Speaker:
00:00:00
Wir haben verlernt zu sterben.
Speaker:
00:00:03
Möglicherweise haben wir auch verlernt zu leben,
Speaker:
00:00:07
aber wir alle kennen das Wort die Erste
Speaker:
00:00:10
Hilfe. Das ist das, wenn der große
Speaker:
00:00:14
Wagen mit dem Blaulicht kommt. Heute geht es um die letzte
Speaker:
00:00:18
Hilfe. Liebe Hörerinnen und Hörer, herzlich
Speaker:
00:00:21
willkommen zu einer neuen Folge von Das Schwere leicht gesagt
Speaker:
00:00:25
Trauer am Arbeitsplatz. Mein Name ist Stefan Hund
Speaker:
00:00:29
und ich begrüße heute eine ausgewiesene
Speaker:
00:00:32
Expertin, Carla Spiritus. Liebe
Speaker:
00:00:36
Carla, ganz herzlich willkommen.
Speaker:
00:00:40
Herzlichen Dank, lieber Stefan. Und auch ein Ich freue mich, dass
Speaker:
00:00:43
die Community da ist und zuhört. Liebe Grüße an alle, die
Speaker:
00:00:47
draußen mithören. Ich freue mich, dass ich da sein darf
Speaker:
00:00:51
an dieser Stelle. Wie wer Fragen hat,
Speaker:
00:00:55
der kann das gerne an Podcast
Speaker:
00:01:00
schicken und das leite ich dann auch gerne weiter, denn
Speaker:
00:01:04
ein oder anderen gibt es vielleicht, der hat heute Fragen.
Speaker:
00:01:08
Aber gehen wir einfach mal in dieses
Speaker:
00:01:12
ganze Thema rein. Das Thema Trauer, das Thema Sterben sucht sich
Speaker:
00:01:15
ja niemand. Wie hat dieses Thema dich gefunden?
Speaker:
00:01:22
Das war im Grunde ein längerer Weg. Ich
Speaker:
00:01:25
bin ja in einer Generation geboren, ich bin 75 Jahre
Speaker:
00:01:29
alt, das vorweg gesagt, die
Speaker:
00:01:33
das Sterben noch sehr hautnah mitbekommen hat, und zwar
Speaker:
00:01:37
zu Hause. Ich komme aus Burscheid, aus dem Bergischen
Speaker:
00:01:40
Land, aus einer Großfamilie. Ich bin in
Speaker:
00:01:44
meinem damaligen Elternhaus geboren und
Speaker:
00:01:47
alle, die in der Zeit, in der ich dort gewohnt habe,
Speaker:
00:01:51
gestorben sind, die haben wir zu Hause begleitet.
Speaker:
00:01:55
Das war eigentlich ganz normal, weil die Gemeindeschwester
Speaker:
00:01:59
Gertrud kam und versorgte den oder die
Speaker:
00:02:03
Patientin und die Hausärztin kam natürlich
Speaker:
00:02:06
auch nach Hause. Und ich als Kind
Speaker:
00:02:10
kriegte das so mit, wie die Menschen dort
Speaker:
00:02:13
begleitet wurden und dass das sich ganz gut in den sehr
Speaker:
00:02:17
arbeitsreichen und bestehenden Alltag integrieren ließ.
Speaker:
00:02:21
Und die Netzwerke, die es damals schon gab,
Speaker:
00:02:25
die funktionierten gut. Die Nachbarschaft
Speaker:
00:02:29
Hört mal, wir gehen einkaufen. Braucht ihr was?
Speaker:
00:02:32
Manchmal stand ein selbstgebackener Kuchen vor der Türe.
Speaker:
00:02:36
Und natürlich wurde auch später die
Speaker:
00:02:40
Verstorbene oder der Verstorbene aus dem Haus getragen. Damals
Speaker:
00:02:44
hieß es nie mit dem Kopf zuerst, sondern immer mit den
Speaker:
00:02:47
Füßen zuerst. Auch die alten Rituale wie öffnet
Speaker:
00:02:51
das Fenster, damit die Seele rausfliegen kann, die hatten Bestand
Speaker:
00:02:55
und die gingen uns selbstverständlich ins Blut
Speaker:
00:02:59
über, ohne dass das groß diskutiert werden musste. Dann
Speaker:
00:03:02
zog ich aber 1979 nach Düsseldorf mit. Meinem
Speaker:
00:03:06
damaligen Mann und da änderte
Speaker:
00:03:10
sich dann alles, weil in der Stadt fehlte dieses Gefüge
Speaker:
00:03:14
und da habe ich mich dann immer
Speaker:
00:03:17
mal ehrenamtlich wo angemeldet, mal bei der Gemeinde,
Speaker:
00:03:21
mal bei der Telefonseelsorge viele Jahre und habe dort schon
Speaker:
00:03:25
erfahren, wie viel Immobilie alte Menschen es gibt, die
Speaker:
00:03:29
einsam sind, weil sie nicht mehr raus können. Und
Speaker:
00:03:32
diese Netzwerke, die ich so kennengelernt habe, die haben hier nicht gegriffen.
