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Hildegard Aepli: «Die krasse Lebensform von Wiborada gibt Impulse für heute»
Episode 6824th April 2026 • Laut + Leis • kath.ch
00:00:00 00:33:18

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Shownotes

Lange Zeit blieb die St. Galler Stadtheilige Wiborada vergessen. Die Theologin und Seelsorgerin Hildegard Aepli hat sie aus der Versenkung geholt. Wer war Wiborada, und was hat sie – die vor 1100 Jahren gestorben ist – uns heute noch zu sagen?

 Weitere Themen:

  • Wiborada ist die erste Frau, die von einem Papst heiliggesprochen wurde. Trotzdem ging sie vergessen. Warum?
  • Dank ihr konnten Menschen, die St. Galler Klosterbibliothek und der Kirchenschatz gerettet werden. Wie ist ihr das gelungen?
  • Wiborada hat sich freiwillig in eine Zelle einschliessen lassen und zehn Jahre darin gelebt. Was war ihr Auftrag?
  • Seit sieben Jahren arbeiten Hildegard Aepli und ein 8-köpfiges ökumenisches Team am Wiborada-Projekt: Was motiviert sie?
  • Es hat auch heftige Kritik gegeben am Projekt. Was waren die Argumente?
  • Wer eine Woche in der nachgebauten Wiborada-Zelle verbringen wollte, musste sich bewerben. Welche Kriterien waren entscheidend?
  • Hildegard Aepli war die erste Inklusin: Was ist ihre prägendste Erinnerung? Und was haben die Menschen ihr anvertraut?
  • Im Jubiläumsjahr sitzt jeden Tag jemand in der Zelle: Ist das Projekt in der breiten Öffentlichkeit angekommen?
  • 2016 pilgerte Hildegard Aepli mit dem Slogan «Für eine Kirche mit den Frauen» von St. Gallen nach Rom. Wo steht die Frauenfrage heute?
  • Papst Leo XIV.: Wird er sich für die Gleichberechtigung der Geschlechter einsetzen?
  • Weitere Informationen zum Wiborada-Jubiläum und zum Wiborada-Projekt 2021–2026

Transcripts

Speaker:

Hildegard Aepli [00:00:01]

Es ist nicht nachvollziehbar

2

:

für uns. Das war es für mich auch lange 

nicht. Und ich sage aber unterdessen,

3

:

ja wir müssen das nicht letztlich verstehen, was 

Wiborada gelebt hat. Aber wir dürfen es deshalb

4

:

nicht einfach beiseiteschieben, was Frauen und 

Männer lange gemacht haben. Mit dem Ausdruck,

5

:

das ist so eine sperrige Geschichte, so krass, 

damit kann ich nichts anfangen. Sondern es ist

6

:

wichtig, sich ihr anzunähern. Wir müssen 

das sehen, was dieses Leben bis heute für

7

:

eine Ausstrahlung hat, an Ausstrahlung durch 

diese Initiativen immer wieder bekommen soll.

8

:

Sandra Leis [00:00:45]

Das sagt Hildegard Aepli.

9

:

Die Theologin und Seelsorgerin ist 

die Initiantin des Wiborada-Projekts

10

:

der St. Galler Kirchen. Wer ist die 

heilige Wiborada? Und was hat sie,

11

:

die vor 1100 Jahren gestorben ist, uns heute 

noch zu sagen? Und was braucht es, damit

12

:

Frauengeschichte sichtbar wird? Ich bin Sandra 

Leis und spreche darüber mit Hildegard Aepli im

13

:

Domzentrum in St. Gallen. Hildegard Aepli, 

herzlich willkommen zu unserem Gespräch.

14

:

Hildegard Aepli [00:01:18]

Dankeschön.

15

:

Sandra Leis [00:01:19]

Wiborada ist eine

16

:

bedeutende St. Galler Stadtheilige 

und die erste Frau, die von einem

17

:

Papst heiliggesprochen wurde. Trotzdem 

ging sie lange Zeit vergessen. Warum?

18

:

Hildegard Aepli [00:01:33]

Ein wichtiger Grund ist die Reformation.

19

:

Die Kirche Sankt Mangen, damals natürlich 

eine gemeinsame katholische Kirche, an der die

20

:

Wiborada-Zelle, also der Ort, wo die Frau zehn 

Jahre als Eingeschlossene gelebt hat, wurde in

21

:

der Reformation gestürmt. Und der Altar mit den 

Wiborada-Reliquien, also ihr Grabort auch, nach

22

:

aussen geschossen, und die Reformatoren haben die 

Heiligenverehrung natürlich streng unterbunden.

23

:

Sandra Leis [00:02:12]

Trotzdem, es ist erstaunlich,

24

:

denn Wiborada hat St. Gallen quasi gerettet vor 

einem Sturm der Ungarn. So konnten Menschen,

25

:

die St. Galler Klosterbibliothek und der 

Kirchenschatz gerettet werden. Sie hat

26

:

allerhand für die Stadt geleistet und trotzdem 

war sie über Jahrhunderte lang vergessen.

27

:

Hildegard Aepli [00:02:35]

Immer wieder ist sie in

28

:

Vergessenheit geraten, es gibt so 

ein paar Auftaucher, aber es stimmt,

29

:

und das ist auch das, was uns zum ökumenischen 

Wiborada-Projekt motiviert hat bis heute. Der

30

:

Grund ist der Umgang mit Frauengeschichte, 

nicht nur in unserer katholischen Kirche,

31

:

sondern überhaupt in patriarchalen Gesellschaften. 

