Ihr Ehemann und Vater ihrer gemeinsamen Kinder ist diesen letzten Weg gegangen. Der Fokus in diesem Gespräch liegt auf der Reaktion der Unternehmen, für die sie und ihr Mann arbeiteten. Der Unterschied könnte kaum krasser sein. Er spiegelt die Reaktion von Unternehmen, die auch für eine Trauersituation am Arbeitsplatz Vorbereitung getroffen haben. Er spiegelt aber auch die Reaktion von Mitarbeitern. Wer nicht vorbereitet ist, riskiert Kündigungen.
Kontakt: https://www.linkedin.com/in/romina-ericksen/
Herzlichen Dank für das Gespräch
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Wir sind das
Ingenieurbüro Heinke Wedler, Ingenieurbüro für Arbeitssicherheit und ganzheitliches Betriebliches Gesundheitsmanagement. - Laudenbach/Bergstraße
Wir stehen für gesundes Arbeiten und Handlungsfähigkeit von Unternehmen.
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Mentioned in this episode:
Suizid, ein Thema auch für Unternehmen,
Speaker:auch und gerade immer mehr zu Beginn des 21.
Speaker:Jahrhunderts. Darüber
Speaker:möchte ich heute mit einer Fachfrau sprechen,
Speaker:die, ja, ihr werdet es selbst gleich hören, einerseits
Speaker:miterlebt hat und andererseits Unternehmen zu diesem Thema
Speaker:berät. Seid gespannt.
Speaker:Liebe Hörerinnen und Hörer, herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Das
Speaker:Schwere leicht gesagt. Heute geht es um das
Speaker:Thema Suizid und wie gehe ich damit im Unternehmen um?
Speaker:Was heißt das für mein Unternehmen? Und ich begrüße euch
Speaker:ganz herzlich und ich begrüße dich ganz herzlich,
Speaker:Romina Eriksen. Hallo, schön,
Speaker:dass du mich eingeladen hast. Hallo, danke.
Speaker:Es ist kein leichtes Thema. Das Thema
Speaker:sucht man sich nicht, sondern man wird von diesem Thema, ich
Speaker:sag mal, gefunden. Wie war das bei dir? Wie bist du
Speaker:zu diesem Thema gekommen? Genau, also
Speaker:ja, erstmal schönen Dank für die Einladung. Danke, dass ich hier sein
Speaker:darf und auch über dieses einerseits sehr traurige,
Speaker:aber auch sehr, sehr wichtige Thema sprechen darf mit dir.
Speaker:Ich Ich spreche heute aus einer Doppelperspektive tatsächlich,
Speaker:weil ich selbst Hinterbliebene bin eines Suizids. Mein
Speaker:Mann hat den Weg vor 2 Jahren selbst gewählt
Speaker:und bin mittlerweile oder habe
Speaker:danach herzwärts gegründet,
Speaker:weil ich gemerkt habe, was ein großes
Speaker:Tabuthema Suizid doch ist und wie
Speaker:viel Sprachlosigkeit danach entsteht. Nicht nur bei
Speaker:Hinterbliebenen, sondern auch bei
Speaker:Unternehmen und Organisationen jeglicher Art,
Speaker:die mit solchen Schicksalsschlägen
Speaker:konfrontiert werden?
Speaker:Hast du eine Ahnung, was könnte das sein? Also
Speaker:was ich so beobachte, ich beschäftige mich ja
Speaker:nun schon länger, auch damals als Gemeinde- und Klinikpfarrer mit dem Thema.
Speaker:Manchmal habe ich so den Eindruck, Menschen beschäftigen sich deshalb nicht mit
Speaker:dem Thema, weil es ihnen zu nahe ist, weil sie möglicherweise selbst
Speaker:betroffen sein könnten oder jemand im Umfeld haben. Wie siehst du das?
Speaker:Richtig, genau. Also selbst aus meiner Hinterbliebenenperspektive,
Speaker:man ist am Anfang geschockt, man ist sprachlos,
Speaker:einem fehlen tatsächlich die Worte. Das
Speaker:Gehirn kann das Erfahrene, das Erlebte, diesen
Speaker:Moment überhaupt nicht richtig einordnen.
