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Ep. 142: „Das machen wir hier nicht“: Fünf Worte, die Kultur verändern
Episode 14231st August 2026 • Veränderungsstabil • Holger Heinze
00:00:00 00:13:14

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Shownotes

Manchmal braucht es keine große Führungsmethode und keinen Kulturworkshop. Manchmal reichen fünf Worte: „Das machen wir hier nicht.“

In dieser Folge probiere ich etwas Neues und reagiere zum ersten Mal auf ein Video. Ausgerechnet auf einen Ausschnitt von Rezo. Inhaltlich geht es mir dabei gar nicht um das eigentliche Influencer-Thema. Mich interessiert ein kurzer Moment, in dem Rezo seiner eigenen Community eine klare Grenze setzt. Als im Chat Kommentare über das Aussehen und die Aussprache einer Person auftauchen, macht er unmissverständlich klar: Kritik an der Sache ist okay. Persönliche Abwertung nicht.

Für mich ist das ein ziemlich gutes Beispiel dafür, wie Kultur tatsächlich entsteht. Nicht durch Leitbilder an der Wand, sondern in kleinen Situationen des Alltags. Jemand überschreitet eine Grenze und ein anderer sagt: So reden wir hier nicht.

Genau diese Klarheit fehlt mir in Unternehmen oft. Führungskräfte erleben einen blöden Spruch im Meeting, eine persönliche Abwertung oder einen sexistischen Kommentar und wissen eigentlich, dass gerade eine Grenze überschritten wurde. Trotzdem sagen sie nichts, weil sie unsicher sind, wie sie reagieren sollen. Dabei muss daraus nicht sofort eine große Konfrontation werden.

Wir können ruhig und klar sagen: „Das machen wir hier nicht.“ Ohne Anklage, ohne Bloßstellung und ohne Eskalation. Und dafür braucht es nicht einmal eine Führungsposition. Jeder Mensch im Raum kann Verantwortung dafür übernehmen, welche Art von Umgang miteinander akzeptiert wird.

Eine kurze Folge über Führung, Grenzen und die Frage, wie Unternehmenskultur wirklich entsteht. Und über einen Satz, den wir vielleicht viel häufiger benutzen sollten.

Viel spaß beim hören.

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Bücher: Shop.Haufe

Transcripts

Hallo und herzlich willkommen zu einer Folge des Podcasts Veränderungsstabil, in dem wir uns

anschauen, was Organisationen und Führungen und Teams und Menschen heutzutage so können müssten,

um in dieser wilden Welt nicht unterzugehen und möglichst dauerhaft erfolgreich zu wirtschaften.

Die Folge heute ist eine ganz besondere Folge, es wird eine sehr kurze Folge und es wird nach ein

paar, mehr als hundert Folgen, die erste Reaction-Folge. Ich will das jetzt mal heute machen,

wie die jungen Leute. Ich habe nämlich ein Video gesehen, also ein kurzer Ausschnitt aus einem

längeren Video auf YouTube. Und als ich den gesehen habe, durch Zufall, habe ich gedacht,

den muss ich mit euch teilen. Der ist cool und das heißt, wir machen das jetzt genau so. Ich mache

jetzt gleich dieses YouTube-Video an und dann hören wir uns das an. Und dann reagiere ich darauf

und jetzt keine Angst, wenn ihr im Auto seid oder sowas. Es ist völlig egal, was dort zu sehen ist.

Ihr könnt das auch hören, weil es geht um die Aussage des Menschen in dem Video.

Der Mensch in dem Video ist Rezo, Rezo, Rezo, keine Ahnung, dieser Influencer mit den blauen Haaren

halt. Also sein YouTube-Kanal heißt Schlumpf. Ich kenne den nicht. Ich habe in meinem Leben,

glaube ich, vier Stunden seines Contents konsumiert. Und das war damals diese Zerstörung der CDU,

glaube ich. Und ansonsten habe ich nichts mit dem irgendwie am Hut. Und irgendwie bin ich auf

YouTube gegangen und habe auf ein Video geklickt, was mir angezeigt wurde. Und in dem Video ging es

um eine andere Influencerin. Und die hat wohl so als Thema im Moment,

dass sie sich über eine Fitnessstudio-Kette irgendwie lustig macht. Oder mit der,

also irgendwie schlecht über die redet und Vorwürfe hat. Ich habe keine Ahnung. Es ist irgendein

Influencer-Drama-Krimskram. Es ist auch innerlich völlig egal, für das, was wir hier bereden

wollen. Aber das ist halt so das Setup, damit ihr ungefähr eine Peilung habt. Also da gibt es eine

Dame, die heißt Edda. Und diese Edda, die macht irgendwie Videos über eine Fitnessstudio-Kette und

hat da Vorwürfe drin. Und Rezo sitzt jetzt da, reagiert auf Eddas Video, zeigt immer mal

Ausschnitte von ihr. Da sitzt sie in so einem sehr knappen Oberteilchen. Sie ist so eine Fitness

-Influencerin, lange blonde Haare und sitzt da und redet was. Und er reagiert da drauf.