Speaker:
00:03:37
Und deswegen habe ich mich nach dem Tod meiner beiden Eltern der
Speaker:
00:03:40
Hospizbewegung in Ratingen angeschlossen und habe mir
Speaker:
00:03:44
auf die Fahnen geschrieben, ich möchte das ändern, ich möchte, dass
Speaker:
00:03:48
Sterbende Begleitung haben, dass es Netzwerke gibt, die angeboten
Speaker:
00:03:52
werden können, all diese Dinge. Und dann
Speaker:
00:03:56
kam 2019 die Idee in der
Speaker:
00:03:59
Hospizbewegung, es gibt doch da so eine
Speaker:
00:04:01
Kursleiterausbildung für letzte Hilfe. Da habe ich mich
Speaker:
00:04:05
informiert, habe den Kurs gemacht und ganz
Speaker:
00:04:09
ehrlich, ich bin wie nach Hause gekommen in meine
Speaker:
00:04:12
Kinderzeit, denn dort habe ich diese Netzwerke wiedergefunden,
Speaker:
00:04:16
die es damals schon gab und es gilt jetzt für mich, sie
Speaker:
00:04:21
zu propagieren. Das tue ich mit großer Leidenschaft,
Speaker:
00:04:25
das ist auch wichtig. Also ich selber komme aus dem Pfarrhaus, ich
Speaker:
00:04:29
selber war lange Gemeindepfarrer und auch Klinikpfarrer.
Speaker:
00:04:32
Und das, was du beschreibst, viele kennen
Speaker:
00:04:36
das Wort Aussegnung noch, dass
Speaker:
00:04:40
eben halt dann in dem Fall der Pfarrer, bei anderen
Speaker:
00:04:43
ist es möglicherweise anders, nach Hause gekommen ist,
Speaker:
00:04:47
den Verstorbenen aus dem Kreise
Speaker:
00:04:51
der Familie und wer auch immer dazugekommen ist,
Speaker:
00:04:55
mit dem Gebet, mit einem Segen verabschiedet hat,
Speaker:
00:04:59
sodass sich da dieser Kreis wieder schließen konnte,
Speaker:
00:05:03
wenn der Verstorbene rausgetragen ist.
Speaker:
00:05:06
Aber das ist für viele leider verloren
Speaker:
00:05:10
gegangen. Und manchmal habe ich so den Eindruck, ich weiß nicht, wie
Speaker:
00:05:14
dir es geht, aber wer nicht wirklich
Speaker:
00:05:17
verabschiedet ist, der ist noch da.
Speaker:
00:05:22
Ja, das kann man so empfinden, das denke ich auch. Und der ist
Speaker:
00:05:26
auf eine nicht so schöne Art und Weise da. Ich finde dieses
Speaker:
00:05:29
Gehen lassen. Ich war gestern übrigens bei einem
Speaker:
00:05:32
Aussegnungsgottesdienst bei einem Familienmitglied von uns,
Speaker:
00:05:36
obwohl ich selbst evangelische Christin bin, aber ich fand das
Speaker:
00:05:40
total schön, dass er innerhalb dieses Gottesdienstes
Speaker:
00:05:44
von uns in Gottes Hand geschickt wurde.
Speaker:
00:05:48
Und jeder mag da seinen Glauben haben. Für mich trägt
Speaker:
00:05:51
der Glaube sehr viel und ich finde auch gut, dass es
Speaker:
00:05:55
diese Rituale immer noch gibt. Sie sind nicht ausgestorben, Stefan
Speaker:
00:05:59
Ne, absolut nicht. Aber ich denke, wir dürfen uns gerne
Speaker:
00:06:02
daran erinnern, denn es ist ganz
Speaker:
00:06:06
klar, Sterben ist Teil des Lebens, ob wir
Speaker:
00:06:10
das wollen oder nicht. Es wird uns irgendwann
Speaker:
00:06:14
früher oder später jeden von uns treffen. Ja, das ist
Speaker:
00:06:18
richtig. Da kommt man nicht dran vorbei. Und ich
Speaker:
00:06:22
selbst bin sehr gut vorbereitet, denn ich nicht nur, weil ich jetzt 75
Speaker:
00:06:25
bin und ich hoffe, dass ich noch eine ganze Weile hier bin, aber ich
Speaker:
00:06:29
bin jemand, der gerne Dinge erledigt hat und
Speaker:
00:06:33
die friedvoll anschauen kann auf dem Stapel
Speaker:
00:06:37
der erledigten Dinge und sagen kann, das muss ich, kann ich
Speaker:
00:06:40
nicht mehr im Kopf tragen, das muss ich auch nicht mehr. Ich
Speaker:
00:06:44
habe vor 14 Tagen meine eigene Beerdigung
Speaker:
00:06:48
noch mal überdacht und noch mal neu geregelt. Und
Speaker:
00:06:52
ja, das ist eigentlich was, was mir Freude macht, wo ich dann
Speaker:
00:06:55
sage, es ist wie schön geputzter Schuh oder
Speaker:
00:06:59
ein aufgeräumtes Haus. Man guckt gerne hin und sagt, das
Speaker:
00:07:03
ist was, wo ich jetzt mich nicht mehr mit beschäftigen muss. Macht Spaß,
Speaker:
00:07:07
Mir zumindest. Ich habe ja nun sehr viele Menschen auch begleitet,
Speaker:
00:07:11
auch auf den letzten, ich sag mal, Zentimetern des Lebens,
Speaker:
00:07:15
wenn der Tisch leer ist, wenn alles aufgeräumt ist,
Speaker:
00:07:19
dann ist auch nichts mehr, was eingreift, dass er
Speaker:
00:07:22
zurückgehalten wird. Ganz genau. Das finde ich
Speaker:
00:07:26
auch. Und in meiner Erfahrung, ich bin ja auch nicht nur
Speaker:
00:07:29
Kursleitung Letzte Hilfe, sondern Sterbe und
Speaker:
00:07:33
Trauerbegleiterin. Ich habe oft erlebt, wie sterbende
Speaker:
00:07:37
Menschen ihr Sterben die letzten Augenblicke oder Momente
Speaker:
00:07:40
oder vielleicht sogar Tage noch beeinflussen können, dass
Speaker:
00:07:44
die noch warten können, bis der Sohn aus Neuseeland
Speaker:
00:07:48
gekommen ist und sich verabschiedet werden konnte.
