Artwork for podcast Laut + Leis
Kunstmaler Manuel Dürr über seinen Kreuzweg im Petersdom
Episode 6313th February 2026 • Laut + Leis • kath.ch
00:00:00 00:30:33

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Shownotes

Ein Kunstwettbewerb hat den bislang unbekannten jungen Bieler in den Vatikan katapultiert. Er hatte acht Monate Zeit, um für den Petersdom einen Kreuzweg mit 14 grossformatigen Ölgemälden zu malen. Was es heisst, neben Michelangelo und Bernini auszustellen, erzählt Manuel Dürr.

 Die Themen dieser Folge:

  • Beworben haben sich tausend Kunstschaffende aus achtzig Ländern: Weshalb hat Manuel Dürr gewonnen?
  • Er ist ein exzellenter figurativer Maler: Welchen Ausbildungsweg hat er gemacht?
  • Acht Monate Zeit für diesen Grossauftrag: Was waren die grössten Herausforderungen?
  • Bezug zum Kontext: Wie korrespondieren die Ölgemälde mit den anderen grossartigen Kunstwerken im Petersdom?
  • Die Rechte am Kreuzweg gehen an den Vatikan: Ist der Lohn von 120'000 Euro bescheiden?
  • Antisemitische Ikonografie auf Kreuzwegen: Wie vermeidet Manuel Dürr Stereotype?
  • Eine Kommission aus dem Vatikan hat den Künstler begleitet: Hat sie ihm dreingeredet?
  • Manuel Dürr gehört zur Glaubensgemeinschaft Jahu in Biel: Wie hat die Arbeit am Kreuzweg seine Sicht aufs Christentum verändert?
  • Mit seinen 36 Jahren ist er auf dem Zenit seiner Künstlerkarriere: Was kommt jetzt?
  • Erstmals aufgehängt werden die 14 Ölgemälde am Aschermittwoch. Künftig werden sie jährlich während der Fasten- und Osterzeit zu sehen sein.

Transcripts

Speaker:

Manuel Dürr [00:00:01]

Als konkretes Beispiel,

2

:

ich habe Jesus eigentlich so gemalt, wie 

er im Petersdom schon präsent ist und

3

:

nicht etwa ethnografisch jetzt korrigiert oder 

aktualisiert oder so was, sondern salopp gesagt:

4

:

Es ist der Jesus der italienischen Kunsttradition, 

und mein Christus, der Christus in meiner Malerei,

5

:

nimmt Kontakt auf mit dem schon vorhandenen da 

im Raum. Auch farblich sind, die Farben sind

6

:

den Bodenmosaiken entnommen, zum größten 

Teil, also ich habe ganz fest versucht,

7

:

auf den Kontext einzugehen, ohne natürlich 

sklavisch Formeln zu wiederholen.

8

:

Sandra Leis [00:00:40]

Das sagt der Kunstmaler Manuel Dürr.

9

:

In einem Wettbewerb hat er sich gegen tausend 

andere Künstlerinnen und Künstlern durchgesetzt

10

:

und durfte für den Petersdom in Rom einen Kreuzweg 

gestalten. Entstanden sind 14 grosse Ölgemälde,

11

:

die in der Passionszeit nun erstmals der 

Öffentlichkeit gezeigt werden. Wie Manuel

12

:

Dürr diese Aufgabe angepackt hat, was es heisst, 

neben Michelangelo und Bernini auszustellen und

13

:

welche Rolle sein Glaube spielt, darüber sprechen 

wir jetzt. Ich bin Sandra Leis und besuche Manuel

14

:

Dürr in seinem Atelier in Biel. Manuel Dürr, 

ganz herzlich willkommen zu unserem Gespräch.

15

:

Manuel Dürr [00:01:20]

Vielen Dank, es ist schön, dabei zu sein.

16

:

Sandra Leis [00:01:23]

Du bist soeben aus Rom

17

:

zurückgekehrt, was hast du 

noch alles erledigen müssen?

18

:

Manuel Dürr [00:01:29]

Also es war tatsächlich

19

:

jetzt noch etwas Nervenkitzel, es ging 

darum, diesen Schlussfirnis anzubringen,

20

:

und weil die Trocknungszeit so ein bisschen 

knapp berechnet war, gab es da noch so einen

21

:

Moment von Nervosität, ob das jetzt vielleicht 

noch einmal alles scheitern kann an diesem

22

:

Schlussschritt. Aber ich habe jetzt eigentlich 

ein sehr gutes Gefühl und bin erleichtert.

23

:

Sandra Leis [00:01:51]

Und was steht jetzt noch an,

24

:

bis es dann losgeht? Was braucht es jetzt noch?

25

:

Manuel Dürr [00:01:56]

Von mir her braucht es nichts

26

:

mehr. Jetzt werden die noch gerahmt. Es kommen 

schöne, große, goldene, güldene Rahmen dazu,

27

:

die natürlich in den Raum besonders gut 

passen, weil da ist schon recht viel barockes

28

:

Gold vorhanden im Petersdom. Und ich glaube, die 

Bilder sind zwar mit 1,30 auf 1,30 nicht so klein,

29

:

aber alles in Petersdom schrumpft auf 

Briefmarkenformat. Das heißt, ich glaube

30

:

die Rahmen werden noch mal zusätzlich dem so ein 

visuelles Gewicht geben, was ganz gut sein wird.

31

:

Sandra Leis [00:02:26]

Und wie gross ist deine

32

:

Aufregung vor diesem grossen Ereignis?

