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Fit für die Zukunft: Der neue Geschäftsführer über das Kloster Einsiedeln
Episode 7022nd May 2026 • Laut + Leis • kath.ch
00:00:00 00:33:38

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Shownotes

Seit einem halben Jahr leitet Bruno Hensler die wirtschaftlichen Geschicke des Klosters Einsiedeln. Zuvor war er Verwaltungsdirektor der Hochschule St. Gallen (HSG). Erklärtes Ziel ist es, das Kloster und das Dorf aus dem Bewältigungsmodus zu führen.

Weitere Themen:

  • In den 1980er-Jahren war er Stiftsschüler in Einsiedeln. Wie hat sich das Kloster seither verändert?
  • Das Kloster Einsiedeln hat die Stelle des Geschäftsführers neu definiert: Was ist der Kernauftrag von Bruno Hensler?
  • Vor seiner Anstellung an der HSG war er Rektor des Gymnasiums im Kloster Disentis: Welche Lehren nimmt er nach Einsiedeln mit?
  • In der Hierarchie ist er die Nummer zwei: Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit Abt Urban Federer?
  • Hensler hat sich einen Überblick über alle Bereiche des Klosters verschafft: Wo gibt es akuten Handlungsbedarf?
  • Die Benediktsregel besagt, dass ein Kloster selbsttragend sein soll. Erfüllt das Kloster Einsiedeln diese Anforderung?
  • Wegen der Missbrauchsfälle steht die römisch-katholische Kirche in der Kritik: Hat das Auswirkungen auf die Donationen?
  • Pro Jahr besuchen rund 800'000 Menschen Einsiedeln. Andere Orte würden sich darüber freuen. Weshalb ist das in Einsiedeln anders?
  • Henslers Fazit: «Es gibt Gäste, die möchten in Einsiedeln Geld ausgeben, finden aber keine für sie passenden Angebote.» Was ist zu tun?

Transcripts

Speaker:

Bruno Hensler [00:00:01]

Was machen wir for profit,

2

:

und was ist non-profit? Und wenn man Weltliche 

anstellt, dann muss das zumindest eine schwarze

3

:

Null geben. Und das ist, glaube ich auch bei 

Klöstern, aber auch in anderen Organisationen,

4

:

ist zum Teil dieser betriebswirtschaftliche 

Mechanismus nicht in allen Teilen gleich

5

:

gut etabliert. Daran müssen wir arbeiten. 

Es ist nicht garantiert, dass das Kloster

6

:

einfach Geld hat, sondern wie können wir in 

verschiedenen Betriebszweigen dazu beitragen,

7

:

dass wir einen positiven Wertbeitrag haben, um die 

klösterlich-monastischen Tätigkeiten zu tragen.

8

:

Sandra Leis [00:00:44]

Das sagt Bruno Hensler. Er ist promovierter

9

:

Betriebswirt und leitet seit knapp einem halben 

Jahr die wirtschaftlichen Geschicke des Klosters

10

:

Einsiedeln. Der ehemalige Stiftschüler war zuvor 

Verwaltungsdirektor der Hochschule St. Gallen. Im

11

:

Podcast «Laut + Leis» spricht er über seine neue 

Aufgabe und wie er das Kloster für die Zukunft

12

:

fit machen möchte. Und er sagt, was ihm die 

Benediktsregel bedeutet. Ich bin Sandra Leis und

13

:

besuche Bruno Hensler im Kloster Einsiedel. Bruno 

Hensler, herzlich willkommen zu unserem Gespräch.

14

:

Bruno Hensler [00:01:19]

Es freut mich, dass ich

15

:

hier dabei sein darf, dass Sie uns besuchen.

16

:

Sandra Leis [00:01:24]

Von der Hochschule St.

17

:

Gallen zurück nach Einsiedeln, wo Sie 

aufgewachsen sind. Warum dieser Wechsel?

18

:

Bruno Hensler [00:01:32]

Der Wechsel kommt natürlich

19

:

auch in der Logik der Karriere im Sinne des 

Berufsweges, wo ich hier die Gelegenheit habe,

20

:

noch einmal oder all das, was ich auf dem 

Berufsweg erfahren habe, auch einbringen

21

:

zu können in der generalistischen Tätigkeit 

als Geschäftsführer des Klosters Einsiedeln.

22

:

Sandra Leis [00:01:55]

Sie nehmen allerdings einen weiten Weg

23

:

auf sich. Sie leben mit ihrer Familie in Teufeln, 

das ist im Appenzell, und haben so zwei Stunden

24

:

mit dem Zug mindestens von Haus zu Haus. Ist das 

nicht auch eine enorme Anstrengung mit der Zeit?

25

:

Bruno Hensler [00:02:10]

Ich erlebe es als Privileg

26

:

diese Zeit, diese Zugzeit. Das ist ja nicht ein 

vollgepackter Zug, wir sind ja nicht in einer

27

:

S-Bahn, sondern es ist der Voralpen-Express, 

den ich allen empfehlen kann. Und da kann ich

28

:

sowohl Konzepte als auch Mails in Ruhe 

bearbeiten, sodass eben die notwendige

29

:

Konzentration auch vorhanden ist, die häufig bei 

Managementaufgaben eben zu wenig vorhanden ist.

30

:

Sandra Leis [00:02:38]

. Dezember:

31

:

Sie Geschäftsführer des Klosters 

Einsiedeln geworden. Das heisst,

32

:

Sie sind jetzt praktisch ein halbes Jahr 

hier. Was hat Sie am meisten überrascht?