Speaker:
00:07:52
Und es gibt natürlich auch die andere Seite. Meine Mutter ist durch
Speaker:
00:07:55
Sterbefasten verstorben, weil die konnte es nicht mehr ertragen, ein
Speaker:
00:07:59
so harter Pflegefall zu sein. Die war so aktiv und
Speaker:
00:08:03
mochte den Zustand, die hat in andere Weise
Speaker:
00:08:07
Einfluss genommen. Aber ich finde das ganz bemerkenswert,
Speaker:
00:08:10
was am Lebensende in den Menschen noch geht und was möglich
Speaker:
00:08:14
ist. Da kann man sehr, sehr viel,
Speaker:
00:08:19
ob ich jetzt sage steuern, weiß ich nicht, aber da kann man
Speaker:
00:08:23
zumindest sehr, sehr viel beeinflussen. Und da gibt es mehr zwischen
Speaker:
00:08:27
Himmel und Erde, als manch einer denken
Speaker:
00:08:30
kann. Ja, das ist richtig.
Speaker:
00:08:34
Jetzt bietet ihr unter anderem diesen
Speaker:
00:08:37
Letzte Hilfe Kurs an. Ja, was muss ich mir
Speaker:
00:08:41
darunter vorstellen, wenn ich mich da anmelden würde, was würde ich da
Speaker:
00:08:45
erfahren? Also der Georg
Speaker:
00:08:48
Bollig, das ist ein
Speaker:
00:08:51
Privatdozent aus Schleswig und
Speaker:
00:08:54
Palliativmediziner, der hat
Speaker:
00:08:57
2015 diesen Letzte Hilfe Kurs erfunden.
Speaker:
00:09:01
Und zwar hat er früher als junger
Speaker:
00:09:05
Mediziner sehr viele Erste Hilfe Kurse gemacht und hat sozusagen
Speaker:
00:09:09
das Modell übernommen und hat diese vier Module
Speaker:
00:09:13
in die Form der Letzten Hilfe gebracht. Worum es da
Speaker:
00:09:17
geht, ist um Trauer und
Speaker:
00:09:21
Tod und Sterben. Es geht um Vorsorgen und Entscheiden.
Speaker:
00:09:25
Es geht um Abschiednehmen und es geht
Speaker:
00:09:29
darum, wie geht das eigentlich, das Sterben. Sogar den
Speaker:
00:09:32
biologischen Prozess kann man dort in einem Film,
Speaker:
00:09:36
wir machen das anhand eines Films
Speaker:
00:09:39
sehen, so dass man ein bisschen hinter die Kulissen schaut
Speaker:
00:09:43
und nicht mehr unvorbereitet ist. Und diese Kurse
Speaker:
00:09:46
sind, die ich gebe. Ich bin Kursleitung für die Letzten Hilfe Kurs
Speaker:
00:09:51
für Bürger und für Teens und Kids.
Speaker:
00:09:56
Also die Menschen, die da teilnehmen, die kriegen nicht nur ein
Speaker:
00:09:59
Stückchen Erfahrung zu diesen vier Themenbereichen, sondern
Speaker:
00:10:03
die werden sprachfähiger in der
Speaker:
00:10:07
Öffentlichkeit. Wir erfahren das mehr oder weniger nach jedem
Speaker:
00:10:10
Kurs durch diese Evaluationsbögen, die die
Speaker:
00:10:13
Mitteilnehmenden ausfüllen, was ihnen besonders
Speaker:
00:10:17
gefallen hat, was ihnen auch noch gefehlt hat an Wissen
Speaker:
00:10:21
und wie sie es so generell fanden. Und wir haben eigentlich noch
Speaker:
00:10:25
nie, ich Unterrichte die seit 2019 ein
Speaker:
00:10:28
Feedback bekommen, wo drin total
Speaker:
00:10:31
überflüssig, braucht niemand. Jeder, der da teilgenommen
Speaker:
00:10:35
hat, konnte sich ein Stück oder mehrere Stücke des Kuchens mit
Speaker:
00:10:39
nach Hause nehmen. Und wir kriegen viele Anschreiben
Speaker:
00:10:43
auch von Müttern, deren Kinder den Tod der Oma
Speaker:
00:10:47
zu Hause noch nie kommuniziert haben, wo das dann endlich mal nach einem
Speaker:
00:10:50
Jahr ging, dass die mit ihrer Familie darüber gesprochen haben.
Speaker:
00:10:55
Und das finde ich schön, dass Menschen das Sterben
Speaker:
00:10:58
wieder mit ins Leben holen, dass darüber geredet wird.
Speaker:
00:11:02
Und deswegen habe ich auch vor einem Jahr was Neues
Speaker:
00:11:06
organisiert, da bin ich auch ein bisschen stolz drauf.
