Shownotes
Was hat spätmittelalterlicher Bergbau mit unserer Gegenwart zu tun?
Warum ist die Geschichte von Silberminen, Fürsten und „wimmelnden“ Grubenbildern zentral, wenn wir über Freiheit, Wachstum und die Krise der Gegenwart nachdenken?
In dieser Folge spricht Wolfram Eilenberger mit Dr. Andreas Friedolin Lingg, Philosoph und Historiker der Frühen Neuzeit, über Epochenschwellen, Überflussversprechen und die Frage, ob unsere Obsession mit „Wachstum“ nicht bereits ein historischer Restposten ist.
Andreas Ling erklärt nach, wie der Bergbau eine “enthemmte Ökoomie” hervorbrachte, die von prinzipiell steigerbarem Reichtum und scheinbar unerschöpflichen Ressourcen ausging. Gleichzeitig verschränkten sich politische Herrschaft und ökonomische Investition, womit traditionelle Ordnungen gerieten ins Rutschen gerieten und neue Formen von Vielfalt, Dynamik und Risiko entstanden. Diese Konstellation erinnert an aktuelle Debatten um Digitalisierung und künstliche Intelligenz, in denen erneut die Frage virulent wird, wie viel Ungleichheit demokratische Gemeinwesen aushalten können.
Dr. Andreas Friedolin Lingg ist Philosoph und Historiker mit Schwerpunkt auf ökonomischer Ideengeschichte, Wirtschafts- und Wissensgeschichte der Frühen Neuzeit. Er lehrt und forscht u.a. an der Universität Witten/Herdecke, wo er als wissenschaftlicher Mitarbeiter, Projektleiter und Forschungsbeauftragter am WittenLab. Zukunftslabor Studium fundamentale tätig ist, und ist Mitglied des Direktoriums am International Center for Sustainable and Just Transformation (tra:ce). Zuvor war er Kenneth E. Boulding Fellow an der Universität Mannheim und ist derzeit als Hans Christoph Binswanger Fellow Teil des St.Gallen Collegium.