Die Big Five mögen zwar die ganze Aufmerksamkeit auf sich ziehen – aber Wildbeobachtungen gehen weit über Löwen, Leoparden und große graue Tiere hinaus.
Reise mit mir nach Botswana, um mit Grant Reed zu sprechen, Mitgründer von Letaka Safaris und erfahrener Safari-Guide, der seit Jahrzehnten den Busch erkundet, Guides ausbildet und Gäste daran erinnert, dass auch die „Kleinen Fünf”, die „Hässlichen Fünf” und die „Sexy Fünf” ihre Aufmerksamkeit verdienen.
André und Grant reden darüber:
• Warum die „Big Five” ursprünglich ein Begriff aus der Jagd waren (und warum Guides heute zusammenzucken, wenn sie ihn hören)
• Was passiert, wenn man aufhört, Sichtungen zu jagen, und stattdessen Erlebnisse sucht
• Warum Vogelbeobachtung süchtig machen kann
• Mobile Zelt-Safaris in Botswana, bei denen man mit leichtem Gepäck reist und nur Fußspuren hinterlässt
Es ist ein aufschlussreiches Gespräch, dass das gesamte Ökosystem feiert – von schwarzen Mambas, die durch das Gras gleiten, bis hin zu Lilac-breasted Rollers, die den Himmel bemalen.
Denn letztendlich wird die Schönheit Afrikas nicht an der Größe der Tiere gemessen, sondern an den Geschichten, die man entdeckt, wenn man langsamer wird, zuhört und den Busch sich offenbart.
Mehr als nur die Big Five: Entdecke die Magie der Kleinen, der Hässlichen und der Sexy
Willkommen zu einer neuen Folge von Africa with André, wo wir Afrika Feiern - One Story at a Time.
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Die kleineren Tiere, die Insekten die Vögel und die Pflanzen faszinieren nämlich auch, wenn ihr euch Zeit dafür nehmt. Vor allem, wie viele von ihnen voneinander abhängig sind, oder eine Art symbiotische Beziehung zueinander haben.
Heute sprechen wir mit Grant Reed, von Letaka Safaris in Botswana, über das Thema der Big Five oder eben, dass es mehr als das gibt.
Grant leitet seit 25 Jahren, zusammen mit seinem Bruder Brent, mobile Zelt-Safaris in Botswana. Gleichzeitig haben sie auch eine Guide-Akademie, wo Rangers ausgebildet werden.
Er hat also viele, viele Jahre Erfahrung damit, Gäste auf verschiedenen Safaris im südlichen Afrika zu begleiten.
Der deutsche Text wird von Stefan Eberle eingesprochen. Danke schon mal dafür.
Hallo Grant und willkommen zum Podcast.
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[00:01:29] André: Erzähl uns doch, wie du zum Guiding gekommen bist.
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Ich glaube, das erste Mal, als ich mit meinem Vater auf Wanderung ging, war ich etwa fünf Jahre alt. Ich lief ganz hinten und fühlte mich sehr wichtig. Und das war der Einstieg ins Guiding, und der Beginn meiner Leidenschaft dafür.
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[00:02:08] Grant: Hundertprozentig. Ich glaube, es liegt in den Genen und ich hoffe wirklich, dass es bei meinen Jungs auch so weitergeht.
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[00:02:24] Grant: Weisst du, als du mich eingeladen hast, war mein erster Gedanke, " ich mag den Ausdruck "Big Five" genauso gern wie einen doppelten Tequila".
Der Begriff wird einfach viel zu oft verwendet, aber wie so oft ist das nicht nur schlecht, denn es kann ein Aufhänger sein, etwas worüber die Leute sprechen. Und es ist ein Grund, warum Menschen reisen.
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[00:02:44] Grant: Historisch gesehen, galten als die fünf gefährlichsten Tiere, die gejagt wurden Löwe, Leopard, Elefant, Nashorn und die Büffel, die einen unglaublichen Ruf für ihre Aggressivität haben. Und dafür, dass sie extrem gefährlich sind, wenn du zu Fuss unterwegs bist.