Ist die Frau, die sogar als Märtyrerin starb,

32

:

die also katholischerseits noch 

über Otmar und Gallus stehen würde.

33

:

Sandra Leis [00:03:07]

Die zwei anderen großen

34

:

Heiligen der Stadt St. Gallen.

35

:

Hildegard Aepli [00:03:08]

Ja, genau. Ja, hat man ihre Geschichte

36

:

einfach nicht gelesen und eingeordnet als wichtige 

Frauenbiografie, als wichtiges Zeitdokument.

37

:

Sandra Leis [00:03:21]

Sie sind die Initiantin. Was

38

:

war der Auslöser, das Sie sagten, jetzt 

hole ich sie aus der Versenkung raus?

39

:

Hildegard Aepli [00:03:29]

Der Auslöser war die Tagung zum

40

:

100-Jahre-Jubiläum Silja Walter im Bad Schönbrunn. 

Nach einem Referat über das Leben von Silja Walter

41

:

kam eine Kollegin von mir, auch eine Seelsorgerin 

aus St. Gallen, zu mir und sagte, Hildegard,

42

:

das Bistum St. Gallen hat es verpasst, Silja 

Walter über Wiborada schreiben zu lassen. Ein

43

:

Mysterienspiel, irgendwas, ein Oratorium. 

Und dann sagte sie so auf mich zeigend,

44

:

ja, oder du schreibst etwas. Und dann ist dieser 

Gedanke, du schreibst etwas, in mich eingefahren

45

:

wie ein Blitz. Aber nicht so sehr, dass ich etwas 

schreiben könnte, sondern der Blitzgedanke war,

46

:

wenn wir heute, wenn jemand heute über 

diese Frau, die eine Lebensform gelebt hat,

47

:

die wir nicht nachvollziehen können, dann 

sollte sich diese Person mindestens kurzzeitig

48

:

einschliessen lassen und an die Erfahrung 

der Wiborada ein bisschen näher ran spüren.

49

:

Sandra Leis [00:04:36]

Das war dann der Grundgedanke.

50

:

Schauen wir noch mal kurz auf Wiborada. Sie 

hat sich also zehn Jahre lang, man muss ich

51

:

das vorstellen, in einer Zelle einsperren 

lassen, in der Kirche, die Sie vorhin erwähnt

52

:

haben. Das ist ja für heutige Menschen eher ein 

abschreckendes Frauenbild. Finden Sie nicht?

53

:

Hildegard Aepli [00:04:54]

Ja eben, ich sage darum,

54

:

es ist nicht nachvollziehbar für uns. Das war 

es für mich auch lange nicht, oder es gibt immer

55

:

diese Denkgrenze. Und ich sage aber unterdessen, 

ja, wir müssen das nicht letztlich verstehen,

56

:

was sie gelebt hat, aber wir dürfen es 

deshalb nicht einfach beiseiteschieben,

57

:

was Frauen und Männer lange gemacht haben. Mit 

dem Ausdruck, das ist so eine sperrige Geschichte,

58

:

so krass, damit kann ich nichts anfangen. Sondern 

es ist wichtig, sich ihr anzunähern, wie wir das

59

:

zum Beispiel auch mit Bruder Klaus tun. Da sagen 

auch die wenigsten, mit dem Bruder Klaus will ich

60

:

nichts zu tun haben, wie der mit seiner Familie 

umgegangen ist, dass der nicht gegessen hat. Wir

61

:

müssen da einen Umgang finden und das sehen, was 

dieses Leben bis heute für eine Ausstrahlung hat

62

:

oder im Falle von Wiborada an Ausstrahlung durch 

diese Initiativen immer wieder bekommen soll.

63

:

Sandra Leis [00:05:54]

Aber im Unterschied zu

64

:

Bruder Klaus, sie hat sich eingemauert.

65

:

Hildegard Aepli [00:06:00]

Sie hat sich nicht selber eingemauert.

66

:

Sandra Leis [00:06:01]

Sie ließ sich einmauern,

67

:

sie hatte keine Türe, aber sie hatte 

zwei Fenster. So die Überlieferung.

68

:

Ein Fenster in die Kirche hinein und 

das andere zu den Menschen. Ist es das,

69

:

was Sie fasziniert an dieser Figur Wiborada, 

diese zwei Fenster, diese zwei Seiten?

70

:

Hildegard Aepli [00:06:18]

Ja, das ist das eine. Das andere ist,

71

:

dass sie sich selber Grenzen gesetzt hat. Das

72

:

ist jetzt meine Interpretation 

des Sich-einschliessen-Lassens.

73

:

Sie hat innerhalb dieser Grenzen ihr 

Leben gefunden. Ich kann das so auch

74

:

nicht nachvollziehen, aber für sie war das so. Sie 

ist eine tief freie Frau gewesen, sonst hätte sie

75

:

zwischen diesen beiden Fenstern wahrscheinlich 

auch nicht ein gesundes Leben gefunden.

76

:

Sandra Leis [00:06:45]

Wissen wir nicht genau, oder?

77

:

Hildegard Aepli [00:06:47]

Es war körperlich bestimmt nicht gesund,

78

:

weil sie zehn Jahre ohne Vitamin D gelebt 

hat. Kein Sonnenstrahl zehn Jahre lang.

