte.

173

:

Sandra Leis [00:16:02]

Und das haben Sie gemacht?

174

:

Erwin Kräutler [00:16:03]

Ja, da kann ich sowieso unterschreiten,

175

:

dann kann ich auch nachher beten, und natürlich 

hatte ich Angst, ich bin dort als Priester

176

:

angekommen und wurde als Priester mit 15 Jahren 

Erfahrung in Anführungszeichen wurde ich zum

177

:

Bischof ernannt und wusste natürlich, damals 

war ich mehr in Altamira und Vitoria du Xingu,

178

:

ein Riesenland, so groß wie Deutschland, sechsmal 

so groß wie die Schweiz und heute ist es nicht

179

:

mehr so, es wurde aufgeteilt jetzt. Aber 

seit ich Bischof bin, war ich unterwegs

180

:

und ich kenne vom Oberlauf bis zum Unterlauf und 

die Transamazônica in beiden Richtungen, ich kenne

181

:

das nicht nur die Umgebung. Nicht nur die 

Mitwelt, sondern auch die Leute, die dort leben.

182

:

Sandra Leis [00:16:56]

Sie waren ja kein Schreibtischbischof,

183

:

wie man manchmal sagt, sondern Sie waren 

viel unterwegs, mit Ihrem Boot auch. Und

184

:

man muss sagen, Sie waren auch an Leib und Leben 

bedroht. Es war wirklich auch gefährlich für Sie.

185

:

Es gab Mordanschläge und so weiter. Was 

war das schlimmste Erlebnis für Sie?

186

:

Erwin Kräutler [00:17:16]

Es sind mehrere, sagen wir,

187

:

in dem Zusammenhang, der Mord an 

der Ordensschwester Dorothy Stang,

188

:

der Mord an meinem Mitbruder Hubert. Aber 

ich würde das nicht isolieren. Der Mord

189

:

an so vielen Menschen, die ich persönlich 

gekannt habe. Und das geht mir heute noch

190

:

nach, es wurde Blut vergossen und Menschenleben. 

Warum wurden die getötet? Weil sie sich für die

191

:

anderen eingesetzt haben. Und das nicht sein 

durfte und das war für mich immer ein Schock.

192

:

Sandra Leis [00:17:50] I

In Ihrem Buch erwähnen Sie auch

193

:

Weggefährtinnen und Weggefährten und gedenken 

ihrer. Sie selber sind ja aber auch einmal in

194

:

einem Auto verunglückt und Ihr Mitbruder wurde 

getötet, und Sie mussten dann sechs Wochen ins

195

:

Krankenhaus, waren auch schwer verletzt. Hatten 

Sie da nie den Gedanken, ich gehe zurück in mein

196

:

Vorarlberg, ich mag nicht mehr. Das ist mir 

einfach zu gefährlich. Hatten Sie das nie?

197

:

Erwin Kräutler [00:18:16]

Ja, das dachte ich eigentlich

198

:

nicht. Ich hoffe, dass wir es wieder... 

Wie ich mich das erste Mal gesehen habe

199

:

im Spiegel nach dem Unfall. Ja. Dann habe ich 

gedacht, hoffentlich werde ich noch normal.

200

:

Und die haben mich dann hergerichtet. 

Das war ja in Belem. Das war nicht hier.

201

:

Sandra Leis [00:18:33] Nein, 

nein, das war in Brasilien

202

:

Erwin Kräutler [00:18:33]

In Belem wurde ich dann verarztet, habe mich dann

203

:

behandelt, operiert und habe in keinem Moment ist 

mir das durch den Kopf gegangen, ich gehe zurück

204

:

nach Vorarlberg, weil das war eigentlich für mich 

kein Thema. Ich war damals schon, wie das passiert

205

:

ist, ich war so integriert in diese Völker, dass 

mir das nicht in den Sinn gekommen ist. Natürlich,

206

:

denkt man, dort hätte ich ein ruhigeres Leben. Was 

heißt ruhiges Leben? Ich meine, ich habe mich für

207

:

den Priesterberuf entschieden. Und ich wusste, 

dass in Brasilien oder in Amazonien das Drum

208

:

und Dran manchmal nicht so einfach ist. Aber auf 

der anderen Seite, wenn ich mich für diesen Beruf

209

:

entschieden habe, muss ich auch damit rechnen, 

dass nicht alle Leute auf deiner Seite stehen.

