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Guido Fluri: «Beim Kinderschutz stelle ich nicht die Schuldfrage ins Zentrum, sondern die Verantwortung»
Episode 6710th April 2026 • Laut + Leis • kath.ch
00:00:00 00:33:48

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Shownotes

Er war ein Heimkind – heute ist er einer der erfolgreichsten Unternehmer der Schweiz und Philanthrop. Kinderschutz ist ihm ein zentrales Anliegen. Berühmt geworden ist Guido Fluri mit seiner Wiedergutmachungs-Initiative; kürzlich hat er eine Initiative lanciert für ein sichereres Internet. Was treibt ihn an, und wie blickt der gläubige Katholik auf die Kirche?

Weitere Themen:

  • Seine Mutter wurde mit 16 schwanger und erkrankte nach der Geburt bald an Schizophrenie: Welche Erinnerungen haben ihn geprägt?
  • Vom Tankwart zu einem der 300 reichsten Menschen der Schweiz: Wie ist ihm diese Tellerwäscher-Karriere geglückt?
  • Rund ein Drittel der Gewinne, die seine Holding erwirtschaftet, fliesst in Stiftungsprojekte: Was finanziert die «Guido Fluri Stiftung»?
  • Einstiges Kinderheim in Mümliswil: 2011 hat er das Haus gekauft und die schweizweit erste Gedenkstätte für Heim- und Verdingkinder errichtet.
  • 2014 hat er die Wiedergutmachungs-Initiative lanciert: Was war der Grund, sich politisch ins Zeug zu legen?
  • Wie ist es ihm gelungen, nach anfänglichem Widerstand auch die Kirchen ins Unterstützungskomitee zu holen?
  • Heute kämpft Fluri europaweit für Kinderschutz: Was sind die grössten Herausforderungen?
  • 2019 hatten Guido Fluri und zwei Verdingkinder eine Audienz bei Papst Franziskus: Wie hat der Papst reagiert?
  • Seit vier Jahren finanziert Fluri im Vatikan einen Lehrstuhl zur Prävention gegen sexuellen Missbrauch: Was wird erforscht?
  • Guido Fluri wird im Sommer 60 und stemmt ein Grossprojekt nach dem anderen: Wann kommt er an seine Grenzen? Und was gibt ihm Kraft?

Transcripts

Speaker:

Guido Fluri [00:00:02]

Geld ist Sicherheit. Ich habe Freiheit,

2

:

ich habe Sicherheit, ich kann etwas Sinnstiftendes 

tun in meinem Leben. Ich kann etwas weitergeben.

3

:

Ich kann auch vermehrt Verantwortung übernehmen, 

gesellschaftliche Verantwortung. Weniger etwas

4

:

zur Kompensation, zum Konsum. Ich habe auch 

gerne schöne Sachen, aber ich muss jetzt

5

:

nicht eine 40'000- Franken-Uhr tragen oder 

teure Schuhe. Das sagt mir weniger etwas.

6

:

Sandra Leis [00:00:35]

Das sagt Guido Fluri,

7

:

er war ein Heimkind, heute ist er einer der 

erfolgreichsten Unternehmer der Schweiz und

8

:

Philanthrop. Kinderschutz ist ihm ein zentrales 

Anliegen. Berühmt geworden ist er mit seiner

9

:

Wiedergutmachungsinitiative. Kürzlich hat er eine 

Initiative lanciert für ein sichereres Internet.

10

:

Was treibt ihn an? Wie blickt der gläubige 

Katholik auf die Kirche? Und was gibt

11

:

ihm Halt? Darüber spreche ich in dieser 

Podcastfolge von «Laut + Leis» mit Guido

12

:

Fluri in seinem Büro in Cham. Guido Fluri, 

ganz herzlich willkommen zu unserem Gespräch.

13

:

Guido Fluri [00:01:15]

Vielen Dank für die Einladung.

14

:

Sandra Leis [00:01:17]

Ihre Mutter war 16 Jahre alt,

15

:

als sie von einem verheirateten Mann schwanger

16

:

wurde. Danach erkrankte sie ziemlich 

schnell an Schizophrenie, und Sie,

17

:

Herr Fluri, wurden fremdplatziert. Was ist Ihre 

prägendste Erinnerung an Ihre frühe Kindheit?

18

:

Guido Fluri [00:01:39]

Ich denke, ganz entscheidend war damals, dass

19

:

die Verbindung zu meiner Mutter nicht mehr da war. 

Ganz am Anfang, das Bewusstsein habe ich noch,

20

:

dann war ich sicher zwischen vier und fünf Jahre 

alt, da war meine Mutter krank, und plötzlich

21

:

war sie weg, sie war nicht mehr dort. Das hat mir 

dann schon auch fürs Leben den Boden weggezogen.

22

:

Sandra Leis [00:02:07]

Und von Ihnen kann man lesen,

23

:

dass insbesondere im Teenageralter Sie 

den Boden unter den Füssen verloren haben.

24

:

Sie haben eine Lehre als Spengler 

abgebrochen. Was ist da passiert?