79

:

Ihre Füsse vor allem waren verkrüppelt. Aber die 

Frau war in ihrem Herzen, ihrem Geist hellwach.

80

:

Sonst hätte sie diesen erwähnten Ungarn-Einfall 

nicht vorhergesehen und kommuniziert. Und das

81

:

ist ja für mich das Erstaunliche, dass man 

auf ihren Rat, auf diese Warnung gehört hat.

82

:

Sandra Leis [00:07:21]

Der Abt hat auf sie

83

:

gehört und dann alles eingeleitet.

84

:

Hildegard Aepli [00:07:24]

Genau. Da wurden ganze Evakuierungspläne

85

:

umgesetzt und rechtzeitig umgesetzt, sodass diese 

Stadt leergefegt war, als diese brandschatzenden

86

:

Horden kamen. Nur die Wiborada in ihrer 

Zelle blieb und wurde dann erschlagen.

87

:

Sandra Leis [00:07:42]

Kommen wir zu Ihrem Projekt,

88

:

Hildegard Aepli, Sie haben gedacht, 

jetzt bauen wir diese Zelle nach,

89

:

versuchen diesem Leben ein Stück weit 

nachzuspüren, in dem Menschen eine Woche

90

:

lang da drin sind. Das ist ja auch schon 

sehr lange, in 12 Quadratmetern Umfang.

91

:

Ich kann mir vorstellen, dass es da in der 

Stadt St. Gallen auch Widerstand gegeben

92

:

hat diesem Projekt gegenüber. Aber was waren die 

Hauptargumente, die Ihnen entgegengebrandet sind?

93

:

Hildegard Aepli [00:08:15]

Einerseits war es die Corona-Zeit, in der

94

:

wir dieses Projekt gestartet haben, und das hat 

Menschen vor den Kopf gestoßen. Sie sagten sich

95

:

ja, spinnen die, jetzt müssen so viele Menschen 

unfreiwillig zu Hause bleiben. Und da machen die

96

:

ein Projekt, wo sich Freiwillige einschliessen 

lassen. Also das ist wie, haben die gedanklich

97

:

nicht zusammengebracht, diese Menschen. Dann 

gab es Widerstand aus meinem Kollegen-Kreis. Ja,

98

:

die Hildegard Aepli macht schon wieder so etwas 

Gesponnenes. Da weiss ich auch nicht ganz genau.

99

:

Im Einzelnen ist das auch ein bisschen tabu 

geblieben, was da genau der Widerstand war.

100

:

Eine Aussage, die mich natürlich sehr verletzt 

hat, war, die soll mal zuerst ihre Arbeit im

101

:

Ordinariat recht machen und nicht so quasi 

diese mediale Aufmerksamkeit für sich suchen.

102

:

Sandra Leis [00:09:12]

Vielleicht als Ergänzung

103

:

noch für diejenigen, die das nicht wissen oder 

nicht mehr ganz präsent haben. Sie sind von St.

104

:

Gallen nach Rom gepilgert, wurden mit 

dieser Pilgereise auch schweizweit bekannt,

105

:

unter dem Slogan «Für eine Kirche mit den Frauen». 

Das war ja auch etwas Medienwirksames. Vielleicht,

106

:

wenn Sie sagen, die Anderen dachten, wieso schon 

wieder? Das ist jetzt ein ganz anderes Projekt,

107

:

aber Sie sind schon jemand, d er auffällt 

mit Ideen und etwas auch umsetzt.

108

:

Hildegard Aepli [00:09:44]

Ich gehe diesen Gedanken nach.

109

:

Sandra Leis [00:09:45]

Ja, genau, wenn Sie einen haben.

110

:

Hildegard Aepli [00:09:47]

Ich gebe denen Raum und schaue,

111

:

ob das etwas fruchtet oder nicht.

112

:

Sandra Leis [00:09:52]

Hatten Sie selber nie Zweifel an diesem Projekt?

113

:

Hildegard Aepli [00:09:53]

Daran kann ich mich jetzt

114

:

nicht mehr erinnern. Meine Erinnerung ist, 

dass mit diesem Blitzgedanken und mit dem

115

:

Äussern nachher, ich habe ja dann angefangen 

mit anderen Menschen darüber zu sprechen,

116

:

vor allem zum Beispiel mit der reformierten 

Kirchgemeinde St. Gallen Zentrum, weil da

117

:

ging es ja um diese Kirche St. Mangen und den 

Nachbau dieser Wiborada-Zelle. Und da habe ich

118

:

beim ersten Kontakt gespürt, dass die Türen offen 

sind. Und so ist es eigentlich weitergegangen.

119

:

Ein ganz wichtiges Moment war das Gespräch mit 

einem befreundeten Architekten. Wir überlegten,

120

:

wie machen wir das? Stellen wir da einen 

Container hin oder kaufen wir ein Gartenhaus?

121

:

Und dann hat dieser Architekt gesagt, nein, 

nein. Da muss etwas Solides hin. Und er hat

122

:

ja dann in Freiwilligenarbeit, hat uns 

seine ganze Architektenarbeit geschenkt,

123

:

und das sind so wichtige Anfangsmomente gewesen, 

wo ich gemerkt habe, es ist Zeit für die Wiborada.

124

:

Sandra Leis [00:11:05]

:

125

:

wurde nachgebaut und Sie waren die Allererste, 

die sich da eine Woche reinsetzte. Wenn Sie

126

:

sich zurückerinnern, was ist Ihre prägendste 

Erinnerung an diese eine Woche in der Zelle?