33

:

Manuel Dürr [00:02:29]

Ich bin relativ ein guter

34

:

Verdränger, das heisst, ich kann die 

Nervosität ziemlich gut aufschieben

35

:

und wegignorieren. Wenn es dann so weit ist, 

wird es dann schon ein bisschen Lampenfieber

36

:

sein. Wobei ich dann nichts mehr performen 

muss. Die Bilder sind ja dann wie sie sind,

37

:

und ich kann da auch nichts mehr ändern. Das 

macht meine Rolle ein bisschen entspannter.

38

:

Sandra Leis [00:02:51]

Blenden wir zurück, der Vatikan hat

39

:

einen internationalen Wettbewerb ausgeschrieben. 

Beworben haben sich über:

40

:

Künstlern aus 80 Ländern. Was vermutest du, 

weshalb hast gerade du den Zuschlag bekommen?

41

:

Manuel Dürr [00:03:07]

Eine gewisse Zurückhaltung

42

:

sollte ich ja haben in der Selbstevaluation. 

Also ich will mich da jetzt natürlich nicht

43

:

selbst rühmen. Wenn ich auf eine Qualität 

hinweisen soll oder die ich vermute,

44

:

die vielleicht zum Tragen gekommen ist. Mein 

Ziel als Maler war es immer, alles aus der

45

:

Vorstellung herstellen zu können. Hab da auch 

den, ich sag mal, steinigen, langen Weg gewählt,

46

:

wie man das lernt, wie man es macht, dass man sich 

also eigentlich alles vorstellen kann und das dann

47

:

direkt auf der Leinwand entsteht. Ich verzichte 

also weitestgehend eigentlich auf Vorlagen, ich

48

:

meine unmittelbar als Bildmaterial visuell nehme 

ich keine Modelle oder Vorgaben oder Fotografien,

49

:

und das gibt dem Ganzen glaube ich 

schon dann so eine gewisse Kohärenz.

50

:

Vielleicht verlassen sich andere Maler und 

Malerinnen ein wenig zu sehr auf die Fotografie

51

:

als Vorlage, als Krücke eigentlich sage ich mal. 

Also gegen das ist gar nichts zu sagen. Vielleicht

52

:

ist dadurch eine gewissen visuelle Kohärenz 

da, die bei anderen vielleicht nicht ist.

53

:

Sandra Leis [00:04:03]

Wichtig ist ja auch noch,

54

:

dass es ein anonymer Wettbewerb 

war. Also man wusste wirklich nicht,

55

:

wer hat sich da beworben. Das Einzige, was du ja 

vorlegen musstest, war ein Strafregisterauszug.

56

:

Manuel Dürr [00:04:12]

Genau, ja.

57

:

Sandra Leis [00:04:12]

Und du bist auch reformiert,

58

:

du musstest auch nicht römisch-katholisch 

sein oder einen grossen Namen haben,

59

:

bis jetzt bist du ja noch gar nicht so 

bekannt, also jetzt natürlich schon,

60

:

aber vorher warst du jetzt noch nicht ein 

absolut bekannter Künstler. Und von dem her

61

:

ist das ja schon spannend, dass du dann diesen 

Zuschlag bekommen hast. Und es gab zwei Runden,

62

:

in der ersten Runde musstest du Skizzen 

zeigen und in der zweiten allerdings

63

:

wollte der Vatikan ein Ölgemälde haben, 

also ein kleineres von der Kreuzigung,

64

:

und du durftest ja dann noch oder du musstest 

dann noch eine weitere Szene zeigen, malen,

65

:

aber das konntest du selber auswählen. Welche hast 

du genommen von diesen 14 Stationen des Kreuzwegs?

66

:

Manuel Dürr [00:04:56]

Ich habe als zweite Station,

67

:

die ich zeigen musste, die erste 

Station gewählt, nämlich Christus,

68

:

der vor Pilatus steht und verurteilt wird, und 

ich glaube, ich hatte mit diesem ganz spezifischen

69

:

Bildthema immer eine spezielle Beziehung. 

Mich hat es auch fasziniert, dass Pontius

70

:

Pilatus etwa im Glaubensbekenntnis plötzlich 

auftaucht als ganz konkrete, historische Figur,

71

:

neben all den theologischen Proklamationen taucht 

da plötzlich diese recht bedeutungslose Figur auf,

72

:

die jetzt nur, aber auf alle Zeiten jetzt 

irgendwie verewigt ist. Wegen der historischen

73

:

Nähe zu dieser Geschichte mit Christus. Und das 

fand ich schon immer spannend, dass eben Theologie

74

:

und empirische Geschichte aufs engste miteinander 

verbunden sind, in einer Art und Weise, die auch

75

:

gar nicht so leicht aufzulösen ist. Malt man 

jetzt theologische Bilder einer Heilsgeschichte

76

:

oder malt man historische Geschichte? Und 

die Antwort ist natürlich beides. Und das

77

:

ist eigentlich ganz eine spannende Aufgabe. 

Da wollte ich gleich beginnen mit Pilatus.

78

:

Sandra Leis [00:05:54]

Und hast offenbar die Jury auch

79

:

überzeugt. Du giltst ja wirklich als exzellenter 

figurativer Maler und hast drei Jahre lang auch

80

:

in Florenz studiert, und zwar in einer privaten 

russischen Kunstakademie. Was ist das Wichtigste,

81

:

was du dort in dieser Kunstakademie in 

Florenz gelernt hast für deinen weiteren Weg?

82

:

Manuel Dürr [00:06:15]

Das war ganz lustig. Ich

83

:

eile noch zu sagen, das waren also 

russische und ukrainische Künstler

84

:

damals noch zusammen interessanterweise. Das 

ist nicht unser Thema, aber die haben da auch

85

:

den Unterschied noch gar nicht so betont. Das 

wäre jetzt wahrscheinlich anders. Jedenfalls,

86

:

ich sage das deswegen, mein großes 

Vorbild ist ein ukrainischer Maler,

87

:

mit dem ich auch jetzt bis heute noch Kontakt 

habe, der mir auch Feedback gegeben hat.

