Speaker:
00:00:00
Erben will gelernt sein. Und hier bei
Speaker:
00:00:04
Trauer am Arbeitsplatz, das schwere leicht gesagt,
Speaker:
00:00:07
gucken wir noch mal genauer hin. Denn manchmal ist es
Speaker:
00:00:11
nicht nur die Trauer, sondern manchmal sind es auch so die Begleitumstände. Und in dem
Speaker:
00:00:15
Moment, wo ich zum Beispiel ein Haus geerbt habe, aber nicht
Speaker:
00:00:18
alleine bin, dann könnte es Konflikte geben.
Speaker:
00:00:22
Und nach einem Jahr habe ich, habe ich mir wieder
Speaker:
00:00:26
den gleichen Fachmann eingeladen, nämlich Dr. Gerhart
Speaker:
00:00:30
Flutow. Lieber Gerhart, ganz herzlich willkommen. Vielen
Speaker:
00:00:34
Dank, dass ich hier sprechen darf. Liebe Hörerinnen und
Speaker:
00:00:37
Hörer, damit ihr noch mal wisst, wo ihr seid. Ihr seid hier im
Speaker:
00:00:41
Podcast des Trauermanagers, das schwere leicht gesagt.
Speaker:
00:00:44
Hier geht es um alle Themen rund um Trauer am Arbeitsplatz.
Speaker:
00:00:48
Und mein Name ist Stefan Hund. Ja,
Speaker:
00:00:52
lieber Gerhart, vor einem Jahr ziemlich genau warst du schon mal bei
Speaker:
00:00:56
uns. Wir haben auch zwischendurch das Thema
Speaker:
00:00:59
Erbe und wie gehe ich mit dem Erbe um bis hin zum Erbe ausschlagen
Speaker:
00:01:03
auch noch mal gehabt mit dem Jan Hindahl als
Speaker:
00:01:06
Rechtsanwalt. Und
Speaker:
00:01:11
was heißt es heutzutage ein Haus zu erben?
Speaker:
00:01:14
Da hat sich ja auch viel geändert innerhalb der letzten 30 Jahre.
Speaker:
00:01:19
Da hat sich sehr viel geändert. Vor allem hat sich geändert, dass die
Speaker:
00:01:22
Immobilienpreise, die Immobilienwerte durch die Decke
Speaker:
00:01:26
gegangen sind in den letzten 30 Jahren. Und tatsächlich ist
Speaker:
00:01:30
eine Besonderheit und die ist
Speaker:
00:01:33
halt immer wieder Teil des Problems, dass der Immobilienwert vor
Speaker:
00:01:37
allem wegen der Grundstücke nach oben gegangen ist. Das heißt, ich
Speaker:
00:01:41
muss als Geschwister auf Basis einen sehr hohen
Speaker:
00:01:44
Grundstückswert ausbezahlen, obwohl die Immobilie, die
Speaker:
00:01:48
draufsteht, in aller Regel sanierungsbedürftig ist.
Speaker:
00:01:52
Und das überfordert die meisten finanziell. Also
Speaker:
00:01:55
Geschwister auszuzahlen und die Immobilie zu sanieren, ist für die
Speaker:
00:01:59
meisten finanziell nicht darstellbar,
Speaker:
00:02:04
plus die Steuer. Das führt zu Konflikten, insbesondere dann, wenn man
Speaker:
00:02:08
sich kurz folgende Szene vor Augen fü Die
Speaker:
00:02:12
eigenen Eltern üblicherweise in der Generation
Speaker:
00:02:16
noch mit einem Einkommen, weil die
Speaker:
00:02:19
Mutter oft zu Hause war und die
Speaker:
00:02:22
konnte das Haus abbezahlen. Und ich als Kind kann es im
Speaker:
00:02:26
Erbfall, obwohl meine Frau und ich beide arbeiten, es
Speaker:
00:02:29
nicht mal mir leisten. Und da neigen natürlich
Speaker:
00:02:33
auch Menschen dazu, das als eigenen Mangel zu empfinden. Dabei
Speaker:
00:02:37
können sie überhaupt nichts dafür Die Gesellschaft hat sich verändert. Heute
Speaker:
00:02:40
gilt Immobilienvermögen schlägt Erwerbseinkommen. Das war halt
Speaker:
00:02:44
in der Generation der heutigen Erben in Toto anders.
Speaker:
00:02:49
Und das ist keine Schuld oder kein Verdient. Es ist halt einfach so.
Speaker:
00:02:53
Das heißt, um es auf den Punkt zu bringen, entweder du erbst
Speaker:
00:02:57
Immobilien oder du arbeitest dich arm. So ist es.
Speaker:
00:03:01
Also das Thema, Das hat sich tatsächlich geändert.
Speaker:
00:03:05
Früher war Arbeit das Wohlstandsversprechen und heute ist es
Speaker:
00:03:08
halt Erbung. Und in aller Regel
Speaker:
00:03:12
entscheidet die Frage, ob du erbst oder nicht, ob du mit deiner Familie im
Speaker:
00:03:16
Wohlstand der ersten Liga lebst oder im Wohlstand der zweite Liga.
Speaker:
00:03:22
Das ist natürlich gesellschaftlicher Sprengstoff.
Speaker:
00:03:26
Klar. Also ich habe jetzt gerade mit jemandem gesprochen,
Speaker:
00:03:30
die hat in Frankfurt zwei Häuser geerbt,
Speaker:
00:03:34
renovierungsbedürftig und die Häuser sind
Speaker:
00:03:38
im Millionenbereich und sie wird eines davon
Speaker:
00:03:41
verkaufen müssen, A um die Steuer zu bezahlen und B um das
Speaker:
00:03:45
andere zu renovieren. Und die weiß im Augenblick noch nicht,
Speaker:
00:03:49
wo ihr der Kopf steht. Da hat sie Gott sei Dank keine Erbengemeinschaft,
Speaker:
00:03:52
die sie mir erzählt hat. Aber trotzdem, selbst
Speaker:
00:03:56
in dieser Konstellation, wo es eigentlich einfach ist,
Speaker:
00:04:00
ist es sauschwer. Und die Erbschaftssteuer ist ja einer der
Speaker:
00:04:04
Steuer, wo diese Gesellschaft sich aus meiner Sicht und das ist auch
Speaker:
00:04:07
Teil in meinem neuen Buch, die Gesellschaft sich wirklich mal entscheiden
Speaker:
00:04:11
muss. Die Erbschaftsteuer bringt vom
Speaker:
00:04:14
Gesamtsteueraufkommen 1,5 Prozent, ist
Speaker:
00:04:18
also vom Aufkommen irrelevant. Gleichzeitig führt sie in Fällen,
Speaker:
00:04:22
wie du sie gerade beschrieben hast, zu wirklich richtig
Speaker:
00:04:25
ernsten Problemen und eine Steuer zu
Speaker:
00:04:29
generieren, die für Steueraufkommen nicht beiträgt und
Speaker:
00:04:32
gleichzeitig Einzelne in existenzielle Probleme bringt. Auf
Speaker:
00:04:36
so eine Idee können wir Deutsche kommen.
