Speaker:
00:00:01
Viele haben schon von der Notfallseelsorge oder
Speaker:
00:00:05
von der PSNV, psychosozialen Notfallversorgung,
Speaker:
00:00:09
gehört. Was ist das?
Speaker:
00:00:12
Kommen die auch ins Unternehmen?
Speaker:
00:00:16
Darum geht es heute. Und wenn sie im Unternehmen
Speaker:
00:00:20
sind, was machen sie? Wie lange bleiben sie? Und wann gehen sie wieder? Aber
Speaker:
00:00:24
da kommt man näher drauf. Liebe Hörerinnen und Hörer,
Speaker:
00:00:27
schön, dass ihr wieder mit dabei seid bei Das schwere Leid
Speaker:
00:00:31
gesagt, dem Podcast des Trauermanagers. Und mein
Speaker:
00:00:35
Name ist Stefan Mundt und ich begrüße euch ganz herzlich
Speaker:
00:00:39
zu dieser Runde. Und ich begrüße ganz herzlich
Speaker:
00:00:43
Heiko Schipper. Heiko Schipper ist
Speaker:
00:00:48
Notfallseelsorger, und das schon viele Jahre. Das wird er gleich noch
Speaker:
00:00:52
mal vielleicht direkt was sagen. Und ich kann so viel sagen,
Speaker:
00:00:56
er ist im Bereich Mannheim-Ludwigshafen, ist
Speaker:
00:01:00
Gemeindepfarrer, aber ehrenamtlich aktiv bei der
Speaker:
00:01:03
Notfallseelsorge. Ja, lieber Heiko, ganz, ganz herzlich
Speaker:
00:01:07
willkommen hier im Podcast. Ja, hallo,
Speaker:
00:01:10
freue mich, dass ich hier sein darf. Wie
Speaker:
00:01:14
kommt man eigentlich zur Notfallseelsorge? Kann man sich da bewerben?
Speaker:
00:01:20
Also ich bin ja schon relativ lange bei der
Speaker:
00:01:23
Notfallseelsorge. Ich bin in den 90er-Jahren dazu gekommen,
Speaker:
00:01:27
da war die Notfallseelsorge noch in den Anfängen. Angefangen hat das hauptsächlich
Speaker:
00:01:31
in der Pfalz, als in
Speaker:
00:01:34
Ramstein dieses große Unglück war, wo bei einer
Speaker:
00:01:37
Flugschule Flieger ineinander
Speaker:
00:01:41
geflogen sind und Menschen dabei zu Tode gekommen sind und verletzt
Speaker:
00:01:45
wurden und man dann gemerkt hat, wir brauchen eigentlich mehr als nur
Speaker:
00:01:49
Rettung, Polizei und Feuerwehr. Und da hat sich
Speaker:
00:01:53
dann Notfallseelsorge gebildet. Und am Anfang war das so ein bisschen so,
Speaker:
00:01:57
dass man in der Landeskirche natürlich dann gefragt hat, wer kann das machen,
Speaker:
00:02:00
wer ist bereit dazu. Und da die Seelsorge mir schon immer sehr,
Speaker:
00:02:04
sehr wichtig war, bin ich da sozusagen dazu gekommen. Damals hat man gefragt.
Speaker:
00:02:08
Konntest du nicht nein sagen, okay. Genau, ich konnte nicht nein sagen, mal
Speaker:
00:02:11
wieder mein Sprachfehler, den ich da hatte. Ja,
Speaker:
00:02:15
genau. Das war damals noch so, dass man in der
Speaker:
00:02:19
Landeskirche gesagt hat, ein Pfarrer kann alles, und die Notfallseelsorge, das machst
Speaker:
00:02:23
du mal grad noch so nebenbei ohne Ausbildung, ohne alles. Das hat sich
Speaker:
00:02:26
mittlerweile geändert. Wir haben also
Speaker:
00:02:30
eine Ausbildung, die über mehrere Monate
Speaker:
00:02:34
geht, und es ist eigentlich auch so, dass es nicht unbedingt Pfarrer sein
Speaker:
00:02:37
müssen. Im Gegenteil, wir haben im Moment mehr Laien als
Speaker:
00:02:41
Hauptamtliche, also als Pfarrer. Also jeder, der
Speaker:
00:02:45
sozusagen ein Interesse hat an der Notfallseelsorge, kann
Speaker:
00:02:49
sich dafür mal interessieren, kann hingehen, kann ein Gespräch führen,
Speaker:
00:02:53
und da wird dann eben geguckt, ist das überhaupt was für mich? Und dann macht
Speaker:
00:02:56
man eine Ausbildung, die Theorie und auch
Speaker:
00:02:59
Praxis beinhaltet. Ich habe da angefangen in
Speaker:
00:03:03
Pirmasens, und wie gesagt, im Moment bin ich im Notfallseelsorgesystem
Speaker:
00:03:07
Ludwigshafen. Wir bilden so den Rhein-Pfalz-Kreis
Speaker:
00:03:11
ab und natürlich, wenn in Mannheim oder in den umliegenden
Speaker:
00:03:15
Systemen Not am Mann ist, zum Beispiel da vor einem Jahr
Speaker:
00:03:19
an Rosenmontag in Mannheim, waren wir natürlich auch dabei.
Speaker:
00:03:24
Ihr gehört ja zu den wenigen, die telefonisch erreichbar sind,
Speaker:
00:03:28
aber keine Telefonnummer haben. Wie werdet ihr eigentlich
Speaker:
00:03:31
verständigt? Genau, also Notfallseelsorge ist
Speaker:
00:03:35
es ein bisschen anders, als wenn ich jetzt mir, wenn ich bei der Feuerwehr oder
Speaker:
00:03:38
bei der Polizei Anruf oder im Krankenhaus vielleicht bei der
Speaker:
00:03:42
Notaufnahme. Wir sind also dem
Speaker:
00:03:45
Katastrophenschutz zugeordnet und wir sind eigentlich nur für die
Speaker:
00:03:49
Einsatzkräfte erreichbar. Wir werden über die Rettungsleitstelle
Speaker:
00:03:53
alarmiert, wir haben da so einen Melder, der dann
Speaker:
00:03:58
eben im Extremfall, im Notfall losgeht, und in
Speaker:
00:04:02
der Regel werden wir auch nur von Einsatzkräften sozusagen angefordert.
Speaker:
00:04:06
Also wenn Es ist nicht so, dass jetzt jemand da hingeht und sagt, ach, ich
Speaker:
00:04:09
könnte mal, mir geht's irgendwie ein bisschen schlecht, ich könnte mir mal eine Notfallseelsorge
Speaker:
00:04:13
holen, weil kein Psychologe in der Nähe ist. Das funktioniert also nicht.