Niemand weiss genau, wer den Ausdruck erfunden hat, aber er stammt aus dem späten 19. Jahrhundert. Damals bezog er sich im Wesentlichen auf die fünf gefährlichsten Tiere, die bejagt wurden. Es gab ja noch keine Fotosafaris, wie wir sie heute kennen. Niemand kam nach Afrika, um sich die Tiere nur anzuschauen. Die Leute kamen, um die Tiere zu schiessen.
iff dann an Bedeutung. In den:
[00:03:37] André: Ich glaube, der Büffel ist das einzige Tier, das dir keine Warnung gibt, oder? Wenn er dich nicht mag, greift er einfach sofort an.
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[00:03:48] André: …mann hat nicht viel Zeit…
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Was die Wildbeobachtung angeht, ist der Büffel ein Sonderfall. Er ist eigentlich nur eine grosse, wütende, schwarze Kuh.
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[00:04:14] Grant: Absolut. Wir sehen, dass uns viele Leute besuchen kommen, und ganz oben auf ihrer Liste stehen Giraffen und Zebras, weil das schöne Tiere sind, die in allen Geschichtenbüchern vorkommen. Die Menschen kennen sie seit ihrer Kindheit.
Und wir Guides übersehen diese Tiere schon mal, weil es so viele von ihnen gibt. Manchmal zeigen wir den Gästen das, was wir glauben, dass sie sehen wollen, anstatt die Tiere, die die Kunden tatsächlich gerne sehen wollen.
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[00:04:41] Grant: Ich liebe Leoparden. Es gibt nichts Schöneres für einen Guide, als einen Leoparden aufzuspüren.
Früh im Morgen Spuren zu finden, zu überlegen, wo er hingeht, was er macht und den Spuren zu folgen und die Warnrufe der anderen Tiere zu hören. Und dann tatsächlich einen Leoparden zu finden. Leoparden haben etwas ganz Besonderes.
Und dann gibt es die Wildhunde, die ganz anders sind. Wildhunde kann man nicht wirklich aufspüren, man muss einfach Glück haben. Man fährt nach links, man biegt nach rechts ab, und die Hunde sind auf der Jagd. Wenn ein Tier mit 50 km/h über eine Strecke von 5km rennt, kann man seinen Spuren nicht mehr folgen.
Es ist einfach phänomenal diese Hunde, und ihre sozialen Interaktionen, zu beobachten. Von all den Tieren, die die Leute wirklich sehen wollen, sind das die Beiden, die mich am meisten begeistern.
Aber wenn man genauer hinschaut, finde ich Honigdachse, Karakals und ähnliche Tiere viel interessanter, weil sie schwieriger zu finden sind und einfach fantastisch zum Beobachten sind.
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Ich erinnere mich noch daran, als ich zum ersten Mal vom Ameisenlöwen erzählt wurde. Man kann sie fast überall sehen, sie sind winzig klein und verstecken sich in kleinen trichterförmigen Löchern, um ihre Beute zu fangen.
Ich sass mal im Camp und habe mich eine knappe Stunde lang auf ein kleines Stück Erde konzentriert so 50 mal 50 Zentimeter, und habe gemerkt, dass dort im Grunde genommen das gleiche passiert, wie in der Welt der grossen Tiere, nur eben im kleinen Format.
Ich fand die Ähnlichkeiten in diesem Mikrokosmos mega faszinierend.
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Zum Beispiel, ich bin begeisterter Vogelbeobachter, und habe eine Bucketlist für das südliche Afrika Mit allen Vögeln, die ich sehen möchte. Viele meiner Freunde stehen dem Ganzen ziemlich kritisch gegenüber diesen Personen, die wir Twitchers nennen. Leute, die einen bestimmten Vogel finden müssen, damit sie einen weiteren Punkt auf ihrer Liste abhaken können.
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[00:07:13] Grant: Für mich ist das Wunderbarste, wenn ich mir einen bestimmten Vogel zum Ziel des Tages setze. Dann stehe ich um vier Uhr morgens auf, gehe ins offene Terrain, sitze dort, spiele die Rufe des Vogels ab, und beobachte alles. Schaue mich in Ruhe um. Und dann kommt aus dem Nichts eine Serval Katze oder ein Wanderfalke fliegt vorbei.
Und in neun von zehn Fällen, wenn man nach ziemlich seltenen Vögeln sucht, findet man zwar sein Ziel nicht, aber man verbringt vier oder fünf Stunden dort draussen und sieht vieles anderes.
Hätte man diesen Grund nicht gehabt, den Vogel zu suchen, wäre man im Bett liegen geblieben, weil es zu kalt ist. Und dann hättest du wirklich spannend das verpasst.