33

:

Bruno Hensler [00:02:51]

Es ist noch schwierig zu sagen, was hat

34

:

mich am meisten überrascht, weil ich natürlich 

die Nähe zu einer Benediktinergemeinschaft

35

:

auch beispielsweise in Disentis in meiner 

Vorvortätigkeit erlebt habe, damals als

36

:

Rektor des Gymnasiumsinternats im Kloster Disentis 

und auch dort auf dem Weg dieser Gemeinschaft,

37

:

sich in die Zukunft zu begeben beziehungsweise 

mit der Zukunft sich auseinanderzusetzen. In

38

:

diesem Sinne ist es weniger eine Überraschung 

als eine Bestätigung, dass natürlich die

39

:

Klostergemeinschaft sich eben nicht, wie man 

vermuten möchte, um die Vergangenheit kümmert,

40

:

sondern eben auch um die Zukunft, ganz im 

Sinne des benediktinischen Erbes und Auftrags.

41

:

Sandra Leis [00:03:32]

Sie selber waren hier schon Stiftschüler in

42

:

den 1980er-Jahren. Wenn Sie zurückblicken und nach 

heute schauen, was hat sich wesentlich verändert?

43

:

Bruno Hensler [00:03:44]

Wesentlich verändert hat sich

44

:

beispielsweise natürlich bei der Stiftschule 

die Größe, die ist heute deutlich größer als

45

:

früher. Was sich auch verändert hat, ist 

der Stellenwert des Internats. Das hat sich

46

:

sicher verändert. Was sich nicht verändert 

hat, ist die humanistische Ausrichtung,

47

:

also die Vielschichtigkeit der Ausbildung 

und dementsprechend auch die Ambition,

48

:

die dahinter steckt, dass man hier eine gute 

Schule anbieten will. Und auch anbietet und

49

:

dementsprechend auch die Jugendlichen vorbereitet 

auf die Herausforderungen des künftigen Lebens.

50

:

Sandra Leis [00:04:22]

Es ist schon erstaunlich,

51

:

ich habe gelesen, Stand Sommer 2025, 

dass hier 430 Schülerinnen und Schüler

52

:

sind. Das ist eigentlich sehr 

viel für eine Klosterschule.

53

:

Bruno Hensler [00:04:33]

Ja, das hängt natürlich auch zusammen mit der

54

:

Bevölkerungsdynamik des Kantons Schwyz, weil wir 

haben natürlich in den letzten Jahren, Jahrzehnten

55

:

substanziellen Bevölkerungszuspruch erhalten. 

Dann hat es auch damit zu tun, dass wir gerade

56

:

im sogenannten äusseren Kantonsteil viele Zuzüge 

haben, auch von Expats oder Leuten, die in Zürich

57

:

arbeiten, internationale Leute, die sich gewohnt 

sind, dass ihre Kinder auch eine ambitionierte

58

:

Privatschule besuchen, und das führt natürlich 

dann zu einem gewissen Nachfrageaufkommen.

59

:

Sandra Leis [00:05:10]

Das Kloster Einsiedeln

60

:

hat die Stelle des Geschäftsführers neu definiert

61

:

oder weiterentwickelt. Können Sie auf den 

Punkt bringen, was Ihr Kernauftrag ist?

62

:

Bruno Hensler [00:05:21]

Kernauftrag ist hier die erarbeitete

63

:

Strategie bzw. das Ziel, was das Kloster hat, 

nämlich Menschen empfangen, begegnen, begleiten,

64

:

dass wir das in Initiativen übersetzen, die eben 

zukunftsfähig sind und auch auf das Daseinsziel

65

:

auch einzahlen. Beispielsweise, wenn ich Menschen 

empfangen möchte, dann muss ich auch Gelegenheiten

66

:

bieten, die empfangen zu können. Im Sinne von 

Gästebereichen, im Sinne auch natürlich Kirche,

67

:

die haben wir, aber vielleicht braucht 

es noch andere Empfangsräume, es braucht

68

:

vielleicht auch Themen, wie verpflegen 

sich diese Personen, so Dinge sind Thema.

69

:

Sandra Leis [00:06:06]

Ein wichtiger Punkt ist ja

70

:

auch die Zusammenarbeit mit Abt Urban Federer. 

Er ist der Kopf des Klosters, und Sie sind im

71

:

Prinzip die Nummer zwei. Wie funktioniert 

die Zusammenarbeit? Wie erleben Sie die?

72

:

Bruno Hensler [00:06:22]

Es ist sicher eine sehr offene,

73

:

transparente Zusammenarbeit. Das muss 

auch so sein, sonst gelingt das nicht.

74

:

Das ist vertrauensvolle Zusammenarbeit, 

natürlich auch von der Herkunft her auch

75

:

meinerseits. Man weiß dann, welche Dinge 

gehören jetzt nicht in die Öffentlichkeit

76

:

oder auch nicht in den großen Kreis. Es geht mehr 

ums Verständnisschaffen. Und diese Zusammenarbeit,

77

:

die erlebe ich als sehr positiv, sehr 

vertrauensvoll. Wie ich sie übrigens

78

:

auch natürlich, ich komme nochmal zurück, 

auch in Disentis mit Abt Vigeli erlebt habe.

79

:

Sandra Leis [00:06:55]

Sie kennen dieses Doppelspiel in dem Sinne schon.

80

:

Abt Urban und Sie, Sie sind praktisch gleich 

alt. Er ist Jahrgang:

81

:

1969. Da gibt es sicher viele Gemeinsamkeiten 

zwischen Ihnen. Und gleichwohl wissen Sie, wissen

82

:

alle, um ein Unternehmen erfolgreich führen zu 

können, braucht es auch Reibung. Wo entsteht die?

