Trauer am Arbeitsplatz - Dr. Gerhart Flothow zu Gast im Trauermanager - Podcast
Gastgeber: Stefan Hund
Das Vererben von Immobilien führt durch massiv gestiegene Grundstückswerte, komplexe steuerliche Anforderungen und veränderte gesellschaftliche Erwartungen zunehmend zu finanziellen und emotionalen Überforderungen. Dr. Gerhart Flothow erläutert: „Die Immobilienpreise, die Immobilienwerte sind durch die Decke gegangen […]. Geschwister auszuzahlen und die Immobilie zu sanieren, ist für die meisten finanziell nicht darstellbar, plus die Steuer“ Dr. Gerhart Flothow 01:19. Stefan Hund konkretisiert, dass heute „entweder du erbst Immobilien oder du arbeitest dich arm“ 02:53.
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Beim Vererben geht es nicht allein um Geld, sondern primär um Anerkennung und emotionale Altlasten. Dr. Gerhart Flothow stellt klar, dass „im Konflikt geht es […] um Anerkennung, Wertschätzung […] Das sind Themen, die auf der Erdebene auch nicht ausgleichbar sind. Eine unglückliche Kindheit sind nicht gleich fünf Mehrfamilienhäuser“ 06:42. Unrealistische Erwartungen und fehlende Kommunikation verschärfen diesen Effekt und führen zur Eskalation: „Die Menschen verrennen sich“ Dr. Gerhard Flotho 07:17.
Wer nichts regelt, nimmt seinen Angehörigen Würde, trauert nicht wirklich und gefährdet das eigene Lebenswerk. Stefan Hund nennt es „respektlos“, Dr. Gerhart Flothow ergänzt: „Angehörige haben ein Recht darauf, am Tag meiner Beerdigung zu trauern – und sich nicht mit dem zu befassen, was ich in meinem Leben hätte aufräumen können“ 08:30. Zusätzlich droht wirtschaftlicher Schaden: „Durch Nichtreglung im Erbe werden schnell Euroscheine weggeworfen […] Kein normaler Mensch schmeißt einfach mal Euroscheine zur Seite, aber genau das passiert“ Dr. Gerhart Flothow 10:18.
Das Erbe sollte geklärt werden, solange man geistig und körperlich voll leistungsfähig ist, da „im Pflegefall oder bei unerwarteter Krankheit“ schnelle Handlungsfähigkeit erforderlich ist Dr. Gerhart Flothow 17:11. Frühzeitige, offene Gespräche auf Augenhöhe mindern späteren Streit: „Ich empfehle, das Erbe dann zu regeln, wenn man den eigenen Tod noch weiter ferne hofft“ Dr. Gerhart Flothow 16:43. Die Erkenntnisse aus der Mediation und Praxis fließen direkt in die Trainings und Beratungsleistungen des Trauermanagers.
Unternehmen können mit dem Trauermanager des Ingenieurbüros Heinke Wedler folgende Systemleistungen implementieren:
1. Was kostet es, einen Erbkonflikt nicht zu lösen?
„Wenn es blöd läuft, die Gesundheit und das Leben. Menschen, die sich über Jahre streiten, sehen aus, als ob sie Krebs gehabt hätten“ Dr. Gerhart Flothow 31:09.
2. Warum regeln so wenige ihr Erbe rechtzeitig?
Angst, Tabuisierung und familiäre Hierarchien blockieren Sachlichkeit: „Wir haben Tabuthemen, da gehört Tod und Erbe dazu …“ Dr. Gerhart Flothow 15:02.
3. Welche Rolle spielt der Trauermanager praktisch für Unternehmen?
Er ermöglicht, nach „Firmenlogik“ individuell abgesicherte, sofort handlungsfähige SOPs bereitzustellen und Führungskräfte für sensible Ausnahmesituationen zu qualifizieren. Ein entscheidender Wettbewerbsvorteil bei Mitarbeiterbindung und Gesundheitsschutz.
Kontakt zu Dr. Gerhart Flothow in Mainz: www.immobilienkonflikte.de
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Erben will gelernt sein. Und hier bei
Speaker:Trauer am Arbeitsplatz, das schwere leicht gesagt,
Speaker:gucken wir noch mal genauer hin. Denn manchmal ist es
Speaker:nicht nur die Trauer, sondern manchmal sind es auch so die Begleitumstände. Und in dem
Speaker:Moment, wo ich zum Beispiel ein Haus geerbt habe, aber nicht
Speaker:alleine bin, dann könnte es Konflikte geben.
Speaker:Und nach einem Jahr habe ich, habe ich mir wieder
Speaker:den gleichen Fachmann eingeladen, nämlich Dr. Gerhart
Speaker:Flutow. Lieber Gerhart, ganz herzlich willkommen. Vielen
Speaker:Dank, dass ich hier sprechen darf. Liebe Hörerinnen und
Speaker:Hörer, damit ihr noch mal wisst, wo ihr seid. Ihr seid hier im
Speaker:Podcast des Trauermanagers, das schwere leicht gesagt.
Speaker:Hier geht es um alle Themen rund um Trauer am Arbeitsplatz.
Speaker:Und mein Name ist Stefan Hund. Ja,
Speaker:lieber Gerhart, vor einem Jahr ziemlich genau warst du schon mal bei
Speaker:uns. Wir haben auch zwischendurch das Thema
Speaker:Erbe und wie gehe ich mit dem Erbe um bis hin zum Erbe ausschlagen
Speaker:auch noch mal gehabt mit dem Jan Hindahl als
Speaker:Rechtsanwalt. Und
Speaker:was heißt es heutzutage ein Haus zu erben?
Speaker:Da hat sich ja auch viel geändert innerhalb der letzten 30 Jahre.