Es ist also dieser kleine Aufhänger, man hat die Big Five gesehen, jetzt wendet man sich den Little Five zu.
Und das gibt einem die Möglichkeit, ein wenig mehr über die ökologischen Zusammenhänge zu sprechen, ein wenig über das, worüber wir vorhin gesprochen haben. Nämlich die soziale Interaktion, die symbiotischen Beziehungen, zwischen vielen dieser Tiere.
Das wird dann zu einem komplexen Netz, das immer faszinierender wird. Und je länger man sich damit beschäftigt, desto mehr wird einem klar, dass man eigentlich mehr Fragen als Antworten hat.
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[00:08:22] Grant: Absolut, ja.
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Vor ein paar Jahren habe ich mit meinem Partner zusammen einen Bushwalk gemacht, im Krüger Park. Und das Einzige, was wir in drei Stunden gesehen haben, war eine Giraffe. Wir haben buchstäblich keine anderen Tiere gesehen.
Ich hatte die ganze Zeit die Befürchtung, dass ihm dieses Erlebnis nicht gefallen würde und er es für Zeitverschwendung halten würde.
Aber er sagte mir nachher, dass es wunderbar war. Weil er zum ersten Mal die Verletzlichkeit gespürt hat, die Menschen heutzutage normalerweise nicht haben. Also dass wir hier die schwächsten Glieder waren. Und das war für ihn sehr bewegend.
Grant, wie macht man eine, wie ich es genannt habe, "langweilige Pirschfahrt" interessanter? Ich nehme an, dass ihr das Thema auch in eurer Guide-Ausbildung angeht, oder?
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In einer Lodge ist das schwierig, weil man gemeinsam mit anderen Gästen am Brunchtisch sitzt und vergleicht was gesehen wurde. Wenn die anderen Gäste einen Leoparden mit seiner Beute gesehen haben, dann...
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[00:09:38] Grant: Gäste verstehen nicht immer sofort, was es über einen Termitenhügel zu erzählen gibt, über die faszinierende Welt dort unten. Ich denke, wo einige Guides es richtig machen und andere nicht, ist die Art und Weise, wie man die Gäste einbezieht.
Guides müssen Gesichter lesen können. Oft halten sie lange Monologe über Termitenhügel. Man sieht den Leuten einfach an, da sie nach vier Sätzen schon gelangweilt sind. Und das ist okay. Man kann niemanden zwingen sich für etwas zu interessieren.
Sie müssen also das Interesse der Gäste erstmal für dieses Thema wecken, und ihnen gleichzeitig klar machen, dass wir mit diesem Stopp keine Zeit verlieren auf der Suche nach Löwen oder Leoparden.
Manchmal ist es wirklich wichtig, anzuhalten und eine Pause einzulegen, damit die Leute über Dinge nachdenken können. Nur so werden sie anfänglich für Informationen.
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[00:10:31] Grant: Genau, deswegen wirft man immer wieder einen Köder aus und wartet bis jemand anbeisst Man versucht, die Leute für etwas zu begeistern.
Ich gebe mir immer grosse Mühe, den Gästen die grossen und auffälligen Vögel zu zeigen. Danach zeige ich ihnen einige ihrer Verwandten und schaue, ob ich etwas Interesse für die Vogelbeobachtung wecken kann. Denn das ist oft eine wirklich gute Methode, um die Leute dazu zu bringen, sich von dem Big Five zu lösen, und sich auch für anderes zu interessieren.
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Mal was Lustiges. Vor ein paar Jahren war ich mit einer Arbeitskollegin auf einer Pirschfahrt, und wir fingen an zu entscheiden, welche Tiere zu den "Ugly Five", also den hässlichen Fünf, und zu den Sexy Five gehören.
Welche würdest du auf die Liste der Ugly Five setzen, Grant?
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[00:11:24] André: Ja, was aber nicht ganz fair ist, denn Hyänen sind doch niedlich.
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Aber, sobald man beginnt Hyänen zu beobachten, und versteht, wie einzigartig sie sind, wird klar, dass es sich um eine unglaublich interessante Spezies handelt.
Das hier ist ein Podcast für Familien, also unterbreche mich, wenn es sein muss.
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[00:11:53] Grant: Kannst du dir vorstellen, dein Welpe durch einen 2,5 cm langen Penis zu gebären?
