Von vielen unterschätzt, kann ein Delir schwerwiegende Folgen nach sich ziehen. Das Komplikationsrisiko bei einem Spital-Aufenthalt und die Morbiditätsrate steigen, wenn es nicht diagnostiziert wird. Da für die Diagnose kein Laborwert getestet werden kann, ist es umso wichtiger, dass das Umfeld mögliche Anzeichen erkennt und im Spital Screenings durchgeführt werden. Auch Zuhause kann ein Delir vorkommen, jedoch weniger häufig.
Dr. med. Markus Minder erklärt einfach und konkret, wie bei einem Delir die Neurotransmitter aus dem Gleichgewicht fallen, sodass alle Reize ungefiltert auf das Hirn einprasseln, was dieses in einen Stress-Zustand versetzt. Folglich ist die Patientin verwirrt und verhält sich anders. Minder ist der ärztliche Leiter und Co-Chefarzt des Zentrums für Altersmedizin und Palliativ-Care im Spital Affoltern am Albis (ZH). Es gibt das hyperaktive Delir, in dem der Mensch getrieben ist, und beispielsweise im Spital denkt, er müsse jetzt arbeiten gehen und auf den gebrochenen Fuss steht. Beim hypoaktiven Delir liegt er eher apathisch im Bett.
Unterstützend wirkt, wenn für einen Spital-Aufenhalt Hilfsmittel wie die Brille und das Hörgerät sowie persönliche Gegenstände mitgegeben werden, wie auch, dass nicht zu viel Besuch kommt. Allgemein hilft Ruhe, langsames Sprechen und eine Reiz-Reduzierung (Licht, Geräusche). Als Erstes soll jedoch die Ursache (z.B. eine Lungenentzündung) behandelt werden, nicht das Delir, sagt Minder.
Die drei D “Demenz, Depression und Delir” haben ähnliche Symptome, benötigen aber eine andere Behandlung. Die Demenz ist ein Risikofaktor für ein Delir. Des Weiteren sind es das Alter, stressige Situationen, zu wenig Flüssigkeit und Medikamente, die zu dessen plötzlichem Auftreten führen.
Timecode:
[05:55] Interview von Judith Kronbach mit Dr. med. Markus Minder (15 Minuten)
Links:
Episode 8: Depression und Demenz
Episode 26: Unterschied zwischen Depression und Demenz
Episode 32: Spital-Aufenthalt
Die Hosts:
Judith Kronbach, Expertin für Demenz, unterrichtet zum Thema Demenz und arbeitet in der Gerontologischen Beratungsstelle SiL der Stadt Zürich.
Alex Blunschi ist ehemaliger Leiter von SRF 3 und heute selbstständiger Moderator und Storyteller. Seine Eltern haben Alzheimer, resp. vaskuläre Demenz.
Mehr Infos:
Alles zum Podcast «Chopfsach» finden Sie auf: www.chopfsach-podcast.ch
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Chopfsach ist eine Produktion der Podcastschmiede. Finanziell unterstützt wird der Podcast von der Stiftung Plattform Mäander, Alzheimer Schweiz, Lundbeck und der Paulie und Fridolin Düblin Stiftung.
Produzentin: Carla Keller
Konzept: Franziska Engelhardt und Judith Kronbach
Musik: Daniel Hobi
Schnitt/Mix/Mastering: Anna Morf