Speaker:
00:04:19
In der Regel ist es so, dass eben Notarzt,
Speaker:
00:04:23
eben Polizei, Sanitäter oder so,
Speaker:
00:04:27
dass die eben dann entscheiden, wir brauchen
Speaker:
00:04:30
Notfallseelsorge. Dann melden die das an die Rettungsleitstelle und die
Speaker:
00:04:34
informiert uns dann.
Speaker:
00:04:38
Und wenn ich jetzt einfach an ein
Speaker:
00:04:41
Unternehmen denke, du warst sicherlich in all den Jahren
Speaker:
00:04:45
auch schon in Unternehmen zum Notfalleinsätzen. Kannst du da
Speaker:
00:04:49
einfach mal Stichworte, du musst keinen Namen nennen, aber was wäre das zum
Speaker:
00:04:52
Beispiel? Also was wir schon hatten, sind
Speaker:
00:04:56
zum Beispiel Arbeitsunfälle, dass Menschen wirklich zu
Speaker:
00:05:00
Tode gekommen sind, das ist eigentlich so Arbeitsunfälle,
Speaker:
00:05:04
wo jemand zu Tode gekommen ist und wir dann
Speaker:
00:05:08
sozusagen alarmiert werden. Und wir kommen dann auch in das Unternehmen
Speaker:
00:05:12
und kümmern uns sozusagen um Kollegen, um Zeugen vor allen
Speaker:
00:05:16
Dingen. Also im Grunde ist Notfallsaison ja vor allen Dingen für diejenigen
Speaker:
00:05:20
da, die für andere Rettungskräfte jetzt mal, sag ich mal, nicht so
Speaker:
00:05:23
interessant sind. Also wenn jetzt jemand als
Speaker:
00:05:27
Zeuge dabei war oder sehr, sehr guter Kollege,
Speaker:
00:05:31
ist oder es vielleicht auch irgendwie sonst mitbekommen hat, aber
Speaker:
00:05:35
selber kein medizinischer Notfall ist oder
Speaker:
00:05:38
sonst etwas, schaut vielleicht der Notarzt einmal kurz drüber, sagt:
Speaker:
00:05:42
Alles in Ordnung, dem Mann geht's gut oder der Frau. Aber natürlich
Speaker:
00:05:46
ist klar, die Bilder kriegt man so schnell nicht wieder aus dem Kopf. Und dann
Speaker:
00:05:49
ist es eben sinnvoll, dass dann eben auch
Speaker:
00:05:53
eine Notfallseelsorge kommt, um gerade diese Menschen zu betreuen. Und
Speaker:
00:05:56
da kann es zum Beispiel auch mal sein, dass jemand natürlich auch mal sagt:
Speaker:
00:06:01
Wenn jemand Bescheid weiß und natürlich so einer
Speaker:
00:06:04
Einsatzkraft sagen kann, ich glaube, es wäre gut, ich hätte
Speaker:
00:06:08
jemanden, und dann merken die, spätestens dann
Speaker:
00:06:12
fordern die uns auch wirklich an. Weil manchmal, das war auch noch
Speaker:
00:06:15
so ein Problem, dass am Anfang die Rettungskräfte gedacht
Speaker:
00:06:19
haben, was sollen wir mit denen, ich brauche da jetzt keinen Quacksalber.
Speaker:
00:06:23
Und dann gab es natürlich auch ganz viele Kollegen, die im Eifer des Gefechts natürlich
Speaker:
00:06:27
da reingekommen sind und gesagt haben, so, Jetzt bin ich hier da und jetzt
Speaker:
00:06:30
mach ich mal. Und das läuft bei Einsätzen halt ein bisschen anders.
Speaker:
00:06:34
Das ist wie überall, dass man natürlich als Notfallseelsorger nicht einfach
Speaker:
00:06:38
loslegt, sondern erstmal die Einsatzleitung fragt.
Speaker:
00:06:41
Wenn es jetzt in einer Firma ist,
Speaker:
00:06:45
natürlich auch mal schaut, auch Geschäftsleitung oder
Speaker:
00:06:48
sonst wer, dass man sich da auch erstmal vorstellt, dass die auch wissen, wer
Speaker:
00:06:52
eigentlich da im Haus ist und was die da eigentlich machen. Das ist
Speaker:
00:06:56
ganz, ganz wichtig, dass man nicht einfach da reingeht. Und das hat sich
Speaker:
00:06:59
mittlerweile aber geändert, also zumindest kann ich es für den Raum Ludwigshafen,
Speaker:
00:07:03
Mannheim, Speyer und so weiter sagen. Die Einsatzkräfte wissen
Speaker:
00:07:07
mittlerweile, was sie an uns haben. Was natürlich für uns manchmal ein
Speaker:
00:07:10
bisschen den Nachteil hat, dass wir relativ häufig angefordert werden. Also die
Speaker:
00:07:14
Meldungen, die Einsatzsätze gehen doch relativ hoch und das
Speaker:
00:07:18
wird also langsam auch für
Speaker:
00:07:21
Ehrenamtliche doch nicht ganz so einfach. Aber wir schaffen das, wir sind ein
Speaker:
00:07:24
größeres Team und das ist schon, das funktioniert recht
Speaker:
00:07:28
gut. Ja, aber sagt mir mal, welches Volumen habt ihr ungefähr? Wie
Speaker:
00:07:32
viel Mal werdet ihr im Monat oder im Jahr gerufen?
Speaker:
00:07:36
Also sagen wir mal so, ich habe jetzt gerade zwei Einsatzwochen
Speaker:
00:07:40
als Hintergrunddienst. Wir haben das so aufgeteilt, der A-Dienst
Speaker:
00:07:44
geht bei dem Alarm raus, der B-Dienst bleibt im Hintergrund,
Speaker:
00:07:48
ist sozusagen die Einsatzleitung. Kann ja passieren, man geht in
Speaker:
00:07:52
so ein Unternehmen und hat dann plötzlich 4, 5
Speaker:
00:07:55
Zeugen, um die man sich kümmern muss, und das geht ja nicht. Das heißt, wir
Speaker:
00:07:58
müssen nachalarmieren. Dafür bin ich dann zuständig. Und ich hatte
Speaker:
00:08:02
jetzt zum Beispiel in den 2 Wochen, hatte ich jetzt 5 Einsätze.
Speaker:
00:08:07
In der Regel kann man sagen, 2 bis 3 Einsätze pro Woche sind mittlerweile
Speaker:
00:08:11
normal. In Unternehmen ist es jetzt nicht ganz so
Speaker:
00:08:15
häufig, eher ist es Überbringung einer Todesnachricht,
Speaker:
00:08:19
erfolglose Reanimation, das ist so das Häufigste.
Speaker:
00:08:23
Was wir haben, aber natürlich Suizid oder so was kann dann auch mal vorkommen und
Speaker:
00:08:26
das kann natürlich auch in einem Unternehmen auch mal passieren im Extremfall.
