In dieser Frag-Holgi-Folge geht es um eine Frage, die mir in letzter Zeit immer häufiger begegnet:
Warum wollen sich Bewerber und Mitarbeitende eigentlich nicht mehr unterordnen?
Die Klage kennt wahrscheinlich jede Führungskraft. Früher sei man dankbar gewesen, überhaupt einen Job zu bekommen. Heute werde schon beim ersten Gespräch über Homeoffice, Arbeitszeiten und Ausstattung verhandelt.
Aber geht es dabei wirklich um Generationen?
Ich glaube nicht.
Wir sprechen darüber, warum der vermeintliche Generationenkonflikt oft eine falsche Erklärung ist. Und warum hinter vielen dieser Diskussionen eigentlich etwas anderes steckt: die Erwartung von Unterordnung.
Denn lange Zeit war Arbeit geprägt von klaren Hierarchien, festen Rollen und Autorität. Wer neu war, hat sich angepasst. Wer unten stand, hat zugehört. Das war der gesellschaftliche Vertrag.
Nur funktioniert dieser Vertrag heute immer schlechter.
An seine Stelle tritt etwas anderes: Aushandlung.
Menschen formulieren Bedürfnisse. Unternehmen formulieren Anforderungen. Und dann wird gemeinsam geklärt, ob das zusammenpasst.
Das klingt simpel. Ist aber für viele Organisationen eine echte Umstellung.
Denn moderne Führung bedeutet nicht mehr, Unterordnung durchzusetzen. Sondern Erwartungen, Bedürfnisse und Grenzen transparent zu machen.
Für mich bleibt am Ende eine einfache Erkenntnis:
Das Problem ist nicht, dass Menschen sich nicht mehr unterordnen wollen.
Das Problem ist, dass wir oft noch mit einem Führungsverständnis arbeiten, das aus einer anderen Zeit stammt.
Viel spaß beim hören.
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Und so erreicht Ihr mich:
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Bücher: Shop.Haufe
Hallo und herzlich willkommen zu einer weiteren Episode des Podcasts Veränderungsstabil, in dem wir
uns anschauen, was Organisationen heutzutage so können müssten. Damit Sie in dieser wilden Welt
nicht nur nicht untergehen, sondern damit Sie in dieser wilden Welt dauerhaft, gesund und
erfolgreich wirtschaften können. Wir gucken uns verschiedene Kompetenzen an, wir gucken uns Sachen
aus dem Alltag an, wir schauen uns Modelle an und wir haben diese kleine Serie von
Kummerkastenfragen. Das sind Fragen, die erreichen mich über LinkedIn, das sind Fragen,
die kommen immer mal wieder in Führungskräfte-Coachings oder in der Teamarbeit hoch. Und heute
habe ich eine Frage mitgebracht, die habe ich öfter mal, wenn ich mit Führungskräften arbeite. Die
kam aber jetzt in den letzten Tagen vermehrt per LinkedIn-Posts in meine Aufmerksamkeit.
Und ich habe sie mal so formuliert. Hallo Holger, ich habe folgendes Problem. Bewerber und
Mitarbeiter, besonders junge, neue Mitarbeiter, wollen sich hier nicht mehr unterordnen. Früher war
klar, man muss dankbar sein, einen Job zu bekommen. Man muss Kompromisse machen, man muss
Zugeständnisse machen und man sollte dankbar sein, dass man den Job hat. Heute ist das nicht mehr
so. Heute heißt das, ohne MacBook und ohne Homeoffice und ohne Siebträgermaschine habe ich
überhaupt keinen Bock mehr für euch zu arbeiten. Und man will sich auf nichts mehr festlegen. Wir
haben ganze Generationen von Selbstoptimierern, die hier in den Arbeitsmarkt drängen. Was ist denn
da los? Ihr kennt die Frage, ne? Die kommt immer mal wieder hoch. Wir sehen die im Alltag. Ich habe
diese Gedanken auch teilweise, ne? Schauen wir sie uns mal an. Da schwingt ja grundsätzlich ein,
früher war das nicht so mit. Und ich will mal direkt starten mit einem Zitat meiner Mutter.
Beginn des Zitats.