25

:

Guido Fluri [00:02:19]

Es waren ja mehrere Schicksalsschläge

26

:

seitens der Grossmutter mütterlicherseits, wo 

sie nicht in irgendeiner Form verantwortlich

27

:

waren. Es war einfach Schicksal, 

Todesfälle. Ich hatte damals einen Onkel,

28

:

an dem ich mich orientiert habe. Das war meine 

Identifikationsfigur. Meinen Vater durfte ich ja

29

:

nie kennenlernen. Und der Onkel ist dann mit 24 

an einem Autounfall gestorben und diese Schwere,

30

:

diese Last, wo er dann bei uns zu Hause aufgebahrt 

wurde und die Trauer, ich denke, das hat mir dann

31

:

den Boden wirklich richtig weggezogen fürs Leben. 

Da hatte ich Schwierigkeiten, auch in der Jugend,

32

:

habe mich zurückgezogen und konnte mit dem 

überhaupt nicht umgehen. Dieser Peter, der war

33

:

plötzlich weg, er war doch mein Halt, er war meine 

Orientierung. Und jetzt ist er nicht mehr da.

34

:

Sandra Leis [00:03:15]

Sie haben vorhin von zu

35

:

Hause gesprochen, das war wahrscheinlich 

das Haus oder die Wohnung Ihrer Großeltern.

36

:

Guido Fluri [00:03:21]

Genau. Zuerst ist mein

37

:

Grossvater da gestorben. 1974, kurz vor 

Weihnachten, am 23. Dezember, zwei Jahre später

38

:

ist dann das Haus abgebrannt bei uns zu Hause. 

Auch dort, wieder einmal mehr, ein Schicksal für

39

:

die Familie, was da passiert ist. Weitere zwei 

Jahre war eben dieser Autounfall, wo Peter das

40

:

familiäre Unternehmen, das Bodenleger-Geschäft, 

das er übernommen hat, war ich ja viel unterwegs

41

:

mit ihm. Und da ist er dann auch nicht mehr da 

gewesen. Und diese drei Schicksalsschläge waren

42

:

doch außerordentlich prägend für mich. Wo ich 

dann Urängste entwickelte, auch in der Jugend

43

:

und auch im frühen Erwachsenenalter, wo ich dann 

auch wirklich therapeutisch aufarbeiten musste.

44

:

Sandra Leis [00:04:13]

Können Sie eine Urangst benennen?

45

:

Guido Fluri [00:04:14]

Beispielsweise Angst vor Krankheit,

46

:

existenzielle bedrohliche Angst. Wo 

ich einfach merke, dass Panikängste,

47

:

Urängste ist ja immer darauf gebaut, 

ich erlebe die nächsten Tage nicht mehr.

48

:

Sandra Leis [00:04:33]

Es kann schnell gehen,

49

:

wie Sie es beim Onkel erlebt haben.

50

:

Guido Fluri [00:04:36]

Ja genau, und diese Traumata

51

:

aus der Vergangenheit, aus der frühen Kindheit, 

auch durch meine Mutter, durch diese Geschichte,

52

:

wo sie dann früh an Schizophrenie erkrankte und 

auch diese Schicksalserlebnisse hatten einfach

53

:

traumatische Auswirkungen für mein Leben. Und 

ich denke, da war wirklich so mit 20, 21, 22,

54

:

wo ich dann das erste Mal von meinem Hausarzt zur 

Abklärung an der Universität in Zürich geschickt

55

:

wurde an eine Psychologin. Hatte sie mich dann das 

erste Mal gefragt über meine Vergangenheit. Und

56

:

dann habe ich mir nicht viel dabei gedacht, aber 

warum fragt sie mich über meine Vergangenheit?

57

:

Dort habe ich dann zum ersten 

Mal auch erfahren müssen,

58

:

dass doch irgendwo vieles verborgen 

liegt, wo ich aufarbeiten muss.

59

:

Sandra Leis [00:05:33]

Es gibt auch noch einen sehr

60

:

wichtigen Zwischenschritt. Sie haben dann 

noch eine Lehre als Tankwart angefangen,

61

:

da waren sie noch nicht 20 und haben 

dann das Trinkgeld beiseitegelegt. Als

62

:

sie dann 5000 beisammenhatten, gingen 

sie zur Bank, bekamen einen Kredit und

63

:

kauften Land, und auf diesem Land bauten Sie ein 

Dreifamilienhaus. Also da waren Sie noch keine 20,

64

:

und das hat den Grundstein gelegt für Ihr 

florierendes Unternehmen. Diese Geschichte

65

:

vom Tankwart zum Unternehmer, das klingt nach 

Märchen. Wie ist Ihnen das gelungen in dieser

66

:

Situation, wie Sie es vorhin geschildert 

haben? Wie kam es zu diesem Schritt?

67

:

Guido Fluri [00:06:18]

Ich denke, man muss

68

:

sehr weit zurückgehen, wo uns die Möbel 

genommen wurden damals bei meiner Mutter.

69

:

Sandra Leis [00:06:26]

In der Wohnung, meinen Sie?

70

:

Guido Fluri [00:06:27]

In der Wohnung. Wir hatten ja nie

71

:

Geld. Das war wirklich bedrohlich, existenziell 

bedrohlich. Ich musste immer wieder anschreiben

72

:

lassen. Sie konnte ja nicht, insbesondere durch 

ihre Krankheit, ja nicht nach draussen gehen,

73

:

oft nicht, hatte Angst. Und da musste ich 

auch jeweils anschreiben. Diese Situation,

74

:

dass man dem ausgeliefert wurde, das 

wollte ich einfach nie mehr erleben.