88

:

Sandra Leis [00:06:37]

Und wer ist das?

89

:

Manuel Dürr [00:06:38]

Der heißt Sergey Chubirko,

90

:

lebt in Florenz und hat auch ein kleines 

Atelier, wo man auch Kurse belegen kann.

91

:

Also ganz, ganz ein toller Mensch. Und bei ihm, 

ganz im Allgemeinen, mit diesem Ansatz war halt

92

:

fest der Ansatz, dass man zuerst. . . Also 

schon, die eigene Kreativität ist wichtig,

93

:

die eigenen künstlerischen Visionen entwickeln 

ist wichtig. Aber eigentlich geht es dann

94

:

noch nicht in erster Linie darum, schon 

Kunst zu machen, wenn damit gemeint ist,

95

:

einen ganz originellen Entwurf der Welt 

beizutragen. Sondern es ging eher darum,

96

:

mal zuerst zu lernen, wie macht man es so 

gut, wie es die, die es schon gut machen.

97

:

Sandra Leis [00:07:13]

Bei den Meistern lernen,

98

:

das war so die Grundidee, nehme ich an.

99

:

Manuel Dürr [00:07:16]

Genau, eine Art Mimesis, eine Nachahmung zuerst

100

:

und dann in einem späteren Schritt entwickelt man 

dann davon ausgehend seine eigene Sprache. Das

101

:

ist echt anders als bei uns zum Beispiel in der 

Schweiz, wie man das an Kunsthochschulen schult.

102

:

Sandra Leis [00:07:29]

Genau, da will ich gleich

103

:

darauf zu sprechen kommen. Du warst ja 

zuerst bei der Berner Hochschule der

104

:

Künste. Im Vorkurs. Und hast in diesem Vorkurs 

abgebrochen. War das der Grund, dass du gedacht

105

:

hast, ich will zuerst lernen oder versuchen zu 

lernen, wie die großen Meister gemalt haben?

106

:

Manuel Dürr [00:07:50]

Also ich habe den Vorkurs

107

:

nicht abgebrochen, aber ich habe nicht dann an der 

HKB weiterstudiert, was ich zuerst gewollt hätte.

108

:

Sandra Leis [00:07:57]

Also hast du einfach

109

:

dann aufgehört und nicht weitergemacht.

110

:

Manuel Dürr [00:08:00]

Ja. Und zwar gar nicht in keiner Art und Weise als

111

:

Kritik zu verstehen am Vorkurs selbst oder an der 

HKB. Aber der Ansatz, dass man. . . Mir kam es so

112

:

vor, als würde man sehr schnell ermutigt werden, 

originell zu sein. Und das hieß eigentlich in der

113

:

Praxis, anders zu sein als alles Bisherige. Und 

das war ja nicht unbedingt mein Ansatz. Das war

114

:

nicht mein Ziel. Mein Ziel war es zuerst, wenn man 

jetzt zum Beispiel einen Fußballvergleich macht,

115

:

zuerst sich an Messi und Ronaldo zu orientieren. 

Die Beispiele sind nicht mehr ganz aktuell.

116

:

Und dann irgendwo finde ich dann meine eigene 

Flughöhe und dann auch meinen eigenen Beitrag,

117

:

meine eigene Sprache und so was. Aber zuerst muss 

man sich ja dann an den Beispielen der Exzellenz

118

:

orientieren. Das schien mir dann schon wichtig, 

und dafür war das hier nicht der richtige Rahmen.

119

:

Sandra Leis [00:08:43]

Und in Florenz hast du diesen richtigen Rahmen

120

:

dann gefunden. Du hast drei Jahre dort studiert. 

Wie ging es dann beruflich weiter bei dir?

121

:

Manuel Dürr [00:08:50]

Ich habe dann noch,

122

:

ich weiss nicht ob in einer Identitätskrise oder 

so ähnlich, aber ich habe dann noch Slavistik

123

:

und Kunstgeschichte studiert in Bern und 

Fribourg, und das war unglaublich toll,

124

:

und ich habe versucht, was noch an Zeit übrig 

war, mich dann künstlerisch zu etablieren. Ich

125

:

hätte aber jetzt eigentlich bis zu diesem Auftrag 

für den Vatikan, hätte ich eigentlich gesagt,

126

:

ich bin immer noch in der Entwicklungsphase. Also 

ich versuche, eine eigene Sprache zu entwickeln

127

:

und ein Produkt zu entwickeln und so. Ich habe 

dann immer ein bisschen aus dem Atelier heraus

128

:

verkauft. Aber jetzt war ich noch einigermassen 

zurückhaltend mit Ausstellungen und sonstigem.

129

:

Sandra Leis [00:09:31]

Du hast eine kleinere Ausstellung selber gemacht.

130

:

Manuel Dürr [00:09:33]

Genau.

131

:

Sandra Leis [00:09:34]

Sonst mehr aus dem Atelier.

132

:

Es ist ein Riesensprung, den du da gemacht 

hast, oder? Jetzt zum Vatikan, ich meine,

133

:

man muss sich das plastisch vorstellen, im 

Petersdom die Pietà von Michelangelo ist da

134

:

zu sehen und Berninis Baldachin zum Beispiel, 

also das ist wirklich absolute hohe Kunst,

135

:

und du wusstest von Anfang an, du kommst 

in ein Setting rein. Hat das deine Arbeit

136

:

überhaupt beeinflusst oder hast du 

gedacht, ne, ich mach jetzt mein Ding?

