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Campus Conversation #104 mit Dr. Philipp Scharfenberger: Marken, Identität und die Frage, wie frei wir wirklich entscheiden
Episode 104 • Bonus Episode • 16th October 2026 • Campus Conversations – der HSG Student Podcast • University of St.Gallen
00:00:00 00:46:15

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Transcripts

Speaker A:

Hallo zusammen und herzlich willkommen zu einer neuen Folge vom HSG Student Podcast.

Speaker A:

Mein Name ist Sira und zusammen gehen wir auf die Suche nach spannenden Geschichten und Persönlichkeiten der HSG.

Speaker A:

Wir alle begegnen verschiedensten Marken im Alltag.

Speaker A:

Ob bei der Kleiderwahl, beim Kauf eines Autos oder schlichtweg beim Einkauf von Lebensmitteln.

Speaker A:

Es handelt sich immer um Entscheidungen zwischen diversen Brands.

Speaker A:

Während das für die meisten unbewusst passiert, beschäftigt sich unser heutiger Podcast Gast unter anderem sehr genau mit diesen Themen.

Speaker A:

Dr.

Speaker A:

Philipp Scharfenberger ist nicht nur Dozent und Projektleiter am Institut für Marketing und Customer Insight, sondern auch Vizedirektor vom Institut für Mobilität an der Uni St.

Speaker A:

Gallen.

Speaker A:

Er bringt langjährige Erfahrung mit und hat sogar vor gar nicht so langer Zeit gemeinsam mit Co Autorinnen ein Buch mit dem Namen Holistic Brand Communication Geste.

Speaker A:

Ich freue mich sehr aufs Gespräch.

Speaker A:

Lieber Philipp, herzlich willkommen.

Speaker A:

Schön bist du da.

Speaker B:

Ich freue mich sehr, dass du mich eingeladen hast.

Speaker B:

Herzlichen Dank.

Speaker A:

Ich möchte mit dir mit einer ganz banalen Frage Stell dich bitte in einem Wort vor.

Speaker B:

In einem Wort, Das ist herausfordernd.

Speaker B:

Also wenn du mir nur ein Wort gibst, dann würde ich einfach Philipp.

Speaker B:

Ich bin Philipp, aber das wird dich wahrscheinlich nicht befriedigen.

Speaker A:

Ist ein interessanter Ansatz zur Verantwortung und ich nehme aber an, was dahinter steckt.

Speaker A:

Würde man so finden wie die nächste Frage.

Speaker B:

Ja, ne, aber ich glaube, wenn es wirklich ein Wort sein soll, dann ist Philipp wahrscheinlich das Einfachste.

Speaker A:

Spannend.

Speaker A:

Du beschäftigst dich ja seit Jahren mit dem Konsumverhalten.

Speaker A:

Was ist es, wo dich an dem Thema fasziniert?

Speaker B:

Das ist eine extrem gute Frage, die ich zu einem gewissen Grad beantworten kann, aber die mich nach wie vor auch immer noch selbst fasziniert oder die ich selbst noch nicht für mich beantwortet habe.

Speaker B:

Ich glaube, was mich grundsätzlich, soweit ich zurückblicken kann, auch bei meinen früheren Berufsideen immer interessiert hat, ist irgendwie das menschliche Verhalten und menschliche Resonanz auf Gegenstände, entitäten.

Speaker B:

Ich habe zum Beispiel mal so mit 16, 17, so wie wir alle wahrscheinlich, habe ich lang hin und her überlegt, was ich denn gerne studieren würde oder machen würde mit meinem Leben.

Speaker B:

Und da waren auch Alternativen im Raum wie Kunst studieren oder Architektur.

Speaker B:

Ich wollte eine Zeit lang Filme machen und irgendwann ist mir bewusst geworden, was mich eigentlich an diesen Dingen interessiert ist die Begegnung von diesen Werken, von diesen Entitäten mit dem Menschen.

Speaker B:

Also zum Beispiel in der Architektur Natürlich finde ich ein Gebäude per se interessant, aber richtig interessant wird für mich ein Gebäude im Zusammenspiel mit Menschen und wie Menschen darauf reagieren.

Speaker B:

Und diese Reaktion von Menschen auf externe Entitäten, das hat mich irgendwie immer in meinem Leben fasziniert.

Speaker B:

Das fasziniert mich bis heute.

Speaker B:

Und dem kann ich jetzt mit meiner jetzigen Berufswahl und meinem jetzigen Beruf, kann ich dem sehr nah kommen und mich sehr intensiv damit beschäftigen.

Speaker B:

Und das ist ein großes Privileg, das ich Tag für Tag sehr schätze, dass mir die Möglichkeit gegeben wird, mich mit einem Thema zu beschäftigen, was mich inhärent extrem interessiert.

Speaker A:

Also das Grundinteresse hat sich wie über all die verschiedenen Bereiche hinweggezogen und hätte nachher dazu geführt, dass du gesehen Doch, das ist jetzt etwas, auf das möchte ich mich fokussieren.

Speaker A:

Betrachtest du denn jetzt die Interaktionen aus einer anderen Perspektive, als es bei deinem ursprünglichen Interesse der Fall gesehen ist?

Speaker B:

Ich glaube nicht.

Speaker B:

Also es ist eine gute Frage.

Speaker B:

Ich glaube nicht, dass ich mich in der Art und Weise, wie ich mit anderen interagiere, wegen meiner Berufswahl oder wegen diesem Interesse an dem menschlichen Verhalten per se anders verhalte, oder?

Speaker B:

Ich glaube, das ist übrigens noch ein Thema für sich selbst.

Speaker B:

Ich finde man, ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich beobachte immer wieder Eigenschaften an mir, die ich schon in meiner Jugend oder Kindheit an mir beobachtet habe und dann fasziniert bin, wie gefestigt oder wie fix so der Kern von jemandem von mir jetzt zum Beispiel ist.

Speaker B:

Also ich würde sagen, im Kern hat sich dadurch in meinem eigenen Verhalten nichts verändert.

Speaker B:

Aber ich glaube, durch die lange Zeit, in der ich jetzt mich mit dem Thema beschäftige, reflektiere ich einfach zum Teil auch stärker mein eigenes Verhalten oder beobachte menschliches Verhalten.

Speaker B:

Ja, ich glaube, es ist schon was, was zum Beispiel meine Frau mir auch immer wieder sagt.

Speaker B:

Ich bin einfach ein sehr neugieriger Beobachter.

Speaker B:

Also wenn wir in einem sozialen Setting sind, dann beobachte ich einfach gern, was so passiert und wie Menschen sich verhalten.

Speaker B:

Und und das hat sich vielleicht auch wenn sich mein eigenes Verhalten, glaube ich, nicht stark verändert hat, aber es hat vielleicht hat mein Beruf in dem Sinne einen Einfluss auch gehabt, indem es das verstärkt hat.

Speaker A:

Spannend.