Speaker:Man weiß, was passiert ist, man hat es gegebenenfalls sogar selbst
Speaker:gesehen, aber es kommt einfach nicht an. Und da
Speaker:entsteht eine ganz, ganz große Sprachlosigkeit. Und man ist
Speaker:natürlich auch immer so ein bisschen, man weiß, es ist ein
Speaker:Tabuthema, man möchte nichts Falsches sagen, auch im Hinblick
Speaker:auf die Hinterbliebenen, auf den Menschen
Speaker:vielleicht, der jemanden direkt verloren hat. Man möchte
Speaker:nichts falsch machen. Und ich denke, aus aus diesem Gedanken, aus
Speaker:dieser Angst, die viele Menschen dann natürlich auch verspüren,
Speaker:wird einfach lieber nichts gesagt und das Ganze so ein
Speaker:bisschen totgeschwiegen, weil dann kann man natürlich auch nichts
Speaker:falsch machen. Aber für mich ist es immer ganz klar zu sagen,
Speaker:Schweigen ist eigentlich so das Schlimmste, was man da tatsächlich machen kann.
Speaker:Du hast gerade eben gesagt, nach dem Motto, nichts machen, da kann man nichts
Speaker:falsch machen. Das sehe ich ein bisschen anders. Ich
Speaker:denke, du hast es auch ein bisschen anders erlebt, von was ich von unserem Vorgespräch
Speaker:weiß. Wie können so Reaktionen bei Unternehmen
Speaker:aussehen? Kannst du da mal so zwei Beispiele nennen? Vielleicht so gerade
Speaker:auch gegensätzliche Beispiele? Genau, also
Speaker:aus meiner Erfahrung der Hinterbliebenen habe ich natürlich ganz klar
Speaker:nach dem Suizid meines Mannes einmal zwei Perspektiven
Speaker:erleben dürfen. Da ging es dann um das Unternehmen meines
Speaker:verstorbenen Mannes. Und auf der anderen Seite
Speaker:das Unternehmen, wo ich damals noch angestellt gewesen bin,
Speaker:im direkten Vergleich. Und
Speaker:seitens des Unternehmens meines Mannes wurde
Speaker:meiner Seite, meiner Sicht, sage ich mal, schon relativ
Speaker:gut und professionell reagiert. Das heißt, die
Speaker:oberste Führungsebene hat sich relativ zeitnah
Speaker:persönlich bei mir gemeldet und hat natürlich
Speaker:das Beileid bekundet. Wollte wissen, wie es mir
Speaker:geht, wie es den Kindern geht, ob alles in Ordnung ist, ob sie
Speaker:irgendetwas tun können, um uns zu unterstützen.
Speaker:Mitarbeitende wurden direkt aufgefangen, ja, da geht es dann
Speaker:primär auch nicht um die gesamten Mitarbeiter
Speaker:des Unternehmens, sondern im Kern erstmal das direkte
Speaker:Team, das mit meinem Mann zusammengearbeitet hat.
Speaker:Da war es so, die wurden direkt aufgefangen, es wurde
Speaker:klar kommuniziert, dass es sich um einen Suizid
Speaker:behandelt hat, aber auch im Hinblick darauf, dass
Speaker:natürlich ganz schnell Gerüchte entstanden sind. Es wurde
Speaker:ja spekuliert, was kann denn da jetzt passiert sein, gerade in dem
Speaker:Alter. Mein Mann war 42, da
Speaker:ist es ja meistens entweder eine kurze, schnelle Krankheit,
Speaker:eine schwere, oder es ist ein Unfall, oder es ist halt
Speaker:Suizid. Und um da natürlich den ganzen Spekulationen
Speaker:und den Gerüchten so ein bisschen, die so ein bisschen abzufedern und
Speaker:abzudämpfen, hat man natürlich im kleinen Team
Speaker:kommuniziert. Im großen Rahmen, was die gesamte Firma
Speaker:angeht, hat man natürlich auch per Aushang das Ganze
Speaker:bekannt gemacht, aber als Todesfall deklariert.
Speaker:Na, das ist auch vollkommen in Ordnung. Es wurden
Speaker:Gesprächsangebote organisiert für die Mitarbeitenden,
Speaker:Verantwortung wurde in dem Fall sichtbar übernommen, und
Speaker:ja, ich Sichtbarkeit schafft einfach auch für die Mitarbeitenden in so einem
Speaker:Fall Orientierung. Also kann ich nur
Speaker:sagen, so einen Arbeitgeber kann man sich wirklich
Speaker:suchen. Das ist die absolute Ausnahme.
Speaker:Ja, denn andere schweigen es tot.
Speaker:Und da muss man natürlich auch immer mit bedenken, es gibt außenrum die
Speaker:Kolleginnen und Kollegen, die das natürlich auch beobachten.
Speaker:Und es
Speaker:hat Auswirkungen. Und dann fragt sich natürlich jeder,
Speaker:das muss ja nicht gerade Suizid sein, aber wie ginge jetzt mein
Speaker:Unternehmen oder meine Führungskraft damit um, wenn ich heute
Speaker:nicht mehr da wäre? Und wenn da mal auch nur noch
Speaker:Schweigen ist oder noch Schlimmeres.