Speaker:
00:08:32
Ja, ja. An der Stelle einfach noch mal für unsere Zuhörerinnen und Zuhörer,
Speaker:
00:08:36
in dem Moment, wo ihr dabei seid und es um die
Speaker:
00:08:40
Zeugen geht, dann kann das in diesem Moment
Speaker:
00:08:44
auch für diese Zeugen ein Arbeitsunfall sein.
Speaker:
00:08:47
Das ist vielen nicht bewusst, es ist nicht nur der Mitarbeiter, der jetzt da
Speaker:
00:08:51
liegt, und der Notarzt kniet sich über ihn drüber,
Speaker:
00:08:55
sondern das können ganz genauso die Augen und die Ohren
Speaker:
00:08:58
Zeugen sein, die ihr dann hoffentlich in einem
Speaker:
00:09:02
separaten Raum begleiten könnt.
Speaker:
00:09:06
Ganz genau. Das immer mit bedenken. Ja, ganz genau.
Speaker:
00:09:10
Das ist auch wichtig, weil man immer sagt, ach, der hat das halt nur gesehen,
Speaker:
00:09:13
hat das gesehen, der kommt schon wieder drüber weg. Hoffen wir ja auch
Speaker:
00:09:17
alle darauf, arbeiten wir ja auch hin. Aber man muss schon sehen, dass
Speaker:
00:09:21
gerade solch, dass Dass das zumindest mal aufgearbeitet
Speaker:
00:09:25
werden muss. Was viele auch bei uns nicht so ganz wissen, ist, dass wir im
Speaker:
00:09:28
Grunde agieren wie Notärzte. Das heißt, wir sind nur für den
Speaker:
00:09:32
Notfall zuständig. Wenn wir gerufen
Speaker:
00:09:36
werden, dann fahren wir eben diesen Einsatz, kümmern uns um die
Speaker:
00:09:40
Leute, aber eine Nachbereitung oder so was ist in der Regel nicht vorgesehen. Das
Speaker:
00:09:43
würden wir auch gar nicht schaffen. Also in dem Falle
Speaker:
00:09:47
haben wir dann Adressen oder so was, wo wir gerne auch behilflich sind,
Speaker:
00:09:51
da weiter zu vermitteln, auch
Speaker:
00:09:55
damit die Menschen auch weiterhin Hilfe bekommen.
Speaker:
00:09:59
Ja klar, gerade in dem Moment, wo du so ein Ereignis hast, und
Speaker:
00:10:03
ich habe letzte Woche mit der entsprechenden Dame bei der
Speaker:
00:10:07
Bundesbahn gesprochen, wenn es da eben halt zu einem
Speaker:
00:10:10
Einsatz, Notfalleinsatz am Gleis kommt, dann sind ja auch dann die
Speaker:
00:10:14
Zugführer sehr, sehr betroffen, und die sagte eben halt
Speaker:
00:10:18
auch, wir müssen da so schnell wie möglich reingehen, um
Speaker:
00:10:21
um diesen Menschen mit zu entlasten.
Speaker:
00:10:26
Denn es könnte ja dann nachher sonst eine PTBS kommen,
Speaker:
00:10:29
sprich, derjenige hat, das sage ich jetzt mit meinen
Speaker:
00:10:33
Worten, noch lange im Kopf, wie waren die Bilder, wie waren
Speaker:
00:10:37
die Töne, wie waren die Gerüche. Ja, genau. Das braucht ja
Speaker:
00:10:40
keiner. Ja, oder dass man eben auch sagt,
Speaker:
00:10:44
bestimmte Arbeitssituationen dann vielleicht
Speaker:
00:10:48
für manche Leute problematisch sind, weil bei dem Kollegen, bei der
Speaker:
00:10:51
Arbeitssituation oder bei dem Arbeitsschritt eben der Unfall passiert ist,
Speaker:
00:10:55
dass man dann plötzlich Probleme hat, da seine Arbeit zu verrichten. Und
Speaker:
00:10:59
da ist es ganz wichtig, dass man von Anfang an und ziemlich schnell auch
Speaker:
00:11:02
da etwas unternimmt.
Speaker:
00:11:06
Und da ist es eben, wie du gerade eben auch schon gesagt hast,
Speaker:
00:11:10
für uns auch ganz wichtig, das ist für Unternehmen im Grunde auch wichtig, wenn wir
Speaker:
00:11:13
kommen, brauchen wir einen Raum, der erstmal
Speaker:
00:11:17
geschützt ist. Dass wir uns nicht da einfach irgendwo reinsetzen
Speaker:
00:11:21
und da rennt Feuerwehr, Polizei oder Sanitäter rennen da rum
Speaker:
00:11:25
oder Irgendwelche Mitarbeiter hören da mit, sondern es muss wirklich einen
Speaker:
00:11:28
vertraulichen Raum geben, wo wir uns zurückziehen können,
Speaker:
00:11:32
wo man in Ruhe auch einmal reden kann. Das Wichtigste ist ja, dass
Speaker:
00:11:36
die Menschen auch erst mal bisschen runterkommen und zur Ruhe kommen. Das ist
Speaker:
00:11:40
nur in einem separaten Bereich möglich. Wir brauchen da keinen
Speaker:
00:11:43
Konferenzraum oder sonst etwas. 2 Tische, 2 Stühle, reicht das
Speaker:
00:11:47
schon fast. Aber wichtig ist, dass wir einen geschützten Raum haben, wo
Speaker:
00:11:51
man wo auch der Mitarbeiter dann oder Zeuge oder sonst wer weiß,
Speaker:
00:11:56
alles, was jetzt hier gesprochen wird, bleibt unter uns.
Speaker:
00:12:00
Ja, das ist das eine. Und das andere ist einfach auch, wie du
Speaker:
00:12:04
eben schon sagtest, du musst die Leute erst mal runterkriegen. Also möglicherweise einfach auch
Speaker:
00:12:07
noch mal, jetzt begleiten Sie mich beim Atmen,
Speaker:
00:12:11
langsam zu atmen, dass du einfach aus dieser Hyperventilierung
Speaker:
00:12:15
rauskommst, zum Beispiel. Ja, jetzt, dass da einer an dieser Stelle
Speaker:
00:12:19
allein schon so viel Sauerstoff im Kopf hat,
Speaker:
00:12:22
austickt. Ja, genau.
Speaker:
00:12:27
Was macht ihr dann sonst noch? Ja,
Speaker:
00:12:31
manch einer hat ja vielleicht so diesen Gedankengang, naja, jetzt kommt die Kirche von der
Speaker:
00:12:34
Notfallseelsorge, jetzt bringen die die Bibel mit und so weiter und so fort. Aber so
Speaker:
00:12:38
ist es ja auch nicht. Was macht ihr? Wie muss ich mir
Speaker:
00:12:42
das vorstellen? Jetzt ist da ein schwerer Arbeitsunfall, ihr seid
Speaker:
00:12:46
jetzt vor Ort, was passiert in dem Moment? Was macht ihr?