Speaker:
00:04:41
Zumal die Frau, mit der ich mich unterhalten habe,
Speaker:
00:04:45
die ist jünger als wir. Aber viele
Speaker:
00:04:49
haben ja eher das Problem, da ist derjenige der Erblasser oder
Speaker:
00:04:53
derjenige, der verstorben ist, sag mal 90 plus
Speaker:
00:04:56
Sohn oder Tochter, die geerbt hat oder die zusammen
Speaker:
00:05:00
geerbt haben, die sagen 70 plus, die
Speaker:
00:05:04
brauchen gegebenenfalls auch das Erbe gar nicht mehr, zumindest nicht vom.
Speaker:
00:05:08
Das ist ja einer der entscheidenden Punkte, die auch heute für
Speaker:
00:05:12
die Konflikte verantwortlich sind. Die gestiegene
Speaker:
00:05:16
Lebenserwartung verändert das Thema Erbo komplett.
Speaker:
00:05:20
Ich war auf einer Beerdigung, da stand der
Speaker:
00:05:24
jährige Sohn am Grab seiner Mutter,
Speaker:
00:05:28
er stand am Rollator. Ich sagte zu meiner Hoffentlich fällt
Speaker:
00:05:31
er nicht rein. Wenige Wochen ist er später, ist er
Speaker:
00:05:35
gestorben, da ist Erbe Syria. Es hat
Speaker:
00:05:39
keinerlei Bedeutung mehr. Der hätte Millionen erben können, er hätte
Speaker:
00:05:42
nichts mehr damit tun können. Die einzigen Wünsche, die er noch hatte, war ein
Speaker:
00:05:46
Stück Erdbeerkuchen und eine Runde im Park. Mehr war da nicht mehr drin.
Speaker:
00:05:50
Und das verändert das Thema. Deshalb müssen wir in meiner Welt heute auch über
Speaker:
00:05:54
das Thema reden, weil der Erbfall und
Speaker:
00:05:57
der höchste Geldbedarf der Erben fällt in aller Regel
Speaker:
00:06:01
nicht mehr zusammen. Ich frage jetzt
Speaker:
00:06:05
einfach mal, du bist ja ein sehr erfahrener
Speaker:
00:06:08
Immobilienmediator. Geht es eigentlich in erster Linie
Speaker:
00:06:12
bei den Leuten noch ums Geld oder um was geht es eigentlich?
Speaker:
00:06:16
Also Geld spielt schon eine Rolle, weil die Frage,
Speaker:
00:06:20
ob ich Immobilieneigentum habe oder nicht, ist halt keine ganz
Speaker:
00:06:23
unentscheidende Frage. Wenn ich mir die durchschnittliche Rente in Deutschland
Speaker:
00:06:27
angucke, ist eigentlich Miete zahlen im Alter nicht drin.
Speaker:
00:06:31
Das muss man schon offen sagen. Aber im Konflikt
Speaker:
00:06:35
geht es natürlich um Anerkennung, Wertschätzung und
Speaker:
00:06:38
natürlich gesehen werden von den eigenen Eltern. Und
Speaker:
00:06:42
das sind natürlich Themen, die auf der Erdebene auch nicht
Speaker:
00:06:46
ausgleichbar sind. Also eine unglückliche Kindheit
Speaker:
00:06:50
sind nicht gleich fünf Mehrfamilienhäuser. Also das gleicht sich nicht aus.
Speaker:
00:06:54
Und einer der wichtigen Punkte für mich als
Speaker:
00:06:58
Mediator ist unrealistische Erwartungshaltung
Speaker:
00:07:02
abzuräumen. Also eine unglückliche Kindheit kann
Speaker:
00:07:05
man über Erbe nicht auflösen. Komplett
Speaker:
00:07:09
unrealistisch. Wenn man es den Leuten sagt,
Speaker:
00:07:13
sagen sie es dann auch selbst, dass sie da sich
Speaker:
00:07:16
verraten haben. Aber es passiert relativ häufig,
Speaker:
00:07:20
dass die Menschen sich verrennen. Ich gehe mit meinen
Speaker:
00:07:24
Konfliktparteien einzelnen Wald spazieren, einfach
Speaker:
00:07:27
um mit den Menschen darüber zu sprechen, was sie wirklich
Speaker:
00:07:31
bewegt. Und das ist meistens was völlig anderes.
Speaker:
00:07:38
Du hast mir schon ein bisschen was im Blick auf dein Buch gesagt.
Speaker:
00:07:42
Da kam für mich ein Gedanke, den ich auch
Speaker:
00:07:45
früher auch als Gemeinde und Klinikpfacher immer wieder erlebt habe.
Speaker:
00:07:50
Nichts zu regeln ist doch eigentlich respektlos.
Speaker:
00:07:54
Absolut, absolut. Also gilt ja der
Speaker:
00:07:58
alte Satz, den hast du bestimmt auch schon hunderttausend
Speaker:
00:08:01
Mal gehört. Wenn ich da mal tot bin, kann es mir doch egal
Speaker:
00:08:05
sein.
Speaker:
00:08:09
Erster Fehler, die
Speaker:
00:08:11
Sterbreihenfolge steht nur ex post fest.
Speaker:
00:08:15
Ex kann das schief laufen, weil
Speaker:
00:08:19
wenn meine Frau, auch wenn sie eine jährige Oma hatte, einen
Speaker:
00:08:22
Unfall hat, hat sie halt einen Unfall. Und dann ist nicht meine Frau, die mein
Speaker:
00:08:26
bisschen aufräumen muss, sondern ich muss es selbst tun. Also das ist der erste
Speaker:
00:08:30
Punkt. Aber der zweite Ich glaube,
Speaker:
00:08:33
dass Angehörige ein Recht darauf haben, ein Recht
Speaker:
00:08:37
darauf haben, am Tag meiner Beerdigung
Speaker:
00:08:41
trauern zu dürfen und zu können und sich nicht darüber
Speaker:
00:08:45
Gedanken machen müssen und faktisch müssen,
Speaker:
00:08:48
was ich in meinem Leben hätte aufräumen können. Das ist nicht in
Speaker:
00:08:52
Rat. Das ist ein zweiter Punkt, warum ich
Speaker:
00:08:56
sehr stark dafür werbe. Ich habe das Buch ja geschrieben,
Speaker:
00:09:00
um das Thema Erben Ton zu entharmonisieren,
Speaker:
00:09:03
weil wir müssen über das Thema reden. Warum müssen wir darüber
Speaker:
00:09:07
reden? Es ist nicht trivial, sein
Speaker:
00:09:11
Erbe so zu regeln, dass die Erben was davon haben
Speaker:
00:09:15
und man gleichzeitig für Alter und Pflege versorgt ist.
