Speaker:
00:00:00
Als junge Führungskraft, als Frau Witwe werden.
Speaker:
00:00:06
Ziemlich schwierige Situation, vielleicht aber
Speaker:
00:00:10
auch die Möglichkeit zum Aufbruch. Und dazu habe
Speaker:
00:00:14
ich mir heute einen besonderen Gast eingeladen.
Speaker:
00:00:18
Liebe Hörerinnen und Hörer, herzlich willkommen bei Das Schwere leicht
Speaker:
00:00:22
gesagt, dem Podcast des Trauermanagers. Und
Speaker:
00:00:26
ich begrüße heute Dana Heydrich.
Speaker:
00:00:29
Liebe Dana, ganz herzlich willkommen.
Speaker:
00:00:33
Danke. Lieber Stefan, es ist so eine große Freude und
Speaker:
00:00:37
Ehre bei dir zu sein, weil du dich so einem wichtigen Thema
Speaker:
00:00:41
wendest, zuwendest und gerade
Speaker:
00:00:45
Arbeitgeber und HR Personen ansprichst, die
Speaker:
00:00:49
wahrscheinlich gerade dieses Thema, worum es bei dir geht, gar nicht so auf dem Schirm
Speaker:
00:00:53
haben. Und da freue ich mich bei dir zu sein. Ja,
Speaker:
00:00:57
ich habe dich ja schon ein bisschen länger auf dem Schirm. Du hast ja
Speaker:
00:01:01
den Dana Blog und du bietest ja,
Speaker:
00:01:06
ich sag mal, Retreats jetzt in meiner Sprache an
Speaker:
00:01:10
für Frauen in Führungspositionen, die Witwe geworden
Speaker:
00:01:14
sind. Das Thema fällt einem ja nicht auf die Füße. Wie
Speaker:
00:01:17
bist du zu dem Thema gekommen? Ich
Speaker:
00:01:21
bin genau, also ich bin selbst meine beste
Speaker:
00:01:25
Zielgruppe. Ich bin selber 2019 plötzlich
Speaker:
00:01:29
Witwe geworden. Ich habe mit meinem Mann zusammen ein Catering
Speaker:
00:01:32
in Berlin geführt, also selbstständig und
Speaker:
00:01:37
wir hatten illustre Kunden wie die Amerikanische Botschaft und die Blumen
Speaker:
00:01:41
Group und haben uns da schon seit zehn Jahren reingetigert. Und dann
Speaker:
00:01:45
ist er plötzlich gestorben, plötzlich, weil
Speaker:
00:01:48
er von seiner Krebserkrankung geheilt war und alles war gut.
Speaker:
00:01:52
Und plötzlich ist er gestorben an Rezidiven Krebs. Und da stand ich selbst
Speaker:
00:01:56
vor diesem Problem und das halt sozusagen
Speaker:
00:01:59
mitten im Leben. Ich war damals 40, 41
Speaker:
00:02:03
und man stellt sich ja eine Witwe immer
Speaker:
00:02:06
irgendwas, ich sag mal ü ohne jetzt despektierlich
Speaker:
00:02:10
sein zu wollen, vor und denkt, diese
Speaker:
00:02:14
Person ist abgesichert, alles ist gut und so. War halt bei mir nicht der
Speaker:
00:02:18
Fall. Und ich, ich habe das ganze Catering
Speaker:
00:02:21
hingeschmissen, weil ich nicht mehr konnte. Ich war, es war quasi, als
Speaker:
00:02:25
wäre man mit dem Auto gegen eine Wand gefahren. So und
Speaker:
00:02:29
dann habe ich mich irgendwie anderthalb Jahre lang da
Speaker:
00:02:32
rausgekämpft und in mir brennt halt das
Speaker:
00:02:35
selbstständigen Licht. Und ich glaube, das hat mich
Speaker:
00:02:39
auch sehr gut dadurch getragen. Und
Speaker:
00:02:43
über die Zeit ist mein danach Blog gewachsen, weil es geht um das
Speaker:
00:02:47
Leben danach um das Leben. Es gibt das Leben
Speaker:
00:02:51
und dann halt entsprechend das. Das ist dieses, was dann nach
Speaker:
00:02:55
so einem Erlebnis kommt Und ich glaube, das führt dann auch
Speaker:
00:02:58
sehr gut zu deinen Fragen, weil mit diesem
Speaker:
00:03:02
Prozess, wenn man sowas einmal erlebt im Leben, hat man
Speaker:
00:03:06
quasi ein Memento mori in seinem eigenen Leben und man
Speaker:
00:03:10
bekommt eine absolut andere Sichtweise auf das Leben.
Speaker:
00:03:14
Und das ist das Positive. In dem Negativen, dass es so zeitig passiert ist,
Speaker:
00:03:19
dass ich dieses Wissen in mein neues Leben übersetzen
Speaker:
00:03:22
konnte. Und diese Sprache sprechen halt wenige. Und das
Speaker:
00:03:26
ist genau das, wie ich halt jetzt Frauen, hauptsächlich Witwen, die halt
Speaker:
00:03:30
Arbeitnehmer sind, Führungspersönlichkeiten,
Speaker:
00:03:34
selber Selbstständige, wie ich denen helfe,
Speaker:
00:03:37
stromlinienförmig, sage ich mal, da durchzukommen. Also die müssen sich nicht das
Speaker:
00:03:40
hart erarbeiten, was ich mir halt hart erarbeitet habe.
Speaker:
00:03:45
Ja, zumal du bietest ja im Endeffekt das jetzt an, was du
Speaker:
00:03:48
möglicherweise damals dringend gebraucht hättest, gesucht
Speaker:
00:03:52
hättest, aber es gab nichts.
Speaker:
00:03:56
Ganz genau. Das ist der Punkt.
Speaker:
00:04:00
Meine Art und Weise oder die Art und Weise, wie mein Partner kommuniziert
Speaker:
00:04:04
haben, war sehr lustig. Wir hatten
Speaker:
00:04:07
sehr viel Humor in unserem Leben und als dann mein Partner gestorben
Speaker:
00:04:11
war, wusste ich nicht wohin damit. Und ich konnte mich nur
Speaker:
00:04:15
an amerikanischen oder englischsprachigen Seiten orientieren, die daran
Speaker:
00:04:19
sehr andere Herangehensweise an die Trauer haben. Also wo
Speaker:
00:04:23
lustige Memes waren, so zum Beispiel Witwenleben,
Speaker:
00:04:27
erster Monat, wo dann so eine Barbie Puppe zwischen Müllsäcken und
Speaker:
00:04:30
Pizzaschachteln waren Und ich dachte, ja, das fühle ich so sehr,
Speaker:
00:04:34
weil im Deutschen ist das halt alles noch so
Speaker:
00:04:38
steif, Da kommt eine Kerze ins Bild, ein Regenbogen und dann war's
Speaker:
00:04:42
das Und ich dachte, Gott, das bin ich nicht, so alt werde ich niemals werden.