83

:

Bruno Hensler [00:07:23]

Die Reibung entsteht natürlich dort,

84

:

wo man verschiedene Ansichten hat, wie man 

entwickeln könnte. Und da geht es eben auch darum,

85

:

dass man diese Ansichten äussert, Bedenken 

aufnimmt oder auch Chancen, die man vielleicht

86

:

noch gar nicht gesehen hat und dass man die 

eben konstruktiv aufnimmt und nicht persönlich.

87

:

Und hier muss ich sagen, haben wir bis anhin noch 

wenig Reibungsfläche gehabt, weil der Abt war ja

88

:

auch im Rekrutierungsprozess. Und er hat per se 

nicht die Reibungsfläche gesucht, sondern er hat

89

:

jemanden gesucht, der ihm eben auch hilft, diese 

Themen, die er für das Kloster oder für auch seine

90

:

neue Amtszeit gesehen hat, hilft ihm umzusetzen 

diesbezüglich. Sicher ist es so, dass man nicht

91

:

in allen Punkten auch in Zukunft Einigkeit 

haben wird. Letztlich ist er der Leiter der

92

:

Klostergemeinschaft. Und die Klostergemeinschaft 

ist der Auftraggeber für meine Tätigkeit.

93

:

Sandra Leis [00:08:28]

Also er entscheidet am Schluss,

94

:

wenn es drauf ankommt, das ist klar, so ist 

die Hierarchie. Gleichwohl würde es mich

95

:

wunder nehmen, wie werden denn die Mönche, 

die Brüder, miteinbezogen? Denn in der

96

:

Benediktsregel heisst ja auch, man solle 

auf die Mitglieder der Gemeinschaft hören.

97

:

Bruno Hensler [00:08:44]

Genau. Ich glaube,

98

:

das ist ein ganz wichtiger Punkt. Das ergibt sich 

aber aus der, in Neudeutsch würde man sagen, die

99

:

Governance der Benediktsregel. Darin ist natürlich 

klar, dass der Abt, er ist Primus inter pares,

100

:

er wird gewählt aus der Klostergemeinschaft. 

Es gibt dann schon noch andere Möglichkeiten,

101

:

aber grundlegend ist es so. Und er hat den Rat 

der Klostergemeinschaft einzuholen. Und dazu gibt

102

:

es verschiedene Gremien, es gibt die sogenannten 

Oberen, ein Dreiergremium aus Dekan und Prior und

103

:

Abt. Dann gibt es das Konzilium, der beratende 

Stab, also Konzilium als Rat für den Abt. Und

104

:

dann gibt es natürlich auch den Konvent, also 

die Zusammenkunft aller Mönche, die hier eben

105

:

auch für gewisse Punkte angehört werden müssen 

und entscheiden müssen. Der Abt könnte vieles

106

:

einfach bestimmen, aber er tut gut daran, 

wenn er das eben nicht einfach alleine macht.

107

:

Sandra Leis [00:09:44]

Im vergangenen halben

108

:

Jahr haben Sie sich jetzt bestimmt 

einen Überblick über alle Bereiche

109

:

des Klosters Einsiedeln machen können. 

Wo sehen Sie akuten Handlungsbedarf?

110

:

Bruno Hensler [00:09:58]

Akuten Handlungsbedarf, also muss ich zuerst

111

:

sagen, im Moment läuft ja alles, oder. Aber es 

zeichnen sich natürlich am Horizont Bedürfnisse ab

112

:

entlang der Umsetzung der Strategie. Wenn ich 

Gäste empfangen will, dann reichen wahrscheinlich

113

:

13 Zimmer nicht. Und wenn ich auf verschiedene 

Bereiche im Kloster anschaue, baulicher Natur,

114

:

dann sind gewisse Bereiche, die seit 50 bis 

gar 100 Jahren nie mehr berührt wurden. Stehen

115

:

natürlich Renovationen, Restaurierungsarbeiten, 

dann nicht einfach der Konservierung, sondern

116

:

Überführung im Sinne, was sind die sichtbaren und 

künftig notwendigen Bedürfnisse, die abgedeckt

117

:

werden müssen, und wie können wir das in diesem 

Bau, den wir hier haben. Wir kommen auch zum

118

:

Schluss, dass wir eigentlich. . . Zwischenstand, 

wir haben ganz viel Umbautenraum, aber vielleicht

119

:

nicht mehr so sinnvoll genutzt, wie er für 

die Zukunft tauglich gemacht werden müsste.

120

:

Sandra Leis [00:10:59]

Und ich nehme an,

121

:

Sie müssen auch mit dem Denkmalschutz 

kooperieren. Sie können ja nicht umbauen

122

:

und renovieren, wie Sie gerade lustig sind.

123

:

Bruno Hensler [00:11:08]

Genau, also das ist eine Herausforderung,

124

:

die man natürlich an einem solchen Ort hat. 

Gleichzeitig ist das auch nicht neu. Ich meine,

125

:

das haben wir in Disentis gehabt. 

Das hat aber auch die Universität St.

126

:

Gallen, der Tête von Förderer, also dieser 

Betonbau, der ist denkmalgeschützt. Da kann ich

127

:

nicht einfach machen, was ich will. Und da gibt 

es andere Bauten auch, und das führt dann aber

128

:

in der Regel, nicht immer, aber in die Regel führt 

diese Reibungsfläche, die Sie vorher angesprochen

129

:

haben. Führt dann zu besseren Lösungen, häufig, 

als wenn man einfach machen kann, wie man will.

130

:

Sandra Leis [00:11:43]

Man muss auch mehr nachdenken.

131

:

Bruno Hensler [00:11:45]

Man muss mehr nachdecken, man muss sich klar

132

:

werden, was ist Ziel und Zweck vom Ganzen, was 

ist tatsächlich das Bedürfnis, so dass man eben da

133

:

nicht plötzlich etwas baut oder umbaut, das dann 

in der längeren Zeit gar nicht zweckdienlich ist.