127

:

Hildegard Aepli [00:11:24]

Es gab eine ganz prägende Anfangserfahrung,

128

:

ich wurde eingeschlossen von aussen von meinem 

Patenkind und dann war plötzlich Ruhe nach einem

129

:

umtriebigen Tag mit viel Vorbereitung und so. 

Dann habe ich mich ein bisschen eingerichtet

130

:

und dann habe ich mein Gebetbuch, das «Te 

Deum», hervorgenommen und habe gelesen,

131

:

was denn da für eine Tageslesung ist. Und da war 

ein Text aus der Apostelgeschichte. Wo es hieß,

132

:

dass der Petrus sich irgendwo einschliessen ließ. 

Es ging um eine Heilung und mir ist einfach das

133

:

so eingefahren, dieses Einschliessenlassen und ich 

habe mich jetzt einschließen lassen. Das hat mich

134

:

so dermassen getroffen, diese Übereinstimmung von 

biblischem Tagestext und meiner Aktion. Und dann

135

:

die ganz prägende Erfahrung am Schluss meiner 

Woche. Ja, ich habe ja unterdessen mich dann

136

:

mit Wiborada immer wieder beschäftigt gehabt, 

bin jetzt eine Woche, siebenmal 24 Stunden,

137

:

in der nachgebauten Zelle gewesen und am letzten 

Tag oder am zweitletzten Tag sah ich plötzlich

138

:

ein Bild wie eine Drohne so über der Stadt St. 

Gallen. Ich sah den Stiftsbezirk, Klosterkirche,

139

:

Stiftsbibliothek, Unesco-Weltkulturerbe, die 

ganze Energie der Stadt St. Gallen liegt da drauf.

140

:

Das ist wichtig in St. Gallen. 

Und dann eben ganz bescheiden,

141

:

die Kirche St. Mangen, das Wiborada-Grab, 

das es nicht mehr gibt. Und dann sah ich, ja,

142

:

die Stadt St. Gallen lebt mit einem weit offenen 

Auge und mit einem geschlossenen Auge. Und das

143

:

hat in mir dann die Wiborada-Geschichte nochmals 

wie weiter runterrutschen lassen. Und es tauchte

144

:

die Skandalenergie auf. Was für ein Skandal in 

dieser Stadt, in diesem Geschichtsbewusstsein

145

:

dieser Stadt, die einfach noch nicht 

sieht, was diese Frau für diese Stadt ist.

146

:

Sandra Leis [00:13:27]

Nochmal zu Ihrem Leben in

147

:

der Zelle. Wurde es Ihnen da nie zu eng, dass Sie 

dachten, ich will jetzt da raus, ich habe genug.

148

:

Hildegard Aepli [00:13:35]

Die Enge war nicht mein Problem, aber die Stühle

149

:

da drin sind nicht ganz so bequem. Und irgendwie 

am Donnerstag konnte ich nicht mehr auf diesem

150

:

Stuhl sitzen und ich sehnte mich nach Bewegung und 

grünen Matten und Spaziergang und frischer Luft.

151

:

Sandra Leis [00:13:57]

Dieses Projekt ist ja mehr als ein

152

:

Selbsterfahrungstrip, es geht ja auch darum, 

dass man Kontakt mit den Menschen aufnimmt,

153

:

dass die Menschen zu einem kommen können, man 

ist da, man ist präsent, man kann auch Fürbitten

154

:

hinterlegen und die Inklusin oder der Inkluse 

nimmt es dann mit in sein oder ihr Gebet. Erinnern

155

:

Sie sich noch, was für Menschen sind zu Ihnen 

gekommen, und was haben sie Ihnen anvertraut?

156

:

Hildegard Aepli [00:14:25]

Ja, also zuerst mal war ich überrascht,

157

:

wie viele Menschen kamen. Ich hatte 147 Besuche in 

dieser Woche und eine grosse Menge an Fürbitten.

158

:

Und die Fürbitten der Kinder, die haben mich 

umgehauen. Ja, weil da standen halt so ehrliche

159

:

Sätze wie Lieber Gott, mein Vater trinkt und 

dann eine Bitte. In dieser Dünnhäutigkeit,

160

:

in der man dann ist, auch in dieser 

Zelle, es hat mich erschüttert. Ja,

161

:

und an eine Begegnung erinnere ich mich mit einem 

Mann, den kannte ich, der kam. Ich öffnete das

162

:

Fenster und da kam fadegrad eine Geschichte, 

die ihm schwer auflag. Die legte er einfach

163

:

so hin und da staunte ich einfach darüber, dass 

er so gezielt kam, um das bei mir zu deponieren.

164

:

Sandra Leis [00:15:21]

Wer sich da einsperren lassen wollte

165

:

für eine Woche, musste sich bewerben. Welche 

Kriterien haben Sie da gesetzt in der Gruppe?

166

:

Hildegard Aepli [00:15:32]

Ja, es ist eine ganze Reihe von Kriterien. Also,

167

:

die Leute haben sich verpflichtet, an drei 

Vorbereitungstreffen teilzunehmen. Sie mussten

168

:

sich mit Wiborada auseinandersetzen. Dann haben 

wir gefragt, bist du psychisch stabil? Nimmst du

169

:

Medikamente? Hast du eine Gebetspraxis? Kannst du 

alleine sein? Bist du bereit, mit diesen Anliegen,

170

:

von denen wir gerade gesprochen haben, für die 

Menschen, die ein Anliegen hinterlegen, zu beten?