75

:

Sandra Leis [00:06:56]

Heute sind Sie gemäss Wirtschaftsmagazin Bilanz,

76

:

gehören Sie zu den 300 reichsten Menschen der 

Schweiz. Guido Fluri, was bedeutet Ihnen Geld?

77

:

Guido Fluri [00:07:08]

Geld ist Sicherheit. Ich

78

:

habe Freiheit, ich habe Sicherheit. Ich kann etwas 

Sinnstiftens tun in meinem Leben, ich kann etwas

79

:

weitergeben. Ich kann auch vermehrt Verantwortung 

übernehmen, gesellschaftliche Verantwortung.

80

:

Weniger etwas zur Kompensation, zum Konsum. Ich 

habe auch gerne schöne Sachen, aber ich muss

81

:

jetzt nicht eine 40'000-Franken-Uhr tragen 

oder teure Schuhe. Das sagt mir weniger

82

:

etwas. Ich habe auch gerne schönen Sachen, 

aber weniger auf Kompensation aufgebaut.

83

:

Sandra Leis [00:07:44]

Sie sagen es, etwas für

84

:

die Gesellschaft tun, sich engagieren. 2010 

haben Sie die Guido-Fluri-Stiftung gegründet.

85

:

Was war damals der Auslöser?

86

:

Guido Fluri [00:07:56]

Ich denke, meine Hirntumor-Erkrankung, ich hatte

87

:

einen Hirntumor im Schädelbasisbereich, einen 

gutartigen zwar, aber sehr komplexe Lage und war

88

:

schwierig zu operieren. Da habe ich dann das erste 

Mal eine Plattform länderübergreifend aufgebaut,

89

:

damit Menschen im deutschsprachigen Raum 

Begleitung bekommen für eine komplexe Erkrankung,

90

:

die auch schwierig ist zu operieren, aber 

auch postoperativ, also nach der Operation,

91

:

viele Nebenwirkungen hat. Und das war 

für mich ein wichtiges Signal damals,

92

:

auch etwas Gesellschaftliches zu 

tun durch mein eigenes Schicksal.

93

:

Sandra Leis [00:08:37]

Ein Jahr später,:

94

:

haben Sie das frühere Kinderheim in Mümliswil, das 

ist im Kanton Solothurn, gekauft, und da waren Sie

95

:

selber auch untergebracht. Welche Erinnerungen 

haben Sie an Ihre Zeit in diesem Kinderheim?

96

:

Guido Fluri [00:08:55]

Ja, schwierig. Ich war

97

:

ja nicht lange dort, aber diese Phase 

war außerordentlich schwierig für mich,

98

:

weil die ganze Atmosphäre dort war eigentlich für 

mich im Nachhinein betrachtet, war beängstigend.

99

:

Wir wurden auch eingesperrt in den Kellerräumen 

damals. Das war eigentlich ein Erlebnis dort,

100

:

das mich viele Jahre danach noch geprägt hat. 

Und als ich dann mitbekommen habe, man kann

101

:

dieses Heim erwerben. Das frühere Heim, es war ja 

damals kein Heim mehr, habe ich dann gesagt, ja,

102

:

ich suche auch dort den Weg der Konfrontation 

mit meinem eigenen Schicksal und versuche ein

103

:

Stück weit hier auch mein Problem zu verarbeiten. 

Und habe mich dann mit der Gemeinde in Kontakt

104

:

gesetzt, und wir haben dann Gespräche geführt, 

und ich konnte dann dieses Heim auch übernehmen.

105

:

Aber auch kombiniert mit einer historischen 

Aufarbeitung des Heim- und Verdingkinderwesens,

106

:

die dann dort diese Ausstellung füllen könnte. 

Das war so meine Idee, als ich dann dort

107

:

das Heim gekauft habe, brauchte ich länger, bis 

ich es überhaupt von innen besichtigt habe. Es

108

:

brauchte eine gewisse Zeit. Zuerst hatte ich 

nicht so gute Gefühle über dieses Gebäude,

109

:

allerlei ging mir da durch den Kopf, 

aber ich hab's dann geschafft, ja.

110

:

Sandra Leis [00:10:31]

:

111

:

diese Gedenkstätte, und es ist die erste nationale 

Gedenkstätte. Auf der Webseite habe ich gelesen,

112

:

dass man sie besuchen kann, aber nur auf 

Voranmeldung. Was sieht man dort, wenn man da ist?

113

:

Guido Fluri [00:10:45]

Man sieht einfach das ganze Verdingkinderwesen,

114

:

die fürsorgerischen Zwangsmaßnahmen von 

damals. Es waren ja viele uneheliche Kinder,

115

:

die dieses Unrecht erfahren haben. Die waren auch 

aus der Sicht der Kirche versündigt. Man muss das

116

:

heute sagen. Zehntausende von Heimkindern im Land. 

Und viele waren dann auch uneheliche Kinder, die

117

:

auf den Bauernhöfen verdingt wurden, ausgebeutet 

wurden. Ja, eigentlich eine Geschichte, die eine

118

:

trübe Sozialpolitik vom letzten Jahrhundert 

aufzeigt. Mir war es wichtig, die Dimension vor

119

:

Augen zu führen und die Gespräche auch mit der 

Bevölkerung zu führen durch diese Ausstellung.

