Hinweis vorab:
Leider sind die letzten Minuten dieser Podcastfolge technisch verloren gegangen. Betroffen ist ausschließlich unsere Verabschiedung. Der eigentliche Inhalt des Gesprächs ist vollständig erhalten. Du verpasst also nichts von den Themen, Gedanken und Erkenntnissen dieser Episode.
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In dieser Folge spreche ich mit Dominique Trott über ein Thema, das weit über Organisationen hinausgeht und trotzdem jeden Unternehmensalltag prägt: unsere Bubbles.
Wir alle bewegen uns in Lebenswelten, in denen Menschen ähnlich denken wie wir. Das gibt Sicherheit, Orientierung und das Gefühl, verstanden zu werden. Gleichzeitig entstehen genau dort die Grenzen, an denen Zusammenarbeit, Innovation und gesellschaftlicher Zusammenhalt schwieriger werden.
Dominique hat mit ihrem Buch Raus aus der Bubble einen Gedanken aufgegriffen, der mich sofort beschäftigt hat: Wenn wir nur noch mit Menschen sprechen, die unsere Sicht bestätigen, verlieren wir die Fähigkeit, andere Perspektiven wirklich zu verstehen.
Wir sprechen darüber, warum Bubbles in Unternehmen genauso entstehen wie in der Gesellschaft. Warum Vertrieb und Produktion, Führungskräfte und Mitarbeitende oder unterschiedliche Fachbereiche oft dieselben Mechanismen erleben wie politische Lager oder soziale Gruppen. Und warum es so schwer ist, die eigene Perspektive überhaupt als eine Perspektive zu erkennen.
Besonders spannend fand ich die Frage, wie wir wieder echte Dialoge führen können. Nicht, indem wir andere überzeugen wollen. Sondern indem wir erst einmal neugierig werden. Denn genau dort beginnt für mich Veränderung.
Wir sprechen über aktives Zuhören, Perspektivwechsel, Konstruktivismus und darüber, warum echte Begegnung oft dort entsteht, wo wir bereit sind, unsere eigenen Annahmen infrage zu stellen.
Für mich bleibt am Ende vor allem eine Erkenntnis:
Gesellschaftlicher Zusammenhalt und gute Zusammenarbeit entstehen nicht dadurch, dass alle einer Meinung sind.
Sie entstehen dadurch, dass wir den Menschen hinter der Meinung wieder sehen. Und genau das wird in einer immer stärker polarisierten Welt zu einer der wichtigsten Fähigkeiten überhaupt.
Viel spaß beim hören.
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So erreicht Ihr Dominique Trott:
LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/dominiquetrott/
Homepage: https://futureworkconsulting.de/
Buch: Raus aus der Bubble
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Und so erreicht Ihr mich:
Homepage: https://www.odonovan.de/
LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/holgerheinze/
Bücher: https://shop.haufe.de/
Tatsächlich ist mir aufgefallen, dass Menschen, die weiterhin vor Ort arbeiten, viel sozialer
miteinander sind als Menschen, die eher remote arbeiten.
Hallo und herzlich willkommen zu einer weiteren Episode des Podcasts Veränderungsstabil, in dem wir
uns anschauen, was Organisationen, Systeme, Menschen, Führungskräfte, Teams heutzutage so drauf
haben sollten, damit sie in dieser wilden Welt erstens nicht untergehen und zweitens möglichst
dauerhaft gesund und erfolgreich wirtschaften können. Ich hole mir gerne Gästinnen und Gäste in
diesen Podcast, die von irgendeinem Teilaspekt der Veränderungsstabilität mehr verstehen als ich,
damit ihr und ich von diesem Wissen und dieser Erfahrung profitieren können. Die
Veränderungsstabilität hat verschiedene Unterdimensionen, die bete ich euch nicht vor. Wenn euch
die interessieren, guckt euch die passenden Folgen dazu an. Aber eine davon ist die Fähigkeit,
Wirksamkeit zu verteilen. Meine Gästin heute ist die liebe Dominik Trott.
Liebe Dominik, herzlich willkommen. Schön bei euch zu sein. Hi. Wenn ihr auf die LinkedIn-Seite
von Dominik geht, was ich euch sehr wärmstens empfehle, folgt ihr, da passieren coole Sachen, da
seht ihr cooles Zeug, dann seht ihr oben im Header von ihrer LinkedIn-Seite folgendes Zitat.
Die Zukunft wird durch Partizipation gestaltet. Und wer im Unternehmen gelernt hat, wirksam zu
sein, wird diese Wirksamkeit auch in der Gesellschaft suchen. Und daneben ist das Bild von Dominics
neuestem Buch. Die etwas älteren Werke von Dominic heißen Mythos Agilität, Agil geht anders,
New Work fängt bei dir selbst an und ihr merkt damit, Dominic ist eine New Work Expertin oder
mittlerweile heißt es Future Work, also das Unternehmen heißt Future Work Consulting. Aber das neue
Buch ist ein bisschen anders. Das neue Buch heißt Raus aus der Bubble.
durch echtes Miteinander überwinden. Und das gucken wir uns heute an. Was sind Bubbles? Wie kommen
wir raus? Warum hat die Dominik das Buch geschrieben? Und warum ist denn das relevant für uns
Business Casper in einem Business Podcast? Schön zusammengefasst, Holger. Ja,
dann sind wir doch jetzt fertig, oder? Nein, wir fangen jetzt an. Ah, super. Dominik,
raus aus der Bubble. Warum hast du dieses Buch geschrieben? Wurde ich jetzt öfters gefragt, warum
schreibt so eine olle Organisationsberaterin jetzt ein Buch über Gesellschaft? Und die Antwort ist
kurz. Wir sind ein Unternehmen, an die Gesellschaft gebunden. Erstmal sind wir wie eine kleine
Gesellschaft. Jedes Unternehmen für sich ist ein System. Und in den letzten Jahren hat sich für
mich einiges geändert in diesem System, in der Art und Weise, wie wir miteinander umgehen, gepaart,
wie wir als Gesellschaft mit umgehen. Und dann war meine Entscheidung klar, ich schreibe über uns
als Gesellschaft, weil ihr werdet alle Bücher... schon dazu gelesen haben, rund um Soziologen wie
Hartmut Roser, die uns prima beschreiben. Und ich schätze sie alle sehr. Und als Coachin und
Organisationsberaterin habe ich aber über die Jahre ganz viel Werkzeuge entwickelt, wie wir Silos
durchbrechen. Klassischerweise kennt man das so, wenn verschiedene Abteilungen nicht miteinander
zurechtkommen. Oder als Coachin, was ist denn so ein Perspektivwechsel? Was bedeutet
Konstruktivismus? Und diese Tools, diese Ideen wollte ich in meinem Buch packen. Das heißt,
Soziologie leicht erklären, zugänglich machen, aber Tools an die Hand geben. Was kann ich? als
Person und oder was können Führungskräfte und Unternehmen tun, um gesellschaftlich relevant zu
agieren, weil wir das mehr denn je brauchen. Das heißt also tatsächlich, dass du die Bubble, das
ist ja ein Wort, was wir gar nicht so selten verwenden, also ich glaube, ich würde das überhaupt
nicht mehrfach am Tag, rede ich davon, oh, das ist jetzt in meiner Bubble, außerhalb meiner Bubble.
Damit meine ich ja ganz oft Typen, die sind wie ich. So irgendwie untersetzte Gitarrespieler Mitte
40, die zu viele Rennräder haben, weil sie da ihren Waschbrettbauch drin suchen oder sowas. Das
kann man noch mit einem politischen hinterlegen oder sowas. Aber du hast jetzt gerade Bubble auch
tatsächlich im organisatorischen Kontext mit den viel bemühten Silos gleichgesetzt. Habe ich
richtig verstanden? Definitiv. Da sind wir auch in unserer Bubble. Ich mache mal ein ganz einfaches
Beispiel auf. Wenn ich in einer Sales-Abteilung arbeite, dann habe ich da natürlich Kolleginnen
und Kollegen, die mir gleichgesinnt sind. Menschen, die ähnlich wie ich Lust haben, viel zu
quatschen, Menschen zu begeistern. Also es ist ja auch mit viel Begeisterungsfähigkeit einhergehend
und auch durchaus eine hohe Performance-Kultur. So, dann habe ich. Ich gehe mal eins weiter, das
wäre jetzt sogar im Industrieumfeld und ich als Sales-Abteilung müsste quasi Produkte verkaufen,
die vielleicht erstmal hergestellt werden müssten. Also muss ich auch mit Forschung und Entwicklung
zu tun haben. Also warte ich rüber und versuche dann mit Forschung und Entwicklung kundenzentrierte
Lösungen zu finden. Also ich gehe aus meiner Bubble ja schon raus, weil ich gehe dann zur Forschung
und Entwicklung. Da sind ja oft Menschen, die sind oft mit Neugierde gepaart, die haben Lust, Dinge
zu erfinden. Aber sie brauchen auch Zeit, um sich dementsprechend kreativen Dingen auch hingeben zu
dürfen. Und dann kommt Performance. Zeit, also sprich dieser Nachhaltigkeitsanspruch aufeinander,
das sind zwei Bubbles. Und die haben wir im Unternehmensalltag. Und du hast eben schön deine
Interessen angesprochen. Ich kann von meinem Mann welche drauflegen. Also ähnliche Altersgehorte.
Er hat angefangen, Retro-Nintendos auseinanderzubauen und auf moderne technische Gegebenheiten zu
entwickeln. Also er hat auch gerade so ein Spleen entwickelt und ist in so einer Nintendo-Bubble
seit neuestem und spielt wieder Zelda. Und ich komme jetzt auf einmal in so eine Welt rein, die
echt crazy ist. Und lerne sehr viele Spielertypen kennen auch wieder. eine Bubble für sich,
bedeutet das ja auch unsere Interessen, also wenn wir jetzt raus aus dem Unternehmenskontext gehen,
unsere Interessen ja auch eine Bubble ausmachen. Wem möchte ich sprechen? Wer hat meine Themen? Das
muss ja nicht mal Alterskohorte sein, sondern das Rennrad angesprochen, wenn ich andere finde, die
Rennrad fahren super. Ihr werdet euch vielleicht aber auch prima darüber unterhalten, wie es ist,
als Rennradfahrer durch einen Taunus zu fahren, währenddessen euch die Autos entgegenhupen. Und da
gibt es schon den ersten Clash. Da ist der Autofahrer oder die Fahrende und wiederum ihr als
Fahrradfahrende. Und dann gibt es auch wieder eine Bubble zwischen Fahrradfahrern und Autos. Und
könnte man das so weiterspinnen? Wir haben politische Bubbles, wir haben Stadt-Land als Bubble,
wir haben definitiv sozioökonomische Bubbles. Also es ist auch, wenn ich als Frankfurterin in
andere Stadtteile fahre, dann sind da andere Lebensbedingungen, wie wenn ich jetzt womöglich im
Westend bin und mir überlege, ob ich mir für fünf Euro ein Matcha-Latte kaufen möchte. Also sprich
Bubbles, um das vielleicht auch mal für alle Zuhörer und Hörerinnen kurz zu beschreiben, ist
erstmal meine Lebensrealität. Meine Lebensrealität anhand... meines sozioökonomischen Hintergrunds,
anhand meiner beruflichen Gegebenheiten, anhand natürlich auch, wo ich wohne, wie ich lebe und
welche Interessen ich habe. Und meine Bubble kann aber auch genauso meine Familie sein. Es gibt
also auch verschiedene Bubbles, wo ich rumhänge, aber es hat immer mit mir erstmal zu tun und mit
wem habe ich Lust, in Kontakt zu treten oder habe ich wegen meiner Lebensrealität Kontakt. Und raus
aus der Bubble, was mein Buch heißt, bedeutet den Mut zu haben, mit Menschen in Kontakt zu treten,
mit denen ich vielleicht so erstmal nicht sprechen würde. Und ich fange direkt hart an. Ich bin zum
Beispiel Grünenwählerin und habe ich jetzt Lust, mit einem AfD-Wähler oder einer Wählerin ins
Gespräch zu kommen. Und genau so Themen fange ich in meinem Buch ein, tatsächlich.
