Artwork for podcast Africa with André - auf Deutsch
Von «Das schmeckt furchtbar» zu Weltklasse-Wein: Der Weg von Ntsiki Biyela
Episode 286th May 2026 • Africa with André - auf Deutsch • André Thomas
00:00:00 00:29:50

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Shownotes

Ich unterhalte mich mit Ntsiki Biyela, Südafrikas erster schwarzer Winzerin. Eine Frau, deren Weg in die Welt des Weins auf höchst unerwartete Weise begann … indem sie „Ja“ zu einer Chance sagte, die das Potenzial hatte, ihr Leben zu verändern; und ihn absolut hasste als sie ihn zum ersten Mal probiert hat.

Wir sprechen darüber, wie es sich wirklich anfühlt, in eine Branche einzusteigen, in der man sich selbst nicht repräsentiert sieht, und über die stillen (und manchmal nicht ganz so stillen) Herausforderungen, sowohl schwarz als auch weiblich in einer traditionell weissen, von Männern dominierten Weinwelt zu sein.


Was besonders auffällt, ist Ntsikis Perspektive – bodenständig, ehrlich und oft voller Humor. Ob es nun Leute sind, die annehmen, sie könne unmöglich die Winzerin sein, oder Kunden, die ihr selbstbewusst ihre eigenen Weine erklären – sie begegnet all dem mit einer Mischung aus Anmut und scharfsinniger Einsicht.


Aber in dieser Folge geht es nicht nur darum, Barrieren zu überwinden – es geht auch darum, den Wein selbst neu zu definieren.

Ntsiki erzählt, wie sie Wein zugänglicher macht, insbesondere für Menschen, die nicht damit aufgewachsen sind. Anstatt von „Trüffeln“ und „Pflaumen“ zu sprechen, bringt sie es auf etwas viel Menschlicheres zurück: Wie fühlt man sich durch den Wein?


Und durch ihr Engagement bei der Pinotage Youth Development Academy hilft sie jungen Südafrikanern, ihren Platz in der Weinbranche zu finden, und Türen zu öffnen, die einst verschlossen schienen.


Wir sprechen auch über ihr eigenes Label, Aslina Wines – benannt nach ihrer Grossmutter – und den Moment, als sie ihr stolz ihren preisgekrönten Wein vorstellte.



Aslina Wines: www.aslinawines.com


Pinotage Youth Development Academy: https://pyda.co.za/



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Sound credits: uppbeat.io/ und https://pixabay.com/

Transcripts

Willkommen zu einer neuen Folge von Africa with André, wo wir Afrika Feiern - One Story at a Time.

[:

Ich schätze mich sehr glücklich in dem Land aufgewachsen zu sein das den allerbesten Wein der Welt produziert: Südafrika.

Ich geb’ unseren französischen und italienischen Zuhörern erst mal einen Moment zeit sich zu beruhigen dann mach ich mit dem Interview weiter. Nein, im Ernst.

Die südafrikanische Weinbranche ist seit vielen, vielen Jahren das, was ich als eine sehr weiße Branche bezeichne. Und damit meine ich nicht den Wein selbst, denn wir haben auch großartigen Rotwein. Sondern vielmehr meine ich, dass die meisten der Winzer und Weingutbesitzer weiße Menschen sind.  Deshalb wollte ich von einer schwarzen Winzerin erfahren, wie es ist, in diese Branche einzusteigen und dort zu arbeiten.

Ich freue mich sehr, euch heute eine der wenigen schwarzen Winzerinnen und die erste schwarze Winzerin in Südafrika überhaupt vorstellen zu dürfen, Ntsiki Biela.

Hallo Ntsiki und willkommen zu meinem Podcast.

[:

Vielen Dank, André. war das Schrecklichste, was ich je in meinem Leben getrunken habe. Diese Weinkenner sie erzählen dir von Pflaumen und all den Früchten, die man im Wein herausschmecken soll. Und ich dachte sofort an den Geschmack von Früchten und habe erwartet, dass es schön süß sein würde. Und dann probierte ich diese rote Flüssigkeit und es war einfach schrecklich.

Unser Dozent fragte dann, "was findest du, wie findest du den Wein"? Und meine Antwort war nur, gut, weil ich ihm kein schlechtes Gewissen machen wollte wegen dem schrecklichsten Zeug, das ich je im Mund hatte.