Speaker:
00:12:50
Also, um das auch noch mal ganz klar zu sagen, also wir sind ein
Speaker:
00:12:53
christliches Angebot, es ist
Speaker:
00:12:57
auch klar, dass wir von der Kirche kommen, es gibt auch noch andere Kids von
Speaker:
00:13:00
der DAK und so weiter, die da ein bisschen anders arbeiten, aber es ist natürlich
Speaker:
00:13:03
ganz logisch, dass wir nicht mit der Bibel in der Hand
Speaker:
00:13:07
erstmal kommen, es geht uns auch überhaupt nicht darum, ob derjenige jetzt Christ ist
Speaker:
00:13:11
oder nicht oder ob wir das gerne hätten, dass er Christ wird, das interessiert
Speaker:
00:13:15
uns in dem Moment überhaupt nicht, sondern es geht wirklich um
Speaker:
00:13:18
den Menschen. Natürlich ist es so, dass wir
Speaker:
00:13:22
als Notfallseelsorger und als Pfarrer sowieso auch noch mal so eine
Speaker:
00:13:26
spirituelle und geistliche Kompetenz mitbringen, die wir aber nur
Speaker:
00:13:30
einsetzen, wenn wir den Eindruck haben, dass das für den
Speaker:
00:13:34
Betroffenen auch wirklich Sinn macht oder ihm auch wirklich
Speaker:
00:13:37
hilft. Also es ist ganz klar, so werden auch die Leute wirklich
Speaker:
00:13:41
bei uns auch geschult. Dass es erst mal nur
Speaker:
00:13:45
drum geht, die Menschen zu stabilisieren. Also dass wir einfach schauen,
Speaker:
00:13:49
wie— Es gibt ja Leute, die sitzen einfach da und
Speaker:
00:13:53
sagen erst mal gar nichts. Dass wir einfach mal schauen, wie kriegen wir diese Leute
Speaker:
00:13:57
dazu, dass sie mal anfangen zu erzählen. Dass es halt einfach auch erst mal
Speaker:
00:14:00
rauskommt. Das ist ja immer das Allerwichtigste. Dass sie mal
Speaker:
00:14:03
erzählen können. Und meistens ist es dann schon oft so, dass Menschen
Speaker:
00:14:07
dann merken, es wird ein bisschen leichter. Wenn ich es einfach schon einmal
Speaker:
00:14:11
erzählt habe. Und dann kann es natürlich ganz unterschiedlich sein,
Speaker:
00:14:16
dass wir auch fragen müssen, sollen wir sonst noch
Speaker:
00:14:20
jemanden informieren? Wir haben es auch schon gemacht, dass wir auch mit
Speaker:
00:14:23
Leuten dann noch kurz nach Hause fahren, dass sie das
Speaker:
00:14:28
zum Beispiel auch nicht alleine irgendwo jemandem erzählen müssen, sondern dass wir sagen,
Speaker:
00:14:31
wir sind dabei, wir unterstützen dich da.
Speaker:
00:14:36
Und sowas halt. Aber wie gesagt, in der Regel ist es sehr, sehr individuell und
Speaker:
00:14:40
da legen wir auch großen Wert drauf. Wir kommen also nicht mit vorgefertigten
Speaker:
00:14:45
Meinungen oder Antworten oder so und wie gesagt, das
Speaker:
00:14:48
Spirituelle, das setzen wir im Grunde nur
Speaker:
00:14:52
ein, wenn die Leute das entweder gerne hätten
Speaker:
00:14:56
oder wenn wir irgendwie den Eindruck haben, dass das so ist. Aber ansonsten spielt das
Speaker:
00:15:00
gar keine Rolle. Also es wird auch bei uns immer mehr, dass wir auch
Speaker:
00:15:04
mit Menschen zu tun haben, die eben muslimischen Glaubens sind oder so, da haben wir
Speaker:
00:15:08
dann auch eine Fachkraft bei uns, die wir im Notfall da auch noch mit
Speaker:
00:15:11
involvieren können. Oftmals ist es dann ja auch manchmal auch eine
Speaker:
00:15:14
Sprachbarriere, wenn man in irgendeiner Familie ist, und
Speaker:
00:15:18
da sind wir also relativ gut aufgestellt.
Speaker:
00:15:23
Wir haben auch zum Beispiel in unserem System einen Psychologen, der hauptsächlich auch
Speaker:
00:15:27
Kinderpsychologe ist, und wenn wir zum Beispiel
Speaker:
00:15:30
den Eindruck haben, das ist jetzt wirklich etwas, da sollte man Fachmann als
Speaker:
00:15:34
Psychologe ran, dann ist das natürlich für uns auch ganz klar,
Speaker:
00:15:38
wir können viel, aber das können wir halt nicht, das haben wir nicht in dem
Speaker:
00:15:41
Sinne gelernt, und dann kommt eben auch ein Fachmann. Das ist auch ganz,
Speaker:
00:15:45
ganz wichtig für uns, dass wir nicht meinen als Notfallseelsorger, so, wir kommen jetzt
Speaker:
00:15:49
und jetzt können wir da alles und das kriegen wir schon irgendwie wieder gewuppt.
Speaker:
00:15:53
Nein, da ist ganz klar, dass man auch seine eigenen Grenzen
Speaker:
00:15:56
kennt. Ja, und in dem Moment auch sagen
Speaker:
00:15:59
muss, das kann ich und das kann ich nicht. Genau, genau,
Speaker:
00:16:03
das ist ganz, ganz wichtig, dass man sich das immer wieder klar macht. Wenn man
Speaker:
00:16:07
irgendwie den Eindruck hat, dass da was, was Schlimmeres ist, dass man
Speaker:
00:16:10
dann auch wirklich sagt, entweder man zieht noch jemanden dazu oder sagt,
Speaker:
00:16:14
ich empfehle dringend, da
Speaker:
00:16:18
auch Therapie oder sowas zu machen. Und das wird dann auch,
Speaker:
00:16:23
wenn der, wenn das dem, dem Klienten, also für ihn okay ist, auch
Speaker:
00:16:27
kommuniziert, dann
Speaker:
00:16:31
Wie ist das? Wir haben ja auch, also ich weiß zum Beispiel von zwei
Speaker:
00:16:34
Situationen, das war in dem Moment ähnlich
Speaker:
00:16:38
jetzt wie hier bei uns. Das war ein Zoom-Call mit verschiedenen
Speaker:
00:16:42
Beteiligten und einer bekommt einen Impact.