Hey, kurze Durchsage. Wenn euch veränderungsstabil gefällt, dann nehmt euch doch mal kurz Zeit und
gebt dem Podcast eine Bewertung auf dem Streaming-Dienst, mit dem ihr gerade hört. Das hilft uns
enorm, weil dann noch mehr Menschen den Podcast entdecken können und so können wir die Community
weiter wachsen lassen. Vielen Dank fürs Unterstützen, vielen Dank fürs Zuhören und jetzt geht's
weiter mit der Episode. Bevor wir da hingehen, du hast es jetzt schon sehr, sehr konkret gemacht,
ich will nochmal so die Grundlagen kurz abklopfen, weil ich will erstmal verstehen, du hast es ja
auch im Buch wunderschön erklärt. Sag doch nochmal für die Hörerinnen und Hörer, warum mögen wir
denn die Bubbles? Also ich habe eben, während ich dir zugehört habe, eins meiner Lieblingszitate
asper Hauser, Kurt Tucholsky,:in der Mitte. Der Mensch ist ein politisches Geschöpf, das am liebsten zu klumpen geballt sein
Leben verbringt. Jeder Klumpen hasst die anderen Klumpen, weil sie die anderen sind und hasst die
eigenen, weil sie die eigenen sind. Woher kommt denn die Notwendigkeit für Bubbles oder für
Klumpen? Warum brauchen wir als Menschen denn diese Bubbles? Ich bin ein Fahrradfahrer, ich hasse
es, auf der Straße zu fahren, weil ich diesen Krieg mit den Autofahrern nicht mag. Aber ich tappe
mich auch dabei, wenn ich Autofahrer bin, dass ich dann den Fahrrad fahre. Teilweise auf dem selben
Radweg, wo ich normal bin, fahre ich nicht auf dem Radweg, weil auf dem Radweg die ganzen
Besoffenen in ihrer Scheiß Scherben liegen lassen. Also fahre ich nicht auf dem Radweg. sondern auf
der Straße, weil es da sicherer ist und wenn ich da beim Auto war, denke ich mir, wann kann der
scheiß Fahrradfahrer nicht auf dem Radweg fahren? Warum bin ich so?
Warum sind wir Menschen so unfassbarer paradoxe Wesen? Aber wofür brauchen wir denn die Bubbles?
Was geben die uns denn? Bubbles sind für uns erstmal ein Wohlgefühl. Also es ist ja auch gerade in
der Welt, die ja so unfassbar anstrengend ist. Durch die Krisen in Unternehmen,
auf der Arbeit höre ich ganz viel von Krise. Ich gehe raus, lese die Zeitung, Instagram, was auch
immer. Ich werde ja momentan sehr stark damit konfrontiert, was auf der Welt los ist. Dieses
Leichtgefühl, was viele vor und nach Corona so definieren, die einfache Antworten suchen. Diese
Leichtfüßigkeit des Lebens ist uns irgendwie ein Stück weit abhandengekommen. Was unsere Bubbles
machen, ist uns einen geschützten Raum. ein Wohlgefühl, Menschen, mit denen ich über Gleiches
sprechen kann, gleiche Interessen habe, nicht konfrontativ sein zu müssen. Also ich habe einen
Raum, ich habe Menschen um mich, in denen ich mich erstmal geschützt fühle, so wie ich bin und
diesen Zweck. Den muss man sich auch suchen oder auch die Interessensgemeinschaften. Und es ist
auch super wichtig, dass wir mit Menschen zu tun haben, die uns auch erst mal gut tun. Also safe,
bitte auch in euren Bubbles rumhängen. Fühlt sich gut an, ist fluffig. Also bitte weitermachen. Das
Einzige ist, wir haben, und das ist halt genau das, was du schön mit Kaspar Hauser und den Klumpen
beschrieben hast, weil so klumpig ist das auch. Wenn wir die ganze Zeit vor uns hinklumpen und so
ein bisschen in den Ecken rumhängen, wo wir uns schon wohlfühlen, lernen wir ja keine neuen Wege
und keine neuen Perspektiven kennen. Und das ist diese In-Group-Out-Group, sagt man da. war ja
aus der Gruppendynamik heraus. Das heißt, ich bin in meiner In-Group. Ich fühle mich in meiner
Gruppe, meiner Interessensmannschaft wohl. Das ist auch wichtig. Aber in der Out-Group, die
anderen, wir gegen die, so typische Phänomene, die anderen, die finde ich halt blöd.
Und du hast das total schön gerade mit dem Auto beschrieben. Das ist ja genau das. In dem Moment,
wenn du auf dem Fahrrad fährst, bist du ja wir. Du bist aber auch, wenn du im Auto unterwegs bist,
auch ein wir. Und je nachdem, auf welcher Seite des Gefährts du gerade sitzt, ist es ein wir gegen
die. Und dieses wir gegen die in einem Diskurs, in der Unternehmung, Stichwort Silos oder in
gesellschaftlichen Kontext, sorgt halt dafür, dass wir verlernen, Brücken zu bauen. Und diese
Brücken brauchen wir aber mehr denn je aktuell. Aber das ist erstmal so, vorweg, bitte in den
Bubbles rumhängen, ist wohlig, aber rauskommen, um wirklich Gemeinschaft zu erzeugen. Also ich
kriege aus den Bubbles auch so... Mir fällt kein besseres Wort ein, Perspektivkongruenz. Also da
sind andere Menschen, die haben dieselbe Perspektive wie ich. Wenn ich in meiner Radfahrer-Bubble
bin, dann kann ich erwarten, dass ein anderer Radfahrer, der irgendwie, also jetzt keine andere Sub
-Bubble, wenn da jetzt irgendwie so ein 80-Jähriger auf einem 45 PS E-Bike, das ist eine andere
Bubble als ich. Aber wenn er jetzt so ein anderer kleiner Dicker auf einem viel zu teuren Gravel
-Bike durch die Gegend hackt, dann kann ich davon ausgehen, dass der meine Perspektiven so ein
bisschen teilt. Dass der auch der Meinung ist, eigentlich sollte er auf der Straße fahren dürfen
und nicht. auf dem Radweg, weil da die ganzen Kinderwagen irgendwie alles verstopfen und eigentlich
trainieren wir alle für Paris, Roubaix oder wie das Ding heißt. Also das heißt, wir haben ähnliche
Perspektiven, wechsle ich die Bubble, gehe ins Auto, dann teile ich die Perspektive mit anderen
Autofahrern, die unter demselben Quatsch leiden, bin ich in meinem Produktionssilo, dann haben wir
die Perspektive, das muss alles anständig produziert werden, das muss hier beherrschbar sein, bin
ich im Vertriebssilo, dann habe ich Menschen, die mit mir die Perspektive teilen, wir müssen
Absatz, Absatz, Absatz machen, wir wollen Bonus, Bonus, Bonus machen und die Typen im Wert die sind
immer nur am Heulen, Heulen, Heulen. Ist das so diese geteilte Perspektive auch, die mir diese
Sicherheit und dieses Wohlfühlgefühl der Bubble gibt? Erstmal ja und gleichzeitig widerspreche ich
mir jetzt sogar selber, weil wir jetzt ja auch Schubladen aufmachen. Das kann ja sogar sein. Ich
mache mal mit dir eine neue Bubble auf. Das ist, wenn du jetzt die Bubble von Schule oder
Kindergarten und du hast Kinder. Also wie oft schimpft man über die anderen Eltern. Also ihr habt
eigentlich alle Kinder in einer Klasse oder im Kindergarten und trotzdem, man ist sich einig, dass
eine tolle Lehre sein soll. Also Kinder sollen viel lernen, sollen ein gutes. schulisches Umfeld
haben, aber trotzdem kann es sein, dass man auch hier zwar in einer Bubble ist, nämlich Schulkinder
und trotzdem, und das ist jetzt das Paradox an uns Menschen, also das heißt, ein Interesse ist da
und trotzdem, sie haben Unternehmensgleiche. Wir haben eigentlich das Interesse, dass unser
Unternehmen erfolgreich ist, dass wir alle einen sicheren Arbeitsplatz haben und dass wir in der
Zeitung lesen, Mensch, Unternehmen XY mal wieder Rekord zahlen und oder total innovativ,
was auch immer wir uns vorgenommen haben und trotzdem sorgen wir dann dafür, so paradox wie wir
sind und ein Fahrrad- und Autobeispiel werden wir auch immer wieder nehmen, was schön ist, dass
wir auf der anderen Seite so paradox sind, dass wir in Momenten, wo wir eigentlich in einer Gruppe
agieren, trotzdem Schubladen aufmachen und diese Schubladen wieder dazu führen, dass wir nicht in
den Kontakt kommen und nicht miteinander schnacken können. Also das passiert auch. Ich mache dir
hier ein Beispiel. Wir haben bewusst gerade Schubladen aufgemacht. So der Vertriebsmitarbeiter, der
hat jetzt so richtig Lust, Sales, Performance etc. Also haben wir jetzt ja mal so ein Stigma
aufgemacht. Und diese Schubladen machen wir ja auch im Gesellschaftlichen permanent auf. Wir
stecken viele Menschen in Schubladen, weil unser Hirn das mag, weil es einfach ist. Auch das erst
mal. Ich bin überhaupt nicht dagegen, dass unser Hirn das tut. Unser Hirn soll das bitte machen,
weil unser Hirn braucht das auch. Aber auch hier wieder müssen wir die Schubladen sortieren.
Genauso, wenn wir unseren Schrank angucken und mal wieder denken, da liegt mal wieder ein bisschen
mehr kreuz und quer als gedacht. Ich müsste mal wieder meinen Schrank aufräumen. Kennen wir, glaube
ich, alle, wenn irgendwie die Shirts dann doch immer mal so, naja, so lala zusammengelegt sind. Und
dieses Zusammenlegen müssen wir auch wiederum tun, um auch in unseren Bubbles und außerhalb ein
Bewusstsein für verschiedene Menschen zu gewinnen. Wobei ich das mir, was du sagst, diese Bubble,
diese Eltern-Bubble. die macht mich fertig, seitdem wir Kinder haben. Ganz oft schon am Anfang auf
dem Spielplatz, dass dann Leute kommen und du versuchst, sich zu unterhalten und du stellst
irgendwann fest, vielleicht ist das auch ein Beispiel für meine Unfähigkeit aus, aber wenn ich
irgendwann sage, Kollege, das Einzige, was wir zwei gemeinsam haben, ist, dass wir uns ungefähr zur
selben Zeit erfolgreich fortgepflanzt haben. Und ganz im Ernst, die Hürde liegt nicht besonders
hoch. Also das ist nicht schwer. Ansonsten sind wir nichts gemeinsam, außer dass wir ungefähr in
derselben Zeit mal Sex hatten und da ist ein Kind bei rausgekommen. Lass uns vielleicht nicht auf
dieser Basis eine Unterhaltung starten. Das Problem hatte ich relativ oft.
Aber weißt du, was das Witzige ist? Ich möchte da jetzt sogar bleiben. Weil wenn wir Margot
Friedländer nehmen, die ja sagt, wir sollten uns mehr auf das konzentrieren, das uns verbindet,
anstatt das, was uns trennt. Dann verbindet euch zumindest, dass ihr in der gleichen Zeit auf jeden
Fall Lust hattet, Kinder zu bekommen mit all dem, was Schönes dazugehört. Und mehr vielleicht auch
nicht. Aber ihr habt beide Lust gehabt, Kinder zu bekommen, die Welt zu bereichern. Punkt. Mehr
muss es manchmal gar nicht sein. Und ich glaube, da tun wir uns unfassbar schwer, erst mal mit dem
kleinsten gemeinsamen Nenner zurechtzukommen. stimmt. Und ich kann auch genau sagen, warum ich mich
schwer getan habe, weil einfach alles andere nicht übereinander gelegen hat. Die Sprache war nicht
dasselbe. Die Werte waren nicht dasselbe. Der Tagesablauf war nicht dasselbe. Die Erziehungsmuster
waren nicht dieselben. Tatsächlich zu Beginn, das war vor Corona, wollte ich so ein Stand-up.