134

:

Sandra Leis [00:12:02]

Und wo sehen Sie

135

:

allenfalls auch Verbesserungspotenzial im 

Zusammenspiel mit dem Dorf Einsiedeln? Das

136

:

spielt ja auch eine wichtige Rolle, dieses 

Zusammenspiel zwischen Kloster und Dorf.

137

:

Bruno Hensler [00:12:12]

Ja, das ist natürlich ein ganz wichtiges

138

:

Zusammenspiel. Letztlich ist es natürlich 

so, und das hört man im Dorf nicht so gerne,

139

:

aber historisch ist es einfach nicht anders 

zu begründen, das Dorf gibt es, weil es

140

:

das Kloster gibt. Also zuerst war der Heilige 

Meinrad und nicht irgendeine Dorfgemeinschaft.

141

:

Aus der Zelle des Heiligen Meinrad wurde ja 

dann eben diese Klostergemeinschaft. Und da

142

:

fühlt man sich schon ein bisschen 

zurückgedrängt. Und es geht darum,

143

:

dass man hier nicht eine Hierarchie schafft, 

sondern ein Gemeinsames. Man kann voneinander

144

:

natürlich profitieren. Gemeinsam kann 

man einiges erwirken. Bleiben wir bei

145

:

der ganzen Wertschöpfung. Die zahlreichen Gäste, 

die nach Einsiedeln kommen, sei es Tagestouristen,

146

:

sei Mehrtages-Touristen, sei es Events, 

die bringen natürlich Wertschöpfung nach

147

:

Einsiedeln und dementsprechend auch 

Arbeitsplätze und Steuersubstrat.

148

:

Sandra Leis [00:13:10]

Sie haben vorhin von Gästezimmern

149

:

gesprochen, dass 13 nicht reichen. Wenn Sie 

hier eine Willkommenskultur etablieren möchten,

150

:

konkurrenzieren Sie denn da nicht 

auch die Hotels in Einsiedeln?

151

:

Bruno Hensler [00:13:23]

Wenn man die Hotels anschaut, dann zeigt sich,

152

:

dass das, in den letzten Jahrzehnten wurden das 

zunehmend weniger. Und von dem her müsste man

153

:

sagen, wenn wir hier etwas machen, dann setzen 

wir auf ein totes Pferd. Das sehen wir aber ein

154

:

bisschen anders, aber es ist tatsächlich so, 

wenn wir etwas hier machen, dann schaffen wir

155

:

Arbeitsplätze, die verloren gegangen sind über die 

letzten Jahrzehnte entlang der Betriebe im Dorf.

156

:

Sandra Leis [00:13:56]

Also keine Konkurrenz,

157

:

sondern eine Ergänzung in dem Sinne.

158

:

Bruno Hensler [00:13:58]

Absolut eine Ergänzung, und in welcher Menge und

159

:

Summe wir das machen müssen, das muss noch geklärt 

werden, letztlich entlang der Marktnachfrage.

160

:

Sandra Leis [00:14:13]

Die Benediktsregel besagt ja,

161

:

dass ein Kloster keinen Gewinn abwerfen 

muss, aber das Kloster soll unabhängig

162

:

sein, also selbsttragend. Erfüllt das 

Kloster Einsiedeln diese Anforderung?

163

:

Bruno Hensler [00:14:27]

Das Kloster Einsiedeln arbeitet an der Erfüllung

164

:

dieser Anforderungen, muss ich so sagen, weil 

im Moment erfüllen wir die nicht vollumfänglich,

165

:

muss man klar sagen. Man muss vielleicht aber 

auch zuerst noch kurz schauen, was heißt denn

166

:

das? Selbsttragend, oder. Viele Klöster, die 

sind selbsttragend in der Geschäftsmodelllogik,

167

:

dass es eben Donationen braucht, um den 

Auftrag eines Klosters umsetzen zu können

168

:

über weiteste Strecken. Das ist ein traditionelles 

Geschäftsmodell, das sowohl eigenwirtschaftlich,

169

:

also subsistenzwirtschaftlich, in dem man für 

seinen eigenen Lebensunterhalt aufkommt, aber auf

170

:

Donationen beispielsweise angewiesen ist, um eben 

auch Pilger, Ratsuchende auch bedienen zu können,

171

:

für die da sein zu können. Also da braucht es dann 

eben Donationen, oder es braucht Betriebszweige,

172

:

die eben positiven Wertbeitrag geben, also im 

Sinne eines Gewinns, den man dann umlagern kann.

173

:

Sandra Leis [00:15:28]

Sie haben von Donationen gesprochen,

174

:

also Schenkungen, die das Kloster braucht. 

Modern spricht man von Fundraising. Das ist

175

:

ein ganz wichtiger Zweig auch, der das Kloster 

Einsiedeln betreiben muss. Spüren Sie jetzt im

176

:

Zuge auch der ganzen Missbrauchsvorkommnisse, 

eine gewisse Zurückhaltung beim Fundraising?

177

:

Oder anders gesagt, ist es schwieriger 

geworden, Gelder zu akquirieren?

178

:

Bruno Hensler [00:15:54]

Da fehlt mir jetzt die Erfahrung

179

:

für das Kloster Einsiedeln. Ich sehe es einfach 

aus anderen Perspektiven. Diese Missbräuche,

180

:

die hat es gegeben, und da muss man dazu stehen. 

Gleichzeitig ist es so auch bei grösseren

181

:

Unternehmen, das haben wir auch an der Universität 

St. Gallen gesehen, da gab es auch zwei,

182

:

drei Missbrauchsfälle, jetzt weniger sexuelle 

Missbräuche als halt finanzielle Missbräuche.

