Suizid ist von sich aus schon ein heißes Tabu-Thema. Es führt die Beteiligten hart an ihre Grenzen und darüberhinaus. Wenn man sich umhört, dann taucht häufig das Thema "psychische Krankheit" auf. Das scheint auf den ersten Blick den Abschied etwas leichter zu machen, auch wenn es möglicherweise nicht zutreffend ist.
Was aber, wenn die alten Eltern auf die mittelalten Kinder zukommen und ihnen ganz ruhig sagen, dass sie sich für einen assistierten Suizid entschieden haben und kurz darauf auch ein konkretes Datum nennen und ihr zuvor gut geführter Kalender leer ist. Dann beginnt der Trauerprozess direkt nach der Information.
Inge Schumachers Eltern sind diesen Weg gegangen und sie hat darüber ein Buch geschrieben.
Danke, liebe Inge.
Link zum Buch: https://ingeschumacherblog.de/buch-duerfen-die-das-der-assistierte-suizid-meiner-eltern, auf meiner Blogwebseite. oder beim Buchhändler Deines Vertrauens
LinkedIN: https://www.linkedin.com/in/schumacher-inge/
----------
Wir sind das
Ingenieurbüro Heinke Wedler, Ingenieurbüro für Arbeitssicherheit und ganzheitliches Betriebliches Gesundheitsmanagement. - Laudenbach/Bergstraße
Wir stehen für gesundes Arbeiten und Handlungsfähigkeit von Unternehmen.
Abonniere unseren Newsletter hier auf https://trauermanager.de
Dein Gastgeber im Podcast: Stefan Hund, Trauermanager
Willst Du mehr über uns wissen: https://trauermanager.de/ueber-uns
Die Hintergrundmusik: One Last Time by Dan Phillipson - Lic by Premiumbeat
Die Fotos unserer Gäste werden uns - gemäß unserer Bedingungen - immer frei von Rechten Dritter - also privat - zur Verfügung gestellt.
Mentioned in this episode:
Deine Eltern haben sich für den assistierten
Speaker:Suizid entschieden. Und Du
Speaker:musst als Sohn oder Tochter damit klarkommen.
Speaker:Das ist das Thema für den heutigen Podcast. Liebe
Speaker:Hörerinnen und Hörer, ich begrüße euch ganz herzlich hier
Speaker:im Trauermanager Podcast, das Schwere leicht gesagt.
Speaker:Und heute, wie gesagt, geht's den assistierten Suizid.
Speaker:Mein Name ist Stefan Hundt und ich mach das nicht
Speaker:alleine, sondern ich hab mir hier eine Fachfrau geholt, die auch
Speaker:ein Buch darüber geschrieben hat. Und ich sage ganz herzlich willkommen, Dinge
Speaker:Schumacher. Vielen Dank, dass ich
Speaker:dabei sein kann heute. Du hast die
Speaker:Erfahrung an dieser Stelle. Eine, die mit Sicherheit kaum
Speaker:1 mit dir teilen möchte, aber Du hast sie auch
Speaker:entsprechend reflektiert, Buch geschrieben. Und
Speaker:deshalb wollt ich mal von dir aus aller herster Hand fragen,
Speaker:wie war das damals, als deine Eltern gesagt
Speaker:haben, wir haben schon 'n Datum und wir wollen
Speaker:über assistierten Suizid aus dem Leben schreiben?
Speaker:Ja, das war 'n Schock. Also das Datum hatten Sie noch nicht,
Speaker:aber das war im März letzten Jahres, als meine Mutter
Speaker:sagte, Papa organisiert unseren Tod. Also ich werd das nie
Speaker:vergessen, diesen Satz und diese Worte, das war so buff.
Speaker:Und mein erster Gedanke war, dürfen die das überhaupt rechtlich?
Speaker:Das war das Allererste, deswegen heißt mein Buchtitel auch so, dürfen die das?
Speaker:Und dann hab ich gegoogelt und hab
Speaker:relativ wenig gefunden zu zu dem Thema, son paar Fakten,
Speaker:dass man das wirklich darf und so, aber keine Erfahrungsberichte.
Speaker:Das hätte mir echt geholfen, weil in dem Moment war ich 'n Trauer. Das
Speaker:hab ich aber erst 'n paar Wochen später gemerkt. Mhm.