Das waren die Worte, mit denen meine Mutter, die, Klammern von mir geschriebene, Rede der Eltern
auf unserer Abiturfeier begann. Und das hat sie sich natürlich nicht immer ausgedacht, das habe ich
mir auch nicht ausgedacht, sondern angeblich soll Sokrates das gesagt haben. Ich habe mittlerweile
auch irgendwo gelesen, dass das widerlegt sei, dass es gar nicht von Sokrates sei. Aber das Witzige
ist, man kann es sich vorstellen, dass es von Sokrates ist. Denn diese Narrative ist,
glaube ich, so alt wie die Menschheit. Heutzutage klingt das ein bisschen anders. Die Boomer, die
beschweren sich über die Millennials oder die Gen Z. Die wollen nicht mehr arbeiten. Die wollen
dieses ganze Lehrjahre sind keine Herrenjahre-Ding nicht mehr mitspielen. Das ist natürlich auch
hart für so Boomer. Und ich bin irgendwo dazwischen. Ich weiß gar nicht, wie meine Generation
heißt. Golf oder so. Wir sind diese komische Sandwich-Generation. Also ich habe noch irgendwie
schmutzig im Wald meine Kindheit verbracht und musste nach Hause kommen, wenn die Sonne unterging
oder der Eismann kam. Aber hatte dann doch irgendwie in der 11. Klasse mein erstes Handy und vorher
ein Skoll. wie die Dinge hießen. Also diese Zwischengenerationen. Das heißt, wir vermitteln immer
so ein bisschen zwischen diesen alten echauffierten Boomen und den völlig desinteressierten jungen
Leuten. Das heißt also, da ist ja schon so ein Generationenkonflikt, so eine Konfliktgrenze.
Und ich kann nicht verstehen. Ich kann verstehen, dass jemand, der jetzt in seinen 50ern, 60ern
ist, sagt, ich musste am Anfang buckeln, ich habe mich untergeordnet, jetzt bin ich mal dran, oben
zu sein. Das ist sehr menschlich. Also intellektuell auch nicht besonders robust, dieses Argument.
Aber emotional ist es nachvollziehbar. Und gleichzeitig ist es aber auch nachvollziehbar, wenn die
Jüngeren sagen, Freunde, wir sehen Arbeit anders. Wir sind ein bisschen schlauer als ihr.
Irgendwann so eine Analyse gelesen, da stand drin bei Stellenanzeigen. Wenn man in der
Stellenanzeige nicht reinschreibt, dass die Stelle eine gute Work-Life-Balance hat, dann bewerben
sich Leute über 45 eher ungern. Und wenn man in die Stellenanzeige reinschreibt, dass die Stelle
eine gute Work-Life-Balance hat, dann bewerben sich Leute unter 25 nicht, weil sie direkt nach
die Gallic-Hör-Dir-Trapsen denken, wenn die reinschreiben das mit der Work-Life-Balance, dann
ist es gelogen. Also, wir haben so ein bisschen einen Generationenkonflikt da drin. Jetzt kommt
aber die unbequeme Wahrheit. Es gibt diesen Generationenkonflikt gar nicht. Also die Forschung sagt
sehr klar, es gibt keine stabilen, trennscharfen Generationen im Sinne von Verhaltenskohorten.
Dass man sagt, Menschen, die zwischen dem und dem Jahr geboren sind, haben ein in der Kohorte
stabiles Verhaltensmuster. Das ist so nicht. Der Zeitpunkt der Geburt erklärt einen sehr kleinen
Teil davon, wie dein Verhältnis zur Arbeit ist. Viel entscheidender ist die Lebensphase. Bin ich
Student? Bin ich Single? Bin ich dabei, eine Familie zu gründen? Das soziale Milieu,
aus dem ich komme? Komme ich aus dem Arbeitermilieu? Komme ich aus dem intellektuellen Milieu?
Urbanität oder ländlicher Raum? Bildungsgrad, mein Bildungsgrad, Bildungsgrad meiner Familie?
Ökonomische Sicherheit oder ökonomische Unsicherheit? Ich bin ja ein Hesse, damit ein
Westdeutscher, wurde zwar von einem Dessauer und einer Passauerin großgezogen. Ich bin ein Rhein
-Westdeutscher. Mir hat neulich ein Kollege aus Leipzig darüber aufgeklärt, dass er sagt, der
Unterschied zwischen euch und uns ist, ihr habt halt alle im Westen geerbt. Ihr seid nach dem Krieg
jetzt die zweite oder dritte Generation. Ihr habt irgendwie ein Häuschen oder sonst was. Da ist
viel mehr soziale, ökonomische Sicherheit als bei uns hier drüben. Wir sind halt in Mietswohnungen
groß geworden und wenn der Job weg ist, der Job weg. Also diese Dinge zahlen viel mehr darauf ein,
wie sich jemand in der Arbeit verhält, als in welchem Jahr derjenige jetzt geboren ist.