210

:

Sandra Leis [00:19:24]

Aber Morddrohungen und

211

:

solche Attacken, das ist schon etwas Spezielles.

212

:

Erwin Kräutler [00:19:31]

Wenn man Kopfgeld ausgesetzt hat,

213

:

wie ich das erfahren habe, natürlich schon.

214

:

Sandra Leis [00:19:36]

Das war schon hart, oder?

215

:

Erwin Kräutler [00:19:37]

Ja, das war hart.

216

:

Sandra Leis [00:19:38]

Und dann lebten Sie ja auch ungefähr 15 Jahre

217

:

lang mindestens unter Polizeischutz. Das heisst, 

zwei bis vier Polizisten haben Sie tagtäglich

218

:

begleitet, wo immer Sie waren. Das ist schon eine 

Einschränkung im Leben. Einerseits haben Sie den

219

:

Schutz, das ist klar, aber man kann nirgends hin, 

ohne dass diese Polizisten dabei sind. Oder? Das

220

:

muss man sich mal vorstellen. Jeden Schritt. 

Heute ist das nicht mehr so. Was war der Grund,

221

:

weshalb man vor vier Jahren gesagt hat, jetzt 

ie keinen Polizeischutz mehr,:

222

:

Erwin Kräutler [00:20:12]

Also was mich beeindruckt hat, wie

223

:

ich dann älter geworden bin, schon in den 80ern, 

dass viele Leute, die anfangs mich bedroht haben,

224

:

weil ich ihrer Ansicht nach gegen den Fortschritt 

und gegen die Entwicklung mich gestellt habe,

225

:

dass diese Leute auf einmal zu mir kamen 

und sagten, Sie haben recht gehabt. Das,

226

:

was Sie gesagt haben, das ist eingetroffen. Und 

dass mir diese Leute mir dann auf die Schulter

227

:

geklopft haben und sagen, ich danke Ihnen. 

Und ich bin froh, dass Sie den Mut hatten,

228

:

Ihre Meinung zu vertreten. Nachdem ich das so 

gehört habe, war es sogar schon eine allgemeine

229

:

Auffassung der Leute rundum, dass der Bischof 

in Anführungszeichen Prophet ist. Er hat das,

230

:

was eingetroffen ist, schon erkannt. Und wir 

sind dankbar dafür. Und so in diese Richtung

231

:

gingen dann die Gespräche unter den Menschen. Und 

dann habe ich mir gedacht, da brauche ich keinen

232

:

Polizeischutz mehr, die schützen mich jetzt 

selber. Und da war ich natürlich wieder frei.

233

:

Sandra Leis [00:21:20]

In ihrem langen Leben haben Sie insgesamt bis

234

:

jetzt sieben Päpste erlebt. Und Sie schreiben das 

auch in Ihrem Buch, dass Papst Franziskus Ihnen

235

:

der nächste Papst gewesen ist, derjenige Papst, 

der Ihnen am nächsten gewesen ist und dass Sie ihn

236

:

auch einmal in einer Privat-Audienz haben treffen 

können und ihm Unterlagen mitgegeben haben für die

237

:

Enzyklika «Laudato sí». Also da schreibt er ja 

für die Umwelt, fürs Klima. Wenn Sie sich daran

238

:

zurückerinnern, wie haben Sie Papst Franziskus 

damals? Das war, glaube ich,:

239

:

Erwin Kräutler [00:21:58]

:

240

:

Sandra Leis [00:22:00]

. April:

241

:

Erwin Kräutler [00:22:04]

Die Vorgeschichte war,

242

:

dass der Kardinal Umis, mit dem ich 

sehr befreundet war, Gott hab in selig,

243

:

er war der Vorsitzende der Einrichtung, die wir 

hatten, zugunsten der Neuevangelisierung und so,

244

:

und ich war Sekretär. Und der hat gesagt, du bist 

in Amazonien, ich kenne Amazonien nicht so wie du,

245

:

du musst mit Papst reden. Weil der Papst 

wird ja sicher dankbar sein, wenn er

246

:

aus erster Hand Berichte empfängt, die ihm dann 

vielleicht helfen, auch Amazonien und unsere ganze

247

:

Arbeit zu verstehen. Und dann habe ich gesagt, 

ich kann ja nicht nach Rom fahren und sagen,

248

:

ich bin jetzt da. Da hat er so gesagt, ja, das 

werde ich machen. Dann wurde ich eingeladen,

249

:

dann bin ich, 20 Minuten etwa war das. Die haben 

mich natürlich vorbereitet, es geht tatsächlich

250

:

um drei besondere Themen, das erste war die 

Eucharistie oder die eucharistielosen Gemeinden.