Speaker:Ja, das ist ja normal oder das hab ich an vielen Stellen
Speaker:erlebt. In dem Moment, wo entweder eine
Speaker:böse Diagnose da war oder in dem Fall jetzt bei dir die Nachricht, in dem
Speaker:Moment dauert die Umgebung.
Speaker:Und Ja. Ganz klar und das hast Du
Speaker:natürlich in jedem Moment mitgenommen.
Speaker:Du arbeitest im Hartbereich
Speaker:und da hat man's dir wahrscheinlich dann auch angesehen oder wie war das dort?
Speaker:Ja, ich bin ja auf vielen
Speaker:verschiedenen Bahnen unterwegs. Ich bin Heilpraktikerin, hab da eben
Speaker:mit Klienten zu tun und ich arbeite im kirchlichen Hortprojekt, damit ich
Speaker:rauskomme, damit ich dieses Teamgefühl habe und nicht dieses 1 zu
Speaker:1 immer. Und das ist für mich eine wunderbare Mischung, andere kriegen da 'n
Speaker:Föhn, aber ich hab's mir so gebastelt. Also da habe
Speaker:ich wirklich nur
Speaker:meiner direkten Kollegin, wir sind Co Leitungen, Bescheid
Speaker:gesagt, weil die hat eine ganz feine Nase, die wird gemerkt haben, mit Inge ist
Speaker:irgendwas los. Und dann habe ich meinen Chef, der
Speaker:ist evangelischer Pastor, gefragt, hör mal, als wir mal
Speaker:unter 4 Augen waren, hast Du da Erfahrung mit? Und der hat
Speaker:das mal begleitet. Das heißt, der konnte mir was darüber erzählen. Das
Speaker:waren die 2 aus meinem engen Bereich, die das wussten.
Speaker:Mhm.
Speaker:Und wie haben die erst mal reagiert? Haben die gesagt, es
Speaker:läuft alles ganz normal weiter? Oder wie war das
Speaker:an dieser Stelle so vom Außen her? Und gleichzeitig hast Du ja
Speaker:eben grad gesagt, Du bist als Heilpraktikerin unterwegs.
Speaker:Du in dieser Zeit eigentlich arbeiten? Ja,
Speaker:ich konnte arbeiten. Ich ich hab aber nicht so viel
Speaker:gearbeitet und hab auch meinen Workload deutlich runtergefahren.
Speaker:Also also die Energie ging woanders hin. Ich war viel
Speaker:müder, also so so ganz klassisch. Ich hab irgendwann mal so zusammengezählt,
Speaker:dachte, Du bist in 1 Ausnahmesituation und eine Ausnahmesituation
Speaker:braucht besondere Schutzmaßnahmen und hab
Speaker:also meiner Familie Bescheid gesagt, unsere 3 Kinder haben wir auch von
Speaker:Anfang an eingeweiht, das hab ich mit meinem Mann besprochen, weil wir auch dachten, die
Speaker:kriegen's ja sowieso mit und die sind sehr stabil und die sind sehr
Speaker:stabil. Meine Eltern waren entsetzt, So, wie
Speaker:kannst Du nur Die hätten uns das vorenthalten bis zum Schluss, was
Speaker:ich nicht gut finde. Aber gut, die haben's halt so
Speaker:gemacht und dann müssen sie halt damit leben. Ja.
Speaker:Wir haben heute die Aufnahme am ersten September und ich habe grade heute
Speaker:bei Frau Professor Levitzka gelesen, dass heute in
Speaker:Deutschland das 1. Register für assistierte
Speaker:Suizide sich öffnet. Wir
Speaker:hatten ja schon mal zusammen 'n Webinar, was Du gehalten
Speaker:hast rund dein Buch. Und da hast Du ja schon mal gesagt, die Mitgliederzahl
Speaker:der Sterbehilfeellschaft ist nach
Speaker:oben gegangen. Mittlerweile sind es 80000.
Speaker:Ist das wirklich so ein breites Thema aus deiner
Speaker:Sicht? Das kommt drauf an. Ich bin
Speaker:natürlich jetzt drin, aber es sind immer noch
Speaker:mehr als 50 Prozent der Menschen, die gar nicht wissen, die
Speaker:dieses Dürfen die das überhaupt? Geht das überhaupt, die diese
Speaker:Frage mindestens haben? Mhm. Mhm. Seit die
Speaker:Kessler Zwillinge da auch gemeinsam gegangen sind im
Speaker:November, das war Anfang November, da hatt ich grade angefangen, mein Buch zu schreiben. Mhm.