Speaker:
00:04:46
Und irgendwann dachte ich dann später, als ich schon
Speaker:
00:04:49
weiter war, sowas, sowas müsste man gründen. Okay, ich
Speaker:
00:04:53
tue es. Ja klar.
Speaker:
00:04:58
Und wahrscheinlich gab es dann einige, die haben dich unterstützt, aber noch mehr, die haben
Speaker:
00:05:01
gesagt, was hast du jetzt wieder vor?
Speaker:
00:05:06
Ja, die meiste Frage war, das willst du
Speaker:
00:05:09
machen, damit willst du Geld verdienen, Dafür verlangt man doch kein Geld
Speaker:
00:05:13
mit Trauerbegleitung. Du willst dich jeden Tag damit beschäftigen,
Speaker:
00:05:17
du willst dir die Geschichten anhören. Wie kannst du dir das noch anhören? Sei
Speaker:
00:05:21
froh, dass du da raus bist. Also das ist so ständig so ein Satz, den
Speaker:
00:05:24
ich höre. Wie kannst du dir das jeden Tag anhören? Ja,
Speaker:
00:05:29
und dabei ist es ja im Endeffekt, die Trauer ist eine Transformation
Speaker:
00:05:34
von Leben oder du hast vorhin gesagt Trauer
Speaker:
00:05:38
und Trauer. Man
Speaker:
00:05:42
erfindet oder Frau erfindet sich ja in dem Moment neu und
Speaker:
00:05:45
möglicherweise, und das ist
Speaker:
00:05:49
die positive Botschaft, aber auch das Risiko, du wirst stärker
Speaker:
00:05:53
und möglicherweise auch so stark, dass das bisherige
Speaker:
00:05:57
Umfeld nicht mehr passt. Ganz genau.
Speaker:
00:06:01
Es ist, da habe ich mich versprochen. Genau, ich meinte Leben
Speaker:
00:06:05
zu leben und ich habe sogar Frauen in meiner
Speaker:
00:06:08
Community, die sind schon bei Leben, da ist es sogar zweimal passiert, wo man
Speaker:
00:06:12
sich sagt, oh mein Gott und diese
Speaker:
00:06:16
Transformation, es ist ja, es ist ja ein großer Fehler zu
Speaker:
00:06:19
sagen, ich werde wieder die alte oder
Speaker:
00:06:23
ich möchte mein altes Leben zurück oder ich muss
Speaker:
00:06:28
die Trauer überwinden. Es ist ja vielmehr
Speaker:
00:06:32
ein neues Leben. Es ist wie ein Verpuppungsprozess. Man wird
Speaker:
00:06:35
jemand vollständig anderes und manche Freunde
Speaker:
00:06:39
kommen halt nicht mit. Also mein Lieblingssatz ist ja,
Speaker:
00:06:43
Trauer ist wie Persönlichkeitsentwicklung auf Speed.
Speaker:
00:06:47
Bisschen unpopuläre Meinung, aber
Speaker:
00:06:51
man wird halt gefühlt 10 Jahre nach vorne katapultiert in
Speaker:
00:06:55
seinem Wissen, Tun und Begreifen der ganzen. Situation
Speaker:
00:06:59
des Lebens, wenn man es zulässt,
Speaker:
00:07:02
wenn man es zulässt, wenn man natürlich auch ich
Speaker:
00:07:06
lasse mich von außen her bestimmen, was
Speaker:
00:07:10
möglicherweise mein Chef, meine Chefin von mir erwartet, was die Nachbarin
Speaker:
00:07:14
erwartet, was der Freundeskreis erwartet.
Speaker:
00:07:18
Ja, da muss man sich schon dann auch sagen,
Speaker:
00:07:22
Leute, es ist mein Leben.
Speaker:
00:07:25
Ja, das ist, das merke ich bei Personen,
Speaker:
00:07:29
die aus der ländlichen Gegend kommen, die keine Richtwerte,
Speaker:
00:07:33
keine Person haben, wo die sich dran, ja, wo sie sehen,
Speaker:
00:07:37
oh, es geht auch anders, die auch ein bisschen, ja,
Speaker:
00:07:41
wo Selbstliebe fehlt, die möchten angepasst sein, niemanden auf
Speaker:
00:07:45
die Füße treten, auf dem Schlips treten. Das ist ja auch ein sehr großes Thema
Speaker:
00:07:49
bei Frauen übrigens besonders so in meiner Altersliga, die Jüngeren,
Speaker:
00:07:53
die sind da schon ein bisschen schneidiger und
Speaker:
00:07:57
deswegen ist dieses Angebot ja auch digital,
Speaker:
00:08:01
weil die meisten Frauen suchen nachts, wenn sie nicht schlafen können und dann
Speaker:
00:08:05
stolpern sie über meine Seite und es ist ja immer gut,
Speaker:
00:08:08
Freunde zu haben, die quasi schon was wagen oder
Speaker:
00:08:12
man sollte sich ja generell nach Leuten richten, die das geschafft
Speaker:
00:08:16
haben, wo man hin will oder ein immer
Speaker:
00:08:20
neugierig halten. Also ich sag mal ein bisschen
Speaker:
00:08:24
die einen hochziehen und nicht die einen runterziehen.