183

:

Das hat beim Fundraising auch gewisse Spuren 

hinterlassen. Letztlich aber auch sind viele,

184

:

die dann trotzdem Geld gespendet haben, der festen 

Überzeugung, ja, solche Ausrutscher gibt es,

185

:

aber wir können nicht die ganze Organisation 

dafür bestrafen, sondern wir müssen schauen,

186

:

dass wir die Strukturen schaffen und natürlich 

auch die Prozesse, dass das nicht passiert.

187

:

Aber der Grundauftrag, den eben ein Kloster 

erfüllt, auch im Rahmen der Seelsorge,

188

:

der soll nicht gefährdet werden bzw. den 

möchte man trotzdem unterstützen. Von dem

189

:

her bin ich eigentlich positiv eingestellt, 

dass uns trotz der Missbräuche und auch in

190

:

der Bewältigung dieser Thematik, dass man da 

weiterarbeiten kann und Donationen findet.

191

:

Sandra Leis [00:17:06]

Kürzlich hat der «Einsiedler Anzeiger»

192

:

Sie porträtiert, und darin sagen Sie, ich zitiere 

Sie: «Ich möchte mithelfen, Einsiedeln und das

193

:

Kloster aus dem jahrelangen Bewältigungsmodus 

zu führen und eine echte Willkommenskultur

194

:

wiederzubeleben.» Was meinen Sie mit dem 

jahrelangen Bewältigungsmodus? Ganz konkret.

195

:

Bruno Hensler [00:17:29]

Konkret geht es darum, Einsiedeln hat ja seit

196

:

Jahrhunderten einen großen Zuspruch an Personen, 

die nach Einsiedeln kommen. Momentan spricht man

197

:

von 800’000 im Jahr. Und die müssen irgendwie 

nach Einsiedeln kommen, sei es vom Transport her,

198

:

Verkehrswege. Sie müssen verpflegt werden und 

so weiter. Und dieses Müssen ist eigentlich

199

:

als Müssen aufgefasst worden, nicht mehr als 

Privileg. Viele touristische Orte – ich habe

200

:

ja da auch im Tourismus einige Berührungspunkte 

– die würden sich wünschen, sie hätten 800’000.

201

:

Und wir, die wir das haben, denken, ja, so ein 

bisschen weniger wären auch gut. Und die stören

202

:

ja nur, die verstopfen uns unsere Verkehrswege, 

was tatsächlich in Teilen auch der Fall ist.

203

:

Nur ist das vielleicht nicht das Problem 

derjenigen, die nach Einsiedeln kommen,

204

:

sondern derjenigen, die das organisieren 

müssen, wie man nach Einsiedeln kommt. Eine

205

:

Herausforderung, die eben im Moment eher 

die Bewältigung dient, als dass man sagt,

206

:

ich schaffe ein gutes Erlebnis, um nach 

Einsiedeln zu kommen, und ich glaube,

207

:

es geht um das, dass man hier von der Bewältigung 

in dieses Öffnen, in dieses Erfreuliche reinkommt.

208

:

Sandra Leis [00:18:45]

Und wo sehen Sie da die Lösung,

209

:

wenn Sie sagen, für viele sind 

800’000 zu viel, also Overtourism,

210

:

wie wollen Sie dem begegnen, 

jetzt rein vom Verkehr her?

211

:

Bruno Hensler [00:18:57]

Ja, das ist etwas, was wir natürlich

212

:

nicht alleine machen können, oder. Das geht dann 

auch in die Richtpläne rein, dass wir da in diesen

213

:

Diskussionen eben auch dabei sind, dass wir auch 

dabei sind, wenn es um Sicherheitsdispositive geht

214

:

und dass wir versuchen, unseren Beitrag 

hier zu leisten, im Konkreten, weil wir

215

:

eben auch das als Teil unserer Verantwortung 

sehen, aber nicht nur unserer Verantwortung.

216

:

Da braucht es eben, wie gesagt, den Dialog 

und die Gegenseitigkeit und das Vertrauen.

217

:

Sandra Leis [00:19:27]

Sie sprechen von echter Willkommenskultur,

218

:

das klingt gut. Wie wollen Sie die konkret 

umsetzen? Also haben Sie zwei, drei Massnahmen,

219

:

bei denen Sie denken, die möchte ich als 

Geschäftsführer hier in die Realität umsetzen?

220

:

Bruno Hensler [00:19:42]

Nehmen wir zwei Punkte. Das eine ist,

221

:

wenn jemand nach Einsiedeln kommt, dann soll 

er willkommen sein. Wenn jemand nach Einsiedeln

222

:

kommen soll er dann auch, er oder sie, dann eben 

auch die Erwartungen, die sie mit diesem Besuch

223

:

verbindet, auch erfüllt erhalten. Beispielsweise 

wenn jemand heute kommt, und das ist anders als

224

:

vor 20, 30 Jahren, dann braucht oder möchte diese 

Person auch eine Verpflegung, Angebote erhalten

225

:

oder zumindest in Anspruch nehmen können. Auch 

eine Ad-hoc-Verpflegung, da sind wir, sagen wir es

226

:

mal so, weniger gut ausgerüstet als andere Orte. 