Hey, kurze Durchsage. Wenn euch Veränderung stabil gefällt, dann nehmt euch doch mal kurz Zeit und
gebt dem Podcast eine Bewertung auf dem Streaming-Dienst, mit dem ihr gerade hört. Das hilft uns
enorm, weil dann noch mehr Menschen den Podcast entdecken können und so können wir die Community
weiter wachsen lassen. Vielen Dank fürs Unterstützen, vielen Dank fürs Zuhören und jetzt geht's
weiter mit der Episode. Also mit allen Worten, ein 25-jähriger Großstadt-Akademiker tickt halt
anders als ein 25-jähriger Facharbeiter vom Land. Völlig unabhängig davon, ob das jetzt
Millennials oder Gen Z oder sonst was. Jetzt kommen die Alphas, habe ich gelernt. 6, 7. Also,
worum geht es hier eigentlich wirklich? Was wird hier eigentlich wirklich verhandelt, wenn gesagt
wird, die Leute, da wird sich nicht mehr untergeordnet. Das ist hier eine
Selbstoptimierungsforderungskultur. Wenn man genau hinhört, geht es hier gar nicht um MacBooks und
nicht um Siebträgermaschinen, sondern es geht um irgendwas anderes. Es geht nämlich um
Unterordnung. Unausgesprochen steckt da drin die Denke, ein Bewerber soll sich unterordnen.
Mitarbeiter soll sich unterordnen. Jüngere sollen sich unterordnen, der Firma unterordnen,
der Hierarchie unterordnen, dem Purpose vielleicht unterordnen, aber vor allen Dingen auch der
Autorität der Führungskräfte unterordnen, der Autorität der Älteren unterordnen.
Und wenn das ausbleibt, dann ist das ein Bruch eines sozialen Kontraktes. Ich fange in der Firma
an, ich bin neu, ich ordne mich denen unter, die vor mir schon da waren. Ich respektiere sie im
Sinne von, ich blicke zu ihnen auf. Ich diskutiere nicht mit ihnen rum. Mir hat neulich ein Freund
ein Buch gezeigt, das hatte so einen Titel wie Orientierungsbuch für neue Azubis oder irgendwie
sowas. Das wurde ausgegeben, das hatte sein Ziehsohn bekommen vom Ausbilder als Geschenk zum Beginn
seiner Ausbildung. Und da stand dann auf Seite 3 drauf, wenn irgendwas passiert, was du nicht
verstehst, hör auf zu diskutieren. Hier interessiert niemanden deine Meinung. Du hast keine Ahnung,
du hast keine Kompetenz und du bist nur hier, um die Schnauze zu sprechen, aber du bist nur hier,
um ruhig zu sein und von anderen zu lernen. Also da wird dann in den Büchern diese Unterordnung
schon gefordert. Und in der Tat, ich will dir ja gar nicht komplett hier das ganze Kind mit dem
Bade ausschütten, das macht ja auch durchaus Sinn, dass man hingeht und sagt, du bist neu hier, du
kennst das hier noch nicht, hör lieber erst mal zu. Also das sind ja Dinge, wo selbst, ganz oft
gebrauchtes Beispiel, früher wurde man Führungskraft bei IBM, ich bin ein alter IBMer, dann gab es
diese Regel, dass du 100 Tage lang keine Aussage treffen darfst, sondern nur Fragen stellen darfst.
Damit du dich eben nicht, ich bin der Neue hier und ich sage jetzt, wo es lang geht, spielst,
sondern du ordnest dich erstmal unter. Du lernst erstmal. Why not? Diese komplette Unterordnung
unter die Autorität von Personen allerdings, die so weit geht, dass man sagt, du bist hier nichts
wert, du bist hier neu, du bist hier ein Kandidat, du hast hier keine Forderung zu stellen. hast zu
akzeptieren, was wir dir geben. Also diese Art stammt einfach aus einer anderen Zeit, ganz ehrlich.