Speaker:
00:11:10
Ich bin in Ratingen aus den Räumen der Hospizbewegung
Speaker:
00:11:13
mal in das Café Extrablatt gegangen und habe den
Speaker:
00:11:17
dortigen Geschäftsführer gefragt, ob er sich vorstellen kann, dass wir dort
Speaker:
00:11:21
mal Kurse abhalten. Und die waren voll, weil
Speaker:
00:11:24
Menschen einfach das niedrigschwelliger finden, als in die Räume
Speaker:
00:11:28
einer Hospizbewegung zu gehen. Und so konnte
Speaker:
00:11:32
ich mit dem Erfinder der Extrablatt Cafés sprechen
Speaker:
00:11:36
und der ist eigentlich direkt auf den Zug aufgesprungen.
Speaker:
00:11:40
Und wir dürfen das jetzt deutschlandweit in allen Kaffee
Speaker:
00:11:43
Extrablättern unterrichten. Und das finde ich einfach gut,
Speaker:
00:11:47
dass es breiter gestreut wird und dass es mehr auf der Straße ist und
Speaker:
00:11:51
nicht mehr so hinter verschlossenen Türen.
Speaker:
00:11:55
Jetzt frage ich aber trotzdem noch mal, hängt dann quasi beim Kaffee extra
Speaker:
00:11:58
Platz, hängt da aus, am nächsten Dienstag um 19 Uhr
Speaker:
00:12:03
gibt es einen Abend, letzte Hilfe, wer will, trinkt sich hier
Speaker:
00:12:06
ein oder wie läuft es? Also das
Speaker:
00:12:09
Extrablatt wirbt natürlich und die örtliche
Speaker:
00:12:13
Hospizbewegung, die das dann vor Ort macht, die wirbt auch.
Speaker:
00:12:17
Und die Leute kommen eher, wenn auch die Flyer
Speaker:
00:12:20
im Extrablatt auf dem Tisch liegen, dann sagen ich könnte ja für mich auch mal
Speaker:
00:12:24
schauen, ich habe noch keine Patientenverfügung, keine
Speaker:
00:12:27
Vorsorgevollmacht, wäre ja mal eine gute Gelegenheit,
Speaker:
00:12:31
das zu tun Und man trinkt ein Glas Wein dazu oder
Speaker:
00:12:34
isst eine Portion Pommes frites. Das findet alles dort statt und
Speaker:
00:12:38
es wird wirklich bei diesem Thema auch gelebt und gegessen und
Speaker:
00:12:42
getrunken. Es ist ein Teil
Speaker:
00:12:45
des Lebens. Genau. Und wie ist
Speaker:
00:12:49
es dann bei den Jugendlichen? Was kommen da
Speaker:
00:12:53
so für Fragen? Kommt dann
Speaker:
00:12:56
eher meine Oma ist auch gestorben und ich oder
Speaker:
00:13:01
vielleicht auch mein Klassenkamerad? Oder wie ist es
Speaker:
00:13:04
dort? Also wir unterrichten bei den
Speaker:
00:13:08
Konfirmanden hier in unserer Gemeinde. Seit einigen Jahren
Speaker:
00:13:12
geben wir dort in dem bestehenden Konfirmandenunterricht,
Speaker:
00:13:15
der sonst von der Pfarrerin oder vom Pfarrer abgehalten wurde, geht es
Speaker:
00:13:19
um Tod und Trauer Und dann laden die uns ein und dann
Speaker:
00:13:22
kommen wir. Und das ist eigentlich eine ganz bunte Geschichte.
Speaker:
00:13:26
Die Kinder fragen sehr viel, sehr, sehr ehrlich.
Speaker:
00:13:30
Die erzählen von dem Menschen oder auch dem
Speaker:
00:13:33
Haustier oder auch dem toten Vogel, den die mal auf der Straße
Speaker:
00:13:37
gefunden haben. Die erzählen das, die
Speaker:
00:13:40
sagen, wie sie sich dabei gefühlt haben, die sagen auch, was
Speaker:
00:13:44
ihnen Angst gemacht hat. Und so können wir auch
Speaker:
00:13:48
Kindern und Jugendlichen, die so ein bisschen Sorge haben
Speaker:
00:13:51
mit dem Thema, durchaus so ein bisschen von ihrer Angst nehmen.
Speaker:
00:13:55
Es gibt so auflockernde Momente, wo wir, wenn wir zum Beispiel das
Speaker:
00:13:59
Netzwerk der Menschen und der Möglichkeiten, die es rund um dieses
Speaker:
00:14:03
Thema ja gibt, wie Ärzte und
Speaker:
00:14:06
Krankenhäuser und Nachbarn und das Haustier und die Musik
Speaker:
00:14:10
und was alles helfen kann, das stellen wir an einem großen
Speaker:
00:14:14
Schwungtuch, das greifen die an den Rändern und dann
Speaker:
00:14:18
kommt ein Ball in die Mitte und der Ball signalisiert dann, das
Speaker:
00:14:22
ist der Patient und das Netzwerk trägt den. Wenn ich dann
Speaker:
00:14:25
die fünf Leute vermehren, Familie, die sich da hinten aufgestellt haben, lassen jetzt mal
Speaker:
00:14:29
los, rollt der Patient aus dem Netz. Das ist so eine
Speaker:
00:14:33
bunte Sache, die denen ganz viel Spaß macht. Zum Thema
Speaker:
00:14:36
Mundpflege bekommen die so ein Tütchen Ahoi Brause und
Speaker:
00:14:40
können mit diesem Swap, mit dem man in der Mundpflege die Lippen
Speaker:
00:14:43
anfeuchtet, da mal rein und mal fühlen, wie sich das
Speaker:
00:14:46
anfühlt, wenn man das von anderen gemacht bekommt.