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[00:12:00] Grant: Also, das Weibchen hat im Grunde genommen äusserlich, männliche Genitalien und sie gebärt durch denselben Kanal, durch den sie uriniert.
Es ist faszinierend, dass die Weibchen, während sie im Mutterleib sind, männlichen Hormonen ausgesetzt sind, wodurch sie sich zu unglaublich androgynen Weibchen entwickeln, die gegenüber den Männchen extrem dominant sind.
Und wer sich einmal für Hyänen begeistert, fällt es schwer, sie als Teil der hässlichen Fünf zu sehen. Aber ja, ich kann irgendwie verstehen, weshalb Leute das Denken.
Dann werden natürlich die Geier allesamt in einen Topf geworfen, was ein bisschen extrem ist. Wenn man sich einen Weisskopfgeier anzieht, zum Beispiel, finde ich ihn eigentlich einen schönen Vogel. Und dann gibt es die Marabu-Störche.
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[00:12:48] Grant: Nein, der steht definitiv ganz oben auf der Liste und ich werde nicht versuchen, irgendetwas am Marabu schön zu reden.
Das blaue Gnu sieht aus, als wäre es von einem Komitee schaffen worden, das vielleicht gekifft hat?
Und das Warzenschwein. Ich glaube, Disney hat auch da viel damit zu tun, dass heute viele Leute den Pumba niedlicher finden als früher. Aber wenn man sich ein Foto vom Warzenschwein ansieht, scheint es seinen Platz in den Ugly Five zu verdienen. Also ja, das sind die traditionellen Ugly Five.
Was ist deine Meinung, André? Würdest du noch ein anderes Tier in die hässlichen fünf aufnehmen?
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[00:13:33] Grant: Ja, es ist schwierig, weil man ja grossen Respekt vor all diesen Tieren entwickelt. Wenn man die Tiere erst einmal kennengelernt hat, erscheint es widersinnig irgendwelche davon in die Liste der Ugly Five aufzunehmen.
Aber es ist wieder etwas, das man bei einer Pischfahrt erleben kann. Okay, cool, wir haben die Big Five gesehen. Mal sehen, ob wir auch die Ugly Five abhaken können. Und das ist einfach ein Grund, etwas länger auf Pirsch zu bleiben, zu hoffen, dass man auf etwas wirklich Aufregendes stösst das zu einem einmaligen Erlebnis wird.
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[00:14:08] Grant: Die "Sexy Five" oder die "Beautiful Five" sind in Botswana typischerweise die Lilac-Breasted-Roller-Vögel, auch Gabelracke genannt, der Gepard und der Kudu.
Ich finde die weiblichen Kudus ja eigentlich schöner als die männlichen, weisst du, mit diesen grossen Kulleraugen und diesen riesigen Ohren.
Der afrikanische Wildhund hat definitiv seinen Platz verdient, und dann noch die Giraffe.
Aber das ist natürlich immer Ansichtssache. So bald einbezieht was ist dann mit dem Narina-Drogon-Vogel zum Beispiel? Aber die Lilac-Breasted Roller sind wirklich leicht zu finden, da sie das ganze Jahr über hier leben. Sie haben dieses wunderschöne elektrisierende Blau, wenn sie losfliegen.
Das ist also nicht unbedingt der schönste Vogel in Botswana, aber es ist einer, den man zuverlässig in den Savannenlandschaften im südlichen Afrika zeigen kann. Aus diesem Grund hat er sich seinen Platz verdient.
Aber würde ich ihn gegen einen Sattelstorch eintauschen? Ja, sofort.
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Auf meiner Liste der Sexy Five stehen das Zebra, der blaue Kranich, die Giraffe, der Fischadler und die Nordbüschel-Eule, auf Englisch die White-Faced Scops Owl.
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[00:15:37] André: Ja, ich war gerade selber überrascht wie viele Vögel drauf sind.
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[00:15:57] André: Danke. Ich habe Eulen generell sehr gerne, aber diese ist wirklich wunderschön.
Und, dann zurück zu den Hyänen. Wir sind mal auf eine Hyänenhöhle gestossen und haben das gemacht, was ich bei Pirschfahrten am liebsten mache: einfach 20 Minuten dasitzen und den Kleinen beim Spielen zusehen. Da habe ich zum ersten Mal gelernt, wie das mit dem Babysitten in Hyänenklänen funktioniert.
