Früher starben Menschen oft zu Hause und die Familie und Nachbarn halfen mit, zum Beispiel brachten sie Kuchen oder halfen einkaufen. Es gab Rituale, wie das Fenster zu öffnen, damit die Seele rausfliegen kann.
Am Ende sagen beide, dass es nie zu früh ist, sich zu überlegen, wie man sich selbst vorbereiten und auch anderen helfen kann, wenn sie traurig sind oder Abschied nehmen müssen.
Danke Karla Spiritus
Fragen erreichen uns wie immer über [email protected]
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Mentioned in this episode:
Wir haben verlernt zu sterben.
Speaker:Möglicherweise haben wir auch verlernt zu leben,
Speaker:aber wir alle kennen das Wort die Erste
Speaker:Hilfe. Das ist das, wenn der große
Speaker:Wagen mit dem Blaulicht kommt. Heute geht es um die letzte
Speaker:Hilfe. Liebe Hörerinnen und Hörer, herzlich
Speaker:willkommen zu einer neuen Folge von Das Schwere leicht gesagt
Speaker:Trauer am Arbeitsplatz. Mein Name ist Stefan Hund
Speaker:und ich begrüße heute eine ausgewiesene
Speaker:Expertin, Carla Spiritus. Liebe
Speaker:Carla, ganz herzlich willkommen.
Speaker:Herzlichen Dank, lieber Stefan. Und auch ein Ich freue mich, dass
Speaker:die Community da ist und zuhört. Liebe Grüße an alle, die
Speaker:draußen mithören. Ich freue mich, dass ich da sein darf
Speaker:an dieser Stelle. Wie wer Fragen hat,
Speaker:der kann das gerne an Podcast
Speaker:schicken und das leite ich dann auch gerne weiter, denn
Speaker:ein oder anderen gibt es vielleicht, der hat heute Fragen.
Speaker:Aber gehen wir einfach mal in dieses
Speaker:ganze Thema rein. Das Thema Trauer, das Thema Sterben sucht sich
Speaker:ja niemand. Wie hat dieses Thema dich gefunden?
Speaker:Das war im Grunde ein längerer Weg. Ich
Speaker:bin ja in einer Generation geboren, ich bin 75 Jahre
Speaker:alt, das vorweg gesagt, die
Speaker:das Sterben noch sehr hautnah mitbekommen hat, und zwar
Speaker:zu Hause. Ich komme aus Burscheid, aus dem Bergischen
Speaker:Land, aus einer Großfamilie. Ich bin in
Speaker:meinem damaligen Elternhaus geboren und
Speaker:alle, die in der Zeit, in der ich dort gewohnt habe,
Speaker:gestorben sind, die haben wir zu Hause begleitet.
Speaker:Das war eigentlich ganz normal, weil die Gemeindeschwester
Speaker:Gertrud kam und versorgte den oder die
Speaker:Patientin und die Hausärztin kam natürlich
Speaker:auch nach Hause. Und ich als Kind
Speaker:kriegte das so mit, wie die Menschen dort
Speaker:begleitet wurden und dass das sich ganz gut in den sehr
Speaker:arbeitsreichen und bestehenden Alltag integrieren ließ.
Speaker:Und die Netzwerke, die es damals schon gab,
Speaker:die funktionierten gut. Die Nachbarschaft
Speaker:Hört mal, wir gehen einkaufen. Braucht ihr was?
Speaker:Manchmal stand ein selbstgebackener Kuchen vor der Türe.
Speaker:Und natürlich wurde auch später die
Speaker:Verstorbene oder der Verstorbene aus dem Haus getragen. Damals
Speaker:hieß es nie mit dem Kopf zuerst, sondern immer mit den
Speaker:Füßen zuerst. Auch die alten Rituale wie öffnet
Speaker:das Fenster, damit die Seele rausfliegen kann, die hatten Bestand
Speaker:und die gingen uns selbstverständlich ins Blut
Speaker:über, ohne dass das groß diskutiert werden musste. Dann
Speaker:zog ich aber 1979 nach Düsseldorf mit. Meinem
Speaker:damaligen Mann und da änderte
Speaker:sich dann alles, weil in der Stadt fehlte dieses Gefüge
Speaker:und da habe ich mich dann immer
Speaker:mal ehrenamtlich wo angemeldet, mal bei der Gemeinde,
Speaker:mal bei der Telefonseelsorge viele Jahre und habe dort schon
Speaker:erfahren, wie viel Immobilie alte Menschen es gibt, die
Speaker:einsam sind, weil sie nicht mehr raus können. Und
Speaker:diese Netzwerke, die ich so kennengelernt habe, die haben hier nicht gegriffen.