Speaker:
00:14:51
Und das gibt natürlich ein großes Hallo immer. Also die
Speaker:
00:14:55
Kinder malen Steine an hinterher, so als Grabschmuck. Was
Speaker:
00:14:58
können wir tun gegen unsere Trauer? Das ist ein sehr, sehr schönes
Speaker:
00:15:02
format, was der Dr. Bollig und sein Team da auf die Beine gestellt
Speaker:
00:15:06
hat. Schon wirklich kommt gut an.
Speaker:
00:15:10
Das ist sehr, sehr gut. Wie gesagt, je früher man sich damit
Speaker:
00:15:13
auseinandersetzt und je früher man da wirklich auch
Speaker:
00:15:17
in Bewegung kommt, desto
Speaker:
00:15:21
einfacher ist es nachher und kommt nachher nicht mit der ganz, ganz großen,
Speaker:
00:15:25
vollen Wucht und ich weiß nicht mehr, was ich tun sagen und was auch
Speaker:
00:15:29
immer soll und ich gehe jetzt die Depression, das stimmt. Und
Speaker:
00:15:33
wenn dann ich als Urgestein mit meinem Alter dann erzähle, dass wir
Speaker:
00:15:36
unsere Angehörigen zu Hause gewaschen haben und dass wir uns
Speaker:
00:15:40
überlegt haben, welchen Lieblingspulli hatte jetzt die Mutter
Speaker:
00:15:44
und sie mochte immer gerne so einen kleinen Schal am Hals und wir
Speaker:
00:15:48
haben das rausgesucht, das ist uns ein Liebesdeal gewesen. Die
Speaker:
00:15:52
gucken immer mit großen Augen, für die ist das natürlich weit weg. Aber ich bin
Speaker:
00:15:55
froh, dass Beerdigungsunternehmen heute das anbieten, dass
Speaker:
00:15:59
Angehörige mit dabei sein können, wenn die Waschung
Speaker:
00:16:02
vorgenommen wird. Also ich glaube, ein Stückchen ist die Tür schon
Speaker:
00:16:06
aufgegangen, dass Menschen da anders drüber denken.
Speaker:
00:16:10
Ja, ich denke, das ist auch ganz wichtig, dass ihr dieses Angebot macht
Speaker:
00:16:14
und dass da wirklich einfach
Speaker:
00:16:18
auch,
Speaker:
00:16:22
dass Menschen auf das Thema zugehen können und merken, wenn ich
Speaker:
00:16:25
jetzt an das Thema Trauer und Tod denke, suche ich,
Speaker:
00:16:29
springe ich nicht morgen die Kiste rein. Nee, das hängt ja
Speaker:
00:16:33
gar nicht damit zusammen. Manche haben ja diesen vor diesen,
Speaker:
00:16:36
diesen Gedankengang so im Sinne von, wo ich meine
Speaker:
00:16:39
Aufmerksamkeit hinrichte, das wird mich jetzt einfangen,
Speaker:
00:16:44
darum geht es ja gar nicht. Das stimmt. Das ist so.
Speaker:
00:16:48
Ja, und ich bin mal, das war auch eine schöne Aktion, in
Speaker:
00:16:51
Ratingen habe ich mir ein weißes Oberhemd angezogen von meinem
Speaker:
00:16:55
Schwiegersohn. Da habe ich dann auf dem Kragen letzte Hilfe geschrieben
Speaker:
00:16:59
und dann habe ich die Passanten auf dem Marktplatz angesprochen, wie wollen
Speaker:
00:17:02
sie sterben? Und dann durften die mit Edding
Speaker:
00:17:06
so eine Essenz der Geschichte, die sie mir erzählt haben, auf mein Hemd
Speaker:
00:17:10
schreiben und ich habe zwei solcher Hemden, die hängen in der
Speaker:
00:17:13
Hospizbewegung mit ganz vielen Worten, wie zum Beispiel
Speaker:
00:17:17
Beispiel, ich möchte selbstbestimmt sterben, ich möchte im Kreise meiner
Speaker:
00:17:20
Familie sterben, ich möchte in Gottes Hand sein,
Speaker:
00:17:24
ich möchte gar nicht sterben, das steht da alles drauf. Und
Speaker:
00:17:28
ich finde das wichtig, Leute in dieses Thema so
Speaker:
00:17:32
zwanglos mit einzubeziehen. Manche wollen das auch nicht,
Speaker:
00:17:36
aber mit dieser Ablehnung, die ist ja verständlich, kann ich auch gut
Speaker:
00:17:39
leben.
Speaker:
00:17:43
Heute wäre ja eigentlich noch die Malis Lamas dabei gewesen
Speaker:
00:17:47
und die hat ja nun selbst gerade mir geschrieben, dass sie selbst
Speaker:
00:17:51
in der Familie einen Trauerfall hat und dementsprechend heute nicht dabei sein
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kann. Hier weiß ich aber, dass ihr
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das unter anderem auch bei Notaren,
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00:18:01
Rechtsanwälten anbietet, dieses Seminar. Und
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00:18:06
wie ist da an dieser Stelle die Ausrichtung? Die
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00:18:12
gibt es da einfach noch mal einen ganz anderen Fokus?