137

:

Manuel Dürr [00:10:04]

Ne, das hat ganz stark meine

138

:

Arbeit beeinflusst. Eine Frage, die ich mir 

schnell mal gestellt habe, ganz früh schon,

139

:

war, was würde ich denn wollen, wenn jemand 

anderes gewonnen hätte? Was sollte man da sehen?

140

:

Sandra Leis [00:10:14]

Gute Frage.

141

:

Manuel Dürr [00:10:15]

Und ich bin da zu Schluss gekommen,

142

:

dass ich auch, dass sich enttäuscht wäre, wenn das 

jetzt im Petersdom so eine starke Intervention,

143

:

wenn es als Intervention gelesen würde. Oder 

als Fremdkörper, als starker Fremdkörper.

144

:

Und deswegen will ich auch nicht, dass 

man dann in Petersdom kommt und denkt:

145

:

Der Herr Dürr ist da präsent. Eigentlich finde 

ich, das muss sich ganz gut einfügen. Ich bin

146

:

eigentlich auch Italien-Fan und Renaissance-Fans 

oder italienischer Kunst-Fan. Und deswegen würde

147

:

ich mir auch wünschen, dass der da reinpasst. 

Und damit war ich auch bei Entscheidungen dann,

148

:

die vielleicht etwas kontrovers sind. Also als 

konkretes Beispiel, ich habe Jesus eigentlich

149

:

so gemalt, wie er im Petersdom schon präsent ist 

und nicht etwa ethnografisch jetzt korrigiert.

150

:

Oder aktualisiert oder so was. Salopp gesagt: Das 

ist der Jesus der italienischen Kunsttradition.

151

:

Und mein Christus, der Christus in meiner Malerei, 

nimmt Kontakt auf mit dem schon Vorhandenen

152

:

da im Raum. Auch farblich sind die Farben dem 

Bodenmosaik entnommen zum grössten Teil. Ich habe

153

:

ganz fest versucht, auf den Kontext einzugehen, 

ohne natürlich sklavisch Formeln zu wiederholen.

154

:

Sandra Leis [00:11:27]

Aber sie sind in einem Dialog,

155

:

die Kunstwerke, kann man das so verstehen?

156

:

Manuel Dürr [00:11:31]

Genau. Ich würde sagen,

157

:

die Bilder sehen neu aus, man kann die nicht 

verwechseln mit einem Kreuzweg aus dem 19.

158

:

Jahrhundert. Zumindest nicht bei genauerem 

Besehen. Aber die sind auch nicht Faust aufs

159

:

Auge. Ich habe versucht, eigentlich eine sensible, 

respektvolle Art zu finden, die sich dann aber

160

:

doch auch nicht eben völlig unterwirft unter ein 

Prinzip oder sowas, sondern das ist schon dann,

161

:

wie ich das sehe und wie ich es wirklich 

gemalt habe mit Blick auf diesen Kontext.

162

:

Sandra Leis [00:12:01] I

m Dezember 24 wurde bekannt, also hat

163

:

der Vatikan in einer Pressemitteilung bekannt 

gegeben, dass du diesen Auftrag bekommst. Und

164

:

dann hattest du acht Monate Zeit, weil es musste 

dann Ende August, Anfang September 25 fertig sein,

165

:

wegen dieser ganzen Trockenarbeit, die dann 

auch folgte. Also es muss ja alles trocknen,

166

:

wie du es zu Beginn unseres Gesprächs 

gesagt hast. Das ist eine lange Zeit.

167

:

Das heißt, du musstest in acht Monaten 14 

grossformatige Ölgemälde malen. Sie sind

168

:

1,30 auf 1,30 Meter. Das heißt, so über 

den Daumen gepeilt, das sind ungefähr

169

:

18 Meter Leinwand. Wie hat dein Arbeitsalltag 

in diesen acht Monaten im Jahr 25 ausgesehen?

170

:

Manuel Dürr [00:12:48]

Also ich würde schon sagen, es ist

171

:

ein großes Glück oder eine große Gnade, dass ich 

das absolvieren konnte. Ich hatte das eigentlich

172

:

wirklich jeden Tag mit Samstag, das Filetstück 

des Tages, sage ich mal, die besten Zeiten dieser

173

:

Tage für die ganzen acht Monate reserviert und 

auch ziemlich genau geplant, wann was gemacht

174

:

werden muss, damit die Bilder alle zum einen 

regelmäßig sind, es darf ja auch nicht passieren,

175

:

dass einige Bilder weiterentwickelt sind als 

andere, also alle 14 müssen einen ähnlichen Stand

176

:

von Entwicklung haben, es ist gar nicht so einfach 

das abzuschätzen, wenn man beginnt mal bei einem,

177

:

also man kann die nicht wirklich seriell 

machen, weil sonst könnte man sich verrechnen.

178

:

Sandra Leis [00:13:33]

Das heißt, du arbeitest

179

:

gleichzeitig an mehreren 

Bilderb, sonst geht es ja nicht.

180

:

Manuel Dürr [00:13:36]

Ja, genau, genau. Eigentlich müssen sie

181

:

alle ungefähr gleichzeitig nach vorne geschoben 

werden. Und da hatte ich schon das große Glück,

182

:

dass es zum Beispiel keine Krankheit gab. 

Ich habe drei Kinder, da bin ich trotzdem

183

:

nie krankheitsbedingt ausgefallen, was ich soweit 

ich weiß die ersten acht Monate meines Lebens mit

184

:

Kindern war, in denen sowas nicht vorgekommen ist. 