Speaker:
00:09:19
Das ist nicht trivial. Und deshalb,
Speaker:
00:09:23
man kann es einfach dem Zufall überlassen. Die Wahrscheinlichkeit, dass das funktioniert,
Speaker:
00:09:27
ist nahe null.
Speaker:
00:09:31
Ja, wie gesagt, für mich ist auch noch mal so dieser Punkt, nichts
Speaker:
00:09:34
zu regeln ist ja respektlos. Auch ich denke auch sich selbst
Speaker:
00:09:38
gegenüber, denn jeder hat ja im Endeffekt zu diesen
Speaker:
00:09:42
Gedanken, wenn ich hier gehe, möchte ich nicht nur einen leeren
Speaker:
00:09:45
Tisch hinterlassen, sondern ich habe ja auch ein Lebenswerk, was ich
Speaker:
00:09:49
weitergeben will. Und in dem Moment, wo ich da
Speaker:
00:09:53
eine Immobilie, vielleicht auch eine ganze Firma
Speaker:
00:09:56
weitergebe und da nichts geregelt habe, dann
Speaker:
00:10:00
zerstöre ich doch hintenrum mein eigenes Lebenswerk.
Speaker:
00:10:04
Das ist eine perfekte Formulierung. Das ist genau so ist
Speaker:
00:10:07
es. Wir arbeiten ein ganzes Leben darauf,
Speaker:
00:10:11
was aufzubauen und schmeißen durch Nichtregelung von
Speaker:
00:10:14
Dingen Euro Scheine weg. Das
Speaker:
00:10:18
würden wir niemals tun. Kein normaler Mensch,
Speaker:
00:10:23
Milliardäre vielleicht, aber kein normaler Mensch
Speaker:
00:10:26
schmeißt einfach mal Euro Scheine zur Seite. Das ist aber
Speaker:
00:10:30
durch Nichtregnung im Erbe schnell passiert.
Speaker:
00:10:33
Immobilie muss verkauft werden, im Winter
Speaker:
00:10:37
verkaufen sich Immobilien schlechter, also kriegst
Speaker:
00:10:41
du Euro weniger. Das ist alles
Speaker:
00:10:45
nicht trivial. Das ist ein ernstes Thema. Und
Speaker:
00:10:49
weil du das nochmal sagst. Also es ist der Respekt vor dem eigenen Lebenswerk.
Speaker:
00:10:55
Größer kann es eigentlich nicht sein. Der zweite Punkt.
Speaker:
00:10:59
Ich glaube, dass man auch eine Planung für die Erbschaftsteuer haben
Speaker:
00:11:03
sollte. Man sollte ein Konzept haben, wo das Geld für die
Speaker:
00:11:06
Erbschaftssteuer hinkommt, weil es fällt
Speaker:
00:11:10
nicht vom Himmel. Und Immobilien unterscheiden sich ja vom Geld
Speaker:
00:11:14
dadurch, dass sie eben nicht beliebig teiler sind. Das ist ja
Speaker:
00:11:18
der fundamentale Unterschied, der übrigens im Steuerrecht keinen
Speaker:
00:11:21
Menschen interessiert. Es ist ein Unterschied, ob ich von dem Konto
Speaker:
00:11:25
mit der Million überweise oder von dem Haus
Speaker:
00:11:29
überweise, geht halt nicht.
Speaker:
00:11:32
Und dieses Problem kann man nur durch
Speaker:
00:11:36
vernünftige, verantwortungsvolle Vorsorge
Speaker:
00:11:39
regeln. Wie oft hast du das in deinem
Speaker:
00:11:43
Beruf? Du begleitest ja auch Menschen,
Speaker:
00:11:48
Ist fast, also wenn ich jetzt zurückgucke,
Speaker:
00:11:52
dieses Thema ist in irgendeiner Facette
Speaker:
00:11:56
fast bei jedem zweiten Beendigungsgespräch dabei.
Speaker:
00:12:00
Entweder dadurch, dass ich Geschwister, du
Speaker:
00:12:04
kennst den Satz, seid ihr euch noch einig? Oder habt ihr schon geteilt,
Speaker:
00:12:10
dass da eben halt der Verstorbene, ich
Speaker:
00:12:13
sage es jetzt mal sehr brutal, noch nicht mal kalt ist und
Speaker:
00:12:17
dann wird schon gefeilscht. Oder dann wird eben halt auch
Speaker:
00:12:20
gesagt, damals hat mein Onkel und so weiter und so fort.
Speaker:
00:12:25
Da werden dann teilweise auch Potjemkinsche Dörfer oder
Speaker:
00:12:29
eben halt Lügen aufgebaut, um da an bestimmte Sachen
Speaker:
00:12:33
ranzukommen. Oder es werden eben halt auch
Speaker:
00:12:36
Menschen ausgetrickst. Bis hin dazu,
Speaker:
00:12:41
es wäre nicht das erste Mal, dass wir den
Speaker:
00:12:44
Monatsende haben und nach dem liebe
Speaker:
00:12:48
Oma, schaff es noch zwei Stunden länger, damit der neue Monat begonnen
Speaker:
00:12:52
hat. Auch das habe ich erlebt im Krankenhaus.
Speaker:
00:12:56
Das muss man sich mal alles vorstellen, was das mit der Würde
Speaker:
00:12:59
eines Menschen zu tun hat.
Speaker:
00:13:04
Lass mich aber ein Aspekt noch mal auf den Tisch
Speaker:
00:13:08
legen, weil wir tatsächlich eine Zeitenwende haben, über die wird
Speaker:
00:13:12
zwar in Deutschland nicht gesprochen, aber wir haben tatsächlich eine Zeit.
Speaker:
00:13:16
Das, was wir jetzt aktuell erleben, hätte es unter Bismarck
Speaker:
00:13:20
nicht einen einzigen Fall gegeben. Wir erleben
Speaker:
00:13:23
das erste Mal, seit die Bundesrepublik Deutschland gibt,
Speaker:
00:13:28
dass in Einzelfällen zwei Generationen in Rente
Speaker:
00:13:32
sind. Wenn man heute
Speaker:
00:13:35
Wiesbaden aufwecken könnte und ihm das erzählen würde, würde
Speaker:
00:13:39
er sein Schuss.