[:

[00:02:00] Ntsiki: Genau.

[:

[00:02:10] Ntsiki: Für mich ging es nicht wirklich darum, was mit Wein zu studieren, sondern es war eine Chance, mein Leben zu verändern.

Ich wusste, dass ich studieren wollte, dass ich an die Universität gehen wollte. Meine Großmutter, meine Mutter, sie konnten sich das für mich nicht leisten. Aber als das Stipendium kam und man mir sagte, "ja, das geht, aber du wirst Weinbau studieren", dachte ich, "ja, okay".

Und dann sagten sie mir, dass der Unterricht auf Afrikaans ist. Eine Sprache, von der ich keine Ahnung hatte. Aber ich meinte, "okay, dann lerne ich die Sprache".

[:

[00:02:56] Ntsiki: Ja, genau, so ist es.

[:

[00:03:08] Ntsiki: Ja, ich habe etwas angefangen von dem ich keine Ahnung hatte. Ich bin dankbar, dass ich es tatsächlich geschafft habe, und jetzt bin ich hier. Wir sind bei Aslina Wines und probieren meine verschiedenen Weine.

Ich kann sagen, ich habe Weine, die ich mag, und Weine, die ich nicht so mag. Und ja, es war eine spannende Reise, gleichzeitig aber auch eine schwierige Reise.

[:

[00:03:36] Ntsiki: Ich bin Anfangs in einem Dorf namens KwaNondlovu aufgewachsen. Dann sind wir in ein anderes Dorf gezogen, wo ich zur Schule gegangen bin. Das liegt nördlich von Durban in Südafrika.

Dort bin ich aufgewachsen zusammen mit meiner Großmutter und mit meinem Großvater. Da wir zu Hause keine Jungs hatten, war ich diejenige die sich um die Kühe kümmerte und sie melkte. Meistens zusammen mit den anderen Jungs im Dorf. Und deshalb denke ich ja, diese Branche ist männerdominiert, aber ich denke mir, ich glaube nicht, dass sie etwas anderes machen könnten als ich, wenn wir dasselbe studiert haben.

Und als sich nach meinem Schulabschluss die Gelegenheit bot, ein Stipendium für ein Studium an der Stellenbosch University zu bekommen, habe ich nicht gezögert.

Ich dachte mir, "ja, ich mache das". Ich hatte keine Ahnung, wovon ich sprach, aber ich dachte einfach, ich mache das.

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[00:04:33] Ntsiki: Also, meine Großmutter wollte, dass ich Vermessungsingenieurin werde und so dachte ich, ich gehe in die Richtung Bauingenieurwesen.

In der Oberstufe gab es auch eine Phase, in der wir über Chemieingenieurwesen gesprochen haben, und da habe ich mich sogar um Stipendien für Chemieingenieurwesen beworben. Aber dann bekam ich immer diese schönen Briefe mit den Absagen, dieser und der nächste, da stand immer wieder, "wir bedauern" geschrieben.

Also ja, dieses Weinbaustipendium, das hätte zu keinem besseren Zeitpunkt kommen können.

[:

[00:05:27] Ntsiki: Was die Universität angeht, ist es schon eine Herausforderung, Vorlesungen in einer Sprache zu hören, die man nicht versteht. Es fühlt sich an, als würde einem die Information in den Hals gestopft. Also schaltet man irgendwann ab.

Und ich habe Afrikaans eigentlich erst richtig gelernt, als ich dann gearbeitet habe, mit meinem Team im Weinkeller. Denn unser Afrikaans war eine Mischung aus Afrikaans, Englisch und Zulu, alles in einem Satz. Und dann hat es Spaß gemacht.

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[00:06:02] Ntsiki: Wir durften nicht Englisch sprechen, weil die anderen Studenten dann Lärm gemacht haben.

Weißt du wir haben also Nachhilfestunden nehmen müssen. Wir besuchten also den Afrikaans Unterricht, verlassen den Seminarraum und gingen zur Nachhilfestunde. Und dort haben wir dann im Grunde genommen gelernt.

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Nachdem du dein Studium beendet hast, welche Herausforderungen und welche Unterstützung hast du dann bekommen?