Speaker:Und deswegen habe ich mich nach dem Tod meiner beiden Eltern der
Speaker:Hospizbewegung in Ratingen angeschlossen und habe mir
Speaker:auf die Fahnen geschrieben, ich möchte das ändern, ich möchte, dass
Speaker:Sterbende Begleitung haben, dass es Netzwerke gibt, die angeboten
Speaker:werden können, all diese Dinge. Und dann
Speaker:kam 2019 die Idee in der
Speaker:Hospizbewegung, es gibt doch da so eine
Speaker:Kursleiterausbildung für letzte Hilfe. Da habe ich mich
Speaker:informiert, habe den Kurs gemacht und ganz
Speaker:ehrlich, ich bin wie nach Hause gekommen in meine
Speaker:Kinderzeit, denn dort habe ich diese Netzwerke wiedergefunden,
Speaker:die es damals schon gab und es gilt jetzt für mich, sie
Speaker:zu propagieren. Das tue ich mit großer Leidenschaft,
Speaker:das ist auch wichtig. Also ich selber komme aus dem Pfarrhaus, ich
Speaker:selber war lange Gemeindepfarrer und auch Klinikpfarrer.
Speaker:Und das, was du beschreibst, viele kennen
Speaker:das Wort Aussegnung noch, dass
Speaker:eben halt dann in dem Fall der Pfarrer, bei anderen
Speaker:ist es möglicherweise anders, nach Hause gekommen ist,
Speaker:den Verstorbenen aus dem Kreise
Speaker:der Familie und wer auch immer dazugekommen ist,
Speaker:mit dem Gebet, mit einem Segen verabschiedet hat,
Speaker:sodass sich da dieser Kreis wieder schließen konnte,
Speaker:wenn der Verstorbene rausgetragen ist.
Speaker:Aber das ist für viele leider verloren
Speaker:gegangen. Und manchmal habe ich so den Eindruck, ich weiß nicht, wie
Speaker:dir es geht, aber wer nicht wirklich
Speaker:verabschiedet ist, der ist noch da.
Speaker:Ja, das kann man so empfinden, das denke ich auch. Und der ist
Speaker:auf eine nicht so schöne Art und Weise da. Ich finde dieses
Speaker:Gehen lassen. Ich war gestern übrigens bei einem
Speaker:Aussegnungsgottesdienst bei einem Familienmitglied von uns,
Speaker:obwohl ich selbst evangelische Christin bin, aber ich fand das
Speaker:total schön, dass er innerhalb dieses Gottesdienstes
Speaker:von uns in Gottes Hand geschickt wurde.
Speaker:Und jeder mag da seinen Glauben haben. Für mich trägt
Speaker:der Glaube sehr viel und ich finde auch gut, dass es
Speaker:diese Rituale immer noch gibt. Sie sind nicht ausgestorben, Stefan
Speaker:Ne, absolut nicht. Aber ich denke, wir dürfen uns gerne
Speaker:daran erinnern, denn es ist ganz
Speaker:klar, Sterben ist Teil des Lebens, ob wir
Speaker:das wollen oder nicht. Es wird uns irgendwann
Speaker:früher oder später jeden von uns treffen. Ja, das ist
Speaker:richtig. Da kommt man nicht dran vorbei. Und ich
Speaker:selbst bin sehr gut vorbereitet, denn ich nicht nur, weil ich jetzt 75
Speaker:bin und ich hoffe, dass ich noch eine ganze Weile hier bin, aber ich
Speaker:bin jemand, der gerne Dinge erledigt hat und
Speaker:die friedvoll anschauen kann auf dem Stapel
Speaker:der erledigten Dinge und sagen kann, das muss ich, kann ich
Speaker:nicht mehr im Kopf tragen, das muss ich auch nicht mehr. Ich
Speaker:habe vor 14 Tagen meine eigene Beerdigung
Speaker:noch mal überdacht und noch mal neu geregelt. Und
Speaker:ja, das ist eigentlich was, was mir Freude macht, wo ich dann
Speaker:sage, es ist wie schön geputzter Schuh oder
Speaker:ein aufgeräumtes Haus. Man guckt gerne hin und sagt, das
Speaker:ist was, wo ich jetzt mich nicht mehr mit beschäftigen muss. Macht Spaß,
Speaker:Mir zumindest. Ich habe ja nun sehr viele Menschen auch begleitet,
Speaker:auch auf den letzten, ich sag mal, Zentimetern des Lebens,
Speaker:wenn der Tisch leer ist, wenn alles aufgeräumt ist,
Speaker:dann ist auch nichts mehr, was eingreift, dass er
Speaker:zurückgehalten wird. Ganz genau. Das finde ich
Speaker:auch. Und in meiner Erfahrung, ich bin ja auch nicht nur
Speaker:Kursleitung Letzte Hilfe, sondern Sterbe und
Speaker:Trauerbegleiterin. Ich habe oft erlebt, wie sterbende
Speaker:Menschen ihr Sterben die letzten Augenblicke oder Momente
Speaker:oder vielleicht sogar Tage noch beeinflussen können, dass
Speaker:die noch warten können, bis der Sohn aus Neuseeland
Speaker:gekommen ist und sich verabschiedet werden konnte.