Speaker:
00:13:43
Das ist von der Vorstellung, jemanden für die letzten
Speaker:
00:13:46
Jahre noch so ein bisschen zu versorgen. Das war ja die Vorstellung von
Speaker:
00:13:49
Bismarck, so zu zwei Generationen in Rente.
Speaker:
00:13:55
Und damit ist ja auch klar, dass die Kinder
Speaker:
00:13:59
der Erben faktisch in aller Regel schon ausgezogen sind.
Speaker:
00:14:04
Eine völlig neue Situation.
Speaker:
00:14:08
Ich würde gerne noch mal den Punkt zurückgehen. Warum wird
Speaker:
00:14:12
das in dem Moment nicht angegangen? Ist das aus deiner Sicht
Speaker:
00:14:16
Angst? Ist das Feigheit
Speaker:
00:14:21
konfliktscheu? Oder warum
Speaker:
00:14:25
geht es der Erblasser nicht an? Warum geht es gegebenenfalls auch die Familie
Speaker:
00:14:29
nicht an? So im Sinne, Es darf ja
Speaker:
00:14:33
keiner über den kranken Opa sprechen, auch wenn jeder genau
Speaker:
00:14:37
weiß, auch der Opa. Der Opa sagt mir eben halt auch beim
Speaker:
00:14:40
Krankenbesuch im Krankenhaus, Herr Pfarrer, ich habe noch
Speaker:
00:14:43
14 Tage und draußen vorher hat mir die Tochter
Speaker:
00:14:47
gesagt, sagen es meinem Vater nicht, aber er hat noch zwei Wochen.
Speaker:
00:14:51
Spätestens dann merkst du einfach auch den Irrsinn an dieser Stelle. Das ist
Speaker:
00:14:54
der völlige Irrsinn. Es ist ein völliger Irrsinn.
Speaker:
00:14:58
Und ich glaube, dass es zwei Probleme gibt.
Speaker:
00:15:02
Das eine Thema ist, wir haben Tabuthemen, da gehört Tod
Speaker:
00:15:05
und Erbe dazu. Darüber darf man nicht sprechen, was ich für
Speaker:
00:15:09
einen völligen Irrsinn halte, weil alleine die
Speaker:
00:15:13
Tatsache, dass die meisten Lottogewinner nachher ärmer sind als
Speaker:
00:15:16
vorher, zeigt, dass es nicht nur der Geldzugang ist,
Speaker:
00:15:20
sondern es ist auch die Frage, damit zu lernen
Speaker:
00:15:23
umzugehen. Gerade wenn ich Immobilien
Speaker:
00:15:27
erbe, dass ich auch weiß, okay, da ist eine Frau, die runter seit
Speaker:
00:15:30
35 Jahren, wenn ich denn jetzt die Mieter erhöhe, muss sie ausziehen.
Speaker:
00:15:34
Aber Wenn da jemand 35 Jahre wohnt, macht man das ihm
Speaker:
00:15:38
trotzdem nicht. Auch wenn das natürlich ökonomisch
Speaker:
00:15:42
richtig ist. Aber diese Verantwortung, das
Speaker:
00:15:45
ist ja die Kehrseite der Medaille, die auch zu lernen,
Speaker:
00:15:50
fällt eben nicht automatisch mit meinem Tod auf meine Tochter
Speaker:
00:15:53
über das der erste Punkt. Der zweite Punkt ist,
Speaker:
00:15:57
den halte ich persönlich für den allerwichtigsten Punkt. Ich
Speaker:
00:16:01
glaube, dass wir ein Problem haben, weil wir
Speaker:
00:16:04
immer noch in der Idee leben, dass die Eltern dem Tod
Speaker:
00:16:08
vorgeben und Kinder nicht in letzter Konsequenz auf Augenhöhe
Speaker:
00:16:11
sind. Und klar, wenn ich über meinen eigenen Tod spreche,
Speaker:
00:16:15
spreche ich über den Moment, wo meine Tochter lebt und ich
Speaker:
00:16:19
in der Kiste liege. Das ist keine
Speaker:
00:16:22
Augenhöhe. Da bin ich sogar unter meiner Tochter vor
Speaker:
00:16:26
den Augen. Und das fällt den meisten Menschen mit unseren Erziehungsmustern
Speaker:
00:16:30
halt schwer, mit Kindern wirklich auf Augenhöhe zu sein.
Speaker:
00:16:35
Aber daran kommt man trotzdem im
Speaker:
00:16:38
Leben nicht vorbei.
Speaker:
00:16:43
Ich empfehle, das Erbe dann zu regeln, wenn man
Speaker:
00:16:47
den eigenen Tod noch weiter ferne hofft. Man
Speaker:
00:16:51
weiß es ja nicht, Aber ich glaube, dass es einem leichter fällt,
Speaker:
00:16:54
wenn man das für irgendeinen Tag in
Speaker:
00:16:58
vielen, vielen Jahren regelt und nicht für den Tag heute.
Speaker:
00:17:02
Das zweite ist, glaube ich, es ist auch kein Nachteil, wenn man das gab
Speaker:
00:17:06
dann angeht, wenn man im Vollbesitz seiner Kräfte ist,
Speaker:
00:17:09
geistlich wie körperlich. Ich weiß nicht, wenn ich
Speaker:
00:17:13
morgen Krebs haben sollte, was Gott verhüten möge, ob ich dann
Speaker:
00:17:17
Lust hätte, mich um ein Erbe zu kümmern oder ob ich mich um meine Krankheit
Speaker:
00:17:20
kümmern wollte. Vermutlich wäre mir da die Krankheit jetzt im
Speaker:
00:17:24
Fokus. Und der dritte Punkt ist, wenn die
Speaker:
00:17:27
Erwartungshaltung der Erben noch nicht so groß
Speaker:
00:17:31
ist. Das will ich an folgender Filmszene
Speaker:
00:17:35
erläutern. Wir haben das alle schon mal gesehen. Da hat
Speaker:
00:17:39
ein älterer Mann einen Unfall. Die Angehörigen kommen ins
Speaker:
00:17:42
Krankenhaus und Machen diese
Speaker:
00:17:45
Operationen denn überhaupt noch Sinn? Ist das
Speaker:
00:17:48
wirtschaftlich denn noch verantwortbar? Es wäre doch
Speaker:
00:17:52
besser für ihn, wenn er jetzt abgehen könnte und für uns
Speaker:
00:17:56
auch war das ärm, gehändig. Und diese
Speaker:
00:17:59
Situation will ich in meinem Leben um alles
Speaker:
00:18:02
verhindern. Ich möchte nicht, dass irgendjemand zu
Speaker:
00:18:06
jemandem sagt, wägen wir doch mal ab. Deshalb
Speaker:
00:18:10
rege früh Vollbesitz seiner Kräfte. Es gibt
Speaker:
00:18:13
keine Garantie, dass nur die anderen Unfälle haben und schwere
Speaker:
00:18:17
Krankheiten haben und geringe Erwartungshaltung. Das macht die
Speaker:
00:18:21
Sache sehr viel leichter. Jetzt habe ich eine gute
Speaker:
00:18:24
Nachricht. Es ist
Speaker:
00:18:28
bewiesen, dass es keinen Zusammenhang gibt zwischen den
Speaker:
00:18:31
Dinge anzugehen und schwere Krankheit. Das heißt, wenn man
Speaker:
00:18:35
das regelt, kriegt man weder eine schwere Krankheit
Speaker:
00:18:38
dadurch noch ein Unfall. Es ist völlig unabhängig
Speaker:
00:18:42
voneinander. Sehe ich nicht ganz so.