Speaker:Das hat unglaublich für, haben sich ganz viele Leute informiert.
Speaker:Das hat wirklich für sehr viel Aufmerksamkeit gesorgt.
Speaker:Mhm. Aber das Bedürfnis nach Informationen ist sehr groß und ich
Speaker:sprech mit ganz vielen Leuten, die da einfach
Speaker:nachfragen. Ja. Und das ist genau das Richtige. Also
Speaker:raus aus dem Schmuddel und lass uns drüber sprechen.
Speaker:Absolut. Absolut.
Speaker:Dürfen die das jetzt eigentlich? Bitte?
Speaker:Dürfen die das jetzt eigentlich? Was wie wie
Speaker:bist Du da rechtlich? Denn
Speaker:Ich hab zum Beispiel jemand kennengelernt, der unterrichtet die
Speaker:Polizisten. Mhm. Die dann in dem Moment
Speaker:dazukommen oder können die Ja, die können
Speaker:halt auch den Staat zu attestieren, ist
Speaker:es alles mit rechten Dingen zugegriffen.
Speaker:Ja. Also seit 2020 ist es so, dass
Speaker:das BGH die Selbstbestimmung
Speaker:über unser Leben, über den Schutz des Lebens, die
Speaker:dafür ist der Staat eigentlich zuständig, gestellt hat. Das ist
Speaker:das Besondere. Die haben den Paragraf 216
Speaker:außer Kraft gesetzt. Damit ist es in Deutschland
Speaker:legal und und das ist das Einzigartige
Speaker:auf der Welt im Moment, Du kannst
Speaker:assistierten Suizid in Anspruch nehmen, wenn Du keine
Speaker:terminale Krankheit hast. Mhm.
Speaker:Das ist sonst anders. Also die Franzosen haben grade vor 'ner Woche oder
Speaker:so haben sie auch 'n 'n Gesetz zum assistierten Suizid, das
Speaker:ist nur für schwer nachgewiesen, schwerkranke. Das ist in Deutschland anders.
Speaker:Mhm. Und meine Eltern hatten jetzt keine, denen ging's zwar nicht so
Speaker:super, aber die hatten jetzt keine Krankheit wie Krebs
Speaker:oder MS oder ALS oder wie sie alle heißen, diese furchtbaren Krankheiten, wo
Speaker:Du wirklich verstehen kannst. Ja.
Speaker:Ja. Dementsprechend scheint sich ja da auch was einfach
Speaker:zu bewegen. Wie
Speaker:ist das für dich dann mit der, ich will sie mal,
Speaker:antizipierten Trauer?
Speaker:Wie war das wie war das für dich, deine Eltern? Ich weiß
Speaker:es nicht, ob die jetzt gesagt haben, ah, Gott sei Dank haben wir jetzt endlich
Speaker:unseren Termin. Und jetzt haben wir noch son Abreißkalender,
Speaker:nicht zu sagen, son Maßband. Jetzt schneiden wir von hinten her ab und dann haben
Speaker:wir den Tag x. Wie
Speaker:war das für dich? Furchtbar.
Speaker:Einfach nur schrecklich. Also dieses, meine Eltern waren so
Speaker:klar in dem, was sie wollten, dass das ihr Weg ist. Meine Mutter hatte
Speaker:schon wie anderthalb Jahre gesagt, sie möchte nicht mehr, sie hat 'n gutes Leben gehabt,
Speaker:warum muss ich hier noch sein?
Speaker:Also das haben wir 4 Kinder alle unterstützt,
Speaker:aber dass auf der einen Seite sage ich, okay,
Speaker:das ist euer Leben, ihr könnt es entscheiden. Auf der anderen Seite tut es
Speaker:total weh? Ja. Du verlierst beide Eltern auf
Speaker:einmal? Mhm. Ich mein, ich bin jetzt, damals war ich 59, jetzt bin
Speaker:ich 60, ich bin kein kleines Kind mehr, trotzdem
Speaker:war es furchtbar. Und ich hab ich hab's vom Verstand her unterschätzt. Mhm.