Im Grunde genommen ist es ja so, dass die Weibchen auf die Jagd gehen und eines von ihnen bleibt an dem Tag zu Hause, um sozusagen den Kindergarten zu leiten. Habe ich das richtig verstanden?
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[00:16:33] André: Das fand ich faszinierend.
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Sehr oft erlaubt das Alpha-Weibchen dem Beta-Weibchen sich ebenfalls zu paaren. Ihre Welpen werden dann zwar meist getötet, weil sie nicht gebraucht werden, aber es bedeutet, dass man ein zweites Weibchen hat, das Milch produziert. Sozusagen eine zweite Mutter. Innerhalb weniger Wochen bringt der Rest des Rudels jedoch dann vorverdaute und verschluckte Nahrung zurück, die sie wieder hochwirken.
In Zeiten, in denen es reichlich Futter gibt, töten sie auch die Jungen des Beta-Weibchens nicht immer, damit das Rudel dann wachsen kann.
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[00:17:28] Grant: Bei Hyänen, Wildhunden, und all diesen sozialen Tieren findet man diese Magie, wenn man etwas genauer hinschaut.
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[00:17:40] Grant: Ich habe irgendwie Mitleid mit den Menschen, die nach Botswana kommen, und eine Selbstfahrerreise machen. Es ist zwar ein grosses Abenteuer, sich seinen Weg von Camp zu Camp zu suchen, aber dabei verpasst man es oft, die diversen Schichten der Natur und Tierwelt zu durchdringen und zu verstehen, was da draussen überhaupt passiert.
Es sind zwei sehr unterschiedliche Erfahrungen, wenn man mit, oder wenn man ohne einen Guide auf Safari geht.
Wir sollten es nicht zwingend vergleichen, aber ich finde es ziemlich traurig an einen Ort zu Reisen, ohne einen Ranger oder Guide zu haben, der einem die ökologischen und die sozialen Interaktionen der Tiere näherbringen kann.
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Aber ich möchte auf keinen Fall alle Informationen missen, die ein Ranger vermittelt, der im Grunde alles zusammenfasst für uns.
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Wenn man das tut, führt das ja oft zu einer Verhaltensänderung, obwohl man ja eigentlich das Verhalten der Tiere beobachten möchte. Man muss sich dafür Zeit nehmen und manchmal kann eine geführte Pirschfahrt in dieser Hinsicht schwieriger sein.
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[00:19:10] Grant: Denn, wenn man mit anderen Menschen in einem Fahrzeug sitzt, und der Guide unter grossem Druck steht, die Big Five zu finden, kann man sie nicht wirklich hinsetzen und in Ruhe das Verhalten der Tiere beobachten.
In den ersten 10-15 Minuten nach der Ankunft am Wasserloch, zum Beispiel, fühlen sich die Tiere gestört. Sie schauen alle auf, ändern ihr Verhalten und beruhigen sich erst langsam wieder.
Nur geduldige Touristen und ein guter Guide, der den Menschen wirklich erklären kann, wie wertvoll es ist, diese Phase der Langeweile zu überwinden, können das wirklich geniessen. Dann können sie beobachten, wie die Tiere miteinander interagieren und sich dann wieder auf die Jagd vorbereiten.
Ware Magie, die entsteht erst, wenn die Tiere uns Menschen quasi ausblenden, und wir Teil des Hintergrundgeräusches werden.
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Da fällt mir wieder ein, dass wir mehr Slow-Tourism machen sollten.
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Viele Reisende möchten nach Afrika kommen, um was Neues zu erleben. Und wenn man auf einer Safari alles hat, was man auch zu Hause hat, ist das nicht wirklich ein Erlebnis.
Ein Erlebnis ist etwas, was dich aus deiner Komfortzone rausholt. Etwas, bei dem du etwas Neues machst und etwas leicht Beunruhigendes unternimmst.
Du hast vorhin erwähnt, dass dein Partner sich demütig fühlte, weil er während des Bushwalks Teil der Nahrungskette geworden ist. Das ist für viele Menschen etwas, das sie nicht wirklich fühlen oder benennen können. Aber es gibt ihnen wirklich das Gefühl, lebendig zu sein. Der Mensch dürfte arrogant werden, denn wir führen ein sehr geschütztes Leben.