Also stammt aus einer Arbeitswelt, wo die Arbeitslosigkeit hoch ist, wo ich wirklich einfach
statistisch nicht viel Chance auf den Job habe und deswegen eher bereit bin, mich zu bewegen.
Kommt aus einer Zeit mit klaren Machtgefällen, kommt aus einer Zeit mit klaren Rollen,
klaren Rollenprinzipien, aus einer Zeit mit geringer Transparenz und aus einer Zeit mit wenig
Alternativen. Eine Welt, in der Unterordnung funktional war und ein funktionaler Bestandteil der
Gesellschaft. Erlaubt mir an der Stelle mal einen zwei, drei Minuten Exkurs, weil ich ihn sehr,
sehr spannend finde. Ich beschäftige mich ja viel aus Gründen, viel mit Erziehung und wie man
Erziehung besser macht und wie das so funktioniert. Und dann gibt es das, Philippa Perry,
das Buch, ich kann mir diesen Titel nicht merken, das Buch, von dem du dir wünschtest, dass deine
Eltern es gelesen hätten und deine Kinder werden glücklich sein, dass du es gelesen hast. Also
irgendwie so, also wenn ihr dann nach Google findet, die ist. Die geht zurück auf positive
Disziplin. Autorin habe ich gerade nicht präsent. Und die Damen leiten ihre
Erziehungswissenschaften so ein bisschen dahin zurück, zu sagen, früher war Erziehung sehr, sehr
einfach, weil wir hatten sehr einfache an Autorität ausgerichtete Rollenkonzepte. Autorität war
das, was Gesellschaft zu einem großen Teil funktional gemacht hat, weil Autoritätsgefälle waren
absolut klar. Kinder machen, was die Mutter ihnen sagt. Mutter macht, was der Vater sagt.
So wird Autorität in der Familie eingeübt. Vater sagt, da geht's lang. Mutter macht, was der Vater
sagt. Die Kinder sehen, ah, der ist der Chef, die macht, was er sagt. Sie ist unsere Chefin, wir
machen, was sie sagt. So wurde in Familien Autorität geübt und Umgang mit Autorität geübt.
Und das Ganze übertrug sich dann auf den Arbeitsplatz, weil auch da war klar, der Chef vom Papa
sagt, Papa, wo es lang geht, das ist auch genau dieselbe Autorität. Papa, warum musst du länger
arbeiten, weil der Chef mich reinbestellt hat. Okay, wird nicht in Frage gestellt. Autorität,
Hierarchie ist etwas, das die Welt durchaus begreifbar machen kann und durchaus verständlich machen
kann und durchaus funktional machen kann. Jetzt ist es aber so, dass die Gesellschaft sich
entwickelt. Und das ist ja durchaus humanistisch betrachtet ein Fortschritt,
dass wir nicht mehr hingehen und sagen, okay, Familie hat einmal hier folgendes Geschlechtsteil,
einmal das andere. Und wenn du das Geschlechtsteil hast, dann bist du hier der Chef und zwar in
allen Sachen und sagst immer, wo es lang geht. Das ist ja dämlich. Sei das ja intellektuell, hält
das ja keiner Prüfung stand, hinzugehen und zu sagen, nur weil du der Vater bist, weil der
Bartlinger ist, bist du jetzt hier derjenige, der sagt, wo es lang geht. Das ist ja Blödsinn. Also
man sollte hier immer noch kompetenzbasiert entscheiden. Das heißt, dass wir haben einen
gesellschaftlichen Fortschritt, der uns dazu bringt, diese holzschnittartigen, Holzhammer
-einfachen Hierarchien und Autoritäten in Frage zu stellen und abzuschaffen. Aber das produziert
dann ein, Moment mal, was passiert denn jetzt hier? Wir essen hier eigentlich am Drücke. Das ist
Ende dieses Erziehungsexkurses. Deswegen sind Familien schwieriger geworden. Deswegen müssen wir
uns mit autorativer Führung im Familienkontext auseinandersetzen. Wir müssen überlegen, sagen,
okay, wir müssen nicht mehr zwischen laissez-faire und Autorität... Ich weiß das noch, als ich
Kind habe ganz oft gefragt, warum? Und die Antwort war immer darum, weil ich sage, so alle
funktionieren nicht mehr. Deswegen müssen wir uns da mit anderen Sachen ausstarten, das ist auch
fein. Und genau so ist es halt auch am Arbeitsplatz. Wir haben den gesellschaftlichen Fortschritt,
dass wir nicht mehr mit diesen kniggedämlichen Sachen arbeiten. Ich weiß noch, wie ich so Knigge
-Seminare gemacht habe vor 20 Jahren und habe dann trainiert, wie ich damit umgehe, wenn ich mit
meiner Frau auf dem Weihnachtsmarkt meinen Chef und seine Frau treffe.