Speaker:
00:16:45
Hattest du so was auch schon mal nach dem Motto, jetzt habe ich die Leute
Speaker:
00:16:48
nicht in einem Raum, in einer Firma, sondern
Speaker:
00:16:53
ja, Der eine ist dort noch am Fernseher oder am
Speaker:
00:16:56
Bildschirm und der ist dort noch am Bildschirm. Kann da notfalls die Sorge auch
Speaker:
00:17:00
helfen? Also sagen wir mal so, wir hatten, den Fall
Speaker:
00:17:04
hatte ich bis jetzt noch nicht gehabt. Also wir hatten
Speaker:
00:17:08
es schon einmal, dass mal so, wenn es
Speaker:
00:17:12
um Schule oder was ging, mit Amoklauf und so,
Speaker:
00:17:15
da hatte man das schon einmal, dass man da so im Grunde so eine Art
Speaker:
00:17:18
Gruppensitzung gemacht haben. Das ist allerdings dann auch etwas, was was auch nicht
Speaker:
00:17:22
jeder Notfallseelsorger so kann. Und wenn es jetzt
Speaker:
00:17:25
ein Einzelgespräch sein soll, ist es natürlich schwierig in der Zoom-Sitzung,
Speaker:
00:17:29
weil die anderen hören ja mit. Da müsste man dann eben sagen, Leute,
Speaker:
00:17:33
wichtig, der oder der ist
Speaker:
00:17:36
involviert. Also auch da ist es wieder nötig, so
Speaker:
00:17:40
einen Raum zu schaffen, der auch geschützt
Speaker:
00:17:44
ist. Nicht ganz
Speaker:
00:17:48
so einfach, aber grundsätzlich ist es schon so, dass wir
Speaker:
00:17:52
also die vielfältigsten Einsätze haben. Da ist also auch schon einiges gewesen,
Speaker:
00:17:55
wo man sagt, das ist jetzt nicht so klassisch, aber wir sind in der Regel,
Speaker:
00:17:59
versuchen wir den Menschen zu helfen, so gut wir können.
Speaker:
00:18:05
Du sagtest vorhin, wir sind nicht für die Nachsorge zuständig.
Speaker:
00:18:09
Wie lange seid ihr eigentlich in dem Moment vor Ort, wenn ihr gerufen werdet?
Speaker:
00:18:13
Also das ist wirklich sehr, sehr unterschiedlich. Also ich sag immer,
Speaker:
00:18:17
manche sagen ja, wie, das ist doch wahnsinnig schwer, so
Speaker:
00:18:20
Notfallseelsorge zu beginnen. Finde ich überhaupt nicht. Ich finde es schwer, ihn zu
Speaker:
00:18:24
beenden. Das ist eigentlich eher so die Frage, wann gehe ich
Speaker:
00:18:28
als Notfallseelsorger? Also so ganz klassisch sagt man
Speaker:
00:18:31
natürlich, wenn man zum Beispiel irgendwo eine Todesnachricht
Speaker:
00:18:35
überbringt und die Familie kommt und die Menschen sind nicht
Speaker:
00:18:38
alleine und so weiter, dann kann man gehen. Also wir haben
Speaker:
00:18:42
Notfallseelsorgeeinsätze, die dauern eine halbe Stunde oder eine Stunde.
Speaker:
00:18:45
Wir haben Notfallseelsorgeeinsätze gehabt, die haben 8 Stunden gedauert.
Speaker:
00:18:49
Das ist auch schon vorgekommen, dass wir tatsächlich auch dann einen Notfallseelsorger
Speaker:
00:18:53
austauschen mussten. Ja, weil es
Speaker:
00:18:57
ganz manchmal, oder wir hatten es auch schon, dass man dann eben, wenn jemand einen
Speaker:
00:19:00
Schlaganfall hatte, man hat die Frau ins Krankenhaus begleitet, die
Speaker:
00:19:04
Angehörige, dann hat man natürlich gewartet, bis die bis die Ärzte, bis
Speaker:
00:19:08
irgendwas klar ist, wie geht's jetzt weiter und so, und das kann manchmal
Speaker:
00:19:12
schon dauern, oder wir haben auch schon bei, wenn jemand jetzt
Speaker:
00:19:16
so verstorben ist, dann haben wir auch gewartet, bis der Bestatter kommt und der abgeholt
Speaker:
00:19:20
wird, und das kann manchmal 3, 4, 5 Stunden dauern, weil ja erst der medizinische
Speaker:
00:19:24
Dienst noch kommen muss, und der kommt ja auch nicht in 10 Minuten und
Speaker:
00:19:27
so weiter. Also in der Regel ist das eine
Speaker:
00:19:31
Sache, wo wir das abschätzen müssen, Wo wir sagen,
Speaker:
00:19:35
also wir sagen immer, wenn die Menschen einigermaßen
Speaker:
00:19:38
einen stabilen Eindruck machen, wenn sie nicht alleine sind, wenn sie
Speaker:
00:19:42
jemanden haben, der auch
Speaker:
00:19:46
sagt, ich bin da, dann gehen wir. Und da hatte man auch schon ein-,
Speaker:
00:19:49
zweimal gesagt, und das ist auch dann auch schon passiert, dass wir gesagt haben,
Speaker:
00:19:53
also wenn es jetzt noch mal einen Rückfall im Grunde so was gibt,
Speaker:
00:19:56
könnt ihr auch gerne über die Rettungsleitstelle oder über
Speaker:
00:20:00
Einsatzkräfte einfach noch mal sagen, hier, da war ein Einsatz, ich gebe
Speaker:
00:20:03
euch die Einsatznummer, gebt die weiter, und dann könnt ihr noch
Speaker:
00:20:07
einmal uns anrufen. Das ist dann
Speaker:
00:20:10
schon möglich. Aber im Großen und Ganzen
Speaker:
00:20:14
ist es wirklich so, wenn wir den Eindruck haben, dass die Lage einigermaßen stabil
Speaker:
00:20:18
ist, dass die Menschen einigermaßen stabil sind, denn es ist ja nicht
Speaker:
00:20:22
so, dass es ihnen jetzt gut geht
Speaker:
00:20:25
danach, dass sie dann wieder zurückgehen und sagen, jo, das hat mir so toll geholfen,
Speaker:
00:20:29
jetzt ist ja alles wunderbar. Das wäre natürlich schön, aber das
Speaker:
00:20:32
ist etwas, was wir eigentlich auch nicht
Speaker:
00:20:36
erreichen können, auch nicht wollen, ehrlich gesagt, weil es auch nicht gut ist.
Speaker:
00:20:40
Das würde dann ja heißen, dass Leute irgendetwas verdrängen und das ist immer das Schlimmste,
Speaker:
00:20:44
was passieren kann. Ja gut, es ist ja, also ich
Speaker:
00:20:48
weiß von einer Situation, da gab es einen schweren
Speaker:
00:20:52
Arbeitsunfall, da ist ein Mitarbeiter in die Maschine gekommen, über den
Speaker:
00:20:55
Rest möchte ich jetzt nicht weiterreden. Und die Führungskraft
Speaker:
00:20:59
sagte nachher so, jetzt habt ihr noch 2 Stunden, bis eure Schicht zu Ende ist,
Speaker:
00:21:02
jetzt macht mal wieder weiter. Und das ist natürlich klar,
Speaker:
00:21:06
Entschuldigung, das klappt nicht. Und ich weiß aus gut
Speaker:
00:21:09
informierten Kreisen, dass da fast die gesamte Schicht
Speaker:
00:21:13
gekündigt hat, weil sie gesagt hat, Leute, geht's noch?