171

:

Das mussten die Leute alles schriftlich 

beantworten bei der Bewerbung.

172

:

Sandra Leis [00:16:07]

Dann haben Sie auch

173

:

welche abgelehnt? Also hatten Sie genug 

Anfragen, Menschen, die das machen wollten’

174

:

Hildegard Aepli [00:16:12]

Wir haben in den letzten

175

:

Jahren immer fast doppelt so viele 

oder noch mehr Bewerbungen gehabt.

176

:

Sandra Leis [00:16:19]

Sie konnten auswählen, heisst das?

177

:

Hildegard Aepli [00:16:21]

Wir mussten auswählen, und die

178

:

negative Seite war, dass es 

Absagen gab für manche Bewerbende.

179

:

Sandra Leis [00:16:30]

Darf ich fragen, hat jemand,

180

:

der eine Zusage bekommen hat, dann das 

auch mal abbrechen müssen nach vier,

181

:

fünf Tagen, weil sie oder er es einfach 

nicht mehr ausgehalten hat in der Zelle?

182

:

Hildegard Aepli [00:16:39]

Bis heute nicht.

183

:

Sandra Leis [00:16:41]

Nicht passiert?

184

:

Hildegard Aepli [00:16:42]

Nein.

185

:

Sandra Leis [00:16:43]

Und trotzdem, Sie haben gesagt,

186

:

man werde auch sehr dünnhäutig. An 

was liegt das, was vermuten Sie?

187

:

Hildegard Aepli [00:16:48]

Es ist dieses Eingeschlossensein und es sind

188

:

die Erfahrungen, die man in dieser Woche macht, 

die einzigartig sind. Eine Erfahrung ist ja auch,

189

:

die Eingeschlossenen sind total angewiesen auf 

die Versorgung von aussen. Sie haben keinen

190

:

Kühlschrank, keinen Kochherd. Das Essen wird 

gebracht, und sie wissen nicht von wem. Es kommt

191

:

jemand, eine freiwillige Person, die eine warme 

Mahlzeit zu Hause vorbereitet hat und beschenkt

192

:

diese Inklusin oder diesen Inklusen mit dem Essen. 

Und am Morgen kommt immer eine Seelsorgerin oder

193

:

ein Seelsorger, bringt ein frisches Brot, 

bringt frisches Wasser und kommt für ein

194

:

seelsorgerliches Gespräch. Das ist mit ein Grund 

denke ich auch, warum niemand abbrechen konnte,

195

:

weil wir wirklich gesagt haben, diese Menschen 

müssen geistlich begleitet werden in dieser Zeit.

196

:

Sandra Leis [00:17:41]

In der Vorbereitung auf

197

:

diese Podcast-Folge bin ich in 

«St. Galler-Tagblatt» auf einen

198

:

Artikel gestossen mit dem Titel «Der letzte 

Versuch für ein Jubiläum». So stand das in

199

:

«St. Galler Tagblatt» vor zwei Jahren. 

Was ist in der Zwischenzeit passiert?

200

:

Hildegard Aepli [00:17:59]

Genau, wir haben früh

201

:

verschiedenen Menschen gesagt, unter anderem 

der Stadt Sankt Gallen, der Stadtpräsidentin,

202

:

dass wir, unser ökumenisches Team, nicht 

die Kapazität haben für ein Jubiläumsjahr,

203

:

um etwas Zusätzliches noch aufzugleisen. 

Und außerdem war es uns ein Anliegen,

204

:

die Wiborada aus dem kirchlichen Kreis 

herauszuholen, weil wir sahen, welche

205

:

Relevanz sie hat für uns als Gesellschaft, für uns 

als Kultur hier vor Ort. Ja, und diese Versuche

206

:

sind immer gescheitert mit diesen Gesprächen. 

Also man hat uns immer gesagt, ja genau, klar,

207

:

das braucht ein Jubiläum unbedingt. Und wenn 

es dann aber konkret darum ging, um personelle

208

:

oder finanzielle Ressourcen, dann ist das immer 

wieder versandet. Und dann gab es einen Stadtrat,

209

:

der hat gesagt, das kann doch gar nicht sein, 

diese Frau muss gewürdigt werden und das war

210

:

ein entscheidender Impuls. Und dann gab es 

eine Sitzung mit der Stadtratspräsidentin,

211

:

mit diesem zweiten Stadtrat und da wurde dann 

beschlossen, dass es eine kleine finanzielle

212

:

Basis gibt, um ein Vorprojekt zu starten. Eine 

Kommunikationsfrau wurde dafür angefragt und die

213

:

hat eine Projektskizze mit uns zusammen und mit 

einigen Leuten, die für Brainstorming gefragt

214

:

wurden, erstellt. Und sie selber ist dann aber 

wieder abgesprungen, aber auf dieser Basis ist

215

:

es schlussendlich wirklich im letzten Moment, 

eigentlich erst letztes Jahr im März, haben wir

216

:

diesen Wiborada-Jubiläumsverein gründen können 

und da ist jetzt auch viel ins Rollen gekommen.

217

:

Sandra Leis [00:19:39]

Wenn man sich das anschaut auf der

218

:

Webseite, das ist ein sehr umfangreiches Programm 

durch das ganze Jahr hindurch. Ausstellungen,

219

:

Diskussionen, auch partizipative Möglichkeiten. 