Ich weiß nicht, ob ihr das kennt, aber da gibt es so Rituale. Wer wen, das ist ich. Kriegst
zusammen, ich weiß es nicht. Also man trifft sich. dann ist es erstmal so, dass die Männer
grundsätzlich die Frau nicht sehen können, weil sie noch nicht einander vorgestellt wurden. Dann
sage ich Hallo zu meinem Chef. Und ich glaube, er muss die Konversation initiieren und wenn er an
mir vorbeiläuft, mich nicht anspricht, dann habe ich auch kein Recht darauf, mit ihm zu reden.
Spricht er mich an, sagt er Hallo, sage ich Hallo, dann stelle ich zuerst meine Frau meinem Chef.
vor, weil der Ranghöchste das Recht darauf hat, dass die anderen Bauern ihm vorgestellt werden.
Also stelle ich meinem Chef meine Frau vor. Jetzt kann er sie auf einmal sehen. Vorher konnte er
sie noch nicht sehen. Dann sagt er meiner Frau, guten Tag. Und dann stellt er mir seine Frau vor,
weil ich bin Ranghöher als meine Frau. Jetzt kann ich auf einmal seine Frau sehen. Die stand da die
ganze Zeit, aber vorher musste ich so tun, als ob ich sie nicht sehen kann. Jetzt kann ich sie
sehen und jetzt darf ich sie ansprechen und jetzt darf ich meine Frau seiner Frau vorstellen.
Nagelt mich nicht drauf fest, ich habe gewisse Probleme, mir absurde Sachen zu merken. Aber das ist
gesellschaftlich, wie diese Autorität dann mit gesellschaftlichen Kontrakten sich einschleift und
in so sozialen Übungen drin ist. Das ist nicht schlimm, meiner Meinung nach, dass wir so einen
Quark abschaffen. Aber dann passiert halt, wenn ich was abschaffe und es nicht ersetze, ist ein
Vakuum da. Ist nichts da. Und wenn ich jetzt hingehe und sage, früher war es relativ klar, wenn du
hier Kandidat bist, wenn du hier Bewerber bist, wenn du hier der Frischling bist, dann Schnauze
halten, unterordnen und gucken, was die Graurücken sagen. Wenn wir das jetzt abschaffen, das ist
gut. dann ist halt die Frage, durch was ersetzen wir es denn? Und im Moment hängen wir in diesem
Vakuum und damit sind wir auch unglücklich. Also Unterordnung ist ein Denkmodell aus einer anderen
Zeit. Wir haben es abgeschafft. Womit ersetzen wir es denn? Naja, die Antwort ist, auch wenn das
jetzt ein bisschen trivial klingt, ich versuche gleich Fleisch an den Knochen zu bringen,
Augenhöhe. Also die moderne Arbeitswelt funktioniert halt nicht mehr über diese Unterordnung,
sondern über Aushandlung auf Augenhöhe. Und da ist jetzt schon das dämliche, böse, tolle, aber
arbeitsintensive Wort Aushandlung. In einer Hierarchie, in einer klaren Autoritätssituation handele
ich nichts aus, weil da habe ich ja ein Gefälle. Jetzt muss ich aber aushandeln. Das heißt also,
wir sind nicht bei alle machen, was sie wollen und wir sind auch nicht bei niemand muss sich
anpassen. sondern es heißt, wir handeln aus. Wir legen unsere Bedürfnisse auf den Tisch und wir
handeln aus. Also früher, guten Tag, ich möchte jetzt hier arbeiten, hier ist dein Computer, nimm,
was ich dir gebe. Ist nicht mehr so. Ich gehe und sage, guten Tag, ich würde hier gerne arbeiten
und ich bin übrigens ein Mac-User. Wenn ich jetzt auf dem PC wechsle, dann springe ich
wahrscheinlich aus dem Fenster, weil ich drei Monate lang mit einer Plastaturkombination, die bei
mir auf dem Mac was Sinnvolles tut, beim PC irgendwie das Fenster schließe und dann raste ich aus.