Speaker:
00:18:46
Also ich sehe, ich kann es auch nicht nachvollziehen
Speaker:
00:18:50
im Sinne von, wenn ich darüber rede, dann bekomme ich es, sondern ich erlebe
Speaker:
00:18:54
es eher so, In dem Moment, wo ich zwei Hände frei
Speaker:
00:18:57
habe, kann ich leichter gehen. Ich habe viele
Speaker:
00:19:01
Menschen auf den letzten Metern des Lebens begleitet und in dem
Speaker:
00:19:05
Moment, wo klar war, alles war geregelt, der Tisch war sauber,
Speaker:
00:19:09
in dem Moment konnten die Menschen deutlich einfacher gehen, als
Speaker:
00:19:13
wenn es da noch riesen Berge auf dem Tisch gab, die es eigentlich
Speaker:
00:19:16
nur so hätte zu regeln hätte geben müssen. Also
Speaker:
00:19:20
das ist natürlich zu 100 Prozent genauso, wie du es sagst.
Speaker:
00:19:25
Ich meinte es anders. Ich meinte es wenn man
Speaker:
00:19:29
vorhat, regelt, passiert dadurch nichts Negatives. Aber was
Speaker:
00:19:32
richtig ist, und das ist ja deine these, da stimme ich zu 100
Speaker:
00:19:36
Prozent zu Menschen können nicht
Speaker:
00:19:39
ungeregelt sterben. Die Menschen atmen auf,
Speaker:
00:19:43
wenn sie die Dinge regeln. Also tut man sich seinem eigenen
Speaker:
00:19:47
Lebenswerk und auch der Qualität des Abganges, soweit man da
Speaker:
00:19:51
Qualität haben kann. Aber in Sorge zu sterben, in
Speaker:
00:19:54
Ungewissheit zu sterben, ist bestimmt nicht schön. Nein,
Speaker:
00:19:59
nein. Und tief im Inneren wissen wir Menschen ja, dass wir die
Speaker:
00:20:03
Themen regeln müssen. Ja,
Speaker:
00:20:07
aber jetzt der dritte
Speaker:
00:20:11
Aspekt ist, es ist eine schwere Aufgabe, sein Erbe zu regeln
Speaker:
00:20:15
ist nicht trivial. Das darf man auch mal sagen.
Speaker:
00:20:20
Aber manche sind auch
Speaker:
00:20:23
überregelbütig. Da
Speaker:
00:20:26
gibt es so manche nach dem Motto, ich habe hier
Speaker:
00:20:30
eine Million zu vererben, die bekommst du aber erst, wenn du auf
Speaker:
00:20:34
jeden Fall zum 30. Geburtstag verheiratet bist.
Speaker:
00:20:38
Oder wenn du die Firma mit übernimmst. Wie siehst du das an dieser
Speaker:
00:20:42
Stelle, wenn man sowas mit in die Erbdiskussion mit
Speaker:
00:20:45
reinbringen möchte? Ich halte das für völlig unmöglich,
Speaker:
00:20:49
ehrlich gesagt, weil es in meiner Welt maximal übergriffig
Speaker:
00:20:53
ist. Ich bin froh, dass keiner meiner Vorfahren
Speaker:
00:20:56
Bäcker war. Ich bin ein notorischer
Speaker:
00:20:59
Spätaussteller. Also es hätte kein schlimmeres Erbe für mich geben
Speaker:
00:21:03
können als eine Bäckerei. Ich glaube,
Speaker:
00:21:06
dass wir, das ist natürlich auch ein Punkt, der das Thema
Speaker:
00:21:10
schwer macht, ich glaube, dass Eltern akzeptieren
Speaker:
00:21:14
müssen. Ich glaube, dass Eltern akzeptieren müssen, dass Kinder
Speaker:
00:21:18
immer aus dem höchst egoistischen Wunsch der Eltern entstehen,
Speaker:
00:21:22
weil die Kinder werden ja nicht gefragt. Es sind ja die Eltern, die entscheiden, ob
Speaker:
00:21:26
sie ein Kind haben wollen oder nicht. Und aus
Speaker:
00:21:29
diesem Wunsch, ein Kind haben zu wollen, leitet sich für mich
Speaker:
00:21:32
erstmal Pflichten für die Eltern ab und nicht für die Kinder, weil die hat
Speaker:
00:21:36
niemand gefragt. Und ich glaube tatsächlich, dass wir lernen
Speaker:
00:21:40
müssen, radikal anzuerkennen, dass mein
Speaker:
00:21:43
Lebenslauf nicht zwingend der Entwurf für den
Speaker:
00:21:47
Lebenslauf meiner Tochter ist. Absolut.
Speaker:
00:21:52
Das ist nicht immer leicht, aber ich glaube, dass wir das lernen
Speaker:
00:21:56
müssen anzuerkennen, Zumal sonst hat,
Speaker:
00:22:00
glaube ich, du hast jetzt gerade gesagt, deine Tochter oder mein
Speaker:
00:22:03
Sohn, dann haben die einfach auch
Speaker:
00:22:07
eine bewusste Möglichkeit, das einfach auch zu zerstören,
Speaker:
00:22:12
einen Auftrag, das zu zerstören und eben halt nicht
Speaker:
00:22:15
gleichzeitig die
Speaker:
00:22:17
unverrichteten Aufgaben der Eltern zu
Speaker:
00:22:21
übernehmen und möglicherweise zu Ende zu führen, denn das ist
Speaker:
00:22:25
übergriffig, Überforderung und passt einfach nicht.