Speaker:Wobei, was ist an dem Moment schlimmer als nur zu schweigen?
Speaker:Nicht da an dieser Stelle so mit mir umgegangen haben. Ja,
Speaker:richtig. Und genau das habe ich natürlich dann auf der anderen Seite
Speaker:mit dem Unternehmen erlebt, leider, für das ich
Speaker:gearbeitet habe. Wohlgemerkt war mein Mann
Speaker:vor einigen Jahren selber in diesem Unternehmen tätig,
Speaker:hatte dann gewechselt, und meines
Speaker:Unternehmensseite hat es nicht für nötig gehalten, sich
Speaker:bei mir zu melden. Es wurde nicht nach den
Speaker:Kindern gefragt, gefragt, es wurde keine Hilfestellung angeboten, es
Speaker:gab keine Beileidsbeurkundung, es
Speaker:gab ja keine Kontaktaufnahme. Und selbst
Speaker:nach direkter Ansprache meinerseits, also ich
Speaker:habe dann irgendwann gesagt, ich muss das jetzt einfach mal ansprechen,
Speaker:habe das auch getan, und selbst dann blieb es beim
Speaker:Schweigen. Und Schweigen ist einfach kein
Speaker:neutraler Zustand. Wie in der Partnerschaft, dann ist die
Speaker:Beziehung beendet. Punkt. Genau, und den Schritt bin ich dann
Speaker:auch gegangen. Daraufhin folgte dann meine Kündigung
Speaker:tatsächlich, weil es für mich ein ganz, ganz großer
Speaker:Vertrauensbruch auch gewesen ist. Und wo du gerade
Speaker:noch gesagt hast, es wirkt ja auch nach in einem Unternehmen,
Speaker:ich weiß, dass im Nachgang selbst noch ein oder zwei
Speaker:Mitarbeitende gegangen sind. Tatsächlich,
Speaker:ja. Nicht nur das, das, was ich auch
Speaker:weiß, selbst wenn die beteiligten
Speaker:Mitarbeiter schon das Unternehmen verlassen haben, sprich
Speaker:5 Jahre, vielleicht auch 10 Jahre danach, es
Speaker:ist Teil der DNA, wie das Unternehmen mit der Situation damals
Speaker:umgegangen ist. Und selbst wenn keiner mehr aktiv dabei
Speaker:ist, es wissen doch noch alle. Zumindest unterstelle
Speaker:ich.
Speaker:Ja. Wenn das Ereignis
Speaker:nun außerhalb der Organisation geschieht, ja, das war
Speaker:ja nun kein Suizid innerhalb
Speaker:der Firma, ja, wie gesagt, auch das gibt es,
Speaker:dann hat es ja Auswirkungen auf das Team,
Speaker:auf die Leistungsfähigkeit. Und auf das Vertrauen.
Speaker:Wie siehst du das an dieser Stelle?
Speaker:Genau, also grundsätzlich erstmal: Sprachlosigkeit
Speaker:ist am Anfang absolut verständlich, ja. Sie darf halt einfach
Speaker:nicht zum Dauerzustand werden. Und schon wenige
Speaker:ehrliche Worte wie: Ich weiß gerade nicht die richtigen Worte,
Speaker:aber ich sehe dich, können natürlich auch viel mehr Halt geben
Speaker:als ein perfektes Schweigen. Ja, und es geht da auch nicht
Speaker:um psychologische Fachkenntnisse, sondern um Haltung, Klarheit
Speaker:und einfach menschliche Präsenz.
Speaker:Ja, also manch einer, den wir
Speaker:kennenlernen durften, meinte dann,
Speaker:ich sag mal mit gewissen
Speaker:psychologischen Ohren, denen jetzt nahezutreten zu wollen,
Speaker:diese Situation retten zu können. Aber das sind
Speaker:meistens Menschen, die dann ein halbes Jahr später selbst in Richtung
Speaker:Burnout tendieren. Und es
Speaker:gibt im, aus dem
Speaker:Oktober oder November letzten Jahres eine britische Untersuchung,
Speaker:wonach die Suizide in Großbritannien
Speaker:einen jährlichen
Speaker:Kostenumfang von ungefähr 11
Speaker:Milliarden Euro verursachen.
Speaker:Und das wurde dann eben halt für ein Gesetz
Speaker:innerhalb des Unterhauses eingebracht. Und diese Zahl
Speaker:11 Milliarden, mich an dieser Stelle schon etwas, ich
Speaker:sag mal, überrascht.