Stand-Up-Karriere. Ich wollte Stand-Up-Comedian werden. In Frankfurt hatte ich so eine
Ausbildung, so eine kleine, gemacht. Und mein Gag-Ding war, mit Eltern auf Spielplätzen reden. Und
das war die ganze Zeit so dieses bewusst aus der Bubble rausgehen. Leute treffen in den Skits
quasi, die überhaupt nicht zu mir gepasst haben. Und ja, der Gag war dann verbal ausfällig zu
werden irgendwann. Aber es gefällt mir aber gut. Das finde ich gut. Tatsächlich wollte ich mal
sowas starten am Käseladen, weil ich raus aus der Bubble regelmäßig erlebe, wenn ich mir Käse auf
dem Markt kaufe. Und da ist immer eine Schlange von... Minuten, also der ist total beliebt. Mein
Käse stand im Bockenheim in Frankfurt und man hört da immer die wildesten Gespräche. Und da gibt es
so Momente, also ich verstehe dich auch total, wo man sich denkt, was bist du denn für ein Affe?
Also sag mal, hackt's bei dir noch? Oder was ist denn bei dir los? Und auch das ist ja auch, wie
gesagt, völlig normal. Also ich wollte auch schon mal in die Stand-Up-Richtung gehen. Vielleicht
sollten wir uns nach dem Podcast nochmal unterhalten. Ich habe tatsächlich eine Zeit lang Bierdosen
gehabt oder Red Bull-Dosen, die haben noch besser funktioniert. Hab die ausgespült zu Hause und
hab Wasser reingetan. Und hatte dann aber immer die Dose in der Hand, wenn ich... Spielplatz stand,
damit die anderen denken, dass ich ein Assi bin und mich nicht ansprechen. Und wenn sie mich
angesprochen haben, habe ich dem Kind einen Schluck aus der Dose gegeben.
Das gefällt mir aber auch gut. Aber weißt du, das ist doch gehört auch dazu, also eigentlich auch
zu spielen. Du spielst ja mit einer Schublade in dem Moment wohl bemerkt. Ja klar, ich habe mich in
der Schublade versteckt, um eine Ruhe zu haben. Was aber auch normal ist. Ich glaube, nebenbei,
ich erzähle eine total witzige Geschichte von meinem Mann jetzt hier. Ich hoffe, er verzeiht es
mir. Wenn wir U-Bahn fahren und er möchte gerne ungestört sitzen, dann hat er irgendwann mal in
seinem Soziologiestudium gelernt, wenn man das Gesicht in eine Kremasse zieht, dass die Menschen
sich eher nicht... würden. Und wenn er keine Lust hat, dass sich jemand neben ihm setzt, zieht er
wirklich eine total schräge Krimasse. Und ich sage dann immer, hör auf. Also willst du nicht
erwischt werden, weil du als Autorin hier für andere Themen stehst. Und ja, genau so, wie du es
gerade machst. Also er verzieht sein Gesicht wirklich auf eine Art und Weise, um seine Ruhe zu
haben. Und das gehört ja aber auch dazu. Und weißt du was? Ich glaube sogar, wenn wir unsere eigene
Bubble, und das fängt ja sogar bei uns persönlich an, gut pflegen, können wir auch überhaupt in der
Lage sein, weil wir dann die Zeit haben, uns bewusst außerhalb unserer Bubble auch mit Menschen zu
beschäftigen. Das kostet ja auch Energie. Und die Energie sollten wir haben dafür und nicht x
-beliebig und immer verfügbar sein, weil das von unserem Energiehaushalt gar nicht geht. Jetzt
haben wir eine Viertelstunde die Bubble gefeiert und die Abgrenzung gefeiert und lustvoll drauf
geguckt, dass meine Bubble cool ist und dass die anderen Vollidioten sind. Aber wenn ich das Buch
richtig verstehe, versuchst du ja auch an einem gewissen Punkt so ein bisschen die Lanze zu
brechen, zu sagen, hey, das ist schon okay zu sagen, ich habe meine Bubble, du hast deine Bubble.
Aber es muss nicht immer sein, ich gut, du schlecht, oder? Nein, das ist ja unbedingt, das ist ja
Konstruktivismus par excellence. Also wenn ich glaube, dass meine Meinung, meine Perspektive
richtig ist und ich nicht lerne, andere Perspektiven zu verstehen, dann bin ich erstmal überhaupt
gar nicht anschlussfähig. Also da geht es ja erstmal los. Ich habe überhaupt gar nicht die Chance,
mit anderen einen ernsthaften Kontakt oder eine Resonanz aufzubauen. Und das wäre auch
lebensverneinend, um ehrlich zu sein. Hier hören ja auch Leute zu, die nur so ein Berufsakademie
-Diplom in Wirtschaftsinformatik haben, wie ich. Erklär uns doch mal, was Konstruktivismus ist.
Konstruktivismus bedeutet, ich mache mal ganz einen schönen Beispiel fest, wenn wir alle ins Kino
gehen. Ich mache mal hier Barbie auf, war vor zwei Jahren, glaube ich, wurde echt gefeiert. Also
wir würden jetzt alle zusammen ins Kino gehen oder meinetwegen, Michael ist ja auch gerade am
Start. Wir gehen alle zusammen ins Kino und wir sind zu 100 zusammen im Kino. Du, ich, unsere
Zuhörenden gerade. Und wir werden alle rausgehen und auf andere Dinge geachtet haben. Ich bleibe
mal bei Michael, weil er ist gerade im Kino. Das ist irgendwie ein schönes Beispiel. Wir werden uns
an die Musik erinnern, die da früher war. Manche werden... sagen danach, naja, aber keiner,
irgendwie der Film, der greift zu kurz, der hat ja gar nicht angesprochen, was er auch für
kritische Momente in seiner Karriere hatten. Ich bin völlig blank. Das ist ein Biopic über Michael
Jackson, oder was? Ah ja, voll. Okay, ich habe keine Ahnung, sorry.
Eieieiei, da müssen wir aber hier nochmal. Aber guck, auch schon Konstruktivismus. Aber guck,
das ist Konstruktivismus schon. Also was wir auch gerade haben. In meiner Konstruktion, klar hat
man Michael gesehen. Und du denkst dir so, hä, warum sollte ich denn? Ich habe da, nö. Aber alle
gemeint. in einem Film und das heißt, Konstruktivismus würde mit einer anderen Perspektive
rausgehen. Das heißt, ich habe mir selbst eine Konstruktion geschaffen, weil ich auf andere Dinge
achte, wie vielleicht mein Leben an. Und das ist Konstruktivismus. Ich konstruiere mir meine Welt.
Und das hat ganz viel mit Erfahrung zu tun, aber auch mit den Dingen, die mir wichtig sind, mit
Dingen, die ich auch schon erfahren habe, mit Dingen, die mir wichtig sind im Rahmen auch von
Zukunftsfähigkeit von so einer Welt. Und das panche ich alles zusammen und mache mir eine
Konstruktion. Auch die Schubladen, die wir heute schon erwähnt haben, ist im Endeffekt
Konstruktivismus. Und der sorgt dafür, dass ich generell erstmal die Sichten und die Haltungen
meiner Bubble verstärke auch und die anderer Bubbles als feindlich wahrnehme.
Zum Beispiel. Also wir sind ja beide in der LinkedIn-Bubble. Das ist ja auch wieder eine Bubble
für sich. Und wir würden höchstwahrscheinlich in unserer Konstruktion die Arbeitswelt auch erstmal
davon betrachten. Also da ist ja auch viele Menschen, die tatsächlich eher in Berufen sind,
die oft auch mit Homeoffice einhergehen können, also Wissensarbeitende. Aber die Lebensrealität von
beispielsweise einer Kindergärtnerin, einem Pfleger oder einer Pflegerin, einem Busfahrer oder
einem Kassierer oder Kassiererin, also all die Menschen. die da quasi in diesen Berufen sind,
findest du auf dieser Bubble relativ selten. Die haben eine ganz andere Konstruktion. Die mahnen
sich null Gedanken über Homeoffice oder nicht. Die mahnen sich erstmal darüber Gedanken, dass sie
fair bezahlt werden. Und das sind alles Konstruktionen, so wie ich mein Leben gerade gestalte. Das
war ein Effekt, den hatte ich auch in der Corona-Zeit, das weiß ich noch. In der LinkedIn-Bubble
fiel natürlich über Homeoffice und Möglichkeit und wie ist das und so weiter geredet. Und da habe
ich irgendwann gesagt, mal gefühlt, für wie viele Leute, für wie viel Prozent der Deutschen ist das
eigentlich relevant? Und ich war geschockt, weil ich gesehen habe, dass dieses Bild, Kasper, Regel,
Home, Office, ich bin relativ frei. Was ja, wenn du ein Außerirdischer bist und siehst nur
LinkedIn, denkst du ja, das ist das Leben. Aber das steht für unter 10% der Bevölkerung. 90% der
Arbeitenden sind Busfahrer, Kindergärtner, Soldaten, Feuerwehrfrauen und so weiter.
Richtig. Und ich mag da bleiben, weil ich vor ein paar Jahren tatsächlich auch in meinen
Unternehmen, in denen ich agiere als Beraterin, auch das Glück hatte, zwischen Unternehmen und oder
soziale Institutionen zu begleiten, wo Homeoffice alles andere als relevant ist, weil es um ganz
andere Dinge geht. Und ich durfte dadurch auch eine Perspektive kennenlernen, die vielleicht wir
auch in unserer Konstruktion unterschätzen. Ah, wie toll, Remote Work und alles. Und tatsächlich
ist mir aufgefallen, dass Menschen, die weiterhin vor Ort arbeiten, viel sozialer miteinander sind
als Menschen, die eher Remote arbeiten. Also das war eine interessante Beobachtung, die ich während
der Covid-Zeit gemacht habe, dass in Unternehmen, in denen ich rein bin, die eher remote
Arbeitenden, tendenziell wieder lernen mussten, Dialogfähigkeit und Anschlussfähigkeit zu
trainieren. Wenn man sich auch ein bisschen daran gewöhnt hat, zu Hause zu sein, vielleicht auch
nicht immer verfügbar zu sein und man sich während einem Konflikt auch mal gut die Kamera ausmachen
konnte. Also man war nicht im Raum. Und das wieder trainierbar oder erlernbar werden musste in
einem Teamgefüge, was heißt eigentlich miteinander auch zu streiten, währenddessen in
Berufsgruppen, permanent miteinander zu tun haben und oft auch an Grenzen vom Leben bei unserem
Staat kommen, beispielsweise wenn du in der Pflege arbeitest, nur eine Minute pro Patient hast,
ganz andere Dinge auch aushandeln müssen. Das heißt, die Bereitschaft miteinander in Dialog zu
treten, per se da sein muss. Und da die sozialen Fähigkeiten oft größer sind, in meinem Buch habe
ich übrigens auch recherchiert, dass tendenziell Menschen, die weniger Geld haben, eher spenden als
Menschen, die viel Geld haben. Also deswegen Konstruktivismus, raus aus der Bubble. Wir dürfen
tatsächlich permanent uns beobachten, bin ich gerade in meiner eigenen Konstruktion,
eigenen Welt oder Lebensrealität und bin ich in der Lage gerade etwas anderes wahrzunehmen,
was um mich herum passiert. Und das ist raus aus der Bubble. Da muss ich ja noch nicht mal mit
jemand anderem in Kontakt getreten sein, sondern ich habe einfach mal offenen Auges, was passiert
hier gerade rechts und links neben mir, anstatt vielleicht in meinem Smartphone und in meiner
Filterblase, die auch wieder mal eine Bubble wäre. Ja, aber ich hänge immer noch am ersten. Sorry,
wenn ich zu langsam bin. Bitte, nee, nee. Bevor ich aus der Bubble rausgehe, muss ich erst mal,
also das wäre für mich Schritt 1, ich muss erst mal anerkennen, ich bin in einer Bubble. Das ist
wohltuend. Das fühlt sich beschützt an. Oft habe ich den viel bemühten Safe Space,
weil, naja, die um mich rum halt so sind wie ich irgendwie und so denken wie ich. Aber dann sich
das erstmal anzuerkennen zu sagen, und das ist eine Bubble. Ich habe witzigerweise gestern mit
einem sehr geschätzten Wirtschaftspsychologenkollegen zusammengesessen. Grüße, André, der hört
manchmal den Podcast. Und wir haben uns gefragt, wenn wir ein Führungskräfteprogramm aufstellen
könnten und wir könnten aber irgendwie einen Punkt, also was ist der eine Punkt, den wir
reinbringen würden? Wir haben zwei, drei Kandidaten dafür gehabt, aber einer der Kandidaten war.