Und was anders ist als in den anderen Jahren,

220

:

an jedem Tag sitzt ein Mensch in der Zelle. 

Also es gibt immer noch diese Wochen dann,

221

:

die sind im Mai, aber seit Januar sitzt ein Mensch 

den ganzen Tag in der Zelle. Wie schwierig oder

222

:

wie einfach war es da, Menschen zu finden, die 

im Winter in der Zelle sitzen den ganzen Tag?

223

:

Hildegard Aepli [00:20:15]

Schnell vorweg, wir haben eine

224

:

kleine Heizung in der Zelle, es ist da nicht 

kalt und da sind auch alle immer überrascht,

225

:

wenn sie in die Zelle reinkommen und merken, 

ist das gemütlich hier. Aber die andere Frage,

226

:

ja, wir habe uns zum Ziel gesetzt, vom 1. 

. Dezember:

227

:

Tag jemand in der Zelle präsent sein 

wie Wiborada. Ja, wir haben die ersten

228

:

Tage im Januar, haben sich eigentlich schnell 

gefüllt und zwar mit ehemaligen Inklusinnen.

229

:

Sandra Leis [00:20:49]

Für die war es keine Sache,

230

:

natürlich. Die waren es ja schon gewohnt.

231

:

Hildegard Aepli [00:20:52]

Genau. Und dann sagten wir uns,

232

:

wenn es uns gelingt, den Januar und dann auch den 

Februar zu füllen, dann fliegt das wahrscheinlich,

233

:

weil dann genug Menschen drin waren, die 

anderen sagen, hey, das musst du auch machen,

234

:

das ist toll, so ein Tag, eine andere Erfahrung 

und so. Und so ist es jetzt auch gekommen.

235

:

Es ist ja jetzt ausgebucht, ich habe jetzt 

nicht mehr den Blick, Mitte August bestimmt.

236

:

Sandra Leis [00:21:18]

Und Sie haben auch

237

:

stadtprominente Persönlichkeiten, die sich 

da reinsetzen. Beispielsweise Bischof Beat

238

:

Grögli war während der Fastenzeit an 

einem Samstag präsent einen ganzen Tag.

239

:

Und auf der Webseite habe ich gelesen, auch die 

von Ihnen schon erwähnte Stadtpräsidentin Maria

240

:

Pappa wird im Juni einen Tag in der Zelle 

verbringen. Sind solche Persönlichkeiten

241

:

Publikumsmagnete? Kommen da noch mehr Leute? Das 

stelle ich mir jetzt mal vor, aber ist das so?

242

:

Hildegard Aepli [00:21:47]

Ich glaube nicht.

243

:

Sandra Leis [00:21:49]

Warum? Hemmschwelle?

244

:

Hildegard Aepli [00:21:52]

Also es gab bei Bischof Beat bestimmt Besuchende,

245

:

aber ich bin ja im Kontakt fast jeden Tag mit den 

Leuten. Es gibt Leute, die haben 25 bis 30 Besuche

246

:

pro Tag. Es kommt immer ein bisschen darauf an, 

wie man selber Werbung macht im eigenen Umfeld und

247

:

sagt, komm mal vorbei. Ja. Aber wir haben auch 

gedacht, zum Beispiel war Marius Tschirky, ein

248

:

bekannter Musiker mit Kinderliedern, einen Tag in 

der Zelle, und er hatte praktisch keinen Besuch.

249

:

Da hätten wir gedacht, dass er so magnetisch 

wirkt, das ist aber nicht eingetroffen.

250

:

Sandra Leis [00:22:27]

Das Projekt selbst verkündet jeden

251

:

Tag auf Social Media, wer jetzt da ist und auch 

noch warum. Das finde ich interessant zu lesen,

252

:

weshalb sich diese Person jetzt entschieden hat 

zu sitzen. Also gibt auch noch einen kurzen Text.

253

:

Hildegard Aepli [00:22:41]

Ja, das ist total spannend,

254

:

was die Leute schreiben.

255

:

Sandra Leis [00:22:44]

Was sie schreiben, finde ich eben auch spannend.

256

:

Ende Jahr schließen Sie dieses Projekt ab,

257

:

weil Wiborada 1100 Jahre tot ist. Das war 

von Anfang an klar, dass:

258

:

Die Zelle wird zurückgebaut. Aber was bleibt 

jetzt? Gibt es hier einen Gedenkort und eine

259

:

Tafel? Gibt's da schon Pläne, wie man jetzt 

künftig an Wiborada erinnern soll oder will?

260

:

Hildegard Aepli [00:23:14]

Das ist im Moment noch nicht spruchreif. Es ist

261

:

auch noch gar nichts entschieden. Es ist nur von 

uns her entschieden, dass wir abschließen werden,

262

:

dass wir das Projekt beenden werden. Wir 

haben auch die Auflage von der Stadt her

263

:

mit der Baubewilligung der Zelle. Das mussten wir 

jedes Jahr neu einholen und der Denkmalschutz. Ja,

264

:

letztlich ist es eine grosse Frage der 

reformierten Kirchgemeinde St. Gallen Zentrum,

265

:

was sie sich vorstellen, was an diesem 

Wiborada-Ort in Zukunft geschehen soll.

266

:

Da laufen diese Überlegungen erst 

noch, das ist noch nicht geboren.

267

:

Sandra Leis [00:23:55]

Sie haben sich jetzt insgesamt

268

:

sieben Jahre mit Wiborada intensiv beschäftigt. 

