Ein schwerer Arbeitsunfall, die Rettungssanitäter aktivieren die Notfallseelsorge. Diese unterstützt in erster Linie die Unfallzeugen. Seit über 30 Jahren geschieht dies auf Initiative der Kirchen. Inzwischen gibt es viele sehr gut ausgebildete ehrenamtlich arbeitende Notfallseelsorger. Heiko Schipper, ev. Pfarrer, ist einer von ihnen. Er spricht darüber, wo und wie sie alarmiert werden und wie dann ihr Einsatz ablaufen könnte.
Geschäftsleitungen in Unternehmen sollten bis zum Ende der Folge dran bleiben, denn hier erfahren sie, wie die NFS sie unterstützen könnte, wenn sie selbst einmal zu den Angehörigen nach Hause gehen müssten.
Danke Heiko SChipper
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Mentioned in this episode:
Viele haben schon von der Notfallseelsorge oder
Speaker:von der PSNV, psychosozialen Notfallversorgung,
Speaker:gehört. Was ist das?
Speaker:Kommen die auch ins Unternehmen?
Speaker:Darum geht es heute. Und wenn sie im Unternehmen
Speaker:sind, was machen sie? Wie lange bleiben sie? Und wann gehen sie wieder? Aber
Speaker:da kommt man näher drauf. Liebe Hörerinnen und Hörer,
Speaker:schön, dass ihr wieder mit dabei seid bei Das schwere Leid
Speaker:gesagt, dem Podcast des Trauermanagers. Und mein
Speaker:Name ist Stefan Mundt und ich begrüße euch ganz herzlich
Speaker:zu dieser Runde. Und ich begrüße ganz herzlich
Speaker:Heiko Schipper. Heiko Schipper ist
Speaker:Notfallseelsorger, und das schon viele Jahre. Das wird er gleich noch
Speaker:mal vielleicht direkt was sagen. Und ich kann so viel sagen,
Speaker:er ist im Bereich Mannheim-Ludwigshafen, ist
Speaker:Gemeindepfarrer, aber ehrenamtlich aktiv bei der
Speaker:Notfallseelsorge. Ja, lieber Heiko, ganz, ganz herzlich
Speaker:willkommen hier im Podcast. Ja, hallo,
Speaker:freue mich, dass ich hier sein darf. Wie
Speaker:kommt man eigentlich zur Notfallseelsorge? Kann man sich da bewerben?
Speaker:Also ich bin ja schon relativ lange bei der
Speaker:Notfallseelsorge. Ich bin in den 90er-Jahren dazu gekommen,
Speaker:da war die Notfallseelsorge noch in den Anfängen. Angefangen hat das hauptsächlich
Speaker:in der Pfalz, als in
Speaker:Ramstein dieses große Unglück war, wo bei einer
Speaker:Flugschule Flieger ineinander
Speaker:geflogen sind und Menschen dabei zu Tode gekommen sind und verletzt
Speaker:wurden und man dann gemerkt hat, wir brauchen eigentlich mehr als nur
Speaker:Rettung, Polizei und Feuerwehr. Und da hat sich
Speaker:dann Notfallseelsorge gebildet. Und am Anfang war das so ein bisschen so,
Speaker:dass man in der Landeskirche natürlich dann gefragt hat, wer kann das machen,
Speaker:wer ist bereit dazu. Und da die Seelsorge mir schon immer sehr,
Speaker:sehr wichtig war, bin ich da sozusagen dazu gekommen. Damals hat man gefragt.
Speaker:Konntest du nicht nein sagen, okay. Genau, ich konnte nicht nein sagen, mal
Speaker:wieder mein Sprachfehler, den ich da hatte. Ja,
Speaker:genau. Das war damals noch so, dass man in der
Speaker:Landeskirche gesagt hat, ein Pfarrer kann alles, und die Notfallseelsorge, das machst
Speaker:du mal grad noch so nebenbei ohne Ausbildung, ohne alles. Das hat sich
Speaker:mittlerweile geändert. Wir haben also
Speaker:eine Ausbildung, die über mehrere Monate
Speaker:geht, und es ist eigentlich auch so, dass es nicht unbedingt Pfarrer sein
Speaker:müssen. Im Gegenteil, wir haben im Moment mehr Laien als
Speaker:Hauptamtliche, also als Pfarrer. Also jeder, der
Speaker:sozusagen ein Interesse hat an der Notfallseelsorge, kann
Speaker:sich dafür mal interessieren, kann hingehen, kann ein Gespräch führen,
Speaker:und da wird dann eben geguckt, ist das überhaupt was für mich? Und dann macht
Speaker:man eine Ausbildung, die Theorie und auch
Speaker:Praxis beinhaltet. Ich habe da angefangen in
Speaker:Pirmasens, und wie gesagt, im Moment bin ich im Notfallseelsorgesystem
Speaker:Ludwigshafen. Wir bilden so den Rhein-Pfalz-Kreis
Speaker:ab und natürlich, wenn in Mannheim oder in den umliegenden
Speaker:Systemen Not am Mann ist, zum Beispiel da vor einem Jahr
Speaker:an Rosenmontag in Mannheim, waren wir natürlich auch dabei.
Speaker:Ihr gehört ja zu den wenigen, die telefonisch erreichbar sind,
Speaker:aber keine Telefonnummer haben. Wie werdet ihr eigentlich
Speaker:verständigt? Genau, also Notfallseelsorge ist
Speaker:es ein bisschen anders, als wenn ich jetzt mir, wenn ich bei der Feuerwehr oder
Speaker:bei der Polizei Anruf oder im Krankenhaus vielleicht bei der
Speaker:Notaufnahme. Wir sind also dem
Speaker:Katastrophenschutz zugeordnet und wir sind eigentlich nur für die
Speaker:Einsatzkräfte erreichbar. Wir werden über die Rettungsleitstelle
Speaker:alarmiert, wir haben da so einen Melder, der dann
Speaker:eben im Extremfall, im Notfall losgeht, und in
Speaker:der Regel werden wir auch nur von Einsatzkräften sozusagen angefordert.