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Da ich auf einem kleinen Weingut arbeitete, war ich manchmal im Verkostungsraum. Und da versuchten sie mir manchmal zu erklären, wie der Wein schmecken soll. Und dann, wenn sie eine Frage stellen, und ich ihnen alles von Anfang an erzähle, und ins Detail gehe, dann fragen sie, "woher weißt du das"?

Und dann sage ich, "weil ich den Wein mache". Und oft waren sie dann schockiert.

Eine Person, an die ich mich erinnern kann, die sagte, "oh, ich habe mich gerade total blamiert". Und da konnte ich nur sagen, dass sie nicht die Einzige ist.

Weißt du, ich erinnere mich auch an einen Bauern, der hereinkam, weil wir Trauben kaufen wollten.

Er suchte dann nach dem Winzer und mein Team meinte, "oh ja, da ist die Winzerin". Und er sagte, "nein, nein, ich suche den Winzer, keine Kellermeisterin". Es war so eine Situation, wo er ein anderes Bild erwartet hat.

Wie du gesagt hast, es ist männerdominiert, es ist weiß, und das Bild eines Winzers hat jeder im Kopf- so sieht eben ein Winzer aus. Und so sieht eine Vorgesetzte im Keller aus. Er musste dann lächeln, als mein Chef ihm bestätigt hat, dass er gerade an der Winzerin vorbeigelaufen ist.

Ich nehme an, man könnte entweder wütend und defensiv reagieren oder aber eine kleine Reise mitmachen. Und wenn man tatsächlich viel Freude an dieser Reise hat und ihre Gesichter gerne sieht, das war schon was Besonderes.

Aber auch das Verständnis zu realisieren, du bist an einem anderen Ort, an dem die Leute dich nicht erwarten. Also sind sie schockiert dich zu sehen. Du bist eine unerwartete Person, die das tut, was du tust.

Und wenn das so ist, werde ich in diesem Moment die Gnade und das Verständnis haben und sagen, schau mal, sie sind genauso schockiert, wie du selber, dass du in dieser Umgebung bist. Verstehst du?

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[00:08:30] Ntsiki: Es ist mittlerweile normal, dass man einem schwarzen Winzer begegnet, ja. Aber das macht es nicht einfacher. Dennoch es gibt Veränderungen, es gibt Wachstum.

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[00:08:49] Ntsiki: Man macht immer noch solche Erfahrungen, und bei denen denkt man sich, wir können ein Gesetz erlassen, aber wir können einen Menschen nicht ändern. Denn Menschen sind nun mal Menschen.

Ich erzähle dir mal, was passiert ist. Wir hatten eine Praktikantin, sie musste herumgehen und den Leuten Broschüren über unsere Weine geben. Und sie kam wütend zu mir zurück und sagte, "ich habe dem einen Mann eine Broschüre gegeben und er sagte nur, ich kaufe keine Weine von Schwarzen".

Also, wenn ich sage, dass es das immer noch gibt, und was ich zu ihr gesagt habe, "hör mal. Du musst verstehen, dass du nicht jedermanns Sache bist". Und ich verstehe, wie sie sich gefühlt hat. Sie ist jung, es eine ihrer ersten Erfahrungen. Aber ich sagte, in solchen Situationen lächelst du die Person einfach an. Denn ehrlich gesagt, da kannst du nichts für sie tun.

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[00:09:42] Ntsiki: Man kann sie nicht davon abhalten, schlecht über das zu reden, worüber sie reden wollen. Man kann nur seine eigenen Gefühle gegenüber dem kontrollieren, und sagen, "weißt du, es ist okay".

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[00:09:54] Ntsiki: Leider verpassen sie den, ja.

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Es ist also nicht immer einfach, aber gab es einen Moment, wo du gesagt hast, wo du gefühlt hast, "ja, ich bin am richtigen Ort, die Weinbranche ist, wo ich hingehöre".

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Denn es ist ein Wein, den ich gemacht habe, ohne jemals einen solchen Wein probiert zu haben. Aber ich dachte mir, ich brauche diesen Wein und ich konnte ihn schmecken noch bevor wir ihn hergestellt haben.

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[00:10:42] Ntsiki: Ja, absolut. Ich hatte immer das Gefühl, dass wir dieses Kind sind, das alle Trümpfe in der Hand hält. Aber wir sind so unsicher, weil wir auf die Welt hören, die uns ständig sagt, wie wir sein sollen, anstatt dass wir der Welt sagen, wer wir sind, weißt du?