Oder auch eine Ellbogenentzündung oder irgendwas

185

:

so. Hätte alles sein können und das war jetzt 

alles wirklich nicht, das ist ganz wie durch

186

:

Butter gegangen, was mich selbst erstaunt 

hat eigentlich, wenn ich ganz ehrlich bin.

187

:

Sandra Leis [00:14:13]

Was denkst du,

188

:

wie viele Arbeitsstunden hast du da reingesteckt?

189

:

Manuel Dürr [00:14:17]

Ich würde sagen, konservativ hatte ich

190

:

in diesen acht Monaten und natürlich gibt es dann 

noch ein bisschen unkalkulierbare Zusatzstunden,

191

:

aber ich sage mal, die reine Studiozeit, die 

Skizzenphase und so ausgenommen, wirklich

192

:

nur das effektive Malen an den Leinwänden, war 

schon acht Monate lang, sechs Tage die Woche,

193

:

ich würde sagen sechs bis acht Stunden am 

Tag. Und dann kommt natürlich noch alles,

194

:

was dann auch viel mehr ist, als man denken 

würde, schon nur die Leinwände aufzuspannen und

195

:

die nach Rom zu transportieren und da den Firnis 

anzubringen. Also es war schon sehr viel Arbeit,

196

:

ich würde sagen, da kommt dann vielleicht 

doch auch nochmal ein voller Monat Arbeit

197

:

dazu mit nur diesen Begleitarbeiten, die 

man eigentlich gar nicht einkalkuliert.

198

:

Sandra Leis [00:15:10]

Für diese vierzehn Ölgemälde und

199

:

deine ganze Arbeit, das ist offiziell bekannt, 

bekommst du 120'000 Euro. Im Vergleich mit

200

:

dem internationalen Kunstmarkt ist das nicht 

eine riesengroße Zahl. Wie gehst du damit um?

201

:

Manuel Dürr [00:15:27]

Ich glaube, die Zahl muss man eher verstehen, wie

202

:

ich war jetzt ein Jahr lang von der Dombauhütte 

St. Peter angestellt als Kunsthandwerker und da

203

:

ist dann für italienische Löhne 120’000 

Euro dann gar nicht so schlecht der Lohn,

204

:

und ich würde sagen im internationalen Vergleich 

ist das Ganze in Ordnung. Es ist jetzt genau für

205

:

Schweizer Löhnen ein wenig knapp, weil der 

Aufwand ist dann schon auch nochmal groß,

206

:

also jetzt auch der Materialaufwand ist auch 

preislich erheblich, gerade bei dieser Qualität

207

:

soll es dann für alle Ewigkeiten halten, das 

heißt, das war schon nicht ganz ganz billig. Also

208

:

wenn ich das jetzt unter uns sagen darf, ich hätte 

es ja auch gratis gemacht eigentlich, das war

209

:

die schönste Aufgabe überhaupt, also das war eine 

Riesenehre und ich, genau, das Geld war dann. . .

210

:

Sandra Leis [00:16:21]

Das war sekundär in dem Fall.

211

:

Manuel Dürr [00:16:22]

Ja.

212

:

Sandra Leis [00:16:25]

Hattest du auch einmal Zweifel,

213

:

ob du die Arbeit bewältigen kannst und 

ob auch dann die Qualität stimmt? Weil,

214

:

das muss man sich schon bewusst sein, 

Ölmalerei heißt auch, man kann kaum

215

:

etwas verändern. Veränderungen sind sehr, sehr 

diffizil. Man kann nicht einfach wieder drüber.

216

:

Manuel Dürr [00:16:42]

Also die. . .

217

:

Sandra Leis [00:16:43]

Oder was rückgängig macht.

218

:

Manuel Dürr [00:16:44]

Es gibt keinen Ctrl-Z-Knopf.

219

:

Sandra Leis [00:16:47]

Genau, das gibt es eben

220

:

nicht bei der Ölmalerei, und das ist ja 

schon auch ein Risiko. Deshalb meine Frage,

221

:

hast du auch mal gezweifelt in diesen 

acht Monaten, ob du das schaffen wirst?

222

:

Manuel Dürr [00:16:56]

Ja, die schwierigsten

223

:

Entscheidungen sind dann eigentlich, wenn 

man zum Beispiel so einen fertig gemalten

224

:

Christus hat und dann denkt man doch, ich 

habe ja noch Zeit, ich sollte da nochmal was,

225

:

eine Änderung vornehmen. Und man kann also bei 

der Ölmalerei eigentlich die Arbeit von Wochen und

226

:

Monaten in einer halben Stunde vernichten. Also 

in dem Sinne zumindest, dass man das dann nicht

227

:

mehr in der gebührenden Art und Weise einarbeiten 

kann. Also Änderungen sind, je nachdem, komplex.

228

:

Und da muss man dann schon strategisch 

und auch pragmatisch sein. Es könnte sein,

229

:

dass ich das noch besser hinkriege, aber lohnt 

sich das jetzt mit Blick auf alle 14 Bilder,

230

:

und lohnt es sich das mit Blick auf die Uhr, 

weil am Ende müssen sie, wie immer sie sind,

231

:

müssen sie einheitlich und souverän aussehen 

als Bilder. Und da gibt es dann schon eine Art

232

:

von Perfektionismus auch, von dem man dann nicht 

sicher ist, ist es jetzt der angebrachte Anspruch,

233

:

etwas richtig gut zu machen oder ist es eigentlich 

eine Art auch Eitelkeit vielleicht oder eben

234

:

übertriebener Perfektionismus, und da braucht 

es schon Disziplin. Diese Entscheidung aber zu

235

:

treffen, wo sollte ich mich jetzt noch mehr pushen 

und wo sollte ich jetzt eigentlich zurückstehen,

236

:

das braucht Weisheit, die ich nicht immer 

hatte und die schon auch anstrengend ist.