120

:

Sandra Leis [00:11:33]

Man muss sich schon bewusst sein,

121

:

das ging ja bis 1981, dass Kinder 

fremdplatziert oder verdingt wurden.

122

:

Guido Fluri [00:11:40]

Ja, es gab ja Zwangsadoptionen,

123

:

Zwangsmedikationen, wir hatten Zwangsterilisation, 

also beispielsweise junge Mütter. Wie meine

124

:

Mutter, die früh schwanger wurde, denen wurde 

nahegelegt. Man sagte ja heute, man wollte sie

125

:

erlösen durch ihr liederliches Verhalten, indem 

man sie unter Druck gesetzt hat, dass sie sich

126

:

sterilisieren ließen. Dann gab es das Heim- und 

Verdingkinderwesen. Unvorstellbare Geschichten

127

:

habe ich erlebt in den letzten 15 Jahren, 

wie man mit diesen Menschen umgegangen ist.

128

:

Sandra Leis [00:12:18] S

Sie sind ja auch im direkten

129

:

Kontakt. Viele Menschen, die 

ein solches Schicksal haben,

130

:

wenden sich auch an Sie. Sie kennen 

es aus erster Hand sozusagen.

131

:

Guido Fluri [00:12:26]

Ja, für mich, ich habe mir hier eine Rolle

132

:

auch bewusst zugelegt, dass ich sie begleiten und 

auch führen darf. Ihnen eine Stimme geben konnte,

133

:

aber auch integrativ. Mir war es immer wichtig, 

bei der Kirche, bei den Bauern, insgesamt bei den

134

:

Parteien, immer nicht die Schuldfrage in diesem 

Zusammenhang in den Vordergrund zu stellen,

135

:

sondern Verantwortung. Verantwortung für 

ein Stück Gerechtigkeit wiederherzustellen.

136

:

Sandra Leis [00:13:00]

Also Verantwortung übernehmen,

137

:

ganz konkret. Und deshalb ja auch 

Ihre Wiedergutmachungsinitiative.

138

:

Mit der sind Sie ja wirklich schweizweit 

bekannt geworden. Was war da der Auslöser,

139

:

dass Sie sich gesagt haben, jetzt 

will ich politisch mich engagieren?

140

:

Guido Fluri [00:13:17]

Am Vorfeld war ich viele Jahre

141

:

vorher schon in der Parlamentarischen Gruppe. Und 

die einzelnen NGOs, also diese Opfergruppierungen,

142

:

hatten klare, unterschiedliche Ansprüche. Zur 

Aufarbeitung hat sich dann wirklich nicht für eine

143

:

gemeinsame Lösung finden können, beispielsweise 

Zahlungen auszusprechen als Wiedergutmachung.

144

:

Der Auslöser war aber dann 2013, als es um die 

administrative Fürsorge ging, also um Menschen,

145

:

die weggesperrt wurden ohne Gerichtsurteil, da 

war dann in der Rechtskommission vom Nationalrat,

146

:

kam dann die Aussage, wir wollen hier für 

diese Rehabilitation kein Präjudiz schaffen

147

:

für andere Opfergruppierungen. Da ging ich dann 

aus dem Bundeshaus mit der ganz klaren Meinung,

148

:

jetzt müssen wir eine andere Lösung 

suchen. Ich bin dann nach Hause

149

:

gegangen und wachte dann am Morgen um 3 

Uhr auf, ich weiss das noch sehr genau,

150

:

und habe mir dann gesagt, so jetzt müssen 

wir die Tragweite der Menschen in diesem

151

:

Land aufzeigen. Wie haben diese gelitten? 

Diese Zwangsmassnahmen, die das erlebt haben,

152

:

jetzt müssen wir mittels Volksinitiative den 

Dialog weiter und breiter öffnen können. Ich

153

:

musste diese lancieren, und das war dann 

der Beginn der Wiedergutmachungsinitiative.

154

:

Sandra Leis [00:14:47]

Und wer waren Ihre härtesten Gegner?

155

:

Guido Fluri [00:14:52]

Ich denke, der Bauernverband war die eigentlich,

156

:

die am meisten profitiert hatten damals mit den 

Verdingkindern. Beispielsweise die SVP, die war

157

:

wirklich, das muss man sagen, ganz schwierig, 

vor allem die ganz ideologisch geprägten, der

158

:

innere Kern, der wollte sich partout hier nicht zu 

einer Anerkennung dieser Ungerechtigkeit bekennen.

159

:

Wenn ich es so sagen darf, oder zumindest 

die Hand strecken. Aber auch die Kirche hat

160

:

sich schwer getan am Anfang. Ich musste viele 

Gespräche führen, auch mit Mitgliedern von der

161

:

Bischofskonferenz. Ein fast erlösendes Gespräch 

hatte ich dann mit Herrn Wallimann von Justitia

162

:

et Pax. Er hat mir dann am Telefon gesagt, ja, 

wir können da nicht abseitsstehen. Wir müssen

163

:

da ein Zeichen setzen. Das war ganz am Schluss des 

Prozesses, wo das Unterstützungskomitee immer mehr

164

:

gewachsen ist. Und dann war dann wirklich auch 

die katholische Kirche hat sich hier klar bekennt,

165

:

ins Unterstützungskomitee zu kommen 

für die Aufarbeitung dieses Unrechts.