Speaker:
00:08:28
Und besonders in der Trauer ist es ja im Englischen gibt es ja diesen Spruch
Speaker:
00:08:32
like crabs in a basket, also wie Krabben im Korb
Speaker:
00:08:35
und es gibt halt die eine Krabbe, die über den Rand die raus will und
Speaker:
00:08:39
dann sind halt alle anderen Krabben da unten und die zerren sie wieder runter. Und
Speaker:
00:08:42
da muss man aufpassen. Eigentlich sollte man schon die Krabbe seien ja aus
Speaker:
00:08:46
dem Korb rauskrabbelt, weil es gibt nur ein Leben. Und wiederum
Speaker:
00:08:50
haben Trauernde das sehr schnell erkannt, weil sie merken
Speaker:
00:08:54
auf einmal, dass alles, was dir versprochen oder viele Dinge, die dir versprochen
Speaker:
00:08:57
wurden oder wie du denkst, dass die ablaufen, merkst du auf einmal, dass sie nicht
Speaker:
00:09:01
so ablaufen. Also gewisse Grundsicherung, Grundsicherung
Speaker:
00:09:04
funktionieren nicht so, irgendwelche Versicherungen zahlen nicht so,
Speaker:
00:09:08
irgendwelche Renten funktionieren nicht so wie man wie es einem
Speaker:
00:09:12
versprochen wurde. Und du merkst, dass du jetzt in der zweiten
Speaker:
00:09:15
Hälfte und deswegen bin ich ein bisschen dankbar, dass es mir so zeitig passiert ist,
Speaker:
00:09:19
dass man die Weichen ein bisschen anders stellen muss. Ja
Speaker:
00:09:25
in letzter Konsequenz ist es ja auch ein Ereignis, wo du nachher
Speaker:
00:09:29
jetzt weiß ich was wirklich zählt oder was anders
Speaker:
00:09:33
zählt und was nicht oder.
Speaker:
00:09:38
Absolut. Was meine Frauen alle durch die
Speaker:
00:09:42
Bank weg bestätigen. Sie haben keine Toleranz mehr für Bullshit.
Speaker:
00:09:46
Du merkst auf einmal, was im Leben zählt, was
Speaker:
00:09:50
übrigens das ist, was ein absoluter Gewinn für
Speaker:
00:09:53
Arbeitgeber ist, weil
Speaker:
00:09:56
der jeweilige Angestellte, dem sowas passiert ist,
Speaker:
00:10:00
der kann auf einmal entscheiden von wichtig zu unwichtig.
Speaker:
00:10:04
Mehrere Frauen bei uns in der Community, die haben mir bestätigt, dass sie
Speaker:
00:10:08
mittlerweile zur rechten bzw. Linken Hand von ihrem
Speaker:
00:10:12
Chef geworden sind, weil sie mittlerweile nicht mehr sich in
Speaker:
00:10:16
dieses oh, wann ist Brückentag, wann ist das? Wie viel Stunden stehen jetzt so
Speaker:
00:10:20
und so weiter. Die Diskussion gibt es nicht mehr. Jetzt ist jetzt wird das
Speaker:
00:10:23
große Ganze gesehen, was ist wichtig für die Firma? Und das
Speaker:
00:10:27
ist eine spannende Erkenntnis. Also man hat keine Toleranz mehr für
Speaker:
00:10:31
Kleinigkeiten. Das heißt aber im umgekehrten Fall,
Speaker:
00:10:35
es hat auch sicherlich ein paar in deiner Community gegeben, die gesagt
Speaker:
00:10:39
In diesem Unternehmen arbeite ich nicht weiter, hier passe ich nicht mehr rein, die
Speaker:
00:10:43
können mich nicht führen oder ich sage mal so ich mach
Speaker:
00:10:46
klare Ansagen und greif in Watte.
Speaker:
00:10:51
Ja und auch ganz Ich mache jetzt mein eigenes
Speaker:
00:10:55
Ding, ich finde jetzt raus, was ich möchte. Okay, ich habe jetzt die ganze Zeit
Speaker:
00:10:59
für den Arbeitgeber das gemacht, ich werde nicht belohnt, ich werde nicht glücklich,
Speaker:
00:11:03
ich komme hier nicht weiter und mein Leben ist
Speaker:
00:11:07
nur dieses eine Jetzt bin ich relativ frisch, jetzt wage ich noch mal was
Speaker:
00:11:10
Neues, kommt vielleicht auch noch in diese Altersstufe rein, weil ich
Speaker:
00:11:14
viele Frauen zwischen, also um die 50 habe, da kommt das ja auch noch
Speaker:
00:11:18
dazu. Ja.
Speaker:
00:11:23
In den Firmen erlebe ich ganz häufig eine
Speaker:
00:11:27
Unklarheit, eine Unvorbereitetheit und auch
Speaker:
00:11:30
eine Sprachlosigkeit.
Speaker:
00:11:34
Wie erlebst du das oder wie erleben das deine
Speaker:
00:11:38
Mitglieder?
Speaker:
00:11:42
Meine Mitglieder haben, weil es vieles, auch
Speaker:
00:11:46
Jobs in der Gesundheitsbranche ist, wo eine gewisse
Speaker:
00:11:52
Sensibilität schon für das Thema gegeben ist,
Speaker:
00:11:57
haben die festgestellt, dass die Arbeitgeber den
Speaker:
00:12:00
Trauernden Raum geben, um sich zu entfalten
Speaker:
00:12:04
und dass sie die Möglichkeit haben, wenn es ihnen nicht
Speaker:
00:12:07
gut geht, nach Hause gehen zu dürfen, dass sie das offen
Speaker:
00:12:12
benennen können. Aber ich kann mir das aus alten
Speaker:
00:12:15
Arbeit, aus alten Angestelltenverhältnissen von mir sehr gut
Speaker:
00:12:19
vorstellen, dass also generell bei den Menschen besteht da ja eine
Speaker:
00:12:22
Sprachlosigkeit, weil jeder, der mit einem Trauernden konfrontiert
Speaker:
00:12:26
wird, reflektiert erstmal, wie er selber mit der Situation umgehen würde.
Speaker:
00:12:30
Und das ist so ein Schock, selber vor diese Endlichkeit gestellt zu werden
Speaker:
00:12:33
von sich oder seinem Partner, dass man diesen Gedanken einfach
Speaker:
00:12:37
nur entfliehen möchte. Und das ist natürlich der Grund, warum
Speaker:
00:12:41
das Umfeld, manches Umfeld so reagiert, wie es reagiert.
Speaker:
00:12:44
Und das kann natürlich fürchterlich nach hinten losgehen, wenn der Arbeitgeber sagt,
Speaker:
00:12:48
Kopf runter und durch die soll sich mal nicht so anstellen, der eine
Speaker:
00:12:52
Tag frei ist jetzt rum und jetzt kann sie mal wieder abliefern.
Speaker:
00:12:57
Damit ist sofort in der Schublade die Kündigung.
Speaker:
00:13:01
Genau, die innerliche Kündigung. Ich habe ja auch gerade Zahlen,
Speaker:
00:13:04
dass jeder Neunte kündigt dann auch, wenn
Speaker:
00:13:08
sowas passiert, dann ist halt generell so die innere
Speaker:
00:13:11
Kündigung sowieso da. Man ist dann auch müde
Speaker:
00:13:15
mitzumachen, also man hat dann keine Lust mehr auf den ganzen Spuk.