Wie du die Welt siehst, ist, wie du die Welt siehst, ist nicht, wie die Welt ist. Um genau da
hinzugehen, zu sagen, hey, du bist jetzt Führungskraft hier in der Abteilung XY, damit bist du in
einer Bubble. Und die andere Bubble, der Vertrieb, die IT, die Personalabteilung, die mit deiner
Bubble vielleicht im Clinch sind, die Silo-Konflikt, die haben halt ihre Sicht da drauf. Du bist
in deiner Sicht, aber da passiert halt auch einfach viel Leid und viel Konflikt, weil die Menschen
nicht in der Lage sind zu extrahieren und zu sagen, ja, das ist jetzt unsere Sicht auf das Problem.
Die Kollegen aus dem Vertrieb haben ihre Sicht auf das Problem. Das ist eine andere Sicht, aber
beide sind okay. Verliert sich ja viel von diesem Zwischen-Bubble-Kriegsschauplätzen.
Ist ja einfach nur, weil ich denke, wir haben recht und ihr seid blöd. Holger, tatsächlich mag ich
da sogar reingehen, weil ich habe dir erst recht gegeben. Ja, macht Sinn, dass ich es erstmal
verstehe. Und als du so gesprochen hast, ist mir etwas gekommen, was wir im Führungsalltag gut
nachvollziehen können. Meistens haben Führungskräfte erst, wenn sie die Bubble unwissentlich
verlassen, weil sie Erlebnisse sammeln, erkennen sie erst, dass sie in der Bubble sind. Also würde
ich sogar meine eigene Aussage revidieren. und sagen, nee, ich muss mir nicht erst bewusst werden,
dass ich in der Bubble bin, weil dafür brauche ich schon so krass die Zeit, die wir uns nicht
nehmen und die Chance auf Selbstreflexion, dass ich dieses Bewusstsein habe. Vielleicht ist es
eher, ob im Rahmen von Führungskräftenprogrammen, Alltag, die Brücke, also tatsächlich gehe ich da
jetzt eher gedanklich hin, ich mache erst, ich erlebe erst und daraus erkenne ich, dass ich in der
Bubble bin. Weil gerade im Führungsalltag, wie gestresst sind denn die meisten heutzutage? Vor
allem, wir sind gerade am Krisen jonglieren. Nicht, dass das gesund wäre, aber... hängen von
Meeting zu Meeting. Dann gehen wir eben in den ganzen Meetings versuchen, unseren Mitarbeitenden
gerecht zu werden. Wir sollten vor allem auch unseren Kunden gerecht werden, weil die bezahlen ja
wiederum den ganzen Zirkus, den wir da veranstalten. Und letzten Endes kenne ich wenig
Führungskräfte, die sich bewusst Zeit nehmen für ihre eigene Reflexion, auch wenn es wichtig wäre,
vor allem in so einer Zeit. Das heißt, dieses Ich bin mir bewusst meiner Bubble kann eigentlich
nicht passieren. Es kann aber passieren, wenn ich viel mehr in Kontakt mit meinen Kunden trete.
Da gibt es ja zig Ansätze von Design Thinking. bis sonst was oder klassisch im Scrum würdest du
dann in Review-Prozessen eigentlich Kunden integrieren. Und das heißt, da würde ich meine Bubble
verlassen können. Und Richtung Kunde und Richtung Mitarbeitende würde ich nicht mal sagen, dass die
schon fixes sind, Mitarbeitergespräche, sonst was, sondern ich hocke meinen ganzen Tag dort, wo
meine Mitarbeitenden arbeiten und kriege mit, was das wirklich bedeutet. Das ist raus aus der
Bubble. Und ich glaube, das kriegst du erst mit, wenn du es erlebt hast. Also würde ich jetzt sogar
sagen, erst erleben und dann Verständnis für meine eigene Bubble. Ja, okay, aber das gehe ich gerne
mit. Ich wollte gar nicht sagen, es muss eindeutig in dieser Reihenfolge sein. Ich wollte nur
sagen, also wenn ich selber initiieren will und hingehen will, ich will mal verstehen, wie die
Vertriebler darüber nachdenken, dann muss ich ja vorher irgendwie erkannt haben, wir haben eine
Art, über Dinge nachzudenken, die haben eine andere. Aber deren Art ist es wert, sie zu
untersuchen. Die ist nicht einfach nur Gehirn amputiert und die machen das nicht einfach, um uns zu
ärgern, sondern da muss es irgendwie was dahinter geben. Nichtsdestotrotz ist es so, wie du sagst,
auch in meiner Erfahrung. Das erste Mal mache ich es meistens nicht freiwillig und nicht gewollt,
sondern es passiert halt. Es gibt einen Unfall. Ich hänge im Fahrstuhl fest mit jemandem,
der anders wählt als ich. Oder es gibt Leute, die es machen. Ich weiß,
früher regelmäßig, wenn wir als Berater gerufen wurden, um Customer Service Organisationen,
Helpdesks und so weiter besser zu machen, dann ist ein Muster, das du ganz oft vorfindest, dass
diese Helpdesk-Leute da sitzen und sagen, die Kunden, die uns anrufen, sind alle nur idiotische
Nervgeneratoren. Die existieren nur, um uns zu quälen. Und da kommst du raus, indem du einfach
hingehst und sagst so. Wirklich oft gemacht und es ist abgefahren, wenn die Leute, die kommen wie
seelengewaschen zurück quasi, dass die einen Tag mal bei ihren Kunden sitzen und sagen, die Typen,
die dich immer anrufen, die haben zugesagt, du darfst mal einen Tag dich bei denen ins Büro setzen
und denen beim Arbeiten zugucken. Da sagen am Anfang immer alle, was soll die Scheiße? Und wenn die
zurückkommen, sagen die... blown. Also ich habe jetzt verstanden, dass das Menschen sind. Ich habe
verstanden, dass die nicht morgens aufstehen und sich überlegen, wie sie mich quälen können,
sondern dass die tatsächlich ihre eigenen Probleme, ihre eigenen Herausforderungen, ihre eigenen
Wünsche und Visionen haben. Und dass ich halt tangential, haben wir hin und wieder mal einen Punkt
und da kann man über die Grenze reden, aber ich nehme die jetzt als Mensch wahr, weil ich mal in
ihre Bubble gezwungen wurde. Ich bin in ihren Schuhen gelaufen. Das ist doch so ein Symbol,
das wir ja auch so als Zitate kennen. Bin ich schon mal in den Schuhen des anderen oder der anderen
gelaufen? Und ich glaube, dass es egal, ob im Unternehmens- und oder gesellschaftlichen Kontext,
das Erste, was wir uns mitnehmen sollten rund um Konstruktivismus, Lebensrealitäten, dass wir uns
dessen bewusst sind, dass wir ganz wenig wissen. Und dieses Wissen können wir eigentlich nur
auffrischen oder uns nur eine Idee von etwas machen, wenn wir es selbst erlebt haben. Gerade weil
du das eben angesprochen mit Helpdesk. Das ist ein schönes Beispiel einfach. Ich habe einen Tag bei
meinen Kundinnen oder Kunden gesessen und die sind ja eigentlich ganz knuffig und cool. Die haben
halt von meinem Thema keine Ahnung, so wie du mich eben aus meiner Bubble rausgeholt hast. Hey
Dominik, also ich komme aus der IT. Mama, was ist denn das mit dem Konstruktivismus? Also wir sind
alle in unseren Bubbles und dürfen da regelmäßig lernen. Also ich auch als Fachidiotin. Ja klar,
also nochmal eine Runde extra. Und ich glaube, das ist essentiell, uns dessen auch bewusst zu sein.
auch in unserer Sprache, so wie wir jetzt hier miteinander quatschen, so dass wir auch sprachlich
ja schon Bubbles haben und auch diese regelmäßig überwunden werden dürfen und müssen. Ich habe
einen Kumpel, der ist Bauarbeiter. Ich kenne schon seit Kindheitstagen, komme aus dem Dorf. Und der
hatte mir irgendwann mal so vor ein paar Jahren gesagt, da hatte ich auch so gerade so ganz viel so
Richtung Business-Coaching, Supervision so gemacht. Der sagt mir alles so seicht, was du gerade
sagst. Das ist so die, die wissen, wenn man so gerade in diesen Ausbildungsmodi ist, jetzt auch
schon in der zehn Jahre her, dass man aber bewusst auf seine Sprache achtet. viele sich jetzt ja
gestört fühlen, ob wir gendern oder nicht gendern etc. Und sowas ist einem nur dann bewusst, wenn
man außerhalb seiner Bubble ist. Und er hat mir das dann ganz schön gespiegelt, dass ich dem das
alles viel zu, weil ich auch so offen daherreden wollte. Und er so, jetzt bringen sie mal auf den
Punkt. Da hat er mich gut gespiegelt und ich glaube, das ist auch ganz wichtig, dass wir uns auch
spiegeln lassen, wohlbemerkt. Das ist auch ein Teil von. Aus den Schulen rausgehen, auch jemand
anderen in den Raum geben, vielleicht, dass man Feedback bekommt, wie man hier gerade selber
unterwegs ist. Das habe ich im Rahmen meiner Buchreise, habe ich mich ja mit ganz vielen Menschen
getroffen, unter anderem auch AfD-WählerInnen. Und ich war überrascht, muss ich gestehen,
wie viele Menschen mir auch in der Zeit, als ich mein Buch geschrieben habe, aus meinem
Bekanntenkreis auf einmal gesagt haben, dass sie das wählen. Ich war wirklich schockt, da hätte ich
mir nicht gedacht, es ist ja mal eine Bubble. Und auf einmal, ja jetzt, wo du so offen mit dem
Thema umgehst, da hatte ich auf einmal den Salat, ich Grünwählerin, die immer gesagt hat, ja
sollten Grünwähler und AfD-Wähler sollten sich mal zusammensetzen. Ja, dann hatte ich das, ohne
dass ich das schon gleich wollte. Ich wollte ja selber erst mal gucken, geht das überhaupt? Und man
sagt tatsächlich, also auch ein Studien, dass zum Beispiel AfD-Wähler und Grünwähler die größte
Spaltung eigentlich in der Gesellschaft sind von den Wählergruppen und das medial auch tatsächlich
insoweit gepusht ist, dass wir jetzt eigentlich nicht sagen dürfen, wir sind eine gespaltene
Gesellschaft, auch wenn das, wo wir merken, 80 Prozent aktuell glauben, es aber medial auch einfach
sehr gepusht wird durch die Extreme. Da können wir auch wieder unsere LinkedIn-Bubble nehmen, wo
wir wahrscheinlich viele dieser Wählergruppen auch haben, die sich eher links, liberal, grün
einordnen würden, wo dann solche Themen auch behandelt werden, währenddessen Menschen, die halt
aktuell in der AfD wählen, Ja, mit Zukunftsängsten kämpfen. Muss mein Sohn in den Krieg ziehen?
Beispiele, die ich gehört habe. Oder gerade so Themen rund um Terror. Und dann, klar, könnte man
jetzt intellektuell daherkommen und sagen, hier, lass uns doch mal ein paar Studien durchgucken.