Jetzt habe ich auf der anderen Seite jemanden, der hört meine Forderung. Und in meinem Beispiel war
es jetzt erstmal eine Ich-Aussage. Ich hätte gerne. Und wenn ich jetzt auf diese Forderung mit der
Denke reagiere, es muss sich jemand unterordnen, wird es eklig. Weil ich höre das ja und denke mir,
oh shit, der neue Typ will sich mir nicht unterordnen. Ich weiß, aber irgendjemand muss sich
unterordnen. Also heißt das jetzt zwangsläufig, der verlangt von mir, dass ich mich ihm unterordne.
Unerhört. Also im Wortsinne, das hat man vorher noch nicht gehört, das ist sehr neu.
Und das ist das Problem, das ist das, was hier auf LinkedIn kursiert, wenn da diese Boome-Pförtner
-Krämpfe passieren und dann da ganz viel Ragebait rumgekotzt wird mit diesen Naseweisen, die nur an
sich sind, das ist genau das, was passiert. Aber da kann man auch anders abbiegen, kann hingehen
und sagen, cool, das ist dein Bedürfnis, Freund, aber ein Bedürfnis ist keine Forderung. Um diese
Kompetenz mit Bedürfnissen umzugehen, mit Bedürfnissen reif umzugehen, die muss entwickelt werden.
Also hinzugehen und zu sagen, ich habe das Bedürfnis nach einem Mac, ich hätte hier gerne eine
anständige Kaffeemaschine oder ich habe das Bedürfnis, dass ich ziemlich viel zu Hause arbeite, ist
halt auch immer erstmal, ich habe jetzt mal mein Bedürfnis verbalisiert. Das ist nicht direkt eine
Forderung oder ein Ultimatum oder sonst was. Ich brauche das. Das ist kein Angriff, das ist kein
Machtspiel. Ich kann das alles sowas hören, aber ich kann mich auch entscheiden, das nicht so zu
hören. Okay, cool, du weißt schon mal, was du willst und jetzt sage ich dir, was du kriegst. Weil,
bleiben wir mal bei diesem Computerbeispiel. Es gibt ja jetzt drei mögliche Ergebnisse. Es passt.
Einer kommt und sagt, ich brauche einen Mac. Und ich sage, ja, du kriegst einen Mac. Cool. Oder es
kommt jemand und sagt, ich hätte gerne einen Mac. Und ich sage, ja, aber wir haben hier 20 Leute
und keiner von denen hat einen Mac. Passt erstmal nicht zusammen. Jetzt kann ich mir überlegen, ob
man sich bewegt. Sagt derjenige dann, ja, das ist aber nicht so wichtig. Ich kriege das schon nicht
mit dem PC. Okay, dann passt es ja doch. Oder ich gehe hin und sage, weißt du was, eigentlich, ich
höre das immer mal wieder. Vielleicht sollten wir mal unsere IT-Richtlinie überarbeiten. Ist jetzt
auch nicht so ein Riesending. Außerdem sind die PCs mittlerweile so bobs zu entteuer geworden. Die
sind auch nicht mehr viel billiger als die Macs. Du kriegst halt ein Mac. Dann passt es auch
wieder. Oder es passt halt nicht. Da steht jemand vor mir und sagt, ich kann nur mit einem Mac
arbeiten und ich sage, sage, wir können dir aber keinen Mac geben. Zirp, zirp, ein bisschen Grillen
gezirp, ein bisschen kleiner Buschroll durchs Bild und dann muss man sagen, das passt halt nicht.
Du bist ein cooler Typ, du bist cool, wir sind cool, aber es passt nicht zusammen. Und dann ist es
halt auch gut. Und dann geht man hin und sagt nicht, hätte der sich jetzt untergeordnet, dann hätte
das funktioniert oder hätte ich mich untergeordnet, sondern ohne Opfer, ohne Schuld, ohne Drama
gehen wir einfach hin und sagen, okay, das, was du brauchst und das, was wir bitten können, passt
halt nicht zusammen. Das ist okay. wenn ich es auf Augenhöhe und transparent mache und wenn ich so
erwachsen damit umgehe. Was ich halt sehe ganz oft ist das Gegenteil, dass zum Beispiel ein
Unternehmen genau weiß, dass sie mit ihrem Umgang mit Homeoffice keinen Blumentopf mehr gewinnen.