Speaker:Da hat sich sehr viel geändert. Vor allem hat sich geändert, dass die
Speaker:Immobilienpreise, die Immobilienwerte durch die Decke
Speaker:gegangen sind in den letzten 30 Jahren. Und tatsächlich ist
Speaker:eine Besonderheit und die ist
Speaker:halt immer wieder Teil des Problems, dass der Immobilienwert vor
Speaker:allem wegen der Grundstücke nach oben gegangen ist. Das heißt, ich
Speaker:muss als Geschwister auf Basis einen sehr hohen
Speaker:Grundstückswert ausbezahlen, obwohl die Immobilie, die
Speaker:draufsteht, in aller Regel sanierungsbedürftig ist.
Speaker:Und das überfordert die meisten finanziell. Also
Speaker:Geschwister auszuzahlen und die Immobilie zu sanieren, ist für die
Speaker:meisten finanziell nicht darstellbar,
Speaker:plus die Steuer. Das führt zu Konflikten, insbesondere dann, wenn man
Speaker:sich kurz folgende Szene vor Augen fü Die
Speaker:eigenen Eltern üblicherweise in der Generation
Speaker:noch mit einem Einkommen, weil die
Speaker:Mutter oft zu Hause war und die
Speaker:konnte das Haus abbezahlen. Und ich als Kind kann es im
Speaker:Erbfall, obwohl meine Frau und ich beide arbeiten, es
Speaker:nicht mal mir leisten. Und da neigen natürlich
Speaker:auch Menschen dazu, das als eigenen Mangel zu empfinden. Dabei
Speaker:können sie überhaupt nichts dafür Die Gesellschaft hat sich verändert. Heute
Speaker:gilt Immobilienvermögen schlägt Erwerbseinkommen. Das war halt
Speaker:in der Generation der heutigen Erben in Toto anders.
Speaker:Und das ist keine Schuld oder kein Verdient. Es ist halt einfach so.
Speaker:Das heißt, um es auf den Punkt zu bringen, entweder du erbst
Speaker:Immobilien oder du arbeitest dich arm. So ist es.
Speaker:Also das Thema, Das hat sich tatsächlich geändert.
Speaker:Früher war Arbeit das Wohlstandsversprechen und heute ist es
Speaker:halt Erbung. Und in aller Regel
Speaker:entscheidet die Frage, ob du erbst oder nicht, ob du mit deiner Familie im
Speaker:Wohlstand der ersten Liga lebst oder im Wohlstand der zweite Liga.
Speaker:Das ist natürlich gesellschaftlicher Sprengstoff.
Speaker:Klar. Also ich habe jetzt gerade mit jemandem gesprochen,
Speaker:die hat in Frankfurt zwei Häuser geerbt,
Speaker:renovierungsbedürftig und die Häuser sind
Speaker:im Millionenbereich und sie wird eines davon
Speaker:verkaufen müssen, A um die Steuer zu bezahlen und B um das
Speaker:andere zu renovieren. Und die weiß im Augenblick noch nicht,
Speaker:wo ihr der Kopf steht. Da hat sie Gott sei Dank keine Erbengemeinschaft,
Speaker:die sie mir erzählt hat. Aber trotzdem, selbst
Speaker:in dieser Konstellation, wo es eigentlich einfach ist,
Speaker:ist es sauschwer. Und die Erbschaftssteuer ist ja einer der
Speaker:Steuer, wo diese Gesellschaft sich aus meiner Sicht und das ist auch
Speaker:Teil in meinem neuen Buch, die Gesellschaft sich wirklich mal entscheiden
Speaker:muss. Die Erbschaftsteuer bringt vom
Speaker:Gesamtsteueraufkommen 1,5 Prozent, ist
Speaker:also vom Aufkommen irrelevant. Gleichzeitig führt sie in Fällen,
Speaker:wie du sie gerade beschrieben hast, zu wirklich richtig
Speaker:ernsten Problemen und eine Steuer zu
Speaker:generieren, die für Steueraufkommen nicht beiträgt und
Speaker:gleichzeitig Einzelne in existenzielle Probleme bringt. Auf
Speaker:so eine Idee können wir Deutsche kommen.
Speaker:Zumal die Frau, mit der ich mich unterhalten habe,
Speaker:die ist jünger als wir. Aber viele
Speaker:haben ja eher das Problem, da ist derjenige der Erblasser oder
Speaker:derjenige, der verstorben ist, sag mal 90 plus
Speaker:Sohn oder Tochter, die geerbt hat oder die zusammen
Speaker:geerbt haben, die sagen 70 plus, die
Speaker:brauchen gegebenenfalls auch das Erbe gar nicht mehr, zumindest nicht vom.
Speaker:Das ist ja einer der entscheidenden Punkte, die auch heute für
Speaker:die Konflikte verantwortlich sind. Die gestiegene
Speaker:Lebenserwartung verändert das Thema Erbo komplett.
Speaker:Ich war auf einer Beerdigung, da stand der
Speaker:jährige Sohn am Grab seiner Mutter,
Speaker:er stand am Rollator. Ich sagte zu meiner Hoffentlich fällt
Speaker:er nicht rein. Wenige Wochen ist er später, ist er
Speaker:gestorben, da ist Erbe Syria. Es hat
Speaker:keinerlei Bedeutung mehr. Der hätte Millionen erben können, er hätte
Speaker:nichts mehr damit tun können. Die einzigen Wünsche, die er noch hatte, war ein
Speaker:Stück Erdbeerkuchen und eine Runde im Park. Mehr war da nicht mehr drin.
Speaker:Und das verändert das Thema. Deshalb müssen wir in meiner Welt heute auch über
Speaker:das Thema reden, weil der Erbfall und
Speaker:der höchste Geldbedarf der Erben fällt in aller Regel
Speaker:nicht mehr zusammen. Ich frage jetzt
Speaker:einfach mal, du bist ja ein sehr erfahrener
Speaker:Immobilienmediator. Geht es eigentlich in erster Linie
Speaker:bei den Leuten noch ums Geld oder um was geht es eigentlich?