Okay, fein, cool. Warum soll ich es interessieren? Inhaltlich tut es nicht, außer ihr seid

irgendwie bei dieser Fitnessstudio-Kette und habt da was mit zu tun, aber darum soll es mir nicht

gehen. Sondern es geht um eine Sache, wo dem Herrn Rezo so ein bisschen sein Skript entgleitet und

er spontan etwas improvisiert, was ich sehr, sehr bemerkenswert fand. Und ich drücke jetzt mal auf

Play, mach das hier laut, damit ihr das hört und dann sehen wir mal, ob ihr seht,

was ich meine und worum es mir hier geht.

Hey, kurze Durchsage. Wenn euch veränderungsstabil gefällt, dann nehmt euch doch mal kurz Zeit und

gebt dem Podcast eine Bewertung auf dem Streaming-Dienst, mit dem ihr gerade hört. Das hilft uns

enorm, weil dann noch mehr Menschen den Podcast entdecken können und so können wir die Community

weiter wachsen lassen. Vielen Dank fürs Unterstützen, vielen Dank fürs Zuhören und jetzt geht's

weiter mit der Episode. Es ist nämlich schon häufiger passiert, dass gerade Frauen und John Reed

sexuell belästigt wurden, dass Trainerinnen von Männern sexuell belästigt wurden oder sich Männer

aggressiv in den Studios verhalten haben, aber nicht gekündigt werden konnten, weil, Zitat, Es ist

ja gar nicht so einfach, jemanden hier rauszubekommen. So, also komisches Setup.

Das ist das, was sie erzählt. Er reagiert jetzt auf ihre Anschuldigungen. Und wie das bei so

Reaction-Videos ist, ordnet sie ein bisschen ein. Okay. Auf der einen Seite ist uns allen klar,

müssen wir nicht drüber reden. Geht sowas natürlich gar nicht, was hier angemerkt,

angedeutet, angesprochen wird. Weiß ich nicht, ob das stimmt, weil es eine anonyme Nachricht ist,

aber brauchen wir nicht drüber reden. Aber es fühlt sich natürlich so an,

als ob Edda jetzt diesen Punkt eher bringt, um jetzt John Reed eins reinzudrücken,

to be honest.

Das Spannende daran, jetzt jenseits von den Inhalten ist es, Rezo reagiert also drauf, er macht

sich so ein bisschen über sie lustig oder er kritisiert sie oder analysiert es und sagt,

also was sie da sagt, wenn es richtig ist, ist es schlimm. Ich kann es nicht so richtig glauben. Er

geht schon sehr kritisch mit ihr um und das ist das Spannende daran. Er hat ein komplettes Video

gemacht. Das Video heißt, sie hatet gegen Fitnessstudios und leakt Klarnamen. Rezo reagiert. Also

er hat eine sehr kritische Reaktion gegenüber dieser Influencerin und sagt auch einfach, ich glaube

das nicht, was die da so erzählt. Einfach Strohmann. Ja, kein Strohmann. Warum redet der jetzt

komisch? Er redet so komisch, weil er mit Chatnachrichten interagiert. Also das läuft live,

während das irgendwie auf, weiß ich nicht, Twitch, wo immer die jungen Leute rumhängen. Und während

er redet, kann seine Community, kann da tippen und kann ihm irgendwie Nachrichten schicken.

Und jetzt reagiert er auf die erste Nachricht oder auf eine Nachricht und sagt, na ja, okay, da

sagt jemand, das wäre ein Strohmann-Argument. Jetzt reagiert er und antwortet auf die Frage, ob

das ein Strohmann-Argument ist. Strohmann ist ja, wenn du auf ein Argument eingehst, was gar nicht

das Argument war, sondern es ist Whataboutism.