Speaker:Ja, ja, wenn da keine
Speaker:Reaktion da ist.
Speaker:Wie erlebt, wie erlebst du das,
Speaker:dass du sagtest eben gerade, die wollen mit mir nichts zu tun haben?
Speaker:Was siehst du da aber an der Stelle auch einfach so, dieses Thema,
Speaker:wie könnte ich in diesem Moment in Bewegung kommen?
Speaker:Also in Bewegung kommen, definitiv. Also ich spreche hier
Speaker:ganz klar, ich meine, man kann von einem Team nicht erwarten,
Speaker:dass einer oder mehrere aus dem Team natürlich
Speaker:sagen, wir müssen da jetzt was tun, und hier geht es den
Speaker:Mitarbeitenden schlecht. Es ist ja auch immer wieder
Speaker:das Thema, man gibt sich selbst die Schuld vielleicht,
Speaker:ne, das sind Schuldgefühle im Spiel. Ich hatte das bei einem
Speaker:sehr guten Kollegen meines Mannes, mit dem ich dann privat danach Kontakt
Speaker:hatte, weil er immer immer wieder zu mir gesagt hat, ich hätte es doch sehen
Speaker:müssen, ich hätte doch irgendwas tun müssen, ich habe doch auch versucht,
Speaker:aber, ne. Und da ist wirklich so dieser Punkt,
Speaker:es ist nicht die Aufgabe der Mitarbeitenden,
Speaker:da für Handlungsfähigkeit, Orientierung und
Speaker:Struktur zu sorgen, sondern da ist tatsächlich die
Speaker:Führungsebene gefragt, die natürlich auch in dem Moment
Speaker:selbst betroffen und belastet ist, ganz
Speaker:klar. Das geht auch an diesen Menschen nicht spurlos vorbei.
Speaker:Und da darf man ganz ehrlich sagen,
Speaker:sie müssen aber trotz alledem natürlich,
Speaker:ich sag mal, Verantwortung übernehmen
Speaker:dem Team gegenüber und ganz klar
Speaker:Präsenz zeigen und natürlich auch dafür
Speaker:sorgen, dass die Mitarbeitenden weiter handlungsfähig
Speaker:bleiben, weil Auch wenn es hart klingt,
Speaker:das Leben geht tatsächlich weiter. Und auch die
Speaker:Arbeitskraft darf natürlich darunter nicht leiden. Und
Speaker:dementsprechend ist es da ganz, ganz wichtig,
Speaker:den Ball nicht den Mitarbeitenden
Speaker:zuzuspielen. Ihr müsst euch halt um irgendwie,
Speaker:ja, ich sag mal, Gesprächspartner kümmern oder um
Speaker:therapeutische Angebote, sondern sowas sollte doch tatsächlich von
Speaker:der Führungsebene kurz, klar kommuniziert
Speaker:sein. Man sollte es nicht überdramatisieren,
Speaker:aber die Angebote sollten einfach mal in den Raum
Speaker:gestellt werden, sodass die Mitarbeitenden dann auch
Speaker:selber entscheiden können, okay, ich nehme das Angebot an oder nicht.
Speaker:Das heißt also, wir springen gerade noch mal zurück. Für mich sind immer so
Speaker:Punkte in dem Moment, wo ein Kollege, ich
Speaker:sag mal, von dunklen Momenten erzählt. In dem
Speaker:Moment macht er dir ja quasi ein Fenster auf
Speaker:und du hast dann die Möglichkeit, der
Speaker:jeweilige Mitarbeiter hat die Möglichkeit, einfach auch zu sagen,
Speaker:du, ich sehe, im Augenblick geht es dir nicht gut.
Speaker:Sag mal, bist du möglicherweise auf dem
Speaker:Weg in Richtung eines Suizides? Also am besten auch ganz klar
Speaker:aussprechen. Wie siehst du das an der Stelle?
Speaker:Ja, finde ich auch, weil ich denke halt, dass dieses
Speaker:Schweigen, diese Kommunikation— wir
Speaker:haben in den letzten Jahren oder Jahrzehnten, muss man schon fast sagen,
Speaker:verlernt, miteinander offen und ehrlich zu kommunizieren.
Speaker:Jeder kümmert sich erstmal um sich, ne. Es wird— und naja gut, man
Speaker:sieht dem Kollegen XY, dem geht es nicht so gut, aber was
Speaker:kümmert mich denn, das ist nicht meine Sache, ich möchte da jetzt auch nicht
Speaker:zu privat, ins Private mit eingreifen. Man hat
Speaker:vielleicht auch Angst vor der Reaktion, ne, das geht dich nichts an.