Ist aber, weil wir es eben von Sprache hatten, total elitär. Bringt in dem Moment überhaupt nichts,
mit Menschen über Studien zu reden, dass das alles gar nicht so ist, wie sie glauben, was eine AfD
einen erzählt. Sondern, weil wir es auch vom gemeinsamen Nenner hatten, erst mal zu gucken, okay,
also dir ist die Zukunft in Deutschland wichtig. Und das ist erst mal eine total wichtige
Erkenntnis für mich in meiner Politik. gewesen, gar nicht dieses ins Argumentieren zu gehen,
sondern erst mal den Gespräch anzufangen. Für mich ein riesen Learning gewesen, so ein Gespräch
überhaupt erst mal zu erlauben. Und was hast du gelernt in den Gesprächen? Was in meinem Buch auch
reinfließt, wo sind Grenzen? Also wann höre ich auf zu sprechen? Wir setzen die Grenzen ja
normalerweise direkt und sagen, ich möchte mit dieser Gruppe von Menschen nichts zu tun haben, weil
für mich in der Regel rechtsradikal. Und ich in den Gesprächen gemerkt habe und auch Studien das ja
darlegen, also circa zwölf Prozent der Menschen, kann man sagen, sind rechtsextrem. Mit denen
möchte ich tatsächlich nicht sprechen. Und das geht mir auch bis heute so. Zwölf Prozent der AfD
-Wähler, AfD-Wähler, AfD-Wähler. Von diesen circa 26 Prozent der AfD-Wähler sind zwölf Prozent
tatsächlich rechtsextreme Tendenzen bis hin zu wirklich Nazis, muss man einfach so aussprechen.
Das heißt, wenn ich 100 minus 12 mache, komme ich auf die 88 Nazi-Chiffre. Die 88, die tolerieren
einfach, dass sie für ihre Ängste Neonazis unterstützen. Leider Gottes. Das muss man wirklich
festhalten, Holger. Das muss man tatsächlich leider festhalten, dass diese Menschen so weit aber
nebenbei, also vielleicht erst mal festhalten, sie denken ja in dem Moment, nicht dran, dass sie
das tun, sondern sie sind erstmal mit dem Frust unterwegs, den sie Richtung Politik haben. Man
denkt da noch gar nicht so weit. Und nebenbei, die Menschen, die ich gesprochen habe, haben
meistens einen sehr diversen Freundeskreis, weil die meisten in Berufsgruppen sind, die
dementsprechend aufgestellt sind. Und tatsächlich hatte ich das Glück in meinem Bekanntenkreis,
dass keine und keiner dabei war, die rechtsextrem sind. Das fand ich schon mal sehr erleichternd.
Ich bin natürlich ja auch viel dann in Thüringen und so unterwegs gewesen, aber auch in Nordrhein
-Westfalen, also Gruppen, wo viele AfD-Wählende zu finden. sind und dort kommt man an Grenzen,
wenn Surreales vermischt wird. Also man geht von Ungarnkriegen vor 100 Jahren, also man fängt an
und das merkst du, es sind dann ganz starke, das geht dann auch so, dass so Signalgruppen und
sowas, dass sie ganz stark so Sachen herbeiziehen, die einfach surreal sind. Und Dinge so
akreischen, dass du es... Unrealistisch oder gelogen oder ausgedacht? So vermischt, also Geschichte
von früher vermischt mit heute. Also man sieht dann so einen Bezug zu beispielsweise dem
Ungarnkrieg vor 100 Jahren und versucht das auf der Kontext von heute zu ziehen. Oder ich hatte
eine Aussage, wie einer hatte gesagt, ja, man darf auch keinen deutschen Medien mehr glauben. Ich
gucke nur noch indische Nachrichten. Okay, aber wenn wir jetzt mal so Indien, ein Kastensystem, ist
das ja auch, oder wie die so organisiert sind, warum glaubst du denn jetzt, dass diese
Nachrichtenquelle eine gute Quelle ist? Ja, weil die auf uns als Deutschland ganz anders blicken.
Und wenn wir jetzt mal so nach Indien gucken, was weißt du denn von Indien? Und dann kam das schon
immer weniger. Und man hat dann gedacht, man muss ausländische Nachrichten gucken und glaubwürdige
Infos über Deutschland zu kriegen, wusste aber dann eigentlich gar nicht rund ums politische System
oder wie dort die Menschen leben. Und dann wird es schwach. Da hast du relativ wenig Chance, mit
Menschen noch in Kontakt zu kommen, weil sie sich dann in neue Infos stürzen, wenn sie merken, sie
kommen. Oder wenn ich mit ihnen gesprochen habe und Fragen gestellt habe, man kommt nicht weiter,
dann haben sie angefangen, neue Infos aufzulegen. Und das wurde dann immer surrealer im Gespräch.
Und da ist eine Grenze. Das war so ein erstes Learning. Also wo sind Grenzen? Mein größtes Learning
im Positiven, das hatten wir vorhin auch schon mal kurz, ist mit dem Beispiel mit deiner Red Bull
-Dose. Also wo sind Grenzen und wo sind aber auch Chancen, tatsächlich das minimal verbindende
Element zu suchen? Und auch hier, wirklich, Holger, ich kann nicht sagen, wie verrückt das war
durch mein Buch, wer mir alles so erzählt hat von sich. Auch meine Mama wählt gerade AfD oder mein
Onkel hat mir erzählt das. Also mir haben auf einmal viele erzählt, dass sie in der Familie
strugglen und keinen Umgang damit haben. Und auch hier wieder, wenn wir in Organisationsberatung,
wir beide sind da ja im Nahenfeld unterwegs oder ich auch als Coachin, geht es ja erstmal auch,
wenn du Teams zusammenbringst, in den kleinsten gemeinsamen Nenner. Und genau dem gilt es auch im
gesellschaftlichen wiederum zu suchen. Also das heißt, ich habe die Techniken aus der
Organisationsberatung in Familien und in meinem... in Familien geholt und auch Freundeskreise. Was
verbindet uns am meisten und kann ich darauf aufbauen? Hier eine grundsätzliche Idee, es gibt so
aus der Soziologie heraus, man redet da von dritten Orten. Dritte Orte bedeutet Orte, wo wir eben
nicht über Politik oder Business reden, sondern einfach bei uns als Menschen. Das waren zum
Beispiel früher durchaus auch in der Technoszene ganz bekannte Räume. Ich komme ja so aus
Frankfurt, das heißt Techno war schon immer so ein Ort, der gerade in den 90ern Ost-West-Thematik
ein dritter Ort war, weil es nicht um Ossis und Wessis ging, sondern erstmal, wir sind alle
zusammen hier und haben eine wunderbare Nacht miteinander. Sowas ist so ein ganz klassischer
dritter Ort. Dritte Orte könnten in unserer heutigen Welt natürlich auch Cafés sein oder auch
beispielsweise neben Cafés auch Kneipen und alles. Da wird es ja gerne politisch, besonders in
Kneipen. Aber vielleicht ist auch bewusst wegzumachen erstmal und wieder zu gucken, dass wir
gesellschaftlich anhand der Verbindung zusammenrücken. Das zeigt sich, auch wenn man mit Instituten
redet, als eine Chance, gesellschaftlich so zusammenzuwachsen, dass diese Menschen,
die dann auch wieder das Gefühl haben, ich gehöre dazu, auch wieder anderspolitische Entscheidungen
treffen würden. Ich glaube, ein ganz wichtiges Ding sind Vereine, glaube ich. Die waren lange die
dritten Orte. Meine eigene anekdotische Beobachtung. Ich war jahrelang in einem Verein,
der sehr, sehr toll war, weil ich dort mit ganz vielen Leuten aus unterschiedlichen Milieus, ganz
anderen Teilen der Gesellschaft zu tun hatte, wo ich quasi mit einem Fliesenleger und einem General
der Pioniere zusammen in diesem Verein war. Und das ging über Jahre gut. weil dort verboten war,
über Politik und Religion zu reden. Und dann sind wir alle auf Facebook gegangen, so vor zehn
Jahren. Und dann kippte die ganze Geschichte, weil jetzt auf einmal der Typ, neben dem ich da in
diesem Verein 15 Jahre gesessen habe, der völlig außerhalb meiner Bubble war. Ich mache Facebook
auf und ich lese drei Posts von dem und der ist für mich gestorben. Weil das waren dann politische
Posts, die so, also aus meiner Sicht, so menschenverachtend und nicht toleriert. Da habe ich nicht
mehr aufs Gemeinsame geguckt. Da habe ich nur einfach gesagt, das ist Faschistoid, was da gerade
passiert. Und jetzt möchte ich nicht mehr mit dir reden. Weil ich sage es nur gerade, weil du hast
ein Kapitel in deinem Buch. Das heißt als Titel, Social Media ist Brandbeschleuniger. Weil da, wir
müssen nicht in die Tiefe gehen. Ich hatte das auch schon im Podcast. Die Algorithmen, wir wissen
es, sind darauf ausgelegt, Reaktion zu produzieren. Und ich kriege Reaktion ein bisschen, wenn ich,
ja, ja, ja, das ist gut, dass ich es gut mache. kriegt ganz viele Reaktionen, wenn ich sage,
dagegen muss ich vorgehen. Und deswegen sind Social-Media-Algorithmen darauf gedreht, möglichst
Bubbles aufeinander prallen zu lassen, die dann gegeneinander kämpfen zu lassen, argumentativ.
Was den Algorithmus befeuert, was die Werbeeinblendung befeuert, was aber eben auch dazu führt,
dass die Bubble-Grenzen immer rigider und immer krasser werden in der Abgrenzung. Und dann,
wenn du es irgendwie weiterdenkst, dann kommst du in amerikanische Verhältnisse, wo zwei politische
Bubbles existieren, die eigentlich alle in einem...
Existenzvernichtungskampf sich befinden, in dem alles heilig ist und dem alles gekippt ist. Wenn
wir nicht dahin wollen, wenn wir die Bubble-Grenze überwinden wollen, gib uns doch mal ein paar
Techniken, gib uns doch mal ein paar Werkzeuge, das ist jetzt unabhängig davon, ob ich jetzt hier
anfangen will, mit meinem AfD wählenden Postboten zu reden oder ob ich mit den Kollegen aus dem
Silo meiner Organisation mal eine Brücke bauen will, die mich seit zwei Jahren quälen. Was sind
Werkzeuge, die du empfiehlst? Wie kann ich das angehen? Ich fange persönlich an, weil ich habe mein
Buch ja tatsächlich auch in zwei Teile geteilt. Also drei natürlich erst mal klärend, aber Teil
zwei ist ja das Persönliche. Also was kann ich persönlich tun? Das ist dann unser Privatleben oder
auch natürlich kollegialer Austausch, der irgendwie ein Stück weit Privates mit sich bringen kann.
Und das Dritte sind Unternehmen. Im Privaten und oder im Zwischenmenschlichen ist etwas, was sehr,
sehr gut funktioniert im Dialog. Und die meisten würden jetzt nicken und sagen, ja, ja, klar,
verstehe ich. Aktives Zuhören, was heißt das? Ich meine damit tatsächlich, ich gebe und nochmal,
jede und jeder von uns wird in einem komischen Gespräch den Impuls innerlich verspüren,
ich möchte gerade dagegen gehen. Und aktives Zuhören heißt ja, ich höre erst mal zu. Schritt 1,
Zuhören bedeutet, ich nicke, so wie wir das hier gerade tun, ich verstehe die andere Person und im
nächsten Schritt frage ich, habe ich dich richtig verstanden, dass? Also du meinst, dass ich beim
aktiven Zuhören dann nochmal in eigenen Worten wiedergeben soll, was ich verstanden habe, was du
versuchst zu sagen. Was habe ich verstanden? dann am nächsten Schritt wirklich die Frage zu
stellen, auch hier ist ein ganz konkretes Beispiel. Ihr würdet euch unterhalten mit eurer Nachbarin
Samira. Samira wohnt seit drei Jahren jetzt hier in Deutschland und fühlt sich überhaupt nicht wohl
hier in Deutschland. Und das können wir erstmal nebenbei alles ergreifen. Und dann würde sie euch
aber auch um die Ohren hauen. Und so ist es mir tatsächlich passiert. Ja, das ist eure deutsche
Verantwortung. Ich als Ausländerin, weil es ihr mich schützt. Fand ich irgendwie krass, weil ich
gedacht habe, hey, wir sind jetzt alle ein Deutschland, können wir das nicht zusammen irgendwie
lösen? Aber ich war erst mal so pissed im ersten Moment. Dann dachte ich mir, halt, nein. Und dann
gehe ich jetzt wieder ins Weiteren und sage so, okay, Samir, ich habe verstanden, dir ist total
wichtig, dass ich in meiner Rolle natürlich, die hier schon immer lebe, dir auch eine
Schutzfunktion bietet. Was ist dir daran besonders wichtig? Und dann habe ich hier Fragen und
Fragen gestellt und eine der letzten Fragen war, was wärst du denn bereit zu tun, um unsere
Demokratie mitzuschützen? Und dann sind wir auf einen gemeinsamen Nenner gekommen. Und das geht
andersrum, aber auch mit Wiederbeginnis wieder ins Konträre, nämlich einem AfD-Wähler oder AfD
-Wählerin. hier, ich gehe wieder auf meinen Bauarbeiterkumpel, der mir das dann irgendwann ja auch
gesagt hat, hier übrigens, ich wähle gerade die AfD. Und dann habe ich gesagt, du, jetzt sag mal,
du erzählst mir immer von deinen Kollegen, die ja für mich jetzt erst mal nach Namen klingen, die
tendenziell hier nicht geboren sind. Und wie ist denn das für dich, mit denen dann zu arbeiten? Und
wie reden die so mit dir, wenn die wissen, du willst die AfD? Und dann ist auf einmal ins Grübeln
gekommen und gemeint, das sage ich denen nicht. Ich so, ja, aber sag mal, wenn du mit denen das
nicht besprichst, was hindert dich denn? Ich mag die ja, ich möchte ja weiter mit denen gut sein.