Speaker:
00:21:17
Und das ist zum Beispiel auch so etwas, wo wir auch als
Speaker:
00:21:20
Notfallseelsorger dann auch mit
Speaker:
00:21:24
Firmenleitungen oder so was, aber auch mit Einsatzkräften Kräften reden,
Speaker:
00:21:27
und dann sind wir diejenigen, die sagen, was gut ist. Also das
Speaker:
00:21:31
ist so etwas, was für mich am Anfang ein bisschen ungewohnt war, wenn ich mit
Speaker:
00:21:34
Polizei
Speaker:
00:21:38
eine Todesnachricht überbringe, bin ich derjenige, der dem Polizisten sagt,
Speaker:
00:21:42
wie wir das machen. Weil wir dann die Fachkraft sind, und so ist
Speaker:
00:21:46
das im Unternehmen ganz genauso, dass wir dann auch, wie das Unternehmen sich dann
Speaker:
00:21:50
entscheidet, ist natürlich ihre Sache. Wir können ihnen ja nichts vorschreiben. Wir haben keine Handhabe,
Speaker:
00:21:54
Wollen wir auch überhaupt nicht, da sind wir überhaupt nicht kompetent dazu. Aber wir geben
Speaker:
00:21:57
dann schon Empfehlungen weiter, sagen, wir würden Ihnen jetzt
Speaker:
00:22:01
empfehlen, das so und so zu machen,
Speaker:
00:22:05
und hoffen halt, dass das Unternehmen das dann auch so befolgt,
Speaker:
00:22:09
weil dann die Wahrscheinlichkeit,
Speaker:
00:22:13
dass die Menschen eben dann auch bald wieder
Speaker:
00:22:16
arbeitsfähig sind, von Kündigung muss man da ja noch gar nicht sprechen, aber
Speaker:
00:22:20
dass sie zumindest auch wieder arbeitsfähig sind und sich nicht erst mal wochenlang krank melden,
Speaker:
00:22:24
dann höher ist, als wenn der jetzt ein Unternehmen sagt, wir
Speaker:
00:22:28
arbeiten aber sofort weiter, dann sind die Leute zumindest erst mal ein paar Wochen
Speaker:
00:22:32
krank danach. Und dann fallen sie ganz aus
Speaker:
00:22:35
und dann ist weder dem Unternehmen noch den Mitarbeitern noch
Speaker:
00:22:39
irgendjemandem geholfen.
Speaker:
00:22:42
Ja, da sind wir nochmal bei dem Stichwort PSNVE, nämlich
Speaker:
00:22:46
Einsatzkräfte. Also bei mir war es ja Anfang,
Speaker:
00:22:50
Mitte der 90er, wo ich dann auch von der Polizei gebeten worden
Speaker:
00:22:54
bin, weißt du ja noch, ich hatte Eine Kirchengemeinde an der
Speaker:
00:22:57
ICE-Strecke mit einer Brücke außerhalb. Mehr muss ich jetzt nicht
Speaker:
00:23:01
sagen. Ja, ja. Und da haben die auch
Speaker:
00:23:05
gesagt, die Polizisten sagten, wir kennen teilweise die Familien,
Speaker:
00:23:08
kommen Sie mal mit. Ja, also nach dem Motto, es ist zwar unser
Speaker:
00:23:12
Job vom Gesetz her, wir müssen die Todesnachricht überbringen, aber
Speaker:
00:23:17
wir fühlen uns ja unwohl. Ja, ja. Und mittlerweile ist
Speaker:
00:23:21
es also auch wirklich so, dass die Leute, die sind also sehr, sehr dankbar auch
Speaker:
00:23:24
darum, weil es geht zum einen natürlich darum, dass die
Speaker:
00:23:27
Polizei die Todesnachricht überbringen muss, obwohl ich da
Speaker:
00:23:31
mittlerweile festgestellt habe, dass die auch sehr gut psychologisch
Speaker:
00:23:34
geschult sind. Das kriegen die auch relativ gut hin, muss ich also
Speaker:
00:23:38
wirklich sagen. Und das Problem ist auch weniger,
Speaker:
00:23:42
dass sie jetzt mit der Reaktion nicht klarkommen. Das Problem ist, die müssen wieder gehen.
Speaker:
00:23:46
Die können keine 3 oder 4 Stunden dableiben. Das ist eigentlich das
Speaker:
00:23:49
Hauptproblem. Das heißt, die sagen, meinetwegen, Ihr
Speaker:
00:23:52
Sohn ist leider verunglückt. Auf Wiedersehen.
Speaker:
00:23:56
Und das geht nicht. Da kann man die Leute nicht einfach allein lassen. Und da
Speaker:
00:23:59
sind sie halt dankbar, dass wir sagen: Geht ihr ruhig, wir
Speaker:
00:24:03
bleiben da. Und umgekehrt ist es so, die Erfahrung
Speaker:
00:24:07
haben wir jetzt auch gemacht, und das ist jetzt auch eine ganz klare Regel für
Speaker:
00:24:11
uns, wir gehen grundsätzlich, wir überbringen grundsätzlich
Speaker:
00:24:14
keine Todesnachricht ohne Polizei. Und zwar nicht, weil wir jetzt irgendwie
Speaker:
00:24:18
Angst vor Reaktionen hätten oder so was, sondern weil natürlich die allererste
Frage ist:
00:24:22
Was ist denn passiert? Was ist passiert und wir kriegen im
Frage ist:
00:24:26
Grunde nur rudimentäre Informationen über die
Frage ist:
00:24:29
Rettungsleitstelle, wir wissen eigentlich nichts und selbst wenn ich das
Frage ist:
00:24:33
wüsste, da gab es
Frage ist:
00:24:36
schon Probleme, wo dann eben ein Notfallseelsorger das
Frage ist:
00:24:40
so seines Wissens nach gesagt hat und es
Frage ist:
00:24:44
war am Schluss falsch. Also zum Beispiel, wenn einer sich um den
Frage ist:
00:24:47
Baum gewickelt hat, war das jetzt nass oder war er zu schnell, ist er selber
Frage ist:
00:24:51
schuld oder war es ein Unfall? Wo er gar nichts für konnte, das muss die
Frage ist:
00:24:54
Polizei klären. Und das ist auch für Unternehmer und
Frage ist:
00:24:58
für Vorgesetzte und Leitung und Führungskräfte ganz, ganz wichtig.