Speaker:Also Geld spielt schon eine Rolle, weil die Frage,
Speaker:ob ich Immobilieneigentum habe oder nicht, ist halt keine ganz
Speaker:unentscheidende Frage. Wenn ich mir die durchschnittliche Rente in Deutschland
Speaker:angucke, ist eigentlich Miete zahlen im Alter nicht drin.
Speaker:Das muss man schon offen sagen. Aber im Konflikt
Speaker:geht es natürlich um Anerkennung, Wertschätzung und
Speaker:natürlich gesehen werden von den eigenen Eltern. Und
Speaker:das sind natürlich Themen, die auf der Erdebene auch nicht
Speaker:ausgleichbar sind. Also eine unglückliche Kindheit
Speaker:sind nicht gleich fünf Mehrfamilienhäuser. Also das gleicht sich nicht aus.
Speaker:Und einer der wichtigen Punkte für mich als
Speaker:Mediator ist unrealistische Erwartungshaltung
Speaker:abzuräumen. Also eine unglückliche Kindheit kann
Speaker:man über Erbe nicht auflösen. Komplett
Speaker:unrealistisch. Wenn man es den Leuten sagt,
Speaker:sagen sie es dann auch selbst, dass sie da sich
Speaker:verraten haben. Aber es passiert relativ häufig,
Speaker:dass die Menschen sich verrennen. Ich gehe mit meinen
Speaker:Konfliktparteien einzelnen Wald spazieren, einfach
Speaker:um mit den Menschen darüber zu sprechen, was sie wirklich
Speaker:bewegt. Und das ist meistens was völlig anderes.
Speaker:Du hast mir schon ein bisschen was im Blick auf dein Buch gesagt.
Speaker:Da kam für mich ein Gedanke, den ich auch
Speaker:früher auch als Gemeinde und Klinikpfacher immer wieder erlebt habe.
Speaker:Nichts zu regeln ist doch eigentlich respektlos.
Speaker:Absolut, absolut. Also gilt ja der
Speaker:alte Satz, den hast du bestimmt auch schon hunderttausend
Speaker:Mal gehört. Wenn ich da mal tot bin, kann es mir doch egal
Speaker:sein.
Speaker:Erster Fehler, die
Speaker:Sterbreihenfolge steht nur ex post fest.
Speaker:Ex kann das schief laufen, weil
Speaker:wenn meine Frau, auch wenn sie eine jährige Oma hatte, einen
Speaker:Unfall hat, hat sie halt einen Unfall. Und dann ist nicht meine Frau, die mein
Speaker:bisschen aufräumen muss, sondern ich muss es selbst tun. Also das ist der erste
Speaker:Punkt. Aber der zweite Ich glaube,
Speaker:dass Angehörige ein Recht darauf haben, ein Recht
Speaker:darauf haben, am Tag meiner Beerdigung
Speaker:trauern zu dürfen und zu können und sich nicht darüber
Speaker:Gedanken machen müssen und faktisch müssen,
Speaker:was ich in meinem Leben hätte aufräumen können. Das ist nicht in
Speaker:Rat. Das ist ein zweiter Punkt, warum ich
Speaker:sehr stark dafür werbe. Ich habe das Buch ja geschrieben,
Speaker:um das Thema Erben Ton zu entharmonisieren,
Speaker:weil wir müssen über das Thema reden. Warum müssen wir darüber
Speaker:reden? Es ist nicht trivial, sein
Speaker:Erbe so zu regeln, dass die Erben was davon haben
Speaker:und man gleichzeitig für Alter und Pflege versorgt ist.
Speaker:Das ist nicht trivial. Und deshalb,
Speaker:man kann es einfach dem Zufall überlassen. Die Wahrscheinlichkeit, dass das funktioniert,
Speaker:ist nahe null.
Speaker:Ja, wie gesagt, für mich ist auch noch mal so dieser Punkt, nichts
Speaker:zu regeln ist ja respektlos. Auch ich denke auch sich selbst
Speaker:gegenüber, denn jeder hat ja im Endeffekt zu diesen
Speaker:Gedanken, wenn ich hier gehe, möchte ich nicht nur einen leeren
Speaker:Tisch hinterlassen, sondern ich habe ja auch ein Lebenswerk, was ich
Speaker:weitergeben will. Und in dem Moment, wo ich da
Speaker:eine Immobilie, vielleicht auch eine ganze Firma
Speaker:weitergebe und da nichts geregelt habe, dann
Speaker:zerstöre ich doch hintenrum mein eigenes Lebenswerk.
Speaker:Das ist eine perfekte Formulierung. Das ist genau so ist
Speaker:es. Wir arbeiten ein ganzes Leben darauf,
Speaker:was aufzubauen und schmeißen durch Nichtregelung von
Speaker:Dingen Euro Scheine weg. Das
Speaker:würden wir niemals tun. Kein normaler Mensch,
Speaker:Milliardäre vielleicht, aber kein normaler Mensch
Speaker:schmeißt einfach mal Euro Scheine zur Seite. Das ist aber
Speaker:durch Nichtregnung im Erbe schnell passiert.
Speaker:Immobilie muss verkauft werden, im Winter
Speaker:verkaufen sich Immobilien schlechter, also kriegst
Speaker:du Euro weniger. Das ist alles
Speaker:nicht trivial. Das ist ein ernstes Thema. Und
Speaker:weil du das nochmal sagst. Also es ist der Respekt vor dem eigenen Lebenswerk.
Speaker:Größer kann es eigentlich nicht sein. Der zweite Punkt.
Speaker:Ich glaube, dass man auch eine Planung für die Erbschaftsteuer haben
Speaker:sollte. Man sollte ein Konzept haben, wo das Geld für die
Speaker:Erbschaftssteuer hinkommt, weil es fällt
Speaker:nicht vom Himmel. Und Immobilien unterscheiden sich ja vom Geld
Speaker:dadurch, dass sie eben nicht beliebig teiler sind. Das ist ja
Speaker:der fundamentale Unterschied, der übrigens im Steuerrecht keinen
Speaker:Menschen interessiert. Es ist ein Unterschied, ob ich von dem Konto
Speaker:mit der Million überweise oder von dem Haus
Speaker:überweise, geht halt nicht.