Speaker:Aber ich finde, jeder von uns hat die Verantwortung
Speaker:hinzuschauen und auch zu handeln, wenn einem
Speaker:was komisch vorkommt, wenn man nur ansatzweise das Gefühl hat, da
Speaker:könnte irgendwas sein, der Mensch braucht vielleicht einfach ein offenes Ohr oder
Speaker:er braucht Hilfe, Unterstützung, dass man da einfach wirklich
Speaker:mal wieder zu sich zurückkehrt und sich
Speaker:fragt, was möchte ich denn in dieser Situation?
Speaker:Was würde ich mir wünschen, wenn ich genau mein Kollege
Speaker:oder meine Kollegin wäre? Es einfach zu
Speaker:versuchen, einfach wirklich offen und ehrlich, wie du eben gesagt hast, zu
Speaker:kommunizieren, auch diesen Suizidgedanken eventuell
Speaker:anzusprechen. Weil klar, viele fühlen sich dann
Speaker:ertappt, sollte es wirklich so sein. Aber man merkt dann auch,
Speaker:okay, mein Gegenüber geht offen damit um. Vielleicht kann ich mich
Speaker:dann auch öffnen. Ansonsten wird man es
Speaker:nicht tun, weil man nämlich weiß, die Gesellschaft empfindet es als großes
Speaker:Tabu. Es wird nicht darüber gesprochen. Somit haben natürlich auch
Speaker:diese betroffenen Menschen, die diese Gedanken
Speaker:hegen, dieses Gefühl: Ich spreche lieber nicht darüber.
Speaker:Ich bin zu viel. Und das darf einfach nicht sein. Also es muss in
Speaker:unserer Gesellschaft wieder die Möglichkeit geben, über
Speaker:jegliches Thema zu sprechen und hier auch ganz klar den Suizid.
Speaker:Ja, zumal die meisten der Betroffenen, die
Speaker:signalisieren ja etwas, und es ist immer die Frage,
Speaker:geht dann der Kollege darauf ein oder hat er
Speaker:Angst? Auf der anderen Seite ist es von vornherein klar, es
Speaker:ist nicht seine Aufgabe, dieses Problem zu lösen,
Speaker:sondern es geht darum, erstmal einen Fuß in die Tür zu kriegen oder
Speaker:das Fenster aufzuhalten, dass eben halt Hilfe kommen kann.
Speaker:Und manchmal hilft es auch schon, wenn an dieser Stelle einfach auch Druck
Speaker:abgebaut wird.
Speaker:Ja, genau. Und jetzt gucken wir mal in die nächste
Speaker:Runde. Also wir haben ja ganz bewusst
Speaker:Handlungsleitfäden entwickelt, zum Beispiel nach
Speaker:Suizid, also die 6 wichtigsten Traueranlässe. Und
Speaker:wie siehst du das? Sollte da ein Unternehmen vorbereitet sein, wenn
Speaker:man sich so was hinlegt und auch genau auf das Unternehmen
Speaker:abgestimmt, dass man eben halt direkt weiß,
Speaker:beispielsweise den Hinterbliebenen,
Speaker:denen können wir erstmal dieses und jenes zum Beispiel anbieten,
Speaker:auch an psychologischer Unterstützung, an finanzieller Unterstützung und
Speaker:so weiter und so fort.
Speaker:Ist das hilfreich oder könnte das
Speaker:bei manchen eher so den Gedanken auslösen, wenn ich mich darauf
Speaker:vorbereite, dann wird es irgendwann passieren?
Speaker:Nein, also das, ich sehe das auf jeden Fall so:
Speaker:Prävention reduziert Schockstarre, ja. Und wer sich
Speaker:vorher mit gewissen Themen in jegliche
Speaker:Richtung einmal befasst und wirklich auch auf
Speaker:spezielle Fälle mal vorbereitet ist, das heißt nicht, dass ich jeden Tag damit
Speaker:rechne, dass sowas passiert. Bei mir war das so,
Speaker:bis vor 2 Jahren hätte ich nicht damit gerechnet, dass mir sowas
Speaker:generell mal widerfahren wird. Aber genau da ist nämlich dieser
Speaker:Punkt, Ich habe mich vorher nie damit beschäftigt, ich hatte keine
Speaker:Berührungspunkte, und dann kam die Schockstarre, wirklich, also
Speaker:absolut keine Handlungsfähigkeit mehr. Und wenn ich
Speaker:mich jetzt in ein Unternehmen, in eine Führungskraft
Speaker:hineinversetze, die von heute auf morgen
Speaker:mit so einer Situation tatsächlich dann Berührung
Speaker:hat, es in den eigenen Reihen passiert ist, oder sei es ein
Speaker:Mitarbeiter, der den Lebenspartner, das Kind
Speaker:etc. verloren hat durch so ein Ereignis,
Speaker:dann ist das einfach ein Moment,
Speaker:da hätte ich damals wirklich gerne gehabt, hätte ich es mir wirklich mal, hätte ich
Speaker:mich mal kurz damit beschäftigt gehabt vorher. Denn
Speaker:wer vorher darüber nachdenkt, kann im Ernstfall natürlich auch
Speaker:handlungsfähig reagieren. Ja,
Speaker:und am besten ist es da, und das arbeiten wir eben halt für
Speaker:Unternehmen aus, einen schriftlichen Handlungsleitfaden, sodass ich
Speaker:im Notfall in mein Handy reingucken kann, den
Speaker:Leitfaden sehen kann und direkt reagieren kann.