Speaker:
00:18:18
Auf jeden Fall. Also das war eine Idee von Marlies, dass
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00:18:21
sie ihren Steuerberater gebeten hat,
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00:18:25
ob wir das da machen können. Und die waren auch ganz begeistert. Der hat das
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00:18:29
an seinem Büro geschenkt, obwohl die Kurse sind ja kostenfrei.
Speaker:
00:18:33
Und da ging es auch noch mal sehr stark
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um diese Trauer unter Kollegen, wenn jemand
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00:18:41
in der Kanzlei versterben wird oder
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00:18:44
verstorben ist, wie rede ich da mit meinem
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00:18:48
Gegenüber am Schreibtisch, spreche ich den an oder weiche ich dem
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00:18:51
aus? Wie gehe ich damit um? Und wir konnten auch,
Speaker:
00:18:55
und das erinnere ich sehr gut, viel zum Thema
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00:18:58
Verfügungen, Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht da
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00:19:02
lassen wir, worüber dann auch der Steuerberater
Speaker:
00:19:06
geschrieben hat, dass er das noch mal überdenken will, was er
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00:19:10
seinen Klienten da mitgibt. Also es gab also
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00:19:14
durchaus auch noch was Neues zu lernen. Wir hoffen, dass noch
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00:19:17
andere Steuerberater mit aufspringen.
Speaker:
00:19:21
Aber die Marlies hatte auch noch die Idee, dass die Rheinischen
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00:19:24
Landfrauen, die im nächsten Jahr das Thema Gesundheit
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00:19:28
auf dem Schirm haben, dass wir dort
Speaker:
00:19:31
denen anbieten, Letzte Hilfe Kurse zu unterrichten. Und wir
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00:19:35
haben demnächst ein Gespräch mit der Vorsitzenden der Rheinischen Landfrauen, die
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ja hier in Velbert wohnt, und freuen uns auf die Entwicklung.
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00:19:43
Auch der Tennisclub, der Rochus Club in Düsseldorf hat
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00:19:47
uns erlaubt, dass wir dort im Herbst einen Letzte Hilfe Kurs
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00:19:50
geben und dass dieser Kurs auch dann in ein
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00:19:54
Magazin kommt, was alle Tennisclubs und Golfclubs Düsseldorfs
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00:19:57
erreicht, sozusagen. Als Pilotprojekt, sodass
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00:20:01
wir in diesen Clubs auch unterrichten können. Denn auch im Sport,
Speaker:
00:20:05
finde ich, muss man sich ja so nach und nach auch von seinen
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00:20:09
eigenen Befindlichkeiten verabschieden. Dann geht das nicht mehr und
Speaker:
00:20:13
das geht nicht mehr bis hin zum ich bin irgendwann gar
Speaker:
00:20:17
nicht mehr da, weil ich das nicht mehr schaffe. Und wie geht man damit um?
Speaker:
00:20:22
Ich selber komme aus dem Leistungssport, ich habe also Dressur
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00:20:26
geritten viele Jahre und unterrichte das auch immer noch mit großer
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00:20:30
Leidenschaft. Und ja, ich weiß das, wie
Speaker:
00:20:34
schwer es ist, sich von Dingen zu verabschieden, die nicht mehr gehen.
Speaker:
00:20:39
Oh ja, so ein kleines Sterben.
Speaker:
00:20:43
Ja, es ist ein kleines Sterben, aber es geht halt manches
Speaker:
00:20:47
nicht mehr. Und das kann man dann
Speaker:
00:20:51
einfach nur sagen, da muss man sich mit abfinden. Nein, das ist
Speaker:
00:20:54
so. Man muss, man muss damit um viele. Ja, man muss damit
Speaker:
00:20:58
umgehen. Das stimmt. Ich würde gerne an dieser
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00:21:02
Stelle noch mal auf zwei Punkte kommen. Jetzt aus der
Speaker:
00:21:05
Erfahrung des Klinikseelsorgers. Wie macht ihr
Speaker:
00:21:09
das mit dem Stichwort
Speaker:
00:21:11
Patientenverfügung und
Speaker:
00:21:15
Vollmacht? Das sind ja manche, die sagen, ich habe
Speaker:
00:21:19
auch Google und ich habe auch eine KI und da gebe ich drei Sachen ein
Speaker:
00:21:23
und dann kriege ich ja die richtige Patientenverkehr.
Speaker:
00:21:27
Absoluter Käse ist diese Patientenverfügung ist gelinde gesagt für den
Speaker:
00:21:30
Papierkorb. Das ist richtig. Also wir haben hier
Speaker:
00:21:34
in Ratingen, wir sind da in der komfortablen Situation, dass wir
Speaker:
00:21:38
eigens ausgebildete ehrenamtliche Mitarbeitende haben,
Speaker:
00:21:42
die zu diesen Themen beraten. Also hier in unserem Fall, und ich
Speaker:
00:21:46
denke, das wird bei vielen Hospizbewegungen sein, kann man
Speaker:
00:21:49
eine kostenfreie Beratung im Haus haben. Die Damen kommen aber auch
Speaker:
00:21:53
zu den Menschen nach Hause und wir nehmen
Speaker:
00:21:57
von dem Dr. Wolfgang Putz, das ist ein
Speaker:
00:22:00
Medizinrechtler aus Essen, die PDFs, die kann man
Speaker:
00:22:04
runterladen zu diesen beiden Themen, weil wir finden, dass
Speaker:
00:22:07
die kurz sind, sodass der Rettungssanitäter und die Leute im
Speaker:
00:22:11
Krankenhaus nicht 28 Seiten durchblättern müssen. Das tun die nämlich
Speaker:
00:22:15
nicht und sie sind sehr auf den Punkt. Das ist aber jetzt
Speaker:
00:22:18
nur meine persönliche Erfahrung. Es gibt bestimmt auch noch andere gute,
Speaker:
00:22:22
Aber wir finden, dass bei so einem Ausfüllen schon auch eine
Speaker:
00:22:26
Unterstützung hilfreich sein kann. Auf
Speaker:
00:22:30
jeden Fall. Also ich war ja nun auch mit im
Speaker:
00:22:33
Ethikkomitee Situationen drin,
Speaker:
00:22:37
wo es dann um die Frage ging, abschalten oder nicht abschalten und
Speaker:
00:22:40
ähnliches. Und da ist es einfach wichtig
Speaker:
00:22:45
durchzuhören. Personare,
Speaker:
00:22:49
Wie möchte er es persönlich haben?