Speaker:Also wenn Es ist nicht so, dass jetzt jemand da hingeht und sagt, ach, ich
Speaker:könnte mal, mir geht's irgendwie ein bisschen schlecht, ich könnte mir mal eine Notfallseelsorge
Speaker:holen, weil kein Psychologe in der Nähe ist. Das funktioniert also nicht.
Speaker:In der Regel ist es so, dass eben Notarzt,
Speaker:eben Polizei, Sanitäter oder so,
Speaker:dass die eben dann entscheiden, wir brauchen
Speaker:Notfallseelsorge. Dann melden die das an die Rettungsleitstelle und die
Speaker:informiert uns dann.
Speaker:Und wenn ich jetzt einfach an ein
Speaker:Unternehmen denke, du warst sicherlich in all den Jahren
Speaker:auch schon in Unternehmen zum Notfalleinsätzen. Kannst du da
Speaker:einfach mal Stichworte, du musst keinen Namen nennen, aber was wäre das zum
Speaker:Beispiel? Also was wir schon hatten, sind
Speaker:zum Beispiel Arbeitsunfälle, dass Menschen wirklich zu
Speaker:Tode gekommen sind, das ist eigentlich so Arbeitsunfälle,
Speaker:wo jemand zu Tode gekommen ist und wir dann
Speaker:sozusagen alarmiert werden. Und wir kommen dann auch in das Unternehmen
Speaker:und kümmern uns sozusagen um Kollegen, um Zeugen vor allen
Speaker:Dingen. Also im Grunde ist Notfallsaison ja vor allen Dingen für diejenigen
Speaker:da, die für andere Rettungskräfte jetzt mal, sag ich mal, nicht so
Speaker:interessant sind. Also wenn jetzt jemand als
Speaker:Zeuge dabei war oder sehr, sehr guter Kollege,
Speaker:ist oder es vielleicht auch irgendwie sonst mitbekommen hat, aber
Speaker:selber kein medizinischer Notfall ist oder
Speaker:sonst etwas, schaut vielleicht der Notarzt einmal kurz drüber, sagt:
Speaker:Alles in Ordnung, dem Mann geht's gut oder der Frau. Aber natürlich
Speaker:ist klar, die Bilder kriegt man so schnell nicht wieder aus dem Kopf. Und dann
Speaker:ist es eben sinnvoll, dass dann eben auch
Speaker:eine Notfallseelsorge kommt, um gerade diese Menschen zu betreuen. Und
Speaker:da kann es zum Beispiel auch mal sein, dass jemand natürlich auch mal sagt:
Speaker:Wenn jemand Bescheid weiß und natürlich so einer
Speaker:Einsatzkraft sagen kann, ich glaube, es wäre gut, ich hätte
Speaker:jemanden, und dann merken die, spätestens dann
Speaker:fordern die uns auch wirklich an. Weil manchmal, das war auch noch
Speaker:so ein Problem, dass am Anfang die Rettungskräfte gedacht
Speaker:haben, was sollen wir mit denen, ich brauche da jetzt keinen Quacksalber.
Speaker:Und dann gab es natürlich auch ganz viele Kollegen, die im Eifer des Gefechts natürlich
Speaker:da reingekommen sind und gesagt haben, so, Jetzt bin ich hier da und jetzt
Speaker:mach ich mal. Und das läuft bei Einsätzen halt ein bisschen anders.
Speaker:Das ist wie überall, dass man natürlich als Notfallseelsorger nicht einfach
Speaker:loslegt, sondern erstmal die Einsatzleitung fragt.
Speaker:Wenn es jetzt in einer Firma ist,
Speaker:natürlich auch mal schaut, auch Geschäftsleitung oder
Speaker:sonst wer, dass man sich da auch erstmal vorstellt, dass die auch wissen, wer
Speaker:eigentlich da im Haus ist und was die da eigentlich machen. Das ist
Speaker:ganz, ganz wichtig, dass man nicht einfach da reingeht. Und das hat sich
Speaker:mittlerweile aber geändert, also zumindest kann ich es für den Raum Ludwigshafen,
Speaker:Mannheim, Speyer und so weiter sagen. Die Einsatzkräfte wissen
Speaker:mittlerweile, was sie an uns haben. Was natürlich für uns manchmal ein
Speaker:bisschen den Nachteil hat, dass wir relativ häufig angefordert werden. Also die
Speaker:Meldungen, die Einsatzsätze gehen doch relativ hoch und das
Speaker:wird also langsam auch für
Speaker:Ehrenamtliche doch nicht ganz so einfach. Aber wir schaffen das, wir sind ein
Speaker:größeres Team und das ist schon, das funktioniert recht
Speaker:gut. Ja, aber sagt mir mal, welches Volumen habt ihr ungefähr? Wie
Speaker:viel Mal werdet ihr im Monat oder im Jahr gerufen?
Speaker:Also sagen wir mal so, ich habe jetzt gerade zwei Einsatzwochen
Speaker:als Hintergrunddienst. Wir haben das so aufgeteilt, der A-Dienst
Speaker:geht bei dem Alarm raus, der B-Dienst bleibt im Hintergrund,
Speaker:ist sozusagen die Einsatzleitung. Kann ja passieren, man geht in
Speaker:so ein Unternehmen und hat dann plötzlich 4, 5
Speaker:Zeugen, um die man sich kümmern muss, und das geht ja nicht. Das heißt, wir
Speaker:müssen nachalarmieren. Dafür bin ich dann zuständig. Und ich hatte
Speaker:jetzt zum Beispiel in den 2 Wochen, hatte ich jetzt 5 Einsätze.