Und so war es, aber wir haben das mittlerweile hinter uns gelassen.

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Ich weiß, dass du derzeit fast 100.000 Flaschen pro Jahr abfüllst, aber erzähl uns etwas mehr über Aslina. Wo kommt der Name her? Welche Art von Wein stellst du her?

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Ich bin bei ihr aufgewachsen, also wollte ich der Frau die mich großgezogen, und mir im Grunde alles über das Leben beigebracht hat, ehren. Es passt einfach perfekt, das Unternehmen nach meiner Großmutter zu benennen.

Derzeit haben wir weder einen eigenen Weinkeller, noch eigene Weinberge. Wir beziehen also unsere Trauben von anderen Weingütern.

Und was die Weine angeht, haben wir einen Sauvignon Blanc, einen Chardonnay, einen Chenin, einen Cabernet Sauvignon und wir haben ein Bordeaux Cuvée. Also ein Bordeaux Blend.

Ausserdem haben wir gerade unsere preisgünstige Linie namens Ndubs auf den Markt gebracht.

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[00:12:12] Ntsiki: Ndubs ist ein Wort aus der Xhosa-Sprache für Ndubela.

Und das ist so etwas wie ein Muntermacher. Wenn man müde ist, trinkt man davon, um neue Energie zu tanken und alles zu schaffen, was man tun muss.

André: Also Ndubs, Ndubela, als du jung warst, war so etwas wie Zuckerwasser, dass du trinken konntest, um dir Energie zu geben, um dann deine Hausaufgaben oder was auch immer...

Ntsiki: mein Großvater meinte immer, mach dir einfach Ndubs. Also, das hat er gesagt, wenn ich gesagt habe, "ich habe so einen Hunger".

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[00:12:45] Ntsiki: Nein, das sind sie nicht. Sie sind trocken.

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[00:13:03] Ntsiki: Die beiden Weine, mit denen ich mich gefühlt oft bekriege, das sind unser Chenin Blanc mit Maische-Gärung und der Umsasane.

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Ntsiki: Ja, Umsasane ist ein Wort aus der Zulu-Sprache für den Akazienbaum, der ein Symbol ist für Afrika. Umsasane ist aber auch der Spitzname meiner Großmutter gewesen, und es ist der Name von unserem besten Rotwein.

André: Du hast mir erzählt, dass ihr noch keine eigenen Weinberge oder eigenen Keller habt. Woher bekommt ihr denn eure Trauben?

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Wir stellen unsere Weine her, wir lagern sie dort und wir vertreiben in die ganze Welt. Ein Großteil unserer Trauben kommen von Delheim und den Rest, den beziehen wir von anderen Farmen einfach um die Menge aufzustocken.

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[00:13:58] Ntsiki: Ja.

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[00:13:59] Ntsiki: Nein, sie ist verstorben.

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[00:14:07] Ntsiki: Ich hatte ihr gesagt, dass ich, wenn ich irgendwann einmal ein Unternehmen gründe, es nach ihr benennen werde. Und sie hat gesehen, wie ich angefangen habe, als Winzerin zu arbeiten. Aber sie hat nicht miterlebt, wie ich das Unternehmen gegründet habe.

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[00:14:24] Ntsiki: Ja, ich weiß. Ich sage immer, dass ich meine Werte lebe und dabei stütze ich mich hauptsächlich auf das, was sie mir beigebracht hat. Sie lebt also weiter in den Dingen, die wir tun und in der Art, wie wir sie tun.

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Was liebst du daran, Winzerin zu sein?

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Aber im Ernst, ich glaube, was die Weinherstellung angeht, liebe ich den Teil des Verschnitts. Also wie wir die verschiedenen Traubensorten mischen. Aber ich weiß, dass ich am glücklichsten bin, wenn ich den gesamten Prozess durchführe. Von der Herstellung des Weins bis hin zum Verbraucher, weil alles zusammenwirkt.

Das macht den gesamten Prozess der Weinherstellung wirklich toll.

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[00:15:22] Ntsiki: ...bis ins Glas. Denn wenn man am Ende mit der Person den Wein trinkt, und ihren Gesichtsausdruck beobachtet, denkt man sich, ah, okay. Und weiß sofort, ob es ihr schmeckt oder nicht.