251

:

Sandra Leis [00:23:05]

Weil es viel zu wenige Priester hat.

252

:

Erwin Kräutler [00:23:08]

Genau. Das Zweite war die indigene

253

:

Bevölkerung, das Dritte ihre Mitwelt. Und ich 

habe dann dem Papst ziemlich viel sagen können,

254

:

er hat hingehört. Und er sagte da immer noch 

zu mir, machen Sie mir mutige Vorschläge.

255

:

Und dann kam die Amazonassynode, da habe ich 

mitgewirkt bei der Vorbereitung. Und wurde auch

256

:

nachher gewählt zu einem Komitee, das Vorschläge 

konkretisieren sollte, aber dieses Komitee wurde

257

:

nie eingeladen für eine Besprechung in Rom. Und 

. Februar war es:

258

:

die Amazonassynode war 2019, im Oktober, hat er 

dann seine apostolische Exhortation herausgegeben,

259

:

und damit war eigentlich die Amazonassynode 

beendet. Und das hat mir sehr leidgetan.

260

:

Sandra Leis [00:24:05]

Da waren Sie auch sehr enttäuscht.

261

:

Erwin Kräutler [00:24:06]

Ja, da war ich enttäuscht.

262

:

Sandra Leis [00:24:06]

Aber was ist da schiefgelaufen? Er hat ja,

263

:

Papst Franziskus hat ja, wie Sie es gesagt haben, 

die Bischöfe aufgefordert, mutige Vorschläge

264

:

zu machen, aber er hat dann nichts von diesen 

Vorschlägern aufgenommen. Warum? Was denken Sie?

265

:

Erwin Kräutler [00:24:20]

Ich weiss nicht, da sind andere Dinge passiert.

266

:

Er hat diese Exhortation geschrieben und mit den 

verschiedenen Visionen, soziale Gerechtigkeit,

267

:

Ökologie und die kirchliche Vision. Und bis 

zur kirchlichen Vision waren wir alle happy.

268

:

Dann kam die kirchliche Vision, die ist 

am Anfang auch wunderbar gewesen. Von der

269

:

Eucharistie hat er gesprochen, die Leute haben 

ein Recht auf die Eucharistie. Wir müssen tun,

270

:

was wir können, damit alle Menschen, alle Christen 

auch an der Eucharistiefeier teilnehmen können,

271

:

die Eucharistie ist das Zentrum 

unseres Glaubens und so fort.

272

:

Und dann haben wir gedacht, jetzt kommt's.

Jetzt wird das, worüber wir abgestimmt haben,

273

:

mit mehr als zwei Drittel Prozent, jetzt wird 

er das einbringen. Nein, es kam der Bruch. Und

274

:

da frage ich mich, wer ist verantwortlich 

für diesen Bruch? Mir kommt heute noch vor,

275

:

wenn ich das lese, da war eine zweite Hand oder 

dritte Hand oder noch wer dahinter. Ich kann das

276

:

aber nicht identifizieren, da habe ich keinen 

Zugang. Ich glaube immer noch, dass der Papst

277

:

Franziskus das nicht wollte, aber dass er so 

unter Druck gesetzt worden ist, dass er psychisch,

278

:

persönlich ... Nicht mehr anders konnte, ein 

deutsches Wort, sich nicht mehr getraut hat.

279

:

Sandra Leis [00:25:52]

Bischof Erwin Kräutler, wenn Sie

280

:

das kurz zusammenfassen, was Ihre Vision damals 

war, wie hätten Sie es sich vorgestellt? Was hätte

281

:

er noch sagen sollen? Was war das Kernanliegen 

von Ihnen und zwei Drittel anderer Bischöfe?