Speaker:In der Regel kann man sagen, 2 bis 3 Einsätze pro Woche sind mittlerweile
Speaker:normal. In Unternehmen ist es jetzt nicht ganz so
Speaker:häufig, eher ist es Überbringung einer Todesnachricht,
Speaker:erfolglose Reanimation, das ist so das Häufigste.
Speaker:Was wir haben, aber natürlich Suizid oder so was kann dann auch mal vorkommen und
Speaker:das kann natürlich auch in einem Unternehmen auch mal passieren im Extremfall.
Speaker:Ja, ja. An der Stelle einfach noch mal für unsere Zuhörerinnen und Zuhörer,
Speaker:in dem Moment, wo ihr dabei seid und es um die
Speaker:Zeugen geht, dann kann das in diesem Moment
Speaker:auch für diese Zeugen ein Arbeitsunfall sein.
Speaker:Das ist vielen nicht bewusst, es ist nicht nur der Mitarbeiter, der jetzt da
Speaker:liegt, und der Notarzt kniet sich über ihn drüber,
Speaker:sondern das können ganz genauso die Augen und die Ohren
Speaker:Zeugen sein, die ihr dann hoffentlich in einem
Speaker:separaten Raum begleiten könnt.
Speaker:Ganz genau. Das immer mit bedenken. Ja, ganz genau.
Speaker:Das ist auch wichtig, weil man immer sagt, ach, der hat das halt nur gesehen,
Speaker:hat das gesehen, der kommt schon wieder drüber weg. Hoffen wir ja auch
Speaker:alle darauf, arbeiten wir ja auch hin. Aber man muss schon sehen, dass
Speaker:gerade solch, dass Dass das zumindest mal aufgearbeitet
Speaker:werden muss. Was viele auch bei uns nicht so ganz wissen, ist, dass wir im
Speaker:Grunde agieren wie Notärzte. Das heißt, wir sind nur für den
Speaker:Notfall zuständig. Wenn wir gerufen
Speaker:werden, dann fahren wir eben diesen Einsatz, kümmern uns um die
Speaker:Leute, aber eine Nachbereitung oder so was ist in der Regel nicht vorgesehen. Das
Speaker:würden wir auch gar nicht schaffen. Also in dem Falle
Speaker:haben wir dann Adressen oder so was, wo wir gerne auch behilflich sind,
Speaker:da weiter zu vermitteln, auch
Speaker:damit die Menschen auch weiterhin Hilfe bekommen.
Speaker:Ja klar, gerade in dem Moment, wo du so ein Ereignis hast, und
Speaker:ich habe letzte Woche mit der entsprechenden Dame bei der
Speaker:Bundesbahn gesprochen, wenn es da eben halt zu einem
Speaker:Einsatz, Notfalleinsatz am Gleis kommt, dann sind ja auch dann die
Speaker:Zugführer sehr, sehr betroffen, und die sagte eben halt
Speaker:auch, wir müssen da so schnell wie möglich reingehen, um
Speaker:um diesen Menschen mit zu entlasten.
Speaker:Denn es könnte ja dann nachher sonst eine PTBS kommen,
Speaker:sprich, derjenige hat, das sage ich jetzt mit meinen
Speaker:Worten, noch lange im Kopf, wie waren die Bilder, wie waren
Speaker:die Töne, wie waren die Gerüche. Ja, genau. Das braucht ja
Speaker:keiner. Ja, oder dass man eben auch sagt,
Speaker:bestimmte Arbeitssituationen dann vielleicht
Speaker:für manche Leute problematisch sind, weil bei dem Kollegen, bei der
Speaker:Arbeitssituation oder bei dem Arbeitsschritt eben der Unfall passiert ist,
Speaker:dass man dann plötzlich Probleme hat, da seine Arbeit zu verrichten. Und
Speaker:da ist es ganz wichtig, dass man von Anfang an und ziemlich schnell auch
Speaker:da etwas unternimmt.
Speaker:Und da ist es eben, wie du gerade eben auch schon gesagt hast,
Speaker:für uns auch ganz wichtig, das ist für Unternehmen im Grunde auch wichtig, wenn wir
Speaker:kommen, brauchen wir einen Raum, der erstmal
Speaker:geschützt ist. Dass wir uns nicht da einfach irgendwo reinsetzen
Speaker:und da rennt Feuerwehr, Polizei oder Sanitäter rennen da rum
Speaker:oder Irgendwelche Mitarbeiter hören da mit, sondern es muss wirklich einen
Speaker:vertraulichen Raum geben, wo wir uns zurückziehen können,
Speaker:wo man in Ruhe auch einmal reden kann. Das Wichtigste ist ja, dass
Speaker:die Menschen auch erst mal bisschen runterkommen und zur Ruhe kommen. Das ist
Speaker:nur in einem separaten Bereich möglich. Wir brauchen da keinen
Speaker:Konferenzraum oder sonst etwas. 2 Tische, 2 Stühle, reicht das
Speaker:schon fast. Aber wichtig ist, dass wir einen geschützten Raum haben, wo
Speaker:man wo auch der Mitarbeiter dann oder Zeuge oder sonst wer weiß,
Speaker:alles, was jetzt hier gesprochen wird, bleibt unter uns.
Speaker:Ja, das ist das eine. Und das andere ist einfach auch, wie du
Speaker:eben schon sagtest, du musst die Leute erst mal runterkriegen. Also möglicherweise einfach auch
Speaker:noch mal, jetzt begleiten Sie mich beim Atmen,
Speaker:langsam zu atmen, dass du einfach aus dieser Hyperventilierung
Speaker:rauskommst, zum Beispiel. Ja, jetzt, dass da einer an dieser Stelle
Speaker:allein schon so viel Sauerstoff im Kopf hat,
Speaker:austickt. Ja, genau.
