Artwork for podcast Ohne Senf – der Wissenspodcast des St.Gallen Collegiums
Sonderfolge – live mit Special Guests Manfred Lütz und Annette Kehnel: «Die Gier hat uns gelehrt, mehr zu produzieren, mehr zu konsumieren und mehr zu erreichen, aber nicht, wie man zufrieden ist.»
Episode 724th June 2026 • Ohne Senf – der Wissenspodcast des St.Gallen Collegiums • University of St.Gallen
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Shownotes

Ist Gier einer der größten Fehler der Menschheit oder ihre treibende Kraft? Und wenn Gier unsere Zivilisation aufgebaut hat, bleibt die Frage: Kann sie diese auch erhalten?

In dieser Sonderfolge, die während des St. Gallen Symposium in Town live in der historischen Stiftsbibliothek St. Gallen aufgezeichnet wurde, setzen sich unsere Gäste mit einem der umstrittensten und beständigsten Aspekte der menschlichen Natur auseinander: der Gier.

Gemeinsam mit der Historikerin Annette Kehnel und dem Theologen, Psychiater und Bestsellerautor Manfred Lütz untersucht Moderator Wolfram Eilenberger, ob Gier lediglich ein zerstörerisches Laster oder eine unverzichtbare Quelle für Innovation, Ehrgeiz und gesellschaftliche Entwicklung darstellt.

Das Gespräch reicht von mittelalterlichen Klöstern und dem Humanismus der Renaissance bis hin zum modernen Kapitalismus, zur Nachhaltigkeit, zur Sucht und zur Rolle der Religion bei der Prägung unseres Verständnisses menschlicher Wünsche. Dabei hinterfragen die Gäste gängige Annahmen über Fortschritt, Erfüllung und die Grenzen des Wirtschaftswachstums.

Gier wird oft als eines der ältesten Laster der Menschheit verurteilt. Doch würde die Zivilisation, wie wir sie kennen, ohne das Verlangen nach mehr – mehr Wissen, mehr Reichtum, mehr Möglichkeiten – überhaupt existieren? In dieser Sonderfolge diskutieren unsere drei Referenten live über das Spannungsfeld zwischen Ehrgeiz und Zurückhaltung, Fortschritt und Zufriedenheit sowie Wachstum und Nachhaltigkeit.

Indem die Bedeutung von Gier vom Mittelalter bis zur Gegenwart nachverfolgt wird, untersucht das Gespräch, wie sich Gier von einer Todsünde zu einer gefeierten wirtschaftlichen Tugend entwickelte, wie mittelalterliche Gesellschaften langfristiges Denken und Nachhaltigkeit pflegten und warum moderne Gesellschaften zunehmend Schwierigkeiten haben, zu definieren, was „genug“ ist.

Ausgehend von Geschichte, Philosophie, Psychologie und Religion bietet diese Folge Einblicke in den Zusammenhang zwischen Gier und Sucht, die Rolle von Technologie und Algorithmen bei der Förderung von Unzufriedenheit sowie die Frage, ob die heutige Gesellschaft die Fähigkeit verloren hat, über die heutige Generation hinauszudenken. Letztendlich stellt die Folge eine zentrale Frage: Wenn das Streben nach mehr zum Aufbau unserer Zivilisation beigetragen hat, kann es dann auch dazu beitragen, sie zu erhalten?

Die Bühne in der Stiftsbibliothek St. Gallen, die zu den ältesten und bedeutendsten Klosterbibliotheken der Welt zählt, bietet den passenden Rahmen. Die Bibliothek erinnert uns daran, dass manche Schätze ihren wahren Wert nicht durch Besitz, sondern durch den Austausch von Wissen offenbaren. Dies ist eine Mission, die das St. Gallen Symposium in Town und das St. Gallen Collegium verbindet. Angetrieben von dem gemeinsamen Glauben an die Kraft des Dialogs schaffen solche Kooperationen Räume für Gespräche, die Fachgrenzen und Generationen überschreiten, und uns ermutigen, die Zukunft nicht nur zu diskutieren, sondern aktiv mitzugestalten.

Prof. Dr. Annette Kehnel ist Professorin für mittelalterliche Geschichte an der Universität Mannheim und Fellow am St. Galler Collegium. Ihre Forschungsschwerpunkte sind mittelalterliche Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Nachhaltigkeit und kulturelles Gedächtnis. Sie ist Autorin mehrerer vielbeachteter Bücher, darunter „Die sieben Todsünden – Menschheitswissen für das Zeitalter der Krise“ (2024) sowie des preisgekrönten Buches „Wir konnten auch anders – Eine kurze Geschichte der Nachhaltigkeit“ (2021).

Prof. Dr. Manfred Lütz ist Psychiater, Theologe, Autor und öffentlicher Intellektueller. Als ehemaliger Chefarzt und Bestsellerautor hat er zahlreiche Werke zu den Themen Psychologie, Religion und Gesellschaft verfasst, darunter „Irre!“, „Der Skandal der Skandale“ und „Der Sinn des Lebens“.

Dr. Wolfram Eilenberger ist Philosoph, Autor, öffentlicher Intellektueller und Fellow am St. Galler Collegium. In seiner Arbeit beschäftigt er sich mit der Ideengeschichte, der Kultur und der Rolle der Philosophie in der heutigen Gesellschaft.

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