Weil sie wollen Leute vier, fünf Tage die Woche ins Büro zwingen, in irgendwelchen IT-Berufen. Und
da haben die Leute keinen Bock drauf. Und statt, dass man von Anfang an hingeht und sagt, pass auf,
bei uns ist vier Tage die Woche Büro. Und wenn du das nicht willst, dann bewirb dich halt nicht.
Lässt man das unsicher, geht bis zum letzten Tag der Vertragsverhandlung, hat dann ein Assessment
Center, zwei persönliche Gespräche und alles. Und dann sagt man am letzten, ah, und übrigens vier
Tage im Office. Und auf der einen Seite, nee, sorry Leute, ich habe von Anfang an gesagt, ich
brauche im Office. Die Leute wollen sich nicht mehr unterordnen. Nee, es ist einfach nur unreifer
Umgang mit Bedürfnissen, Freund. Also dieser Switch, hinzugehen und zu sagen, okay, das sind deine
Bedürfnisse, die stehen erstmal da, das fällt halt schwer, weil wir haben es eingeordnet und wir
haben halt auch so einen Generationenvertrag. Hinzugehen und zu sagen, dieses klassische Lehrjahre
sind keine Herrenjahre, ich habe hier gebuckelt ein paar Jahre, damit ich jetzt endlich mein
Eckbüro habe und andere vor mir buckeln. Und jetzt, wo ich endlich mal dran wäre, dass die anderen
vor mir buckeln und ich bin auch sozialisiert, in diese Überordnung, Unterordnung denke, und jetzt
wird es abgeschafft, das ist ja scheiße. Ja klar, verstehe ich, aber musst du halt durch, weil so
ist das mit dem gesellschaftlichen Fortschritt. So ist es halt einfach. Führung heißt also an der
Stelle nicht mehr durchsetzen, nicht mehr Autorität, sondern klären. Moderne Führung ist nicht,
ich setze jetzt durch, was gilt, sondern ich kläre, was wir brauchen und ob wir zusammenfassen. Das
gilt für Bewerbungen, das gilt für Mitarbeitende, das gilt für Teams. Das heißt, wir haben einen
entscheidenden Perspektivwechsel. Die Ursprungsfrage war ja, warum ordnen die sich denn nicht mehr
unter? Warum sind die so arrogant? Und die hilfreiche Frage ist nicht, ist es böse, dass Sie sich
nicht unterordnen, sondern verabschiede dich mal davon, von dieser Unterordnungslogik und sag, was
brauchen wir als Firma, als Team, was brauche ich hier als Führungskraft, was braucht der andere
Mensch, kriegen wir das irgendwie hin, dass jeder kriegt, was er braucht. Wenn ja, cool, wir können
zusammenarbeiten und wenn nein, es passt halt einfach nicht. So kommen wir weg von dieser
Unterordnungslogik und so kommen wir auch weg von der Enttäuschung, dass uns eigentlich zusteht,
dass der andere sich unterordnet und so kommen wir auch weg von diesem Schlag ins Gesicht, dass wir
sagen, statt dass der sich mir unterordnet, was mir doch zusteht, will der, dass ich mich
unterordnen. Auch das ist ja etwas, das kann ich ja so sehen oder halt auch nicht. Und dann wird es
erwachsen. Dann komme ich raus aus dieser Falle und dann komme ich raus, daraus Opfer zu sein von
diesen Generationen, die es eh nicht gibt und Opfer zu sein von diesen Selbstoptimierern. Was ich
sage halt auch ganz klar, was brauche ich von dir? Ich brauche so und so viele Tage Büro und ich
brauche von dir, dass du mit diesem Laptop arbeitest. Wenn du das nicht machst, ist cool. Dann
machst du halt nicht, was ich von dir brauche und dann können wir an der Stelle nicht
zusammenarbeiten und das ist auch fein. Und dann passiert Augenhöhe. Das war Frag Holgi. Hilfe,
Hilfe. Meine Bewerber wollen sich mir nicht mehr unterordnen. Vielen Dank fürs Zuhören. Vielen Dank
für euer Feedback. Vielen Dank für eure Abos und bis zum nächsten Mal.