Speaker:Und es gibt natürlich auch die andere Seite. Meine Mutter ist durch
Speaker:Sterbefasten verstorben, weil die konnte es nicht mehr ertragen, ein
Speaker:so harter Pflegefall zu sein. Die war so aktiv und
Speaker:mochte den Zustand, die hat in andere Weise
Speaker:Einfluss genommen. Aber ich finde das ganz bemerkenswert,
Speaker:was am Lebensende in den Menschen noch geht und was möglich
Speaker:ist. Da kann man sehr, sehr viel,
Speaker:ob ich jetzt sage steuern, weiß ich nicht, aber da kann man
Speaker:zumindest sehr, sehr viel beeinflussen. Und da gibt es mehr zwischen
Speaker:Himmel und Erde, als manch einer denken
Speaker:kann. Ja, das ist richtig.
Speaker:Jetzt bietet ihr unter anderem diesen
Speaker:Letzte Hilfe Kurs an. Ja, was muss ich mir
Speaker:darunter vorstellen, wenn ich mich da anmelden würde, was würde ich da
Speaker:erfahren? Also der Georg
Speaker:Bollig, das ist ein
Speaker:Privatdozent aus Schleswig und
Speaker:Palliativmediziner, der hat
Speaker:2015 diesen Letzte Hilfe Kurs erfunden.
Speaker:Und zwar hat er früher als junger
Speaker:Mediziner sehr viele Erste Hilfe Kurse gemacht und hat sozusagen
Speaker:das Modell übernommen und hat diese vier Module
Speaker:in die Form der Letzten Hilfe gebracht. Worum es da
Speaker:geht, ist um Trauer und
Speaker:Tod und Sterben. Es geht um Vorsorgen und Entscheiden.
Speaker:Es geht um Abschiednehmen und es geht
Speaker:darum, wie geht das eigentlich, das Sterben. Sogar den
Speaker:biologischen Prozess kann man dort in einem Film,
Speaker:wir machen das anhand eines Films
Speaker:sehen, so dass man ein bisschen hinter die Kulissen schaut
Speaker:und nicht mehr unvorbereitet ist. Und diese Kurse
Speaker:sind, die ich gebe. Ich bin Kursleitung für die Letzten Hilfe Kurs
Speaker:für Bürger und für Teens und Kids.
Speaker:Also die Menschen, die da teilnehmen, die kriegen nicht nur ein
Speaker:Stückchen Erfahrung zu diesen vier Themenbereichen, sondern
Speaker:die werden sprachfähiger in der
Speaker:Öffentlichkeit. Wir erfahren das mehr oder weniger nach jedem
Speaker:Kurs durch diese Evaluationsbögen, die die
Speaker:Mitteilnehmenden ausfüllen, was ihnen besonders
Speaker:gefallen hat, was ihnen auch noch gefehlt hat an Wissen
Speaker:und wie sie es so generell fanden. Und wir haben eigentlich noch
Speaker:nie, ich Unterrichte die seit 2019 ein
Speaker:Feedback bekommen, wo drin total
Speaker:überflüssig, braucht niemand. Jeder, der da teilgenommen
Speaker:hat, konnte sich ein Stück oder mehrere Stücke des Kuchens mit
Speaker:nach Hause nehmen. Und wir kriegen viele Anschreiben
Speaker:auch von Müttern, deren Kinder den Tod der Oma
Speaker:zu Hause noch nie kommuniziert haben, wo das dann endlich mal nach einem
Speaker:Jahr ging, dass die mit ihrer Familie darüber gesprochen haben.
Speaker:Und das finde ich schön, dass Menschen das Sterben
Speaker:wieder mit ins Leben holen, dass darüber geredet wird.
Speaker:Und deswegen habe ich auch vor einem Jahr was Neues
Speaker:organisiert, da bin ich auch ein bisschen stolz drauf.