Speaker:
00:22:29
Und ich bringe das immer gerne mit. Es gibt ja von Bismarck
Speaker:
00:22:33
dieses Generation Modell, die erste baut auf, die zweite
Speaker:
00:22:37
hält die dritte Versauber. Man
Speaker:
00:22:40
kann sich nicht aussuchen, ob man die erste, zweite oder dritte Generation ist,
Speaker:
00:22:44
aber ich hätte keine Lust, da die dritte Generation zu sein.
Speaker:
00:22:49
Ganz klar, ganz klar. Und ich sage mal so, wir
Speaker:
00:22:53
beide sind altersmäßig beieinander. Wir haben, glaube ich, in der Schule alle noch die
Speaker:
00:22:57
Buttenbruchs lesen dürfen und da haben wir es ja nun
Speaker:
00:23:00
auf 1000 Seiten direkt dargestellt. Bekommen, was das an der
Speaker:
00:23:04
Stelle dann bedeutet. Das ist so. Und
Speaker:
00:23:08
ich glaube auch, dass man sich bewusst sein darf, dass
Speaker:
00:23:12
Eltern, die einen zu großen Schatten werfen, ihre Kinder
Speaker:
00:23:15
im Dunkeln leben lassen. Das würde ich für mein Kind nicht wollen.
Speaker:
00:23:22
Das würde ich für mein Kind nicht wollen. Und ich
Speaker:
00:23:25
müsste, glaube ich, auch akzeptieren, dass vielleicht meine Tochter eine
Speaker:
00:23:29
andere Risikoaffinität hat als ich. Nicht
Speaker:
00:23:32
schlechter oder besser. Es ist halt anders.
Speaker:
00:23:36
Und ich stelle dann immer noch die Frage, welchen Platz
Speaker:
00:23:40
hat ein kind, wenn es 5, 6, 7 Millionen erbt?
Speaker:
00:23:44
Was soll es denn da selber leisten? Dann
Speaker:
00:23:48
finde ich noch einen sehr, sehr wichtigen Aspekt. Da
Speaker:
00:23:52
kommt die Tochter zu ihrem Vater. Der Vater ist sehr
Speaker:
00:23:55
vermögend und die Tochter fragt den Vater, darf
Speaker:
00:23:59
ich dich etwas fragen? Der Vater sagt, natürlich darfst du mich was fragen,
Speaker:
00:24:03
jederzeit. Und dann fragt die Tochter,
Speaker:
00:24:07
wie finde ich denn heraus, wenn ein Mann mich küssen will, dass
Speaker:
00:24:11
er mich küssen will und nicht ein Geld.
Speaker:
00:24:17
Auch der Aspekt darf beachtet werden und ernst genommen werden.
Speaker:
00:24:21
Oh ja, gib dir den,
Speaker:
00:24:25
Heirate nicht um des Geldes willen. Auf der Bank bekommst du es billiger.
Speaker:
00:24:29
Genau,
Speaker:
00:24:33
Aber all solche Aspekte habe ich in meinem neuen Buch drin. Ich habe das Thema
Speaker:
00:24:37
bewusst mal nicht juristisch angegangen. Bewusst nicht
Speaker:
00:24:41
juristisch angegangen, sondern Erbe ist keine
Speaker:
00:24:43
Rechenaufgabe. Du hast auch
Speaker:
00:24:47
noch mal so dieses Stichwort
Speaker:
00:24:51
Erben darüber sprechen auf Augenhöhe.
Speaker:
00:24:54
Was heißt für dich in dem Moment Augenhöhe? Wie bringst du den
Speaker:
00:24:57
Erblasser auf die Augenhöhe? Denn das haben wir ja teilweise auch
Speaker:
00:25:01
als ein Problem, dass der Erblasser möglicherweise nicht auf Augenhöhe ist.
Speaker:
00:25:05
Oder wie bringst du die verschiedenen Erben auf Augenhöhe, damit sie
Speaker:
00:25:09
einfach miteinander überhaupt Mediation machen können?
Speaker:
00:25:13
Das ist eine der schwierigsten Herausforderungen. Ich muss als
Speaker:
00:25:17
Mediator bei jedem Menschen, der bei mir Kunde ist, das
Speaker:
00:25:21
Liebenswerte herausfinden und ihm zeigen, dass ich
Speaker:
00:25:24
das sehe. Und dann ändert sich alles.
Speaker:
00:25:28
Das ist einer der Punkte, warum ich so gerne im Wald spazieren gehe,
Speaker:
00:25:32
weil man die Menschen anders kennenlernt. Und ich fange dann
Speaker:
00:25:35
üblicherweise an, dass ich meine Schwächen erzähle.
Speaker:
00:25:40
In dem Moment, wo ich mich klein und verletzlich
Speaker:
00:25:43
zeige, kann jemand anders damit anders
Speaker:
00:25:46
umgehen.
Speaker:
00:25:51
Aber all das ist in meinem neuen Buch. Ja,
Speaker:
00:25:56
du hast auch in deinem neuen Buch einen
Speaker:
00:25:59
Aspekt drin, der brachte mich zu dem Punkt, es gibt ja
Speaker:
00:26:03
diesen Satz mit warmen Händen geben. Ich würde
Speaker:
00:26:07
ihn abwandeln, gerne warmen Lippen
Speaker:
00:26:10
geben, denn mit warmen
Speaker:
00:26:14
Händen, da ist für mich auch so diese
Speaker:
00:26:17
Gefahr drin. Ich gebe etwas mit warmen Händen und
Speaker:
00:26:21
lieber Sohn, liebe Tochter, du bekommst jetzt hier die Wohnung, aber ich hätte gerne
Speaker:
00:26:25
Nießbrauch recht und das ist ja für viele auch eine
Speaker:
00:26:29
Falle hintenrum. Wie erlebst du so was?
Speaker:
00:26:34
Also das sind problematische
Speaker:
00:26:37
Situationen, das ist gar keine Frage, weil die Dinge
Speaker:
00:26:41
natürlich lange dauern können und
Speaker:
00:26:45
natürlich auch Kreditwürdigkeit kosten können und und und.
Speaker:
00:26:48
Da gibt es eine Million Probleme und das gegenseitige unter Druck setzen
Speaker:
00:26:52
ist halt auch keine gute Basis, um Familienfried zu schaffen.
Speaker:
00:26:56
Das ist halt einfach ein schweres Thema.