Speaker A:

Das ist eine sehr interessante Beobachtung, auch mit der Tatsache welche Verhaltensmuster oder andere Elemente sich vielleicht durchs ganze Leben ziehen, obwohl sich vieles anderes entwickelt.

Speaker A:

Wenn du jetzt an den eigenen Konsum denkst, würdest du dich eher als Minimalist oder Konsument bezeichne?

Speaker B:

Ich würde hoffentlich mich als beides bezeichnen können.

Speaker B:

Also zum einen muss ich erstmal vielleicht vorneweg stellen, ich finde, dass der Begriff des Konsums in unserer Gesellschaft viel zu negativ konnotiert ist.

Speaker B:

Also wenn wir Konsum hören, sagen viele sofort irgendwie negativ, irgendwie nicht gut, wir konsumieren zu viel etc.

Speaker B:

Ist auch richtig, dass wir zu viel konsumieren.

Speaker B:

Aber per se die Idee des Konsums finde ich erstmal nicht schlecht und ich glaube, sie ist ein inhärenter Bestandteil des menschlichen Lebens.

Speaker B:

Ich würde bei mir sagen, dass ich auf mich beides zutrifft.

Speaker B:

Ich gestehe ganz offen, ich konsumiere, ich konsumiere auch durchaus gern, Ich konsumiere ab und zu eher rational funktional.

Speaker B:

Ich konsumiere auch mal lustvoll, weil ich irgendwie einfach Lust auf irgendwas hab.

Speaker B:

Aber ich glaube, was ich immer versuche ist nicht verschwenderisch zu konsumieren.

Speaker B:

Verschwenderischer Konsum ist etwas, was mir gar nicht gefällt, was ich irgendwie auf eine Art auch abstoßend finde.

Speaker B:

Und es gibt ja auch, um hier vielleicht den Bezug zur Wissenschaft zu bringen, es gibt in der Wissenschaft ein Prinzip, das heißt Ockhams Rasiermesser, dass man versucht, kennst du vielleicht aus Vorlesungen, dass man versucht in seinen Erklärungen, in seinen Hypothesen möglichst sparsam zu sein.

Speaker B:

Und das ist ein Prinz, das mich durch mein ganzes Leben sehr prägt.

Speaker B:

Und ich habe eigentlich immer den Wunsch, nur das Essentielle zu konsumieren und das aber durchaus lustvoll zu konsumieren.

Speaker A:

Okay, und wie sieht es aus mit den Marken?

Speaker A:

Also bist du etwa wohl sehr fest auf Marken?

Speaker A:

Achtet oder spielt Marken für dich in dem alltäglichen Konsum nicht eine große Rolle oder welche Stelle in dem persönlichen Alltag auch das.

Speaker B:

Also find bisher fast alle deine Fragen wirken immer so einfach, aber wenn man drüber nachdenkt, komplex zu beantworten.

Speaker B:

Ja, darauf gibt es eine Vielseitigkeit.

Speaker B:

Also fallen mir viele Gedanken ein zu der Frage.

Speaker B:

Ich würde eigentlich von mir sagen, dass ich versuche mich möglichst das vielleicht auch eine Entwicklung, die mit meinem Beruf etc.

Speaker B:

Zu tun hat, dass ich mich versuche möglichst von einen klaren Bezug zu Marken zu lösen und nicht ich bin, ich habe wenig Marken von denen ich jetzt würde, von denen ich sagen würde, dass ich ein absoluter Fan davon bin, auch wenn du jetzt heute so meine Kleidung oder so siehst, da ist nirgendwo ein Logo drauf oder so.

Speaker B:

Ich versuche das eigentlich zu reduzieren.

Speaker B:

Es geht aber auch, finde ich, bei deiner Frage um die Idee oder um den Gedanken, was ist denn überhaupt eine Marke?

Speaker B:

Also eine Marke im traditionellen Sinne, Da trifft das jetzt zu, dass ich hier irgendwo Logos an mir habe.

Speaker B:

Aber letztlich ist eine Marke ja auch einfach ein Zeichen für irgendetwas.

Speaker B:

Und alles, was ich konsumiere, das ist uns allen bewusst.

Speaker B:

Aber ich glaube, dadurch, dass ich mich jetzt schon länger mit dem Thema beschäftige, ist mir vielleicht besonders bewusst, dass alles etwas Zeichenhaftes hat.

Speaker B:

Also das T Shirt, das ich heute trage, die Hose, die ich trage, die Brille, die ich trage, die Frisur, die ich habe, die hat irgendwas Zeichenhaftes.

Speaker B:

Und da würde ich schon sagen, dass ich da einigermaßen bewusst mit umgehe.

Speaker B:

Also mir ist schon wichtig, was meine Kleidung über mich aussagt und ich mache mir schon Gedanken drüber, was ich anziehe.

Speaker B:

Das ist vielleicht ein Teil der Antwort auf deine Frage.

Speaker B:

Es gibt noch eine weitere Komponente und zwar habe ich vorhin gesagt, dass ich versuche, Minimalist und Konsument gleichzeitig zu sein.

Speaker B:

Und es gibt von einigen Marken gewisse Designklassiker, also sowas wie Max Bill von Junghans, eine bestimmte Uhr oder den Launch Share von Eames oder den Vitra Stuhl, den Plastikstuhl, Plastikchair von Eames.

Speaker B:

Es gibt so bestimmte Klassiker, die haben sich über die Jahre durchgesetzt und denen ist es gelungen, resilient gegenüber Moden zu sein.

Speaker B:

Und für die habe ich eine gewisse Affinität, weil ich die, also ich versuche die hier und da zu kaufen, weil ich die Hoffnung habe, mit dem Kauf geht eine nachhaltige Kaufentscheidung einher.

Speaker B:

Die haben es jetzt viele von den Sachen, die ich gerade benannt habe, die sind teilweise mehr als 50, 60, 70 Jahre alt und die haben sich in dieser Zeit gehalten.

Speaker B:

Und ich glaube, mit dem Kauf von solchen Klassikern geht auch die Hoffnung einher, dass die auch so auch mittelfristig, längerfristig ihre Relevanz nicht verlieren.

Speaker B:

Und das ist doch auch was, was mit Marken verbunden ist.

Speaker B:

Also jetzt und jetzt habe ich gerade was gemacht, ich habe bestimmte Marken genannt und damit habe ich auch in diesem Podcast mich auf eine Art positioniert.

Speaker B:

Also ich habe jetzt signalisiert, was ich cool finde und insofern würde ich definitiv sagen, ich bin nicht gefreit davon, mich mit Marken assoziieren, auch wenn ich es versuche überschaubar zu halten.

Speaker A:

Es ist die Frage, ob es überhaupt möglich ist, sich gar nicht mit irgendwelchen Marken zu identifizieren oder gar nicht positionieren und dadurch die Verknüpfung mit der Identität auch auf eine gewisse Art und Weise gemacht.

Speaker A:

Kleider machen Leute und was ich beobachte, ist, dass es zumindest vor der Außenwahrnehmung unterschiedliche Ausprägungsgrad geht, wie fest sich etwa über Marke definiert.