Das ist es, was Erlebnisse ausmachen. Dieses Gefühl der Demut, dieses Gefühl der leichten Unsicherheit. Das sind die Dinge, an die sich die Menschen wirklich erinnern.
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Grant, du bist ein begeisterter Vogelbeobachter Wie würdest du mein Interesse für die Vogelbeobachtung wecken?
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Man muss es den Gästen ermöglichen, die Informationen in ihrem eigenen Tempo aufzunehmen, und ihnen das Gefühl geben, dass sie das tatsächlich schaffen können.
Wenn ich also Vögel sehe, sollte ich besser nicht nur die Namen herunterbeten, sondern lieber Fragen stellen. "Schaut euch diesen Vogel an, schaut euch den an. Was sind die Ähnlichkeiten"?
In dem Moment, in dem man sieht, dass er einen kegelförmigen Schnabel hat ,zum Beispiel, weiss man, dass er ein Samenfresser ist. Deswegen gehen wir zum Ende des grossen Vogelbuchs, wo diese Gruppe abgebildet ist. Und somit befähigen wir die Gäste.
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[00:22:00] Grant: Es gibt immer diese Zeit, mitten am Tag im Camp, in der es etwas ruhiger ist. Die Gäste sitzen dann mit ihren Ferngläsern da, und plötzlich sagen sie, "Oh, der hat einen kegelförmigen Schnabel, das muss hinten im Buch stehen".
Und anstatt 900 Vogelarten Südafrikas durchgehen zu müssen, sind es jetzt plötzlich nur noch 150. Das fühlt sich dann machbar an.
Oft kommen sie dann vor der Nachmittagspischfahrt zu mir und sagen, "Hey, ich habe diesen Vogel gesehen. Das muss ein Webervogel gewesen sein", und so weiter.
Und pass auf, André, es ist schon gefährlich denn, wenn du einmal Vogelbeobachter geworden bist, kommst du nicht mehr davon los. Also sei vorsichtig.
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Man muss langsam verstehen, worauf man achten muss, um mit den groben Klassifizierungen beginnen zu können. So sieht der Schnabel aus oder so sehen die Füsse aus. Deshalb gehört er zu dieser Kategorie, oder der Kategorie, oder ähnlich.
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[00:23:07] André: Erzähl uns etwas über Letaka Safaris. Was ist eine mobile Zelt-Safari überhaupt und welche Art von Gästen buchen so eine Reise?
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Bei den mobilen Safaris in Botswana geht es darum, dass man immer alles mitnimmt. Wir bieten halb luxuriöse mobile Safaris, wo die Kunden keine Arbeit haben, also nicht mithelfen müssen. Das mag jetzt kompliziert klingen, aber ich kläre es gleich auf.
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[00:23:51] Grant: Wir haben also ein Team, das uns vorausfährt. Die bauen das Camp auf, das aus komfortablen grossen Zelten im Mero-Stil besteht. Jedes Zelt hat ein eigenes Bad mit Dusche und Toilette.
Am Camp gibt es auch einen Koch, der abends drei Gänge Menüs zubereitet. Alles ist inklusive, von wirklich gutem südafrikanischem Wein, die nicht alkoholischen Getränke sowieso.
Im Grunde genommen müssen unsere Gäste also nichts tun, ausser Geniessen.
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[00:24:21] Grant: Der Unterschied zu einer Safari, wo Lodges besucht werden. Ist, dass es sich bei uns um eine Kleingruppenreise handelt mit maximal sieben Personen. Ich denke, das grösste Verkaufsargument für so eine mobile Safari ist für mich, dass man während der zehntägigen Safari mit denselben Leuten zusammen ist und man sich so richtig kennenlernen und entspannen kann.
André, ich weiss, dass du viele Reisen gemacht hast mit Kolleginnen und Kollegen aus der Reisebranche, die du noch nicht kanntest. Am ersten, zweiten Tag ist dann alles noch etwas steif man weiss nicht, welche Witze man machen kann und welche nicht, man kennt den Hintergrund der anderen nicht.
Aber ab dem dritten oder vierten Tag geschieht dann das Wunder und die Leute fühlen sich wirklich wohl miteinander.
Und so komfortabel die Lodges auch sind, und so fantastisch die Küche dort ist, in den Lodges erreicht man diesen Punkt nie, denn alle drei Tage hast du einen neuen Ranger und neue Mitreisende.