Speaker:Und dieses Problem kann man nur durch
Speaker:vernünftige, verantwortungsvolle Vorsorge
Speaker:regeln. Wie oft hast du das in deinem
Speaker:Beruf? Du begleitest ja auch Menschen,
Speaker:Ist fast, also wenn ich jetzt zurückgucke,
Speaker:dieses Thema ist in irgendeiner Facette
Speaker:fast bei jedem zweiten Beendigungsgespräch dabei.
Speaker:Entweder dadurch, dass ich Geschwister, du
Speaker:kennst den Satz, seid ihr euch noch einig? Oder habt ihr schon geteilt,
Speaker:dass da eben halt der Verstorbene, ich
Speaker:sage es jetzt mal sehr brutal, noch nicht mal kalt ist und
Speaker:dann wird schon gefeilscht. Oder dann wird eben halt auch
Speaker:gesagt, damals hat mein Onkel und so weiter und so fort.
Speaker:Da werden dann teilweise auch Potjemkinsche Dörfer oder
Speaker:eben halt Lügen aufgebaut, um da an bestimmte Sachen
Speaker:ranzukommen. Oder es werden eben halt auch
Speaker:Menschen ausgetrickst. Bis hin dazu,
Speaker:es wäre nicht das erste Mal, dass wir den
Speaker:Monatsende haben und nach dem liebe
Speaker:Oma, schaff es noch zwei Stunden länger, damit der neue Monat begonnen
Speaker:hat. Auch das habe ich erlebt im Krankenhaus.
Speaker:Das muss man sich mal alles vorstellen, was das mit der Würde
Speaker:eines Menschen zu tun hat.
Speaker:Lass mich aber ein Aspekt noch mal auf den Tisch
Speaker:legen, weil wir tatsächlich eine Zeitenwende haben, über die wird
Speaker:zwar in Deutschland nicht gesprochen, aber wir haben tatsächlich eine Zeit.
Speaker:Das, was wir jetzt aktuell erleben, hätte es unter Bismarck
Speaker:nicht einen einzigen Fall gegeben. Wir erleben
Speaker:das erste Mal, seit die Bundesrepublik Deutschland gibt,
Speaker:dass in Einzelfällen zwei Generationen in Rente
Speaker:sind. Wenn man heute
Speaker:Wiesbaden aufwecken könnte und ihm das erzählen würde, würde
Speaker:er sein Schuss.
Speaker:Das ist von der Vorstellung, jemanden für die letzten
Speaker:Jahre noch so ein bisschen zu versorgen. Das war ja die Vorstellung von
Speaker:Bismarck, so zu zwei Generationen in Rente.
Speaker:Und damit ist ja auch klar, dass die Kinder
Speaker:der Erben faktisch in aller Regel schon ausgezogen sind.
Speaker:Eine völlig neue Situation.
Speaker:Ich würde gerne noch mal den Punkt zurückgehen. Warum wird
Speaker:das in dem Moment nicht angegangen? Ist das aus deiner Sicht
Speaker:Angst? Ist das Feigheit
Speaker:konfliktscheu? Oder warum
Speaker:geht es der Erblasser nicht an? Warum geht es gegebenenfalls auch die Familie
Speaker:nicht an? So im Sinne, Es darf ja
Speaker:keiner über den kranken Opa sprechen, auch wenn jeder genau
Speaker:weiß, auch der Opa. Der Opa sagt mir eben halt auch beim
Speaker:Krankenbesuch im Krankenhaus, Herr Pfarrer, ich habe noch
Speaker:14 Tage und draußen vorher hat mir die Tochter
Speaker:gesagt, sagen es meinem Vater nicht, aber er hat noch zwei Wochen.
Speaker:Spätestens dann merkst du einfach auch den Irrsinn an dieser Stelle. Das ist
Speaker:der völlige Irrsinn. Es ist ein völliger Irrsinn.
Speaker:Und ich glaube, dass es zwei Probleme gibt.
Speaker:Das eine Thema ist, wir haben Tabuthemen, da gehört Tod
Speaker:und Erbe dazu. Darüber darf man nicht sprechen, was ich für
Speaker:einen völligen Irrsinn halte, weil alleine die
Speaker:Tatsache, dass die meisten Lottogewinner nachher ärmer sind als
Speaker:vorher, zeigt, dass es nicht nur der Geldzugang ist,
Speaker:sondern es ist auch die Frage, damit zu lernen
Speaker:umzugehen. Gerade wenn ich Immobilien
Speaker:erbe, dass ich auch weiß, okay, da ist eine Frau, die runter seit
Speaker:35 Jahren, wenn ich denn jetzt die Mieter erhöhe, muss sie ausziehen.
Speaker:Aber Wenn da jemand 35 Jahre wohnt, macht man das ihm
Speaker:trotzdem nicht. Auch wenn das natürlich ökonomisch
Speaker:richtig ist. Aber diese Verantwortung, das
Speaker:ist ja die Kehrseite der Medaille, die auch zu lernen,
Speaker:fällt eben nicht automatisch mit meinem Tod auf meine Tochter
Speaker:über das der erste Punkt. Der zweite Punkt ist,
Speaker:den halte ich persönlich für den allerwichtigsten Punkt. Ich
Speaker:glaube, dass wir ein Problem haben, weil wir
Speaker:immer noch in der Idee leben, dass die Eltern dem Tod
Speaker:vorgeben und Kinder nicht in letzter Konsequenz auf Augenhöhe
Speaker:sind. Und klar, wenn ich über meinen eigenen Tod spreche,
Speaker:spreche ich über den Moment, wo meine Tochter lebt und ich
Speaker:in der Kiste liege. Das ist keine
Speaker:Augenhöhe. Da bin ich sogar unter meiner Tochter vor
Speaker:den Augen. Und das fällt den meisten Menschen mit unseren Erziehungsmustern
Speaker:halt schwer, mit Kindern wirklich auf Augenhöhe zu sein.