Speaker:Ich bin in Ratingen aus den Räumen der Hospizbewegung
Speaker:mal in das Café Extrablatt gegangen und habe den
Speaker:dortigen Geschäftsführer gefragt, ob er sich vorstellen kann, dass wir dort
Speaker:mal Kurse abhalten. Und die waren voll, weil
Speaker:Menschen einfach das niedrigschwelliger finden, als in die Räume
Speaker:einer Hospizbewegung zu gehen. Und so konnte
Speaker:ich mit dem Erfinder der Extrablatt Cafés sprechen
Speaker:und der ist eigentlich direkt auf den Zug aufgesprungen.
Speaker:Und wir dürfen das jetzt deutschlandweit in allen Kaffee
Speaker:Extrablättern unterrichten. Und das finde ich einfach gut,
Speaker:dass es breiter gestreut wird und dass es mehr auf der Straße ist und
Speaker:nicht mehr so hinter verschlossenen Türen.
Speaker:Jetzt frage ich aber trotzdem noch mal, hängt dann quasi beim Kaffee extra
Speaker:Platz, hängt da aus, am nächsten Dienstag um 19 Uhr
Speaker:gibt es einen Abend, letzte Hilfe, wer will, trinkt sich hier
Speaker:ein oder wie läuft es? Also das
Speaker:Extrablatt wirbt natürlich und die örtliche
Speaker:Hospizbewegung, die das dann vor Ort macht, die wirbt auch.
Speaker:Und die Leute kommen eher, wenn auch die Flyer
Speaker:im Extrablatt auf dem Tisch liegen, dann sagen ich könnte ja für mich auch mal
Speaker:schauen, ich habe noch keine Patientenverfügung, keine
Speaker:Vorsorgevollmacht, wäre ja mal eine gute Gelegenheit,
Speaker:das zu tun Und man trinkt ein Glas Wein dazu oder
Speaker:isst eine Portion Pommes frites. Das findet alles dort statt und
Speaker:es wird wirklich bei diesem Thema auch gelebt und gegessen und
Speaker:getrunken. Es ist ein Teil
Speaker:des Lebens. Genau. Und wie ist
Speaker:es dann bei den Jugendlichen? Was kommen da
Speaker:so für Fragen? Kommt dann
Speaker:eher meine Oma ist auch gestorben und ich oder
Speaker:vielleicht auch mein Klassenkamerad? Oder wie ist es
Speaker:dort? Also wir unterrichten bei den
Speaker:Konfirmanden hier in unserer Gemeinde. Seit einigen Jahren
Speaker:geben wir dort in dem bestehenden Konfirmandenunterricht,
Speaker:der sonst von der Pfarrerin oder vom Pfarrer abgehalten wurde, geht es
Speaker:um Tod und Trauer Und dann laden die uns ein und dann
Speaker:kommen wir. Und das ist eigentlich eine ganz bunte Geschichte.
Speaker:Die Kinder fragen sehr viel, sehr, sehr ehrlich.
Speaker:Die erzählen von dem Menschen oder auch dem
Speaker:Haustier oder auch dem toten Vogel, den die mal auf der Straße
Speaker:gefunden haben. Die erzählen das, die
Speaker:sagen, wie sie sich dabei gefühlt haben, die sagen auch, was
Speaker:ihnen Angst gemacht hat. Und so können wir auch
Speaker:Kindern und Jugendlichen, die so ein bisschen Sorge haben
Speaker:mit dem Thema, durchaus so ein bisschen von ihrer Angst nehmen.
Speaker:Es gibt so auflockernde Momente, wo wir, wenn wir zum Beispiel das
Speaker:Netzwerk der Menschen und der Möglichkeiten, die es rund um dieses
Speaker:Thema ja gibt, wie Ärzte und
Speaker:Krankenhäuser und Nachbarn und das Haustier und die Musik
Speaker:und was alles helfen kann, das stellen wir an einem großen
Speaker:Schwungtuch, das greifen die an den Rändern und dann
Speaker:kommt ein Ball in die Mitte und der Ball signalisiert dann, das
Speaker:ist der Patient und das Netzwerk trägt den. Wenn ich dann
Speaker:die fünf Leute vermehren, Familie, die sich da hinten aufgestellt haben, lassen jetzt mal
Speaker:los, rollt der Patient aus dem Netz. Das ist so eine
Speaker:bunte Sache, die denen ganz viel Spaß macht. Zum Thema
Speaker:Mundpflege bekommen die so ein Tütchen Ahoi Brause und
Speaker:können mit diesem Swap, mit dem man in der Mundpflege die Lippen
Speaker:anfeuchtet, da mal rein und mal fühlen, wie sich das
Speaker:anfühlt, wenn man das von anderen gemacht bekommt.