Speaker A:

Es kann auf Kleider bezogen sein, es können Autos sein oder was auch immer.

Speaker A:

Es können natürlich alle möglichen Arten von Gegenständen sein, die eine Marke hat und die Marken sind überall.

Speaker A:

Wie siehst du das?

Speaker A:

Gibt es da wirklich Unterschiede, wie fest eine Marke einen Einfluss auf deine eigene Identität hat oder wie siehst du das auch bei dir selber?

Speaker B:

Also ich denke definitiv, dass es Menschengruppen gibt, die markenaffiner sind und andere, die weniger markenaffin sind.

Speaker B:

Was ich selten sehe, ist, dass jemand die Symbolik seiner Gegenstände gar nicht nutzt für seine Identität.

Speaker B:

Also es gibt zum Beispiel Personengruppen, die verzichten darauf, irgendwie mit sichtbaren Marken in die Öffentlichkeit zu gehen, die haben aber trotzdem einen bestimmten Kleidungsstil oder eine bestimmte Frisur oder mit der sie irgendwas kommunizieren.

Speaker B:

Und davor sind, finde ich, die wenigsten gefreit.

Speaker B:

Also da sind wir so im Bereich des symbolischen Interaktionismus.

Speaker B:

Also alles, was wir machen, hat irgendeine symbolische Komponente und wir lernen von klein auf, welche Gegenstände, welche Handlungen, welche Verhaltensweisen mit welcher Symbolik assoziiert werden und verbunden sind.

Speaker B:

Und ich glaube, da gibt es die wenigsten, die sich davon frei machen.

Speaker B:

Also weil es auch Teil der Kommunikation ist, so kommunizieren wir halt als Menschen.

Speaker A:

Gibt es einen Unterschied zwischen jüngeren und älteren Generationen?

Speaker B:

Ja, ich bin so ein bisschen ambivalent, was diese Generationsfragen angeht.

Speaker B:

Also ich glaube schon, dass es große Unterschiede zwischen Generationen gibt, weil verschiedene Generationen unterschiedlichen Zeitgeistern groß geworden sind, unterschiedliche prägende Erfahrungen gemacht haben, vielleicht auch mit unterschiedlichen Technologien groß geworden sind.

Speaker B:

Wenn es aber um so essentielle Themen geht wie Symbolik, also nutze ich Symbolik, um meine Identität zu kommunizieren oder mir auch selbst gegenüber darzustellen, auch so Fragen wie Besitz, Ich finde das ja häufig auch eine Frage, die mit Generationsfragen einhergeht.

Speaker B:

War früher Besitz wichtiger, als es vielleicht jetzt ist?

Speaker B:

Leben wir schon in einer Sharing Economy etc.

Speaker B:

Vielleicht kommen wir da nachher noch drauf zu sprechen.

Speaker B:

So das ganze Thema Besitz.

Speaker B:

Ich glaube, es gibt so essentielle Aspekte, da bin ich skeptisch, ob die sich im Kern zwischen Generationen unterscheiden.

Speaker A:

Ja, das ist ein spannender Aspekt, wo du aufbringst.

Speaker A:

Kommt natürlich dann auch wieder auf ganz viele andere Aspekte drauf an.

Speaker A:

Also zum Beispiel, wie ist man sozialisiert?

Speaker A:

In welchem Kontext ist man aufgewachsen, wie das eigene Umfeld, Die Personen im Umfeld prägen einen auch sehr stark.

Speaker A:

Wie betrachtest du denn die sozialen Medien im Kontext von ganzen Branding und vielleicht auch Konsumverhalten der Gesellschaft?

Speaker A:

Inwiefern verändert vielleicht auch soziale Medien unser Verhältnis zu Statussymbol Marken oder dann eben der Konsumentscheidigen ist ein sehr großes Thema.

Speaker A:

Aber was sind so die Bereiche, wo die für dich zentral sind?

Speaker B:

Ja, so eine Riesenfrage.

Speaker B:

Also ich fange mal, ich stimme mal in den Kanon ein, dass soziale Medien natürlich eine sehr kritische, zum Teil auch einen gefährlichen Einfluss auf uns haben können, auf unser Konsumverhalten haben können, weil sie dazu beitragen, weil sie sehr stark dazu beitragen, so ein ideales Menschenbild zu kommunizieren.

Speaker B:

Das hat Kommunikation, Werbung eigentlich schon immer gemacht, aber ich finde, es wird durch die sozialen Medien noch mal vergleichbarer.

Speaker B:

Also früher wusste ich oder wussten Menschen in den er er Jahren das jetzt irgendwie ein Billboard, das ist eine Werbekampagne und das wirkt jetzt alles in den sozialen Medien viel nahbarer.

Speaker B:

Das wirkt wie Menschen, die im Prinzip wie du und ich sind, die irgendwelche Sachen kommunizieren, aber die ganze halt super gut dabei aussehen und super glücklich sind.

Speaker B:

Dadurch wird ein Ideal vorgelebt, das im realen Alltag nur schwer zu erreichen ist.

Speaker B:

Und das bringt, glaube ich, viele Menschen vor unheimlichen Druck, dieses Ideal irgendwie anzustreben.

Speaker B:

Ich glaube, dieser Druck, der ist sicherlich was, was kritisch ist, was negativ ist.

Speaker B:

Man könnte natürlich auch sagen, dass also mit aller Vorsicht, die man da walten lassen muss bei so einer Aussage, aber dass das auch, dass solche Ideale auch dazu beitragen, dass man sich weiter pusht.

Speaker B:

Also ich finde zum Beispiel, ich habe gerade neulich, jetzt ist glaube ich meine Frau schon das zweite Mal das Thema im Podcast neulich mit meiner Frau beobachtet, dass ich finde, dass in den letzten Jahren, fünf Jahren Männer noch mal zugelegt haben.

Speaker B:

Das ist jetzt keine wissenschaftlich belegte Aussage, ist einfach eine persönliche Beobachtung, Männer noch mal zugelegt haben in ihrem Anspruch an Äußeres, also wie sie sich kleiden, wie sie sich pflegen.

Speaker B:

Und das könnte natürlich auch eine Folge von Idealen sein, die man auf Social Media vorgelebt bekommt.

Speaker B:

Und das ist ja per se erst mal nichts Schlechtes, wenn man versucht, sich da zu pushen.

Speaker B:

Aber es ist immer wie bei allem im Leben, eine Frage des Grades.

Speaker B:

Also bis wohin ist das noch gesund, bis wohin ist das noch gut und ab welchem Zeitpunkt kippt das ins Gefährliche, ins teilweise auch Krankhafte dann?

Speaker B:

Also das ist eine Folge, die ich sehe.