Sie haben:

269

:

2021 ist es dann losgegangen. Was würden Sie 

jemandem raten, der auch ein Projekt stemmen

270

:

möchte? Was ist das Wichtigste, wenn man so 

etwas in Angriff nehmen will und auch durchzieht?

271

:

Hildegard Aepli [00:24:21]

Ja, das Wichtigste ist bei mir jetzt der

272

:

Blitzgedanke gewesen und dann die Entscheidung, 

ich gebe dem Raum, also ich investiere mich und

273

:

für mich ist es auch immer klar gewesen, wenn 

die Türen nicht aufgehen, dann gebe ich es sofort

274

:

wieder her. Dann habe ich es versucht und ich boxe 

nichts durch, sondern da, wo die Türen aufgehen,

275

:

da gehe ich mit, da scheint etwas reif zu sein, 

und für mich ist das ein wichtiges Kriterium.

276

:

Sandra Leis [00:24:54]

Wer ein langjähriges Projekt stemmt

277

:

und es dann zu Ende bringt, fällt manchmal 

auch in ein Loch. Kennen Sie dieses Gefühl?

278

:

Hildegard Aepli [00:25:06]

Nein.

279

:

Sandra Leis [00:25:07]

Dann kommt das Nächste.

280

:

Oder wie gehen Sie damit um? können 

Sie das einfach gut abschließen?

281

:

Hildegard Aepli [00:25:12]

:

282

:

mit den Frauen ein grosses Pilgerprojekt 

nach Rom. Und danach gab es noch ein Buch,

283

:

also die Arbeit ging noch weiter. Und danach 

kam die Idee mit dem Wiborada-Projekt. Also

284

:

das ging irgendwie vom einen ins andere über. 

Ja, jetzt mal schauen. Vielleicht habe ich

285

:

dann ein Loch nächstes Jahr. Für mich wäre es 

auch in Ordnung, ein bisschen mehr Freizeit

286

:

zu haben und in einem Loch, in den Löchern 

entstehen ja immer da, wo etwas fehlt oder da,

287

:

das ist für mich wie auch der Humus oder der 

Boden, wo dann das Neue wieder sprießen kann.

288

:

Sandra Leis [00:25:59]

289

:

Sie haben es gesagt, für eine Kirche 

mit den Frauen, so hieß und heißt der

290

:

Slogan. Sie kämpfen seit vielen Jahren für mehr 

Gleichberechtigung in der katholischen Kirche.

291

:

Sie sind nach Rom gepilgert, nur weder Papst 

Franziskus noch Kurt Koch, der Kardinal, der

292

:

Schweizer Kardinal haben Sie empfangen. Hildegard 

Aepli, wie gehen Sie mit Enttäuschungen um?

293

:

Hildegard Aepli [00:26:24]

In diesem Fall bin ich dieser Enttäuschung schon

294

:

lange vorher begegnet. Ich habe nämlich unserem 

Team schon ein Jahr bevor wir losgelaufen sind,

295

:

gesagt, jetzt stellt euch mal vor, wir investieren 

uns jetzt vorbereitungsmässig mit zig Stunden für

296

:

dieses Projekt. Dann laufen wir sieben Wochen 

lang nach Rom, investieren Zeit, Geist und Geld.

297

:

Und in Rom werden wir nicht empfangen. Stellt 

euch das mal vor und es ist mir wichtig, dass

298

:

wir unsere Entscheidung vor diesem Hintergrund 

fällen. Machen wir es trotzdem? Oder machen wir

299

:

uns davon abhängig, was in Rom geschieht? Und 

es haben alle gesagt, wir machen es trotzdem.

300

:

Also von daher war die Enttäuschung schon 

mal ein bisschen abgefedert. Und es ist

301

:

einfach auch Realismus. Weil wir haben dem 

Papst vorgängig über sein Staatssekretariat

302

:

Briefe geschrieben. Auch Kurt Koch haben wir 

geschrieben und die Antworten kamen schriftlich,

303

:

nicht gerade sofort, aber sie kamen irgendwann, 

und es hieß klar, dass wir nicht empfangen werden.

304

:

Sandra Leis [00:27:35]

Also Sie wussten das schon,

305

:

wollten aber gleich wohl ein Zeichen setzen. 

Sie bleiben hartnäckig. Ich habe gelesen,

306

:

dass am 2. Mai, also das ist dann der Todestag 

von Wiborada, es auch wieder eine Pilgereise,

307

:

also eine kleinere, hier in der Umgebung gibt. 

Und auch da ist wieder der Slogan da, für eine

308

:

Kirche mit den Frauen. Also es ist Ihnen bis heute 

ein grosses Anliegen und das ziehen Sie durch.

309

:

Hildegard Aepli [00:28:01]

Ja, das war die Entscheidung

310

:

dann nach diesem Pilgern nach Rom. Was kann 

denn davon weitergehen? Und hier im Bistum St.

311

:

Gallen haben wir gesagt, wir machen am 2. 

Mai, dem Wiborada-Tag, einen Pilgertag,

312

:

wo wir das einfach wachhalten, dieses 

Anliegen für eine Kirche mit den Frauen.

313

:

Sandra Leis [00:28:21]

Sie bleiben da dran,

314

:

an diesem Thema, doch Hand aufs Herz, puncto 

Frauenfrage. Was hat sich in diesen zehn Jahren,

315

:

sind es jetzt ja 2016 bis heute, zehn Jahren 

positiv entwickelt aus Ihrer Sicht für die Frauen?