Okay, und dann, kannst du wieder weitergehen. Was möchte ich damit signalisieren? Aktives Zuhören
bedeutet nicht, dass ich meine Meinung kontur, das ist so eine Technik aus dem Coaching
tatsächlich, sondern ich gebe eigentlich den Raum zur Selbsterkenntnis. Ich wollte gerade sagen, du
kannst schon die Widersprüche, die du hörst, so ein bisschen herausstellen, weil da war ja jetzt
gerade ein harter Widerspruch drin. Du wählst etwas, aber du hast ja schon das Gefühl, dass das
irgendwie nicht nett ist, den Kollegen gegenüber, aber du wählst es ja trotzdem. Aber du findest es
selber nicht so gut, dass du es zugeben würdest. So, aber klar. Ich gebe mal auch als Coach immer
eine Rolle, dass ich was aufgreife und sage, du, ich nehme gerade, war das. Aber das ist so ein
aktives Zuhören. Das Zweite, wo ich hingehen möchte, ist so genau diesen verbindenden Bereich, den
wir auch heute schon besprochen haben, im Austausch mit Menschen zu gucken, was kann man denn
gemeinsam tun, um beispielsweise, mich würde in der Nachbarschaft stören, wir machen mal hier so
ein Frankfurt-Extrem auf, die Leute stellen immer Sperrmüll raus. Dann könnte auch wieder der
Claim kommen, ach, das sind die ganzen Ausländer, die stellen hier ein Sperrmüll raus. Aber dass
der Hans Dampf vielleicht als Rentner auch so ein Zeug. dazustellt, auch viel praktisch, da würde
man nicht rüber reden wollen, weil das sind ja die Ausländer. Und dann eigentlich hinzugehen, okay,
hast du schon mal gehört von beispielsweise, es gibt ja solche Startups oder auch Initiativen,
gerade hier in Frankfurt tatsächlich viel, die zum Beispiel gemeinsam aufräumen. Und es zeigt sich,
dass dieses Wir-Machen-was-gemeinsam-was-uns-stört auch wieder verbindet. Das heißt, egal
welcher Wählergruppe man zugehörig ist, man würde gemeinsam zum Beispiel jetzt hier in meinem Hood,
würde man hingehen und sagen, okay, wir räumen zusammen, dann sperren wir weg, weil die Stadt hat
irgendwie auch keinen Bock, sich gerade drum zu kümmern oder wir machen einen Abzeigen. klingen
oder, oder, oder, bedeutet, jetzt mal als wirklich einfaches Beispiel, aber es zeigt sich, dass
wir, wenn wir, ob wir ein Fest organisieren, ob wir zusammen irgendwas machen, was uns Spaß macht,
uns hilft, also so diesen Projektgedanken, wir machen was gemeinsam, auch verbindet. Und dieses
Gemeinschaftsgefühl, wie gesagt, extrem dazu beiträgt, dass wir auch wieder zurückfinden, weil die
meisten Menschen, die für mich, wie gesagt, keine rechtsextremen AfD-Wählenden sind,
sind die Menschen, die eigentlich mit sehr viel Zukunftsangst zu kämpfen haben und auch wieder eine
Idee brauchen, zur Gemeinschaft zu gehen. sowas können wir herstellen und ich glaube, da tragen
wir, dass es auch eine demokratische Verantwortung, auch wenn sie wehtut. Und auf
Unternehmenskontext, und das ist vielleicht für uns sehr spannende Sache, auch für unsere
Zuhörenden ist es was, was ich in meinen letzten Projekten erlebt habe. Also ich habe früher
klassischen Change betrieben. Dann haben wir entschieden, Software-Einführung oder Prozesse müssen
geändert werden. Ah, wir haben jetzt eine neue Vision. Dementsprechend müssen wir sie ein bisschen
Units umstrukturieren. Jetzt schreien alle Netzwerkorganisationen oder auch gerade diese ganze New
Work-Thematik, die aus meiner Perspektive extrem verhunt. die Grundidee von neuer Arbeit wurde
leider irgendwie in sehr viel Marketingbotschaften übertragen, aber das wäre mal eine andere
Podcast-Folge. Und was ich in den letzten Jahren von Projekten gelernt habe, ich habe mein Change
tatsächlich geändert. Also wenn ich Transformationsprojekte mit Unternehmen mache, wo Dinge
geändert werden sollen oder wollen, mache ich einen großen Teil bottom-up. Das heißt nicht, dass
die Führungskräfte nicht mit an Bord sind, sondern tatsächlich in die Projekte werden von Tag 1 die
Mitarbeitenden einbezogen. Warum? Weil wir kennen alle diese Aussagen, die da oben, die da oben,
die politisch. da oben die Führungskräfte als Führungskraft unaushaltbar aktuell, was immer noch
anstrengend und nervig wird, wenn Mitarbeiter einem immer wieder sagen, ja ihr da oben, also ihr
packt gerne alle mit an. Ihr da unten jetzt mal frech gesagt, meine ich natürlich nicht so, aber
wir gemeinsam können an den Themen arbeiten. Ich habe mit meinem letzten Unternehmen, da war ich
jetzt zwei Jahre, haben wir die Prozesse zusammen angepackt. Da sind Konzernprozesse über
Familienunternehmenprozesse zusammengekommen, weil aufgekauft und es war ein Prozesschaos und nicht
diejenigen, die eigentlich Prozesse verantworten oder die Führungskräfte. ein gemischtes
Projektteam von Führungskräften, Mitarbeitenden, die einfach das alltäglich erleben und die
tatsächlich Prozesse beherrschen, haben das miteinander gelöst. Und das hat dazu beigetragen, also
mal ein O-Ton aus dem Projekt, dass sie untereinander aus Altersgehorten gelernt haben. Ich hätte
ja nicht gedacht, dass die jungen Kollegen so motiviert sind, so typische Generationsthemen. Oder
wie cool wir Führungskräfte und Mitarbeiter haben zusammengearbeitet. Die sind ja total fleißig,
wenn die Lust haben. Oder die nehmen ja wirklich die Verantwortung an. Die sind ja gar nicht so
faul, wie ich immer denke. ja, total menschlich. Habe ich dann auch gehört, so zum Thema
Führungskraft. Warum soll es denn nicht menschlich sein? Aber es hat dann Mitarbeiter gegeben. Das
möchte ich mit diesem kleinen Beispiel mitgeben. Wenn wir gemeinsam Dinge tun in einem Unternehmen,
anstatt den Change über die Leute hinaus oder herüber zu tragen, dann lernen wir tatsächlich in der
Wirksamkeit. Also ich als Mitarbeiter lerne in der Wirksamkeit, oh, ich kann mitentwickeln. Und
diese Wirksamkeit nehme ich mit nach draußen. Das hatten wir am Anfang von meinem LinkedIn-Profil,
weil ich tatsächlich das ganz stark in meinem Beratungsprojekt inzwischen lebe. Menschen, die
wirksam sind, sind auch wirksam in der Gesellschaft. Und diese Wirksamkeit müssen Unternehmen
herstellen. Und von daher würde ich den Unternehmenslenkenden heute mitgeben wollen, sorgt dafür,
dass eure Mitarbeitenden mit an den Tisch sitzen. Versucht so viele Initiativen zu gestalten, wo
Transformation, Change und Veränderung und die Veränderungsintelligenz von den Mitarbeitenden
mitgestaltet wird. Weil da muss man noch nicht mal bei Demokratie reden. Aber es ist sowas von
demokratiefördernd. Und für die, die sich da gerne wissenschaftlich auch mit beschäftigen, das
nennt man Spillover-Effekt. Also es ist ein, wissenschaftlich gibt es. Studien zu, noch zu wenig
ehrlich gesagt, aber schon reichlich, um zu zeigen, dass Wirkung entfaltet. Und das müssten wir ab
jetzt, auch nicht mal wirklich ab jetzt, genau in dieser Minute ändern, anstatt gerade diesen
Krisenmodus zu trommeln. Also kommen wir als deutsche Wirtschaft wirklich nicht raus aus dem
Dilemma, an dem wir gerade stecken. Ja, aber das Problem bei Partizipation ist ja, dass er Arbeit
ist. Und das ist nicht so ein, wir sehen ja jetzt ganz oft, dass wir dieses Zurück zu Command and
Control, okay, jetzt ist die Wirtschaft nicht mehr ganz so gut, wie sie mal war. Wir brauchen den
starken Mann, oft ist es ja der starke Mann, dem wir jetzt die kurzen Zügel in die Hand geben und
dann rettet der uns. So, hier, einmal Albert Riera raus und ein neuer, mal hier so ein Rangnick
oder sowas, der die mal an die Kandarre nimmt. Jetzt habe ich doch wieder Riera gesagt, ich wollte
nicht drüber reden.
Weil ich glaube, da gibt es einfach sehr viel Berührungsängste, weil es nicht so beherrschbar ist.
Ich weiß nicht, was da passiert. Das ist alles schwierig, die Leute einzufangen. Ich glaube, da ist
eine hohe Hürde. Ich habe noch eine ganz andere Frage und zwar eine ganz egoistische. Ich hänge
noch an deinem Beispiel. Ich habe angefangen mit den AfD-Leuten um mich herum zu reden und ich
habe überlegt, wenn mir das passieren würde. Wenn ich jetzt in meinem Freundes- und Familienkreis
sagen würde, hier Leute, Achtung, ich gehe jetzt raus aus der Bubble, das ist jetzt alles total
cool. Ich hätte so Angst. dass die Leute sich öffnen, genauso wie du das sagst, dass sie sich dir
geöffnet haben, weil du hast ein Kapitel und dieses Kapitel heißt Umgang mit den eigenen Emotionen,
wie du Wut und Frustration in Neugier umwandelst. Und das ist das, was ich spüre. Ich spüre, und
das ist nicht mal mehr so wirklich verachtet, es ist nicht so, dass ich jemanden verachte dafür,
aber ich bin dann einfach extrem enttäuscht und ich werde dann wütend, weil das für mich,
also für mich ist es völlig klar, also wir haben Institutionen, die finden heraus, die gucken sich
eine Partei an und dann sagen, die ist verfassungszersetzend, die ist rechtsradikal. Jeder, der das
herausfinden will, dass die AfD rechtsradikal, kann das rausfinden. Das ist keine Meinung. Da gibt
es genügend Fakten für. Und deswegen macht mich das sofort rasend und wütend. Ich kann das
verstehen. Leute haben Zukunftsängste. Ja, geil. Dann such dir doch eine Lösung für deine
Zukunftsängste, die nicht auf die Schwachen einprügelt. Die nicht dein Leid, dem Leid anderer
Leute. Man nennt das ja auch Sado-Populismus. Das Produkt der AfD ist ja gar nicht mehr rein der
Populismus, sondern das Produkt ist ja, wählt uns, weil wir werden andere Leute leiden lassen für
euch. Das ist ja das Produkt. Und wenn ich da dran, du merkst es, ich reg mich auf. Ich werde
richtig wütend und enttäuscht, wenn ich mir vorstelle, dass jemand, der mir nahe steht,
die Scheiße unterstützt. So, dieselben Emotionen sehe ich aber auch teilweise in Organisationen.