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[00:25:19] Grant: Für dich als Gast bist du heute mit Familie Schmidt unterwegs, und morgen mit den Meiers. Du bist vielleicht schon neun Tage auf Safari, die Schmidts aber erst ein oder zwei Tage. Der Guide muss also wegen ihnen, wieder mit den Grundlagen beginnen. Es gibt also keine Kontinuität, keinen Aufbau. Und das bringt mich zu meinem wichtigsten Punkt, eben, dass man bei uns von Anfang bis Ende denselben Guide hat.
Wenn man wirklich in das Safari-Erlebnis eintauchen und die ökologischen Zusammenhänge verstehen möchte, kann unser Guide am neunten Tag das ansprechen, was wir am zweiten Tag gesehen haben und wie das zusammenhängt.
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[00:25:58] Grant: Es ist so eine tolle Reiseart, diese Einsamkeit, wenn die Gruppe auf einem Campingplatz in der Wildnis ist, und niemand sonst um uns herum. Es gibt keinen Küchenbereich, keine Generatoren, keinen Personalbereich. Wir sind auf diesem winzigen Stückchen Wildnis, nur unter uns. Und wenn wir gehen, bleibt nichts zurück, ausser unseren Fussspuren. Für die Tiere sind wir also nur eine vorübergehende Störung.
Mobile Camps in Botswana reichen, grob gesagt von sehr günstigen Touren, bei denen man sein eigenes Zelt aufstellt, und dem Guide beim Kochen hilft, bis hin zu dem, was wir anbieten, also Semiluxus. Dann gibt es auch noch die Super-Luxus-Mobile-Camps.
Wir bei Letaka Safaris positionieren uns auf dem Markt so, dass wir so komfortabel wie möglich sind, und wir das gesamte Camp innerhalb von einem Tag umziehen können, sodass wir jeden Tag mit dem gleichen Team reisen.
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[00:27:07] Grant: Ja, genau.
Weisst du, wie viele Leute, wenn sie einen Afrika-Reiseplan sagen, "wir wollen alles in Botswana sehen, wir wollen dies und das machen", die Leute packen so viel hinein freuen sich, weil ihr Plan alles abdeckt.
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[00:27:23] Grant: Aber tatsächlich ist es dann so, dass sie hier mal eine Bootsfahrt machen, dann einen Tag unterwegs sind, oder von Camp zu Camp fliegen und dann wieder eine Pirschfahrt.
Im Grunde genommen, müssen sie sich das Verhältnis zwischen der Zeit für die Aktivitäten, und der Zeit für das Unterwegssein genau anschauen.
Uns geht es um Erlebnisse, und das gefällt mir an dem mobilen Konzept. Denn selbst wenn man von Ort A nach Ort B reist, ist der Reisetag Teil der Erlebnisse, da wir keine langen Reisen machen.
Man muss sich keine Gedanken darüber machen, wann man mit dem Gepäck am Flugplatz sein muss. Man muss sich keine Gedanken über Transferzeiten machen. Man kommt einfach am nächsten Ort an und alles läuft wie von selbst.
Ich liebe die drei Nächte an einem Ort wirklich, denn an meinem ersten ganzen Tag als Guide, da verschaffe ich mir erst einmal einen Überblick: "okay, die Wildhunde sind dort. Da habe ich die Leopardenspuren gesehen, und im Süden habe ich die Löwenbrüllen gehört".
Am Ende des zweiten Tages habe ich dann wirklich ein gutes Bild. Und am dritten Tag kann ich als Guide meine beste Arbeit leisten.
Also haben wir unsere Reiserouten auf der Grundlage dessen erstellt, was Brent und ich erlebt haben. Denn wir wollen die bestmöglichen Erlebnisse schaffen. Brent ist übrigens mein Bruder und Geschäftspartner.
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[00:29:15] Grant: Ich kann dir gar nicht sagen, André, wie oft ich schon eine Gruppe von Menschen geführt habe, die sich noch nie zuvor gesehen haben, und sich überhaupt nicht kennen. Und ein Jahr später bekomme ich ein Foto von ihnen, zusammen auf den Galapagos-Inseln Und im nächsten Jahr sind sie in Machu Picchu.
Es geht um mehr als nur die Reiseleitung. Es geht auch um die Beziehungen, die die Menschen untereinander aufbauen.