Speaker:
00:27:02
Aber Immobilien insbesondere ist halt wirklich das
Speaker:
00:27:05
Thema, weil sie auf Basis von Erwerbseinkommen für die meisten nicht mehr
Speaker:
00:27:09
finanzierbar sind. Und das ist ein gesellschaftliches Problem.
Speaker:
00:27:15
Ich glaube, wir müssen über das Thema ohnehin noch mal anders sprechen,
Speaker:
00:27:19
weil wir werden jetzt eine Generation
Speaker:
00:27:22
bekommen, wo es einige gibt, die, wie ich sage, verzeih
Speaker:
00:27:26
mir mit Sperma Lotterie von Geburt an nicht arbeiten müssen
Speaker:
00:27:30
und andere leben mit Altersarmut und sammeln Flaschen. Da werden
Speaker:
00:27:34
wir eine Antwort darauf finden müssen als Gesellschaft und zwar nicht im
Speaker:
00:27:37
Gegeneinander, sondern im Miteinander. Aber das hält der
Speaker:
00:27:41
Gesellschaft auf Dauer nicht aus. Ich
Speaker:
00:27:44
würde noch eins dazusetzen, Das, was ich erlebe, ist, dass
Speaker:
00:27:48
die Konfliktfähigkeit der Einzelnen
Speaker:
00:27:51
innerhalb der letzten zwei Generationen
Speaker:
00:27:55
auch ziemlich deutlich abgenommen hat.
Speaker:
00:27:59
Das ist ein Bemerk oder eine
Speaker:
00:28:02
Feststellung, die ich auch schon mache. Über dieses Thema schreibe ich
Speaker:
00:28:05
aktuell ein Buch, was auch noch in diesem Jahr kommen wird, weil ich wirklich
Speaker:
00:28:09
glaube, dass wir Probleme hatten. Wir haben das Problem, dass wir
Speaker:
00:28:13
andere Standpunkte nicht mehr aushalten.
Speaker:
00:28:16
Ja, also ich habe jetzt eine Diskussion mit einer Kollegin,
Speaker:
00:28:20
die für Pflichtteil ist. Ich bin dagegen, ich bin dafür, dass man das
Speaker:
00:28:23
abschafft. Sie ist dafür, es beizubehalten, Aber
Speaker:
00:28:27
darüber kann man doch diskutieren, ohne dass man sich gegenseitig an den Hals
Speaker:
00:28:31
geht. Und ihr Beispiel, was sie gebracht hat, fand ich sehr gut. Wenn
Speaker:
00:28:34
als Kind bis Handwerk wählt in der Kindheit, dann
Speaker:
00:28:38
kann man ihm wohl kaum vorwerfen, dass es als Erwachsener keinen Kontakt mit seinen Eltern
Speaker:
00:28:42
haben will. Das wäre auch schon ein Argument
Speaker:
00:28:46
pro Pflichtteil. Das teile ich das Argument. Im Ergebnis
Speaker:
00:28:49
komme ich trotzdem zu Ergebnis. Aber das zu
Speaker:
00:28:53
diskutieren, das müssen wir wieder lernen auszuhalten.
Speaker:
00:28:57
Auf jeden Fall. Und wenn ich den ganzen
Speaker:
00:29:01
Blumenstrauß, über den wir jetzt gesprochen haben,
Speaker:
00:29:05
in dem Moment, wo ich noch irgendwo in einem Unternehmen arbeite,
Speaker:
00:29:09
dann belastet mich das ja auch, wenn ich der Erbe bin oder möglicherweise
Speaker:
00:29:12
zu Hause den Vater habe, der jetzt der jährige Erbe
Speaker:
00:29:16
ist und der einfach nicht mehr weiß. Wie gehe ich damit um?
Speaker:
00:29:20
Was rätst du an dieser Stelle möglicherweise auch den Führungskräften oder den
Speaker:
00:29:23
Arbeitgebern, wenn sie einen Mitarbeiter haben, der genau vor dieser
Speaker:
00:29:27
Herausforderung steht? Er braucht Unterstützung.
Speaker:
00:29:32
Ich glaube, die kann er auch bei dir finden. Oder irre ich mich da? Wir
Speaker:
00:29:36
geben an der Stelle, wir zeigen Wege auf, also juristisch beraten,
Speaker:
00:29:40
das können wir nicht. Da geben wir gerne weiter, zum
Speaker:
00:29:43
Beispiel, wie es neulich getan habe, an dich.
Speaker:
00:29:47
Aber klar, die brauchen an dieser Stelle Unterstützung. Und es muss
Speaker:
00:29:51
ganz klar sein, dass das ein Thema ist, was Leute wirklich
Speaker:
00:29:55
aus der Bahn schmeißt. Das ist genau einer
Speaker:
00:29:59
der Punkte. Deshalb habe ich auch dieses Buch geschrieben, weil das
Speaker:
00:30:02
Thema gehört entabuisiert. Ich bin ja nicht auf
Speaker:
00:30:06
rechtlicher Ebene unterwegs, ich bin rein auf emotionaler Ebene unterwegs, aber
Speaker:
00:30:09
das ist für die Menschen eine Überforderung. Und wenn dann
Speaker:
00:30:13
jetzt am Arbeitsplatz noch was schief läuft,
Speaker:
00:30:17
weil jemand überlastet ist, dann doch Abmahnungen kommen oder
Speaker:
00:30:20
Kündigung. Was für ein Desaster. Alle reden von
Speaker:
00:30:24
Fachkräftemangel. Hier hat dann ja der Arbeitgeber einfach seine Rolle nicht
Speaker:
00:30:27
wahrgenommen. Wenn jemand 30 Jahre beschäftigt ist und
Speaker:
00:30:31
er hat zwei Jahre ein Thema, dann kann man doch wirklich
Speaker:
00:30:35
jemanden wie dich einbinden, um den Menschen eine
Speaker:
00:30:39
Perspektive zu geben. Und es ist nicht
Speaker:
00:30:42
trivial. Das belastet Menschen,
Speaker:
00:30:47
wenn du im Augenblick einfach noch mal Vieles sind ja auch nur, ich sag mal,
Speaker:
00:30:50
über den Geldbeutel erreichbar. Was würdest du aus deiner Erfahrung
Speaker:
00:30:54
sagen, was ist der Wert
Speaker:
00:30:58
oder was würde es kosten, sich nicht zu einigen?