Da braucht es etwas. Ein anderer Punkt ist,

227

:

wie komme ich überhaupt nach Einsiedeln? Das eine 

ist das Fahrzeug, der öffentliche Verkehr, das

228

:

andere ist das Privatfahrzeug. Dann gibt es aber 

noch ganz viele Touristen, die zu Fuß kommen. Und

229

:

heute haben die, wenn man dann nahe in Einsiedeln 

ist, dann wandert man oder ist mit dem Fahrrad

230

:

nicht auf einem Fahrweg direkt auf der Strasse, 

man wandert entlang der Strasse, knapp separiert

231

:

und einem schönen, oder eben nicht schönen 

Maschendrahtzaun entlang. Solche Aufwertung,

232

:

dass man findet, da komme ich jetzt an, und 

ich bin nicht einfach auf einem Hintereingang,

233

:

wo ich ins Kloster oder nach Einsiedeln 

kommen, sondern Wertigkeit wird hier gelebt.

234

:

Sandra Leis [00:20:59]

Und die Tradition der

235

:

Pilger wird geschätzt und gewünscht.

236

:

Bruno Hensler [00:21:02]

Wird geschätzt und gewünscht. Das wiederum ist

237

:

natürlich auch die Thematik, das hatten wir auch 

in Analysen. Ich war bei einer Analyse dabei vor

238

:

15 Jahren rund um die Entwicklung von Einsiedeln 

Tourismus zusammen mit Bezirk und Kloster. Eine

239

:

Erkenntnis war, dass etliche nach Einsiedeln 

kommen, die würden gerne Geld ausgeben, können

240

:

es aber nicht, weil die Angebote gar nicht da 

sind, für die sie auch bezahlen möchten. Weil die

241

:

Qualität fehlt oder die Menge fehlt. Ich glaube, 

das ist ein Thema, wo man genau hinschauen muss.

242

:

Sandra Leis [00:21:33]

An was denken Sie da

243

:

zum Beispiel? An Souvenirs, 

werthaltige beispielsweise?

244

:

Bruno Hensler [00:21:38]

Das ist eine Möglichkeit.

245

:

Aber bleiben wir ganz simpel.

246

:

Sandra Leis [00:21:43]

Beim Essen.

247

:

Bruno Hensler [00:21:44]

Beim Essen, ja. Wir haben Wallfahrer,

248

:

Wallfahrerinnen aus aller Herren Länder. Ob die 

tatsächlich Bratwurst mit Pommes frites als erste

249

:

Stelle nehmen, da habe ich meine Fragezeichen. 

Also ich muss auf den Kunden einigen, wenn der

250

:

das nicht nimmt, meine Bratwurst und Pommes frites 

und eben selber Picknick mitbringt, dann ist das

251

:

ein Grund, weil wir ein Angebot haben, das nicht 

passt. Ich sage nicht, dass es nur Bratwurst und

252

:

Pommes frites gibt, aber um das ein bisschen 

auf den Punkt zu bringen, wir müssen auf das

253

:

Gegenüber eingehen, weil sonst organisiert sich 

das schon selber, was auch ihr gutes Recht ist.

254

:

Sandra Leis [00:22:22]

Finde ich interessant,

255

:

dass Sie sagen, es gibt Pilger, Pilgerinnen,

256

:

die würden gerne mehr Geld ausgeben, können 

es aber nicht, weil die Angebote fehlen.

257

:

Bruno Hensler [00:22:30]

Ja.

258

:

Sandra Leis [00:22:31]

Der Klosterbetrieb selber,

259

:

da leben heute, Stand heute, 39 Mönche. 

Und die haben ja auch sehr viele Aufgaben

260

:

im seelsorgerlichen Bereich, aber auch sonst im 

ganzen Kloster. Durchschnittshalter ist um die 60,

261

:

das ist verhältnismässig tief im 

Vergleich, also das ist positiv.

262

:

Gleichwohl: Bereitet Ihnen die Sorge um 

den Nachwuchs manchmal auch Kopfzerbrechen?

263

:

Bruno Hensler [00:22:57]

Ich glaube, mir bereitet

264

:

das weniger Kopfzerbrechen als dem Abt.

265

:

Sandra Leis [00:23:02]

Trotzdem, das Kloster lebt auch von den Mönchen.

266

:

Bruno Hensler [00:23:03]

Genau, und jetzt ganz wichtig,

267

:

vielleicht eben auch darum die Stelle 

des Geschäftsführers. Wenn das Kloster,

268

:

die Klostergemeinschaft erdrückt wird von 

den wirtschaftlichen Herausforderungen,

269

:

dann ist das schlecht für das Pastorale 

im Sinne des Nachwuchses. Es kommt nicht

270

:

jemand ins Kloster, damit er die gleiche Arbeit 

machen kann, wie wenn er eben weltlich unterwegs

271

:

wäre und dazwischen einfach beten darf. Das 

ist zu wenig. Sie müssen mit der Tätigkeit,

272

:

die wir als Weltliche hier auch machen dürfen, 

mithelfen, dass wir die Klostergemeinschaft von

273

:

ihrem rein wirtschaftlichen infrastrukturellen 

Druck entlasten können und daraus dann eben auch

274

:

ein monastisch lebenswertes Leben unterstützen. 

Das wiederum führt dann natürlich dazu,

275

:

dass junge Leute oder auch Leute, die für sich 

noch einen zweiten Lebensweg sehen, ohne dass

276

:

man auf die Weltflucht geht, das glaube ich ganz 

wichtig, dass die einen Platz hier finden können.

277

:

Sandra Leis [00:24:10]

Das kostet allerdings viel Geld, wenn Sie

278

:

eben externe oder sogenannte weltliche Menschen 

anstellen wollen. Ich habe auch mit Abt Peter, dem

279

:

früheren Abt von Mariastein sprechen können, und 

der hat schon auch klar gesagt, das sei natürlich

280

:

ein Riesenproblem. Die Kosten dann, man möchte die 

Mönche entlasten, dass sie eben nicht all diese

281

:

Aufgaben übernehmen müssen, und gleichzeitig fehlt 

das Geld. Das ist in Einsiedeln offenbar anders.