Frage ist:
00:25:02
Wenn man zum Beispiel sagt, ist im Unternehmen jemand
Frage ist:
00:25:05
verstorben, wir müssen den Angehörigen Bescheid geben. Ja, also
Frage ist:
00:25:10
es ist, denke ich, sehr, sehr wichtig, dass auch
Frage ist:
00:25:14
wenn Führungskräfte dann sozusagen den Angehörigen signalisieren, es
Frage ist:
00:25:18
tut uns leid und so weiter, wir nehmen Anteil. Aber niemals den
Frage ist:
00:25:21
Erstkontakt. Und wenn Sie es doch mal machen, dann muss jemand
Frage ist:
00:25:25
Offizielles dabei sein von der Polizei, der den Unfallhergang
Frage ist:
00:25:29
schildert, und dann ist alles gut. Also
Frage ist:
00:25:33
das ist zum Beispiel auch etwas, was wir auch dann anbieten können,
Frage ist:
00:25:37
dass wir sagen, wir sind natürlich dafür auch da,
Frage ist:
00:25:41
dann den Angehörigen Bescheid zu sagen, dass der Ehemann, der
Frage ist:
00:25:45
Sohn oder wer auch immer die Ehefrau
Frage ist:
00:25:48
verstorben ist. Das ist dann auch mit unsere Aufgabe, da kann
Frage ist:
00:25:51
gern jemand von der Führungskraft auch mitkommen und so weiter,
Frage ist:
00:25:55
aber wichtig ist, gerade bei dem, dann später nicht, also
Frage ist:
00:25:59
wenn die Bescheid wissen, dann ist alles okay, dann kann man seinen Besuch machen,
Frage ist:
00:26:03
oder wenn man das gerne möchte, aber
Frage ist:
00:26:06
da ist es ganz wichtig, dass die Polizei sagt, also
Frage ist:
00:26:11
den Unfallhergang, Tathergang, egal was es war,
Frage ist:
00:26:14
Sache der Polizei. Ja, aber da hast du noch mal was
Frage ist:
00:26:18
ganz Wichtiges gesagt. In dem Moment, wo ein Mitarbeiter
Frage ist:
00:26:22
im Unternehmen stirbt und dann nachher,
Frage ist:
00:26:26
wir sagen ja ganz klar, für so einen Fall, da sollte
Frage ist:
00:26:30
möglichst die Geschäftsleitung, aber jemand, ich sag mal, mit ein paar Pommes auf der
Frage ist:
00:26:34
Schulter in die Familie gehen. Geht
Frage ist:
00:26:37
ihr da mit? Oder wie würde das dann laufen? Das eine
Frage ist:
00:26:41
ist ja, das ist jetzt gerade die erste Information.
Frage ist:
00:26:45
Da kommt ihr möglicherweise mit der Polizei in den Firmenstandort, wahrscheinlich
Frage ist:
00:26:49
eher nicht, sondern da ist der Firmenchef, der sagt, heute
Frage ist:
00:26:53
Morgen um 6 Uhr war das, heute Abend um 6 Uhr habe ich mich bei
Frage ist:
00:26:56
der Familie angesagt, könnt ihr mich da begleiten? Ich weiß nicht, wie ist es da
Frage ist:
00:27:00
bei euch? Also sowas wäre schon einmal möglich.
Frage ist:
00:27:05
Ja, das muss man dann sozusagen abstimmen mit der
Frage ist:
00:27:09
Notfallseelsorgekraft. Das hatten wir schon öfters auch mal. Dass wir
Frage ist:
00:27:12
sozusagen dann so eine Art Folgeeinsätze
Frage ist:
00:27:16
noch mal hatten. Also das ist schon etwas,
Frage ist:
00:27:20
was wir auch anbieten können, dass wir sagen, wir können dann gerne
Frage ist:
00:27:23
auch noch mal mitkommen, wenn das so gewünscht
Frage ist:
00:27:27
ist. Also
Frage ist:
00:27:32
in dem Moment, wo du ja als Führungskraft da in die
Frage ist:
00:27:36
Familie gehen sollst, die meisten haben ja dann selbst erst mal einen halben
Frage ist:
00:27:39
Herzinfarkt. Weil sie einfach nicht wissen, was
Frage ist:
00:27:42
kommt da auf mich zu, was soll ich sagen und so weiter und so fort.
Frage ist:
00:27:45
Und da seid ihr einfach auch noch mal ansprechbar. Wie müsste ich das
Frage ist:
00:27:49
in dem Moment jetzt eigentlich machen? Jetzt bin ich Firmenchef,
Frage ist:
00:27:52
jetzt würde ich jetzt doch morgen Abend noch mal in die Familie gehen.
Frage ist:
00:27:57
Wie erreiche ich euch da? Oder rufe ich da jetzt in der nächsten Polizeistation an,
Frage ist:
00:28:01
dass mich da der NFS zurückruft?
Frage ist:
00:28:05
Also in so einem Fall würde ich empfehlen, bei der
Frage ist:
00:28:09
Rettungsleitstelle anzurufen und das kurz schildern, den Einsatz
Frage ist:
00:28:12
schildern, die wissen das ja, solche Sachen,
Frage ist:
00:28:17
das wissen die noch, auch wenn man jetzt keine Einsatznummer
Frage ist:
00:28:21
hat oder so was, und dann ist es so in der
Frage ist:
00:28:24
Regel, dass die Rettungsleitstelle dann einfach die Notfallsiegesorge
Frage ist:
00:28:28
alarmiert, und in der Regel ist es ja so, dass wir, also
Frage ist:
00:28:31
wir haben wochenweise Dienste, Das heißt,
Frage ist:
00:28:35
wenn wir jetzt dienstags einen Einsatz hatten und mittwochs käme jetzt
Frage ist:
00:28:39
die Anfrage, reicht das dem Notfallseelsorger, der am Dienstag auch da war?
Frage ist:
00:28:43
Der weiß Bescheid und dann kann man alles
Frage ist:
00:28:46
weitere klären. Was für uns als
Frage ist:
00:28:49
Notfallseelsorger auch ganz wichtig ist, wenn wir zum Beispiel so in eine Firma
Frage ist:
00:28:53
kommen und so weiter, dass natürlich die
Frage ist:
00:28:56
Einsatzkräfte uns sagen, erstmal kurz briefen, was ist los
Frage ist:
00:29:00
und so weiter, aber dass auch auch die Firma selber
Frage ist:
00:29:04
noch mal sagen kann, wer ist eigentlich nun wirklich involviert, dass
Frage ist:
00:29:07
die auch noch mal schauen, wir kommen und wissen ja gar nicht, wir kennen
Frage ist:
00:29:11
die Firma in der Regel nicht, wir kennen die Strukturen nicht. Es kann ja auch
Frage ist:
00:29:15
zum Beispiel sein, dass eine Führungskraft, was weiß
Frage ist:
00:29:18
ich, befreundet war mit irgendjemandem oder dass man
Frage ist:
00:29:22
eine sehr gute Kollegenschaft hatte, dass sie vielleicht selber auch gerade irgendwie was
Frage ist:
00:29:26
Schweres erfahren haben und da jetzt wieder hochkommen. Das sind ja alles
Frage ist:
00:29:29
solche Sachen, normalerweise sagt, ja komm, hab dich nicht, früher
Frage ist:
00:29:33
hätte man so gesagt, hab dich nicht so, das geht schon wieder, Augen zu, die
Frage ist:
00:29:37
Zeit heilt alle Wunden und solche
Frage ist:
00:29:41
Sprüche. Ja, und da ist es für uns vor allen Dingen auch wichtig, dass da
Frage ist:
00:29:43
auch wirklich, dass wir auch in der, wenn es jetzt eine etwas größere Firma
Frage ist:
00:29:47
ist, auch einen Ansprechpartner haben, der auch jetzt mal sagt, okay,
Frage ist:
00:29:51
ich schaue jetzt auch mal, vielleicht ich frage auch mal im Betrieb
Frage ist:
00:29:54
rum, wo könnte denn vielleicht noch Bedarf sein?