Speaker:Aber daran kommt man trotzdem im
Speaker:Leben nicht vorbei.
Speaker:Ich empfehle, das Erbe dann zu regeln, wenn man
Speaker:den eigenen Tod noch weiter ferne hofft. Man
Speaker:weiß es ja nicht, Aber ich glaube, dass es einem leichter fällt,
Speaker:wenn man das für irgendeinen Tag in
Speaker:vielen, vielen Jahren regelt und nicht für den Tag heute.
Speaker:Das zweite ist, glaube ich, es ist auch kein Nachteil, wenn man das gab
Speaker:dann angeht, wenn man im Vollbesitz seiner Kräfte ist,
Speaker:geistlich wie körperlich. Ich weiß nicht, wenn ich
Speaker:morgen Krebs haben sollte, was Gott verhüten möge, ob ich dann
Speaker:Lust hätte, mich um ein Erbe zu kümmern oder ob ich mich um meine Krankheit
Speaker:kümmern wollte. Vermutlich wäre mir da die Krankheit jetzt im
Speaker:Fokus. Und der dritte Punkt ist, wenn die
Speaker:Erwartungshaltung der Erben noch nicht so groß
Speaker:ist. Das will ich an folgender Filmszene
Speaker:erläutern. Wir haben das alle schon mal gesehen. Da hat
Speaker:ein älterer Mann einen Unfall. Die Angehörigen kommen ins
Speaker:Krankenhaus und Machen diese
Speaker:Operationen denn überhaupt noch Sinn? Ist das
Speaker:wirtschaftlich denn noch verantwortbar? Es wäre doch
Speaker:besser für ihn, wenn er jetzt abgehen könnte und für uns
Speaker:auch war das ärm, gehändig. Und diese
Speaker:Situation will ich in meinem Leben um alles
Speaker:verhindern. Ich möchte nicht, dass irgendjemand zu
Speaker:jemandem sagt, wägen wir doch mal ab. Deshalb
Speaker:rege früh Vollbesitz seiner Kräfte. Es gibt
Speaker:keine Garantie, dass nur die anderen Unfälle haben und schwere
Speaker:Krankheiten haben und geringe Erwartungshaltung. Das macht die
Speaker:Sache sehr viel leichter. Jetzt habe ich eine gute
Speaker:Nachricht. Es ist
Speaker:bewiesen, dass es keinen Zusammenhang gibt zwischen den
Speaker:Dinge anzugehen und schwere Krankheit. Das heißt, wenn man
Speaker:das regelt, kriegt man weder eine schwere Krankheit
Speaker:dadurch noch ein Unfall. Es ist völlig unabhängig
Speaker:voneinander. Sehe ich nicht ganz so.
Speaker:Also ich sehe, ich kann es auch nicht nachvollziehen
Speaker:im Sinne von, wenn ich darüber rede, dann bekomme ich es, sondern ich erlebe
Speaker:es eher so, In dem Moment, wo ich zwei Hände frei
Speaker:habe, kann ich leichter gehen. Ich habe viele
Speaker:Menschen auf den letzten Metern des Lebens begleitet und in dem
Speaker:Moment, wo klar war, alles war geregelt, der Tisch war sauber,
Speaker:in dem Moment konnten die Menschen deutlich einfacher gehen, als
Speaker:wenn es da noch riesen Berge auf dem Tisch gab, die es eigentlich
Speaker:nur so hätte zu regeln hätte geben müssen. Also
Speaker:das ist natürlich zu 100 Prozent genauso, wie du es sagst.
Speaker:Ich meinte es anders. Ich meinte es wenn man
Speaker:vorhat, regelt, passiert dadurch nichts Negatives. Aber was
Speaker:richtig ist, und das ist ja deine these, da stimme ich zu 100
Speaker:Prozent zu Menschen können nicht
Speaker:ungeregelt sterben. Die Menschen atmen auf,
Speaker:wenn sie die Dinge regeln. Also tut man sich seinem eigenen
Speaker:Lebenswerk und auch der Qualität des Abganges, soweit man da
Speaker:Qualität haben kann. Aber in Sorge zu sterben, in
Speaker:Ungewissheit zu sterben, ist bestimmt nicht schön. Nein,
Speaker:nein. Und tief im Inneren wissen wir Menschen ja, dass wir die
Speaker:Themen regeln müssen. Ja,
Speaker:aber jetzt der dritte
Speaker:Aspekt ist, es ist eine schwere Aufgabe, sein Erbe zu regeln
Speaker:ist nicht trivial. Das darf man auch mal sagen.
Speaker:Aber manche sind auch
Speaker:überregelbütig. Da
Speaker:gibt es so manche nach dem Motto, ich habe hier
Speaker:eine Million zu vererben, die bekommst du aber erst, wenn du auf
Speaker:jeden Fall zum 30. Geburtstag verheiratet bist.