Und das Schöne an mobilen Safaris ist, dass die anspruchsvollen Reisenden aussen vor Bleiben. Die Gäste, die sich nur verwöhnen lassen wollen. Ich nenne sie die Modereisenden. Du weisst, wen ich meine, die die noch nie in Afrika waren, und sagen können wollen, dass sie schon mal auf Safari waren.
Und aufgrund dessen, was wir tun und wie wir es tun, ziehen wir eher bodenständige echte und gleichgesinnte Menschen an.
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Ich beende meine Folgen gerne mit Fragen zu Favoriten.
Was ist dein Lieblingsort in Botswana und warum?
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Ich glaube, für viele ist es heutzutage etwas sehr Spirituelles an Orte zu reisen, an denen es nicht viele andere Menschen gibt.
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Und die zweite Frage zu Favoriten: aus dem gesamten Tierreich, welches ist dein Lieblingstier?
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[00:30:58] André: Die schwarze Mamba? Warum?
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Und alle stehen einfach voller Ehrfurcht da, und beobachten diese Mamba.
Ich habe Schlangen schon immer geliebt, ich weiss nicht, das ist einfach eine genetische Veranlagung, mit der ich geboren wurde. Aber die schwarze Mamba ist einfach einzigartig.
Selbst ich, der keine Angst vor Schlangen hat, spüre, wie sich mir die Nackenhaare aufstellen, wenn ich eine Mamba sehe.
Und ich empfinde einfach diesen tiefen, instinktiven Respekt.
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[00:31:44] Grant: Eine durchschnittliche grosse schwarze Mamba ist drei Meter lang. Alles über vier Meter gilt als aussergewöhnlich gross.
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[00:31:59] Grant: Mein Rat wäre, nicht an der Ruhe vorbeizueilen. Nimm dir Zeit für die ruhigen Momente. Nimm dir Zeit zum Zuhören.
Oft sind es diese Momente, in denen ich auf einer Pirschfahrt bin, und den Motor abschalte, und zuhöre, dass ich im Einklang bin mit dem, was gerade passiert.
Sehr oft hört man dann eine Antilope, die vor einem Leoparden warnt, und wenn der Motor gelaufen wäre, hätte man das Geräusch verpasst. Man sollte also nicht in dieser Denkweise verharren, dass man ständig selbst auf der Jagd sein muss.
Öffne dich, und unterscheide zwischen einer Sichtung und einem Erlebnis. Und das sind zwei sehr unterschiedliche Dinge.
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[00:32:43] Grant: Weisst du, Leute streichen einen Leoparden von ihrer Liste, weil ein Leopard über die Strasse gesprungen ist, und sie sagen, wäre super, wir haben einen Leoparden gesehen. Aber eigentlich erlebt man einen Leoparden nur, wenn man eine Stunde lang bei ihm sitzt, und ihm dabei zusieht wie er seine Jungen leckt, oder sich putzt und sich fertig macht, um auf die Jagd zu gehen.
Es gibt einen riesigen Unterschied zwischen Sehen und Erleben.
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Wir haben gesehen, wie Teile der Impala auf den Boden gefallen sind, weshalb die Hyänen plötzlich da waren. Diese Interaktion zwischen den Hyänen und dem Leoparden im Baum war faszinierend.
Wir konnten die Enttäuschung im Gesicht des Leoparden sehen, weil er einen Teil an diese Tiere verloren hatte. Also ja, ich denke, du hast recht, man sollte diese Ruhe nicht vergessen.
Vielen Dank, Grant, es war grossartig mit dir zu reden.
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Es war mir eine grosse Freude mit dir zu sprechen, alter Freund. Ich habe es sehr geschätzt, dir ein paar Einblicke zu geben, und hoffentlich sehen wir uns bald in Botswana.
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Wir haben auch etwas über Mobile Safaris gelernt und darüber, wie Guides am besten ihre Gäste begleiten. Ich freue mich, dass wir die erste Schlange auf der Liste der Lieblingstiere meiner Gäste haben.
Ich hoffe, dass Grant dich dazu inspirieren konnte, mehr über alle verschiedenen Tiere zu erfahren, die du auf einer Safari sehen und hören kannst. Und dass du dich nicht nur auf die Big Five freust.
Eine Safari im Busch ist wirklich, wirklich wunderschön, und so beeindruckend. Es gibt einfach so viel zu sehen und zu erleben.
Schick mir gerne deine Fragen und Kommentare per E-Mail an podcast at africawithandre dot com