Speaker:Mein Körper hat zum Beispiel damit angefangen, dass ich Haare
Speaker:verloren hab. Ja. Und da musste ich so so schmunzeln, weil
Speaker:das Loslassen wurde greifbar. Ja,
Speaker:okay. Ja. Und jetzt hab ich auch mal 'n Buch geschrieben und dann
Speaker:sagte eine Arbeitskollegin von mir, Inge, das bist so Du.
Speaker:Also dieses, da kann ich nicht sprechen hören. Und
Speaker:eben, ich hab gemerkt, ich schlaf schlechter, ich bin nicht belastbar, ich hab's, werde vergesslich.
Speaker:Also alles, was in Stresssituationen, ich hab's werde vergesslich. Also alles, was
Speaker:in Stresssituationen und in Ausnahmesituation passiert
Speaker:normalerweise, das hab ich bei mir beobachten können. Und eine von
Speaker:meinen Schwestern hat sich wirklich krankschreiben lassen, weil sie merkte, die kriegt gar
Speaker:nichts mehr auf die Reihe. Wir haben das eben
Speaker:alle ganz unterschiedlich gemacht. Ja. Und
Speaker:wie war das bei ihr am Arbeitsplatz? Einfach erst mal nur Krankschreiben? Oder
Speaker:hat sie im Endeffekt auch gesagt, ich hab hier eine Ausnahmesituation? Ich
Speaker:glaube, sie hat's ihrem Chef und 'nem Arbeitskollegen, dem sie sehr
Speaker:vertraut, erzählt. Mhm. Mhm. Und die haben
Speaker:auch, ich glaube, sehr, sehr, sehr verständnisvoll
Speaker:reagiert, weil ich hab's wenigen Menschen gesagt Ja. Weil
Speaker:ich Angst hatte, wenn alle so lieb gewollt nachfragen, wie's mir geht, dann
Speaker:brech ich jedes Mal im Tränen aus. Das bringt keinem was, tut nur noch mehr
Speaker:weh. Also war ich da ganz vorsichtig.
Speaker:Mhm. Sone selbstgewählter assistierter Suizid,
Speaker:hat das, wie weit hat das mit
Speaker:Lebendigkeit und mit Sinnhaftigkeit eigentlich zu tun?
Speaker:Das ist eine gute Frage, Stefan. Ich finde,
Speaker:Leben und Sterben hat ganz viel mit Sinn
Speaker:zu tun.
Speaker:Meine Eltern waren am Ende von ihrem Sinn.
Speaker:Mhm. Also das hab ich ihnen auch abgenommen, also auch gefühlsmäßig
Speaker:so. Sie haben alles gemacht, was sie wollten, es wird alles immer schwieriger.
Speaker:Und sie fanden es toll, dass sie das selber entscheiden konnten,
Speaker:den Zeitpunkt bestimmen und das würde ich,
Speaker:so hat mein Vater das auch genannt, hinter sich bringen.
Speaker:Für die war das das Richtige. Ob das ob ich das
Speaker:insgesamt so finde, das ist auch in meinem Buch, ich hab mich sehr damit
Speaker:beschäftigt, kann ich nicht sagen. Mhm. Mhm. Also
Speaker:es, ich finde, wir müssen drüber sprechen. Es ist kein Ja Nein Thema.
Speaker:Es ist ein lass uns drüber reden Thema.
Speaker:Zumal es wird auch keine allgemeingültige Antwort geben, sondern es
Speaker:wird jeder seine Antwort geben können und die ist
Speaker:möglicherweise gestern eine andere als morgen. Genau.
Speaker:Wer weiß, was ich in 10, 20, 30 Jahren sage?
Speaker:Ja. Ja. Wenn Du jetzt
Speaker:zurückguckst, Du sagtest ja, das war letztes Jahr.
Speaker:Der Blick zurück, was hat er vielleicht auch für dich verändert in der Zwischenzeit?
Speaker:Ich hab noch 4, also es kam ganz viel hoch. Mhm. Also diese
Speaker:Altlasten, die in den Familien sind, das hab ich auch in meinem Buch geschrieben, das
Speaker:fand ich ganz interessant. Die kommen dann erst recht hoch. Also Sachen,
Speaker:über die man sonst nicht spricht, alte Verletzungen,
Speaker:das kam alles aufs Tapet, also bei mir innerlich gefühlsmäßig.