166

:

Sandra Leis [00:16:12]

Sie selber sind bis heute

167

:

ein gläubiger Katholik. Haben Sie nie an der

168

:

Institution der römisch-katholischen 

Kirche gezweifelt in all den Jahren?

169

:

Guido Fluri [00:16:24]

Doch, das habe ich. Aber ich habe

170

:

immer gesagt, Jesus gibt mir den Weg, er gibt 

mir die Kraft, die Energie, auch zu sagen,

171

:

wir müssen einfach diesen Weg gemeinsam 

gehen zur Aufarbeitung. Ich habe viele

172

:

Versuche gestartet und ich bin heute durch die 

Resolution, die wir erwirkt haben im Europarat,

173

:

wo die Kirche ganz klar auch angehalten wird, den 

Aufarbeitungsprozess in Europa voranzutreiben. Da

174

:

gehören nicht nur die katholische Kirche, auch 

die evangelische und andere Freikirchen dazu.

175

:

Das ist eigentlich das Signal gewesen, damit 

man den Weg politisch vorantreiben kann. Das

176

:

war ja einstimmig, war dieses Urteil gefällt 

worden. Und die Geke jetzt, die ist ja bereit,

177

:

die evangelischen Kirche. Hier diese Resolution 

ja zu sagen, den Prozess hier voranzutreiben.

178

:

Und wir werden in Warschau dieses Jahr diese 

Beratung weiterführen. Wie konkret könnte man den

179

:

Prozeß vorantreiben? Was die katholische Kirche 

betrifft, war ich in mehreren Anläufen jetzt,

180

:

nach 2019, an einer Privataudienz bei Papst 

Franziskus. Habe ich dann damals schon gefragt,

181

:

wie können wir den Weg machen? Und es gab 

dann die Aussage, machen Sie mir Vorschläge.

182

:

Sandra Leis [00:17:58]

Hat Ihn den Papst Franziskus gesagt?

183

:

Guido Fluri [00:17:59]

Ja, mit weiteren Betroffenen,

184

:

wo ich damals anwesend war. Und er hat aber 

wirklich um Vergebung gebeten für die Schweizer

185

:

Missbrauchsopfer, was mir persönlich sehr 

wichtig war, dass diese Menschen auch hier

186

:

ein Signal bekommen, eine Entschuldigung. 

Auch wiederum sich seelisch irgendwo damit

187

:

auseinandersetzt ins Gute oder zum Guten. Ich 

denke, er hat sich da wirklich klar bekennt

188

:

für diese Entschuldigung, die Aufarbeitung, 

die ist nach wie vor schwierig im Thema drin.

189

:

Sandra Leis [00:18:38]

Wie blicken Sie denn auf die Bemühungen

190

:

der katholischen Kirche hier in der Schweiz? Seit 

der Missbrauchsstudie gibt es ja die Maßnahmen,

191

:

die umgesetzt werden. Reicht das, oder wie blicken 

Sie jetzt konkret auf die Schweizer Situation?

192

:

Guido Fluri [00:18:54]

Also wir haben ja die Anzeigepflicht,

193

:

die haben wir auch heute, aber auch hier, man 

ist halt auch sehr stark von Rom abhängig,

194

:

man spürt das immer wieder, 

auch wenn neue Studien kommen,

195

:

geht es sechs Monate, bis mal klare Aussagen 

kommen, ja, sie tun sich halt auch schwer.

196

:

Sandra Leis [00:19:13]

Eben, das spüren Sie schon auch.

197

:

Guido Fluri [00:19:14]

Ja, natürlich. Ich habe ja selbst Juristen

198

:

innerhalb der Stiftung, wo sich Missbrauchsopfer 

bei uns melden, wo man versucht, eine Annäherung

199

:

wieder zu machen, gerade jetzt im Wallis. 

Und man mauert dann schon, oder. Es ist kein

200

:

Befreiungsschlag. Das spürt man immer wieder. Aber 

man muss konstruktiv bleiben. Man muss wirklich

201

:

auch, ich sehe immer wieder den Wanderprediger 

vor mir, der mir den Weg gibt und du darfst nicht

202

:

aufgeben. Und ich habe dann Druck, ich spüre dann, 

die Menschen werden älter, die diesen Missbrauch

203

:

erlebt haben, viele sind weggestorben. Ich habe 

ihnen die Würde nicht zurückgeben können. Das

204

:

schmerzt dann sehr tief für mich, weil 

ich mich für sie verantwortlich fühle.

205

:

Sandra Leis [00:20:09]

Stichwort Vatikan,

206

:

Sie haben es gesagt, Sie waren bei Paus 

Franziskus, und seit vier Jahren finanzieren

207

:

Sie auch einen Lehrstuhl zur Prävention gegen 

sexuellen Missbrauch. Was wird da erforscht?

208

:

Guido Fluri [00:20:23]

In erster Linie geht es ja darum,

209

:

wie geht man damit um oder warum ist das überhaupt 

so? Warum gibt es Übergriffe von Priestern? Das

210

:

ist ein wichtiges Thema. Was lief da falsch 

in der Vergangenheit? Wie kann man präventiv

211

:

wirken, dass das auch in Zukunft nicht mehr 

passiert oder weniger passiert? Ich glaube,

212

:

das sind wichtige Themen in der Studie, aber 

auch moderne Themen wie beispielsweise KI,

213

:

sexualisierte Gewalt über KI, also pädokriminelle 

Inhalte, wo mittels KI Videos verbreitet werden.