Speaker:Oder wenn du die Firma mit übernimmst. Wie siehst du das an dieser
Speaker:Stelle, wenn man sowas mit in die Erbdiskussion mit
Speaker:reinbringen möchte? Ich halte das für völlig unmöglich,
Speaker:ehrlich gesagt, weil es in meiner Welt maximal übergriffig
Speaker:ist. Ich bin froh, dass keiner meiner Vorfahren
Speaker:Bäcker war. Ich bin ein notorischer
Speaker:Spätaussteller. Also es hätte kein schlimmeres Erbe für mich geben
Speaker:können als eine Bäckerei. Ich glaube,
Speaker:dass wir, das ist natürlich auch ein Punkt, der das Thema
Speaker:schwer macht, ich glaube, dass Eltern akzeptieren
Speaker:müssen. Ich glaube, dass Eltern akzeptieren müssen, dass Kinder
Speaker:immer aus dem höchst egoistischen Wunsch der Eltern entstehen,
Speaker:weil die Kinder werden ja nicht gefragt. Es sind ja die Eltern, die entscheiden, ob
Speaker:sie ein Kind haben wollen oder nicht. Und aus
Speaker:diesem Wunsch, ein Kind haben zu wollen, leitet sich für mich
Speaker:erstmal Pflichten für die Eltern ab und nicht für die Kinder, weil die hat
Speaker:niemand gefragt. Und ich glaube tatsächlich, dass wir lernen
Speaker:müssen, radikal anzuerkennen, dass mein
Speaker:Lebenslauf nicht zwingend der Entwurf für den
Speaker:Lebenslauf meiner Tochter ist. Absolut.
Speaker:Das ist nicht immer leicht, aber ich glaube, dass wir das lernen
Speaker:müssen anzuerkennen, Zumal sonst hat,
Speaker:glaube ich, du hast jetzt gerade gesagt, deine Tochter oder mein
Speaker:Sohn, dann haben die einfach auch
Speaker:eine bewusste Möglichkeit, das einfach auch zu zerstören,
Speaker:einen Auftrag, das zu zerstören und eben halt nicht
Speaker:gleichzeitig die
Speaker:unverrichteten Aufgaben der Eltern zu
Speaker:übernehmen und möglicherweise zu Ende zu führen, denn das ist
Speaker:übergriffig, Überforderung und passt einfach nicht.
Speaker:Und ich bringe das immer gerne mit. Es gibt ja von Bismarck
Speaker:dieses Generation Modell, die erste baut auf, die zweite
Speaker:hält die dritte Versauber. Man
Speaker:kann sich nicht aussuchen, ob man die erste, zweite oder dritte Generation ist,
Speaker:aber ich hätte keine Lust, da die dritte Generation zu sein.
Speaker:Ganz klar, ganz klar. Und ich sage mal so, wir
Speaker:beide sind altersmäßig beieinander. Wir haben, glaube ich, in der Schule alle noch die
Speaker:Buttenbruchs lesen dürfen und da haben wir es ja nun
Speaker:auf 1000 Seiten direkt dargestellt. Bekommen, was das an der
Speaker:Stelle dann bedeutet. Das ist so. Und
Speaker:ich glaube auch, dass man sich bewusst sein darf, dass
Speaker:Eltern, die einen zu großen Schatten werfen, ihre Kinder
Speaker:im Dunkeln leben lassen. Das würde ich für mein Kind nicht wollen.
Speaker:Das würde ich für mein Kind nicht wollen. Und ich
Speaker:müsste, glaube ich, auch akzeptieren, dass vielleicht meine Tochter eine
Speaker:andere Risikoaffinität hat als ich. Nicht
Speaker:schlechter oder besser. Es ist halt anders.
Speaker:Und ich stelle dann immer noch die Frage, welchen Platz
Speaker:hat ein kind, wenn es 5, 6, 7 Millionen erbt?
Speaker:Was soll es denn da selber leisten? Dann
Speaker:finde ich noch einen sehr, sehr wichtigen Aspekt. Da
Speaker:kommt die Tochter zu ihrem Vater. Der Vater ist sehr
Speaker:vermögend und die Tochter fragt den Vater, darf
Speaker:ich dich etwas fragen? Der Vater sagt, natürlich darfst du mich was fragen,
Speaker:jederzeit. Und dann fragt die Tochter,
Speaker:wie finde ich denn heraus, wenn ein Mann mich küssen will, dass
Speaker:er mich küssen will und nicht ein Geld.
Speaker:Auch der Aspekt darf beachtet werden und ernst genommen werden.
Speaker:Oh ja, gib dir den,
Speaker:Heirate nicht um des Geldes willen. Auf der Bank bekommst du es billiger.
Speaker:Genau,
Speaker:Aber all solche Aspekte habe ich in meinem neuen Buch drin. Ich habe das Thema
Speaker:bewusst mal nicht juristisch angegangen. Bewusst nicht
Speaker:juristisch angegangen, sondern Erbe ist keine
Speaker:Rechenaufgabe. Du hast auch
Speaker:noch mal so dieses Stichwort
Speaker:Erben darüber sprechen auf Augenhöhe.
Speaker:Was heißt für dich in dem Moment Augenhöhe? Wie bringst du den
Speaker:Erblasser auf die Augenhöhe? Denn das haben wir ja teilweise auch
Speaker:als ein Problem, dass der Erblasser möglicherweise nicht auf Augenhöhe ist.
Speaker:Oder wie bringst du die verschiedenen Erben auf Augenhöhe, damit sie
Speaker:einfach miteinander überhaupt Mediation machen können?
Speaker:Das ist eine der schwierigsten Herausforderungen. Ich muss als
Speaker:Mediator bei jedem Menschen, der bei mir Kunde ist, das
Speaker:Liebenswerte herausfinden und ihm zeigen, dass ich
Speaker:das sehe. Und dann ändert sich alles.
Speaker:Das ist einer der Punkte, warum ich so gerne im Wald spazieren gehe,
Speaker:weil man die Menschen anders kennenlernt. Und ich fange dann
Speaker:üblicherweise an, dass ich meine Schwächen erzähle.
Speaker:In dem Moment, wo ich mich klein und verletzlich
Speaker:zeige, kann jemand anders damit anders
Speaker:umgehen.