Speaker:
00:13:19
Absolut, ja. An der Stelle, es gibt eine
Speaker:
00:13:23
Untersuchungen aus Frankreich aus dem letzten Oktober, also Oktober
Speaker:
00:13:26
25 die gehen sogar von jedem 8,25 oder
Speaker:
00:13:30
8 ein Viertel aus. Und wenn
Speaker:
00:13:34
ich mir einfach die ganzen Untersuchungen angucke
Speaker:
00:13:38
mit Verbundenheit mit dem Unternehmen, das geht ja die ganzen Jahre schon
Speaker:
00:13:41
zurück. Und in dem Moment, wo ich gerade in so einer Extremsituation
Speaker:
00:13:45
allein gelassen werde, weiß ich nicht, ob
Speaker:
00:13:48
ich da noch bleibe. Absolut. Und parallel hat
Speaker:
00:13:52
man gesehen, wie zum Beispiel der Arbeitsplatz
Speaker:
00:13:56
des gerade verstorbenen Ehemannes, der vielleicht auch selber
Speaker:
00:13:59
Geschäftsführer war, Partner in der Firma, das ist sehr oft passiert, der
Speaker:
00:14:03
eigentlich eine wirklich wichtige Position in diesem
Speaker:
00:14:07
Unternehmen hatte. Nach zwei Monaten wird kein
Speaker:
00:14:10
Wort mehr darüber geredet, da wird nicht mehr mit der Witwe geredet. Der Job
Speaker:
00:14:14
ist wegrationalisiert. Und das ist jetzt schon die Position, die, sage ich mal,
Speaker:
00:14:18
wichtig, wichtig ist in Anführungsstrichen. Und ein normaler Angestellter, der Platz ist
Speaker:
00:14:22
nach Monat, ist vergessen. Und wenn du
Speaker:
00:14:26
weißt, dass du so schnell vergessen bist in einem
Speaker:
00:14:29
Angestelltenverhältnis, warum jetzt noch anstrengen?
Speaker:
00:14:33
Ganz klar, ganz klar. Also wir haben ja ganz
Speaker:
00:14:37
bewusst einfach auch Handlungsleitfäden für Führungskräfte gemacht, weil
Speaker:
00:14:40
es sind immer wieder dieselben Themen, die aufstoßen. Und
Speaker:
00:14:44
dann sagen wir eben halt von vornherein, liebe Geschäftsführung, wie
Speaker:
00:14:47
sollen eure Führungskräfte damit umgehen? Und das verschriftlichen
Speaker:
00:14:51
wir, sodass eben jede Führungskraft genau weiß, was gilt in
Speaker:
00:14:55
meinem Unternehmen, Was kann ich anbieten, ohne irgendwo
Speaker:
00:14:59
Kratzfüße zu machen? Nach dem Darf ich denn jetzt zwei Wochen
Speaker:
00:15:02
freigeben? Dann gibt es einen
Speaker:
00:15:05
Geldscheinurlaub, dann muss der Arbeitgeber sowieso bezahlen.
Speaker:
00:15:10
Aber genau deshalb haben wir das auch entsprechend entwickelt.
Speaker:
00:15:15
Und das hat total Sinn Auswirkungen auf ein Team. Wie
Speaker:
00:15:19
kriegst du das bei deinen Frauen mit.
Speaker:
00:15:25
Irgendwie? Das ist spannend. Das sind meistens
Speaker:
00:15:28
Frauenteams, wo die Mädels sind und
Speaker:
00:15:32
da, das ist so wie so ein warmes Netz, in das die reinfallen.
Speaker:
00:15:37
Da wird gibt es Verständnis, Die können nach Hause gehen, wenn sie sich nicht
Speaker:
00:15:40
fühlen. Und gleichzeitig ist dieser innere Druck Ich
Speaker:
00:15:44
muss ja performen. Ich muss jetzt doppelt und dreifach performen, weil dieser Job ist
Speaker:
00:15:48
wichtig. Und für viele ist es auch eine zweite Heimat. Wenn alles zu Hause
Speaker:
00:15:51
wegfällt, dann ist natürlich der Arbeitgeber
Speaker:
00:15:55
oder der Arbeitsplatz, wenn er gut ist, das Einzige, was noch Halt gibt, weil alles
Speaker:
00:15:59
andere ist ja offensichtlich vaporisiert. Ja
Speaker:
00:16:03
klar, klar. Wie gesagt,
Speaker:
00:16:06
wirtschaftliche Situation hat sich verändert, die persönliche
Speaker:
00:16:09
Situation hat sich verändert, die Werte sind auf den Kopf gestellt.
Speaker:
00:16:14
Möglicherweise kann man die Wohnung nicht halten, muss man die Wohnung noch verändern,
Speaker:
00:16:19
wenn dann noch der Job wackelt,
Speaker:
00:16:23
Was steht denn da noch? Absolut,
Speaker:
00:16:27
absolut. Und dann kommt aber parallel noch eine gewisse
Speaker:
00:16:30
Fatalität. Was soll mir denn noch passieren? Das passiert.
Speaker:
00:16:34
Das wird auch oft gesagt, Ich habe das Schlimmste überlebt, mir kann
Speaker:
00:16:38
niemand mehr irgendwas.
Speaker:
00:16:43
Ja, wie du vorhin auch schon
Speaker:
00:16:46
sagtest, Gott sei Dank ist es mir so früh passiert.
Speaker:
00:16:53
Also jetzt lache ich drüber aber damals war es echt schlimm. Aber genau
Speaker:
00:16:56
geschenkt, geschenkt. Was ich
Speaker:
00:17:00
bei dir auf LinkedIn immer wieder gesehen du bietest
Speaker:
00:17:04
für deine Community Retreats an.
Speaker:
00:17:09
Wie ist das eigentlich? Und da kommen wir auch zu einem Punkt, Du hast auch
Speaker:
00:17:12
gesagt, wen es hier im
Speaker:
00:17:16
Augenblick betrifft und uns zuhört, hast du einfach da auch,
Speaker:
00:17:20
ich sag mal, ein Angebot, wo ich denke, das ist einfach klasse.
Speaker:
00:17:24
Was passiert eigentlich bei diesen Retreats? Wie muss ich mir das vorstellen?
Speaker:
00:17:28
Habe ich da jetzt eine Mädelsgruppe von
Speaker:
00:17:32
50 Leuten, von 50 Damen,
Speaker:
00:17:36
die da im Netzwerk sind und du sagst, vom 1. Bis zum 3. März
Speaker:
00:17:39
mache ich einen Retreat? Wer kommt, ist da oder wie läuft das?