Speaker B:

Eine andere ist, dass natürlich durch soziale Medien, gerade im Vergleich zu den Massenmedien, die wir im letzten Jahrtausend, vor allen Dingen, letzten Jahrhundert, vor allen Dingen hatten, also Jahrtausend nur am Ende des letzten Jahrtausend, im letzten Jahrhundert vor allen Dingen, dass Kommunikation und das Targeting von Menschen viel granularer geworden ist und dass es damit meines Erachtens auch für Unternehmen und für Konsumenten leichter wird, solche Subkulturen zu entwickeln.

Speaker B:

Also weniger reine Mainstream Marken, auch wenn die nach wie vor noch gut funktionieren, aber es ist auch leichter, sich über soziale Medien in solche Subkulturen und den damit zugehörigen Marken zu bewegen.

Speaker A:

Und aus Sicht vom Konsumverhalten hätte das dann zur Folge, dass es aber ist klar, aber das Marketing und das, wo ich aufgeschaltet bekomme, das wird viel gezielter, aber hätte es zur Folge, dass auch das Konsumverhalten vielleicht weniger bewusst wird, weil es ist ja schon vorselektioniert für mich, oder ist das nicht direkt eine notwendige Konsequenz?

Speaker B:

Ich glaube, also ich habe dazu vieles, was du mich jetzt fragst, sind einiges davon sind schon auch Themen meiner Forschung, manche vieles.

Speaker B:

Also jetzt zum Beispiel die Antwort ist einfach eine persönliche Beobachtung, da habe ich jetzt keine Studie, auf die ich mich beziehe.

Speaker B:

Ja, es wird schon hier und da etwas weniger explizit wohl wahrgenommen werden, implizite Beeinflussung, aber insgesamt sind sich, denke ich, sehr viele einigermaßen gebildete Menschen schon darüber im Klaren, dass da auch eine Manipulation und ein Marketingkontext hinter steckt.

Speaker A:

Auf jeden Fall.

Speaker A:

Aber genau auch im Zuge der sehr rasanten Entwicklung, auch mit den Möglichkeiten, wie man sich beispielsweise aus der Unternehmensperspektive positioniert, wie man auch Leute ansprechen kann und die eigenen Produkte und Dienstleistungen vermarkten und als Personen bringen, die verändern sich auch sehr schnell.

Speaker A:

Wie siehst du das so, wenn man von der konsumierenden Sicht hin zu der Unternehmenssicht würde switchen?

Speaker A:

Wie gesagt, aus dieser Perspektive ist es aktuell immer noch das Ausprobieren.

Speaker A:

Ist es ein flößender Übergang oder hat es da doch auch disruptive Veränderungen in den letzten 5 bis 10 Jahren gehabt.

Speaker B:

Bei dem Einsatz von Social Media?

Speaker A:

Ja, also einfach generell betrachtet quasi Unternehmen, wie sie den Einfluss auf das Konsumverhalten der Menschen möchten auswirken oder wie sie sich auch positionieren in den sozialen Medien.

Speaker A:

Man sieht ja jetzt zum Beispiel, Unternehmen sind immer aktiver, zum Beispiel auf Instagram.

Speaker A:

Sie finden auch beiträgt kommentieren, also nicht nur Werbung, die geschaltet wird, sondern auch die bewusste Interaktion.

Speaker A:

Also es gibt wie die neue Kanal, die sich eröffnet und die Kanäle werden immer vielseitiger.

Speaker A:

Und ich stelle mir die Frage an dich gerichtet, wie beobachtest du die Entwicklung?

Speaker A:

Ist das ein sehr fließender Prozess oder hat das jetzt schon sich rasant entwickelt?

Speaker B:

Ich finde, mit Aufkommen der sozialen Medien war das aus meiner Sicht schon auf eine Art ein fließender Prozess.

Speaker B:

Also ich glaube, viele Unternehmen waren am Anfang recht unsicher, wie man damit umgehen sollte und habe das jetzt einfach zusammen mit uns gelernt, wie man das möglichst effizient und in seinem Sinne nutzen kann.

Speaker B:

Ein riesen Gamechanger wird natürlich jetzt sein, was in den kommenden Jahren an AI etc.

Speaker B:

Auf uns zukommt.

Speaker B:

Also ich glaube, das können wir alle noch gar nicht einsehen, was das für einen Einfluss auf Kommunikation haben wird, was das für einen Einfluss auch auf Darstellung auf Social Media haben wird.

Speaker B:

Ich glaube, wir haben alle so unsere Ideen, was da passieren könnte, aber so genau wissen wir es noch nicht.

Speaker B:

Übrigens vielleicht noch zu deiner vorherigen Frage auch noch ein Gedanke, der mir gerade gekommen ist.

Speaker B:

Ich habe ja gesagt, ich stimme erst mal in den vielleicht etwas kritischeren Kanon ein, was Social Media angeht und ich stehe da auch zu, also fast banal zu sagen, dass wir sehr vorsichtig sein müssen, gerade von jüngeren Menschen, also bei jüngeren Menschen im Umgang mit Social Media.

Speaker B:

Aber die Diskussion rund um Social Media kommt mir manchmal auch ein bisschen zu kurz, was auch positive Aspekte von Social Media angeht.

Speaker B:

Also zum einen, inwiefern Social Media Personen eine Plattform bietet, die bis vor wenigen Jahren nie die Möglichkeit gehabt hätten, an eine breite Öffentlichkeit zu kommunizieren.

Speaker B:

Es ist fast also eigentlich eine Art Demokratisierung des Mediensystems.

Speaker B:

Und ich finde, da sind doch auch viele interessante Sachen bei entstanden.

Speaker B:

Das ist das eine.

Speaker B:

Und das andere, was ich an Social Media, das geht da auch ein Stück weit mit einher, schon positiv beobachte, ist, dass es die Möglichkeit gibt, Zielgruppen granularer zu adressieren.

Speaker B:

Ich hatte da neulich mit einem Kollegen hier aus der Fakultät so ein kleines, fast ein Streitgespräch zu, weil er skeptisch ist, wie gut das funktioniert, diese granulare, zielgruppenspezifische Ansprache.

Speaker B:

Und ich aber der Meinung bin, auch aus persönlichen Erfahrungen, es gibt im Prinzip kein Medium in meinem bisherigen Leben, das mich marketingtechnisch so gut adressiert wie Instagram zum Beispiel oder auf TikTok bin ich nicht so viel, aber in meinem Fall Instagram.

Speaker B:

Also wenn ich Werbung auf Instagram sehe, zu 80, 90 Prozent sind das Produkte, von denen ich ja finde, irgendwie interessant.

Speaker B:

Und das gab es in der historischen Marketingwelt in der Form nicht.

Speaker B:

Also wenn man durch eine Zeitschrift oder ein Fernsehprogramm gesappt hat, dann war da doch auch viel dabei, was einen überhaupt nicht interessiert hat.

Speaker B:

Und das finde ich eigentlich auch auf eine Art eine positive Entwicklung, dass mir Content gezeigt wird, der mich wirklich interessiert.

Speaker B:

Von Unternehmensseite.

Speaker A:

Wo ist denn deiner Meinung die Grenze zwischen Verhaltensbeeinflussung, die irgendwo ethisch sinnvoll ist, und manipulativ, also Manipulation, Also wo ist die Grenze?