316

:

Hildegard Aepli [00:28:38]

Wenn man einfach so kurz drüberschaut,

317

:

könnte man sagen, es bewegt sich nichts. 

Jetzt gab es aber im März im Kloster Fahr

318

:

eine Tagung von einer Gruppe, die sich da 

regelmässig trifft, zusammen mit der Priorin

319

:

Irene. Und die haben sich gesagt, wir machen ein 

Wochenende, wo es darum geht, zurückzuschauen,

320

:

was ist geschehen in diesen zehn Jahren. 

Professorin Eva-Maria Faber und Professor

321

:

Franz Mali waren da. Und Franz Mali hat eine 

kleine Recherche gemacht. Was lässt sich denn

322

:

konkret sagen, was in diesen zehn Jahren sich 

verändert hat? Und das dann von ihm so zu hören,

323

:

war dann für mich doch eindrücklich. Von 

geschieht schon was. Es ist einfach nicht da,

324

:

wo wir Schweizerinnen oder Mitteleuropäer, 

fortschrittlich Denkende uns das wünschen.

325

:

Da sind wir längst nicht und das ist für 

diese Pioniere oder ja, ist das immer hart

326

:

und frustrierend. Aber es ist heilsam, dann 

im Kleinen zu sehen, was geschieht. Und für

327

:

mich ist die Synodalität, die Papst Franziskus 

uns aufgetragen hat, als Erbe mitgegeben hat,

328

:

ist für mich schon auch ein wichtiger Schlüssel 

für Entwicklung, nochmals von einem anderen

329

:

Ansatz her. Ich finde ihn unglaublich klug und 

hilfreich. Also diese synodale Gesprächskultur.

330

:

Sandra Leis [00:30:10]

Und Frauen hatten ja da

331

:

auch zum ersten Mal ein Stimmrecht. Also Sie 

denken an solche Schritte, wenn ich Sie richtig

332

:

verstehe oder dass Frauen in Führungspositionen 

berufen wurden. Da gibt es ja auch verschiedene.

333

:

Hildegard Aepli [00:30:21]

Vor zehn Jahren haben wir gesagt, ja, der

334

:

Papst beruft ja Frauen in diese Untersekretariate. 

Aber unterdessen haben sie richtig grosse

335

:

Verantwortung. Und das finde ich auch wichtig 

zu sehen. Es beginnt klein, aber es wächst.

336

:

Sandra Leis [00:30:37]

Glauben Sie, dass Papst Leo

337

:

XIV. sich für Gleichberechtigung 

der Geschlechter einsetzen wird?

338

:

Hildegard Aepli [00:30:44]

Da muss ich jetzt ehrlicherweise sagen,

339

:

dass ich diese Frage noch nicht beantworten kann. 

Ich glaube, er hat schon mal was in eine andere

340

:

Richtung gesagt. Ich habe so etwas mal gehört. 

Aber das ist für mich immer schwierig, weil

341

:

ich mich dann nicht vertieft dem widme und ich 

finde, das schnelle oberflächliche mir ein Bild

342

:

machen gefährlich. Ich finde, er ist jetzt einfach 

sackstark mit seinen Worten den Kriegen gegenüber.

343

:

Sandra Leis [00:31:12]

Sie haben vorhin gesagt,

344

:

Sie können sich auch vorstellen, künftig 

ein bisschen mehr Freizeit zu haben. Gibt

345

:

es trotzdem etwas, was Sie denken, das 

packe ich vielleicht an, im 27 oder 28?

346

:

Hildegard Aepli [00:31:26]

Es gibt ein Projekt,

347

:

das jetzt schon am Laufen ist. Das sind die 

grossen ökumenischen Exerzitien im Alltag.

348

:

Die boomen ja gerade. Und da bin ich daran, das 

ugleisen. Das wäre dann für:

349

:

spruchreif. Da bin ich dann schon pensioniert. 

Und das werde ich aber trotzdem begleiten.

350

:

Sandra Leis [00:31:50]

Hildegard Aepli, vielen Dank für dieses Gespräch

351

:

und viel Energie und Power für das Wiborada-Jahr, 

. Dezember:

352

:

Hildegard Aepli [00:32:01]

Ich danke auch sehr für dieses Gespräch.

353

:

Sandra Leis [00:32:07]

Das ist die 68. Folge des Podcasts «Laut + Leis».

354

:

Zu Gast war die Theologin Hildegard Aepli. Sie 

hat das Wiborada-Projekt in SG initiiert. Alle

355

:

Links zum Jubiläum findet ihr in den Shownotes. 

Über Feedback freuen wir uns: Schreibt gerne per

356

:

Mail an [email protected] oder per WhatsApp auf die 

Nummer 078 251 67 83. Und: Abonniert den Podcast

357

:

und bewertet ihn positiv, wenn er euch gefällt.

In der nächsten Folge von «Laut + Leis» begrüsse

358

:

ich Graziella Contratto. Die international 

tätige Dirigentin und Musikpädagogin wagt

359

:

mit bald 60 den Schritt in die Literatur und 

hat soeben ihren ersten Roman veröffentlicht.

360

:

Darin schreibt sie über ihre katholische Kindheit 

in der Innerschweiz und verrät, wie sie die

361

:

Tonhöhe der Kirchenglocke erkennt. Bis in zwei 

Wochen – und bleibt laut und manchmal auch leise.

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