237

:

Sandra Leis [00:18:13]

Dein Kreuzweg besteht aus 14 Stationen

238

:

von der Verurteilung Jesu durch Pilatus bis zur 

Grablegung in Golgatha. Gab es eine Szene, die

239

:

dir besonders Kopfzerbrechen gemacht hat, oder war 

das bei allen 14 ungefähr dasselbe – inhaltlich?

240

:

Manuel Dürr [00:18:30]

Inhaltlich war für mich

241

:

am Ende die Veronika speziell interessant. 

Zum einen, weil da nicht ganz klar ist. . .

242

:

Sandra Leis [00:18:39]

Mit dem Schweisstuch.

243

:

Manuel Dürr [00:18:40]

Mit dem Schweisstuch,

244

:

genau. Zum einen ist da nicht klar, ob 

die Veronica selbst. . . Der Name kommt,

245

:

glaube ich, von Vera Ikon, das wahre Bild. 

Ist sie eigentlich eine Kunstfigur? Ist sie

246

:

als historische Figur gemeint? Das ist 

ein bisschen unklar. Das ist anders als

247

:

bei Pilatus. Und dann gleichzeitig steckt da so 

viel Theologie drin, oder eigentlich Metaphysik.

248

:

Dieses Tuch, das es an Christi zeigt, da muss man 

viele Entscheidungen treffen, wie man das macht.

249

:

Ich habe mich jetzt zum Beispiel auch für eine 

ganz bestimmte Art entschieden, das zu zeigen,

250

:

die etwas von der Formel abweicht, wie das in 

Kreuzwegen normalerweise dargestellt wird. Und

251

:

am Ende ist das Thema aber ganz faszinierend, weil 

es ist im Prinzip das Thema, wie kann Gott einen

252

:

Abdruck auf einem Tuch hinterlassen? Da ist schon 

mal ganz viel drin von der Inkarnation und so.

253

:

Und dann gleichzeitig ist es dann damit ein 

Bild auf einem Tuch, und ich male ja Bilder

254

:

auf Tücher. Also in dem Sinn ist es ein Bild von 

einem Bild auf einem Tuch, und da haben wir dann

255

:

plötzlich ganz viele schöne Motive auch für die 

Malerei. Was macht die Malerei? Die bringt auch

256

:

Dinge ins Bild, es stellt sich ein Bild ein. 

Durch gewöhnliches Material, also da hat man

257

:

auch so eine, ich sag mal fast eine Doppelung 

von einem tieferen Sinn und einer materiellen

258

:

Realität, also einer empirischen und einer 

theologischen Realität. Irgendwie ist es dann,

259

:

wird die Malerei selbst fast zu einer Metapher für 

die Theologie, und das war besonders interessant.

260

:

Sandra Leis [00:20:15]

Es gab oder gibt noch eine

261

:

weitere Herausforderung. Zum einen musst du 

den Seegewohnheiten der Gläubigen Rechnung

262

:

tragen. Für sie ist jede Station eine Art 

Andachtsbild. Zum anderen sind rund 20’000

263

:

Touristinnen und Touristen täglich in diesem 

Petersdom. Und gemäss Ausschreibung sollen auch

264

:

diese Menschen angesprochen werden. Oder einen 

sehr geringen Bezug zum christlichen Glauben

265

:

haben. Wie hast du diesen Spagat geschafft? 

Ich finde das eine wahnsinnige Herausforderung.

266

:

Manuel Dürr [00:20:52]

Na ja, ob ich ihn geschafft

267

:

habe oder nicht, das wird sich dann zeigen.

268

:

Sandra Leis [00:20:55]

Aber du hast dir sicher

269

:

Gedanken gemacht zu dieser Frage.

270

:

Manuel Dürr [00:20:59]

Klar. Ein erstes Prinzip,

271

:

das war mir eigentlich auch ganz schnell klar, 

ich habe dann, ich sage das etwas beschämt,

272

:

habe ich dann in der Researchphase, 

in den Recherchen, habe ich selbst mir

273

:

ein paar Kreuzwege zu Gemüte geführt und ich 

selbst, der ja alle Motivation der Welt hatte,

274

:

sich da richtig reinzudenken mit diesem 

Auftrag, dachte so nach irgendwie elf Stationen,

275

:

Tücher und Kreuz, also Holzbalken und Faltenwürfe. 

Dass sich das ein bisschen repetitiv wiederholt,

276

:

dass es vielleicht ein bisschen eintönig wird 

und dann man die eine oder andere Station dann

277

:

plötzlich ein bisschen beschleunigt. Also, die 

Bildformel, dass das 14 dann ja doch Versionen von

278

:

fast identischen Bildzutaten sind. Ich habe jetzt 

schnell gemerkt, dass ich wirklich versuchen will,

279

:

das als 14 Einzelkompositionen lesbar zu 

machen, dass die Bilder zwar als Einheit

280

:

zu sehen sind und in dem Sinne linear 

funktionieren, aber auch als eigenes Werk.

281

:

Sandra Leis [00:21:56]

Jedes Werk muss für sich funktionieren.

282

:

Manuel Dürr [00:21:58]

Und wirklich anders aussehen

283

:

als alle anderen. Das war natürlich 

eine Herausforderung. Aber dadurch

284

:

wäre es jetzt auch möglich, dass man die 

auf ihren tieferen Sinn als Einzelstation

285

:

auch noch anschaut und nicht nur als Teil 

einer Liturgie oder als Teil der Serie.