Speaker:Was macht ihr dann sonst noch? Ja,
Speaker:manch einer hat ja vielleicht so diesen Gedankengang, naja, jetzt kommt die Kirche von der
Speaker:Notfallseelsorge, jetzt bringen die die Bibel mit und so weiter und so fort. Aber so
Speaker:ist es ja auch nicht. Was macht ihr? Wie muss ich mir
Speaker:das vorstellen? Jetzt ist da ein schwerer Arbeitsunfall, ihr seid
Speaker:jetzt vor Ort, was passiert in dem Moment? Was macht ihr?
Speaker:Also, um das auch noch mal ganz klar zu sagen, also wir sind ein
Speaker:christliches Angebot, es ist
Speaker:auch klar, dass wir von der Kirche kommen, es gibt auch noch andere Kids von
Speaker:der DAK und so weiter, die da ein bisschen anders arbeiten, aber es ist natürlich
Speaker:ganz logisch, dass wir nicht mit der Bibel in der Hand
Speaker:erstmal kommen, es geht uns auch überhaupt nicht darum, ob derjenige jetzt Christ ist
Speaker:oder nicht oder ob wir das gerne hätten, dass er Christ wird, das interessiert
Speaker:uns in dem Moment überhaupt nicht, sondern es geht wirklich um
Speaker:den Menschen. Natürlich ist es so, dass wir
Speaker:als Notfallseelsorger und als Pfarrer sowieso auch noch mal so eine
Speaker:spirituelle und geistliche Kompetenz mitbringen, die wir aber nur
Speaker:einsetzen, wenn wir den Eindruck haben, dass das für den
Speaker:Betroffenen auch wirklich Sinn macht oder ihm auch wirklich
Speaker:hilft. Also es ist ganz klar, so werden auch die Leute wirklich
Speaker:bei uns auch geschult. Dass es erst mal nur
Speaker:drum geht, die Menschen zu stabilisieren. Also dass wir einfach schauen,
Speaker:wie— Es gibt ja Leute, die sitzen einfach da und
Speaker:sagen erst mal gar nichts. Dass wir einfach mal schauen, wie kriegen wir diese Leute
Speaker:dazu, dass sie mal anfangen zu erzählen. Dass es halt einfach auch erst mal
Speaker:rauskommt. Das ist ja immer das Allerwichtigste. Dass sie mal
Speaker:erzählen können. Und meistens ist es dann schon oft so, dass Menschen
Speaker:dann merken, es wird ein bisschen leichter. Wenn ich es einfach schon einmal
Speaker:erzählt habe. Und dann kann es natürlich ganz unterschiedlich sein,
Speaker:dass wir auch fragen müssen, sollen wir sonst noch
Speaker:jemanden informieren? Wir haben es auch schon gemacht, dass wir auch mit
Speaker:Leuten dann noch kurz nach Hause fahren, dass sie das
Speaker:zum Beispiel auch nicht alleine irgendwo jemandem erzählen müssen, sondern dass wir sagen,
Speaker:wir sind dabei, wir unterstützen dich da.
Speaker:Und sowas halt. Aber wie gesagt, in der Regel ist es sehr, sehr individuell und
Speaker:da legen wir auch großen Wert drauf. Wir kommen also nicht mit vorgefertigten
Speaker:Meinungen oder Antworten oder so und wie gesagt, das
Speaker:Spirituelle, das setzen wir im Grunde nur
Speaker:ein, wenn die Leute das entweder gerne hätten
Speaker:oder wenn wir irgendwie den Eindruck haben, dass das so ist. Aber ansonsten spielt das
Speaker:gar keine Rolle. Also es wird auch bei uns immer mehr, dass wir auch
Speaker:mit Menschen zu tun haben, die eben muslimischen Glaubens sind oder so, da haben wir
Speaker:dann auch eine Fachkraft bei uns, die wir im Notfall da auch noch mit
Speaker:involvieren können. Oftmals ist es dann ja auch manchmal auch eine
Speaker:Sprachbarriere, wenn man in irgendeiner Familie ist, und
Speaker:da sind wir also relativ gut aufgestellt.
Speaker:Wir haben auch zum Beispiel in unserem System einen Psychologen, der hauptsächlich auch
Speaker:Kinderpsychologe ist, und wenn wir zum Beispiel
Speaker:den Eindruck haben, das ist jetzt wirklich etwas, da sollte man Fachmann als
Speaker:Psychologe ran, dann ist das natürlich für uns auch ganz klar,
Speaker:wir können viel, aber das können wir halt nicht, das haben wir nicht in dem
Speaker:Sinne gelernt, und dann kommt eben auch ein Fachmann. Das ist auch ganz,
Speaker:ganz wichtig für uns, dass wir nicht meinen als Notfallseelsorger, so, wir kommen jetzt
Speaker:und jetzt können wir da alles und das kriegen wir schon irgendwie wieder gewuppt.
Speaker:Nein, da ist ganz klar, dass man auch seine eigenen Grenzen
Speaker:kennt. Ja, und in dem Moment auch sagen
Speaker:muss, das kann ich und das kann ich nicht. Genau, genau,
Speaker:das ist ganz, ganz wichtig, dass man sich das immer wieder klar macht. Wenn man
Speaker:irgendwie den Eindruck hat, dass da was, was Schlimmeres ist, dass man
Speaker:dann auch wirklich sagt, entweder man zieht noch jemanden dazu oder sagt,
Speaker:ich empfehle dringend, da
Speaker:auch Therapie oder sowas zu machen. Und das wird dann auch,
Speaker:wenn der, wenn das dem, dem Klienten, also für ihn okay ist, auch
Speaker:kommuniziert, dann
Speaker:Wie ist das? Wir haben ja auch, also ich weiß zum Beispiel von zwei
Speaker:Situationen, das war in dem Moment ähnlich
Speaker:jetzt wie hier bei uns. Das war ein Zoom-Call mit verschiedenen
Speaker:Beteiligten und einer bekommt einen Impact.