Frage ist:
00:29:58
Natürlich können wir nachalarmieren, aber es ist auch blöd, wenn da plötzlich da 10
Frage ist:
00:30:01
Notfallsirenen rumrennen und jeder denkt, was wollen die eigentlich hier,
Frage ist:
00:30:05
läuft doch eigentlich, ja, ist zwar schlimm, aber ich komme
Frage ist:
00:30:09
klar. Das haben wir auch schon öfters gehabt, dass auch sehr nahe
Frage ist:
00:30:12
Angehörige recht gefasst sind und erst einmal damit klarkommen, weil
Frage ist:
00:30:16
es ja manchmal auch so ist, wenn der Schock dann erstmal weg ist, so 1,
Frage ist:
00:30:20
2 Tage später, dann kommt das erst, und dann ist
Frage ist:
00:30:23
halt so Grund jemand anderes dafür zuständig.
Frage ist:
00:30:28
Aber es kann ja auch sein, dass ihr in große Firmen gerufen werdet.
Frage ist:
00:30:33
Wie sagst du, die Firma in Ludwigshafen mit den vier Buchstaben,
Frage ist:
00:30:37
ich will jetzt keine Schleichwerbung, die haben
Frage ist:
00:30:41
ja auch ihre eigene, ich sag mal,
Frage ist:
00:30:44
Notfallseelsorge, und dort werdet ihr auch
Frage ist:
00:30:47
trotzdem gerufen. Genau, das wird so, weil die mit denen sehr gut
Frage ist:
00:30:50
zusammenarbeiten, also sie haben ja ihr eigenes Notfall-
Frage ist:
00:30:54
Seelsorgesystem, kann man sagen, haben erstmal ihre eigenen
Frage ist:
00:30:57
werkseigenen, also
Frage ist:
00:31:01
Kit nenne ich das jetzt mal. Aber ist es ja so, wir hatten z.B., das
Frage ist:
00:31:04
ist jetzt schon paar Jahre her, hat schon eine große Explosion
Frage ist:
00:31:08
am Terminal von dieser
Frage ist:
00:31:12
Firma gegeben, wo auch dann Feuerwehrleute
Frage ist:
00:31:15
verstorben sind. War eine ganz fiese und gemeine
Frage ist:
00:31:19
Geschichte und dieser
Frage ist:
00:31:23
Unfall selber, da waren wir eigentlich gar nicht so involviert, aber wir wurden dann
Frage ist:
00:31:27
trotzdem gerufen und wir waren dann sozusagen, daran denkt man
Frage ist:
00:31:30
überhaupt nicht, dass zum Beispiel dann die Werkstore geschlossen waren
Frage ist:
00:31:34
und man glaubt ja gar nicht, wie viel Laster pro Tag
Frage ist:
00:31:39
dieses Unternehmen ansteuern und die standen dann plötzlich auf der Straße,
Frage ist:
00:31:42
wussten nicht mehr was, die mussten ja betreut werden. Da waren einige, die dann gesagt
Frage ist:
00:31:46
haben, ruf meinen Chef an, erklär dem mal, dass ich hier
Frage ist:
00:31:50
nicht spinne, ja, dass ich sage, tut mir leid, ich komme erst in 2 Tagen
Frage ist:
00:31:54
wieder, hier geht gar nichts mehr und solche Sachen und da waren wir
Frage ist:
00:31:58
dann zum Beispiel auch involviert und haben dann auch mit der Werksleitung natürlich
Frage ist:
00:32:01
da ganz eng zusammengearbeitet, dass wir gesagt haben, ihr macht euer drin, falls ihr
Frage ist:
00:32:05
noch Hilfe braucht, wir sind da, wir waren dann bei
Frage ist:
00:32:09
der Feuerwehr sozusagen bei der Einsatzleitung Zentrale der Feuerwehr waren wir
Frage ist:
00:32:13
dann sozusagen, also standen wir sozusagen Gewehr bei
Frage ist:
00:32:16
Fuß und haben uns dann eben auch meist oft um das
Frage ist:
00:32:20
Drumherum gekümmert, eben weil, wie ich am Anfang schon gesagt habe, wir sind
Frage ist:
00:32:23
oft für die Leute da, an die keiner denkt in so einem
Frage ist:
00:32:27
Einsatz, die aber dann trotzdem involviert sind, wie z.B. jetzt
Frage ist:
00:32:31
LKW-Fahrer, ja, die da plötzlich auf der Straße
Frage ist:
00:32:34
stranden und gar nicht wissen, was was Sache ist, die
Frage ist:
00:32:38
nichts zu essen, nichts zu trinken haben und sonst etwas. Und da
Frage ist:
00:32:42
sind wir also zuständig.
Frage ist:
00:32:49
Ich sag dir mal ganz, ganz herzlichen Dank dafür, für
Frage ist:
00:32:52
deinen Einsatz und für den Einsatz aller Kolleginnen und Kollegen der
Frage ist:
00:32:56
Notfallseelsorge. Ihr macht einen ganz, ganz großen Job
Frage ist:
00:33:00
und ich hoffe, dass der Piepser ausbleibt.
Frage ist:
00:33:04
Aber ja, das hoffen wir
Frage ist:
00:33:08
doch alle nicht. Doch, und ich bedanke mich ganz herzlich für die Einladung. Das hat
Frage ist:
00:33:11
mir großen Spaß gemacht und ich finde es auch schön und wichtig, dass wir so
Frage ist:
00:33:14
Sachen uns, dass wir uns da auch noch mal bekannt
Frage ist:
00:33:18
machen und eben so ein, zwei Sachen auch klären, die dann
Frage ist:
00:33:21
im Notfall durchaus hilfreich sind. Genau.
Frage ist:
00:33:25
Und immer wer Fragen hat, der schreibt an podcast@trauermanager.de.
Frage ist:
00:33:29
Ich leite die Fragen weiter, und dann gerne bis zur
Frage ist:
00:33:33
nächsten Sendung. Alles Gute!
Frage ist:
00:33:38
Tschüss! Tschüss! Ja,
Frage ist:
00:33:41
super.