Speaker A:

Man manipuliert jetzt Menschen ein bisschen kaufen oder das ist eher so quasi sehr passende Angebote, wo eigentlich sogar etwas Positives hervorblinkt.

Speaker B:

Ich weiß gar nicht, ob es da einer engeren Definition, das ist wahrscheinlich ein fließender Übergang.

Speaker B:

Ich würde sagen, Qualitäten, die diesen Unterschied beschreiben, könnten zum einen die Intention sein, die mit dieser Beeinflussung einhergeht.

Speaker B:

Also möchte ich denn einfach, dass irgendjemand was kauft?

Speaker B:

Oder verfolge ich ein Ziel mit dieser Intention, das einem höheren Sinn dient, sowas wie sozialeres Verhalten, ökologischeres Verhalten?

Speaker B:

Das ist eins.

Speaker B:

Also was für eine Intention steckt denn hinter dieser Verhaltensbeeinflussung?

Speaker B:

Und ich denke vielleicht auch ein Stück weit die Transparenz, die damit einhergeht.

Speaker B:

Also wenn ich an Manipulation im engeren Sinne denke, dann bin ich nicht transparent bezüglich diesem Manipulationsversuch.

Speaker B:

Wenn ich aber jetzt in den Bereich Verhaltensökonomie, Behavioral Economics gehe, dann also ist man auch nicht immer transparent, weil man nicht die Möglichkeit hat, in dem jeweiligen Kontext transparent zu sein.

Speaker B:

Aber man geht auch häufig ganz offen damit um, was man denn mit einer bestimmten Intervention, mit einer bestimmten Maßnahme beabsichtigt.

Speaker B:

Also Intention und Transparenz finde ich so zwei Qualitäten, die vielleicht den Unterschied ein Stück weit beschreiben.

Speaker A:

Das ist interessant und vielleicht ist dann auch eine spannende Frage aus Sicht der Konsumierenden selber, weil nur will ich beispielsweise ein Werbung geschaltet bekommen oder in Mark gesehen, heißt es ja noch nicht direkt, dass ich auch muss dementsprechend handle.

Speaker A:

Wie nimmst du es aus der konsumierenden Sicht mit?

Speaker A:

Also vielleicht auch, du hast am Anfang erwähnt, dass du probierst den Spagat zwischen dem Minimalismus, aber dann aber den bewussten Konsum machen.

Speaker A:

Wie funktioniert der bewusste Konsum?

Speaker A:

Weil teilweise vieles, also auch wenn ich an meinen eigenen Alltag denke, meistens überlege ich nicht bewusst, außer es ist jetzt eine große Investition natürlich schon, meistens überlege ich nicht bewusst, zum Beispiel wenn ich Gang, wie ich kaufe, was ich jetzt nehme.

Speaker A:

Es ist eine Marke, es ist ja dann auch eine Entscheidung zwischen den Marken.

Speaker A:

Aber das passiert einfach.

Speaker A:

Wenn ich jetzt jedes Mal bewusst überlege, wieso nehme ich jetzt das und was bedeutet das jetzt und hätte das Einfluss auf XYZ, dann wäre das natürlich auch nicht mehr so realistisch.

Speaker A:

Wie funktioniert bewussterer Konsum?

Speaker B:

Also ich denke klar, zum einen geht das nicht bei allen Produktkategorien, dazu ist unser Tag zu kurz, um da jedes Mal ein Büro sozusagen aufzumachen, um die jeweilige Entscheidung zu treffen.

Speaker B:

Ich denke, es hat auch mit einer Entscheidung zu Möchte ich denn bewusst konsumieren?

Speaker B:

Und ich habe vorhin gesagt, ich finde der Begriff Konsum ist in vielen Gesellschaftsgruppen zu negativ konnotiert.

Speaker B:

Ich finde das Interessante am Konsum ist, dass wenn man bewusst konsumiert, es immer auch ein Suchen nach sich selbst ist.

Speaker B:

Also wer bin ich eigentlich?

Speaker B:

Welche Kleidung?

Speaker B:

Also das klingt jetzt banal, aber welche Kleidung passt zu mir?

Speaker B:

Welche Musik passt zu mir?

Speaker B:

Welche Hobbys passen zu mir?

Speaker B:

Welche Filme passen zu mir?

Speaker B:

Und ich finde, das Konsumieren ist immer auch der Versuch, sich selbst irgendwie zu finden.

Speaker B:

Und wenn ich das bewusst mache, dann werde ich irgendwann, das ist vielleicht auch eine Alterssache, also vielleicht gehört das zum Alter dazu, dass man im Teenageralter, im jungen Erwachsenenalter da noch mehr ausprobiert, um sich dann auch auszuprobieren im Sinne von sich selbst zu finden.

Speaker B:

Aber dass wenn das gut läuft und man reflektiert, konsumiert, auch irgendwann ein Gespür dafür hat, was passt denn zu mir und dann sich auf die Essenz sozusagen konzentrieren kann, also auf das konzentrieren kann, von dem man festgestellt hat, dass es zu einem passt.

Speaker B:

Und das ist, das ist, was einen letztlich im Konsum befriedigt.

Speaker A:

Aber was ich gerade denke, ist, dass natürlich man findet Aussehen, was zu einem passt und man findet auch sich selber im Verlauf vom Leben immer mehr.

Speaker A:

Und trotzdem kommt es immer wieder vor.

Speaker A:

Und das beobachte ich teilweise auch bei mir selber, dass zum Beispiel die eigene Gewahrt nicht direkt im Konsumverhalten oder auch einfach im generellen Verhalten widerspiegelt oder reflektiert wird.

Speaker A:

Zum Beispiel, wenn ich sage, oder wenn ich ein sehr umweltbewusster Mensch bin, aber dann im Supermarkt die ganze Zeit die Lebensmittel kaufen, wo aber von ihrem CO oder von den ganzen Emissionen dahinter doch gar nicht so optimal werden.

Speaker A:

Das ist jetzt nicht auf den Markt bezogen, aber das tut sich natürlich auf alle Ebenen vom Leben ausstrahlen.

Speaker A:

Wie siehst du das?

Speaker B:

Ja, das ist halt leider so, dass wir uns nicht immer komplett vernünftig verhalten, auch wenn die Frage, was ist vernünftig, sowieso nochmal eine Frage für sich selbst wäre.

Speaker B:

Aber da gibt es ja sicher auch Theorien, die wir zum Beispiel hier im Marketing an der Uni auch unterrichten und diskutieren, die dann beschreiben, warum wir uns zum Teil so verhalten, wie du es gerade beschreibst.

Speaker B:

Also ich finde, eine ganz einfache Antwort auf diese Diskrepanz, die du da gerade beschrieben hast, wäre, dass man sich noch mal ganz bewusst das Lied Leider geil von Deichkind anhört.

Speaker B:

Kennst du wahrscheinlich, oder?