Also er hat es erklärt und man sieht im Video, er liest da so ein bisschen diese Chats mit und

reagiert da drauf und so ist das Format. Er guckt immer ein Stückchen von dem Video von der

Influencerin, kommentiert das und wenn dann im Chat irgendwas Spannendes passiert, dann interagiert

er mit seiner Community. Und in dieser Community im Chat passiert jetzt was. Jetzt kommt das Thema,

wegen dem ich hier dieses Video aufnehme. By the way, ich habe zwei Sachen eben im Chat gesehen,

die wir beide hier nicht machen. Das eine war, sich lustig zu machen, weil sie John Reed nicht

richtig ausspricht oder so. Das andere war, irgendein Kommentar zu was Optischem bei ihr,

zu ihren Lippen oder irgendwie sowas. Beides machen wir hier nicht. So, einfach nein, machen wir

nicht.

Und das war's. Und das, Leute, ist ein Beispiel, wie man kulturstiftend agiert.

Er hat ein Video gestartet.

Er redet kritisch über jemanden, über das, was diese Person tut. Er ist nicht freundlich oder ihr

wohlgesonnen in dem Sinne. Aber jetzt passiert im Chat etwas, dass es,

man macht sich lustig über ihre Aussprache, man macht sich lustig über ihr Aussehen. Und Rezo sagt

ganz klar. Da bin ich nicht unterwegs. Das mache ich nicht. Das machen wir hier nicht.

Das ist nicht, also das spricht er so nicht aus oder das ist das, was dahinter hängt. Das

entspricht nicht meinen Werten hier. Das entspricht nicht den Werten, für die ich stehe mit meinem

Kanal. Und das ist nicht die Kultur. Und er sagt das so wunderschön einfach. Das machen wir hier

nicht. Und mir ist das einfach aufgefallen. Ich habe den Rest des Videos nicht geguckt. Keine

Ahnung, worum es da geht. Interessieren mich inhaltlich auch überhaupt nicht, wenn sich da die

Influencer kappeln. Aber ich habe so oft die Situation, dass eine Führungskraft, da sitzt und sagt,

ich war auch selbst schon in der Situation, hier passiert was in einem Meeting und das passt mir

eigentlich nicht. Aber ich habe nichts gemacht, ich weiß nicht, was ich machen soll. Und er hat

hier in diesen wenigen Sekunden zwei Teile der Klarheit. Erstens, er weiß ganz genau, was geht und

was nicht geht. Wenn ihr eine Führungskraft seid, ihr führt ein Team. dann seid ihr derjenige oder

diejenige, die erstmal entscheidet, was hier in meinem, das klingt jetzt total blöd, weil das alles

so patriarchalisch klingt, das ist nicht gemeint, aber das ist euer Meetingraum erstmal auf der

Werteebene. Und wenn dort was passiert, ihr müsst ganz klar sein, was geht in meinem Meetingraum

und was geht nicht in meinem Meetingraum, genauso wie der Gute sehr klar weiß, was geht in meinem

Chat und was geht nicht in meinem Chat. sich über sie lustig, der geht dahin, der nimmt sie

auseinander. Aber das geht. Kritik der Sache geht. Aber was nicht geht ist,

oh, die hat komische Lippen oder die kann ich aussprechen. Also ich brauche erstmal diese Klarheit

und zweitens eine ganz kurze Lunte hinzugehen und zu sagen, machen wir nicht. Und dann macht er es

aber auf eine sehr schöne Art und Weise, finde ich, weil er niemanden bloßstellt. Also er ist jetzt

erstmal hingegangen, ich habe nicht das ganze Video geguckt, ich weiß nicht, ob es später noch

eskaliert, aber ich gehe davon aus, der liest das und dann sagt er, er geht jetzt nicht hin und

sagt,

Ich versuche gerade in dem Video irgendwelche Benutzernamen zu erkennen.

Das sehe ich nicht. Nee, keine Ahnung. Aber er geht jetzt nicht hin und sagt, hier Flupsi35 hat

gerade gesagt, die Edda hat blöde Lippen. Das machen wir nicht. Er hat niemanden bloßgestellt oder

sonst was. Er ist einfach nur hingegangen und hat gesagt, da ist was passiert, das machen wir hin.

Und genauso würde das kulturstiftend in einer Teamdynamik passieren.

Da ist was, ich sitze zusammen. Und auf einmal sagt einer, hier, wir hängen in der Abhängigkeit von

der Logistikabteilung, weil der Einkauf es wieder nicht hingekriegt hat. Und da sagt irgendjemand

anderes, ja gut, der eine, der Holger da im Einkauf, ich glaube, der ist auch einfach ein bisschen

dumm.