286

:

Sandra Leis [00:22:16]

Das könnte auch das

287

:

Heutige und Moderne sein deines Kreuzweges.

288

:

Manuel Dürr [00:22:19]

Vielleicht, ich bin gespannt,

289

:

wie das wahrgenommen wird, genau.

290

:

Sandra Leis [00:22:26]

Kreuzweg bedeutet auch immer

291

:

viele Hürden und Gefahren, antisemitische 

Ikonografie zu verwenden. Wie vermeidest

292

:

du solche Stereotypen? Da hast du 

dir sicher auch Gedanken gemacht.

293

:

Manuel Dürr [00:22:42]

Genau das war ein wichtiger Aspekt. Ich

294

:

habe zum Beispiel auch die römischen Soldaten und 

sogar Pilatus selbst in einer Weise gemalt, die

295

:

sie eigentlich ein bisschen in den historischen 

Hintergrund rücken. Ein klein wenig werden sie

296

:

anonym dargestellt. Die Gesichter sind weniger 

nuanciert oder weniger präzise festgehalten,

297

:

weil es auch nicht darum geht, spezifischen 

Individuen die Schuld am Gesehenen zu geben,

298

:

sondern eigentlich ist es der Vollzug an der 

Geschichte. In der Bildsprache gesprochen,

299

:

meiner Bilder dann, eigentlich nur Christus als 

Figur von einer Station zur nächsten scheint zu

300

:

wissen, worum es geht. Und die anderen Figuren, 

die treten in verschiedenen Konstellationen auf,

301

:

sind oft auch in fast grafischen Arrangements dann 

gehalten. Es gibt zum Beispiel einen Parallelismus

302

:

von so zwei Christus umgebenden Aureolen. Eine der 

Zärtlichkeit, eine der Gewalt, also die Römer und

303

:

die Frauen von Jerusalem, zwei verschiedene 

Stationen, sehen dann eigentlich – grafisch

304

:

gibt es eine gewisse Ähnlichkeit zwischen diesen 

Stationen, und damit wird eigentlich vermieden,

305

:

dass es jetzt nur eben als hyperkonkrete 

Geschichte gelesen wird, wo dann auch ganz

306

:

konkrete Menschen Schuld dran sind, und ein 

klein wenig wird man ermutigt, das zu lesen,

307

:

als eine sich entfaltende Geschichte, von der die 

Menschen, die darin auftauchen, gar nicht ihre

308

:

Bedeutung abschätzen können. Und in dem Sinne 

glaube ich auch, da wird dann nicht den Juden

309

:

oder den Römern direkt die Schuld an irgendwas 

gegeben. Sondern es sind verschiedene Figuren,

310

:

die mit Christus in Berührung kommen. 

Zum Teil zärtlich, zum Teil gewaltsam,

311

:

aber eigentlich weiß nur Christus, wo es hingeht. 

Und das ist ja auch meine Aufgabe als jemand,

312

:

der jetzt nicht historisch rapportiert. Es 

sind ja keine Zeitmaschinen, meine Bilder,

313

:

mit denen man jetzt 2000 Jahre zurückreisen 

kann, sondern es ist schon eine Bildtradition.

314

:

Es sind Bilder, die ganz klar an einer 

Bildtradition anknüpfen. In dem Sinne sind

315

:

es auch Bilder von Bildern. Und ich glaube, 

das ist dann wichtig, das eben kritisch und

316

:

auch respektvoll anzugehen. Ich glaube, ich 

habe versucht, das irgendwie zu vermitteln.

317

:

Sandra Leis [00:24:50]

Während der Arbeit bist du

318

:

auch begleitet worden von einer 

Kommission aus dem Vatikan. Wer

319

:

war da dabei und wie viel haben sie 

dir, mal salopp gesagt, reingeredet?

320

:

Manuel Dürr [00:25:00]

Also es ist ganz lustig,

321

:

wenn man ja, je nach Wahrnehmung, ich 

bin jetzt eben wie gesagt Italien-Fan,

322

:

für mich ist ja der Petersdom auch schon 

eine kulturelle Grösse und nicht mal nur

323

:

eine kirchliche. Aber es sind wirklich die 

allerliebsten Menschen, also die Kommission da,

324

:

alle wunderbar freundliche Menschen, 

die haben auch immer bei allem gesagt,

325

:

das sind nur Empfehlungen und du 

darfst natürlich machen, was du willst.

326

:

Sandra Leis [00:25:24]

Aber die waren hier in Biel?

327

:

Manuel Dürr [00:25:25]

Ne, die waren in Rom,

328

:

ich war oft in Rom. Genau. Ich weiß natürlich 

nicht, wenn ich jetzt. . ., ich sage jetzt mal,

329

:

je nachdem, wenn ich das jetzt ausgereizt 

hätte, hätte man vielleicht schon die

330

:

Freiheit dann zurückgestutzt. Aber das 

ist bei mir nicht passiert. Im Gegenteil,

331

:

die haben mich wirklich ermutigt, 

das so zu machen, wie ich das sehe.

332

:

Sandra Leis [00:25:45]

Manuel Dürr, du bist ein gläubiger

333

:

Mensch und auch hier in Biel in einer gläubigen 

Familie aufgewachsen. Dein Vater war Pfarrer,

334

:

und spirituell gehörst du und deine Familie 

zur Gemeinschaft Jahu. Da habe ich vorher

335

:

noch nichts von ihr gehört und habe mich 

dann informiert. Und diese Gemeinschaft,

336

:

die fühlt sich der reformierten Kirche zugehörig. 