Speaker:Aber all das ist in meinem neuen Buch. Ja,
Speaker:du hast auch in deinem neuen Buch einen
Speaker:Aspekt drin, der brachte mich zu dem Punkt, es gibt ja
Speaker:diesen Satz mit warmen Händen geben. Ich würde
Speaker:ihn abwandeln, gerne warmen Lippen
Speaker:geben, denn mit warmen
Speaker:Händen, da ist für mich auch so diese
Speaker:Gefahr drin. Ich gebe etwas mit warmen Händen und
Speaker:lieber Sohn, liebe Tochter, du bekommst jetzt hier die Wohnung, aber ich hätte gerne
Speaker:Nießbrauch recht und das ist ja für viele auch eine
Speaker:Falle hintenrum. Wie erlebst du so was?
Speaker:Also das sind problematische
Speaker:Situationen, das ist gar keine Frage, weil die Dinge
Speaker:natürlich lange dauern können und
Speaker:natürlich auch Kreditwürdigkeit kosten können und und und.
Speaker:Da gibt es eine Million Probleme und das gegenseitige unter Druck setzen
Speaker:ist halt auch keine gute Basis, um Familienfried zu schaffen.
Speaker:Das ist halt einfach ein schweres Thema.
Speaker:Aber Immobilien insbesondere ist halt wirklich das
Speaker:Thema, weil sie auf Basis von Erwerbseinkommen für die meisten nicht mehr
Speaker:finanzierbar sind. Und das ist ein gesellschaftliches Problem.
Speaker:Ich glaube, wir müssen über das Thema ohnehin noch mal anders sprechen,
Speaker:weil wir werden jetzt eine Generation
Speaker:bekommen, wo es einige gibt, die, wie ich sage, verzeih
Speaker:mir mit Sperma Lotterie von Geburt an nicht arbeiten müssen
Speaker:und andere leben mit Altersarmut und sammeln Flaschen. Da werden
Speaker:wir eine Antwort darauf finden müssen als Gesellschaft und zwar nicht im
Speaker:Gegeneinander, sondern im Miteinander. Aber das hält der
Speaker:Gesellschaft auf Dauer nicht aus. Ich
Speaker:würde noch eins dazusetzen, Das, was ich erlebe, ist, dass
Speaker:die Konfliktfähigkeit der Einzelnen
Speaker:innerhalb der letzten zwei Generationen
Speaker:auch ziemlich deutlich abgenommen hat.
Speaker:Das ist ein Bemerk oder eine
Speaker:Feststellung, die ich auch schon mache. Über dieses Thema schreibe ich
Speaker:aktuell ein Buch, was auch noch in diesem Jahr kommen wird, weil ich wirklich
Speaker:glaube, dass wir Probleme hatten. Wir haben das Problem, dass wir
Speaker:andere Standpunkte nicht mehr aushalten.
Speaker:Ja, also ich habe jetzt eine Diskussion mit einer Kollegin,
Speaker:die für Pflichtteil ist. Ich bin dagegen, ich bin dafür, dass man das
Speaker:abschafft. Sie ist dafür, es beizubehalten, Aber
Speaker:darüber kann man doch diskutieren, ohne dass man sich gegenseitig an den Hals
Speaker:geht. Und ihr Beispiel, was sie gebracht hat, fand ich sehr gut. Wenn
Speaker:als Kind bis Handwerk wählt in der Kindheit, dann
Speaker:kann man ihm wohl kaum vorwerfen, dass es als Erwachsener keinen Kontakt mit seinen Eltern
Speaker:haben will. Das wäre auch schon ein Argument
Speaker:pro Pflichtteil. Das teile ich das Argument. Im Ergebnis
Speaker:komme ich trotzdem zu Ergebnis. Aber das zu
Speaker:diskutieren, das müssen wir wieder lernen auszuhalten.
Speaker:Auf jeden Fall. Und wenn ich den ganzen
Speaker:Blumenstrauß, über den wir jetzt gesprochen haben,
Speaker:in dem Moment, wo ich noch irgendwo in einem Unternehmen arbeite,
Speaker:dann belastet mich das ja auch, wenn ich der Erbe bin oder möglicherweise
Speaker:zu Hause den Vater habe, der jetzt der jährige Erbe
Speaker:ist und der einfach nicht mehr weiß. Wie gehe ich damit um?
Speaker:Was rätst du an dieser Stelle möglicherweise auch den Führungskräften oder den
Speaker:Arbeitgebern, wenn sie einen Mitarbeiter haben, der genau vor dieser
Speaker:Herausforderung steht? Er braucht Unterstützung.
Speaker:Ich glaube, die kann er auch bei dir finden. Oder irre ich mich da? Wir
Speaker:geben an der Stelle, wir zeigen Wege auf, also juristisch beraten,
Speaker:das können wir nicht. Da geben wir gerne weiter, zum
Speaker:Beispiel, wie es neulich getan habe, an dich.
Speaker:Aber klar, die brauchen an dieser Stelle Unterstützung. Und es muss
Speaker:ganz klar sein, dass das ein Thema ist, was Leute wirklich
Speaker:aus der Bahn schmeißt. Das ist genau einer
Speaker:der Punkte. Deshalb habe ich auch dieses Buch geschrieben, weil das
Speaker:Thema gehört entabuisiert. Ich bin ja nicht auf
Speaker:rechtlicher Ebene unterwegs, ich bin rein auf emotionaler Ebene unterwegs, aber
Speaker:das ist für die Menschen eine Überforderung. Und wenn dann
Speaker:jetzt am Arbeitsplatz noch was schief läuft,
Speaker:weil jemand überlastet ist, dann doch Abmahnungen kommen oder
Speaker:Kündigung. Was für ein Desaster. Alle reden von
Speaker:Fachkräftemangel. Hier hat dann ja der Arbeitgeber einfach seine Rolle nicht
Speaker:wahrgenommen. Wenn jemand 30 Jahre beschäftigt ist und
Speaker:er hat zwei Jahre ein Thema, dann kann man doch wirklich
Speaker:jemanden wie dich einbinden, um den Menschen eine
Speaker:Perspektive zu geben. Und es ist nicht
Speaker:trivial. Das belastet Menschen,
Speaker:wenn du im Augenblick einfach noch mal Vieles sind ja auch nur, ich sag mal,
Speaker:über den Geldbeutel erreichbar. Was würdest du aus deiner Erfahrung
Speaker:sagen, was ist der Wert
Speaker:oder was würde es kosten, sich nicht zu einigen?