Speaker B:

Ja, da wird ja diese Diskrepanz immer beschrieben, dass man kurzfristig irgendwas bekommt, was in dem Moment leider geil ist, das aber mit längerfristig negativen Konsequenzen einhergeht.

Speaker B:

Und ich finde, wenn man das ganz bewusst mal vor dem Hintergrund hört, das Lied, ist es auch noch mal ganz interessant.

Speaker B:

Also ist ja natürlich grundsätzlich ein Riesenhit und ein cooles Lied irgendwie, aber der Gedanke der motivationalen Konflikte spielt da eine Rolle.

Speaker B:

Also will ich was Kurzfristiges jetzt haben, was mir jetzt kurzfristig gut tut, in der Abwägung zu dem, was die längerfristigen oder die größeren sozialen Folgen davon sind.

Speaker B:

Und ein Konzept.

Speaker B:

Ich habe es eben schon angesprochen, das da zum Greifen kommt, sind solche motivationalen Konflikte, die wir fast bei jeder tagtäglichen Entscheidung haben.

Speaker B:

Kurzfristige Belohnungen versus längerfristige Belohnungen, motivationale Konflikte zwischen Option A, Option B.

Speaker B:

Und das wiederum hängt auch alles mit kognitiver Dissonanz zusammen.

Speaker B:

Also dass wir, du hast jetzt eben gesagt, du gehst in den Supermarkt und kaufst irgendwas, was vielleicht nicht besonders nachhaltig ist, aber in dem Moment blendest du das halt aus.

Speaker B:

Und es wird uns auch durch die Art und Weise, wie wir konsumieren, leicht gemacht, das auszublenden, weil wir zum Beispiel ins Fleischregal greifen und es völlig abstrahiert ist, dass das irgendwie mal ein lebendes Wesen war, was wir da konsumieren.

Speaker B:

Ja, also es gibt diese Dissonanzen, aber jeder, ja, jeder findet so seine Antwort darauf, wie er damit umgeht.

Speaker B:

Und ich glaube, im Alltag sind wir noch nicht gut genug da drin, dann auch die nachhaltigere Option zu wählen.

Speaker B:

Also nachhaltiger in allen Sinnen des Nachhaltigen, also des ökologischen, sozialen, aber auch ökonomischen.

Speaker A:

Was bräuchte es denn dafür, dass man besser dazu in der Lage ist?

Speaker B:

Wenn das jemand ausfindet, dann wäre es nobelpreiswürdig.

Speaker B:

Ich glaube ehrlich gesagt, dass es ein sicherlich, ich weiß nicht, ob Johanna Gollenhofer schon mal hier im Studio war, vielleicht kommt sie noch, sie ist ja so ihr Fachgebiet, aber ich glaube persönlich, dass es einen anderen Zugang zum Thema Nachhaltigkeit braucht.

Speaker B:

Und ich glaube, das würde sie jetzt auch, da würde sie mir zustimmen.

Speaker B:

Ich glaube, wir haben einen großen Fehler gemacht, die Nachhaltigkeitsdebatte in den letzten 10, 20 Jahren zu sehr in so eine sehr pflichtorientierte, so ein bisschen ökologisch öko angehauchte Richtung zu drehen.

Speaker B:

Da holt man halt viele Gesellschaftsgruppen nicht mit ab.

Speaker B:

Was mich persönlich in meiner eigenen Forschung gerade sehr interessiert, also wir haben jetzt ein erstes Projekt dazu und das ist eigentlich ein Thema, das möchte ich auch die nächsten fünf bis zehn Jahre näher untersuchen, ist, wie man eine Synthese schafft aus Hedonismus und Nachhaltigkeit.

Speaker B:

Also wie schaffe ich es, dass Dinge lustvoll wahrgenommen werden und trotzdem nachhaltige Optionen sind.

Speaker B:

Häufig wird das, finde ich, im Alltag, werden die als sehr gegensätzlich wahrgenommen.

Speaker B:

Das, was lustvoll ist, ist nicht nachhaltig und das, was nachhaltig ist, ist vielleicht ein bisschen zu vernünftig und dem fehlt so dieses Lustvolle.

Speaker B:

Aber es gibt doch immer wieder Beispiele, wo es dann trotzdem gelingt, beide Welten zusammenzubringen.

Speaker B:

Sehr vielleicht vereinfachtes.

Speaker B:

Aber wenn wir so was wie eine Louis Vuitton Tasche nehmen, ich glaube, vielen ist gar nicht bewusst, dass dieser Hauptstoff von Louis Vuitton Taschen kein echtes Leder ist.

Speaker B:

Also das ist so ein Canvas, den hat sich wahrscheinlich Louis Vuitton irgendwann mal patentieren lassen.

Speaker B:

Und das finden die Konsumenten gut, wenn sie eine Louis Vuitton Tasche kaufen, dann geben sie ja viel Geld dafür aus, weil sie das lustvoll finden, weil sie das schön finden, ästhetisch finden.

Speaker B:

Und trotzdem spielt das Thema Nachhaltigkeit in diesem Zusammenhang überhaupt keine Rolle.

Speaker B:

Also mir ist nicht bewusst, dass Louis, also wahrscheinlich machen sie das irgendwo am Rande, aber dass Louis Vuitton extensiv oder sehr stark mit Nachhaltigkeitsthemen wirbt.

Speaker B:

Und ich glaube, dieser Zugang, Ästhetik und Nachhaltigkeit noch stärker zusammenzubringen, um ein neues Narrativ für nachhaltige Produkte zu erzeugen, das scheint mir ein wichtiger Zugang zu sein, um um das, was du gerade beschrieben hast, zu erreichen, also um Menschen über Affekt, über Lust hin zu nachhaltigeren Lösungen zu nudgen.

Speaker A:

Das bedeutet eigentlich, dass neben Art und wie es, also sagen wir, wenn man es auf die Tasche bezieht, die muss sich ja als Täsche nicht verändern, sondern eher Art und Weise.

Speaker A:

Wenn man die jetzt würde damit vermarkten, hey, das ist gar nicht acht Lader, sondern andere Material, hätte es einen ganz anderen Effekt, als wenn man es so positioniert oder kommuniziert, wie es der Fall ist im Moment.

Speaker A:

Also auch wie man die hedonistische Perspektive reinbringt, kommt sehr fest auf Effekt bei den Kundinnen und Kunden oder Konsumierenden an.

Speaker B:

Ja, also ich glaube, dass auch so wie ich Johanna Gollenhuber verstehe, wird sie da auch zustimmen, dass dass die Thematisierung von Nachhaltigkeit in solchen Kontexten sogar häufig schädlich ist.

Speaker B:

Also ich würde jetzt als Louis Vuitton würde ich nicht hervorheben, dass das kein Leder ist und dass es eine nachhaltigere Variante ist, sondern ich finde, man muss das Produkt ein hoffentlich per se, also was ist schon ein per se nachhaltiges Produkt, aber ein möglichst nachhaltig produziertes Produkt sollte man über die Nutzen kommunizieren, die auch wirklich beim Konsumenten zielen.