Speaker:Hattest du so was auch schon mal nach dem Motto, jetzt habe ich die Leute
Speaker:nicht in einem Raum, in einer Firma, sondern
Speaker:ja, Der eine ist dort noch am Fernseher oder am
Speaker:Bildschirm und der ist dort noch am Bildschirm. Kann da notfalls die Sorge auch
Speaker:helfen? Also sagen wir mal so, wir hatten, den Fall
Speaker:hatte ich bis jetzt noch nicht gehabt. Also wir hatten
Speaker:es schon einmal, dass mal so, wenn es
Speaker:um Schule oder was ging, mit Amoklauf und so,
Speaker:da hatte man das schon einmal, dass man da so im Grunde so eine Art
Speaker:Gruppensitzung gemacht haben. Das ist allerdings dann auch etwas, was was auch nicht
Speaker:jeder Notfallseelsorger so kann. Und wenn es jetzt
Speaker:ein Einzelgespräch sein soll, ist es natürlich schwierig in der Zoom-Sitzung,
Speaker:weil die anderen hören ja mit. Da müsste man dann eben sagen, Leute,
Speaker:wichtig, der oder der ist
Speaker:involviert. Also auch da ist es wieder nötig, so
Speaker:einen Raum zu schaffen, der auch geschützt
Speaker:ist. Nicht ganz
Speaker:so einfach, aber grundsätzlich ist es schon so, dass wir
Speaker:also die vielfältigsten Einsätze haben. Da ist also auch schon einiges gewesen,
Speaker:wo man sagt, das ist jetzt nicht so klassisch, aber wir sind in der Regel,
Speaker:versuchen wir den Menschen zu helfen, so gut wir können.
Speaker:Du sagtest vorhin, wir sind nicht für die Nachsorge zuständig.
Speaker:Wie lange seid ihr eigentlich in dem Moment vor Ort, wenn ihr gerufen werdet?
Speaker:Also das ist wirklich sehr, sehr unterschiedlich. Also ich sag immer,
Speaker:manche sagen ja, wie, das ist doch wahnsinnig schwer, so
Speaker:Notfallseelsorge zu beginnen. Finde ich überhaupt nicht. Ich finde es schwer, ihn zu
Speaker:beenden. Das ist eigentlich eher so die Frage, wann gehe ich
Speaker:als Notfallseelsorger? Also so ganz klassisch sagt man
Speaker:natürlich, wenn man zum Beispiel irgendwo eine Todesnachricht
Speaker:überbringt und die Familie kommt und die Menschen sind nicht
Speaker:alleine und so weiter, dann kann man gehen. Also wir haben
Speaker:Notfallseelsorgeeinsätze, die dauern eine halbe Stunde oder eine Stunde.
Speaker:Wir haben Notfallseelsorgeeinsätze gehabt, die haben 8 Stunden gedauert.
Speaker:Das ist auch schon vorgekommen, dass wir tatsächlich auch dann einen Notfallseelsorger
Speaker:austauschen mussten. Ja, weil es
Speaker:ganz manchmal, oder wir hatten es auch schon, dass man dann eben, wenn jemand einen
Speaker:Schlaganfall hatte, man hat die Frau ins Krankenhaus begleitet, die
Speaker:Angehörige, dann hat man natürlich gewartet, bis die bis die Ärzte, bis
Speaker:irgendwas klar ist, wie geht's jetzt weiter und so, und das kann manchmal
Speaker:schon dauern, oder wir haben auch schon bei, wenn jemand jetzt
Speaker:so verstorben ist, dann haben wir auch gewartet, bis der Bestatter kommt und der abgeholt
Speaker:wird, und das kann manchmal 3, 4, 5 Stunden dauern, weil ja erst der medizinische
Speaker:Dienst noch kommen muss, und der kommt ja auch nicht in 10 Minuten und
Speaker:so weiter. Also in der Regel ist das eine
Speaker:Sache, wo wir das abschätzen müssen, Wo wir sagen,
Speaker:also wir sagen immer, wenn die Menschen einigermaßen
Speaker:einen stabilen Eindruck machen, wenn sie nicht alleine sind, wenn sie
Speaker:jemanden haben, der auch
Speaker:sagt, ich bin da, dann gehen wir. Und da hatte man auch schon ein-,
Speaker:zweimal gesagt, und das ist auch dann auch schon passiert, dass wir gesagt haben,
Speaker:also wenn es jetzt noch mal einen Rückfall im Grunde so was gibt,
Speaker:könnt ihr auch gerne über die Rettungsleitstelle oder über
Speaker:Einsatzkräfte einfach noch mal sagen, hier, da war ein Einsatz, ich gebe
Speaker:euch die Einsatznummer, gebt die weiter, und dann könnt ihr noch
Speaker:einmal uns anrufen. Das ist dann
Speaker:schon möglich. Aber im Großen und Ganzen
Speaker:ist es wirklich so, wenn wir den Eindruck haben, dass die Lage einigermaßen stabil
Speaker:ist, dass die Menschen einigermaßen stabil sind, denn es ist ja nicht
Speaker:so, dass es ihnen jetzt gut geht
Speaker:danach, dass sie dann wieder zurückgehen und sagen, jo, das hat mir so toll geholfen,
Speaker:jetzt ist ja alles wunderbar. Das wäre natürlich schön, aber das
Speaker:ist etwas, was wir eigentlich auch nicht
Speaker:erreichen können, auch nicht wollen, ehrlich gesagt, weil es auch nicht gut ist.