Speaker:
00:22:53
Nicht, dass man dann auf einmal hört, was da der KI
Speaker:
00:22:57
gemeint hat oder was auch immer. Denn dann sagen
Speaker:
00:23:01
Jetzt wissen wir aber nicht, was er gemeint hat und möglicherweise
Speaker:
00:23:04
widerspricht er sich in der ersten zur letzten Zeile.
Speaker:
00:23:09
Das ist richtig. Also ich finde, dass es ein sehr persönliches Thema ist,
Speaker:
00:23:13
was gut überdacht werden will, wo viel drüber gesprochen werden
Speaker:
00:23:16
sollte. Und ich habe sechs Enkel
Speaker:
00:23:20
und zwei Patenkinder, die schon erwachsen sind und die
Speaker:
00:23:24
haben alle schon mit dem 18. Lebensjahr eine Patientenverfügung. Und
Speaker:
00:23:27
Vorsorgevollmacht bekommen. Und das finde ich ganz wichtig,
Speaker:
00:23:31
denn einer von diesen dreien ist auch schon verunglückt und brauchte
Speaker:
00:23:35
da die Eltern im Krankenhaus an der Seite. Und das
Speaker:
00:23:39
muss man eben sagen, mit Anfang 20 ist es immer noch hilfreich,
Speaker:
00:23:42
wenn Eltern mitsprechen dürfen. Ist, finde ich, einen ganz wichtigen
Speaker:
00:23:45
Augenblick, das zu erwähnen. Jetzt auf jeden Fall
Speaker:
00:23:49
besonders dann, und das ist vielen nicht klar, wenn man es nicht geregelt hat,
Speaker:
00:23:53
dann bekommt man jemand, der vom Gericht
Speaker:
00:23:57
her bestellt ist und der dann für
Speaker:
00:24:01
einen die Sachen erledigen soll, der einen nicht kennt, der möglicherweise
Speaker:
00:24:04
auch keine Zeit dafür hat. Ich muss sagen,
Speaker:
00:24:08
ja, das sehe ich genauso. Und das
Speaker:
00:24:12
alles umfasst der letzte Hilfe Kurs. Und
Speaker:
00:24:15
deswegen finde ich, also wie gesagt, so es gehört für mich irgendwie an die
Speaker:
00:24:19
Stelle, wo auch die Erste Hilfe Kurse stehen, so ins
Speaker:
00:24:22
Pflichtprogramm, dass es so zum Beispiel mit dem Erreichen des
Speaker:
00:24:26
18. Lebensjahres einer gemacht werden könnte oder
Speaker:
00:24:29
oder da sollte man sich, finde ich, schon Gedanken machen, wo kann ich
Speaker:
00:24:33
die manifestieren, dass die so ins Regelprogramm
Speaker:
00:24:36
reinwachsen? Auf jeden Fall. Bis hin
Speaker:
00:24:40
dazu, wir kennen genügend Unternehmen, die haben einen
Speaker:
00:24:43
Gesundheitstag. Warum nicht mal an einem Gesundheitstag auch
Speaker:
00:24:47
über diese Form von Gesundheit reden? Denn alles, was man
Speaker:
00:24:51
nicht geregelt hat, wird irgendwann Krankheit. Ja, das ist
Speaker:
00:24:54
richtig. Und insofern
Speaker:
00:24:58
hören uns ja auch, das weiß ich, einige
Speaker:
00:25:01
Personalverantwortliche aus
Speaker:
00:25:04
Personalabteilungen, Leitungen zu. Das wäre auch was für Unternehmen,
Speaker:
00:25:09
wenn ihr oder Menschen, die mit euch auf dem Weg sind,
Speaker:
00:25:13
dann in das Unternehmen reinkommen. Jetzt frage ich noch, wie
Speaker:
00:25:17
viel Zeit muss ich denn da rechnen? Also Ein Kurs
Speaker:
00:25:20
dauert 4 Stunden, das ist schon lang, aber wir
Speaker:
00:25:24
straffen schon. Also das Programm ist schon gestrafft. Es gibt
Speaker:
00:25:28
eine kleine pause zwischendrin von Viertelstunde 20 Minuten.
Speaker:
00:25:32
Die vier Stunden gehen aber für die meisten rum wie im Flug. Also
Speaker:
00:25:36
jeder guckt immer auf die Uhr und ist schon zu Ende. Ja, also
Speaker:
00:25:39
es ist immer die Erfahrung, dass die Kurse
Speaker:
00:25:43
abwechslungsreich sind und gut angenommen werden. Und ich bin
Speaker:
00:25:47
auch in der Uni Essen unterwegs und unterrichte dort auch
Speaker:
00:25:50
Letzte Hilfe Kurse für Ärzte und medizinisches Fachpersonal.