Speaker:Denn erfahrungsgemäß innerhalb der ersten 3 Minuten im ersten
Speaker:Kontakt entscheidet sich, wie es weitergeht. Wenn ich im
Speaker:Endeffekt als Führungskraft signalisiere, ich kann nicht damit
Speaker:umgehen, das ist mir egal, dann weiß ich ganz genau, die Beziehung
Speaker:ist zerbrochen. Zwar sehe ich im Augenblick maximal
Speaker:ein Jahres, aber es ist ganz klar, innerhalb eines
Speaker:Jahres wird dieser Mitarbeiter das Unternehmen verlassen.
Speaker:Ja, und da ist auch ganz klar, vielleicht noch mal zu erwähnen, im Rahmen der
Speaker:Prävention ist es mit diesem Leitfaden, finde ich absolut
Speaker:super, dass man da wirklich wie so ein Erste-Hilfe-Anker
Speaker:hat. Was muss ich machen? Wie gehe ich damit um?
Speaker:Aber vielleicht ist es dann auch intern, ich weiß nicht, ob der Leitfaden das vielleicht
Speaker:auch beinhaltet. Aber dass man natürlich auch intern schon
Speaker:eine gewisse Struktur sich vorbereitet, dass man
Speaker:da natürlich auch ganz klar in der
Speaker:Führungsebene kommuniziert hat, wer ist dafür zuständig, wer
Speaker:ist Ansprechpartner erstmal für die Mitarbeiter, ne, dass genau
Speaker:die Rollen dann auch verteilt sind. Somit müsste
Speaker:es natürlich dann auch nicht eine Führungskraft ganz alleine tragen, die
Speaker:Verantwortung. Ist damit ganz klar überfordert, nee, von vornherein wird auch abgefragt,
Speaker:Bisschen, das soll eben mal die Chefsache im Vorfeld zum Beispiel auch schon
Speaker:festlegen. Darf ich als Führungskraft in diesem Moment
Speaker:eine externe Beratung dazuholen? Wer
Speaker:entscheidet darüber? Haben wir möglicherweise sogar einen
Speaker:Pool von Menschen, die wir dazu natürlich wieder fragen können
Speaker:als Traumaspezialisten, die in diesem
Speaker:Moment möglicherweise sogar schon dazukommen? Wenn
Speaker:ich als Führungskraft meinem Team sage, was Sache ist.
Speaker:Denn in dem Moment bin ich ja, ob ich will oder nicht,
Speaker:auch Teil des Problems als Führungskraft.
Speaker:Bis hin dazu, dass es dann möglicherweise auch,
Speaker:ich weiß nicht, ob du das schon erlebt hast, dann irgendwo auch
Speaker:Vorwürfe gibt. Ich habe jetzt gerade mit jemand gesprochen,
Speaker:Da gab es dann auf einmal die Vorwürfe, das Unternehmen habe sich zu wenig um
Speaker:diesen Mitarbeiter gekümmert, er war total überarbeitet und deshalb hat er
Speaker:diese Konsequenz gezogen. Unabhängig, ob das richtig oder
Speaker:falsch ist. Aber in diesem Moment ist die Führungskraft auf
Speaker:jeden Fall mit beteiligt und man braucht auf jeden Fall einen Externen, sonst kriegt man
Speaker:die Kuh nicht vom Eis. Richtig. Ja, aber
Speaker:das, was du da gerade erzählst, das habe ich auch schon gehört,
Speaker:weil klar, man sucht in diesem Moment ja auch irgendwo
Speaker:einen Schuldigen. Ja, man versucht das
Speaker:Ganze zu verstehen, man versucht es irgendwie
Speaker:plausibel erklären zu können, auch wenn es das in
Speaker:den wenigsten Fällen tatsächlich ist.