Speaker:
00:17:44
Im Prinzip genau so. Also stell dir das nicht so vor,
Speaker:
00:17:48
als wenn da jetzt sechs Frauen sind, die die ganze Zeit konstant
Speaker:
00:17:52
weinen und leiden. Im Gegenteil.
Speaker:
00:17:56
Also der Hintergedanke ist, ich fange mal so an, Du kannst
Speaker:
00:18:00
nur als Community Member bei uns in das Retreat kommen. Der Gedanke
Speaker:
00:18:04
dabei ist dieser, dass du egal wer kommt, du
Speaker:
00:18:07
kennst diese Person schon. Es fängt auch noch eher an, dass ich
Speaker:
00:18:11
die Mitglieder für die Community aussuche, als man hat ein gewisses
Speaker:
00:18:15
Bewerbungsverfahren, dass man mit dabei ist, damit die Gruppe auch
Speaker:
00:18:19
eine gewisse Art von Homogenität hat. Also natürlich
Speaker:
00:18:23
sind nicht alle beste Freunde, aber alle haben sehr gute
Speaker:
00:18:26
Deckungspunkte, kommen klar. Und dann ist das halt auch so, oh, jetzt fliegt
Speaker:
00:18:30
XY nach Zypern. Ich mache die Retreats auf Zypern
Speaker:
00:18:34
in meiner neuen Heimat und gewöhnlich
Speaker:
00:18:37
sind vier bis sechs Frauen dabei und das geht fünf Tage
Speaker:
00:18:41
lang. Jeder kennt sich, das Vertrauen ist da, man hat miteinander sofort
Speaker:
00:18:45
ein Thema zu schnacken und ja, es sind schon viele Freundschaften
Speaker:
00:18:49
passiert entstanden. Die Mädels besuchen sich gegenseitig,
Speaker:
00:18:52
machen gegenseitig irgendwelche Ausflüge und reisen unabhängig von dem
Speaker:
00:18:56
Retreat. Ja, und dann gibt es die absolute Fülle.
Speaker:
00:19:00
Also ich sorge dafür, dass es den Mädels richtig gut geht, mit
Speaker:
00:19:05
vorne bis hinten bekochen machen. Die müssen sich um gar nichts Sorgen machen. Ist so
Speaker:
00:19:08
ein bisschen wie zur Mama kommen, immer steht ein lecker
Speaker:
00:19:12
Frühstück essen da, der ganze Tag ist getaktet oder wir gehen einfach
Speaker:
00:19:16
nur ins Meer und liegen in der Sonne. 320 Sonnentage, das ist nicht
Speaker:
00:19:20
so schwierig und die können da einfach
Speaker:
00:19:24
Leben tanken. Das ist so ein bisschen Urlaub von der Trauer und es wird unfassbar
Speaker:
00:19:27
viel gelacht. Eigentlich wird mehr gelacht als geweint.
Speaker:
00:19:33
Also es ist wie die Klassenfahrt mit den Coolen,
Speaker:
00:19:36
wobei wir jetzt die Coolen sind. Ja.
Speaker:
00:19:42
Und mein Angebot, Du kannst ja. Auch nicht immer nur trauern.
Speaker:
00:19:47
Ne, das der Punkt ist ja, es passiert in einer
Speaker:
00:19:51
Minute ungefähr zehn verschiedene Gefühle gleichzeitig. Das ist so
Speaker:
00:19:55
ein bisschen wie in der Pubertät. Du lachst
Speaker:
00:20:00
wie eine Verrückte und in der nächsten Sekunde musst du schon wieder heulen, dann
Speaker:
00:20:04
lachst du darüber, dann passiert wieder was anderes. Das ist also
Speaker:
00:20:08
deine Gefühle, die machen diesen und dein Hirn ist die
Speaker:
00:20:11
ganze Zeit an. Also es passieren ständig Dinge. Also die
Speaker:
00:20:15
Neuroplastizität, das möchte ich mir gar nicht vorstellen, was in dem Gehirn da alles
Speaker:
00:20:18
vorgeht, ist natürlich furchtbar anstrengend. Also
Speaker:
00:20:22
um neun ist da Schicht neun. Zehn liegt jeder in der Haie
Speaker:
00:20:26
und ist halt auch fertig mit der Welt.
Speaker:
00:20:30
Der Schlag muss jetzt nacharbeiten. Genau,
Speaker:
00:20:33
genauso ist es. Und was mein Angebot
Speaker:
00:20:37
wäre, das wäre speziell für Arbeitgeber, dass
Speaker:
00:20:40
ich, dass die sozusagen diese begleitende Community,
Speaker:
00:20:44
die ich da anbiete, im Grunde genommen für ihre
Speaker:
00:20:48
Arbeitnehmerin bezahlen, also das Abo übernehmen,
Speaker:
00:20:52
weil was passiert? Gewöhnlich ist es ja so, wenn man frisch in der Trauer
Speaker:
00:20:56
ist, am Anfang erzählt man jedem, was passiert ist. Man muss
Speaker:
00:21:00
sich klarreden, dass das passiert ist, weil man sich, weil man das gar nicht
Speaker:
00:21:03
fassen kann. Und irgendwie benutzt man
Speaker:
00:21:07
jedes Gegenüber Trauma Dumping, sage ich mal, als Stichwort, um
Speaker:
00:21:11
diese Geschichte zu erzählen. Und wir Menschen, die anderen Menschen, die damit
Speaker:
00:21:15
nichts zu tun haben, die sind komplett überfordert. Und was
Speaker:
00:21:19
aber passiert, wenn die Mädels in die Community kommen, ist, sie können dort
Speaker:
00:21:22
präsent über die Trauer reden oder wie es
Speaker:
00:21:25
weitergeht, über Mechanismen, was hilft, was in der Trauer hilft, wie man
Speaker:
00:21:29
gerade irgendwelche Dinge, die genau jungen Witwen passieren,
Speaker:
00:21:33
womit die sich rumschlagen müssen, werden dort erörtert. Irgendeiner hat das
Speaker:
00:21:37
schon irgendwie erlebt und es gibt sofort Hilfe. Und das macht,
Speaker:
00:21:40
dass die Mädels die Trauer mit denjenigen besprechen, die es verstehen,
Speaker:
00:21:44
sind zu Hause für ihre Freundinnen, die Freundin.