Speaker:
00:25:55
Und auch da muss ich immer wieder so Ich
Speaker:
00:25:58
freue mich, dass wir noch was vermitteln können, was selbst
Speaker:
00:26:02
nach einem Medizinstudium nicht unbedingt in den
Speaker:
00:26:06
Köpfen der Beteiligten ist. Ja, zumal es ist nie
Speaker:
00:26:10
Thema im Medizinstudium gewesen. Also ich war ja sechs Jahre
Speaker:
00:26:13
Klinikpaar an einem großen Klinikum und
Speaker:
00:26:17
da haben manche gesagt, das habe ich im Studium nie
Speaker:
00:26:20
gemacht. Ja, und da an der Stelle
Speaker:
00:26:24
finde ich auch gerade so dieses Modell, das unterrichten wir
Speaker:
00:26:28
auch der Ganzheitlichkeit, dass der Sterbende nicht nur leidet an
Speaker:
00:26:31
seiner Krankheit, sondern der hat auch finanzielle Probleme
Speaker:
00:26:36
und der hat ein großes spirituelles Problem, denn Spiritualität
Speaker:
00:26:40
ist für mich Seelenschmerz und alles, was die Seele
Speaker:
00:26:44
drückt, ist ganz schwer zu ertragen, macht
Speaker:
00:26:48
schlaflose Nächte. Für die Krankheit kann man eine Tablette nehmen und der
Speaker:
00:26:51
Schmerz ist weg und man weiß, dass man sie hat und dass sie auch
Speaker:
00:26:54
lebensbegrenzend ist. Aber wenn jetzt der Familienvater stirbt und
Speaker:
00:26:58
weiß nicht mehr, ob die Familie noch ernährt ist, ob die noch im Haus bleiben
Speaker:
00:27:02
kann. Und ich finde, das ist so was, was Mediziner
Speaker:
00:27:06
auch sehen dürfen, dass es auch noch andere Probleme gibt als die
Speaker:
00:27:10
medizinischen. Da sind die vielleicht nicht unbedingt für zuständig,
Speaker:
00:27:13
aber ich finde, in so einem Gespräch sollten sie drum wissen und
Speaker:
00:27:17
bestenfalls verweisen können. Habt ihr auch
Speaker:
00:27:21
den Aspekt drin, für Verwandte
Speaker:
00:27:25
denjenigen gehen zu lassen? Ja, unbedingt.
Speaker:
00:27:29
Denn das erlebe ich ja häufig. Da ist jemand, der hat sich eigentlich schon auf
Speaker:
00:27:32
den Weg gemacht, aber dann ist die Tochter oder die
Speaker:
00:27:36
Mutter und ich möchte auf keinen Fall, dass mein Kind
Speaker:
00:27:40
stirbt und dann wird alles nur noch
Speaker:
00:27:43
schlimmer. Ja, da laden wir wirklich zu ein.
Speaker:
00:27:47
Wenn die Situation so klar ist, dass man sehen
Speaker:
00:27:51
kann, dass eine Verlängerung durch medizinische Maßnahmen nur
Speaker:
00:27:54
das Leid vergrößern würde, finde ich,
Speaker:
00:27:58
dass man dahingehend unterstützen sollte, zum
Speaker:
00:28:02
Beispiel eben die Ehrenamtlichen, die begleiten. Und
Speaker:
00:28:06
es ist der Moment gekommen, wo es eher leichter wird, wenn man sich jetzt
Speaker:
00:28:09
verabschieden kann und dazu einladen,
Speaker:
00:28:13
auch den Menschen gehen zu lassen und auch dem
Speaker:
00:28:16
Sterbenden sagen, wenn es nötig Wir kommen
Speaker:
00:28:20
klar und du kannst, wenn du soweit
Speaker:
00:28:23
bist, auf die Reise gehen. Ich
Speaker:
00:28:27
sag mal ganz ganz herzlichen Dank.
Speaker:
00:28:31
Das hat jetzt wirklich auch noch mal alles zusammengebunden,
Speaker:
00:28:35
wirklich denjenigen gehen zu lassen, weil alles
Speaker:
00:28:38
vorbereitet ist und mit der Vorbereitung kann man nie
Speaker:
00:28:42
früh genug anfangen. Der beste Tag ist immer gestern,
Speaker:
00:28:47
der zweitbeste ist heute und
Speaker:
00:28:51
ich sage dir ganz ganz herzlichen Dank, liebe
Speaker:
00:28:54
Carla. Danke für eure Arbeit.
Speaker:
00:28:59
Ja, Stefan, ich bedanke mich sehr, dass ich eingeladen war heute bei
Speaker:
00:29:03
dir und hat mir Freude gemacht, darüber zu berichten. Ich weiß nicht, ob
Speaker:
00:29:07
man mitgekriegt hat, dass ich brenne für dieses Thema.
Speaker:
00:29:11
Das war sehr deutlich. So lange wie ich das kann,
Speaker:
00:29:14
möchte ich das gerne machen. Ich kann euch
Speaker:
00:29:18
nur allen Segen wünschen für eure Arbeit
Speaker:
00:29:22
und möge es noch mehr geben, die sich auch dieser Arbeit anschließen.
Speaker:
00:29:26
Eine ganz wichtige Sache. Ganz herzlichen Dank.