282

:

Erwin Kräutler [00:26:05]

Wir wollten einfach, dass

283

:

Frauen Zugang zur Heiligen Weihe haben, weil die 

meisten Kommunitäten von uns, die meisten kleinen

284

:

Gemeinschaften, sind von Frauen geleitet. Punkt 

eins. Punkt zwei, der optionale Zölibat. Dass

285

:

also Priester, auch verheiratete Priester in ihren 

Gemeinden wirken können. Weil bis heute ist es so,

286

:

wir Priester gehen von Gemeinde zu Gemeinde. 

Und das Ideal ist, dass er in der Gemeinde

287

:

lebt und mit der Gemeinde lebt, ob das Mann oder 

Frau ist. Wer die priesterliche Berufung spürt,

288

:

es geht ja um Berufung. Die kann eine Frau 

genauso erfahren und spüren wie ein Mann.

289

:

Das sind alles kirchenrechtliche Entscheidungen, 

die mit einer Unterschrift zurückgemacht werden

290

:

können. Das haben wir erwartet. Das wäre noch 

nicht gleich für die ganze Welt. Aber sagen wir,

291

:

für Amazonien, der Papst sagt, machen wir das. Und 

dann kann man ja sehen, ob das auch für andere...

292

:

Sandra Leis [00:27:16]

Regionen. Man spricht

293

:

hier von Regionalisierung, die erwünscht 

wäre, nicht? Weil, das beschreiben Sie

294

:

eindrücklich im Buch auch. Es gibt Gemeinden, 

die haben zwei, drei Mal im Jahr Eucharistie.

295

:

Erwin Kräutler [00:27:29]

Ja, zum Teil nicht einmal das.

296

:

Sandra Leis [00:27:30]

Das muss man sich vorstellen.

297

:

Nicht mal das. Das ist eine Realität, der 

muss man ja schon auch ins Auge schauen.

298

:

Erwin Kräutler [00:27:35]

Ich habe im Buch ja irgendwo einmal

299

:

geschrieben, dass ich in eine Gemeinde gekommen 

bin, und dann haben sie eine neue Kapelle gebaut.

300

:

Sandra Leis [00:27:42]

Ja genau, mit dem

301

:

Tisch, der dort stand, dass man dann gar 

keinen Altar hat, sondern einen Tisch.

302

:

Erwin Kräutler [00:27:47]

Das war ein Lesepult wie in

303

:

einer protestantischen Kirche. Es war kein 

Altar. Dann habe ich gesagt, entschuldige,

304

:

mir fehlt da etwas. Das weiß ich ganz genau, sagt 

sie zu mir, die Katechetin. Aber der Priester

305

:

kommt einmal im Jahr vorbei, und dann holen wir 

einen Tisch von der benachbarten Schule und haben

306

:

ein schönes Tischtuch. Dann bringen wir wieder 

zurück. Und da hat es bei mir geklingelt, da habe

307

:

ich gedacht, das ist eine Katastrophe.

Das habe ich auch Kardinal Ratzinger gesagt. Dann

308

:

hat er mir zur Antwort gegeben, ja, wir müssen 

mehr für Priesterberufe beten. Da habe ich gesagt,

309

:

das tun wir schon längst, aber es geht nicht 

nur um das. Klar beten wir um Priester und

310

:

Ordensberufe. Aber wir müssen auch etwas 

tun. Fangen wir an, darüber zu reden. Ja,

311

:

man kann nicht etwas von tausend Jahren von heute 

auf morgen rückgängig machen. Da habe ich gesagt,

312

:

das braucht es ja nicht von heute 

auf morgen, aber fangen wir mal an,

313

:

darüber zu reden. Für mich war es irgendwie eine 

Herausforderung erster Klasse. Dann ist er Papst

314

:

geworden, da hat er mich natürlich gekannt, 

wie ich ad limina bin. Ja, da bin ich so. Gut.

315

:

Sandra Leis [00:28:58]

Haben Sie Hoffnung,

316

:

dass unter Papst Leo XIV. sich 

diesbezüglich etwas ändert?

317

:

Erwin Kräutler [00:29:05]

Die Hoffnung stirbt zuletzt,

318

:

oder überhaupt nicht, also...

319

:

Sandra Leis [00:29:09]

Wie schätzen Sie ihn ein, diesbezüglich?