Da sind Menschen, die den größten Teil ihres Tages in einem Job verbringen und in diesem Job werden
sie von anderen Leuten gequält. Kann man sagen. Die sind wütend auf diese Vertriebler,
dass die so einen Mist verkaufen und den Kunden so einen undurchdachten Quatsch versprechen,
weil sie wissen, in einem halben Jahr stehe ich da und irgendjemand hat meinen Kopf in der Schlinge
und sagt, wieso hast du das nicht delivered, wie der Vertrieb das verkauft hat? Naja, weil den
Vertrieb irgendeinen ins Hirn geschissen hat. Bitte, bitte, verrat uns, wie wir aus dieser, also
die Wut ist ja auch nur eine Reaktion auf eine Bedrohung und auf einen Stress, aber wie wir aus
dieser Wut Neugierde machen, bitte sag's mir. Guck mal, was ich erstmal schön finde, was wir ja
auch gerade merken. Wenn ich Emotionen habe, ist es mir erstmal wichtig. Also wenn ich traurig bin,
wenn ich wütend bin, wenn ich... Also all diese Emotionen zeigen ja erstmal, es ist mir wichtig.
Und wie komme ich jetzt in die Neugier über? Wenn es mir so wichtig ist und dass da Wut und Ärger
und alles in mir hochkommt, dann ist es doch mir so dermaßen wichtig, dass es wichtiger ist,
meine eigenen Emotionen in dem Moment zu akzeptieren und gleichzeitig... den anderen oder die
andere überhaupt erst mal zu hören. Warum sage ich das? Weil wenn mir die Gesellschaft wichtig ist,
wenn es mir wichtig ist, dass jemand nicht die AfD wählt, also mir ist das sehr wichtig, Holger,
und ich kann ja sagen, ich musste das auch erst trainieren. Es war trotzdem, dass ich diese ganzen
Techniken jetzt in meinem Buch stehen habe, also es war Training. Also ich bin auch manchmal voll
oder ausgerastet. Also es hat nicht immer geklappt. Also ich sage das jetzt hier so neunmal. Doch,
ein Mensch. Du bist doch ein Mensch. Aber ich den Versuch, wenn es mir so wichtig ist, dass jemand
nicht die AfD wählt, dann muss ich meine Emotionen unter den größeren Wert der Gesellschaft
stellen. Also das ist vielleicht jetzt erstmal eine schräge Gedankenwelt, aber so habe ich das für
mich so ein bisschen wie dienende Führung. Ich habe das für mich weggemacht im Sinne von, bringt
jetzt gar nichts, wenn ich die Person jetzt anpumpe. Und das habe ich ja jedes Mal gemerkt, wenn
ich es gemacht habe, dann war das Gespräch zu Ende. Also ist ja gar nichts mehr passiert. Oder der
Klassiker im Familienkontext kann ich dir aus den Menschen, mit denen ich gesprochen habe,
wiedergeben, dass man gar nicht mehr drüber spricht. Das heißt, man sitzt am Tisch und redet nicht
mehr über Politik. Wohl wissentlich, dass da AfD-Wähler, vielleicht meine Mutter in dem Moment ein
AfD-Wähler ist und ich rede mit ihr nicht mehr. Und trotzdem sind dann bald AfD-Wahlen, das macht
ja was mit mir. Also welche Wahl habe ich, als neugierig zu sein? Weil Neugierde bedeutet
Folgendes, ich will wirklich die andere Person verstehen. Und sobald ich die Person verstanden
habe, kann ich Brücken bauen. Das bedeutet aber, dass ich zum Schluss meine eigenen Emotionen
hinter ein größeres Ziel stelle. Das ist im Unternehmenskontext übrigens das Gleiche, weil das ist
ein Ego-Shoot letzten Endes. Was wir im Unternehmen erleben, ist, dass Führungskräfte, ich bin
Vertrieb, ich bin Produktion, Marketing, Sales etc., all diese verschiedenen... einer Abteilung,
die es so gibt. Das hat ganz viel mit Ego zu tun. Und wenn ich dieses Ego kurz beiseite lege, dann
kann ich dem höheren Zweck, nämlich dem Unternehmensziel, dienen. Aber ich will ja, dass meine
Abteilung am erfolgreichsten ist oder meine Meinung zählt. Oder natürlich möchte ich, als grünen
Wählerin, möchte, dass die Grünen gewinnen. Aber was habe ich davon, wenn ich das jetzt
durchposaune, anstatt in aller Ernsthaftigkeit die andere Person von meinem Gedankengut,
sage ich jetzt mal, zu begeistern? Also zumindest im Wählerbereich möchte ich natürlich dafür
begeistern. Ich habe einen neuen Trick. Die Partei ist gerade die... also wirklich diese
Satirepartei, die versuche ich jetzt immer als Brücke zu nutzen, zu sagen, dann wollen wir uns auf
die Partei einigen. Dir geht es um Transparenz, dies, das, jenes. Und dann versuche ich
tatsächlich, die Wählenden, die im, das sind ja nicht zig Menschen in meinem Bekanntenkreis oder
auch die Fremden, darauf zu loten. Und es hat auch schon geklappt ein paar Mal. Also das ist immer
so, weil ich diese Neugierde hatte. Ich habe dann verstanden, was ihnen wichtig ist. Aber guck mal,
die Partei macht das auch. Wie cool ist denn das? Und dann habe ich darüber versucht zu gehen. Aber
auf Unternehmensbezogen nochmal, umso wütender ich bin. umso mehr Emotionen herrschen, umso weniger
kann ich strategisch lenken. Und wir alle sind gerade strategisch, das meine ich wirklich ernst,
verantwortlich, dass wir als Gesellschaft zusammenfinden. Das ist kein nice to have, das ist auch
kein ich will nicht, weil wir sehen ja am, muss man einfach sagen, politischen Versagen von einem
aktuellen Bundeskanzler, der uns auch eher spaltet in seiner Sprache, merken wir, dass wir als
Gesellschaft das zu tun haben. Wir müssen lernen, miteinander zu sprechen, sonst haben wir nicht
mehr als drei Jahren ein echtes Problem. haben jetzt ja auch schon Hochburgen, die immer mehr Raum
zum Regieren bekommen. Und wenn wir das nicht wollen, müssen wir mit den Menschen sprechen. Da
bleibt uns keine Wahl. Und da bringen Wut und Emotionen gar nichts. Aber Neugierde ist eine Brücke.
Eine kleine. Die kann auch sinken, die kann auch mal nicht stattfinden, aber sie ist ein Versuch.
Fun Fact, ich habe zweistellige Mitgliedsnummer bei der Partei. Die Partei war Landesvorsitzende.
Vor langer Zeit. Aber das ist cool. Also damit kann ich gut arbeiten. Vielen Dank. Hinzugehen und
zu sagen, ich bin jetzt zwar angepisst, ich bin enttäuscht, ich bin wütend, aber da ist jetzt ganz
viel ich, ich, ich drin. Und geht in beiden Fällen. Von diesem neofaschistischen Bullshit oder von
der Vertriebsabteilung oder dem anderen Sido, das mir auf den Sack geht. Wenn ich jetzt aber
hingehe und sage, okay, jetzt bin ich aber nicht mehr, wie soll ich das sagen, der rohe,
ungefilterte Holgi, der hier... ist, sondern ich habe jetzt meinen Forschermantel an. Ich habe
meine Forscherkutte an und ich habe einen Auftrag. Und der Auftrag ist es zu forschen, warum der
Mensch da drüben, die Typen da drüben sich so verhalten. um eine Alternative zu finden. Ich will
verstehen, warum wählt die Mutti die AfD, weil mein Ziel ist immer noch, dass die damit aufhört.
Aber offensichtlich funktioniert es nicht mit, du bist eine blöde Kuh. Und dann sagt die, ah, gut,
danke, dass jemand sagt, dann wähle ich jetzt anders. Das hat offensichtlich nicht funktioniert,
habe ich ausprobiert. Genauso wie bei dem Vertrieb. Ich gesagt habe, ihr blöden Arschlöcher, ihr
macht mir das Leben zur Hölle, verkauft mal anders. Und die sagen, ja, nö, machen wir nicht. Also
das hat offensichtlich nicht funktioniert, haben wir probiert. Also werde ich jetzt Forscher und
gehe jetzt rüber und versuche, die Vertriebler zu verstehen. Und versuche ihre Bubble, ihren
systemischen Kontext am Ende. des Tages ihre Verhältnisse zu verstehen. Um dann zu gucken, kann ich
da was ändern? Kann ich da vielleicht ein bisschen für eine andere Sicht werben? Kriege ich
irgendwie was hin? Kann ich irgendwie Brücken bauen? Oft ja ist es auch einfach, um die
Notwendigkeit zu ändern, dann müssen Sie dann sagen, ah, okay, wenn ich das da kriege, dann muss
ich jetzt nicht mehr den Kram so verkaufen, mit dem Pricing verkaufen oder eben die, habe ich
verstanden, damit kann ich arbeiten. Dankeschön. Und guck mal, das ist vielleicht, also weil du es
auch so schön resümiert gerade hast, das ist, wenn wir uns mal wirklich diese Neugierde vor Augen
führen. Was passiert uns? Erstmal passiert uns gar nichts. Wir müssen lediglich unsere Emotionen...
zu akzeptieren. Man kann es auch sagen, irgendwie macht es mich wütend, aber lass weiter reden. Ich
kann ja auch in dem Moment auch mal wütend werden. Das ist ja aber ganz wichtig, ich muss wieder
zurück zum Pfad finden. Meine Emotionen ja auch nicht unterdrücken, ist ja auch Quatsch. Aber in
der Lage zu sein, einen echten Dialog zu führen, darum geht es. Und Dialoge finden wir immer dann
schön, wenn uns zugehört wurde. Es gibt ein schönes Beispiel aus einem total alten Buch,
die mit mir wahrscheinlich schon ein paar Jährchen arbeiten. Früher war so Dale Carnegie. ja, muss
man gelesen haben irgendwie. Dann habe ich mir auch irgendwie, da war so ein Buch, das hieß, wie
man Freunde gewinnt. Es wird total traurig an das Buch erstmal. Aber was ich da gelernt habe, ich
war irgendwie, keine Ahnung, 18, 19, als mir das in die Hand gedrückt wurde. Da ist ein Szenario,
wo ein Präsident einem anderen Mann total lange zuhört. Und danach geht dieser Mann, ich weiß, war
auch ein berühmter Mensch, geht raus und sagt, das war das schönste Gespräch, was ich je hatte.
Also es ist dann schön, wenn mir zugehört wurde, weil ich wurde gehört. Und das müssen wir in der
Gesellschaft hinbekommen, im Unternehmen hinbekommen, im Privaten. Uns die Zeit nehmen, zuzuhören,
zu verstehen und eine Brücke zu bauen. Nochmal bitte nicht mit diesen 12 Prozent, und das mag ich
ganz klar wen, die die Würde des Menschen nicht respektieren. Aber alle anderen, da bin ich
vielleicht für die meisten, die heute zuhören, naiv. Aber es braucht immer Naivität und Optimismus,
um die Welt auch wieder ein Stückchen besser zu machen. Und daran glaube ich fest, dass ich die
Menschen auch wieder begeistern kann, im Wir zu sein, anstatt im Wir gegen die. Du hast im Buch
ganz viele Gespräche beschrieben. Du hast Werkzeuge da drin. Es geht um Gesellschaft. Da ist
Bildung drin. Ich will gerade einmal Werbung fürs Buch machen, damit viele Leute das Buch kaufen.
Ich glaube, dass es einen sehr, sehr wertvollen Impact auf die Gesellschaft hat. Also eine letzte
abschließende Frage. Hast du auch die Erfahrung gemacht, dass du irgendwo hingehst und hast
jemandem einen Dialog angeboten außerhalb deiner Bubble und der hat den abgelehnt? Ja, voll.