282

:

Bruno Hensler [00:24:38]

Nein, das ist natürlich

283

:

genau gleich die Herausforderung, 

und da geht es auch darum zu stärken,

284

:

auch in den nächsten Jahren, was machen 

wir for profit, und was ist non-profit?

285

:

Und wenn man Weltliche anstellt, dann muss 

das zumindest eine schwarze Null geben.

286

:

Sandra Leis [00:24:56]

Ja klar.

287

:

Bruno Hensler [00:24:57]

Oder? Also das ist ganz klar,

288

:

und das ist, glaube ich, auch bei Klöstern, 

aber auch in anderen Organisationen, ist zum

289

:

Teil dieser betriebswirtschaftliche Mechanismus 

nicht in allen Teilen gleich gut etabliert. Daran

290

:

müssen wir arbeiten. Es ist nicht garantiert, 

dass das Kloster einfach Geld hat, sondern wie

291

:

können wir in verschiedenen Betriebszweigen 

eben auch dazu beitragen, dass wir einen

292

:

positiven Wertbeitrag haben, um eben auch die 

klösterlich-monastischen Tätigkeiten zu tragen.

293

:

Sandra Leis [00:25:29]

Und für das sind Sie

294

:

eigentlich auch angestellt hier, damit Sie 

diese Prozesse anreissen und auch umsetzen.

295

:

Bruno Hensler [00:25:35]

Ja, und auch das Bewusstsein schaffen,

296

:

und das bedeutet natürlich auch, dass 

die Mitarbeitenden wissen müssen, was

297

:

ist das Ziel des Klosters und wie möchte man dort 

hinkommen oder was möchte man unterstützt wissen.

298

:

Sandra Leis [00:25:50]

Bruno Hensler, wenn man sich Ihren Lebenslauf

299

:

anschaut, dann ist er doch ziemlich beeindruckend: 

Ursprünglich haben Sie eine Ausbildung zum

300

:

Primarlehrer gemacht, dann Landwirt, dann mit 33 

ein Studium an der Hochschule St. Gallen begonnen

301

:

und mit dem Doktorat abgeschlossen. Und Sie haben 

es vorhin schon erwähnt, dann wurden Sie Rektor

302

:

am Gymnasium im Kloster Disentis. Und da habe 

ich etwas Interessantes gelesen, dass es Ihnen

303

:

da gelungen sei, auch Schülerinnen und Schüler aus 

China und Namibia zu rekrutieren. Also das heisst,

304

:

Sie sind ein offener Geist und wollen das alles 

weiterführen und eben in neue Bahnen leiten.

305

:

Gibt es etwas, was Sie in Disentis gelernt haben, 

das Sie jetzt auch hier in Einsiedeln umsetzen?

306

:

Bruno Hensler [00:26:40]

Es gibt natürlich Verschiedenes,

307

:

was ich in Disentis gelernt habe oder dort 

anwenden konnte oder einbringen konnte,

308

:

vielleicht auch hier einbringen kann. Es geht 

dann aber auch vor allem auch ums Kulturelle

309

:

bei den Mitarbeitern. Diese Offenheit und 

Neugier, die ja ur-benediktinisch ist.

310

:

Im Sinne: Der Benediktiner ist 

ja immer suchend, kommt nicht an.

311

:

Sandra Leis [00:27:06]

Er ist auf dem Weg.

312

:

Bruno Hensler [00:27:08]

Auf dem Weg. Er ist auf den Weg, oder.

313

:

Und dieses Auf-dem-Weg-Sein und eben nächste 

Herausforderungen sehen, annehmen. Ich glaube,

314

:

das ist etwas, was ich hier schon auch einbringen 

möchte und ich auch als sehr zentral anschaue.

315

:

Oder wie es beim 1400-Jahr-Jubiläum von Abt Vigeli 

formuliert wurde, in Disentis, dieses Stabilitas

316

:

in progressu, zu übersetzen: Beständigkeit 

im Voranschreiten oder eben Stabilität und

317

:

Fortschritt. Ich glaube, dieses Spannungsfeld 

und bewusst auch diese Doppeldeutigkeit,

318

:

die aber trotzdem auf ein Weiterentwickeln 

und nicht einfach die Asche anbeten,

319

:

sondern Feuer entfachen angeht. Und wiederum 

auch die Ambition, die dahinter steckt,

320

:

auch wiederum benediktinisch, dass Er 

in allem geehrt werde, also er als Gott,

321

:

oder. Diese Ambition, dass man sagt, ja, das ist 

zwar gut, aber vielleicht noch nicht perfekt,

322

:

lass uns ans Perfekte gehen. Und bei gewissen 

Dingen auch sagen, ja das reicht jetzt schon,

323

:

also dieses Vor- und Nachgeben, ich glaube das ist 

etwas, was man hier auch weiter etablieren kann.

324

:

Sandra Leis [00:28:23]

Da sind Sie ja dran. Die Benediktsregel ist etwas,

325

:

was Sie von klein auf gelernt haben, nehme ich 

an. Sie sind hier in Einsiedeln geboren, sind

326

:

hier auch zur Schule gegangen. Das ist ja auch 

ein Benediktinerkloster. Also die Benediktiner

327

:

begleiten Sie ein Leben lang. Was bedeutet Ihnen 

die Benediktsregel ganz persönlich für Ihr Leben?

328

:

Bruno Hensler [00:28:45]

Ich muss da kurz berichtigen, in Einsiedeln,

329

:

wenn man da aufwächst, dann kommt man eigentlich 

mit der Benediktsregel relativ wenig in Kontakt.

330

:

Sandra Leis [00:28:55]

Aber in der Klosterschule schon, oder?