Speaker:Mhm. Und bei anderen Betroffenen, ich hab ja mit einigen schon auch
Speaker:sprechen können, ist es ähnlich. Okay.
Speaker:Also dieser, meine Eltern waren
Speaker:Kriegskinder und hatten Probleme, ich sag das jetzt so als hinter
Speaker:Hintergrundinfo, hatten Probleme, in Kontakt zu gehen mit uns Kindern. Mhm.
Speaker:Und das machte das Ganze, also mit Gefühlen wollten sie nix zu
Speaker:tun haben, da da konnten sie ganz schwer. Ich denke, das ist 'n Traumagründe
Speaker:Ja. Weiß der Geier. Und das ist
Speaker:bei vielen anderen genauso. Ich hab das in dem Buch geschrieben,
Speaker:damit die verstehen, warum das alles so so sachlich bei uns ablief
Speaker:und dann rief mich eine Frau an und und sagte eben,
Speaker:bei mir ist das ganz genauso, aber ich hab da noch keinen Frieden mitgemacht.
Speaker:Ich hab den Frieden schon vor Jahren, ne, ich mein, bin nicht
Speaker:umsonst, hab ich die Ausbildung, die ich habe und arbeite seit
Speaker:20 Jahren so, dass ich, meine eigene Traumata konnte ich
Speaker:damit bearbeiten, aber die sagen, ich hab so ein
Speaker:Groll, ich hab so ein Groll, ne. Also diese Sachen
Speaker:kommen alle hoch in dem Moment. Mhm. Und ich hab
Speaker:noch, bin dann durch ganz viele Phasen gegangen. Ich bin sicher noch nicht am
Speaker:Ende. Mhm. Aber es hat sich sehr beruhigt.
Speaker:Nach dem nach dem Taquesix. Oder auch schon vorher. Nee,
Speaker:das Nach dem Motto, also was ich dir noch sagen wollte.
Speaker:Antizipatorische Trauer, wie Du sagst, ja, da ging's los. Und dann hab
Speaker:ich das genutzt halt auch. Ich bin ganz viel hingefahren zu meinen Eltern auch
Speaker:vorher schon, weil ich wusste, ich weiß nicht, wie lang ich sie noch habe.
Speaker:Die wohnen im Ruhrgebiet und ich in Hamburg und hab
Speaker:mit ihnen gesprochen, soweit es möglich war. Mhm, mhm. Habe
Speaker:ich alle Fragen geklärt, die mir auf der Seele lagen.
Speaker:Ja. Und das ist wertvoll. Also
Speaker:so komisch wie das ist, dann mit zu, dann habe ich mit meinem Papa
Speaker:gekocht, wir standen am Herd und dann habe ich ihn ausgefragt, Papa, was denkst Du
Speaker:denn, kommt denn was nachm Tod? So,
Speaker:solche Themen hab ich dann mich getraut, auch mal Ja, klar. Anzubieten.
Speaker:Und das war total spannend. Und dann hab ich ihn gebeten, Hallo zu sagen, wenn
Speaker:er das kann. Mhm. Ja.
Speaker:Ja. Wenn ich so in die Zukunft gucke,
Speaker:Du hast in deinem Buch hast Du sone Übung raus
Speaker:aus dem Hamsterrad. Mhm. Was hab
Speaker:ich mir darunter vorzustellen?
Speaker:Hab sie mir hier hingelegt, falls mein
Speaker:Gehirn mich
Speaker:Wie geh ich mit vielen Gefühlen mit schwierigen? 1000
Speaker:Gedanken gehen dir durch 'n Kopf, ne. Also
Speaker:mir ich war teilweise wie in soner Schleudergang in der Waschmaschine.
Speaker:Und und da hilft es eben
Speaker:Gefühle aufzuschreiben Und zwar alle, die irgendwie
Speaker:negativ sind und die Gefühle links
Speaker:und die rechte Seite freilassen. Und das ist völlig
Speaker:egal, was da steht. Mhm. Und dann
Speaker:auf der rechten Seite verorten im Körper. Also
Speaker:Okay. Scham, Wut. Wo ist es?