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[00:15:46] Ntsiki: Ich glaube, wenn es um die Weinherstellung geht, wird viel romantisiert.

In der Wahrheit reden wir hier davon, einen Tank zu reinigen. Wir reden davon, den Boden zu schrubben.

Aber viele denken, dass es nur darum geht, das Glas zu schwenken und den Wein zu probieren. Als Winzerin im Keller geht es aber weit darüber hinaus. Da steckt eine ganze Menge Logistik dahinter. Es ist ein bisschen so, als würde man Schach spielen.

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Kleiner Themawechsel. Ich habe mich gerade daran erinnert, wie nachsichtig Winzer sein können. Ich habe vor vielen Jahren in Kapstadt an einer Weinmesse einen Weißwein probiert, und meine erste Reaktion war, dass ich, "oh, das schmeckt ja wie Katzenpisse", gesagt habe.

Meine Freunde, die da dabei waren, reagierten mit, "das kannst du nicht sagen, die Winzerin steht direkt hier".

Und sie hat genau so reagiert wie du. Du hast nur mit den Schultern gezuckt und gesagt, "ja, so ist es". Sie sagte mir damals auch, "du kannst jede Meinung haben, die du willst, es ist nämlich dein Gaumen und das bedeutet nicht, dass die nächste Person den Wein nicht mag, aber du, dein Gaumen mag diesen Wein nicht. Und das ist okay so".

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Früher zum Beispiel haben die Leute von Trüffeln in meinen Weinen gesprochen. Und ich dachte anfangs sie reden von diesen Lind-Schokokugeln. Ich hatte keine Ahnung, wovon sie sprachen. Bis eines Tages einer der Köche, wir machten gerade einen Podcast zusammen, er sprach davon, dass er Trüffelöl darüber geträufelt habe. Und ich dachte, er hätte die Schokolade geschmolzen.

Da habe ich mit ihm gesprochen und gefragt, dass er mir das mit den Trüffeln mal erklären soll. Und da gingen wir in die Küche und ich dachte, oh, das ist ein Pilz. Und ich roch am rohen Trüffel und am gekochten Trüffel.

In dem Moment stellte ich fest, dass dieses Öl wie eine Kalebasse riecht, wenn darin Milch fermentiert wurde. Das ist ein Geruch, den ich kenne. Leute versuchen, diesen Trüffel zu riechen, diese Schokoladennote im Wein zu finden. Und dann nimmst du, wenn du das riechst, etwas wahr, das dein Gehirn mit etwas Vertrautem in Verbindung bringt. Also dachte ich mir, okay, wenn man an Wein riecht, ist das, was ganz Persönliches.

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[00:18:34] Ntsiki: Ja, wir benutzen es, um unser traditionelles Bier zu trinken. Und dann gibt es noch eine andere Kalebasse, die wir benutzen, die aus Gemüse gemacht ist. Also wie eine Art Flaschenkürbis. Und die gebrauchen wir zum Fermentieren von Milch Und das nennen wir Amasi. Das Logo von Aslina Wines ist der erste Kalebass, ein Tontopf, den wir für das traditionelle Bier verwenden.

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[00:19:13] Ntsiki: Ja, so ist es.

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Ich denke, du möchtest Wein einer Gruppe von Menschen näherbringen. Was tust du noch, um mehr Menschen in Südafrika Wein, näher zu bringen? Einer der Punkte ist die Verwendung von Begriffen die dieser Gemeinschaft, in dem Fall die schwarze Gemeinschaft, die Black Community, die dieser Gemeinschaft etwas bedeuten, wie zum Beispiel Kalebasse statt Trüffel.

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Sagt er dir, trink ein Glas? Fühlst du dich wohl dabei? Fühlst du dich dadurch entspannt? Denn letztendlich, warum willst du den Wein trinken?

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Ich habe schon mit vielen Leuten Weinverkostung gemacht und beim Riechen, wenn sie fragen, "riechst du das oder riechst du dies", dann nicken die Hälfte der Leute einfach und sagen ja, aber eigentlich riechen sie das nicht, weil sie sich nicht bloßstellen wollen.

Und deshalb finde ich es sehr gut, uns die Freiheit zu geben, zu sagen, was wir riechen und was wir fühlen.