Speaker B:

Und ich denke, wir haben in den letzten Jahrzehnten festgestellt, dass Nachhaltigkeit in der Entscheidungshierarchie halt relativ weit unten kommt als relevantes Bedürfnis und Themen wie Symbolik, also wofür steht das Produkt, Ästhetik ist das Produkt schön, dass die beim Konsumenten viel stärker ziehen.

Speaker B:

Und deswegen rate ich auch, also bin in den letzten Jahren immer auch mal wieder von Unternehmen angesprochen worden, wie sie mit dem Thema Nachhaltigkeit umgehen sollen.

Speaker B:

Ich würde das versuchen gar nicht so in den Mittelpunkt, also in den Mittelpunkt zu stellen, es sei denn, man hat eine sehr spezifische Zielgruppe, für die das ein riesen USP ist, dass das Produkt nachhaltig produziert wurde.

Speaker B:

Übrigens, wenn ich da noch eine Sache ergänzen darf, weil du eben auch die Generationsfrage oder so ein Generationsthema in den Raum geworfen hast, Ich finde, da können wir uns durchaus auch von den Generationen unserer Eltern oder Großeltern was abgucken, die aus meiner Sicht häufig viel natürlicher mit dem Thema Nachhaltigkeit umgegangen sind.

Speaker B:

Also wenn ich jetzt zum Beispiel, um es plakativ zu machen, meine eigene Mutter oder meine Schwiegermutter nehme oder meinen Vater, meine Mutter hat Kleidungsstücke, die trägt die seit 30 Jahren oder auch Möbelstücke, die sehr schick sind, die aber praktisch Das Ganze, also 30 40 Jahre bei meiner Mutter waren oder mein Vater hat Schuhe, die trägt er seit auch 30 40 Jahren, die werden halt neu besohlt und sind sehr gute Schuhe, die haben aber überhaupt nicht diesen Öko Touch, den wir mit der aktuellen Kommunikation von Nachhaltigkeit häufig assoziieren, sondern ganz im Gegenteil, das sind sehr elegante, sehr schlichte Gegenstände.

Speaker B:

Und durch die Verarbeitungsqualität, aber auch durch die Liebe und den Respekt, den man diesen Gegenständen entgegenbringt, werden das einfach nachhaltige Wegbegleiter.

Speaker B:

Und das ist auch das, was ich ein Stück weit unter bewusstem Konsum verstehen würde, weil du eben das Thema bewusster Konsum auch aufgebracht hast.

Speaker B:

Also zum einen, dass man trainiert, Dinge zu kaufen, die einem auch wirklich gut tun, Das hat mit Reflexion zu tun aus vergangenen Käufen, was hat mir denn in der Vergangenheit gut getan und was bringt mich wirklich weiter als Mensch.

Speaker B:

Aber dass wenn man dann so eine Entscheidung getroffen hat und etwas konsumiert hat, dass man auch durchaus mit einem Respekt diesem Gegenstand begegnet.

Speaker B:

Das ist vielleicht auch eine Qualität, die die Marken haben, nämlich einem Gegenstand eine gewisse Aura und Persönlichkeit einzuhauchen oder zu übergeben.

Speaker B:

Und das erleichtert dann auch wieder die, ich nenne es mal, Personifizierung von solchen Objekten und die Möglichkeit, so eine tiefergehende Beziehung dazu aufzubauen.

Speaker B:

Ich glaube, das ist was, wenn wir über bewussten Konsum sprechen, das finde ich eigentlich wünschenswert, dass man halt nicht so eine Wegwerf Philosophie hat, sondern dass man Gegenstände wertschätzt und eine Beziehung zu denen aufbauen.

Speaker A:

Glaubst du denn, wenn man in Zukunft blickt, dass wir auf uns mit weniger Konsum zustüren?

Speaker A:

Vielleicht jetzt nicht kurzfristig in den nächsten 5 oder 10 Jahren, aber längerfristig betrachtet?

Speaker B:

Ne, da stört mich auch so ein bisschen diese.

Speaker B:

Also ich komme noch mal auf die Generation zu sprechen.

Speaker B:

Ich finde, es wird häufig so vermittelt, dass jüngere Generationen da nachhaltiger und sensibler seien.

Speaker B:

Ich möchte nicht sagen, dass sie es nicht so sind, aber bleiben wir noch mal bei den Generationen von unseren Eltern oder Großeltern.

Speaker B:

Ich glaube, die haben uns das eigentlich gar nicht so schlecht.

Speaker B:

Jetzt kann man sagen, die Babyboomer haben schon auch zu Emissionsanstieg stark beigetragen, aber so im tagtäglichen Leben haben sie es uns eigentlich gar nicht so schlecht vorgelebt, was es heißt, nachhaltig zu sein.

Speaker B:

Ich habe eben die Beispiele mit den Schuhen gebracht.

Speaker B:

Ich weiß von vielen aus diesen Generationen, die, sobald sie aus dem Raum rausgehen, das Licht ausmachen oder jede Zahnpastatube bis aufs Letzte ausdrücken.

Speaker B:

Ich weiß nicht, ob das in jüngeren Generationen auch so konsequent immer gemacht wird.

Speaker B:

Das ist jetzt ein bisschen Klischee Denken, aber ich glaube, das muss jeder für sich einfach mal überlegen.

Speaker B:

Diese Vorstellung, dass wir uns hin zu einer nachhaltigeren, per se zu einer nachhaltigeren Konsumwelt bewegen, die stört mich ein bisschen, weil sie häufig Schönmalerei ist und ein bisschen zu kurz gegriffen ist.

Speaker B:

Ich denke, solange man dem, Solange der Mensch das Vermögen hat und Vermögen finde ich hier einen interessanten Begriff, solange ein Mensch das Vermögen hat, Dinge zu konsumieren, wird er dies auch tun.

Speaker B:

Die Frage ist vielmehr, wie sich dieses Vermögen in den nächsten Jahren, Jahrzehnten verändern wird.

Speaker B:

Schauen wir, wie sich die Erderwärmung entwickelt.

Speaker B:

Vielleicht hat das einen Einfluss auf unser Konsumverhalten.

Speaker B:

Schauen wir, wie sich der Wirtschaftsraum Europa entwickelt und wie damit die Gehälter und das Vermögen für den Konsum sich verändern.

Speaker B:

Also das könnten Einflüsse sein, die zu einem weniger Konsum führen.

Speaker B:

Ich glaube, wenn es uns aber wirklich darum geht, Menschen dazu zu bringen, dass sie weniger konsumieren, dann müssten wir vor allen Dingen an die Preise von Gegenständen ran.

Speaker B:

Also dann müssten wir Externalitäten, die mit dem Konsum von Dienstleistungen, von Produkten einhergehen, die müssten wir korrekt bepreisen und dann würden viele Dinge einfach teurer werden, weil ihre Entsorgung, weil ihre Emissionen bepreist werden.