Speaker:Das würde dann ja heißen, dass Leute irgendetwas verdrängen und das ist immer das Schlimmste,
Speaker:was passieren kann. Ja gut, es ist ja, also ich
Speaker:weiß von einer Situation, da gab es einen schweren
Speaker:Arbeitsunfall, da ist ein Mitarbeiter in die Maschine gekommen, über den
Speaker:Rest möchte ich jetzt nicht weiterreden. Und die Führungskraft
Speaker:sagte nachher so, jetzt habt ihr noch 2 Stunden, bis eure Schicht zu Ende ist,
Speaker:jetzt macht mal wieder weiter. Und das ist natürlich klar,
Speaker:Entschuldigung, das klappt nicht. Und ich weiß aus gut
Speaker:informierten Kreisen, dass da fast die gesamte Schicht
Speaker:gekündigt hat, weil sie gesagt hat, Leute, geht's noch?
Speaker:Und das ist zum Beispiel auch so etwas, wo wir auch als
Speaker:Notfallseelsorger dann auch mit
Speaker:Firmenleitungen oder so was, aber auch mit Einsatzkräften Kräften reden,
Speaker:und dann sind wir diejenigen, die sagen, was gut ist. Also das
Speaker:ist so etwas, was für mich am Anfang ein bisschen ungewohnt war, wenn ich mit
Speaker:Polizei
Speaker:eine Todesnachricht überbringe, bin ich derjenige, der dem Polizisten sagt,
Speaker:wie wir das machen. Weil wir dann die Fachkraft sind, und so ist
Speaker:das im Unternehmen ganz genauso, dass wir dann auch, wie das Unternehmen sich dann
Speaker:entscheidet, ist natürlich ihre Sache. Wir können ihnen ja nichts vorschreiben. Wir haben keine Handhabe,
Speaker:Wollen wir auch überhaupt nicht, da sind wir überhaupt nicht kompetent dazu. Aber wir geben
Speaker:dann schon Empfehlungen weiter, sagen, wir würden Ihnen jetzt
Speaker:empfehlen, das so und so zu machen,
Speaker:und hoffen halt, dass das Unternehmen das dann auch so befolgt,
Speaker:weil dann die Wahrscheinlichkeit,
Speaker:dass die Menschen eben dann auch bald wieder
Speaker:arbeitsfähig sind, von Kündigung muss man da ja noch gar nicht sprechen, aber
Speaker:dass sie zumindest auch wieder arbeitsfähig sind und sich nicht erst mal wochenlang krank melden,
Speaker:dann höher ist, als wenn der jetzt ein Unternehmen sagt, wir
Speaker:arbeiten aber sofort weiter, dann sind die Leute zumindest erst mal ein paar Wochen
Speaker:krank danach. Und dann fallen sie ganz aus
Speaker:und dann ist weder dem Unternehmen noch den Mitarbeitern noch
Speaker:irgendjemandem geholfen.
Speaker:Ja, da sind wir nochmal bei dem Stichwort PSNVE, nämlich
Speaker:Einsatzkräfte. Also bei mir war es ja Anfang,
Speaker:Mitte der 90er, wo ich dann auch von der Polizei gebeten worden
Speaker:bin, weißt du ja noch, ich hatte Eine Kirchengemeinde an der
Speaker:ICE-Strecke mit einer Brücke außerhalb. Mehr muss ich jetzt nicht
Speaker:sagen. Ja, ja. Und da haben die auch
Speaker:gesagt, die Polizisten sagten, wir kennen teilweise die Familien,
Speaker:kommen Sie mal mit. Ja, also nach dem Motto, es ist zwar unser
Speaker:Job vom Gesetz her, wir müssen die Todesnachricht überbringen, aber
Speaker:wir fühlen uns ja unwohl. Ja, ja. Und mittlerweile ist
Speaker:es also auch wirklich so, dass die Leute, die sind also sehr, sehr dankbar auch
Speaker:darum, weil es geht zum einen natürlich darum, dass die
Speaker:Polizei die Todesnachricht überbringen muss, obwohl ich da
Speaker:mittlerweile festgestellt habe, dass die auch sehr gut psychologisch
Speaker:geschult sind. Das kriegen die auch relativ gut hin, muss ich also
Speaker:wirklich sagen. Und das Problem ist auch weniger,
Speaker:dass sie jetzt mit der Reaktion nicht klarkommen. Das Problem ist, die müssen wieder gehen.
Speaker:Die können keine 3 oder 4 Stunden dableiben. Das ist eigentlich das
Speaker:Hauptproblem. Das heißt, die sagen, meinetwegen, Ihr
Speaker:Sohn ist leider verunglückt. Auf Wiedersehen.
Speaker:Und das geht nicht. Da kann man die Leute nicht einfach allein lassen. Und da
Speaker:sind sie halt dankbar, dass wir sagen: Geht ihr ruhig, wir
Speaker:bleiben da. Und umgekehrt ist es so, die Erfahrung
Speaker:haben wir jetzt auch gemacht, und das ist jetzt auch eine ganz klare Regel für
Speaker:uns, wir gehen grundsätzlich, wir überbringen grundsätzlich
Speaker:keine Todesnachricht ohne Polizei. Und zwar nicht, weil wir jetzt irgendwie
Speaker:Angst vor Reaktionen hätten oder so was, sondern weil natürlich die allererste
Frage ist:Was ist denn passiert? Was ist passiert und wir kriegen im
Frage ist:Grunde nur rudimentäre Informationen über die
Frage ist:Rettungsleitstelle, wir wissen eigentlich nichts und selbst wenn ich das
Frage ist:wüsste, da gab es
Frage ist:schon Probleme, wo dann eben ein Notfallseelsorger das
Frage ist:so seines Wissens nach gesagt hat und es
Frage ist:war am Schluss falsch. Also zum Beispiel, wenn einer sich um den
Frage ist:Baum gewickelt hat, war das jetzt nass oder war er zu schnell, ist er selber
Frage ist:schuld oder war es ein Unfall? Wo er gar nichts für konnte, das muss die
Frage ist:Polizei klären. Und das ist auch für Unternehmer und
Frage ist:für Vorgesetzte und Leitung und Führungskräfte ganz, ganz wichtig.