214

:

Auch das ist ein Thema. Ich denke, wir haben dort 

für uns eine wichtige Institution aufbauen können,

215

:

die für uns als Stiftung zentral ist, aber 

auch die Nähe zum Vatikan herstellen können.

216

:

Sandra Leis [00:21:17]

Das scheint ein wichtiger

217

:

Punkt zu sein, dass da was vorwärts geht.

218

:

Guido Fluri [00:21:21]

Ja, aber auch immer hier im Dialog.

219

:

Viele Opferorganisationen haben wenig Geduld, man 

merkt das, sind sich untereinander nicht einig in

220

:

vielen Ländern, auch ausserhalb Europas. Und das 

schafft eigentlich keine klare Lösung oder eine

221

:

klare Struktur. Man sieht es in Deutschland, 

ich hatte auch im Bundestag Gespräche, da habe

222

:

ich oft gehört, wie können wir die Aufarbeitung 

vorantreiben, wenn sie sich selber untereinander

223

:

nicht einig sind, die Opfer? Ich habe immer 

versucht, über die europäische Resolution

224

:

am Europarat eine Lösung zu finden, wo man sich 

einheitlich daran orientieren kann. Ich habe die

225

:

Hoffnung, habe jetzt mehrere Versuche gestartet, 

auch bei Kardinal Koch mit Gesprächen. Er hat mir

226

:

also auch versichert, er hätte mich nicht 

vergessen, auch mit dem neuen Pontifikat,

227

:

mir eine Möglichkeit zu geben, in ein weiteres 

Gespräch zu gehen. Damit man eben den Weg über die

228

:

Resolution gehen kann, damit die Aufarbeitung auch 

bei der katholischen Kirche eine Struktur bekommt,

229

:

eine einheitliche Struktur innerhalb eines 

Dekrets beispielsweise, welches vom Papst,

230

:

vom Heiligen Vater dann gesprochen wird. 

Weil sonst wird es einfach schwierig,

231

:

weil die einzelnen Bischofskonferenzen 

auch unterschiedlich funktionieren.

232

:

Sandra Leis [00:22:46]

Auch in den unterschiedlichen Ländern natürlich.

233

:

Sie haben vorhin die KI erwähnt. Anfang 

März dieses Jahres haben Sie in der Schweiz

234

:

eine neue Initiative lanciert, die sogenannte 

Internetinitiative, die will das Internet sicherer

235

:

machen. Was wollen Sie genau erreichen? Sie stehen 

ja noch ganz am Anfang von dieser Initiative.

236

:

Guido Fluri [00:23:10]

Für uns war ja im Vorfeld,

237

:

ich bin ja seit vielen Jahren in diesem 

Thema dran, wir haben ja bei der EU

238

:

schon eine Petition eingereicht mit 540'000 

Unterschriften gegen sexualisierte Gewalt,

239

:

also die pädokriminellen Elemente, die verbreitet 

werden und auch die Click-and-Stop-Plattform,

240

:

wo wir in der Schweiz mit Fedpol aufbereitet 

haben, wo auch da anonyme Meldungen gemacht

241

:

werden können. Über eine URL-Adresse eingegeben 

werden kann, anonym. Und auch dort hatten wir

242

:

massive Zugänge. Wir hatten über 8'000 Meldungen 

in den letzten Jahren nur allein aus der Schweiz.

243

:

Sandra Leis [00:23:52]

Auf dieser Plattform?

244

:

Guido Fluri [00:23:53]

Ja, ohne Werbung. Die Dunkelziffer

245

:

ist massiv höher. Auch hier wusste ich schon 

vorletztes Jahr, wir müssten irgendetwas machen,

246

:

auch in der Schweiz! Ich hatte dann 

die Hoffnung für den Bundesrat.

247

:

Sandra Leis [00:24:07]

Er arbeitet ja auch daran,

248

:

dass jetzt die Plattformregulierung kommt.

249

:

Guido Fluri [00:24:08]

Das Wort Regulierung hören die Politiker vor allem

250

:

in bürgerlichen Kreisen nicht gerne. Ich habe 

da Verständnis dafür, ich bin auch Unternehmer.

251

:

Aber da geht es eigentlich auch hier um eine 

Dimension. Die ist so erschreckend. Ich muss Ihnen

252

:

das sagen. Wir müssen etwas tun. Wir müssen unsere 

Grundwerte verteidigen. Wir müssen unsere Kinder,

253

:

unsere Jugendlichen schützen für die Zukunft. 

Wo Gewaltvideos dermaßen verbreitet werden. Und

254

:

hier geht es nicht darum, die Verantwortung 

zu suchen für die Inhalte bei den Konzernen,

255

:

sondern in die Verbreitung, die sie gehen, mittels 

Algorithmen, verstärkt. Keine Flugzeugabfertigung

256

:

oder Checking – stellen Sie sich mal vor, man 

müsste da nichts mehr kontrollieren. Oder eine

257

:

Medikamentenentwicklung. Man kontrolliert 

gar nichts mehr. Warum tut man das? Indem

258

:

man die Menschen schützt.

Sandra Leis [:

259

:

Und wer soll kontrollieren? 

Wer sitzt da am Drücker?