Und wenn ich dann weiß, als der kulturstiftende Anführer,

als der kulturstiftende Mensch in diesem Raum, und übrigens muss ich nicht mal eine formelle

Autorität dafür haben, kommen wir gleich zu, wenn ich weiß, dass das eine Grenze überschreitet, die

ich nicht haben will, Dann gehe ich hin und sage, Entschuldigung, so reden wir hier nicht.

Ich nehme mir die Autorität, zu definieren, wie hier geredet wird, das stimmt. Aber in dem Moment,

wo ich in so einem Allgemeinraum bin, habe ich die auch. Ich muss nicht der gewählte oder der

installierte Machthaber sein in einem Raum, um hinzugehen und zu sagen, Entschuldigung, so reden

wir hier nicht. Und wenn einer mich anguckt und sagt, wer ist denn gestorben, hat dich zum König

gemacht, dass du mir sagst, was ich sagen darf und was ich nicht sagen darf, das ist relativ

einfach. Ich sitze hier in diesem Raum und ich werde dir sagen, solange ich in dem Raum sitze,

reden wir so nicht. Und das Beispiel, dass da jetzt sich jemand über das Aussehen von der

Influencerin lustig macht, das ist ja repräsentativ für die Dinge, die wir am Arbeitsplatz auch

erleben. Für diese... sexistischen Witze, was ich immer auf LinkedIn lese,

was Frauen berichten, was denen widerfährt auf der Arbeit. Neulich hat irgendeiner gepostet an

einem Meetingraum, sie ist die einzige Frau, junge Frau, kommt irgendwie rein und jemand sagt,

jeder hat was mitgebracht, was haben sie denn mitgebracht? Und ein anderer Mann antwortet, die hat

ihre Brüste mitgebracht, das reicht.

Solche Dinge, wo jeder, der im Raum ist, hier den Rezo machen kann und ich mache es einfach,

weil

Funke-Influencer und ich will euch damit auch ein bisschen reizen und sagen, wenn der es

hinkriegt, dann kriegt ihr Führungskräfte, Organisationsentwickler, Manager, Leader, ihr kriegt das

auch hin. Ich mache es wahrscheinlich, aber ein vor allemal. Ich gehe dann hin, ich sitze dort,

da sagt jemand irgendeinen blöden sexistischen Witz, irgendeine Dummheit und dann kann ich ganz

wunderbar einfach nur sagen, ich kann noch drei, vier Sätze warten und dann gehe ich hin,

Entschuldigung, was ich gerade gehört habe, dieses komische sexistische Ding, sowas machen wir hier

nicht. Und ich konfrontiere denjenigen nicht, gehe nicht hin und sage, du bist ein Sexist. Dann

habe ich erstmal Stress an der Backe. Vielleicht muss ich es später machen, wenn derjenige es

durchzieht. Dann kriegt er quasi die persönliche Fähle. Aber bis dahin kann ich wirklich einfach,

ich finde diese Aussage ist so einfach und so mächtig, in einer Runde zu sagen,

Entschuldigung, das machen wir hier so nicht. Das kann ich am Esstisch machen, das kann ich im

Meetingraum machen. Ich möchte nicht, dass wir so reden. Das machen wir hier nicht. Und das war's.

Fertig. Was machen wir? Das war die kleine Reaction-Folge.

Holger reacted auf ein Reaction-Video eines, um Gottes Willen, also Inception hoch drei.

Aber es ist eine alltägliche, kleine, direkt morgen umsetzbare Art,

Kultur zu stiften.

Hört zu, hört euren Teams zu, hört euren Kollegen zu und nehmt euch heraus.

Auch wenn ihr nicht der ranghöchste Manager im Raum seid, wenn der nicht,

wenn irgendjemand was sagt, was nicht geht und der ranghöchste Orang-Utan im Raum pennt gerade,

dann nehmt es euch halt raus und sagt, Entschuldigung, ich möchte nicht,

dass wir so reden. Können wir das bitte anders machen? Das passt mir so nicht. Das gefällt mir

nicht. Das will ich nicht so. Das entspricht mir nicht. Oder einfach nicht erklären.

Entschuldigung, ich möchte gerne nicht, dass wir so reden.

Wir machen das hier nicht.

Keine Anklage, keine Bedrohung, keine Bestrafung, keine Eskalation.

Nur das ganz, ganz entspannte Easy-Statement. Das machen wir hier nicht.

Und das war eine Episode veränderungsstabil. Vielen Dank fürs Zuhören. Bis zum nächsten Mal. Ciao.

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