320

:

Erwin Kräutler [00:29:10]

Für mich ist er noch zu leise. Es ist so,

321

:

man sagt ja überall, er kann gut zuhören. Und das 

ist eine Qualität, die wirklich lobenswert ist.

322

:

Aber ich habe auch Leute gehört gesagt haben, 

er hört jedem zu, aber am Schluss gibt er keine

323

:

Antwort. Und hin und wieder meine ich, 

wenn er 10, 20 Leute mal angehört hat,

324

:

erwarten sich diese Leute, die etwas 

gesagt haben oder ihm mitgeteilt haben,

325

:

dass er auch etwas dazu sagt, aber dann kommt 

dann später, dann wird’s schon schriftlich,

326

:

aber ist nicht mehr spontan und das fehlt mir bei 

diesem Papst eher die Spontanität, das heißt es

327

:

ist aber nicht bei den Audienzen, da ist er sehr 

spontan, küsst die Kinder, macht ein Kreuzchen

328

:

auf die Stirn und so und so, aber in seiner 

Reaktion auf Probleme, die man ihm unterbreitet,

329

:

da wartet er ziemlich. Das ist vielleicht seine 

persönliche Einstellung so. Während der Franziskus

330

:

war natürlich viel zu spontan. Manchmal 

wussten dann die anderen das wieder aus. . .

331

:

Sandra Leis [00:30:21]

Und ausbügeln. Wann werden

332

:

Sie nach Brasilien zurückkehren, und was 

werden Sie dort als nächstes anpacken?

333

:

Erwin Kräutler [00:30:31]

Nächsten Montag am 30. März

334

:

fliege ich zurück, so Gott will, und werde die 

Karwoche mit den Leuten feiern. Karfreitag ist

335

:

immer der Höhepunkt. Das ist interessant. 

Die Leute identifizieren sich viel mehr

336

:

mit dem Leiden und mit dem gekreuzigten 

Herrn als mit dem auferstandenen. Und das

337

:

ist irgendwie verständlich. Die meisten 

Leute, die in der Kirche sind, das sind,

338

:

ich möchte nicht sagen, alle sind arme Leute, das 

ist nicht wahr. Aber sie sind Leute, die meinen,

339

:

die Auferstehung ist noch nicht gekommen, Jesus 

ist auferstanden, gut. Aber unsere Auferstehung

340

:

von all diesen Problemen und so und so, 

die ist noch nicht da, da identifizieren

341

:

sie sich viel mehr mit dem Leiden unseres 

Herrn. Die kennen das aus eigener Erfahrung.

342

:

Sandra Leis [00:31:29]

Dann sind Sie zum richtigen Moment wieder

343

:

zurück. Bischof Erwin Kräutler, vielen herzlichen 

Dank für diesen Einblick in Ihr Leben und Wirken.

344

:

Erwin Kräutler [00:31:38]

Ja, ganz gerne geschehen.

345

:

Sandra Leis [00:31:43]

Das ist die 66. Folge des Podcasts

346

:

«Laut + Leis». Zu Gast war Bischof Erwin Kräutler. 

Sein neustes Buch heisst «Prophetische Kirche in

347

:

Amazonien. Indigene Völker und Ökologie». 

Erschienen ist es in der Edition Exodus.

348

:

Über Feedback freuen wir uns: Schreibt gerne per 

Mail an [email protected] oder per WhatsApp auf die

349

:

Nummer 078 251 67 83. Und: Abonniert den Podcast 

und bewertet ihn positiv, wenn er euch gefällt.

350

:

In der nächsten Folge von «Laut + Leis» 

besuche ich ein einstiges Verdingkind,

351

:

das heute Multimillionär ist: Guido 

Fluri. Mit seiner Guido-Fluri-Stiftung

352

:

setzt er sich vor allem ein für sozial 

benachteiligte und belastete Menschen.

353

:

Er engagiert sich auch politisch: Berühmt geworden 

ist er mit seiner Wiedergutmachungs-Initiative,

354

:

zurzeit lanciert er eine Initiative für 

ein sicheres Internet. Was treibt ihn an,

355

:

wie blickt er auf die römisch-katholische Kirche, 

und was gibt ihm Halt? Darüber sprechen wir in der

356

:

kommenden Podcast-Folge. Bis in zwei Wochen 

– und bleibt laut und manchmal auch leise.

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