Speaker:Und das gibt natürlich ein großes Hallo immer. Also die
Speaker:Kinder malen Steine an hinterher, so als Grabschmuck. Was
Speaker:können wir tun gegen unsere Trauer? Das ist ein sehr, sehr schönes
Speaker:format, was der Dr. Bollig und sein Team da auf die Beine gestellt
Speaker:hat. Schon wirklich kommt gut an.
Speaker:Das ist sehr, sehr gut. Wie gesagt, je früher man sich damit
Speaker:auseinandersetzt und je früher man da wirklich auch
Speaker:in Bewegung kommt, desto
Speaker:einfacher ist es nachher und kommt nachher nicht mit der ganz, ganz großen,
Speaker:vollen Wucht und ich weiß nicht mehr, was ich tun sagen und was auch
Speaker:immer soll und ich gehe jetzt die Depression, das stimmt. Und
Speaker:wenn dann ich als Urgestein mit meinem Alter dann erzähle, dass wir
Speaker:unsere Angehörigen zu Hause gewaschen haben und dass wir uns
Speaker:überlegt haben, welchen Lieblingspulli hatte jetzt die Mutter
Speaker:und sie mochte immer gerne so einen kleinen Schal am Hals und wir
Speaker:haben das rausgesucht, das ist uns ein Liebesdeal gewesen. Die
Speaker:gucken immer mit großen Augen, für die ist das natürlich weit weg. Aber ich bin
Speaker:froh, dass Beerdigungsunternehmen heute das anbieten, dass
Speaker:Angehörige mit dabei sein können, wenn die Waschung
Speaker:vorgenommen wird. Also ich glaube, ein Stückchen ist die Tür schon
Speaker:aufgegangen, dass Menschen da anders drüber denken.
Speaker:Ja, ich denke, das ist auch ganz wichtig, dass ihr dieses Angebot macht
Speaker:und dass da wirklich einfach
Speaker:auch,
Speaker:dass Menschen auf das Thema zugehen können und merken, wenn ich
Speaker:jetzt an das Thema Trauer und Tod denke, suche ich,
Speaker:springe ich nicht morgen die Kiste rein. Nee, das hängt ja
Speaker:gar nicht damit zusammen. Manche haben ja diesen vor diesen,
Speaker:diesen Gedankengang so im Sinne von, wo ich meine
Speaker:Aufmerksamkeit hinrichte, das wird mich jetzt einfangen,
Speaker:darum geht es ja gar nicht. Das stimmt. Das ist so.
Speaker:Ja, und ich bin mal, das war auch eine schöne Aktion, in
Speaker:Ratingen habe ich mir ein weißes Oberhemd angezogen von meinem
Speaker:Schwiegersohn. Da habe ich dann auf dem Kragen letzte Hilfe geschrieben
Speaker:und dann habe ich die Passanten auf dem Marktplatz angesprochen, wie wollen
Speaker:sie sterben? Und dann durften die mit Edding
Speaker:so eine Essenz der Geschichte, die sie mir erzählt haben, auf mein Hemd
Speaker:schreiben und ich habe zwei solcher Hemden, die hängen in der
Speaker:Hospizbewegung mit ganz vielen Worten, wie zum Beispiel
Speaker:Beispiel, ich möchte selbstbestimmt sterben, ich möchte im Kreise meiner
Speaker:Familie sterben, ich möchte in Gottes Hand sein,
Speaker:ich möchte gar nicht sterben, das steht da alles drauf. Und
Speaker:ich finde das wichtig, Leute in dieses Thema so
Speaker:zwanglos mit einzubeziehen. Manche wollen das auch nicht,
Speaker:aber mit dieser Ablehnung, die ist ja verständlich, kann ich auch gut
Speaker:leben.
Speaker:Heute wäre ja eigentlich noch die Malis Lamas dabei gewesen
Speaker:und die hat ja nun selbst gerade mir geschrieben, dass sie selbst
Speaker:in der Familie einen Trauerfall hat und dementsprechend heute nicht dabei sein
Speaker:kann. Hier weiß ich aber, dass ihr
Speaker:das unter anderem auch bei Notaren,
Speaker:Rechtsanwälten anbietet, dieses Seminar. Und
Speaker:wie ist da an dieser Stelle die Ausrichtung? Die
Speaker:gibt es da einfach noch mal einen ganz anderen Fokus?