Speaker:Damit mach ich's greifbar. Damit guck, sehe ich mich als
Speaker:Ganzes an.
Speaker:Jetzt muss ich hier selber gucken.
Speaker:Genau und ergänzend.
Speaker:Genau, es gibt kein Richtig und kein Falsch
Speaker:und es gilt, das zu beschreiben, wo das ist Mhm.
Speaker:Und die Gefühle greifbar zu machen. Mhm.
Speaker:Und das hilft, also ich hab dann zum Beispiel auch die Hände dann da
Speaker:drauf gehalten. Also wenn ich jetzt sagte, boah, ich spüre son Schmerz, Mhm.
Speaker:Das hilft. Das lässt dann diese Energie raus.
Speaker:Hast Du dabei auch noch mal son Gedankengang,
Speaker:was eben nur von den Negativen oder die die
Speaker:Gefühle, die dir negativ vorkommen, hast Du auch für dich noch mal
Speaker:so überlegt, was haben die jeweils für
Speaker:eine Funktion innerhalb deiner
Speaker:Trauer oder innerhalb deiner momentanen
Speaker:Lebenssituation? Nicht nur Ja, mal, mal wichtig. Ja?
Speaker:Also einfach noch mal, vielleicht auch positiv nach dem Motto, ich
Speaker:bin möglicherweise stinksauer
Speaker:auf meine Eltern, dass sie uns nicht gefragt haben,
Speaker:sondern sie uns einfach an den Kopf geknallt haben. Wie gesagt, ich weiß es jetzt
Speaker:nicht. Ich geborene dir das jetzt einfach mal so rüber.
Speaker:Und gleichzeitig ist das natürlich auch wiederum,
Speaker:ja, es ist auch eine Selbstermächtigung
Speaker:a für deine Eltern und b für dich, dass
Speaker:Du einfach sagen kannst, so, ich kann jetzt auch meine Antworten geben.
Speaker:Ja. Auf jeden Fall. Also das sich damit beschäftigen,
Speaker:mit seinen Gefühlen, all Das Aufschreiben ist deswegen wichtig,
Speaker:weil sie dann aufm Papier stehen und dann sind sie nicht mehr bei mir. So.
Speaker:Gefühle sollten ja kommen und gehen. Wir kennen das mit Glücksmomenten, die sind ganz schnell
Speaker:weg. Mhm. Und Negatives, da da halten wir uns dann oft so
Speaker:dran fest. Mhm. Und es geht darum, die eben gehen zu lassen.
Speaker:Mhm. Und dieses Buch, wo Du's aufgeschrieben hast,
Speaker:wahrscheinlich irgend eine Art von Klappe, hast Du das in 'nem Haus,
Speaker:Oder hast Du das auch bewusst nach außen verlegt?
Speaker:Ich glaube, ich hab den Zettel zerrissen und weggeschmissen irgendwann. Oder oder
Speaker:das, ja. Also denn
Speaker:solche Übungen kenn ich auch und dann
Speaker:sag, hab ich ja schon von mehreren einfach auch gehört, es war mir
Speaker:aber ganz wichtig, dass ich diesen Zettel entweder verbrenne
Speaker:oder außerhalb des Hauses, aber auf keinen Fall im
Speaker:Wohnzimmer, Schlafzimmer und Ähnlichem. Ja. Weil
Speaker:weil das so mit Energie aufgeladen ist, die wir ja eigentlich loswerden wollen.
Speaker:Insofern kann man das im übertragenen Sinne sehr, sehr gut so haben.
Speaker:Mhm. Ja.
Speaker:Ja. Ich würd gern mit dir noch mal in in eine andere Richtung gucken.
Speaker:Wenn Du jetzt deine eigene Führungskraft wärst,
Speaker:wie wolltest Du am besten,
Speaker:dass diese Führungskraft mit dir umgeht?
Speaker:Ich hab deinen Podcast gehört mit der
Speaker:Frau Erikshorn. Ja. Wo, der der Mann
Speaker:hat Suizid verübt. Richtig, er wie
Speaker:auch, ja, genau. Genau. Und
Speaker:das, da hab ich auch gedacht, wow, dieses eine Unternehmen war
Speaker:so gut und das andere so schlecht, also das
Speaker:die ganze Bandbreite. Also ich habe ja erlebt selber
Speaker:als Betroffene, dass mein Chef einfach da
Speaker:war. Mhm. Ich hab ihn gefragt, ich sollte die Trauerrede halten, da hab
Speaker:ich ihn gefragt, Du, fällt dir irgendwas ein, guck dir Psalm, was weiß ich,
Speaker:was an. Und dann hab ich da geforscht und das hat mir geholfen. Und meine
Speaker:Kollegin war einfach nur unaufgeregt da.