Speaker B:

Und dann könnten wir, müssten wir uns gut überlegen, wie wir, und hier komme ich wieder zu dem Begriff, wie wir mit unserem Vermögen umgehen.

Speaker B:

Also ich finde das insofern einen schönen Begriff, weil er bedeutet ja, wir benutzen ihn eigentlich.

Speaker B:

Wir benutzen ihn zum einen im finanziellen Sinne, also wie viel Vermögen hat jemand, aber der Begriff Vermögen deutet auch an, dass ich das mit diesem Geldpotenzial einher.

Speaker B:

Ich kann damit irgendwas machen, ich habe ein Vermögen, das damit einhergeht.

Speaker B:

Und wenn ich die Preise, wenn ich externe Entitäten wie Emissionen etc.

Speaker B:

Bepreise, dann verändert das was mit meinem Vermögen.

Speaker B:

Also dann kann ich mir vielleicht nicht mehr dreimal im Jahr irgendeinen Flug leisten oder dann muss ich mir besser überlegen, was kann ich mir denn wirklich leisten.

Speaker B:

Also das wäre aus so einer Verhaltenssicht, wie wir sie ja am Institut betreiben, wäre das für mich einer der zielstrebigsten Zugänge zu einem wirklichen Verändern von Verhalten.

Speaker B:

Wohl wissen, dass es super schwer ist, das durchzusetzen, insbesondere in einem weltweiten Zusammenspiel.

Speaker A:

Ja, ich finde, du hast sehr gut auf den Punkt gebracht, das sind so viele Faktoren, wo den Einfluss spielen und auch so viele Parteien, die irgendwie beteiligt sind, dass es natürlich unglaublich komplex macht.

Speaker A:

Aber es sind sehr spannende Gedankenausstösse, wo du da mitgehst.

Speaker A:

Wir könnten noch Stunden über die Themen sprechen.

Speaker A:

Es ist sehr allgegenwärtig.

Speaker A:

Man hätte jetzt auch in der Breite der unterschiedlichen Fragen gemerkt, dass das natürlich riesige Fässer aufmacht.

Speaker A:

Vielleicht zum Gibt es irgendetwas, wo du den Zuhörerinnen und Zuhörern virtuelle mitgibst, vielleicht auch Erkenntnis aus deiner Erforschung bisher etwas ihres Konsumverhalten betrifft, jetzt oder in der Zukunft?

Speaker B:

Ich glaube, vieles haben wir im Rahmen des Gespräches adressiert.

Speaker B:

Ich finde diesen Gedanken des bewussten Konsumierens interessant.

Speaker B:

Und der Versuch auf eine Art wertschätzend der Begriff liebevoll ist in dem Zusammenhang vielleicht ein bisschen komisch, aber mit Gegenständen umzugehen und sie zu wertschätzen, wirklich, das haben wir aber alles schon adressiert.

Speaker B:

Vielleicht noch ein weiterführender Gedanke, der, der mir wichtig ist und den ich interessant finde.

Speaker B:

Wir haben also im Rahmen meiner Dissertation und um die Dissertation herum habe ich mich das vorhin so dick angeklungen, sehr stark mit der Beziehung beschäftigt, die Menschen zu Gegenständen haben, warum der Besitz von Gegenständen für Menschen häufig sehr wichtig ist und warum es bestimmte Gegenstände gibt, zu denen wir auch eine sehr starke Beziehung haben.

Speaker B:

Das ist ein Forschungsfeld, das gibt es schon seit, ich würde fast sagen Jahrtausenden.

Speaker B:

Das hat von den Konsumwissenschaftlern bis zu den Philosophen viele Menschen interessiert und da gibt es viele Gedanken und Theorien zu, warum solche Gegenstände wichtig sind.

Speaker B:

Aber ein Gedanke, der bei mir besonders resoniert, ist, dass wir eigentlich Gegenstände mögen, weil sie Nähe erzeugen.

Speaker B:

Also ein Gegenstand per se kann Nähe erzeugen.

Speaker B:

Also diesen Stift, den ich hier in der Hand habe, den kann ich in der Hand haben und der fühlt sich nah an.

Speaker B:

Was aber häufig noch viel wichtiger ist, dass ich über den Gegenstand Nähe zum Bedeutungsgehalt des Gegenstandes empfinden kann.

Speaker B:

Also hier links neben mir steht meine Arbeitstasche, die habe ich zum 30.

Speaker B:

Geburtstag von meinen Eltern geschenkt bekommen und irgendwie ist diese Tasche dementsprechend auch mit meinen Eltern assoziiert und schafft eine Nähe zu meiner Familie.

Speaker B:

Also es ist nicht nur die Tasche, die sich nah anfühlt, sondern über die Tasche schaffe ich Nähe zum Bedeutungsgehalt der Tasche.

Speaker B:

Und wenn ich so auf die Forschung von uns zurückblicke, ist dieses Bedürfnis nach Nähe ein ganz wesentliches Bedürfnis, wenn es um Konsum geht.

Speaker B:

Also häufig konsumieren wir, weil wir irgendwie Nähe zu einer Gruppe empfinden wollen, weil wir Nähe zu Erinnerungen, die wir haben, empfinden wollen.

Speaker B:

Und ich glaube, du hast gefragt, was will ich denn den Zuhörerinnen und Zuhörern noch mitgeben.

Speaker B:

Ich glaube, wenn Nähe so ein ein wichtiges Bedürfnis von uns ist, dann sollten wir einfach zusehen, dass wir alle gut miteinander umgehen und dass wir im Alltag nicht nur über Gegenstände diese Nähe empfinden, sondern auch miteinander die Nähe empfinden.

Speaker B:

Wertschätzend zueinander sind, uns vielleicht hier und da mal in den Arm nehmen und ich glaube, dann hätten wir schon viel erreicht.

Speaker A:

Ich kann gar nicht mehr hinzuziehen.

Speaker A:

Das hast du wunderbar zusammengefasst und ich glaube, das ist auch ein perfekte Aussage, die sich alle hinter die Ohren schreiben und vielleicht auch mitnehmen nach dem Gespräch.

Speaker A:

Danke Philipp, dass du Gast beim Podcast bist.

Speaker A:

Ist wirklich mega interessant und ich finde Menschen zeigen, wie viele Facetten eigentlich hinter den augenschädlich alltäglichen Entscheidungen stecken, wie groß das Gebiet ist, in dem du forscht und mit dem du dich jeden Tag beschäftigst.

Speaker A:

Ist sehr spannend.

Speaker A:

Danke für mal.

Speaker B:

Danke dir sehr.

Speaker A:

An alle Zuhörerinnen und Zuhörer.

Speaker A:

Achtet doch beim nächsten Griff ist Regal bewusst darauf, welche Marke ihr wählt und fragt euch, wieso ihr sie eigentlich wählt und was das vielleicht für eine Einfluss auf euch hat.

Speaker A:

Danke fürs Zulassen und bis zum nächsten Mal beim HSG Student Podcast.

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