331

:

Bruno Hensler [00:28:57]

In der Klosterschule kommt man dann in

332

:

Kontakt mit dem Leben von Benedikt. Wo ich auch in 

der Reflexion natürlich ein bisschen draufkomme,

333

:

kommt von einer ganz anderen Ecke. Und das ist 

nämlich von der Tätigkeit in der Jugendarbeit

334

:

bei den Pfadfindern. Und da gibt es ja 

auch die Losungsworte, das Allzeit bereit,

335

:

oder für die ältere Generation, im Sinne von, 

bei der Pfadi in der Schweiz ist es immer so,

336

:

Jugendliche führen Jugendliche, kommt 

dann auch der Losungsspruch kämpfen und

337

:

dienen. Also diese Zweideutigkeit, die 

man da hat, ich glaube, das ist das,

338

:

was eine gewisse Prägung hat. Und 

diese eben auch Zweideutigkeit,

339

:

also nicht doppeldeutig im Sinne von gut, 

schlecht, sondern es ist ein Spannungsbogen,

340

:

ein Rahmen, der aufgeschlagen wird. Dieser Rahmen 

oder diese Rahmen sind das, was mich prägt.

341

:

Sandra Leis [00:29:55]

Doch nochmal die Benediktsregel, es sind ja 73

342

:

Kapitel. Haben Sie da ein Lieblingskapitel, etwas, 

das Ihnen auch ein Stück weit ein Kompass ist?

343

:

Bruno Hensler [00:30:05]

Es sind eigentlich zwei Dinge,

344

:

dass Er in allem gehrt wird, diese 

Ambition, das ist, glaube ich, etwas,

345

:

was mich schon ein bisschen prägt. Und das 

Zweite ist das Bewusstsein, dass eben nicht

346

:

alle gleich sind, dieses der Eigenart vieler 

dienen. Das kommt natürlich dann auch wieder,

347

:

zurück nochmal zu vorhin, auch zu den 

Pfadfindern. Die Pfadfinder sind nicht eine,

348

:

zumindest so wie ich es erlebt habe, nicht 

einfach eine elitäre Gruppe, wo man die Besten

349

:

einfach zusammennimmt, sondern man macht das als 

Gemeinschaft mit mehr oder weniger Befähigten,

350

:

beziehungsweise man versucht dann die Talente 

der Verschiedenen zusammenzubringen. Wir sind

351

:

keine Fußballmannschaft im Sinne der Auswahl oder 

Kader. Und da ist ja der Eigenart vieler dienen

352

:

als Grundsatz dieser Multiperspektivität. Das ist 

natürlich schon etwas, was mich im Leben prägt.

353

:

Sandra Leis [00:31:00]

Angenommen, Sie bleiben bis zu Ihrer

354

:

Pensionierung, also in ungefähr neun Jahren, 

hier Geschäftsführer im Kloster Einsiedeln.

355

:

Wo steht das Kloster, oder wo soll es stehen,

356

:

wenn es nach Ihren Wünschen und 

Vorstellungen geht, in zehn Jahren?

357

:

Bruno Hensler [00:31:16]

Das ist eine schwierige Frage, weil eben,

358

:

ich bin Auftragnehmer und nicht Gestalter. Ich 

gebe die Frage natürlich ins Kloster rein. Genau

359

:

diese Frage, wofür stehen wir, und was müssen 

wir machen dazu? Für mich ist es ganz wichtig,

360

:

dass dieses Ziel, weshalb es das Kloster, die 

Klostergemeinschaft gibt oder wofür sie arbeitet,

361

:

dass man das sichtbar und authentisch sieht. Also 

wenn ich sage, Menschen empfangen, kann ich das in

362

:

Einsiedeln, und wir müssen in zehn Jahren sagen, 

das muss mehr sichtbar sein als heute. Auch das

363

:

Begegnen und Begleiten, von diesem Anspruch gehe 

ich aus. Auch im Wissen, ein Jubiläum, wenn wir

364

:

2034 die 1100 Jahre haben, dann ist das ein ganz 

wichtiger und guter Multiplikator auch für die

365

:

Daseinsberechtigung, für den gesellschaftlichen 

Wert einer solchen Gemeinschaft.

366

:

Sandra Leis [00:32:13]

Bruno Hensler, ganz herzlichen

367

:

Dank für die Einblicke in Ihre Arbeit als 

Geschäftsführer hier im Kloster Einsiedeln.

368

:

Bruno Hensler [00:32:21]

Vielen Dank.

369

:

Sandra Leis [00:32:28]

370

:

Das ist die 70. Folge des Podcasts «Laut + Leis». 

Zu Gast war Bruno Hensler. Er ist seit bald einem

371

:

halben Jahr Geschäftsführer des Klosters 

Einsiedeln. Über Feedback freuen wir uns:

372

:

Schreibt gerne per Mail an [email protected] oder 

per WhatsApp auf die Nummer 078 251 67 83. Und:

373

:

Abonniert den Podcast und bewertet 

ihn positiv, wenn er euch gefällt.

374

:

Gast in der nächsten Folge von 

«Laut + Leis» Ruth-Gaby Vermot.

375

:

Die Alt-National- und Europarätin war Gründerin 

und Präsidentin von PeaceWomen Across the Globe,

376

:

zu deutsch FriedensFrauen weltweit mit Sitz 

in Bern. Das Präsidium hat die 85-Jährige

377

:

vor wenigen Tagen abgeben. Wir sprechen 

über ihr Leben und Wirken und fragen,

378

:

weshalb Kriege heute die Welt beherrschen und wo 

die Friedensbewegung der Frauen geblieben ist.

379

:

Bis in zwei Wochen – und bleibt 

laut und manchmal auch leise.

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