Speaker:Mhm. Die hat mich gefragt, wenn ich reden wollte, hat sie zugehört.
Speaker:Mhm. Nun hatte ich arbeite ich mit Bundesfreiwilligen zusammen
Speaker:und meine Bundesfreiwillige ausgerechnet in dem Jahr
Speaker:hat mit paar und 50 ihren Vater verloren.
Speaker:Ziemlich und die die ist halt auch jung, ne so. Also
Speaker:das ist Und da haben wir uns
Speaker:das angeguckt und ich hab sie dann gefragt, hör mal, ist das okay, wie
Speaker:wir damit umgehen? Wir thematisieren das nicht groß. Wir sagen dir, wenn Du
Speaker:Hilfe brauchst, Mhm. Wenn Du frei brauchst, wenn's dir grade zu
Speaker:viel ist, komm zu uns, sorge für dich, das können wir von außen
Speaker:nicht sehen. Ist das okay so für dich? Und
Speaker:das, hat sie gesagt, war okay so. Ja. Und sie hat es, ich finde,
Speaker:erstaunlich gut gemacht, so schwierig, wie das war. Also dass sie sich dann zurückgezogen
Speaker:hat, wenn sie dachte, so, jetzt mit Kindern geht gar nicht.
Speaker:Mhm. Und sie hat hoffentlich gemerkt, wir haben da ihren
Speaker:Rücken. Mhm. Mhm. Aber wir sind halt auch
Speaker:hilflos, weil ich kann's mir nicht vorstellen, wie
Speaker:sie sich fühlt. Nein.
Speaker:Absolut nicht. So immer diese Aussage, ich weiß,
Speaker:wie Du dich fühlst, dann weiß ich, wie wie sich die Faust in meiner
Speaker:Tasche fühlt. Aber Außer man hat
Speaker:das Gleiche wirklich so erlebt, so ähnlich. Selbst da
Speaker:ist es 'n Unterschied. Ja. Jeder Mensch ist anders, ne. Jeder Mensch
Speaker:ist anders und wie gesagt, das ist ganz
Speaker:unterschiedlich. Ja,
Speaker:wenn Du jetzt jemanden treffen würdest, der sagt, meine
Speaker:Eltern haben mir das jetzt auch gesagt, was würdest Du mitgeben?
Speaker:8. Auf dich. Ja. Das kam jetzt ganz spontan.
Speaker:Also dieses Und
Speaker:dann fragen, brauchst Du Informationen? Und dann würde
Speaker:ich informieren so wie das, was
Speaker:mir gefehlt hat. Ja. Zu gucken, Du bist in 'ner Ausnahmesituation.
Speaker:Das ist okay so. Das kannst Du gar nicht ändern. So
Speaker:und so rechne damit das. Das ist eben das, was auch
Speaker:in meinem Buch alles steht. Dein Buch
Speaker:verlinken wir gerne noch in den Shownotes. Und dann
Speaker:bin ich mal gespannt, wer uns zuhört, wer drauf reagiert und
Speaker:wer sagt, da brauch ich noch mehr Informationen. Da ruf
Speaker:ich gerne in Hamburg an und
Speaker:frage, ob die Ingo Schumacher uns da unterstützen kann.
Speaker:Gerne. Ich sag mal ganz, ganz herzlichen Dank.
Speaker:Und liebe Hörerinnen und Hörer, wie immer, ihr könnt
Speaker:uns schreiben. Die einfachste Variante heißt
Speaker:Podcast at Trauermanager Punkt d
Speaker:e. Und das, was für Ingo Schumacher ist, das
Speaker:leite ich ihr dann auch gerne weiter oder ihr guckt direkt nach der
Speaker:Homepage. Aber manch 1 hört ihr ja auch den Podcast im Auto und bei
Speaker:120 sollten wir da in dem Moment nicht unbedingt zum Schreiben
Speaker:gehen.