Ich habe so einen 30-Tage-Plan in meinem Buch entworfen, um jedem Einzelnen eine Idee zu geben,
was kann ich im Alltag tun. Fängt schon an, indem ich einen Tag mein Handy einfach mal weglege und
einfach mal wieder so eine Idee kriege für echtes Miteinander. Das sind so schmale Ideen, aber
schon mal da irgendwo hinzugehen bis hin zu Abendessentisch mit meiner Familie, bewusst miteinander
zu schnacken, da bin ich noch immer in der Bubble wohlbemerkt. hin zu außerhalb der Bubble. Und
außerhalb der Bubble habe ich Folgendes getan. Ich habe diese ganzen Aufgaben nämlich selbst
probiert. Ich bin in einem Bereich gefahren, in einem Brennpunkt von Frankfurt. Und unsere Zuhörer
müssen wissen, dass ich selber aus dem Brennpunkt tatsächlich komme. Ich habe mich da fleißig
rausgemausert und dachte, es würde mir jetzt leicht fallen, mit Menschen in Kontakt zu kommen,
deren Lebensrealität ich ja aus meiner Kindheit kenne. Und tatsächlich hat das gar nicht geklappt.
Also ich wollte mit Menschen sprechen, was bei denen gerade so abgeht, wie es ihnen geht, was sie
beschäftigt und bin in so einen Supermarkt gegangen. und habe es nicht hingekriegt, ein Gespräch zu
führen. Bin zum Schluss zur Kassiererin und dachte, ich würde ja das Leichteste sein. Und jetzt
meinte ich, Alter, geh mal weiter. Das sind Schnacken. Da war nichts los. Also war jetzt nicht so,
dass er hätte eine Riesenschlange, weil er hat keinen Bock gehabt, mit mir zu schnacken. Und da
hatte ich aber weiter so, hey, weil ich so ein bisschen ermutigen will, dass man mal andere
Lebensrealitäten kennenlernt, wirklich mal in Bereiche fährt, wo ich vielleicht sonst nicht
rumhänge. Als Städter gerne aufs Land, als Hesse gerne nach Bayern. Also diese typischen Stigma und
Schubladen einfach mal so ein bisschen selber erleben. Dann habe ich im Bahnhofsviertel zum Schluss
gehockt, das war mein Weg zurück und habe mich kurz auf der Bank gehockt und wollte eigentlich auch
nur einen Kaffee trinken. Und dann hatte ich dann zum Schluss doch noch ein sehr für mich krasses
Gespräch mit Flaschensammler, einer Rentnerin, also Rentnerin, die halt nicht genug Rente hatte und
versucht hatte, sich das halt aufzustocken und habe ganz lange darüber viel kennengelernt und bin
dann noch in so ein Gespräch geraten und habe inzwischen übrigens ja viele dieser Art von
Gesprächen und habe zum Beispiel auch mein Verständnis als Frankfurterin, Obdachlosen zu helfen,
total überdacht und gehe zum Beispiel viel offen. mit Armut um und man hat als Frankfurter
irgendwann so Schubladen an. Man guckt nicht mehr richtig hin, weil einer es fertig macht. Also
nicht, weil man nicht will, sondern weil das selbst mit einem was macht. Und ich bin auch echt
hochsensibel. Mir macht das ja zu schaffen. Und ich nehme mir jetzt wirklich in der Woche bewusst
vor, drei, vier Obdachlosen zu helfen, indem ich ihnen Geld gebe und meine Schublade zulasse, ob
sie sich Drogen kaufen. Dann ist es mir in dem Moment egal. Sie müssen für sich selbst entscheiden.
Es ist nicht mein Recht, da irgendwie für sie zu entscheiden. Und solche Sachen haben sich
geändert, seitdem ich auch meine Bubbles in solchen Bereichen verlasse. Und es fing mit dieser
Flaschensammlerin an. Und das ist vielleicht was. was ich gerne noch mitgeben würde, dass wir sehr
viel im Kleinen bewegen können. Und das war ein Dialog, der am Anfang nicht hingehauen hat, aber
ich auch aus dem auch wieder gelernt habe, manchmal muss man sich auch nur hinsetzen, denn der
Dialog kommt so ein. Also sich die Zeit zu nehmen, tatsächlich andere Menschen zu erleben. Ich
stelle mir das gerade so vor, irgendwie im Netto, im Gallus, wenn dann die Kassiererin auf ihr
Mikro drückt und sagt, wir hatten heute Dienst, die Soziologengespräche zu führen. Da ist wieder
eine. Ja, ich kam mir ein bisschen bescheuert vor, Holger. Es war nicht so, aber ich wollte
irgendwie, wie kann man denn überhaupt so ein bisschen mit anderen in Kontakt kommen und so. Und
ich kam mir so ein bisschen vor, ich habe ja das Glück, einen ganz tollen Mann zu haben, aber so
ein bisschen so das erste Mal auf Tinder rumhängen oder so. Also wie komme ich so ein bisschen
blind date-mäßig? Was quatsche ich denn jetzt? Also es war schon auch so von mir, ich würde es im
Nachhinein sagen, ein bisschen awkward. Also schon auch eine schräge Nummer von mir. Und eigentlich
war dann das größte Learning, dass ich nicht unbedingt ein Stadtviertel fahren muss. Und also
schon, glaube ich, auch mal so gucken, was geht bei anderen ab. Das finde ich. wichtig, aber
vielleicht eher beobachten und bitte nicht so Zoo-mäßig, sondern eher, ich versuche echt zu
verstehen, wie leben Menschen? Was macht sie aus? Was beschäftigt sie? Bis hin zu,
ich setze mich vielleicht auch mal irgendwo hin und da entsteht meistens ein Dialog. Also es war
eigentlich, sich die Zeit zu nehmen, war dann der Schlüssel. Und die nehmen wir uns halt so selten.
Das ist, glaube ich, das Grundproblem unserer hektischen Gesellschaft, dass wir uns auch faktisch
nicht die Zeit nehmen, uns mit uns zu beschäftigen. Und ich glaube tatsächlich, dass Zeit auch ein
großer Schlüssel ist, den wir uns annähern dürften, sich da auch, wie gesagt, mit mehr Menschen
auseinanderzusetzen. Nehmen wir mal so ein Kassenbeispiel. Das mache ich irgendwie ganz gern
aktuell. Wir sind immer schnell dabei, schnell einkaufen, schnell weiter. Oh nein, die Kasse geht
schneller. Man tariert schon zwei, drei oder vier. Welche Kasse wird es? Wo komme ich am
schnellsten voran? Ich stelle mich inzwischen einfach irgendwo hin und beobachte rechts und links
und komme auch ganz oft in Gespräche. Und es wirkt vielleicht für euch alle total schulig. Was
macht ihr denn? Die schnackt ja nur noch mit Fremden. Mein Mann lacht da auch manchmal drüber. Aber
ich habe auf einmal Gespräche mit so vielen unterschiedlichen Leuten. Das war meine eigene
Buchreise wohl bemerkt. Und ich bin wirklich raus aus der Bubble. Also ich habe eine ganz coole
Idee, nicht soweit es geht wohl bemerkt. Mein Konstruktivismus ist ja genauso an, aber ich habe
wirklich eine Idee von, was bei uns gerade abgeht in der Gesellschaft. Und das sollten wir alles,
nicht weil ich jetzt hier ein Buch geschrieben habe, wir alle sollten langsam raffen, was hier los
ist und uns dafür verantwortlich fühlen. Ja, und ich glaube auch wirklich, dass es ein wichtiges
Buch ist und ein wichtiger Ansatz, weil, das ist auch etwas, was ich im Podcast jetzt schon ein
paar Mal hatte, so als wiederkehrendes Motiv, diese Hyperindividualisierung.
Einfach extrem distanziert. Der Kollege von dem Jeden berichtete, mit dem ich gestern zusammen war,
der berichtete mir von, oder war das von, weiß ich nicht, irgendwo habe ich gehört, in einer
Studie, da ging es um Jugendliche und um Sexualität von Jugendlichen. Und dass es heutzutage so
ist, dass die mit 13 alle schon mal Pornos gesehen haben, sehr, sehr en detail Sexualität gesehen
haben. Sexualität passiert aber Jahre später, als das in meiner Kohorte der Fall war.
Warum? Was ist das Normale? Da sind zwei Menschen, die sich mögen in einem Raum, reden miteinander
und wenn es dann intim wird, trennen die sich, gehen nach Hause und fangen an, intim zu sexten,
also per WhatsApp, intim zu sein miteinander, statt das körperlich zu tun. Das ist nur ein Beispiel
dafür, dass wir halt in einer sehr vereinzelnden Gesellschaft sind und dadurch, dass wir
vereinzeln, werden die anderen Menschen so abstrakte Dinge. Wir nehmen die nicht mal als Menschen
wahr. Das ist mein letztes Wort. zu der Unterhaltung. Ich sehe das ganz oft, ich werde ja für
Konflikte immer, nicht immer, aber oft gerufen. Toxische Kulturen, Konflikte zwischen Abteilungen.
Und ich gehe da sehr, sehr offen mit um. Wir haben da Tools und Werkzeuge, Kram, du auch. Am Ende
des Tages müssen die Menschen an einem Tisch sitzen und miteinander reden und sich gegenseitig
wieder als Menschen wahrnehmen. Ich habe mal irgendwann für eine Agentur, die reihenweise Projekte
in den Sand gesetzt hat, weil sie mit den Kunden immer früher oder später in Streit gekommen sind,
analysieren. Was können wir, wenn wir eine Sache machen, könnten. Aber es gibt einen Pflicht-Kick
-Off, wo alle Kundenmitarbeiter und alle Agenturmitarbeiter zu Beginn des Dings einen Tag
teambildende Maßnahme machen. Und da haben wir keine großen Sachen gemacht, sondern wir haben
miteinander geredet. Da hat jeder mal erzählt, wie er Führerschein gemacht hat. Da hat jeder mal
erzählt, wo er den ersten Urlaub gemacht hat. Da hat jeder mal erzählt, eine Frage, die ich liebe,
ist, wenn du unter Narkose gehst, sagen die Narkoseärztinnen immer, denken Sie mal an einen schönen
Ort. Was ist denn der Ort, an den du jetzt denkst? Teil den mal mit uns. Und das waren so ein paar
Datenpunkte, die gereicht haben, dass die Menschen die anderen Menschen dauerhaft als Mensch
wahrgenommen haben und nicht nur als einen abstrakten Nerv-Avatar aus der anderen Bubble.
Finde ich wunderschön. Also als Mensch wahrnehmen. Und ich glaube, dass es, was du ansprichst, sagt
ja auch Heckwitz, dass wir eine Gesellschaft der Singularität sind. Also wir sind nicht mehr, das
Vereine für ihn angesprochen, Vereinssterben. Es wird weniger. Wir können viel remote arbeiten. Das
sind wir jetzt in unserer Bubble. Und das fördert ja all diese Tendenzen. Und es sind tatsächlich
auch, das ist ja mein Kapitel von Social Media angesprochen, im Schnitt drei bis vier Stunden am
Tag vorm Handy. Und das sind alles Tendenzen, die uns von der Gesellschaft tatsächlich eher
abgrenzen. Und dieses Bewusstsein füreinander entsteht erst dann, wenn ich mir Zeit nehme,
den Dialog zu führen oder einfach Zeit nehme für eine Person. Und in einer Zeit von Krisen sind wir
ja auch von Meetings, wir hatten es vorhin schon, die meisten sind voll von Teams-Meetings und
haben tatsächlich, da geht auch dieser Kaffeeplausch verloren. Also so sehr platt in einem
Unternehmen auch mal, es ist okay, dass man sich in einer Kaffeeküche trifft und miteinander
lästert. Und die ist ein total wichtiger Kit in unserem Miteinander, dass wir miteinander reden,
ohne dass es einen Grund gibt. Dass wir einfach ins Gespräch kommen. Und wenn wir ins Gespräch
kommen, verstehen wir uns als Menschen auch wieder deutlich besser, weil wir erstmal eine
Verbindung aufbauen. Wir gucken uns in die Augen, versuchen zu deuten, was ist denn bei der anderen
Person los. Von daher finde ich das ganz großartig, was du sagst. Kann ich auch nur bestätigen. Die
meisten Konfliktmoderationen funktionieren nur dann, da kannst du mit noch so tollen Techniken um
die Ecke kommen, wenn alle Personen am Tisch die Bereitschaft haben, die andere Person als Mensch
zu sehen.