Speaker:Auf jeden Fall. Also das war eine Idee von Marlies, dass
Speaker:sie ihren Steuerberater gebeten hat,
Speaker:ob wir das da machen können. Und die waren auch ganz begeistert. Der hat das
Speaker:an seinem Büro geschenkt, obwohl die Kurse sind ja kostenfrei.
Speaker:Und da ging es auch noch mal sehr stark
Speaker:um diese Trauer unter Kollegen, wenn jemand
Speaker:in der Kanzlei versterben wird oder
Speaker:verstorben ist, wie rede ich da mit meinem
Speaker:Gegenüber am Schreibtisch, spreche ich den an oder weiche ich dem
Speaker:aus? Wie gehe ich damit um? Und wir konnten auch,
Speaker:und das erinnere ich sehr gut, viel zum Thema
Speaker:Verfügungen, Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht da
Speaker:lassen wir, worüber dann auch der Steuerberater
Speaker:geschrieben hat, dass er das noch mal überdenken will, was er
Speaker:seinen Klienten da mitgibt. Also es gab also
Speaker:durchaus auch noch was Neues zu lernen. Wir hoffen, dass noch
Speaker:andere Steuerberater mit aufspringen.
Speaker:Aber die Marlies hatte auch noch die Idee, dass die Rheinischen
Speaker:Landfrauen, die im nächsten Jahr das Thema Gesundheit
Speaker:auf dem Schirm haben, dass wir dort
Speaker:denen anbieten, Letzte Hilfe Kurse zu unterrichten. Und wir
Speaker:haben demnächst ein Gespräch mit der Vorsitzenden der Rheinischen Landfrauen, die
Speaker:ja hier in Velbert wohnt, und freuen uns auf die Entwicklung.
Speaker:Auch der Tennisclub, der Rochus Club in Düsseldorf hat
Speaker:uns erlaubt, dass wir dort im Herbst einen Letzte Hilfe Kurs
Speaker:geben und dass dieser Kurs auch dann in ein
Speaker:Magazin kommt, was alle Tennisclubs und Golfclubs Düsseldorfs
Speaker:erreicht, sozusagen. Als Pilotprojekt, sodass
Speaker:wir in diesen Clubs auch unterrichten können. Denn auch im Sport,
Speaker:finde ich, muss man sich ja so nach und nach auch von seinen
Speaker:eigenen Befindlichkeiten verabschieden. Dann geht das nicht mehr und
Speaker:das geht nicht mehr bis hin zum ich bin irgendwann gar
Speaker:nicht mehr da, weil ich das nicht mehr schaffe. Und wie geht man damit um?
Speaker:Ich selber komme aus dem Leistungssport, ich habe also Dressur
Speaker:geritten viele Jahre und unterrichte das auch immer noch mit großer
Speaker:Leidenschaft. Und ja, ich weiß das, wie
Speaker:schwer es ist, sich von Dingen zu verabschieden, die nicht mehr gehen.
Speaker:Oh ja, so ein kleines Sterben.
Speaker:Ja, es ist ein kleines Sterben, aber es geht halt manches
Speaker:nicht mehr. Und das kann man dann
Speaker:einfach nur sagen, da muss man sich mit abfinden. Nein, das ist
Speaker:so. Man muss, man muss damit um viele. Ja, man muss damit
Speaker:umgehen. Das stimmt. Ich würde gerne an dieser
Speaker:Stelle noch mal auf zwei Punkte kommen. Jetzt aus der
Speaker:Erfahrung des Klinikseelsorgers. Wie macht ihr
Speaker:das mit dem Stichwort
Speaker:Patientenverfügung und
Speaker:Vollmacht? Das sind ja manche, die sagen, ich habe
Speaker:auch Google und ich habe auch eine KI und da gebe ich drei Sachen ein
Speaker:und dann kriege ich ja die richtige Patientenverkehr.