Speaker:Also es kostet ein Vielfaches letztlich,
Speaker:wenn es blöd läuft, die Gesundheit und das Leben. Also
Speaker:Menschen, die sich über Jahre streiten, sehen aus, als ob sie Krebs
Speaker:gehabt hätten. Und das Absurde ist,
Speaker:wenn sie sich über Jahre streitet, ist es ihn letztlich in der Sache für nicht
Speaker:egal, weil das Beenden des Streites alleine reicht.
Speaker:Und deshalb glaube ich auch tatsächlich, dass man, wenn man
Speaker:einen Konflikt hat, wenn man Trauer hat, sollte man zu
Speaker:dir gehen, weil das ist kein triviales Thema. Das muss man
Speaker:ernst nehmen. Und das Zweite ist, wenn man einen Konflikt hat, sollte man
Speaker:sich mal überlegen, ob man ihn nicht auch auswürfeln könnte.
Speaker:Weil meistens ist eine Lösung, selbst wenn
Speaker:sie nicht ganz optimal ist, für mich besser als die
Speaker:optimale Lösung. Nach vielen, vielen
Speaker:Das macht ja richtig Mut, wenn ich mich mit dem
Speaker:Thema auseinandersetzen will, in dein Buch reinzugucken, denn
Speaker:ich habe nicht das Problem, da schreibt wieder
Speaker:ein Jurist und ich kann die 87 Paragraphen
Speaker:da unten drunter nicht lesen und die Busnoten will ich nicht lesen,
Speaker:sondern es hat etwas mit mir und meinem Leben zu tun bzw. Mit dem
Speaker:Leben meiner Mitarbeiter. Und insofern absolut,
Speaker:ich habe es bewusst in drei Kategorien geteilt.
Speaker:Drei. Das erste sind Geschichten aus dem Leben und
Speaker:jedem daran. Kein Mensch muss sich dafür schämen,
Speaker:dass in der Familie Streit ist. Es ist auch bei allen anderen Streit,
Speaker:weil das Thema Erbe hat halt durch die höhere Lebenserwartung und
Speaker:das nicht mehr in vollem Maße geltende Wohlstandsversprechen von
Speaker:Arbeit eine völlig neue Bedeutung bekommt. Das ist der erste
Speaker:Punkt. Wichtig enthaben. Keiner muss sich dafür
Speaker:schämen. Das zweite ist, wir müssen als Gesellschaft
Speaker:diskutieren. Das ist Sperber, Lotterie versus
Speaker:Altersarmut. Das muss man auch in beiden
Speaker:Welten, nicht gegeneinander, aber miteinander diskutieren. Und das dritte
Speaker:ist, die Dinge, die man tun muss. Es gibt
Speaker:Vollmachte, die muss man haben und
Speaker:wenn Immobilien dabei sind, dürfen die bitte auch notariell sein.
Speaker:Und wenn man dann denkt, naja, brauche ich doch alles nicht,
Speaker:wenn ich tot umfalle, erbt das ja von alleine und so. Ja,
Speaker:mag ja alles sein. Erstens kann das mit Erbschein dauern, aber das ist mal der
Speaker:eine Punkt. Aber der andere Punkt ist, was passiert denn im Pflegefall,
Speaker:im Pflegefall und die Immobilie müsste verkauft werden, bis man das dann
Speaker:realisiert hat. Viel Spaß dabei. Das sind Punkte, die muss
Speaker:man regeln, die muss man angeben und das darf man nicht dem Zufall
Speaker:überlassen. Und all das.
Speaker:Deutsche Wirtschaftsbriefverlag erschienen. Dieser Verlag ist
Speaker:im Moment relativ oder ist immer sehr erfolgreich.
Speaker:Aktuell hat er die Biografie von Wolfgang Krupp, dem
Speaker:Trigema Inhaber, veröffentlicht. Also renommierter
Speaker:Verlag. Gutes Buch.
Speaker:Ich sag mal ganz, ganz herzlichen Dank. Ich
Speaker:wünsche dir und deinem Buch viele Leser, viele nachdenkliche
Speaker:Leser, die einfach an dieser Stelle in Bewegung kommen.
Speaker:Denn um deinen letzten Punkt nochmal aufzugreifen, was vielen nicht
Speaker:bewusst ist, in dem Moment, wo ich einen
Speaker:Schlaganfall habe und nicht mehr handlungsfähig bin, nichts
Speaker:hinterlegt habe, dann bekomme ich
Speaker:jemanden vom Gericht bestellt, der das nachher ordnet
Speaker:und ob der das im Sinne meines Unternehmens, meiner
Speaker:Familie in meinem Sinne macht, lassen wir einfach mal offen.
Speaker:Insofern wünsche ich eine gute Lektüre.
Speaker:Ich darf einen Satz ergänzen. Woher soll er wissen, wie
Speaker:du es machst, wenn er dich nicht mehr gekannt hat? Es ist ja eine Person,
Speaker:die da bestellt wird, die dich gar nicht kennt.
Speaker:Also liebe Leute, wir sollten darüber nicht nur
Speaker:reden, wir sollten vielleicht das Buch lesen und wir sollten da
Speaker:wirklich in Aktion gehen, denn es gibt ein zu spät
Speaker:und das wirkt sich auf jeden Fall auf den Arbeitsplatz aus.
Speaker:Absolut. Vielen Dank, ich habe zu
Speaker:danken und bis zur nächsten Folge. Liebe Hörerinnen und Hörer,
Speaker:wenn ihr noch Fragen habt, in den Shownotes findet ihr die
Speaker:Kontakte, Schreibt uns, wir werden antworten.
Speaker:Dankeschön.