260

:

Guido Fluri [00:25:14]

In erster Linie gibt

261

:

es Gesetze. Man muss hier ein Gesetz 

schaffen, das ganz klar besagt alles,

262

:

was Hinweise gibt für Verletzungen 

von Grundrechten, Gewaltinhalten,

263

:

pädokriminelles Material beispielsweise, 

oder betrügerische Werbung, die geladen ist,

264

:

wo Menschen betrogen werden hier insbesondere auch 

viele Pensionäre. Alles, was dort Hinweise gibt

265

:

aus der Bevölkerung, muss analysiert werden, 

müssen Gegenmassnahmen getroffen werden.

266

:

Sandra Leis [00:25:47]

Aber wer analysiert das?

267

:

Guido Fluri [00:25:49]

Das tun die Tech-Konzerne.

268

:

Es gibt die sogenannte Rechtsvertretung, was 

wir hier in der Schweiz verlangen, also eine

269

:

juristische Vertretung. Momentan ist das 

in Dublin. Das heisst, ein Jugendlicher,

270

:

der mit Gewaltinhalten konfrontiert 

wird, kann jetzt ein Mail machen, darauf

271

:

aufmerksam machen. Sie müssen das analysieren, 

Gegenmassnahmen einleiten und Bericht erstellen.

272

:

Sandra Leis [00:26:14]

Das ist Ihnen ganz wichtig,

273

:

ich habe das im Initiativtext gelesen, 

dass man wirklich auch berichten muss.

274

:

Guido Fluri [00:26:19]

Genau. Das ist jetzt der

275

:

Gesetzgeber. Dann muss man alle drei Monate, 

alle sechs Monate ans Bakom Bericht erstatten.

276

:

Die Transparenz ist wichtig, verstehen Sie? 

Dass man hier eine Auslegung bekommt endlich.

277

:

Und sie handeln müssen, Gegenmassnahmen 

einleiten müssen. Und diese Initiative,

278

:

und das ist jetzt entscheidend, wird jetzt 

mit diesem Dialog, den sie auslöst. Wo viele

279

:

Menschen verunsichert sind, auch Angst haben 

oder auch genug haben. Das ist jetzt wichtig,

280

:

dass dieser Dialog stattfindet. Das ist das 

Instrument der Volksinitiative, wo wir jetzt den

281

:

Prozess eingeleitet haben. Wir haben bereits schon 

innerhalb von einem Monat 20'000 Unterschriften.

282

:

Sandra Leis [00:27:04]

Das ist aber sehr gut.

283

:

Sie müssen ja 100'000 haben in eineinhalb 

Jahren. Das schaffen Sie wahrscheinlich schon.

284

:

Guido Fluri [00:27:09]

Wir werden die Unterschriften

285

:

sicher bis Dezember beieinanderhaben, da 

bin ich felsenfest davon überzeugt. Wir

286

:

haben ja ein breites Komitee, immer wie 

mehr auch Bürgerliche sind bereit. Dann

287

:

höre ich aus der Gegnerseite, wir reden hier von 

Meinungsfreiheit, die hier eingeschränkt wird.

288

:

Sandra Leis [00:27:33]

Zensur.

289

:

Guido Fluri [00:27:34]

Zensur. Das ist ja,

290

:

allein nur schon das ist erschreckt, diese 

Aussage, wenn man sieht, um welche Themen es

291

:

eigentlich geht. Es geht um massive Zunahme 

von Cyberkriminalität, sexualisierte Gewalt.

292

:

Wir haben schätzungsweise 80 Millionen Bilder 

pädokriminellen Inhalts. Wir haben immer mehr

293

:

Deepfakes. Die ganzen Probleme der KI-Videos oder 

Chats, Live-Chats, die Pädophile konsumieren,

294

:

auch hier aus der Schweiz. Dramatisch, wie sich 

das entwickelt. Und immer wie mehr Autokratien,

295

:

die ganz bewusst manipulativ 

Desinformationskampagnen aus

296

:

dem Ausland starten, um Menschen hier im 

Meinungsbildungsprojekt zu beeinflussen.

297

:

Sandra Leis [00:28:23]

Kinderschutz ist Ihnen ein ganz

298

:

großes Anliegen. Australien zum Beispiel hat jetzt 

im Dezember beschlossen, dass Jugendliche unter

299

:

16 Jahren gar keinen Zugang mehr haben sollen zu 

Social Media. Österreich hat es auch beschlossen,

300

:

und Frankreich denkt auch darüber nach. Wären denn 

Kinder und Jugendliche nicht am besten geschützt,

301

:

wenn sie gar keinen Zugang hätten? 

Also analog zum Schutz vor Alkohol

302

:

und Tabak. Was halten Sie denn davon? Von 

einem Verbot bis zu einem gewissen Alter?

303

:

Guido Fluri [00:28:57]

Ich bin da sehr kritisch mit Verboten. Ich denke,

304

:

wir sollten viel mehr mit präventiven Massnahmen, 

breit abgestützt auch in den Kantonen arbeiten.

305

:

Prävention gibt Entwicklung. Das ist zentral 

für mich immer gewesen. Wenn man aufzeigt,

306

:

welche Konsequenzen dieser Konsum hat, und 

da auch dieser Lernprozess ist für einen

307

:

Jugendlichen ganz entscheidend. Und wenn 

man das breit abstützt, in den Kantonen,

308

:

wirklich, und auch unterstützt, finanziell, dann 

hat man mehr Wirkung als über eine Verbotslösung,

309

:

wo nur am Schluss, man weicht ja dem Verbot auch 

aus. Immer wieder sieht man ja das, ich denke,

310

:

das wäre der falsche Ansatz. 