Speaker:
00:21:48
Okay, ein bisschen verändert natürlich schon, aber es geht nicht mehr hauptsächlich um die Trauer
Speaker:
00:21:52
und natürlich für den Arbeitgeber, weil auch Sachen gelehrt werden
Speaker:
00:21:56
und beigebracht werden, die effektiv notwendig sind für den Job. Also
Speaker:
00:22:00
wir reden über Ki über Dinge, über alles was notwendig
Speaker:
00:22:04
ist, über ja auch, ich sag mal,
Speaker:
00:22:07
Marketing Geschichten, wenn es Selbstständige dabei sind. Also die Themen sind
Speaker:
00:22:11
mannigfaltig, die da zur Sprache kommen und und die,
Speaker:
00:22:15
ich glaube, ich habe noch keine Zahlen, aber ich glaube meine
Speaker:
00:22:19
Mädels, die kommen wesentlich schneller durch die Trauer, als wenn ich mich
Speaker:
00:22:22
selbst vergleiche zum selben Zeitpunkt, weil sie natürlich Zugang zu
Speaker:
00:22:26
massivem Wissen haben. Das eine ist massives
Speaker:
00:22:30
Wissen, also die Zahlen, die hätte ich auch nicht, aber
Speaker:
00:22:34
alleine das, was ich weiß von anderen, kann ich
Speaker:
00:22:38
mir gut vorstellen, dass es da um einen Faktor 2
Speaker:
00:22:42
oder 0,5 schneller durch ist.
Speaker:
00:22:45
Zumal es kommen ja dann einfach auch Fragen, die kann ich ja
Speaker:
00:22:49
jemand ganz anders gar nicht fragen.
Speaker:
00:22:53
Also ich sage jetzt einfach mal so, in dem Moment, wo du mit 41
Speaker:
00:22:56
Witwe geworden bist, da sagst du natürlich auch nicht, ich
Speaker:
00:23:00
gehe jetzt ins kloster, bis ich 100 bin. Das heißt also dann hast du
Speaker:
00:23:04
einen neuen Partner. Wie gehe ich denn jetzt mit der Situation um?
Speaker:
00:23:08
Nur da jemanden zu fragen, der die Situation noch nicht durch hat, der
Speaker:
00:23:11
sagt. Sag mal, geht's noch Ganz genau,
Speaker:
00:23:15
egal was du tust, das ist falsch. Also willst du dir nicht mal einen neuen
Speaker:
00:23:19
suchen oder was jetzt schon. Also du wirst natürlich wieder
Speaker:
00:23:22
gewertet in jeder Himmelsrichtung und wie genau das alles abläuft,
Speaker:
00:23:26
weil die Mädels kommen aus einer langen Beziehung, die waren, ich sag mal,
Speaker:
00:23:30
im Ideal 20 30 Jahre, 10 Jahre weg vom
Speaker:
00:23:34
Markt, alles hat sich verändert. Wie geht denn das jetzt? Wen frage ich denn jetzt?
Speaker:
00:23:38
Die Freundinnen sind meist noch in einer festen Beziehung seit
Speaker:
00:23:42
Jahren, Die sind dann eher düpiert, dass man diese Themen anspricht.
Speaker:
00:23:46
Dann erlebe ich auch oft, dass dann Freundinnen so, ja,
Speaker:
00:23:50
du kannst das ja machen, wo dann so irgendwann später sogar Neid
Speaker:
00:23:54
aufkommt. Das ist auch eine spannende Sache. Ja, bis hin dazu will ich mir jetzt
Speaker:
00:23:57
meinen Partner ausspannen. Auch das ist eine
Speaker:
00:24:01
ganz große Nummer, dass alleinreisende
Speaker:
00:24:05
Witwen beschreiben, dass auf einmal
Speaker:
00:24:08
entweder Freundinnen, Mitreisende oder die am Nachbartisch, wo dann auf
Speaker:
00:24:12
einmal der Ehemann jovial am Buffet da
Speaker:
00:24:15
anrampelt und so, du so heute Abend, was machst du so? Und hinten
Speaker:
00:24:19
so die Ehefrau biestig guckt, alles passiert.
Speaker:
00:24:23
Ja,
Speaker:
00:24:28
Wir könnten Bücher darüber schreiben, das. Kann ich mir
Speaker:
00:24:32
gut vorstellen. Und ja, das ist
Speaker:
00:24:36
ein total wichtiges Thema, weil das brennt natürlich auf den Nägeln und kommt
Speaker:
00:24:39
natürlich als erstes Und in der
Speaker:
00:24:43
Tat ist die Community ja aufgrund dessen
Speaker:
00:24:46
geworden, was sie ist, ein sicherer Bereich, weil mein erstes
Speaker:
00:24:50
und Hauptthema war Sexualität in der Trauer ist ein riesen Tabu
Speaker:
00:24:54
und darüber bekomme ich viele Member.
Speaker:
00:24:58
Ja, ich denke, das ist ja einfach auch,
Speaker:
00:25:02
du musst ja auch die Trauer irgendwie auch ausleben und
Speaker:
00:25:08
bis hin dazu eben halt auch eine neue Lebendigkeit spüren.
Speaker:
00:25:11
Und das ist eben ein ganz klar ein Teil auch Sexualität.
Speaker:
00:25:16
Absolut. Zumal du ja im Herzen,
Speaker:
00:25:20
also du bist ja, oder anders gesagt, die Liebe verändert sich nicht zu dem
Speaker:
00:25:23
verstorbenen Partner, die bleibt, die bleibt immer, aber der Körper ist
Speaker:
00:25:27
der Körper und der Körper will Dinge. Richtig,
Speaker:
00:25:31
richtig, richtig. Und Trauer
Speaker:
00:25:35
heißt für mich einfach auch den vorherigen Lebensabschnitt
Speaker:
00:25:39
einfach auch zu integrieren. Das heißt ja immer auch
Speaker:
00:25:42
Trauer. Und das habe ich ja früher, als ich am Anfang
Speaker:
00:25:46
Pfarrer gewesen bin in den ersten Gemeinden, habe ich auch immer gesagt,
Speaker:
00:25:50
Trauer heißt loslassen. Nein, Trauer heißt nicht loslassen, sondern Trauer heißt
Speaker:
00:25:53
das Gewesene zu integrieren, denn es ist ein Teil von mir, es
Speaker:
00:25:57
bleibt ein Teil von mir, es wird ein Teil von mir sein, aber in der
Speaker:
00:26:00
anderen Form. Absolut. Ich
Speaker:
00:26:04
sage gerne oder wir sagen gerne, wir Mädels, wir haben
Speaker:
00:26:08
eine, ein polyamoröses Verhältnis
Speaker:
00:26:12
mit einem Geist, weil der Partner, der
Speaker:
00:26:15
verstorbene Partner ist immer dabei, der ist in deinem Herzen, die
Speaker:
00:26:18
Liebe lässt nicht nach. Es ist manchmal noch so ein verrücktes
Speaker:
00:26:22
Gedankenspiel. Oh mein Gott, was wäre denn jetzt, wenn in diesem neuen Leben auf
Speaker:
00:26:25
einmal der alte Partner wieder erscheint. Also
Speaker:
00:26:29
und das ist noch mal ein anderes Gedankenspiel, weil es gerne verglichen wird
Speaker:
00:26:33
mit, ja, es ist ja wie mit einer schlimmen Trennung. So eine Trauer ist ja
Speaker:
00:26:36
wie eine schlimme Trennung, aber der getrennte Partner
Speaker:
00:26:40
lebt ja weiter. Der lebt ja wie so eine Möhre vor der Nase da.