Speaker:Absoluter Käse ist diese Patientenverfügung ist gelinde gesagt für den
Speaker:Papierkorb. Das ist richtig. Also wir haben hier
Speaker:in Ratingen, wir sind da in der komfortablen Situation, dass wir
Speaker:eigens ausgebildete ehrenamtliche Mitarbeitende haben,
Speaker:die zu diesen Themen beraten. Also hier in unserem Fall, und ich
Speaker:denke, das wird bei vielen Hospizbewegungen sein, kann man
Speaker:eine kostenfreie Beratung im Haus haben. Die Damen kommen aber auch
Speaker:zu den Menschen nach Hause und wir nehmen
Speaker:von dem Dr. Wolfgang Putz, das ist ein
Speaker:Medizinrechtler aus Essen, die PDFs, die kann man
Speaker:runterladen zu diesen beiden Themen, weil wir finden, dass
Speaker:die kurz sind, sodass der Rettungssanitäter und die Leute im
Speaker:Krankenhaus nicht 28 Seiten durchblättern müssen. Das tun die nämlich
Speaker:nicht und sie sind sehr auf den Punkt. Das ist aber jetzt
Speaker:nur meine persönliche Erfahrung. Es gibt bestimmt auch noch andere gute,
Speaker:Aber wir finden, dass bei so einem Ausfüllen schon auch eine
Speaker:Unterstützung hilfreich sein kann. Auf
Speaker:jeden Fall. Also ich war ja nun auch mit im
Speaker:Ethikkomitee Situationen drin,
Speaker:wo es dann um die Frage ging, abschalten oder nicht abschalten und
Speaker:ähnliches. Und da ist es einfach wichtig
Speaker:durchzuhören. Personare,
Speaker:Wie möchte er es persönlich haben?
Speaker:Nicht, dass man dann auf einmal hört, was da der KI
Speaker:gemeint hat oder was auch immer. Denn dann sagen
Speaker:Jetzt wissen wir aber nicht, was er gemeint hat und möglicherweise
Speaker:widerspricht er sich in der ersten zur letzten Zeile.
Speaker:Das ist richtig. Also ich finde, dass es ein sehr persönliches Thema ist,
Speaker:was gut überdacht werden will, wo viel drüber gesprochen werden
Speaker:sollte. Und ich habe sechs Enkel
Speaker:und zwei Patenkinder, die schon erwachsen sind und die
Speaker:haben alle schon mit dem 18. Lebensjahr eine Patientenverfügung. Und
Speaker:Vorsorgevollmacht bekommen. Und das finde ich ganz wichtig,
Speaker:denn einer von diesen dreien ist auch schon verunglückt und brauchte
Speaker:da die Eltern im Krankenhaus an der Seite. Und das
Speaker:muss man eben sagen, mit Anfang 20 ist es immer noch hilfreich,
Speaker:wenn Eltern mitsprechen dürfen. Ist, finde ich, einen ganz wichtigen
Speaker:Augenblick, das zu erwähnen. Jetzt auf jeden Fall
Speaker:besonders dann, und das ist vielen nicht klar, wenn man es nicht geregelt hat,
Speaker:dann bekommt man jemand, der vom Gericht
Speaker:her bestellt ist und der dann für
Speaker:einen die Sachen erledigen soll, der einen nicht kennt, der möglicherweise
Speaker:auch keine Zeit dafür hat. Ich muss sagen,
Speaker:ja, das sehe ich genauso. Und das
Speaker:alles umfasst der letzte Hilfe Kurs. Und
Speaker:deswegen finde ich, also wie gesagt, so es gehört für mich irgendwie an die
Speaker:Stelle, wo auch die Erste Hilfe Kurse stehen, so ins
Speaker:Pflichtprogramm, dass es so zum Beispiel mit dem Erreichen des
Speaker:18. Lebensjahres einer gemacht werden könnte oder
Speaker:oder da sollte man sich, finde ich, schon Gedanken machen, wo kann ich
Speaker:die manifestieren, dass die so ins Regelprogramm
Speaker:reinwachsen? Auf jeden Fall. Bis hin
Speaker:dazu, wir kennen genügend Unternehmen, die haben einen
Speaker:Gesundheitstag. Warum nicht mal an einem Gesundheitstag auch
Speaker:über diese Form von Gesundheit reden? Denn alles, was man
Speaker:nicht geregelt hat, wird irgendwann Krankheit. Ja, das ist
Speaker:richtig. Und insofern
Speaker:hören uns ja auch, das weiß ich, einige
Speaker:Personalverantwortliche aus
Speaker:Personalabteilungen, Leitungen zu. Das wäre auch was für Unternehmen,
Speaker:wenn ihr oder Menschen, die mit euch auf dem Weg sind,
Speaker:dann in das Unternehmen reinkommen. Jetzt frage ich noch, wie
Speaker:viel Zeit muss ich denn da rechnen? Also Ein Kurs
Speaker:dauert 4 Stunden, das ist schon lang, aber wir
Speaker:straffen schon. Also das Programm ist schon gestrafft. Es gibt
Speaker:eine kleine pause zwischendrin von Viertelstunde 20 Minuten.