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Ich erinnere mich, als ich in London war, haben wir eine Verkostung gemacht und jemand probierte den Chenin. Nach einem Schluck hielt sie ihre Hände hoch, so wie bei einer Art Gebet. Und ich dachte, "Leute, sie hat gerade einen Moment". Und dann sagte sie, " ich führe gerade ein Gespräch". Und das sind Momente, die einen innehalten lassen.

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[00:21:20] Ntsiki: Ja, das war wirklich wunderbar.

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In der Südafrikanischen Weinbranche, und korrigiere mich wenn ich falsch liege aber in der südafrikanischen Weinindustrie, wurde in der Vergangenheit viele der Arbeiter auf den Farmen mit Wein bezahlt.

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[00:21:40] André: Ein Teil ihres Lohns bestand aus Wein. Restwein der keine Top-Qualität hatte, sondern Restwein aus dem Weinherstellungsprozess. Aber das passiert heute nicht mehr, oder?

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[00:21:53] André: In diesem Fall war der Wein also zugänglich, aber du willst ihn nahbar machen, damit die Leute ihn genießen können.

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[00:22:02] André: Ntsiki, erzähl uns doch ein oder zwei deiner Lieblingsgeschichten oder Erlebnisse aus deiner Zeit als Winzern. Sei es mit anderen Winzern nem Mitarbeiter oder einem Gast. Etwas das uns zum Lächeln bringt.

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Sie probierte den Wein und sagte, "der ist gut". Aber ihr Gesichtsausdruck, du weißt schon, so wie wenn man etwas sehr Saures probiert hat. Ihr Gesichtsausdruck war so, als ob...

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[00:22:57] Ntsiki: Ja, genau so war es. Aber ich konnte sehen, dass sie Glücklich war, dass sie Stolz war.

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[00:23:11] Ntsiki: ...ist es zurückgeben, oder eher eine Investition in die Zukunft?

Bei der Pinotage Youth Development Academy bilden wir junge Menschen entlang der Wertschöpfungskette der Weinbranche aus. Und wir vermitteln ihnen dann Arbeitsplätze. Ich bin also ein Vorstandsmitglied, und wir nehmen im Grunde junge Menschen auf, die in der Region leben und sich die Branche anschauen und denken, "eigentlich gehöre ich hier nicht hin".

Aber wir sagen ihnen, "doch, das tust du. Du kannst einsteigen, du kannst daraus eine Karriere machen. Du kannst das". Und dann bilden wir sie aus. Wir konzentrieren uns aber hauptsächlich auf die persönliche Entwicklung. Das sieht so aus, dass man Mentoren hat, dass Coaches mit den Leuten sprechen. Denn die meisten unserer Probleme als Menschen sind eigentlich innerer Natur.

Wir können vieles tun, aber wir haben diese Zweifel aufgrund unserer Lebenserfahrung. Also versuchen wir mit ihnen damit umzugehen, und gleichzeitig vermitteln wir fachliche Kompetenzen.

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[00:24:18] Ntsiki: 18-25-Jährige.

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[00:24:33] Ntsiki: Sie besuchen eine Akademie, es ist eine Vollzeitakademie. Sie besuchen den Unterricht, schreiben Prüfungen, absolvieren Praktika, bei denen man praktische Erfahrungen sammelt.

Das Ganze dauert ein Jahr. Es werden Leute aus der Branche eingeladen, um im Grunde darüber zu sprechen, was in der Branche passiert, über die Herausforderungen des Lebens zu reden, einfach über alles Mögliche, um sie auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten und um sie eigentlich auf die Welt vorzubereiten.

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[00:25:06] Ntsiki: Seit 2012.

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[00:25:15] Ntsiki: Ja, unsere Marketing- und Servicemitarbeiterin ist eine von ihnen. Andere sind im Ausland. Also ja, sie sind in der ganzen Branche und im Gastgewerbe verteilt.

Was mir am besten gefällt, ist, dass sie mich, wenn sie anfangen, an mich selbst erinnern Man hat den Kopf gesenkt, man hat Angst vor der Welt.

Und dann geht man hinaus, man hält den Kopf hoch, weil man Möglichkeiten sieht.

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Ntsiki, ich beende meine Episoden gerne mit Fragen zu Favoriten.

Wer ist deine liebste südafrikanische Persönlichkeit, lebend oder verstorben?

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[00:25:55] André: Ich wusste, dass es sie sein würde. Sehr schön.