Gleichzeitig lässt sie sich aber auch inspirieren

337

:

von orthodoxen und evangelikalen Traditionen, 

so ist das nachzulesen auf relinfo.ch. Und meine

338

:

Frage ist, hat sich dein Glaube noch intensiviert 

während dieser acht Monate Arbeit am Kreuzweg?

339

:

Manuel Dürr [00:26:29]

Also was wirklich an Rom einfach

340

:

ganz faszinierend und inspirierend ist, ist die 

Weltperspektive, die da einfach zusammenkommt,

341

:

dass wenn man da in Rom sich befindet, auch nur 

einen halben Tag, sieht man einfach aus der ganzen

342

:

Welt Leute kommen und das weitet dann schon die 

Perspektive. Man tendiert ja fast natürliche Weise

343

:

dazu, sich in einer kleinen Bubble zu befinden, 

weil der Freundeskreis tendiert natürlicherweise

344

:

auf, ich würde mal sagen, auf Schrumpfung hin. 

Wenn man sich nicht ums Gegenteil bemüht. Und

345

:

der Schweizer Kontext ist halt einfach klein. 

Und dann plötzlich so eine Kirche zu sein,

346

:

die wirklich mit der ganzen Welt zu tun hat. 

Also auch mit den Ärmsten der Armen. Das hat

347

:

mich schon nochmal begeistert, auch am 

Christentum. Dass es halt nicht eine

348

:

Religion der Weissen oder der Westler ist 

oder der Reichen oder der Gebildeten. Und

349

:

ich finde auch diese Weite der Sicht, die da 

zusammenkommt, das ist schon sehr faszinierend.

350

:

Sandra Leis [00:27:25]

Also das hat dich eigentlich

351

:

noch offener gemacht, willst du damit sagen.

352

:

Manuel Dürr [00:27:28]

Ich würde schon denken,

353

:

klar. Ich bin jetzt nicht der Reformierteste 

der Reformierten, im Sinne von, ich hatte jetzt

354

:

keine antikatholischen Reflexe oder 

sowas. In dem Sinne war es nicht neu,

355

:

aber es hat sich einfach noch mal verstärkt und 

intensiviert, und es war wirklich eine schöne

356

:

Zeit, schon nur in Rom. Und wenn man da halt 

viel Zeit verbringt, natürlich gibt es auch

357

:

die Probleme, die will ich jetzt auch gar nicht 

herunterspielen, aber was ich einfach schön finde,

358

:

es ist wirklich eine Kirche, die der ganzen 

Welt gehört, und das fand ich schon enorm toll.

359

:

Sandra Leis [00:27:58]

Heute bist du 36 Jahre alt

360

:

und sehr wahrscheinlich auf dem Zenit 

deiner künstlerischen Karriere. Also

361

:

mit diesem Kreuzweg hast du Werke für die 

Ewigkeit geschaffen und gehst auch in die

362

:

Kunstgeschichte ein. Fragst du dich manchmal, 

was kommt jetzt? Was ist mein nächstes Projekt?

363

:

Manuel Dürr [00:28:18]

Ja, es hat sich jetzt natürlich viel angestaut,

364

:

man ist natürlich auch unterwegs inspiriert, 

und ich musste jetzt alles eigentlich immer

365

:

aufs nächste Jahr schieben. Ich würde gerne 

auch mal mir den Luxus nehmen, mal wieder ganz,

366

:

ganz frei ein paar Monate einfach im Atelier nur 

kreativen Impulsen zu folgen und ganz frei zu

367

:

malen, aber da sind schon ein paar sehr attraktive 

Projekte im Anmarsch. Also ich freue mich wirklich

368

:

auch auf die Arbeit wieder im Atelier, wenn alles 

wieder ruhiger ist. Die ganze Rom-Geschichte auch

369

:

vorbei ist, also wenn das Ganze jetzt in den 

nächsten Wochen wird das jetzt sehr intensiv sein,

370

:

denke ich, aber wenn das dann vorbei ist freue 

ich mich auch wieder aufs ruhige Atelier mit

371

:

weißen Wänden, wo man auf weißen Leinwänden wieder 

alles machen kann. Also das wird schon auch toll.

372

:

Sandra Leis [00:29:05]

Manuel, dir ganz herzlichen

373

:

Dank für dieses Gespräch und alles Gute für 

die Vernissage in Rom. Das ist die 63. Folge

374

:

des Podcasts «Laut + Leis». Zu Gast war der Maler 

Manuel Dürr aus Biel. Sein Kreuzweg ist ab dem 18.

375

:

Februar im Petersdom in Rom zu sehen und künftig 

jährlich während der Fasten- und Osterzeit.

376

:

Über Feedback freuen wir uns: Schreibt 

gerne per Mail an podcast@kath.ch

377

:

oder per WhatsApp auf die Nummer 078 251 67 83.

Und: Abonniert den Podcast und bewertet ihn

378

:

positiv, wenn er euch gefällt.

Die Zahl kirchlicher Taufen,

379

:

Hochzeiten und Beerdigungen geht drastisch zurück. 

Dafür wächst der Markt für freie Rituale. Was

380

:

sagt das über unsere Gesellschaft aus, und wie 

reagieren die Landeskirchen auf die Konkurrenz?

381

:

Diese Fragen diskutiere ich in der nächsten Folge 

des Podcasts «Laut + Leis» mit Christian Walti,

382

:

er ist Pfarrer am Grossmünster in Zürich. 

Und mit Philipp Erne, er ist Präsident

383

:

vom Berufsverband Schweizerischer 

Zeremonienleiterinnen und -leiter.

384

:

Bis in zwei Wochen – und bleibt 

laut und manchmal auch leise.

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