Speaker:Und es ist auch letztendlich keiner dafür verantwortlich, muss man ganz klar
Speaker:so sagen, für das, was dieser Mensch entschieden
Speaker:hat. Ja, wenn dieser Mensch diesen Weg gegangen ist, da hat keiner
Speaker:oder muss sich keiner dafür die Schuld geben. Klar,
Speaker:es bleibt nicht aus, die Schuldgefühle, es ist absolut normal,
Speaker:die werden immer kommen, die werden auch noch Jahre später vielleicht das ein
Speaker:oder andere Mal kommen in Gedanken. Aber
Speaker:da ist es tatsächlich so, ja, habe ich schon erlebt, dass
Speaker:natürlich dann auch mit dem Finger auf die Führungsebene gezeigt wird,
Speaker:auf das Unternehmen als Ganzes. Ist tatsächlich auch, also mit
Speaker:verschiedensten Abteilungen, mit
Speaker:Ablaufplänen, mit Arbeitsablaufplänen in der,
Speaker:in dem Unternehmen. Und da ist es
Speaker:tatsächlich so, also das alleine hinzubekommen,
Speaker:das ist sehr schwer.
Speaker:Zumal in dem Moment bleibt es auf jeden Fall auch in den Klamotten
Speaker:der Führungsebene hängen. Und das hatten wir ja
Speaker:vorhin schon, dann ist es ein Teil der DNA und
Speaker:kann in dem Moment auch nicht wirklich positiv als Thema
Speaker:verabschiedet werden. Vor
Speaker:allem denke ich, sollten wir auch noch mal dran denken, es ist
Speaker:ja, zumindest ist es so meine Erfahrung aus 30 Jahren,
Speaker:keiner möchte sterben, sondern jeder möchte
Speaker:im Endeffekt und notfalls im Stolper sitze und koste es, was es
Speaker:wolle, aus dieser Situation, die als
Speaker:unerträglich, als nicht mehr veränderlich und so
Speaker:weiter und so fort ist, raus.
Speaker:Ja, also das ist ja keine
Speaker:Entscheidung für, also maximal
Speaker:nach dem Motto, dann sind meine Schmerzen beendet.
Speaker:Ja, darf man von außen her nicht sagen, aber das sind verschiedene
Speaker:Gespräche, die ich zum Beispiel auch mit Menschen geführt
Speaker:habe, die einen Suizidversuch überlebt haben.
Speaker:Und die sagten einfach auch,
Speaker:ich wollte da auf jeden Fall raus. Und ja.
Speaker:Ja, was, was mir noch ganz wichtig ist, klar, in
Speaker:großer Hinsicht betrifft es auch Unternehmen,
Speaker:aber man darf ja nicht vergessen, es betrifft ja noch
Speaker:ganz, ganz viele andere Organisationen. Schule,
Speaker:Kindertagesstätten, Spielkreise, Vereine,
Speaker:Bildungsträger, das sind auch alles natürlich
Speaker:Organisationen, die mit solchen
Speaker:Verlusten, mit solchen, ja, Suiziden auch schon
Speaker:Berührungspunkte hatten. Gerade wenn man auch mal in den Bereich Schule,
Speaker:weiterführende Schule, Berufsschulen, das
Speaker:betrifft eigentlich da tatsächlich fast jeden, würde ich sagen.
Speaker:Doch, ja, kann man so sagen. Und
Speaker:von daher,
Speaker:ja, ist da natürlich dann immer die Frage, ne, wer gibt Orientierung? Sind Sie
Speaker:vorbereitet? Möchte man sich vorbereiten? Viele, wie gesagt, gehen auch
Speaker:gar nicht an das Thema ran, weil man möchte davon ja gar nichts wissen
Speaker:und im besten Fall auch gar nicht drüber sprechen, weil hoffentlich passiert
Speaker:so was hier nie. Auf der anderen Seite, wir waren
Speaker:letztes Jahr im September bei einer Veranstaltung in
Speaker:Altenstadt. Für diejenigen, die in Geometrie nicht
Speaker:so aufgepasst haben, das ist in der Wetterau. Und
Speaker:dort gab es eine ganze Reihe von Suiziden,
Speaker:unter anderem auch in einem Unternehmen. Und die haben dann
Speaker:von sich aus gesagt, wir wollen hier aktiv werden
Speaker:und haben eben halt auch ein Podium
Speaker:aufgemacht, damals mit Walter Pohl als Keynote-Speaker. Und
Speaker:wir haben von unserer Seite her unterstützt.