Und was ist deine Lieblingsrebsorte und warum?

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[00:26:10] André: Und bezieht sich das auf die Herstellung von Cabernet, oder aufs Trinken davon?

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[00:26:16] André: Beides, alles klar.

Das hat jetzt zwar nichts mit dem Cabernet zu tun, aber dein Chardonnay hat mir wirklich sehr gut gefallen.

Wir haben beide schon Leute getroffen, die sagen "A, B, C. Anything but Chardonnay". Sie rühren Chardonnay einfach nicht an. Dein Chardonnay ist aber so, ich sag wieder, sanft oder geschmeidig. Und diese Beschreibung habe ich schon für viele deiner Weine verwendet, aber dieser Chardonnay ist einfach sehr leicht zum Trinken, hat aber dennoch Tiefe und Körper, was mir sehr wichtig ist in einem Wein.

Und man spürt da einen Hauch von dem traditionellen Chardonnay. Aber wenn er eben zu holzig ist, dann schreckt das viele Leute ab. Der Chardonnay ist wirklich wunderbar.

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[00:26:57] André:  Und die letzte Frage: welche Worte würdest du jungen Frauen mit auf den Weg geben, die vielleicht in die Weinbranche einsteigen wollen? Ich nehme an, das könnte jede Branche sein, aber an junge Frauen, die so etwas machen wollen, wie du es gemacht hast.

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Sich nicht von der Romantik oder der Fantasie leiten zu lassen, sondern zu verstehen, Leute zu finden und Fragen zu stellen.

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[00:27:24] Ntsiki: Nicht nur, "wie fange ich an"? Nein, man muss versuchen herauszufinden, worum es in der Branche eigentlich geht. Denn was man sieht und worum es tatsächlich geht, das sind oft zwei verschiedene Dinge.

Deshalb ist es wichtig, genau zu verstehen, worum es geht und sich weiterzubilden.

Und zweitens finde ich es wichtig, dass man, sobald man dort angekommen ist, die Leute um Hilfe bittet. Man soll sie nicht fragen, Dinge für einen zu erledigen. Wenn jemand zu mir sagt, "ich habe 1, 2 und 3 gemacht, aber ich glaube, hier stecke ich fest", dann klingt das besser, als wenn jemand zu mir sagt, "also ich möchte 1, 2 und 3 machen, wie fange ich an"?

Da möchte ich einfach in die entgegengesetzte Richtung laufen.

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Sie haben nicht gezeigt, dass sie es versucht haben. Wenn sie dir zeigen, dass sie es zuerst selber versucht haben, dann weißt du dass sie sich in den Prozess investiert haben, und dann hilfst du ihnen gerne, den nächsten Schritt zu machen.

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[00:28:28] André: Danke Ntsiki, für deine Zeit, für deinen Wein und dafür, dass du deine Geschichte mit mir, mit uns geteilt hast.

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[00:28:40] André: Ich drücke dir die Daumen, dass wir sehr bald einen Standort für deinen eigenen Weinkeller finden.

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[00:28:47] André: Es war einfach wunderbar dich kennenzulernen, und ich bin so froh, dass du dir Zeit genommen hast, um mit mir zu sprechen.

Wir haben heute von den Herausforderungen gehört, die es mit sich bringt, als schwarze Frau in eine Branche einzusteigen die weitgehend von Männern und von weißen Personen dominiert wird. Ich habe viele Geschichten über Unterstützung, Verständnis und Hilfe gehört, wahrscheinlich mehr als ich vor diesem Interview erwartet hatte.

Ntsiki erzählte uns von ihrem Weg, von jemandem der noch nie ein Glas Wein getrunken hatte, bis hin zur Herstellung von ziemlich beeindruckendem Wein und davon, wie sie durch die Pinotage Youth Development Academy etwas zurückgibt oder weitergibt, um die zukünftigen Generationen von Winzern zu fördern.

Ich hoffe, auch ihr fandet diese Folge inspirierend, insbesondere wie Ntsiki traditionelle Barrieren durchbrochen hat.

Es war ursprünglich nicht ihr Traum, aber es wurde zu einem Traum, den sie erfüllt und erfüllt hat.  Lasst mich wissen, was Euch an dieser Folge gefallen hat, per E-Mail an Podcast at AfricaWithAndre dot com oder auf Instagram. Bis zum nächsten Mal.

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