Speaker:Die vier Stunden gehen aber für die meisten rum wie im Flug. Also
Speaker:jeder guckt immer auf die Uhr und ist schon zu Ende. Ja, also
Speaker:es ist immer die Erfahrung, dass die Kurse
Speaker:abwechslungsreich sind und gut angenommen werden. Und ich bin
Speaker:auch in der Uni Essen unterwegs und unterrichte dort auch
Speaker:Letzte Hilfe Kurse für Ärzte und medizinisches Fachpersonal.
Speaker:Und auch da muss ich immer wieder so Ich
Speaker:freue mich, dass wir noch was vermitteln können, was selbst
Speaker:nach einem Medizinstudium nicht unbedingt in den
Speaker:Köpfen der Beteiligten ist. Ja, zumal es ist nie
Speaker:Thema im Medizinstudium gewesen. Also ich war ja sechs Jahre
Speaker:Klinikpaar an einem großen Klinikum und
Speaker:da haben manche gesagt, das habe ich im Studium nie
Speaker:gemacht. Ja, und da an der Stelle
Speaker:finde ich auch gerade so dieses Modell, das unterrichten wir
Speaker:auch der Ganzheitlichkeit, dass der Sterbende nicht nur leidet an
Speaker:seiner Krankheit, sondern der hat auch finanzielle Probleme
Speaker:und der hat ein großes spirituelles Problem, denn Spiritualität
Speaker:ist für mich Seelenschmerz und alles, was die Seele
Speaker:drückt, ist ganz schwer zu ertragen, macht
Speaker:schlaflose Nächte. Für die Krankheit kann man eine Tablette nehmen und der
Speaker:Schmerz ist weg und man weiß, dass man sie hat und dass sie auch
Speaker:lebensbegrenzend ist. Aber wenn jetzt der Familienvater stirbt und
Speaker:weiß nicht mehr, ob die Familie noch ernährt ist, ob die noch im Haus bleiben
Speaker:kann. Und ich finde, das ist so was, was Mediziner
Speaker:auch sehen dürfen, dass es auch noch andere Probleme gibt als die
Speaker:medizinischen. Da sind die vielleicht nicht unbedingt für zuständig,
Speaker:aber ich finde, in so einem Gespräch sollten sie drum wissen und
Speaker:bestenfalls verweisen können. Habt ihr auch
Speaker:den Aspekt drin, für Verwandte
Speaker:denjenigen gehen zu lassen? Ja, unbedingt.
Speaker:Denn das erlebe ich ja häufig. Da ist jemand, der hat sich eigentlich schon auf
Speaker:den Weg gemacht, aber dann ist die Tochter oder die
Speaker:Mutter und ich möchte auf keinen Fall, dass mein Kind
Speaker:stirbt und dann wird alles nur noch
Speaker:schlimmer. Ja, da laden wir wirklich zu ein.
Speaker:Wenn die Situation so klar ist, dass man sehen
Speaker:kann, dass eine Verlängerung durch medizinische Maßnahmen nur
Speaker:das Leid vergrößern würde, finde ich,
Speaker:dass man dahingehend unterstützen sollte, zum
Speaker:Beispiel eben die Ehrenamtlichen, die begleiten. Und
Speaker:es ist der Moment gekommen, wo es eher leichter wird, wenn man sich jetzt
Speaker:verabschieden kann und dazu einladen,
Speaker:auch den Menschen gehen zu lassen und auch dem
Speaker:Sterbenden sagen, wenn es nötig Wir kommen
Speaker:klar und du kannst, wenn du soweit
Speaker:bist, auf die Reise gehen. Ich
Speaker:sag mal ganz ganz herzlichen Dank.
Speaker:Das hat jetzt wirklich auch noch mal alles zusammengebunden,
Speaker:wirklich denjenigen gehen zu lassen, weil alles
Speaker:vorbereitet ist und mit der Vorbereitung kann man nie
Speaker:früh genug anfangen. Der beste Tag ist immer gestern,
Speaker:der zweitbeste ist heute und
Speaker:ich sage dir ganz ganz herzlichen Dank, liebe
Speaker:Carla. Danke für eure Arbeit.
Speaker:Ja, Stefan, ich bedanke mich sehr, dass ich eingeladen war heute bei
Speaker:dir und hat mir Freude gemacht, darüber zu berichten. Ich weiß nicht, ob
Speaker:man mitgekriegt hat, dass ich brenne für dieses Thema.
Speaker:Das war sehr deutlich. So lange wie ich das kann,
Speaker:möchte ich das gerne machen. Ich kann euch
Speaker:nur allen Segen wünschen für eure Arbeit
Speaker:und möge es noch mehr geben, die sich auch dieser Arbeit anschließen.
Speaker:Eine ganz wichtige Sache. Ganz herzlichen Dank.