Speaker:
00:26:44
Man kann ihn hassen oder man kann ihn noch heimlich anschmachten.
Speaker:
00:26:48
Vielleicht gibt es ja noch eine Möglichkeit, aber der tote Mann ist
Speaker:
00:26:52
und bleibt tot. Richtig,
Speaker:
00:26:56
Ja.
Speaker:
00:27:01
Wie ist das, Wie erlebst du das? Also ich bin ja im
Speaker:
00:27:04
Bundesverband Männertrauer
Speaker:
00:27:07
aktiv und wie erlebst du das an der Stelle? Frauentrauer
Speaker:
00:27:11
und Männertrauer?
Speaker:
00:27:16
Also ich kann mich jetzt persönlich nur auf meine
Speaker:
00:27:19
Statistiken und SEO Ergebnisse stützen.
Speaker:
00:27:23
Oder anders gesagt, also wir haben einen Mann in der
Speaker:
00:27:27
Community, der hat Ausnahmerecht, weil er schwul ist,
Speaker:
00:27:31
weil er hat seinen Partner verloren. So
Speaker:
00:27:35
und ich hatte damals Als ich nach
Speaker:
00:27:38
Suchbegriffen für Google gesucht hab, bin ich über den
Speaker:
00:27:42
Suchbegriff gestolpert, suche Ersatz für meine verstorbene Frau.
Speaker:
00:27:46
Und das war richtig viel, das waren 200 pro Monat.
Speaker:
00:27:50
Also ist für Google Suchbegriff schon sehr schön, sehr gute
Speaker:
00:27:54
Zahl, um eine Seite aufzubauen. Da habe ich gedacht, so das
Speaker:
00:27:57
gucke ich jetzt mal, das Frauenpendant. Ich suche Ersatz für meinen
Speaker:
00:28:01
verstorbenen Mann. Null. Null.
Speaker:
00:28:05
Und das ist das, was ich Zahlen, Daten, faktenmässig
Speaker:
00:28:08
sehe, dass Männer, besonders wenn sie mit kleinen Kindern
Speaker:
00:28:13
noch übrig geblieben sind, dass sie schnell eine Frau suchen, die
Speaker:
00:28:17
sich dann darum kümmert, dass sie schneller in das Operative
Speaker:
00:28:20
gehen. Ich vermute,
Speaker:
00:28:24
natürlich trauern sie auch, natürlich haben sie den Schmerz, um Gottes Willen, aber
Speaker:
00:28:28
sie schieben das auf ein anderes Level nach hinten, wo eine Frau eher
Speaker:
00:28:32
das Reden bereden muss in ihrem Netzwerk. Sie muss sich
Speaker:
00:28:35
klarreden, das auseinanderreden. Und ich vermute,
Speaker:
00:28:39
dass einfach, ich könnte mir vorstellen, dass Männer einfach mit einem
Speaker:
00:28:43
anderen Mann an die Bar gehen, in Whisky trinken und sagen und du so
Speaker:
00:28:47
Prost, so stelle ich mir das vor. Gar nicht mal. Ich glaube eher,
Speaker:
00:28:51
das habe ich mal in einem Interview mit dem Martin
Speaker:
00:28:55
Kreuz rausgearbeitet, dass wir einfach gesehen
Speaker:
00:28:59
haben, Frauen gehen direkt in die Trauer und
Speaker:
00:29:03
sprechen das auch miteinander ab und die Männer müssen sie im Endeffekt
Speaker:
00:29:07
verhackstücken. Nur es hat jeder im Wald nebendran,
Speaker:
00:29:10
wo er die ganze Zeit Holz hacken kann, sondern
Speaker:
00:29:14
die müssen das im Endeffekt ausagieren, ob das jetzt
Speaker:
00:29:18
noch über Fitnessstudio ist oder was oder Mehrarbeit oder
Speaker:
00:29:22
was auch immer. Und in der Regel kommt nach sechs
Speaker:
00:29:25
Monaten die dicke Trauer bzw. Dann auf einmal
Speaker:
00:29:29
das Loch. Und in dem Moment wird
Speaker:
00:29:33
spannend.
Speaker:
00:29:36
Faszinierend. Da kann ich dir noch mit eine Überlappung geben,
Speaker:
00:29:40
weil ich beobachte das auch bei meinen Frauen. In
Speaker:
00:29:44
den ersten halben Jahr ist noch dieser Traumaschutz,
Speaker:
00:29:48
sage ich mal, wo der Körper dich schützt, so vor dem Gefühl und du hast
Speaker:
00:29:51
auch noch die Restenergie von dem Leben davor, Du hast ja so eine gewisse
Speaker:
00:29:55
Energie, dann passiert die Trauer, dann passiert der Tod,
Speaker:
00:29:59
dann machst du die Beerdigung, dann lebst du noch drei, vier, fünf
Speaker:
00:30:03
Monate. Du hast zwar diesen rasenden Schmerz, den hast du, aber
Speaker:
00:30:07
du funktionierst, du kannst das Testament machen, also diese ganzen
Speaker:
00:30:10
Regelungen, die da passieren und nach sechs Monaten oder im ersten
Speaker:
00:30:14
Trauerjahr, nach Ende davon, dann kommt das Loch, dann passiert
Speaker:
00:30:18
irgendein großer Hieb nach unten, da gehe ich mit dir komplett
Speaker:
00:30:22
mit. Ja, und das ist wiederum auch
Speaker:
00:30:25
gut für Personalabteilungen, das zu wissen, dass man eben halt nicht
Speaker:
00:30:29
jemanden als oberste Spitze für das große Vorzeigeprojekt
Speaker:
00:30:33
einsetzt, was genau in 6 Monaten seine Präsentation hat.