Speaker:Das ist ein Thema, ja. Und wenn in einer Schule
Speaker:mehrere Schüler hintereinander, teilweise
Speaker:auch mit erweitertem Suizid, diesen Weg gehen, dann macht das
Speaker:etwas.
Speaker:Vor allem auch im Hinblick auf, wie viele Menschen
Speaker:betroffen sind, wenn sich ein Mensch das
Speaker:Leben nimmt.
Speaker:Da sprechen wir ja nicht von maximal 1, 2 Leuten, sondern
Speaker:da sprechen wir ja schon
Speaker:pro Person. Ich gehe mal ganz stark davon aus,
Speaker:gut im engsten Kreis würde ich mal sagen, so bis zu 10 Leuten. Aber
Speaker:im erweiterten Kreis können das ja Freundeskreis, Kollegenkreis,
Speaker:Vereinsmitglieder. Da sprechen wir schon über eine riesige
Speaker:Menge an Menschen, die mit einem Suizid
Speaker:letztendlich, ja, betroffen sind,
Speaker:sprachlos sind, schockiert sind. Und
Speaker:das ist schon eine ganze Menge. Ja, ja, ich habe die
Speaker:Zahl nicht mehr genau im Kopf, aber ich glaube, in der britischen Studie wurde
Speaker:von 71 Betroffenen gesprochen
Speaker:pro Suizid. Wahnsinn.
Speaker:Ja. Dann drehen wir es doch einfach mal rum. Wir wollen natürlich nicht so enden,
Speaker:dass jetzt jeder direkt denkt, ich müsste jetzt auch diesen Weg
Speaker:gehen. Nein, bitte nicht.
Speaker:Nö, auf jeden Fall nicht. Nee, aber
Speaker:was, du gehst ja auch in Unternehmen, was bietest du in diesem
Speaker:Moment an? Wie kann ich da aus dieser Schockstarre rauskommen?
Speaker:Genau, also es ist natürlich immer individuell,
Speaker:jedes Unternehmen ist anders, jede Struktur ist anders, ganz klar.
Speaker:Das wird dann auch in einem Vorgespräch
Speaker:ganz klar kommuniziert, was sich vorgestellt
Speaker:wird, wie die aktuelle Struktur ist, was vielleicht bereits auch schon
Speaker:passiert ist, was unternommen worden ist. Und
Speaker:dann kann man ganz klar natürlich auf das Unternehmen abgestimmt
Speaker:da Struktur anbieten, Gespräche anbieten,
Speaker:die Führungskräfte, die Führungsebene unterstützen, damit
Speaker:sie einfach auch in der Lage sind, das
Speaker:nicht alleine machen zu müssen. Und ja, dem Team und
Speaker:dem Unternehmen dann Struktur, Handlungsfähigkeit
Speaker:und ja, organisiertes Handeln letztendlich
Speaker:bieten zu können. Und da bin ich dann dabei und
Speaker:versuche ganz klar mit Gesprächen, da so ein bisschen
Speaker:zu stabilisieren, auch im Hinblick aus der Sicht natürlich
Speaker:von jemandem, der weiß, wie es sich anfühlt. Und da ist
Speaker:natürlich so dieser, der Blick da auf das, was ich erlebt
Speaker:habe in Unternehmen,
Speaker:gegenübergestellt dem, wie man sich fühlt, wenn man
Speaker:es im direkten Umfeld miterlebt,
Speaker:denke ich, ein ganz guter Hebel, da zu schauen, wie kann man
Speaker:am besten natürlich auch mit dem hinterbliebenen
Speaker:Mitarbeitenden Sollte es im privaten Bereich passiert sein
Speaker:oder natürlich auch, wenn es ein Mitarbeiter direkt gewesen
Speaker:ist, dann korrekt umgehen.
Speaker:Wir hoffen mal, dass das Thema uns nicht mehr
Speaker:weiter so beschäftigt. Ich befürchte, es könnte das
Speaker:Gegenteil sein. Aber ich sage
Speaker:an der Stelle mal ganz, ganz herzlichen Dank.
Speaker:Liebe Zuhörer und Zuhörer, wenn ihr Fragen
Speaker:habt, die einfachste Variante: Schickt mir eine
Speaker:Mail an podcast@trauermanager.de
Speaker:und ich leite sie dann gerne an Romina weiter.
Speaker:Wir möglicherweise beantworten das auch zusammen.
Speaker:Also, ein Suizid ist
Speaker:kein Endpunkt. Sollen da gerne auch ein Doppelpunkt sein.
Speaker:Und in diesem Sinne sage ich dir ganz
Speaker:herzlichen Dank und euch, liebe
Speaker:Zuhörerinnen und Zuhörer.