Frage ist:Wenn man zum Beispiel sagt, ist im Unternehmen jemand
Frage ist:verstorben, wir müssen den Angehörigen Bescheid geben. Ja, also
Frage ist:es ist, denke ich, sehr, sehr wichtig, dass auch
Frage ist:wenn Führungskräfte dann sozusagen den Angehörigen signalisieren, es
Frage ist:tut uns leid und so weiter, wir nehmen Anteil. Aber niemals den
Frage ist:Erstkontakt. Und wenn Sie es doch mal machen, dann muss jemand
Frage ist:Offizielles dabei sein von der Polizei, der den Unfallhergang
Frage ist:schildert, und dann ist alles gut. Also
Frage ist:das ist zum Beispiel auch etwas, was wir auch dann anbieten können,
Frage ist:dass wir sagen, wir sind natürlich dafür auch da,
Frage ist:dann den Angehörigen Bescheid zu sagen, dass der Ehemann, der
Frage ist:Sohn oder wer auch immer die Ehefrau
Frage ist:verstorben ist. Das ist dann auch mit unsere Aufgabe, da kann
Frage ist:gern jemand von der Führungskraft auch mitkommen und so weiter,
Frage ist:aber wichtig ist, gerade bei dem, dann später nicht, also
Frage ist:wenn die Bescheid wissen, dann ist alles okay, dann kann man seinen Besuch machen,
Frage ist:oder wenn man das gerne möchte, aber
Frage ist:da ist es ganz wichtig, dass die Polizei sagt, also
Frage ist:den Unfallhergang, Tathergang, egal was es war,
Frage ist:Sache der Polizei. Ja, aber da hast du noch mal was
Frage ist:ganz Wichtiges gesagt. In dem Moment, wo ein Mitarbeiter
Frage ist:im Unternehmen stirbt und dann nachher,
Frage ist:wir sagen ja ganz klar, für so einen Fall, da sollte
Frage ist:möglichst die Geschäftsleitung, aber jemand, ich sag mal, mit ein paar Pommes auf der
Frage ist:Schulter in die Familie gehen. Geht
Frage ist:ihr da mit? Oder wie würde das dann laufen? Das eine
Frage ist:ist ja, das ist jetzt gerade die erste Information.
Frage ist:Da kommt ihr möglicherweise mit der Polizei in den Firmenstandort, wahrscheinlich
Frage ist:eher nicht, sondern da ist der Firmenchef, der sagt, heute
Frage ist:Morgen um 6 Uhr war das, heute Abend um 6 Uhr habe ich mich bei
Frage ist:der Familie angesagt, könnt ihr mich da begleiten? Ich weiß nicht, wie ist es da
Frage ist:bei euch? Also sowas wäre schon einmal möglich.
Frage ist:Ja, das muss man dann sozusagen abstimmen mit der
Frage ist:Notfallseelsorgekraft. Das hatten wir schon öfters auch mal. Dass wir
Frage ist:sozusagen dann so eine Art Folgeeinsätze
Frage ist:noch mal hatten. Also das ist schon etwas,
Frage ist:was wir auch anbieten können, dass wir sagen, wir können dann gerne
Frage ist:auch noch mal mitkommen, wenn das so gewünscht
Frage ist:ist. Also
Frage ist:in dem Moment, wo du ja als Führungskraft da in die
Frage ist:Familie gehen sollst, die meisten haben ja dann selbst erst mal einen halben
Frage ist:Herzinfarkt. Weil sie einfach nicht wissen, was
Frage ist:kommt da auf mich zu, was soll ich sagen und so weiter und so fort.
Frage ist:Und da seid ihr einfach auch noch mal ansprechbar. Wie müsste ich das
Frage ist:in dem Moment jetzt eigentlich machen? Jetzt bin ich Firmenchef,
Frage ist:jetzt würde ich jetzt doch morgen Abend noch mal in die Familie gehen.
Frage ist:Wie erreiche ich euch da? Oder rufe ich da jetzt in der nächsten Polizeistation an,
Frage ist:dass mich da der NFS zurückruft?
Frage ist:Also in so einem Fall würde ich empfehlen, bei der
Frage ist:Rettungsleitstelle anzurufen und das kurz schildern, den Einsatz
Frage ist:schildern, die wissen das ja, solche Sachen,
Frage ist:das wissen die noch, auch wenn man jetzt keine Einsatznummer
Frage ist:hat oder so was, und dann ist es so in der
Frage ist:Regel, dass die Rettungsleitstelle dann einfach die Notfallsiegesorge
Frage ist:alarmiert, und in der Regel ist es ja so, dass wir, also
Frage ist:wir haben wochenweise Dienste, Das heißt,
Frage ist:wenn wir jetzt dienstags einen Einsatz hatten und mittwochs käme jetzt
Frage ist:die Anfrage, reicht das dem Notfallseelsorger, der am Dienstag auch da war?
Frage ist:Der weiß Bescheid und dann kann man alles
Frage ist:weitere klären. Was für uns als
Frage ist:Notfallseelsorger auch ganz wichtig ist, wenn wir zum Beispiel so in eine Firma
Frage ist:kommen und so weiter, dass natürlich die
Frage ist:Einsatzkräfte uns sagen, erstmal kurz briefen, was ist los
Frage ist:und so weiter, aber dass auch auch die Firma selber
Frage ist:noch mal sagen kann, wer ist eigentlich nun wirklich involviert, dass
Frage ist:die auch noch mal schauen, wir kommen und wissen ja gar nicht, wir kennen
Frage ist:die Firma in der Regel nicht, wir kennen die Strukturen nicht. Es kann ja auch
Frage ist:zum Beispiel sein, dass eine Führungskraft, was weiß
Frage ist:ich, befreundet war mit irgendjemandem oder dass man
Frage ist:eine sehr gute Kollegenschaft hatte, dass sie vielleicht selber auch gerade irgendwie was
Frage ist:Schweres erfahren haben und da jetzt wieder hochkommen. Das sind ja alles
Frage ist:solche Sachen, normalerweise sagt, ja komm, hab dich nicht, früher
Frage ist:hätte man so gesagt, hab dich nicht so, das geht schon wieder, Augen zu, die
Frage ist:Zeit heilt alle Wunden und solche
Frage ist:Sprüche. Ja, und da ist es für uns vor allen Dingen auch wichtig, dass da
Frage ist:auch wirklich, dass wir auch in der, wenn es jetzt eine etwas größere Firma
Frage ist:ist, auch einen Ansprechpartner haben, der auch jetzt mal sagt, okay,
Frage ist:ich schaue jetzt auch mal, vielleicht ich frage auch mal im Betrieb
Frage ist:rum, wo könnte denn vielleicht noch Bedarf sein?