Speaker:
00:31:02
Also es kostet ein Vielfaches letztlich,
Speaker:
00:31:05
wenn es blöd läuft, die Gesundheit und das Leben. Also
Speaker:
00:31:09
Menschen, die sich über Jahre streiten, sehen aus, als ob sie Krebs
Speaker:
00:31:13
gehabt hätten. Und das Absurde ist,
Speaker:
00:31:17
wenn sie sich über Jahre streitet, ist es ihn letztlich in der Sache für nicht
Speaker:
00:31:20
egal, weil das Beenden des Streites alleine reicht.
Speaker:
00:31:26
Und deshalb glaube ich auch tatsächlich, dass man, wenn man
Speaker:
00:31:30
einen Konflikt hat, wenn man Trauer hat, sollte man zu
Speaker:
00:31:33
dir gehen, weil das ist kein triviales Thema. Das muss man
Speaker:
00:31:37
ernst nehmen. Und das Zweite ist, wenn man einen Konflikt hat, sollte man
Speaker:
00:31:41
sich mal überlegen, ob man ihn nicht auch auswürfeln könnte.
Speaker:
00:31:45
Weil meistens ist eine Lösung, selbst wenn
Speaker:
00:31:49
sie nicht ganz optimal ist, für mich besser als die
Speaker:
00:31:52
optimale Lösung. Nach vielen, vielen
Speaker:
00:31:58
Das macht ja richtig Mut, wenn ich mich mit dem
Speaker:
00:32:01
Thema auseinandersetzen will, in dein Buch reinzugucken, denn
Speaker:
00:32:05
ich habe nicht das Problem, da schreibt wieder
Speaker:
00:32:09
ein Jurist und ich kann die 87 Paragraphen
Speaker:
00:32:13
da unten drunter nicht lesen und die Busnoten will ich nicht lesen,
Speaker:
00:32:17
sondern es hat etwas mit mir und meinem Leben zu tun bzw. Mit dem
Speaker:
00:32:20
Leben meiner Mitarbeiter. Und insofern absolut,
Speaker:
00:32:25
ich habe es bewusst in drei Kategorien geteilt.
Speaker:
00:32:30
Drei. Das erste sind Geschichten aus dem Leben und
Speaker:
00:32:34
jedem daran. Kein Mensch muss sich dafür schämen,
Speaker:
00:32:38
dass in der Familie Streit ist. Es ist auch bei allen anderen Streit,
Speaker:
00:32:42
weil das Thema Erbe hat halt durch die höhere Lebenserwartung und
Speaker:
00:32:46
das nicht mehr in vollem Maße geltende Wohlstandsversprechen von
Speaker:
00:32:49
Arbeit eine völlig neue Bedeutung bekommt. Das ist der erste
Speaker:
00:32:53
Punkt. Wichtig enthaben. Keiner muss sich dafür
Speaker:
00:32:56
schämen. Das zweite ist, wir müssen als Gesellschaft
Speaker:
00:32:59
diskutieren. Das ist Sperber, Lotterie versus
Speaker:
00:33:02
Altersarmut. Das muss man auch in beiden
Speaker:
00:33:06
Welten, nicht gegeneinander, aber miteinander diskutieren. Und das dritte
Speaker:
00:33:10
ist, die Dinge, die man tun muss. Es gibt
Speaker:
00:33:13
Vollmachte, die muss man haben und
Speaker:
00:33:17
wenn Immobilien dabei sind, dürfen die bitte auch notariell sein.
Speaker:
00:33:20
Und wenn man dann denkt, naja, brauche ich doch alles nicht,
Speaker:
00:33:24
wenn ich tot umfalle, erbt das ja von alleine und so. Ja,
Speaker:
00:33:28
mag ja alles sein. Erstens kann das mit Erbschein dauern, aber das ist mal der
Speaker:
00:33:31
eine Punkt. Aber der andere Punkt ist, was passiert denn im Pflegefall,
Speaker:
00:33:36
im Pflegefall und die Immobilie müsste verkauft werden, bis man das dann
Speaker:
00:33:39
realisiert hat. Viel Spaß dabei. Das sind Punkte, die muss
Speaker:
00:33:43
man regeln, die muss man angeben und das darf man nicht dem Zufall
Speaker:
00:33:46
überlassen. Und all das.
Speaker:
00:33:57
Deutsche Wirtschaftsbriefverlag erschienen. Dieser Verlag ist
Speaker:
00:34:00
im Moment relativ oder ist immer sehr erfolgreich.
Speaker:
00:34:04
Aktuell hat er die Biografie von Wolfgang Krupp, dem
Speaker:
00:34:08
Trigema Inhaber, veröffentlicht. Also renommierter
Speaker:
00:34:11
Verlag. Gutes Buch.
Speaker:
00:34:15
Ich sag mal ganz, ganz herzlichen Dank. Ich
Speaker:
00:34:19
wünsche dir und deinem Buch viele Leser, viele nachdenkliche
Speaker:
00:34:23
Leser, die einfach an dieser Stelle in Bewegung kommen.
Speaker:
00:34:26
Denn um deinen letzten Punkt nochmal aufzugreifen, was vielen nicht
Speaker:
00:34:30
bewusst ist, in dem Moment, wo ich einen
Speaker:
00:34:33
Schlaganfall habe und nicht mehr handlungsfähig bin, nichts
Speaker:
00:34:37
hinterlegt habe, dann bekomme ich
Speaker:
00:34:40
jemanden vom Gericht bestellt, der das nachher ordnet
Speaker:
00:34:44
und ob der das im Sinne meines Unternehmens, meiner
Speaker:
00:34:48
Familie in meinem Sinne macht, lassen wir einfach mal offen.
Speaker:
00:34:51
Insofern wünsche ich eine gute Lektüre.
Speaker:
00:34:55
Ich darf einen Satz ergänzen. Woher soll er wissen, wie
Speaker:
00:34:59
du es machst, wenn er dich nicht mehr gekannt hat? Es ist ja eine Person,
Speaker:
00:35:02
die da bestellt wird, die dich gar nicht kennt.
Speaker:
00:35:08
Also liebe Leute, wir sollten darüber nicht nur
Speaker:
00:35:11
reden, wir sollten vielleicht das Buch lesen und wir sollten da
Speaker:
00:35:15
wirklich in Aktion gehen, denn es gibt ein zu spät
Speaker:
00:35:20
und das wirkt sich auf jeden Fall auf den Arbeitsplatz aus.
Speaker:
00:35:24
Absolut. Vielen Dank, ich habe zu
Speaker:
00:35:28
danken und bis zur nächsten Folge. Liebe Hörerinnen und Hörer,
Speaker:
00:35:31
wenn ihr noch Fragen habt, in den Shownotes findet ihr die
Speaker:
00:35:34
Kontakte, Schreibt uns, wir werden antworten.
Speaker:
00:35:38
Dankeschön.