Speaker:
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Oh Gott, sehr guter Hinweis. Ich habe übrigens einen sehr schönen
Speaker:
00:30:42
Blogartikel geschrieben, Die Phasen der Trauer, wo das genau jetzt noch mal
Speaker:
00:30:46
neu betrachtet wird, dass gerade das von Frau Kübler
Speaker:
00:30:49
Ross ist schon richtig, aber es gibt neue Erkenntnisse. Es gibt das
Speaker:
00:30:53
fantastische Buch the Griefing Brain, das ist nur
Speaker:
00:30:57
in Englisch rausgekommen, aktuell oder für uns verfügbar. Und da
Speaker:
00:31:01
wird das genau beleuchtet, was in dem Körper so passiert. Und da steht das halt
Speaker:
00:31:04
genau, dass es eher nicht nach einer
Speaker:
00:31:08
Abfolge von Phasen ist, sondern alle Phasen sind gleichzeitig.
Speaker:
00:31:11
Das meinte ich vorhin mit das Hirn macht Lachen, Trauern, Schock,
Speaker:
00:31:15
verhandeln. Genau, also wen das interessiert, das Buch kann ich auch unten
Speaker:
00:31:19
dran verlinken. Das ist
Speaker:
00:31:24
Francis, ich komme, eine Psychologin aus
Speaker:
00:31:28
Arizona. Ganz
Speaker:
00:31:32
genau, die das auch beschrieben hat, dass ein Schmerz, der Schmerz im Körper
Speaker:
00:31:36
ist real, den man da spürt. Du kannst den auch im ganzen Körper
Speaker:
00:31:39
nachweisen, aber keine Stelle. Genau. Und ja,
Speaker:
00:31:43
veränderte Herzraten, veränderte
Speaker:
00:31:45
biometrische Werte. Also das macht
Speaker:
00:31:49
sowas von mit dir. Und ich hatte verschiedene
Speaker:
00:31:52
Schmerzen in meinem Leben, die eigentlich schon reichen. Und das hat dem
Speaker:
00:31:56
Ganzen noch mal das Sahnehäubchen draufgesetzt mit Karamellsoße aus
Speaker:
00:31:59
Schmerz. Absolut, absolut.
Speaker:
00:32:05
Jetzt haben wir viel gesprochen. Wie ist das, wenn ich jetzt
Speaker:
00:32:09
als frische Witwe Unterstützung haben will,
Speaker:
00:32:13
Wie erreiche ich dich eigentlich? Du kommst auch einfach auf
Speaker:
00:32:16
meiner Seite vorbei,
Speaker:
00:32:20
meldest dich idealerweise auf den Newsletter an, schreibst mir über meine
Speaker:
00:32:24
Seite, das sind überall Kontaktformulare und E Mails versteckt. Du
Speaker:
00:32:28
kannst dich direkt, kannst mich kontaktieren, kleinen Austausch,
Speaker:
00:32:32
einfach mal schnacken, worum es geht. Ich biete 1 zu 1 an,
Speaker:
00:32:35
aber das Beste ist wirklich die Community, weil man da das geballte,
Speaker:
00:32:39
ja wie soll ich sagen, Blasenwissen hat.
Speaker:
00:32:43
Ja, Peergroup. Also ich kann nur raten, in die
Speaker:
00:32:46
Community zu kommen, weil das macht was mit dir. Und der Newsletter,
Speaker:
00:32:50
der kommt jeden Montag früh um acht. Der Champagner
Speaker:
00:32:54
Newsletter habe ich so genannt, weil die Champagner,
Speaker:
00:32:59
wer es kennt, Witwe Kliko heißt das ja übersetzt
Speaker:
00:33:02
Und damals die ganzen Champagnerhäuser haben ja die Frauen
Speaker:
00:33:06
geführt, weil die Männer auf obskure Weise so oder so gestorben
Speaker:
00:33:09
sind. Und damals halt im 17. 18. Jahrhundert hattest du als Witwe
Speaker:
00:33:13
plötzlich die Rechte eines Mannes. Und deswegen haben
Speaker:
00:33:17
Witwen da so einen Sonderstatus. Deswegen heißt der Champagner Newsletter. Und da
Speaker:
00:33:21
gibt es halt jede Woche Tipps, Ideen, Gedanken,
Speaker:
00:33:24
wie man halt in seinem Alltag irgendwie mit der Trauer
Speaker:
00:33:28
klarkommt, das besser verarbeitet. Das sind so klitzekleine Gedanken und ein
Speaker:
00:33:31
bisschen Humor, damit man mal wieder lachen kann. Also positive
Speaker:
00:33:35
Gedanken, weil das ist, was ich tue. Ich nehme was
Speaker:
00:33:39
Negatives, ich drehe es ins Positive. Das ist im Grunde genommen meine
Speaker:
00:33:43
Magie, die ich auch in der Community anwende. Alle kommen
Speaker:
00:33:47
mit einem Weinegesicht, wie meine Freundin sagen würde, rein und gehen
Speaker:
00:33:51
lachend wieder raus. Ich sag mal ganz, ganz
Speaker:
00:33:54
herzlichen Dank, liebe Dana. Danke, dass ich bei dir
Speaker:
00:33:58
sein durfte. Mega. Und schauen wir mal,
Speaker:
00:34:02
was wir als nächstes da irgendwo mal aushecken. Vielleicht gibt es
Speaker:
00:34:05
noch was zusammen. Und
Speaker:
00:34:09
liebe Hörerinnen und Hörer, wenn ihr
Speaker:
00:34:13
noch Fragen habt und es einfach erstmal nicht mitgeschrieben habt, dann
Speaker:
00:34:17
kriegt ihr es auf jeden Fall unter podcastrauermanager
Speaker:
00:34:21
de. Und wenn es dann Fragen an dich sind, Dana, gebe ich das
Speaker:
00:34:25
gerne weiter. Ich sage ganz herzlichen Dank.
Speaker:
00:34:29
Super, Vielen Dank, dass ich bei dir sein durfte. Ganz liebe Grüße nach
Speaker:
00:34:33
Deutschland. Ich freue mich auf unsere weitere Zusammenarbeit. Vielleicht machen
Speaker:
00:34:37
wir Retreat in Nachbarhäusern. Links die Männer, rechts die Frauen.
Speaker:
00:34:42
Wer weiß, wer weiß, wer weiß. Viele Ideen sind da noch. Genau.
Speaker:
00:34:45
Schön. Ich danke dir.