Frage ist:Natürlich können wir nachalarmieren, aber es ist auch blöd, wenn da plötzlich da 10
Frage ist:Notfallsirenen rumrennen und jeder denkt, was wollen die eigentlich hier,
Frage ist:läuft doch eigentlich, ja, ist zwar schlimm, aber ich komme
Frage ist:klar. Das haben wir auch schon öfters gehabt, dass auch sehr nahe
Frage ist:Angehörige recht gefasst sind und erst einmal damit klarkommen, weil
Frage ist:es ja manchmal auch so ist, wenn der Schock dann erstmal weg ist, so 1,
Frage ist:2 Tage später, dann kommt das erst, und dann ist
Frage ist:halt so Grund jemand anderes dafür zuständig.
Frage ist:Aber es kann ja auch sein, dass ihr in große Firmen gerufen werdet.
Frage ist:Wie sagst du, die Firma in Ludwigshafen mit den vier Buchstaben,
Frage ist:ich will jetzt keine Schleichwerbung, die haben
Frage ist:ja auch ihre eigene, ich sag mal,
Frage ist:Notfallseelsorge, und dort werdet ihr auch
Frage ist:trotzdem gerufen. Genau, das wird so, weil die mit denen sehr gut
Frage ist:zusammenarbeiten, also sie haben ja ihr eigenes Notfall-
Frage ist:Seelsorgesystem, kann man sagen, haben erstmal ihre eigenen
Frage ist:werkseigenen, also
Frage ist:Kit nenne ich das jetzt mal. Aber ist es ja so, wir hatten z.B., das
Frage ist:ist jetzt schon paar Jahre her, hat schon eine große Explosion
Frage ist:am Terminal von dieser
Frage ist:Firma gegeben, wo auch dann Feuerwehrleute
Frage ist:verstorben sind. War eine ganz fiese und gemeine
Frage ist:Geschichte und dieser
Frage ist:Unfall selber, da waren wir eigentlich gar nicht so involviert, aber wir wurden dann
Frage ist:trotzdem gerufen und wir waren dann sozusagen, daran denkt man
Frage ist:überhaupt nicht, dass zum Beispiel dann die Werkstore geschlossen waren
Frage ist:und man glaubt ja gar nicht, wie viel Laster pro Tag
Frage ist:dieses Unternehmen ansteuern und die standen dann plötzlich auf der Straße,
Frage ist:wussten nicht mehr was, die mussten ja betreut werden. Da waren einige, die dann gesagt
Frage ist:haben, ruf meinen Chef an, erklär dem mal, dass ich hier
Frage ist:nicht spinne, ja, dass ich sage, tut mir leid, ich komme erst in 2 Tagen
Frage ist:wieder, hier geht gar nichts mehr und solche Sachen und da waren wir
Frage ist:dann zum Beispiel auch involviert und haben dann auch mit der Werksleitung natürlich
Frage ist:da ganz eng zusammengearbeitet, dass wir gesagt haben, ihr macht euer drin, falls ihr
Frage ist:noch Hilfe braucht, wir sind da, wir waren dann bei
Frage ist:der Feuerwehr sozusagen bei der Einsatzleitung Zentrale der Feuerwehr waren wir
Frage ist:dann sozusagen, also standen wir sozusagen Gewehr bei
Frage ist:Fuß und haben uns dann eben auch meist oft um das
Frage ist:Drumherum gekümmert, eben weil, wie ich am Anfang schon gesagt habe, wir sind
Frage ist:oft für die Leute da, an die keiner denkt in so einem
Frage ist:Einsatz, die aber dann trotzdem involviert sind, wie z.B. jetzt
Frage ist:LKW-Fahrer, ja, die da plötzlich auf der Straße
Frage ist:stranden und gar nicht wissen, was was Sache ist, die
Frage ist:nichts zu essen, nichts zu trinken haben und sonst etwas. Und da
Frage ist:sind wir also zuständig.
Frage ist:Ich sag dir mal ganz, ganz herzlichen Dank dafür, für
Frage ist:deinen Einsatz und für den Einsatz aller Kolleginnen und Kollegen der
Frage ist:Notfallseelsorge. Ihr macht einen ganz, ganz großen Job
Frage ist:und ich hoffe, dass der Piepser ausbleibt.
Frage ist:Aber ja, das hoffen wir
Frage ist:doch alle nicht. Doch, und ich bedanke mich ganz herzlich für die Einladung. Das hat
Frage ist:mir großen Spaß gemacht und ich finde es auch schön und wichtig, dass wir so
Frage ist:Sachen uns, dass wir uns da auch noch mal bekannt
Frage ist:machen und eben so ein, zwei Sachen auch klären, die dann
Frage ist:im Notfall durchaus hilfreich sind. Genau.
Frage ist:Und immer wer Fragen hat, der schreibt an podcast@trauermanager.de.
Frage ist:Ich leite die Fragen weiter, und dann gerne bis zur
Frage ist:nächsten Sendung. Alles Gute!
Frage ist:Tschüss! Tschüss! Ja,
Frage ist:super.