Aber das ist meine Überzeugung.

311

:

Sandra Leis [00:29:48]

Sie werden im Sommer 60 Jahre

312

:

alt und stemmen ein Großprojekt – man muss es 

wirklich so sagen – nach dem anderen und haben

313

:

auch immer Kontakt mit Menschen, die 

schwere Schicksale haben. Das belastet

314

:

ja wahrscheinlich auch solche Gespräche. Guido 

Fluri, wann kommen Sie selber an Ihre Grenzen?

315

:

Guido Fluri [00:30:11]

Jeden Tag. Ich habe jeden

316

:

Tag meine Grenzen, die mir vor Augen geführt 

werden. Ich muss jeden Tag schauen, dass ich

317

:

meinen Weg, meinen Halt wieder bekomme aus dem 

christlichen Gedankengut heraus. Weil ich sehe,

318

:

ich kann einem Mann, der einen Hirntumor 

hat, drei Kinder hat, 40 Jahre alt und weiß,

319

:

er wird eigentlich in einem Jahr sterben, da fühlt 

man sich ohnmächtig. Jeden Tag mit solchen Themen,

320

:

wie ich sie habe, wie Schizophrenie, 

Hirntumore, schwere Traumata von Menschen,

321

:

die Missbrauch erlebt haben, die man ja 

nicht wegtherapieren kann. Man muss lernen,

322

:

damit umzugehen. Da kommst du 

jeden Tag an deine Grenzen.

323

:

Im Glauben schöpfe ich dann wieder Kraft und kann 

dann am nächsten Tag mich wieder voll motivieren.

324

:

Sandra Leis [00:31:03]

Und wie erholen Sie sich?

325

:

Guido Fluri [00:31:05]

Sicher auch im Glauben,

326

:

aber auch in meinem Leben fühle ich mich oft 

auch frei. Das ist eigentlich auch eine Art der

327

:

Regeneration, die man sich erarbeiten muss, weil 

man wichtige Dinge im Vordergrund hat. Und ich

328

:

muss auch immer wieder sagen, ich hatte so viele 

schöne Erlebnisse mit Menschen, die dankbar sind,

329

:

wenn du ihnen hilfst. Das erleben sicher auch 

viele, die nach dem christlichen Glauben und der

330

:

Nächstenliebe anderen Menschen helfen, dass eben 

auch viel Schönes dabei ist, jemandem zu helfen,

331

:

wenn es ihm dann schlussendlich besser 

geht. Auch dort kann man Kraft schöpfen.

332

:

Sandra Leis [00:31:45]

Gibt es bis heute noch Situationen,

333

:

die Sie triggern?

334

:

Guido Fluri [00:31:52]

Können Sie es besser

335

:

ausdrücken? Wie finden Sie, was verstehen 

Sie unter Triggern? Wie meinen Sie das?

336

:

Sandra Leis [00:31:57]

Also wo Sie vielleicht spüren, da kommt

337

:

etwas von früher, das regt mich jetzt so auf. Oder 

haben Sie das für sich schon abschliessen können?

338

:

Guido Fluri [00:32:07]

Ich bin da befreit heute.

339

:

Das müssen Sie mir wirklich glauben. Ich bin weg 

von diesen negativen Gefühlen. Viele Menschen,

340

:

wo ich nicht so gut zu sprechen war vor 

10, 20 Jahren kann ich heute gut zugehen.

341

:

Sandra Leis [00:32:23

Und Sie suchen den Dialog, wie Sie sagen.

342

:

Guido Fluri [00:32:25]

Ich suche den Dialog und bin eigentlich frei.

343

:

Sandra Leis [00:32:31]

Guido Fluri,

344

:

vielen herzlichen Dank für dieses offene Gespräch.

345

:

Guido Fluri [00:32:35]

Ich danke Ihnen auch vielmals.

346

:

Sandra Leis [00:32:41]

Das ist die 67. Folge des Podcasts

347

:

«Laut + Leis». Zu Gast war der Unternehmer, 

Aktivist und Philanthrop Guido Fluri. Über

348

:

Feedback freuen wir uns: Schreibt gerne per Mail 

an podcast@kath.ch oder per WhatsApp auf die

349

:

Nummer 078 251 67 83. Und: Abonniert den Podcast 

und bewertet ihn positiv, wenn er euch gefällt.

350

:

In der nächsten Folge von «Laut + Leis» reise 

ich nach St. Gallen zu Hildegard Aepli, der

351

:

Initiantin des sogenannten Wiborada-Projekts. 

Wiborada ist die erste heiliggesprochene

352

:

Frau der Welt. Seit 2021 lassen sich in St. 

Gallen jedes Jahr fünf Personen für je eine

353

:

Woche in der nachgebauten Zelle der Wiborada 

einschliessen und freuen sich auf Gespräche,

354

:

wenn das Fenster der Zelle offen ist. Heuer endet 

das Wiborada-Projekt der St. Galler Kirchen – Zeit

355

:

für eine Bilanz. Bis in zwei Wochen – 

und bleibt laut und manchmal auch leise.

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